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Dieses Thema hat 977 Antworten
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 Edgar-Wallace-Forum
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Count Villain Offline




Beiträge: 4.553

23.09.2022 09:30
#811 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten

Ich bleibe beim Rotwein. Danke für diesen humorvollen Vergleich!

Jan Offline




Beiträge: 1.729

23.09.2022 22:51
#812 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten

Ja, der wunderbare Hanns Lothar - er wäre eine ungemeine Bereicherung für die Reihe gewesen, und er hätte einen Typus einsteuern können, den es bis dahin bei Wallace nicht gab. Einmal, in der "Gruft", hätte es Harry Meyen sein können, der auch so eine unerklärliche Zerbrochenheit im Wechsel mit hintergründiger Härte hätte spielen können, wie es eben auch Hanns Lothar häufig möglich war. Leider wollten es weder Drehbuch noch Regie, dass Meyen diese Seite sonderlich hätte ausspielen können. In Kollaboration zwischen Vohrer und Lothar aber hätte daraus etwas ganz Eigenes, etwas ganz Großes werden können. Hanns Lothar hätte man die Prügelei ebenso abgenommen wie den Liebhaber, den energischen Verfolger bürgerlicher Rechte wie den ironisch abgeklärten Mitarbeiter Sir Johns. Was wären da gerade im Zusammenspiel mit Siegfried Schürenberg für amüsante Episoden denkbar gewesen. Leider - der frühe Tod dieses Ausnahmetalents machte der Sache den Garaus noch ehe sie beginnen konnte. War der Tod für Theater, Film und Fernsehen schon generell ein unermesslicher Verlust, so war es das für Wallace ganz im Speziellen noch einmal mehr.

Im Übrigen wäre auch Hanns Lothars Bruder Günther Neutze so ein Aspirant für Wallace gewesen, der es zu viel Ruhm und Ehre in der Reihe hätte bringen können. Nuja, häte, hätte Fahrradkette, sagte einmal irgendein berühmter Philosoph...

Gruß
Jan

Peter Ross Online



Beiträge: 1.926

24.09.2022 08:41
#813 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten



24.09.

Diana Körner feiert heute ihren 78sten Geburtstag




Hinweis: Dieser Text enthält Spoiler.
Diana Körner - mit Edgar Wallace begann eine Jahrzehnte lange Karriere
Mit 22 Jahren hatte die talentierte Theaterschauspielerin bereits ihr drittes Theaterengagement am Schillertheater in Berlin. Dramaturg am Haus war Albert Bessler, der in seiner Theaterfreizeit mehrfach die Rolle des obskuren Butlers in Alfred Vohrers Edgar-Wallace-Filmen spielte. Vielleicht nahm er Diana Körner einfach mal und empfahl sie Horst Wendlandt und Alfred Vohrer. Wendlandt schlug drei Fliegen mit einer Klappe: 1. er sparte Geld, denn eine Newcomerin dürfte erheblich geringere Gagen bekommen als beispielsweise Karin Dor oder Karin Baal; 2. er hatte eine sehr fähige und kompetente Darstellerin; 3. er gab dem Deutschen Film Innovation mit neuen Gesichtern. Und so ist die junge Diana Körner plötzlich mitten in dem farbigen Edgar-Wallace-Kracher „Die blaue Hand“ (1967) und muss haarsträubende Situationen bestehen. Sie machte ihren Job ausgezeichnet, wirkt sympathisch und ihre attraktive Natürlichkeit erschien Ende der 1960er Jahre modern und zeitgemäß. Leider wurde sie nicht als „Leading Woman“ genannt, obwohl ihr das gebührt hätte; leider spielte sie kein weiteres mal bei Wallace mit. Wie gut hätte sie in die letzten Wallace-Filme gepasst! Allmählich steigerte sich ihre Bekanntheit, ohne dass sie ihr schauspielerisches Niveau an billigen Trash oder Softsexfilme der Zeit verschwendete. Später war sie in sehr unterschiedlichen Filmen zu sehen: Konventionelle Familienfilme wie „Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung“ oder „Das fliegende Klassenzimmer“ , unkonventionelles wie „Rote Sonne“ oder „Potato Fritz“ und schließlich viel, viel Fernsehen. Ab der „Kommissar“-Folge „Lisa Bassenges Mörder“, in der sie ein sympathisches Mordopfer spielte, war sie in allen bekannten Fernsehkrimireihen mehrfach zu Gast. Aber auch viele Literaturverfilmungen konnte Diana Körner aufwerten. Ganz zauberhaft war insbesondere ihre Darstellung der schüchternen Armgard in der großen Fontane-Verfilmung „Der Stechlin“ (1875).
Aber die große Zeit der großartigen Fernsehspiele war irgendwann vorbei. Leider bot das Fernsehen immer weniger markante Filme und es kamen immer mehr Fast Food Serien, auch solche Serien, deren Existenz mir persönlich weniger notwendig erscheinen. Aber wenn man spielen kann und Lust drauf hat, warum sollte man nicht sein Geld so verdienen? Diana Körner war immer dabei! Wahrscheinlich war es am Beginn ihrer Karriere mit der blauen Hand auch nicht völlig anders. Klar, wir finden Edgar-Wallace-Filme super, doch es ist wohl für eine junge Theaterschauspielerin nicht der Lebenstraum, eine junge Frau spielen zu müssen, die sich vor Schlangen, Ratten, Spritzen und vermummten Gestalten mit stählernen Krallenhänden fürchten muss. Immerhin war dieser Film der Start für eine weit mehr als fünfzig Jahre langen Karriere. Und wenn es ihr gut geht, dann dreht sie bestimmt auch heute noch erfolgreich fürs Fernsehen.
Dieser Inhalt wurde von Hans-Jürgen Osmers (@fritz k) zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Diana Körner ist am 24.09.1944 geboren und kann daher heute ihren 78sten Geburtstag feiern. Herzlichen Glückwunsch!

Morgen geht es weiter.

Peter Ross Online



Beiträge: 1.926

25.09.2022 10:40
#814 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten



25.09.

Heinz Engelmann ist am 25.09.1996 verstorben


Eine große Gastrolle hatte Heinz Engelmann in "Das Gasthaus an der Themse". Er spielte dort den zwielichtige Kapitän Brown, der die Leila Smith heiraten soll um sich Zugang zum Vermögen zu verschaffen.
Eine weitere Rolle hatte er als Inspektor Bradley in dem Bryan Wallace Film "Das siebente Opfer".

Heinz Engelmann ist am 14.01.1911 geboren. Gestorben ist er am 25.09.1996. Das war heute vor 26 Jahren.

Morgen geht es mit einem Fotografen aus einer späteren Wallace-Verfilmung weiter.

Savini Offline



Beiträge: 618

25.09.2022 15:03
#815 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten

Zitat von Peter Ross im Beitrag #814
Morgen geht es mit einem Fotografen aus einer späteren Wallace-Verfilmung weiter.

Vermutlich dem, der oft als "schmierig" bezeichnet wird und für dessen Darsteller es der einzige Auftritt innerhalb der Serie war?

Peter Ross Online



Beiträge: 1.926

26.09.2022 07:50
#816 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten



26.09.

Vadim Glowna hätte heute seinen 81sten Geburtstag gefeiert




Wallace-Fans kennen Vadim Glowna aus "Die Tote aus der Themse". Er spielte den Fotografen David Armstrong, der mehr herausgefunden hat und schließlich zum tragischen Opfer wird.
Darüber hinaus war er allerdings auch Drehbuchautor, Regisseur und später mit seiner zeitweisen Ehefrau Vera Tschechowa Filmproduzent.

Vadim Glowna starb am 24.01.2012 im Alter von 70 Jahren. Geboren wurde er am 26.09.1941 und hätte heute seinen 81sten Geburtstag feiern können.

Havi17 Offline




Beiträge: 3.666

26.09.2022 10:38
#817 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten

Vadim Glowna spielt sehr eindringlich in "Gezeiten", für mich unvergessen

Gruss
Havi17

Georg Offline




Beiträge: 3.224

26.09.2022 12:39
#818 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten

Vadim Glowna war ein toller Schauspieler und ein hervorragender (Krimi)regisseur! In der Spätphase bei Ringelmann hat er viele Siska- und Der-Alte-Folgen inszeniert, die immer durch besondere Dichte bestachen und durch seine Regie zu einem Erlebnis wurden. Schade, dass er so früh gestorben ist. Mit seiner unverkennbaren Stimme und leicht melancholischen Art war er eine Bereicherung für jeden Film. Gut gefallen hat er mir auch in "Die Nacht von Lissabon".

Havi17 Offline




Beiträge: 3.666

26.09.2022 14:59
#819 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten

Absolut, ich kann den Film "Gezeiten" nur empfehlen, auch hier eine beondere Dichte!
Welche Film-DVD liegt gerade bei euch im Player? (312) Thread 4679

Gruss
Havi17

Peter Ross Online



Beiträge: 1.926

27.09.2022 08:30
#820 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten

Zitat von Havi17 im Beitrag #819
Absolut, ich kann den Film "Gezeiten" nur empfehlen, auch hier eine beondere Dichte!
Welche Film-DVD liegt gerade bei euch im Player? (312) Thread 4679

Danke für den Hinweis... werde ich mir demnächst einmal anschauen.
Hier geht es übrigens morgen weiter.

Peter Ross Online



Beiträge: 1.926

28.09.2022 08:33
#821 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten



28.09.

Heute vor 60 Jahren fand die Uraufführung von "Das Gasthaus an der Themse" statt




Hinweis: Dieser Text enthält Spoiler.
Das Gasthaus an der Themse - gute Laune mit einem Klassiker
1962 befinden wir uns auf dem Höhepunkt der Wallace-Welle: die Filme sind kommerziell außerordentlich erfolgreich, andere Produzenten werfen deshalb Ähnliches auf den Markt, aber Produzent Horst Wendlandt hat nicht nur die beste Crew, sondern auch genau die Leute, die Maßstäbe für das Genre setzen und den Wallace-Filmen ein ganz unverwechselbar eigenes Gesicht geben. Nachdem Harald Reinl und Jürgen Roland erfolgreich den Boden für das Genre ausgebreitet hatten, gab Regisseur Alfred „Freddy“ Vohrer den Filmen ihren unverwechselbaren Stil.
Seine ersten beiden Wallace-Filme „Die toten Augen von London“ und „Die Tür mit den sieben Schlössern“ waren sowohl kommerziell als auch im Vergleich künstlerisch herausragend und dabei filmästhetisch völlig eigenständig innerhalb des Krimigenres.
Horst Wendlandt wusste, was er an Vohrer hatte und Vohrer wiederum war motiviert, seinen Stil weiter auszuarbeiten. An Vohrers dritten Film ging man deshalb mit breitem Selbstbewusstsein und der Überzeugung, einen Klassiker auf die Beine zu stellen. Die gute Laune des Teams überträgt sich mühelos auf das Publikum, und: Ja, das Vorhaben ist den Machern gelungen!
Nach der kurzen stimmungsvollen Harpunenmordszene hören wir erstmals „Hallo, hier spricht Edgar Wallace“ und darauf eine lässige Gute-Laune-Bigband-Sound mit breiter Bariton-Saxophon/Posaunen-Melodie und eingesprenkelten Scream- und Gaggeräuschen. Komponist Martin Böttcher hat ganze Arbeit geleistet. So wünscht man sich den Sound. Wir lehnen uns zurück und freuen uns auf beste Unterhaltung und werden gleich in das berüchtigte Gasthaus an der Themse geführt: Nikotinnebel in der überfüllten Lasterhöhle, betrunkene Matrosen, leichte Mädchen und die Flickenschildt singt ein Chanson über alles, was in der Nacht geschieht. Im Nachhinein entpuppt sich die Titelmusik als Instrumentalversion dieses Chansons. Welch ein super Opening! Man weiß schon jetzt, dass dieser Film eine gute Wahl war. Das damalige Kinopublikum machte „Das Gasthaus an der Themse“ dann folglich auch mit fast 4 Millionen Besuchern zum größten Erfolg der Edgar-Wallace-Filmreihe.
Joachim Fuchsberger und Brigitte Grothum machen einen großartigen Job als Retter und Gerettete. Die Geschlechterklischees der Zeit und die moralischen Werte unserer Zeit vergleichen wir an dieser Stelle mal nicht, sondern nehmen hin, dass jede Zeit ihre Ethik hat. Dann kommt dieser Film in der Bewertung nämlich auch viel besser weg. Großartig ist vor allem auch Elisabeth Flickenschildt in der Rolle der Wirtin des kultigen Gasthauses. Sie singt mit verlebten Timbre das Chanson von der Nacht und mausert sich zu einer Ikone des deutschen Films. Ich wage zu behaupten, dass die Flickenschildt ohne diesen Film ( und ohne „Das indische Tuch“) heute wesentlich unbekannter wäre. Die Spelunkenwirtin hat ihr Schauspielerinnen-Image der einschüchternden reifen Frau bis heute nachhaltig geprägt, was beweist, dass hier etwas außerordentliches gelungen ist. Klaus Kinski hat einen seiner legendärsten Auftritte als „Gubanov - Gewürze Im- und Export“; Jan Hendriks etabliert sich hier endgültig als Darsteller frecher Krimineller; Richard Münch sorgt mit exzentrischem Spiel für eine der besten Entlarvungsszenen; Heinz Engelmann zeigt, dass er auch unseriöse Typen perfekt darstellen kann; Eddi Arent und Siegfried Schürenberg sind die unverzichtbaren Typen geworden, die uns in dieser Filmwelt heimisch fühlen lassen und Nebendarsteller wie Hela Gruel, Rudolf Fenner oder Hans Paetsch liefern beste Kabinettstückchen ab.
Kultig sind auch die Idee und die Umsetzung, nicht nur das Gasthaus, sondern auch die Themse als Schauplatz zu zelebrieren, denn es geht nämlich tief ins dreckige Nass hinein. Schließlich kann man ja einmal Elbe und Alster nutzen, wenn man schon in Hamburg einen Film dreht. Mit Unterwasserszenen zwischen Kanalisation und Hafenbecken bekommen wir stilbildende Bilder und Geräusche angeboten, die sich als Wallace-typisch ins Gedächtnis einbrennen und in „Der Hexer“ noch einmal zurückkehren.
Alles rosarot? Wenn man unbedingt noch meckern will, dann könnte man kritisieren, dass die Wirtin ein dramaturgisch durchdachteres Verhältnis zum Drahtzieher und damit ein konsequenteres Ende im Roman hatte. Aber angesichts dieses sonst perfekten Blockbuster sollten wir uns die gute Laune nicht mit Kleinkariertheit verderben lassen.
Alfred Vohrer hat seinen spezifisch exaltierten Stil in den nächsten drei Wallace-Filmen weiter ins Extrem gesteigert. Für die Wallace-Fans, die das weniger honorieren, ist „Das Gasthaus an der Themse“ im Verhältnis weniger bizarr und damit gut verdaulich geblieben, so dass der Streifen den verschiedensten Geschmäckern entgegenkommen dürfte.
Auch nach 60 Jahren ist dieser Film noch immer sicherer Garant für einen unterhaltsamen Abend in guter Laune und gehört zum besten, was Horst Wendlandt uns in Sachen Edgar Wallace anzubieten hatte. Ein echter Klassiker.
Dieser Inhalt wurde von Hans-Jürgen Osmers (@fritz k) zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Anhand der Kinozuschauerzahl sollte das "Das Gasthaus an der Themse" der erfolgreichste Wallace-Film der Reihe werden. Die Uraufführung fand am 28.09.1962 statt. Das war genau heute vor 60 Jahren.

Weitere Ereignisse:
- Tod Richard Häussler (28.09.1964)
- Tod Agnes Windeck (28.09.1975)

Morgen geht es mit Michael Blair weiter.

Peter Ross Online



Beiträge: 1.926

29.09.2022 10:31
#822 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten



29.09.

Edgar Wallace wird Vater: Michael Blair Wallace wird als zweiter Sohn geboren


Am 29.09.1916 wurde Michael Blair Wallace geboren. Leider wurde er nicht alt und starb bereits 1944 in einem Granatenhagel.
Michael Blair Wallace wäre heute 106 Jahre alt geworden.

Und morgen widmen wir uns einer Darstellerin, die auf eine Filmografie von 1913 bis 1979 zurück blicken kann.

Savini Offline



Beiträge: 618

29.09.2022 11:38
#823 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten

Zitat von Peter Ross im Beitrag #822
Und morgen widmen wir uns einer Darstellerin, die auf eine Filmografie von 1913 bis 1979 zurück blicken kann

... und bei ihrem einzigen Wallace-Auftritt gleich die Titelrolle verkörperte.

Peter Ross Online



Beiträge: 1.926

29.09.2022 14:08
#824 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten

Zitat von Savini im Beitrag #823
Zitat von Peter Ross im Beitrag #822
Und morgen widmen wir uns einer Darstellerin, die auf eine Filmografie von 1913 bis 1979 zurück blicken kann

... und bei ihrem einzigen Wallace-Auftritt gleich die Titelrolle verkörperte.

Und genau einen Tag vor ihrem Geburtstag war der letzte Drehtag des betreffenden Films. Deshalb habe ich den Film heute nicht erwähnt.

Peter Ross Online



Beiträge: 1.926

30.09.2022 08:07
#825 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten



30.09.

Lil Dagover hätte heute ihren 135sten Geburtstag gefeiert



Foto: Alexander Binder, 1927


Hinweis: Dieser Text enthält Spoiler.
Lil Dagover ( 1887-1980) - Diva aus gespenstischer Vergangenheit
Die jungen Menschen in dem Edgar-Wallace-Film „Die seltsame Gräfin“ (1961) stoßen auf längst vergangene Verbrechen der alten Menschen in diesem Film. Dementsprechend sind die Rollen der eher negativen Figuren folgerichtig mit Stars aus Kriminal- und Horrorfilmen der UFA-Zeit besetzt: Rudolf Fernau, Richard Häussler, Fritz Rasp und allen voran Lil Dagover als Titelheldin „Die seltsame Gräfin“.
Deren kapriziöse Attitüde scheint aus einer längst vergangenen Zeit zu stammen, ähnlich wie die der Norma Desmond aus Billy Wilders „Sunset Boulevard“, nur dass es bei der Dagover nicht nur eine Filmrolle gewesen zu sein scheint. Ihre immer wieder fiktiven Angaben zu ihrer Biographie und ihre Auftritte in der Öffentlichkeit sprechen Bände. Die Titelrolle in ihrem einzigen Wallace-Film scheint für die mondäne Diva wie gemacht zu sein, Filmfigur und das Bild, das die Schauspielerin öffentlich von sich präsentiert, liegen hier nicht so weit auseinander, nur das die echte Dagover natürlich keine Verbrecherin ist.
Man erinnert sich noch an die vagen Bilder einer blutjungen Frau, die von Dr. Caligaris somnambulen Faktotum Cesare nachts aus schiefen Häusern durch schräge Kulissen verschleppt wird. Ein fern zurückliegender Alptraum. Doch nun ist diese blutjunge Frau wieder da, inzwischen reif geworden, und sie erzählt uns als Gräfin Morin wieder von ihrer Angst. Der Expressionismus kommt zurück in die graue Alltagsgegenwart und wie in dem Stummfilmklassiker sich letztendlich alles als Szenen aus der Irrenanstalt entpuppt , ruft die Dagover auch in „Die seltsame Gräfin“ ihren guten alten Bekannten zur Hilfe: Irrenarzt Dr. Tappat. Darsteller Rudolf Fernau ist uns als dämonischer Dr. Crippen in eindrucksvoller Erinnerung. Die totgeglaubten Geister einer gespenstischen Zeit sind zurück und bedrohen die sympathischen jungen Leute von heute.
Seien wir doch mal ehrlich: Nach dem zum Kult gewordenen Stummfilm des Expressionismus „Das Cabinet des Dr. Caligari“ (1920) und zwei Fritz-Lang-Filmen aus den 20iger Jahren hatte die Dagover in “Die seltsame Gräfin“ ihre eigentlich beste Tonfilmrolle. Dabei war sie nach einem kurzen Gastspiel in Hollywood in den 1930er Jahren schon gut beschäftigte Filmdiva in großen Melodramen. Und wie andere große Diven auch wusste sie die Verhältnisse ihrer Zeit gut zu nutzen, ohne sich dabei mit den Niederungen der Politik öffentlich abzugeben. Im Melodram sind Probleme nämlich nie politisch, sondern nur im endlosen Kosmos des privaten Gefühlsleben beheimatet und eine echte Diva ist damit natürlich mehr als ausreichend beschäftigt. Ab den 1940er Jahren wurde Lil Dagover zunehmend als reife Aristokratin oder zumindest als Dame des gehobenen Bürgertums in zweiter Reihe besetzt. Kapriziös, mondän und melodramatisch: die expressionistische Attitüde lebte in ihren Darstellungen immer weiter. Sicher hätte sie damit vor allem in Edgar-Wallace-Filmen noch mehr gute Rollen ausfüllen können, was dann aber die Flickenschildt, die Horney oder die Steppat hervorragend und möglicherweise flexibler gemacht haben - aber nicht so mondän wie die Dagover gewesen wäre! Exaltierte Variationen der Gräfin-Rolle spielte sie später nur noch in zwei Fernsehkrimis: „Hotel Royal“ und „Tatort: Wodka Bitter-Lemon“.
Eine echte Diva muss sich eben rar halten! Doch wenn sie auftritt und wir das Glück haben, dabei zu sein, dann wirkt sie. Und irgendwie bekommen wir eine Ahnung davon, dass die Gefühle früher alle einmal viel größer gewesen sein müssen.
Dieser Inhalt wurde von Hans-Jürgen Osmers (@fritz k) zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Lil Dagover ist am 23.01.1980 im Alter von 92 Jahren verstorben. Geboren ist sie am 30.09.1887. Das war heute vor 135 Jahren.

Morgen geht es hier mit einem Autor weiter.

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