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Dieses Thema hat 20 Antworten
und wurde 953 mal aufgerufen
 James-Bond-007-Forum
Seiten 1 | 2
Baal1985 Offline



Beiträge: 71

24.10.2021 13:47
#16 RE: Bewertet: "Keine Zeit zu sterben" (GB 2021) Zitat · Antworten

Zitat von DanielL im Beitrag #14


Wäre es nicht viel ehrlicher und konsequenter, dann etwas Neues zu erfinden und zu Erfolg zu bringen, wo eine solche Figur ihren uneingeschränkten Leadactor-Platz bekommt? Der Agentenfilm hat doch auch neben Bond schon erfolgreiche Sachen hervorgebracht: Die Harry-Palmer-Filme, diese Triple-X-Actionfilme, die Jason-Bourne-Reihe,... Wo bleiben denn da die guten Ideen für eine eigenständige Heldin, die dem Genre einen neuen Anstrich gibt? So spielt Lashana Lynch gut auf, es gibt Szenen und Momente, die durchaus amüsant sind, aber letztlich wirkt es so, als habe man später selbst nicht so recht gewusst, wohin mit der Figur.


Natürlich wäre das eine tolle Sache, aber dazu bedarf es Kreativität und Gestaltungswillen. Dieser scheint bei Befürwortern der Cancel-Culture komplett zu fehlen. Da ist es viel einfacher herumzumeckern und die scheinbar letzte Bastion des Patriarchats auf "Teufel-komm-raus" kaputtzumachen.

Ein Bond, der nicht nur eine Silhouette im Anzug ist, sondern menschliche Züge trägt, zu schaffen war meiner Meinung nach richtig und sinnvoll. Jemand, der wie Pierce Brosnan einfach nur "Im Dienste der Majestät" nach "Schema F" agiert wäre in einem Zeitalter, in dem technische Neuerungen von einst nicht nur eine Fantasie, sondern Realität sind, kaum noch glaubhaft gewesen. Das hat sich schon bei "Die Another Day" angedeutet. Ein koreanischer Dikatatorsohn, der sich umoperieren lässt und mit einem Satelliten auf die Erde schießt...alles klar. ^^


Mein Fazit: Ich bin im Zwiespalt. Meine persönliche Reihenfolge ist: Casino Royale, Quantum of Solace und Skyfall auf Plaz zwei , No Time to Die, Spectre.

"No Time to Die" geht den in "Casion Royale" konsequent zu Ende. Wir wissen, dass James Bond ein menschliches Wesen ist, dessen Fähigkeiten und Charakter nicht einfach vom Himmel fallen. Die Geschichte hat einige neue Einfälle. Interessanterweise hat der Film trotz drei Stunden Spieldauer praktisch keine Längen. Für einen wirklich guten Bond sind mir jedoch einfach zu viele kitschige Passagen enthalten, die böse Zungen als Einknicken vor der Woke-Culture werten können. Außerdem hätte man meines Erachtens nach aus dem Bösewicht noch viel mehr rausholen können.

Ray Offline



Beiträge: 1.841

29.10.2021 19:54
#17 RE: Bewertet: "Keine Zeit zu sterben" (GB 2021) Zitat · Antworten

Hab den Film nun gestern auch im Kino gesehen. Meine Erwartungen waren schon nicht allzu hoch, weil mir der eingeschlagene Weg seit "Skyfall" nicht gefallen hat. Dass dieser fortgesetzt werden würde, war schon wegen der Lauflänge zu erwarten - und da ist es, das nächste "Bond-Epos". Trotz herabgesetzter Erwartung war ich aber doch ziemlich ernüchtert.

Das erste Mal schlucken musste ich direkt zu Anfang, als Bond gegenüber der aus "Spectre" schon bekannten Madeleine während einer von mehreren sehr schlechten CGI-Autofahrten das bedeutungsschwangere "Wir haben alle Zeit der Welt"-Zitat aus "Im Geheimdienst Ihrer Majestät" brachte. 95% der Zuschauer verstehen es sowieso nicht, und den Großteil derjenigen, die es verstehen, dürfte es eher vor den Kopf stoßen.

Davon ab ist die Eröffnungssequenz eigentlich recht gelungen, die Schauplätze haben große Schauwerte und es gibt die in meinen Augen einizigen (!) erinnerungswürdigen Action-Sequenzen im Film. Da sind wir schon beim ersten großen Kritikpunkt: Die Produktion hatte ein gigantisch hohes Budget zur Verfügung, aber wo sind - abgesehen vom Anfang - die krachenden, Maßstäbe setzenden Actionsequenzen, für die die Reihe immer stand? Klar, ein bisschen Action gibt es immer mal, aber wie gesagt nichts Erinnerungswürdiges/Spektakuläres. Mit der "Mission: Impossible"-Reihe will (und kann?) man es offenbar schon lange nicht mehr aufnehmen. Zieht man jedenfalls als Referenz deren letzten Beitrag "Fallout" heran, wird die Luft für "Keine Zeit zu sterben" sehr, sehr dünn.

Christoph Waltz Auftritt als Blofeld ist überraschend groß und er macht seine Sache auch gut, aber der eigentliche Bösewicht bekommt dafür im Gegenzug trotz der Überlänge gefühlt nur 15 Minuten Screentime. Außerdem fragt sich, warum inzwischen jedem Bond-Bösewicht eigentlich mit dicken, roten Lettern "Psychopath" auf die Stirn geschrieben stehen muss. Das nahm mit Javier Bardems "Joker für Arme" in "Skyfall" den Anfang und setzt sich spätestens hier fort. Das geht doch alles deutlich dezenter und mit mehr Klasse, wie die Vergangenheit gezeigt hat.

Einer der großen Zankapfel war erwartungsgemäß auch die Einführung einer weiblichen 007, die Bonds Nummer übernommen hat, während er den Dienst beim MI6 quittiert hatte. Dass an dem Drehbuch nachträglich herumgewurschtelt wurde, merkt man hier am deutlichsten: Denn Lashana Lynch als Nomi ist schlicht überflüssig, zumal die holde Weiblichkeit (auf dem Papier) auch so schon sehr ordentlich repräsentiert ist: Lea Seydoux als Bonds neue große Liebe Madeleine, die aufgewertete Miss Moneypenny in persona von Naomie Harris und die schon aus "Knives Out" bekannte Ana de Armas als CIA-Agentin Paloma. So führt man die Figur der Nomi ein und weiß letztlich doch nicht so recht was mit ihr anzufangen. Als "love interest" taugt sie nicht, denn Bond hat sich schließlich mal wieder unsterblich verliebt. Die Nummer tritt sie im Laufe der Handlung dann doch wieder an Bond ab und in den Actionsequenzen spielt sie auch eher eine Nebenrolle. Insgesamt eines von vielen Beispielen der letzten Filme, in denen gewisse Elemente als zu sehr "gewollt" erscheinen, weil sie sich schlicht nicht stimmig ins Handlungsgerüst einfügen.

Überhaupt, die Handlung: Diese bio-chemische Waffe ist ja durchaus eindrucksvoll, wird aber im Verlaufe des Films dann nicht mehr näher erläutert und kommt auch nicht mehr wirklich zum Einsatz. Bis weit über der Hälfte des Films folgt man dem eher gemächlichen Erzähltempo noch einigermaßen hoffnungsfroh, weil man glaubt, der Film würde erst noch so richtig in Fahrt kommen, doch dann biegt er wie schon "Skyfall" leider völlig falsch ab.

Nachdem Bond Madeleine nach der Eröffnungssequenz erstmal im Zug "ablädt", ist man erstmal erleichtert. Denn die Liebesbeziehung der beiden war schon in "Spectre" nicht plausibel erklärt, sondern wurde von einem Moment auf den anderen einfach vorausgesetzt. Der aufmerksame Zuschauer sieht aber schon, während Madeleine Bond bei Abfahrt des Zuges durchs Abteil nachläuft, wie sie auf ihren Bauch zeigt. Und so wird Bond im letzten Drittel quasi zum "Babynator". Er ist Vater einer Tochter und muss im großen Showdown Mutter und Tochter aus den Fängen des Bösewichts befreien. Es folgt ganz viel "großes Drama", Theatralik und Herzschmerz. Dabei traf man von Seiten der Macher die jedenfalls mal sehr mutige Entscheidung, Bond am Ende sterben zu lassen. Folge dürfte wie von Daniel schon vermutet, das nächste Reboot sein, was m.E. wenig Sinn macht und eine weitere von vielen Fehlentscheidungen in jüngerer Vergangenheit sein könnte. Dass man dann im Abspann auch noch "We have all the time in the world" aus "Im Geheimdienst Ihrer Majestät" spielte, hat mich auch eher verägert: Man hat so ein wenig das Gefühl, dass man so diejenigen unter den Bond-Fans, die das bemüht epische Finale nicht berührt hat, durch die Erinnerungen an den Lazenby-Film und die Eigendynamik des Songs emotional "packen" wollte. Das erscheint mir jedoch ziemlich unlauter: Entweder man schafft es, durch den eigenen Film mit all seinen Zutaten, das Publikum emotional abzuholen, oder eben nicht. Aber dann einen alten Song für das letzte Quäntchen im wahrsten Sinne des Wortes zu instrumentalisieren, hinterlässt einen faden Beigeschmack.


Was war noch? Erfreulich der Aufritt von Jeffrey Wright als Felix Leiter, weil er an die guten Zeiten der Craig-Ära erinnert, wenngleich man mit ihm auch nicht gerade fein umgeht. Vom Titelsong ist bei mir wenig hängen geblieben, aber er trifft wohl die Tonalität des Films.

Unterm Strich würde ich "Keine Zeit zu sterben" vorerst hinter "Ein Quantum Trost", "Casino Royale" und "Spectre", und mit "Skyfall" ziemlich "auf Augenhöhe" einordnen. Was in Punkten so viel heißt wie 2 von 5. Sehr schade, denn die Daniel Craig-Ära fing mit zwei starken Filmen sehr hoffnungsvoll an. Deren Stärken, kompromisslose, handgemachte Action hat man im Laufe der Zeit zugunsten aufgeblasener, aufgesetzt-komplexer, pseudo-epischer Dramen geopfert. Gespannt wie es weitergeht bin ich natürlich dennoch, aber sonderlich hoffnungsvoll ehrlich gesagt nicht. Ethan Hunt, übernehmen Sie!

DanielL Offline




Beiträge: 4.138

03.12.2021 19:22
#18 RE: Bewertet: "Keine Zeit zu sterben" (GB 2021) Zitat · Antworten

Die Kritik hier finde ich auch ganz gut, geht in eine ähnliche Richtung: https://www.digitalfernsehen.de/top-news...nd-kino-580212/

Gruß,
Daniel

Edgar007 Offline




Beiträge: 2.546

03.12.2021 20:21
#19 RE: Bewertet: "Keine Zeit zu sterben" (GB 2021) Zitat · Antworten

Ich werde niemals verstehen, warum bei Daniel Craig immer wieder von "Vermenschlichung" oder "Bond mit Gefühlen" geschrieben wird. Aber klar, die "seriösen" und "kompetenten" Kritiker haben mit Sicherheit noch nie George Lazenby in IM GEHEIMDIENST IHRER MAJESTÄT gesehen.

DanielL Offline




Beiträge: 4.138

03.12.2021 20:46
#20 RE: Bewertet: "Keine Zeit zu sterben" (GB 2021) Zitat · Antworten

Naja, GEHEIMDIENST ist einer meiner Lieblingsfilme und ich verstehe schon was gemeint ist. Bei Lazenby verliebt sich Bond (übrigens romangetreu), die Figur ist unverändert zu den vorangegangenen Filmen. Bei der Craig-Ära ist es dagegen eher Grundkonzept, dass sich allerlei Privates in die Geschichten mischt. Man denke nur an die familiäre Backstory mit dem Waltz-Blofeld oder eben die jetzt neuesten 'Erfindungen'.

Gruß,
Daniel

Edgar007 Offline




Beiträge: 2.546

03.12.2021 22:18
#21 RE: Bewertet: "Keine Zeit zu sterben" (GB 2021) Zitat · Antworten

Zitat von DanielL im Beitrag #20
Naja, GEHEIMDIENST ist einer meiner Lieblingsfilme und ich verstehe schon was gemeint ist. Bei Lazenby verliebt sich Bond (übrigens romangetreu), die Figur ist unverändert zu den vorangegangenen Filmen. Bei der Craig-Ära ist es dagegen eher Grundkonzept, dass sich allerlei Privates in die Geschichten mischt. Man denke nur an die familiäre Backstory mit dem Waltz-Blofeld oder eben die jetzt neuesten 'Erfindungen'.

Die "familäre Backstory" gab's aber erst bei den letzten beiden Filmen - und die Kritiker schwärmten schon vorher vom "gefühlvollen Bond". Abgesehen davon ist die Blofeld-Story völliger Schwachsinn.

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