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Dieses Thema hat 4 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 413

13.11.2020 19:11
Eine Handvoll Helden (1967) Zitat · Antworten

Eine Handvoll Helden (1967)

Regie: Fritz Umgelter

Besetzung: Horst Frank, Valeria Ciangottini, Jörg Pleva, Martin Lüttge


Nach der Niederlage der preußischen Armee in der Doppelschlacht von Auerstedt und Jena fluten die geschlagenen Truppen zurück in Richtung Saale, um sich am jenseitigen Ufer in Sicherheit zu bringen.
Der leicht verwundete Hauptmann von Bruck bekommt den Befehl, mit den Resten seiner arg dezimierten Truppe die Windmühle von Reinersdorf zu halten, um der flüchtenden Preußenarmee den Rückzug über die in der Nähe liegende unversehrte Saalebrücke zu ermöglichen. Hier gibt Horst Frank, sonst eher auf Schurkenrollen festgelegt, eindrucksvoll das Bild eines schneidigen Offiziers, den trotz allem Heldenmutes durchaus Zweifel an seiner Mission plagen und der auch menschliche Regungen zeigt.
Seine Aufgabe ist nicht einfach, schlichtweg ein Himmelfahrtskommando, denn zusammen mit den übriggebliebenen Kämpfern seiner Jägerkompanie und ein paar versprengten Husaren und Dragonern sowie eines wegen Plünderung verurteilten Kanoniers besteht seine zusammengewürfelte Truppe nur aus dreizehn Mann. Aber ein anderer Offizier verspricht, Verstärkung zu bringen. Die junge Angelika (gespielt von der Italienerin Valeria Ciangottini), die bei der Schlacht am Vortag ihren Verlobten verlor und zusammen mit den Müllersleuten aus dem Kampfgebiet weggeschickt wurde, beobachtet allerdings, wie die Verstärkung niedergemacht wird und kehrt zu den Verteidigern der Mühle zurück, die sie schon vorher kennengelernt hat. Von Bruck stellt es seiner Mannschaft nun frei, dazubleiben oder zu gehen. Zwei der Burschen strecken daraufhin die Waffen und machen sich auf den Weg nach Hause, werden aber kurze später bei einem Aufeinandertreffen mit feindlichen Soldaten erschossen. Die Husaren und der halbseidene Kanonier haben sich in der Zwischenzeit vom Schlachtfeld eine Kanone besorgt, der Oberjäger Rückert (Karlheinz Fiege) als Förster baut allerlei tückische Fallen in die sumpfige Gegend, auch der Student Borgmann (Rolf Becker) tüftelt an der Verteidigung herum. Als der erste Spähtrupp der Franzosen kommt, kann der verjagt werden, doch dem Oberbefehlshaber der napoleonischen Garden ist die strategische Bedeutung der Windmühle durchaus klar, und er befiehlt die Eroberung. Nun beginnen die Franzosen Angriff auf Angriff, erst mit Infanteriesoldaten, später sogar mit Kanonen, während das Häuflein der Verteidiger immer mehr zusammenschmilzt. Kann es für sie eine Rettung geben ?

Der Film ist natürlich eine starke Abweichung der üblichen Sehgewohnheiten. Soldaten in deutschen bzw. preußischen Uniformen, die mal nicht als absatzknallende Befehlsmaschinen oder kindermordende Ungeheuer daher kommen ? Oder eben als großzügig eingesetzte Zielscheibe für kaugummikauende oder sonstige Demokratiebringer dienen ? Nein, diesmal ist es der Franzos’, dessen Militärstiefel als Eroberer die fremden Lande betritt, und welcher auch ganz schön Federn lassen muss, während von Bruck und seine Gefährten ihr Land gegen die Machtgelüste des «großen Korsen» verteidigen. Für mich besonders interessant, da sich die gezeigten Ereignisse ganz in der Nähe der heimatlichen Gefilde abgespielt haben (obwohl der Film ja großteils in Ungarn gedreht wurde). Da gibt es jede Menge Napoleonsteine, markierte Truppenwege, museale Information und sogar eine historische Windmühle, die damals eine wichtige Bedeutung hatte, dem Orkan «Kyrill» zum Opfer fiel und wieder aufgebaut wurde. Allerdings hat sie nichts mit der «Reinersdorfer» Mühle gemeinsam, die wohl nur in der Phantasie existiert.
Der Film wird ja gerne mit «Alamo» verglichen, doch obwohl in jeder Hinsicht ein paar Nummern kleiner als John Waynes überlanges, schwafelndes und pompöses Heldenepos, weiss der Streifen aus der Zeit der napoleonischen Kriege mit halb so langer Spieldauer viel besser zu unterhalten.
Dass der Krieg hier nur als «fröhliches Abenteuer» gezeigt wird, wie es die zeitgenössische Filmkritik unterstellt, kann man nicht ganz so stehen lassen.
Den Verteidigern auf ihrem aussichtslosen Posten steht die Verzweiflung mitunter deutlich ins Gesicht geschrieben, auch der kommandierende Hauptmann sieht sich in einer Zwickmühle, bei dem natürlich das militärische Pflichtbewusstsein über alle anderen Gefühle steht. Kritische Töne am gegenseitigen Töten und der eigenen Opferung werden von den Mannschaften durchaus angebracht. Die Kämpfe selber sind (meistens) für damalige Zeiten ziemlich realistisch dargestellt, das fast völlige Fehlen der sonst üblichen aufputschenden Filmmusik verstärkt diese Wirkung enorm. Auch mit Vorderladern, Kanonen, Bajonetten und Säbeln war massenweises Abmurksen im «Weltkrieg des 19. Jahrhunderts» möglich. Ein mit einem Bauchschuss verletzter Kämpe muss unter gräßlichen Qualen krepieren – so etwas wird man wohl in «Alamo» und ähnlichen Werken vergeblich suchen. Eher peinlich und makaber wirkt dagegen eine selbstgebastelte Vorrichtung, mit der auf den «Erbfeind» geschossen wird, die von dem dann Jahrzehnte später als «Mitrailleuse» verwendet wurde.
Natürlich gibt es auch patriotische Töne, aber wesentlich dezenter als bei den üblichen Machwerken, die so über den großen Teich herübergeflattert kommen.
Bis zu einem gewissen Grad hat es damals wohl auch noch gegenseitige Ritterlichkeit, oder was man darunter verstand, gegeben.
Wie alle derartige Filme hinterlässt das Ganze einen zwiespältigen Eindruck, ob ein Gemetzel im Großen oder auch nur ein «Scharmützel», was die ganze Geschichte ja nun war, jemals irgendeinen Sinn haben kann ? Hier ist eben auch ein großer Minuspunkt der altdeutschen Heldenstory, nachdem zum Schluss auch die Letzten in der Mühle, die einem irgendwie auch an Herz wachsen konnten, in die Binsen gegangen sind, und auch der militärische Auftrag erfüllt wurde, ist dann ratzfatz Schluss, die immer gutgeschminkte Dame des Stückes hat überlebt, guckt ein bisschen indigniert, das wars dann. Irgendwie unbefriedigend, aber was soll man auch mehr erwarten ?

Der Film «Eine Handvoll Helden» ist eine mit beträchtlichem Aufwand inszenierte (fiktive) Episode aus einer im Bewusstsein der Deutschen eher stiefmütterlich behandelten Zeit, die in ihren besten Momenten zur Nachdenklichkeit anregt, ansonsten spannende Unterhaltung bietet.
Ich würde schlechte vier von fünf Punkten geben.

Tarzan Offline



Beiträge: 961

13.11.2020 22:09
#2 RE: Eine Handvoll Helden (1967) Zitat · Antworten

Waynes ALAMO ist sicherlich keine schlechtere Unterhaltung. Und EINE HANDVOLL HELdEN ist ja Remake eines Filmes aus 1930, was dien Ausgang des Abenteuers erklärt. Die Kampfszenen sind nicht zwiespältiger als im zeitgenössischen Söldnerfilm. Von dem, was hierzulande 1967 gedreht wurde, einer der besseren Filme!

Giacco Offline



Beiträge: 1.987

14.11.2020 17:07
#3 RE: Eine Handvoll Helden (1967) Zitat · Antworten

Ein paar zusätzliche Informationen:

EINE HANDVOLL HELDEN (AT: DIE LETZTE KOMPANIE)
D/I (1967) - R: Fritz Umgelter - DE: 17.11.1967 - FSK 12 - V: Constantin
Prod.: Rapid-Film, München (Wolf C.Hartwig) (70%)/ P.E.A., Rom (30%)
weitere Darsteller: Volkert Kraeft, Rolf Becker, Franco Fantasia, Franz Rudnick, Karlheinz Fiege

"... strenger Männerfilm, der ausgezeichnet fotografiert und besetzt ist. Horst Frank darf endlich einmal einen Helden spielen und seine übliche Verbrecherrolle ablegen. Er tut es mit fast preußischer Hingabe." (Film-Echo)

Bei deutschen Kinopublikum fiel der Film damals durch. Er wurde dann umgetitelt in "Die letzte Kompanie", was aber auch nichts änderte. Beim Film-Echo gingen weniger als 10 Meldungen ein.

Kinoplakat.

https://www.cinematerial.com/movies/eine...1746/p/xa8ibxmy

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 413

17.11.2020 18:11
#4 RE: Eine Handvoll Helden (1967) Zitat · Antworten

Zitat von Tarzan im Beitrag #2
Waynes ALAMO ist sicherlich keine schlechtere Unterhaltung. Und EINE HANDVOLL HELdEN ist ja Remake eines Filmes aus 1930, was dien Ausgang des Abenteuers erklärt. Die Kampfszenen sind nicht zwiespältiger als im zeitgenössischen Söldnerfilm. Von dem, was hierzulande 1967 gedreht wurde, einer der besseren Filme!


Ich mag die Western mit dem «Duke» ziemlich gut leiden, man weiß halt, was man bekommt. Auch mit John Wayne als Person habe ich kein unlösbares Problem, er hatte sicher seine dunklen Seiten wie jedermann, aber er hat halt eine Meinung gehabt und die auch vertreten, das muss nicht jedem unbedingt gefallen. Doch bei «Alamo» war keiner da, der ihm Zügel angelegt hat, sein selbstkreiertes Werk ist einfach zu weitschweifig geworden. Mal grob gesagt, es dauert einfach viel zu lange, bis was passiert. Da kommt «Eine Handvoll Helden» viel eher auf den Punkt. Auch finde ich es nicht so pathetisch wie Ami-Filme generell (einschließlich Wayne), allerdings hätte ich mir trotzdem vielleicht ein bisschen mehr historische Aufklärung, gerade auch über die Motivation der Beteiligten, gewünscht. Aber das ist sicher in diesem Rahmen zu viel verlangt, auf jeden Fall, wie Du schreibst, mit Sicherheit einer der besseren Filme der Sechziger.


Zitat von Giacco im Beitrag #3
Bei deutschen Kinopublikum fiel der Film damals durch. Er wurde dann umgetitelt in "Die letzte Kompanie", was aber auch nichts änderte. Beim Film-Echo gingen weniger als 10 Meldungen ein.


Tja, mit deutschen Helden hatte man es seit Anno 45 nicht mehr so. Die durften für die Akzeptanz des Publikums höchstens noch durch die jugoslawische Prärie reiten und den armen unterdrückten Indianern beistehen. Obwohl ja der oberste blonde Teutonen-Hero wiederum ein waschechter Amerikaner war…

Tarzan Offline



Beiträge: 961

18.11.2020 09:33
#5 RE: Eine Handvoll Helden (1967) Zitat · Antworten

Die viel kompliziertere Alamo-Historie, inkl. Einbeziehung einiger Westernhelden, ist naturgemäß schwieriger auf Leinwand zu händeln, als die heroische Verteidigung einer Brücke. Insofern halte ich James Edward Grants Skript für Waynes Alamo gar nicht mal so schlecht. Wayne ist Wayne und bleibt sich auch da treu, inkl. des langen Republic-Dialoges. Hier ist aus seiner Weltanschauung ein gut dosiertes Stück Leinwandabenteuer entstanden. Der deutsche 67er-Film will indes nur unterhalten. Irgendein tiefergehender Dialog ist mir da nicht in Erinnerung. Deshalb kann der Film sich auch auf die Action konzentrieren. 1967 war das Fernsehen für geschichtliche Meinungen zuständig. Umgelter war dort ja weitaus besser unterwegs. Betrachtet man die Autorenschaft des deutschen Films, zieht er gegenüber Alamo auch den kürzeren. Beide Filme kann man im Grunde nicht vergleichen. Waynes Alamo kann es aber qualitätsmässig immer mit dem Film aufnehmen (alleine schon durch Tiomkins Musik lol).
Trotzdem mag ich den Umgelter-Film auch. Er hat seine Reize, auch durch Horst Frank. Und es stimmt... Die BRD tut sich mit Helden schwer. Nur wenn sie fallen oder einer Minderheit helfen, genießen sie Akzeptanz.

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