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Dieses Thema hat 44 Antworten
und wurde 1.414 mal aufgerufen
 Off-Topic
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Havi17 Online




Beiträge: 3.278

14.08.2020 10:34
Qualität im TV Zitat · Antworten

Leider können das die Jüngeren nicht nachvollziehen. Max Schautzer bringt es auf den Punkt:
https://web.de/magazine/unterhaltung/sta...ischer-34986676

Gruss
Havi17
[small] We cannot solve the problems we have created with the same thinking that created them" Albert Einstein [/i]
"You will be assured in your thinking through people you know and search" B.H.
"Den Reifegrad einer Gesellschaft erkennt man daran, wie man mit dessen schwächsten Glied umgeht- den Alten und den Kindern" Hopi-Indianer
"Gefällt mir gut, daß Sie loyal sind - Eigentlich bin ich nur ehrlich" Rififi am Karfreitag [/small]

Jan Offline




Beiträge: 1.489

14.08.2020 12:32
#2 RE: Qualität im TV Zitat · Antworten

Naja, ein bisschen Verklärung der Vergangenheit schwingt da aber auch stets mit. Gerade die beiden Angesprochenen (also Peter Alexander und Caterina Valente) sind doch m.E. schon deutlich mit den hier so gescholtenen Florian Silbereisen und Helene Fischer vergleichbar. Ich bin sicher kein Fan von beiden (auch nicht von Alexander/Valente) aber ich bin vor x Jahren mal in eine Florian-Silbereisen-Show gestolpert (besser gezerrt worden). Das, was er dort ablieferte, hat selbst mir einen gewissen Respekt abgerungen. Da war nix gefaket, nix Playback. Das war schon alles echt und recht mitreißend. Da in der Show sind im Übrigen nicht nur ältere Damen oder gesetztere Herren ausgeflippt. Das Publikum war überraschend jung!

Hinzu kommt, dass das Fernsehen vor 45 Jahren, als noch Peter Frankenfeld, Harald Juhnke oder Hans-Joachim Kulenkampf die Show-Bühnen beherrschten, einen ganz anderen Stellenwert hatte als heute. Wie in so vielen anderen Bereichen auch, sind die ganz großen TV-Ereignisse schon lange passé. Deswegen würde ich per se aber nicht den heutigen Akteuren gleich das Talent absprechen. Wir zerreißen ja auch nicht die Edgar-Wallace-Filme, weil wir als Messlatte Fritz Langs "Metropolis" anlegen.

Gruß
Jan

Havi17 Online




Beiträge: 3.278

14.08.2020 14:01
#3 RE: Qualität im TV Zitat · Antworten

Sehe ich etwas anders, wobei Film als Meßlatte anzulegen der Sache nicht gerecht wird.
Heute hat ein "Star" den ungeschützten Titel Entertainer, weil er es versteht die
Menschen zu unterhalten. Das kann man uneingeschränkt auf Youtuber, Influenzer und
alle weiteren künftigen Unterhalter ausdehnen. Da werden wir in Zukunft immer Stars
finden die das "können".

Ja und beim "Können" da scheiden sich die Geister. Einen heutigen Star mit Peter
Frankenfeld, Michael Schanze, Rudi Carell, H.J. Kulenkampf, Heinz Schenk, Vico
Torriani, Harald Juhnke, Hans Rosental, usw. usw. zu vergleichen, da fehlen mir
einfach die Argumente. Da suche ich Empathie, Galanz, Intelligenz, echten Wortwitz,
usw. Und ich nenne es mal Schaffenskraft, Diese Enterainer wollten den Menschen
etwas mitgeben, der eine etwas mehr (H.J. Kulenkampf), der andere etwas weniger.
Bildung eben, sei es Kultur (Oper, Operette), Literatur etc, oder aber auch Freude,
Lebensmut, Freiheit etc.

Thomas Gottschalk fällt mir spontan als einziger Entertainer heutezutage ein.
Selbstverständlich hat "Können" nur einen Sinn, wenn die heutigen Menschenmassen
überhaupt einen Anspruch dazu haben und dies dann auch noch wahrnehmen, sofern Anspruch
nicht schon zu altmodisch geworden ist. Auch damals sind bei Konzerten Leute
ausgeflippt, nannten die Interpreten jedoch nicht Entertainer, das ist nun vorbei.

Eine Welt hat sich seit damals noch ins Heute gerettet, die Volksmusik, der
ungekrönte König der Unterhaltung mit immer hohen Zuschauerzahlen und Plattenverkäufen.
Da kann ich bequem F. Silbereisen und Helene Fischer mit neuem Rythmus und Look
dazu einreihen.

Und da gebe ich Dir Recht da bleibt noch Talent übrig, das Wort dürfte heute noch
gebräuchlich sein. Und das haben die Beiden, in der Tat!

Gruss
Havi17

Edgar007 Offline




Beiträge: 2.388

14.08.2020 15:31
#4 RE: Qualität im TV Zitat · Antworten

Ich persönlich mag den Silbereisen nicht, aber ich glaube schon, dass der was drauf hat. Solange die Sendungen genügend Zuschauer finden, werden sie auch produziert - heute mehr als früher. Und das TV-Programm ist immer ein Spiegelbild der Gesellschaft. Leider!

Havi17 Online




Beiträge: 3.278

14.08.2020 16:07
#5 RE: Qualität im TV Zitat · Antworten

Zitat von Edgar007 im Beitrag #4
Und das TV-Programm ist immer ein Spiegelbild der Gesellschaft. Leider!
Wenn man das mit dem Quotendenken der Redakteure verknüpft, in der Tat . Es ist auch weitaus bequemer sich an den Quoten oder Kaufproduktionen die bereits solche hatten zu orientieren. So können manche Menschen auch ohne Rückgrad stehen. Anfang der 70er gab es noch Redakteursfernsehen. Redakteure entschieden gemäß Bildungsauftrag, was im TV lief. So wurden hi und da Interessen beim Zuschauer geweckt und eine Eingleisigkeit reduziert. Sehr sehr interessant ist nachfolgender Beitrag dessen 2 Teile ich seinerzeit aufzeichnen konnte. Auf wesentlich Kernaussagen reduziert, hatte ich diesen auch mal nach Rücksprache mit Eckhart Schmidt in dies Forum gestellt. Darin kamen auch namhafte Regisseure zur Sprache, eine sehr gute und aufwendige Auftragsprodukton. Kann das leider hier im Forum mit Suche nicht finden. https://www.wunschliste.de/serie/fernsehgeschichte-n-deutsch

Gruss
Havi17

Fabi88 Offline



Beiträge: 3.634

14.08.2020 17:37
#6 RE: Qualität im TV Zitat · Antworten

Ich dachte erst, hier wird ein Riesen-Fass aufgemacht und dann geht es doch nur um seichte Schlager-Unterhaltung gestern/heute.
Ich schaue zu selten ins Forum (und vor allem in die Nebenbereiche) als dass ich mich hier nun rege an einer Diskussion beteiligen könnte, aber möchte doch einen Einwurf machen:
Ich flüchte vor Silbereisen und Peter Alexander gleichermaßen - Ist Alles nicht meine Musik, ob nun 50 Jahre her oder aktuell.
Dementsprechend habe ich auch andere Vorstellungen von Unterhaltung als die Fischer singen zu hören. Bei Juhnke kann man mich mit den Gesangsnummern aber ebenfalls verjagen und die "Two Ronnies" haben die selben Sketche wie "Harald & Eddie" übrigens ohnehin besser dargeboten.
Wenn wir den Horizont auf TV-Unterhaltung allgemein vergrößern, muss ich dann aber doch relativieren. Selbst das von mir so gefeierte "Schmidteinander" hatte nie die Qualität, die ich ihm im Rückblick immer zubillige. Da werfe ich mich bei einigen Ausschnitten noch immer weg, aber sich komplette Folgen nochmal anzuschauen, ernüchtert dann doch sehr. Auch "Wetten dass" hatte schon in der Hochphase der 90er Längen ohne Ende, wo ich mich erinnere, dass die ganze Familie teilweise noch Nebenbeschäftigungen nachgegangen ist. Ich vermute also vorsichtig, dass auch bei Frankenfeld (den ich sehr schätze!) oder Carrell nicht jede Sekunde Sendezeit ohne Einschränkungen packend war. Die alten Haudegen profitieren stark davon, dass heute nur Highlights und Zusammenfassungen gesehen werden.
Zu guter Letzt war es früher natürlich auch in beide Richtungen eine Verknappung. Die schiere Menge der Leute, die ins Rampenlicht drängten, war sicherlich kleiner, gleichzeitig gab es viel weniger Bühnen, respektive Sender, aus denen der Zuschauer wählen konnte. Da sind einige Moderatoren sicher vom Zuschauer auch eher angenommen worden, weil die Alternative "Ausschalten" gewesen wäre und es fand irgendwann eine Art "Stockhausen-Syndrom-light" statt und man gewöhnte sich an Gesichter, die man heute einfach aufgrund der Masse des Angebots wegdrücken würde.
Ich war ja selbst lange genug Anhänger dieser "Früher war Alles besser"-Ideologie, was Filme, Musik und Co angeht, aber die aktuelle Dekade hat ganz einfach den Nachteil, dass sie in Echtzeit läuft. Wenn man sich an großartige Kinojahre wie 1969 ("Im Geheimdienst ihrer Majestät", "Asphalt-Cowboy", "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe",...) erinnert, erinnert man sich eben nicht mehr daran, dass die teilweise parallel im Kino liefen und es Wochen/Monate gab, in denen im Kino nur Schrott angeboten wurde - will sagen: Der Rückblick erlaubt die Verengung auf Highlights, dementsprechend rechne ich durchaus damit, dass auch 2018 oder 2019 irgendwann im Rückblick kein "langweiliges Jahr mit 20 Marvel-Superhelden-Filmen und ein bisschen Star Wars und Co" war, sondern man sich nur an die wirklich starken Filme erinnert - die vielleicht sogar in der ersten Rezeption etwas unterganggen sind.
Die "jungen Leute", die in Havi17s Einleitungssatz von wegen "Leider können das die Jüngeren nicht nachvollziehen." mal so eben nonchalant von oben herab belächelt werden, stehen in 50 Jahren sicherlich auch da und blicken mit verklärter Sicht auf die 1-2 YouTuber oder Influencer, die vielleicht gar nicht so mies sind, wie ich sie alle sehe.

Havi17 Online




Beiträge: 3.278

14.08.2020 17:52
#7 RE: Qualität im TV Zitat · Antworten

Danke für Deine Hinweise. Ich blicke jedoch nicht zurück, wie viele,
die Du nanntest die das im Nachhinein tun. Ich versuche auch nur darüber
zu informieren, was ich selbst erlebt habe, oder aus zuverlässigen Quellen
in Erfahrung bringen konnte, denn diese Thematik interessiert mich
persönlich sehr. Ja, ich bin mit diesen Enterainern aufgewachsen, die man
damals jedoch im deutschen Raum nicht unbedingt so nannte und habe so
manche Ankedote bei Gesprächen mit Schauspielern und Reaktionen erlebt.
Natürlich gab es auch seichte Sachen, eben nur als pure Unterhaltung.

Das Umfeld der Psycholgie, das Verhalten von Menschen, deren Manipulation
ob unfreiwillig oder absichtlich liegt ebenfalls ibn meinem Interesse.
Auch beobachte ich gespannt die Entwicklung meiner Kinder auch punkto
Filme und sorge dementsprechend für ein quotenfreies Angebot.

Gruss
Havi17

schwarzseher Offline



Beiträge: 593

14.08.2020 18:12
#8 RE: Qualität im TV Zitat · Antworten

Ich glaube ich bin schon immer eine Minderheit gewesen ???Ich glaube auch nicht das ich die Vergangenheit verkläre ( so in der Erinnerung..)Was ich früher gut fand steht auch heute im Regal und was früher eher zu wegsehen war kann ich auch heute "kaum ertragen".zB. Inge Meysel ( Unverbesserlichen ? ) oder besagte Valente (am besten noch mit untalentiertem Bruder usw usw die uns im Fernsehen gequält haben ( "mussten" ja mitschauen )oder später dann Musik zB Disco ...um einige Hits der damaligen Zeit zu sehen/hören musste man zig Schlagerwürste und einen "Moderator" über sich ergehen lassen der wirklich glaubte er wäre mit seinen Theo Lingen Gehabe und Parodien witzig und jugendlich usw usw..
aber eben auch Wallace und Durbridge und vieles andere was auch heute noch nichts an Faszination verloren hat.
zB Kulenkampff hat mich damals mit seiner Show begeistert und könnte ich mir auch heute noch ansehen .Fragen nicht "doof" ,keine abgehalfterten C Comedians als Kandidaten und ein tolles umgehen mit den Menschen (trotzdem witzig )

Der schlimmste Unterschied ist meiner Meinung heute der "erziehende und belehrende " Grundton in fast alle Sendungen .Jeder der nicht total verbl....ist merkt sofort wohin die Reise gehen soll.
Wenn man früher eine "Botschaft" hatte war es eigentlich dezenter verpackt ? oder ?
Für Politik war eigentlich eher die Tagesschau da ( und auch die war anders........)
Das jeder Schlagerfuzzi ( H. Fischer ,Grölemeier) heute mehr Zuschauer hat wie meine "alten" Heros....geschenkt ( das die Radiosender wirkich glauben zB. P.Maffay wäre ein Rockmusiker ist bedrückend )
Fazit (für mich ) ......DVDs, Internetradio , Stick mit 200 Hits für die ohren im Auto (oder Hörspiel )......

Marmstorfer Offline




Beiträge: 7.460

14.08.2020 23:13
#9 RE: Qualität im TV Zitat · Antworten

Unabhängig von der Diskussion - das Interview mit Max Schautzer ist sehr unangenehm zu lesen - es trieft vor Eigenlob; dabei hat Schautzer doch selbst nur piefigste Sendungen moderiert (ARD-Wunschkonzert, Immer wieder Sonntags), die mit den großen Shows der Entertainer-Legenden um Kuli und Frankenfeld nicht mal im Ansatz zu vergleichen wären. Und Helene Fischer ist sicher vieles, aber bestimmt kein Playback-Star; die Dame singt (fast) immer live!

Edgar007 Offline




Beiträge: 2.388

15.08.2020 09:10
#10 RE: Qualität im TV Zitat · Antworten

Zitat von Marmstorfer im Beitrag #9
es trieft vor Eigenlob; dabei hat Schautzer doch selbst nur piefigste Sendungen moderiert

Das stimmt! Aber "Pleiten, Pech und Pannan" fand ich super.

Fabi88 Offline



Beiträge: 3.634

16.08.2020 13:11
#11 RE: Qualität im TV Zitat · Antworten

Zitat von Havi17 im Beitrag #7
Danke für Deine Hinweise. Ich blicke jedoch nicht zurück, wie viele,
die Du nanntest die das im Nachhinein tun. Ich versuche auch nur darüber
zu informieren, was ich selbst erlebt habe, oder aus zuverlässigen Quellen
in Erfahrung bringen konnte, denn diese Thematik interessiert mich
persönlich sehr. Ja, ich bin mit diesen Enterainern aufgewachsen, die man
damals jedoch im deutschen Raum nicht unbedingt so nannte und habe so
manche Ankedote bei Gesprächen mit Schauspielern und Reaktionen erlebt.
Natürlich gab es auch seichte Sachen, eben nur als pure Unterhaltung.

Das Umfeld der Psycholgie, das Verhalten von Menschen, deren Manipulation
ob unfreiwillig oder absichtlich liegt ebenfalls ibn meinem Interesse.
Auch beobachte ich gespannt die Entwicklung meiner Kinder auch punkto
Filme und sorge dementsprechend für ein quotenfreies Angebot.


Wenn Du andere über das informierst, was du erlebt hast, so blickst Du doch ganz natürlich zurück? Und auch die Quellen - ich nehme an, du sprichst von Leuten aus der TV-Branche - werden kaum objektive Blickwinkel einnehmen, sondern ihre eigenen Vorbilder ebenso verklären, wie sie vielleicht auch das eigene Schaffen überhöhen.
Zum Thema "Manipulation": jeder Künstler, Entertainer, Moderator, Komiker oder was auch immer arbeitet doch auf eine Rezeption hin? Ist es schon Manipulation, wenn ein Komiker eine Anekdote so erzählt, dass er Lacher erntet? Oder geht die Manipulation erst da los, wo die Stoßrichtung eines Beitrags nicht die Weltsicht der Zuschauer repräsentiert, die diese monieren?
Und "quotenfreies Angebot" bei Filmen finde ich sehr schwammig. Die einzigen Filme, die keine Quote machen sollen (=gutes Einspielergebnis erzielen sollen), sind vielleicht einige wenige Autorenfilme, die durch Fördergelder finanziert werden und wo eine Rückzahlung schon in der Planungsphase fast ausgeschlossen wird. Aber gerade unsere "Wallace"-Filme waren eine reine Ware und auf den größtmöglichen Erfolg ausgerichtet.
Nebel, Londonpanorama - Fernweh der Krimi-süchtigen Deutschen bedienen, immer mehr Leichen und abstruse Mörderkostüme - Bedienung der Schaulust, mehr nackte Haut und Hippie-Elemente - Anbiederung an Schulmädchen-Kinotrends und die jüngere Zielgruppe. Das ist doch alles Nichts, was Disney und Co erst vor ein paar Jahren erfunden haben?
Man kann höchstens das Argument ins Felde führen, dass es mittlerweile wissenschaftlicher betrieben wird und es früher viel mehr Try-and-Error gab, wobei es Überraschungshits wie "Star Wars", aber auch komplett fehlgeplante Flops wie "Howard, the Duck" gab, wo man sich heute fragt, wie man sich da die Zielgruppe ausgemalt hat und auf einen Blockbuster hoffen konnte.
Und vielen öffentlich-rechtlichen Formaten kann man den Quoten-Druck nun wirklich nicht vorwerfen. Es gibt ja immerhin auch selbstkritische Ventile wie "ZAPP - Das Medienmagazin".
Höchstens die Entwicklung beim "Tatort" sehe ich kritisch. Da hat eigentlich exakt die Gruppe, die dem "Tatort" Manipulation oder Beeinflussung vorwirft, erreicht, dass es eine Quote für Experimente (=spannende, freigeistige Projekte) gibt und mehr 08/15-Krimis gedreht werden müssen.

Havi17 Online




Beiträge: 3.278

16.08.2020 16:17
#12 RE: Qualität im TV Zitat · Antworten

Lieber Fabi,

vielleicht reden wir ja aneinander vorbei, oder wir kommen halt nicht überein. Es ist doch statthaft, wenn ich heute
etwas, oder einen Trend beobachte, seine Erinnerungen zu mobilisieren. Gleiches auch, wenn ich heute mit Leuten
rede und die dieses ebenfalls tun. Unvoreingenommen natürlich, denn es geht ja nicht darum zu beweisen, daß
früher alles besser war oder um kindisches Gehabe, alles besser zu wissen. Wenn Leute oder auch ich Dinge so
erlebt haben, dann frage ich mich was denn noch objektiver sein kann. Da kommen wir ggf. nicht überien.

Autorenfilme anzusprechen, von welchen ich einige gesehen habe, ist auf der anderen Seite für mich so viel
wie das Dschungelcamp heutzutage. Nein, Autorenfilme treffen einen Trend genausowenig wie ein Dschungelcamp
oder ein paar gute Magazine die es heute (noch) gibt, denn wenn man Bestätigungen für irgendetwas sucht, wird man
auch etwas finden ob heute oder gestern.

Vielleicht ist das wie mit einem guten Restaurant. Wenn man den Anspruch und den Geschmack hat, wird man
heute wie damals welche finden. Wenn es keine Mc Donalds gab, werden diese nicht fehlen, doch wenn es nur
noch Mc Donalds gibt, und man sich noch an ein gutes Restaurant erinnert, wird es einem fehlen, auch wenn es
heute irgendwo in Timbuktu noch eines geben sollte.

Gruss
Havi17

schwarzseher Offline



Beiträge: 593

16.08.2020 16:51
#13 RE: Qualität im TV Zitat · Antworten

manchmal bin ich mir nicht ganz sicher ob ich euch noch folgen kann......aber zB . speziell die Tatort Entwicklung find ich schon sehr interessant. Als Fan der "gestandenen " relativ "normalen " Ermittler ( Finke ,Haverkamp ( Frikadellen und Getue mit geschiedener Frau lass ich mal so durchgehen )Bülow,Trimmel,Lutz,Konrad usw. habe ich irgendwann mal aufgehört die Serie zu schauen. Das einfache Rezept " modern = noch größere Macke wie der Vorgänger oder noch mehr weitere Probleme aus dem "wahren Leben " quasi als Verbesserung des Krimis Tatort zu "verkaufen " ?? Sehe da wenig "freigeistige Projekte" oder ähnliches ....eher Lindenstraße als Krimichen verpackt ( und natürlich mit "Botschaft"

Meine Sicht als einfacher Krimi Seher

Fabi88 Offline



Beiträge: 3.634

17.08.2020 12:45
#14 RE: Qualität im TV Zitat · Antworten

Zitat von Havi17 im Beitrag #12
Lieber Fabi,

vielleicht reden wir ja aneinander vorbei, oder wir kommen halt nicht überein. Es ist doch statthaft, wenn ich heute
etwas, oder einen Trend beobachte, seine Erinnerungen zu mobilisieren. Gleiches auch, wenn ich heute mit Leuten
rede und die dieses ebenfalls tun. Unvoreingenommen natürlich, denn es geht ja nicht darum zu beweisen, daß
früher alles besser war oder um kindisches Gehabe, alles besser zu wissen. Wenn Leute oder auch ich Dinge so
erlebt haben, dann frage ich mich was denn noch objektiver sein kann. Da kommen wir ggf. nicht überien.

Autorenfilme anzusprechen, von welchen ich einige gesehen habe, ist auf der anderen Seite für mich so viel
wie das Dschungelcamp heutzutage. Nein, Autorenfilme treffen einen Trend genausowenig wie ein Dschungelcamp
oder ein paar gute Magazine die es heute (noch) gibt, denn wenn man Bestätigungen für irgendetwas sucht, wird man
auch etwas finden ob heute oder gestern.

Vielleicht ist das wie mit einem guten Restaurant. Wenn man den Anspruch und den Geschmack hat, wird man
heute wie damals welche finden. Wenn es keine Mc Donalds gab, werden diese nicht fehlen, doch wenn es nur
noch Mc Donalds gibt, und man sich noch an ein gutes Restaurant erinnert, wird es einem fehlen, auch wenn es
heute irgendwo in Timbuktu noch eines geben sollte.

Ich glaube, wir diskutieren einfach auf unterschiedlicher Grundlage. Wenn du eigene Erinnerungen für eine "objektive Sichtweise" hältst, kommen wir tatsächlich nicht überein. Eine objektive Sichtweise schließt gerade Erinnerungen aus.
Aber was das Restaurant-Gleichnis betrifft, stimme ich Dir zu - allerdings nicht mit der "gab es früher nicht"-Klausel.
Es gibt heute nicht nur McDonalds und im Umkehrschluss würde ich flache Unterhaltung ohne zweite Ebene (wozu ich Peter Alexander und Co absolut zähle) als das McDonalds früherer Zeiten bezeichnen, auch wenn Du hier wohl vehement widersprechen würdest. So geht es bei Restaurants wie Unterhaltung letztlich doch um Geschmack und ob irgend jemand davon satt wird.

Fabi88 Offline



Beiträge: 3.634

17.08.2020 13:47
#15 RE: Qualität im TV Zitat · Antworten

Zitat von schwarzseher im Beitrag #13
manchmal bin ich mir nicht ganz sicher ob ich euch noch folgen kann......aber zB . speziell die Tatort Entwicklung find ich schon sehr interessant. Als Fan der "gestandenen " relativ "normalen " Ermittler ( Finke ,Haverkamp ( Frikadellen und Getue mit geschiedener Frau lass ich mal so durchgehen )Bülow,Trimmel,Lutz,Konrad usw. habe ich irgendwann mal aufgehört die Serie zu schauen. Das einfache Rezept " modern = noch größere Macke wie der Vorgänger oder noch mehr weitere Probleme aus dem "wahren Leben " quasi als Verbesserung des Krimis Tatort zu "verkaufen " ?? Sehe da wenig "freigeistige Projekte" oder ähnliches ....eher Lindenstraße als Krimichen verpackt ( und natürlich mit "Botschaft"

Meine Sicht als einfacher Krimi Seher


Bevor ich mich hier weiter äußere, schränke ich ein, dass ich "Tatort" nur noch gelegentlich schaue und es ewig her ist, dass ich zuletzt selbst bei einem Film der Reihe am Set stand. Von daher habe ich gar kein Interesse daran das Format irgendwie zu verteidigen. Letztlich bin ich ja nach wie vor der Meinung, dass es sich nur um einen Sendeplatz, bzw. eine Sendereihe handelt. Für eine Filmreihe oder gar Serie müssten sehr viel weniger Entscheidungsträger und Köpfe am Werke sein und auch mehr Gemeinsamkeiten auftauchen. Vieles, was den aktuellen "Tatorten" also vorgeworfen wird, ist also eher eine Entwicklung im Film-/Serienbereich allgemein und gar nicht "Tatort"-spezifisch.
Sofern der Kriminalfall als solcher gelungen ist, kann ich mit Ermittlern, die Ecken und Kanten haben, gut leben. Zumal Dortmund hier ja dem Ganzen die Krone aufgesetzt hat, Faber dennoch zu den beliebtesten Ermittlern gehört und aus meiner Sicht Teams, die danach eingesetzt wurden längst nicht mehr so viel Privatkram mit sich herum schleppen. Da ebbt der Trend vielleicht sogar eher schon wieder etwas ab.

Ich finde es ohnehin sehr lustig, wie einerseits bei aktuellen Tatorten über zu viel aktuelle (politische) Themen und das ausgebreitete Privatleben der Ermittler gemeckert wird, die selben Leute dann aber in Erinnerungen an Schimanski schwelgen. Ich habe die Schimanski-Filme alle gesehen - und zwar aufgrund meines Alters nicht in der jeweiligen Zeit, sondern mit zeitlichem Abstand und entsprechender Distanz - und dass auch Schimanskis Liebschaften und Privatprobleme sehr viel Raum erhalten, will ja wohl niemand bestreiten? Man kann auch durchaus feststellen, dass die Schimanski-Tatorte durch die Bank weg mit moralischem Zeigefinger und aktuellen, politischen Themen daherkommen. Schimanski wird klar als eher links gesinnt dargestellt, stellt sich hier und da sogar gegen den eigenen (eher reaktionären) Polizeiapparat, türkische Mitbürger werden ganz bewusst meist positiv und als Kumpels dargestellt. Und dann ging es handlungstechnisch gern um Handel mit asiatischen Kindern, italienische Clans im Ruhrgebiet, Sekten, arabische Terrorgruppen, Glücksspielszene, Drogenhandel, Rotlichtmilieu, Arbeitsplatzabbau bei Kohle und Stahl, kriminelle Unternehmungen von Pharma-Unternehmen in der dritten Welt und Co. Das sind Alles Themen, die die Gesellschaft damals beschäftigt haben. So sind es heute nun einmal Flüchtlingskrise, Sexismus und Co. Dass man die "Schimanski"-Filme im Rückblick als "normale, unpolitische Krimis" betrachtet, hat vielleicht damit zu tun, dass man sich an die BILD-Schlagzeilen und Ähnliches einfach nicht mehr erinnern mag oder kann. Man hätte sich damals ebenso gut darüber beschweren können, dass zu einem Thema, was in allen Gazetten dominiert "nun auch noch ein Tatort gedreht wird".

Allgemein zu "Trends", wie sie hier ja nur diffus angesprochen werden:
Filme und Serien waren früher nahezu absolut Handlungs-getrieben. Aus Produzentensicht wurde jeder Teil als eigenständiges Produkt gesehen, die Überlegungen gingen nur so weit, dass man für die Fortsetzung "mehr von dem, was die Zuschauer sehen wollen" und "weniger von dem, was nicht gut ankam" aufgefahren wurde. Selbst bei Filmreihen fand keine Entwicklung der Figuren statt. Extrembeispiele sind hier wohl "Der dünne Mann", wo im Laufe der Reihe ein Sohn geboren wird, dieser dann ohne Erklärung aber wieder verschwindet - wahrscheinlich, weil die Zuschauer lieber weiter verantwortungslose Trinker sehen wollten.
Auch bei James Bond spielt der tragische Tod seine Frau lange keine Rolle mehr (hält dann später nur als Motivation für den Mord an Blofeld noch einmal her) und Felix Leiter kann problemlos Gliedmaßen verlieren und ein paar Filme später wieder quietschfidel durch die Landschaft latschen. Auch hier gab es keine inhaltlichen oder künstlerischen Gründe, man wollte nach Lazenby einfach nur wieder zurück zur lockeren Art von Connery und Felix Leiter war zu beliebt, als dass man ihn dauerhaft durch eine andere Figur austauscht oder nur am Schreibtisch zeigt. Heute würde man hier krampfhaft noch etliche Handlungswendungen einbauen, Tracy Bonds Tod immer wieder thematisieren und bei Leiter erklären, wie er körperlich wieder hergestellt werden konnte.
Es gab zwar zuvor schon (eher im Kino) Charakter-getriebene Stoffe ("Haie der Großstadt" beispielsweise), aber bei Serien stand doch immer das Episodenhafte und Kurzweil noch stärker im Vordergrund. Seien es die 25minüter des deutschen Werbefernsehens oder Serien wie "Mit Schirm, Charme und Melone", wo es keine Rolle spielt, in welcher Reihenfolge man die Folgen guckt, oder ob man alle oder nur 7 Folgen sieht.
Das änderte sich mit der Zeit massiv, auch weil die Konkurrenz zahlenmäßig größer wurde und man mehr Gründe finden musste, den Zuschauer bei der Stange zu halten.
Lustigerweise gibt es gerade bei der Serie "Miami Vice", die ich für eine der ersten "modernen" Serien halte, weil sie die problembehafteten Charaktere und ihre Konflikte in den Mittelpunkt stellte, noch einige massive Fehler. So ballern auch Gina und Trudy munter in der Gegend herum, in einer kompletten Episode geht es dann aber unvermittelt um die psychischen Probleme Ginas nach einem von ihr abgefeuerten, tödlichen Schuss.
Heutigen Serien passiert sowas eher selten und viele (gefeierte) Serien bieten handlungstechnisch wenig, sondern sind nur darauf ausgerichtet, Entwicklungen aller möglichen Charaktere darzustellen und den Zuschauer dabei möglichst durchgängig am Konsum zu halten. Man liest vielleicht schon heraus, dass ich wenig davon halte. Ich bleibe dann eher bei Handlungs-getriebenen Serien wie "Babylon Berlin".
Und waren Charakter-getriebene Plots im Kino eher selten (siehe "Taxi Driver" oder "Bad Lieutenant"), schwappt der Fokus von Serien auf Charaktere und verzahntes Erzählen nun (leider) vermehrt auch auf (Unterhaltungs-)Filme über.
Während "Der Herr der Ringe" allein aus Handlungs-Gründen in drei Kinofilmen erzählt werden musste, kommt es immer öfter vor, dass Filme einer Reihe nicht (oder kaum mehr) solitär funktionieren. War es früher möglich einen beliebigen James Bond-Film für sich stehend zu schauen, hat ein Zuschauer ohne große Vorerfahrungen bei einem Film wie "Spectre" wohl in vielen Momenten nur noch Fragezeichen vor den Augen, weil sich vieles direkt auf Vorgänger bezieht oder deren Handlung weiter erzählt wird (bzw. kläglich versucht wird Alles zusammenzuführen).
Der Tatort eignet sich nun leider aber gar nicht für horizontale Erzählung, weil zwischen Filmen jeweiliger Ermittler auch gern mal ein Jahr liegt. Dennoch versucht man wohl ein Stück weit die Ermittler charakterlich greifbarer zu machen, indem man ihnen viele Eigenheiten gibt und das Privatleben mehr in den Vordergrund stellt. Das zu Grunde liegende Problem ist sicherlich auch, dass es mittlerweile einfach viel zu viele Teams gibt. Sich da mit möglichst spektakulären psychischen Knacksen von den anderen abzuheben, ist da fast schon die einfachste Möglichkeit in Erinnerung zu bleiben.

Und mit den Experimenten meine ich die Filme, die eben weder reine Krimi-Klischees bedienen und ihren Plot handwerklich sauber herunter erzählen, noch mit kaputten Charakteren um sich werfen, aber keine Handlung erzählt bekommen, sondern sich erzählerisch und/oder handwerklich etwas trauen. Da wären beispielsweise die Tukur-Tatorte vom HR genannt.

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