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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 138 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker international
DanielL Offline




Beiträge: 3.841

03.05.2020 21:46
Agenten sterben einsam (1968) Zitat · Antworten

AGENTEN STERBEN EINSAM (Where Eagles Dare) USA 1968 • Regie: Brian G. Hutton • Drehbuch: Alister MacLean • Kamera: Arthur Ibbetson • Schnitt: John Jympson • Musik: Ron Goodwin • Produktion: Jerry Gershwin, Elliott Kastner (MGM)

Eine britisch-amerikanische Spezialeinheit wird in ein Himmelfahrtskommando geschickt: Major Smith (Richard Burton) und Lieutenant Schaffer (Clint Eastwood) sollen einen wichtigen US-General aus der schwer befestigten Burganlage "Schloss Adler" in den Alpen befreien. Zusammen mit fünf weiteren Soldaten springen sie hinter der feindlichen Linie in den Bergen mit dem Fallschirm ab. Nach der Landung wird der Funker der Gruppe tot aufgefunden, allerdings entdeckt Smith, dass es sich mitnichten um einen Unfall gehandelt hat. Neben der Frage, wie die scheinbar unüberwindbare und nur mit Seilbahn erreichbare Festung erreicht und lebendig wieder verlassen werden soll mischt sich die Erkenntnis, dass auch auf der eigenen Seite niemandem zu trauen ist.

AGENTEN STERBEN EINSAM ist ein Agenten- und Kriegsfilm nach einem Originaldrehbuch von Alister MacLean. Der gleichnamige Roman wurde erst nach dem Film herausgebracht. Die MGM-Produktion steht ganz im Zeichen der beeindruckenden, schneebedeckten Schauplätze in Österreich und ihrer handwerklich aufwändigen Inszenierung im Winter 1968. Regisseur Kastner und sein Team aus kolportiert 300 beteiligten Personen verfrachteten Tonnen von Equipment (darunter nicht wenig Schwarzpulver und dergleichen) und die US-Major-Stars Burton und Eastwood in den Tiefschnee der Alpen. Die erste Hälfte des Films ist atmosphärisch sehr gelungen und schildert einerseits die Vorbereitungen auf die Infiltration von Schloss Adler (in Wirklichkeit die Festung Hohenwerfen bei Salzburg), andererseits werden bereits zwei Mitglieder der Gruppe tot aufgefunden, noch ehe sich die Gruppe in falschen Uniformen im Tal eingenistet hat. Das weckt früh Fragen nach der Loyalität der Figuren. In der zweite Hälfte des Films geht es unglaublich explosiv und actionreich zu. Eastwood bedient vor allem die MG und verteilt Sprengsätze, Burton hat durchaus die ein oder andere Szene, die ihm etwas mehr Text und Schauspielkunst abverlangen. Vor allem, weil er die Dialogszene bestimmt, in der sich in mehreren aufeinander folgenden Wendungen zeigt, wer auf wessen Seite steht. Auch die übrige Bestzung wirkt handverlesen: Das Nazi-Personal wird gespielt von Anton Diffring, Derren Nesbitt und Ferdy Mayne. Als alliierte Verbündete Patrick Wymark, Michael Hordern und Robert Beatty. Als weibliche Agentinnen Mary Ure und Hammer-Queen Ingrid Pitt (Für sie muss es angesichts ihrer Biografie besonders mulmig gewesen sein, von haufenweise als Nazis kostümierten Statisten umgeben zu sein).

Natürlich bleibt die Geschichte spekulativ, und kritische Auseinandersetzung gibt es in diesem Film keine. Der handwerkliche Aufwand ist aber durchgehend beeindruckend. Ein aufwändig inszenierter Kampf auf der Feuerkogelseilbahn - nur im Film direkt zum Schloss gehörig - nimmt die berühmten Szenen von IM GEHEIMDIENST IHRER MAJESTÄT (1969) vorweg.

Aufwändiger Großfilm mit viel Action und einer packenden MacLean-Story. Als Kriegsfilm einfältig, als verschneites Agentenfilmspektakel genommen eine Wucht! (4/5)

Um Trivia ist der Film nicht verlegen: So soll Richard Burton während der Dreharbeiten in seinem Hotel in Salzburg von einem verwirrten Fan mit der Pistole bedroht worden sein. MGM soll ehemalige Wehrmachtsangehörige als Berater für die Ausstattung eingespannt haben. Manche sollen am Rande der Produktion verhaftet worden sein, weil sie auf Suchlisten standen. In den Tälern setzte das Produktionsteam an einigen frühlingshaften Tagen 11 Tonnen Salz als Schneeersatz ein, dass in einen Bach gelangte. Dort tranken Kühe davon, die davon Durchfall bekamen und keine Milch mehr geben konnten. MGM musste den Bauern 60.000,- Dollar Entschädigung zahlen. Und schließlich noch eine sehr dramatische Notiz: Die im Film benutzte Ju 52 stand nach den Dreharbeiten noch viele Jahre im Dienst für historische Rundflüge, stürzte 2018 in den Alpen ab. Alle 20 Insassen kamen dabei ums Leben.

Gruß,
Daniel

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 330

05.05.2020 13:06
#2 RE: Agenten sterben einsam (1968) Zitat · Antworten

Agenten sterben einsam ist auch so ein Film, der bei mir regelmäßig seinen Weg in den CD-Player findet.
Ein actionreiches Spektakel mit WK2-Hintergrund, gespickt mit Finten, Unwahrscheinlichkeiten und Klischees, und vor allem - sehr spannend. Zum großen Teil dürfte auch die düster-bedrohliche Filmmusik von Ron Goodwin (dem Rutherford-Marple-Komponisten) zum Gelingen des Streifens beitragen. Irgendwie genial ! Aber auch Ausstattung, Effekte und Schauspieler können sich sehen lassen, allen voran natürlich Richard Burton als britischer und Clint Eastwood als amerikanischer Agent (oder bessergesagt OSS-Killer, wie er von den Deutschen durchaus zutreffend mal genannt wird). Die Handlung ist in ihrer listenreichen und überraschenden Abfolge natürlich vollkommen hahnebüchen, von den "fußballfeldgroßen Logiklöchern", die ich mal in irgendeiner Rezension gelesen habe, kann man wirklich sprechen. Vorgeblich soll das Geheimkommando einen hochrangigen amerikanischen Offizier aus der Gefangenschaft auf der Burg Adler entführen. Doch der Auftrag wird aus den eigenen Reihen sabotiert, es muss einen Verräter geben, und etwa in der Mitte des Films stellt sich heraus, dass alles ganz anders ist. Die sich gegenseitig belauernden und missgünstigen Nazis auf der Burg gehen einem raffinierten englischen Komplott auf den Leim, aber die übrig gebliebenen Spione um Burton und Anhang müssen sich den Weg zurück eigentlich um jeden Meter freikämpfen. Getreu der üblichen Machart dieser Zeit sind die deutschen Soldaten plumpe und dämliche Laute absondernde Kreaturen, die man am besten in großer Stückzahl massakrieren muss. Davon machen die alliierten Helden mit der Lizenz zum Töten auch reichlichen Gebrauch, während ein Kratzer am Handgelenk des Anführers auch schon deren größte Verluste darstellt. Mannomann, wenn man denen mehr Zeit gegeben hätte, wäre wohl der Krieg im Westen ganz alleine von diesen wackeren angelsächsischen Super-Mannen gewonnen worden, besonders natürlich von Eastwood, der hier in einem denkwürdigen mehrminütigen Maschinenpistolen-Duell in den verwinkelten Gängen der Burg eine ganze Einheit gegnerischer Soldaten aufhält, während Burton in der Zwischenzeit in der Funkzentrale einen wichtigen Funkspruch absetzen will ("Broadsword ruft Danny Boy" wurde in England zum geflügelten Wort). Der Kampf verlagert sich weiter auf eine Seilbahn und später gibt es noch eine Verfolgungsjagd mit einem gekaperten Bus (dessen Modell es zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht gab, ebenso wie den Nazi-Hubschrauber am Anfang des Films). Da kommt noch jede Menge Sprengstoff und Munition zum Einsatz, zuguterletzt wird die alliierte Crew im letzten Moment mit einem Flugzeug abgeholt, wobei der englische Chef an Bord nochmal ein letztes Trumpf-Ass aus dem Ärmel zieht, mit durchaus dramatischen Folgen.
Alles in allem ein zwar wirklich komplett unreflektierter, aber sehr mitreißender Agenten-Kriegsfilm nach einem Drehbuch von Altmeister MacLean.

Ray Offline



Beiträge: 1.489

09.05.2020 17:34
#3 RE: Agenten sterben einsam (1968) Zitat · Antworten

Habe den Film nach Threaderöffnung auch nochmal gesehen. Wenn man die Laufzeit sieht, denkt man erstmal "Uff!". Umso erstaunlicher, dass "Agenten sterben einsam" eigentlich keine echte Länge hat. Bei mir weckt der Film ebenfalls immer Assoziationen zu "Im Geheimdienst Ihrer Majestät". Entstehungszeit, Action auf schneebedeckten Bergen, "Ganoven" auf einer herrschaftlichen Festung, die es zu erklimmen gilt, die Szenen an der Seilbahn... Gute Darsteller, zweckmäßige Story, top Schauwerte und Action - kann man sich immer wieder mal anschauen.

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