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Dieses Thema hat 5 Antworten
und wurde 182 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker international
Ray Offline



Beiträge: 1.636

03.04.2020 00:14
"They Call Me MISTER Tibbs!" - Virgil Tibbs-Reihe mit Sidney Poitier Zitat · Antworten

In diesem Thread kann über die Virgil Tibbs-Trilogie mit Sidney Poitier diskutiert werden. Der Chronologie folgend beginne ich mit "In der Hitze der Nacht"...


In der Hitze der Nacht (In the Heat of the Night, USA 1967)

Regie: Norman Jewison

Darsteller: Sidney Poitier, Rod Steiger, Warren Oates, Lee Grant u.a.



Auf der Rückkehr von einem Besuch bei der Mutter will der schwarze Polizist Virgil Tibbs in der kleinen Ortschaft Sparta in Mississippi umsteigen und platzt dort unverhofft in einen Mordfall. Philip Colbert, ein reicher Geschäftsmann, der die Absicht hatte, eine neue Fabrik und damit eine Vielzahl an Arbeitsplätzen zu schaffen, wurde ermordet. Bei einer routinemäßigen Kontrolle einer Billardhalle und des Bahnhofs wird Tibbs wegen seiner Hautfarbe kurzerhand festgenommen. Der Irrtum klärt sich zwar schnell auf. Doch der Vorschlag von Tibbs' Vorgesetzten in Philadelphia, der fachlich limitierten Polizei Amtshilfe zu leisten, bringt Tibbs und den örtlich zuständigen Polizeichef Gillespie unter Zugzwang. Tibbs sieht sich bei seinen Nachforschungen in der Folge permanent mit Ressentiments konfrontiert...

„In der Hitze der Nacht“, 1968 mit fünf Oscars (u.a. Bester Film und Rod Steiger als Bester Hauptdarsteller) ausgezeichnet, basiert auf einem Roman von John Ball, der eine Reihe von Kriminalgeschichten um den schwarzen Polizisten Virgil Tibbs schrieb. Beeindruckend ist, wie präzise der Film seine Geschichte erzählt. Jede (Neben-)Figur ist auf den Punkt und liefert ein weiteres Mosaikstein in diesem Porträt einer im Süden Amerikas angesiedelten Kleinstadt. Besonders hervorzuheben ist Rod Steiger, der als Antagonist wie so oft dem Helden – hier Sidney Poitier – die Show stiehlt. Es ist immer wieder aufs Neue faszinierend, wie seine Figur gleich einem Fähnchen im Wind ein ums andere Mal umschlägt. Jedes Mal, wenn man glaubt, das Eis zwischen Tibbs und Gillespie sei gebrochen, belehrt der einsame „Dorfsheriff“ den Zuschauer mit einer neuen herabwürdigen Äußerung eines Besseren. Tibbs ist in Sparta in jeder Hinsicht ein Außenseiter. Vom offensichtlichen Faktum, seiner Hautfarbe, abgesehen, hebt er sich auch in Bezug auf Kleidung, fachliche Eignung und Intellekt immens von den dargestellten Figuren der Kleinstadt ab. Richtig anerkennen mag dies jedoch einzig die Frau des Toten, die ihren Verbleib und den Bau der Fabrik davon abhängig macht, dass Tibbs bei seinen Ermittlungen alle Freiheiten erhält. Von nahezu sämtlichen anderen Figuren erfährt der Polizist aus Philadelphia Ablehnung. Besonders prägnant ist hier die Szene auf der Baumwollplantage des Fabrikanten Endicott, der Tibbs umgehend zurechtweisend ohrfeigt, sobald das Gespräch vom Small Talk in ein Verhör umschlägt. Der Mann, der seine Anlage scheinbar noch immer weitgehend führt wie zu Zeiten der Sklaverei, ist von dem selbstbewussten Auftreten eines schwarzen Mannes gegenüber einem Weißen sichtlich irritiert.

Auch wenn die Mordgeschichte dem Grunde nach nur als Aufhänger dient, weiß auch der zugrunde liegende Whodunit durchaus zu überzeugen. Der Film verweigert sich der Auflösung, die er zum zweiten Drittel hin andeutet und präsentiert eine überraschende wie überzeugende Alternative, die Szenen zu Anfang einen tieferen Sinn gibt und das Werk so noch runder erscheinen lassen. Die Regie von Norman Jewison („Thomas Crown ist nicht zu fassen“) ist erstklassig, die Musik von Quincy Jones samt dem von Ray Charles beigesteuerten Titelsong werten den Film ebenfalls weiter auf. Dieser auf jeder Ebene überzeugende Film hat seinen Klassiker-Status völlig zu Recht. Das Zitat „Sie nennen mich Mister Tibbs!“ auf die Frage von Gillespie, wie er in seiner Heimat angeredet werde, wurde vom amerikanischen Filminstitut übrigens auf Platz 16 der besten Filmzitate aller Zeiten gewählt und diente im Original als Grundlage für den Titel der ersten Fortsetzung (im Deutschen: „Zehn Stunden Zeit für Virgil Tibbs“).

„In der Hitze der Nacht“ ist hierzulande auf DVD und Blu-Ray erschienen. Wer jedoch auch die beiden Fortsetzungen „Zehn Stunden Zeit für Virgil Tibbs“ und „Die Organisation“ sehen möchte, kann sich die „Sidney Poitier als Virgil Tibbs Collector's Box“ zulegen. Man kann auch zur UK-Version greifen, die ebenfalls deutschen Ton und dazu noch das Oscar-prämierte Drama „Lilien auf dem Felde“ als weiteren Film enthält.



In der Figurenzeichnung bestechende Kleinstadtstudie von Norman Jewison mit überzeugendem Cast und einer starken Kriminalgeschichte. 5 von 5 Punkten.

schwarzseher Offline



Beiträge: 626

03.04.2020 18:46
#2 RE: "They Call Me MISTER Tibbs!" - Virgil Tibbs-Reihe mit Sidney Poitier Zitat · Antworten

In meiner recht oberflächlichen Erinnerung hatte ich immer gedacht das S. Poitier für diese Rolle den Oskar bekommen hätte ( zurecht in meinen Augen ) aber den hatte er ja schon vorher und für diesen Film hat R. Steiger "abgesahnt"
Es passt eigentlich alles ....Story /Darsteller/Musik
Die daraus entstandene Serie ( ab 1988 ) habe ich leider ? nie gesehen.

Havi17 Offline




Beiträge: 3.372

03.04.2020 19:37
#3 RE: "They Call Me MISTER Tibbs!" - Virgil Tibbs-Reihe mit Sidney Poitier Zitat · Antworten

Ja, "In der Hitze der Nacht" oder "Der Mordfall Markus Nelson" habe ich auch mit meinen Kindern
angesehen, denn es ist wichtig die Rassenproblematik auch historisch belegt kennenzulernen,
denn das Thema ist in den USA noch nicht gegessen. Und es braucht nicht zu wundern, wenn Poitier,
der das verdient hat, keinen Oskar bekam. Politisch brisante Themen sind immer ein Problem.

Gruss
Havi17

Ray Offline



Beiträge: 1.636

04.04.2020 10:31
#4 RE: "They Call Me MISTER Tibbs!" - Virgil Tibbs-Reihe mit Sidney Poitier Zitat · Antworten

An die Serie hab ich im Zusammenhang mit der Sichtung des Films ebenfalls nochmal gedacht. Ich kenne sie auch noch nicht. So verkehrt kann sie allerdings nicht gewsen sein, denn es wurden immerhin sieben Staffeln produziert. Hat sie hier vielleicht jemand gesehen? Wäre vielleicht auch mal was für Pidax.

Sicher hätte Poitier den Oscar auch verdient gehabt, aber der Fiesling ist da wie gesagt auch immer ein bisschen im Vorteil, weil er sich noch mehr "auszeichnen" kann. Dass Poitier kurz zuvor schon den Oscar als "Bester Hauptdarsteller" für "Lilien auf de Felde" bekommen hatte, mag aber ebenfalls eine Rolle gespielt haben. An der politischen Brisanz des Thems würde ich das aber in diesem Fall nicht festmachen, immerhin hat der Film trotzdem fünf Oscars bekommen.

Etwas schade finde ich im Übrigen, dass sich Poitier in den 1970ern und 1980ern ein bisschen rar gemacht hat. Aber mit "Mörderischer Vorsprung" ist ihm dann ja nochmal ein fulminantes Comeback geglückt.

Ray Offline



Beiträge: 1.636

05.04.2020 00:20
#5 RE: "They Call Me MISTER Tibbs!" - Virgil Tibbs-Reihe mit Sidney Poitier Zitat · Antworten

Zehn Stunden Zeit für Virgil Tibbs (They Call Me Mister Tibbs!, USA 1970)

Regie: Gordon Douglas

Darsteller: Sidney Poitier, Martin Landau, Anthony Zerbe, Barbara McNair u.a.




Virgil Tibbs hat es mit einem Mord an einer Prostituierten zu tun. In Verdacht gerät schnell auch ein politisch einflussreicher Prediger namens Logan Sharpe. Er war einer von mehreren Männern, welche die Tote am Tag ihres Todes aufgesucht hatten. Für Tibbs hat der Fall insofern eine persönliche Note, als er Sharpe schon seit Jugendtagen kennt und privat mit seiner Frau regelmäßig dessen Predigten aufsucht...

Wie soll man einen Ausnahmefilm wie „In der Hitze der Nacht“ sinnvoll fortsetzen? Wenn man bedenkt, dass Sequels im Action- und Krimifach oft schlicht eine Erhöhung der Erfolgszutaten bedeuten, hätte man Tibbs konsequent noch mehr Rassisten auf den Hals hetzen müssen. Da der Erstling das Thema erschöpfend behandelt hat, trafen die Verantwortlichen grundsätzlich die richtige Entscheidung, Tibbs in seiner Heimat mit einem vom Thema Rassismus befreiten Fall zu konfrontieren. Merkwürdig ist allerdings, dass Tibbs nun in San Francisco ermittelt, wo es in „Die Hitze der Nacht“ noch hieß, er gehe in Philadelphia seiner Arbeit nach. Auch gab er dort gegenüber der Rod Steiger-Figur an, nicht verheiratet, sondern lediglich in der Vergangenheit einmal verlobt gewesen zu sein. Nun wird er ohne nähere Erklärung zum verheirateten Vater zweier Kinder gemacht. Hintergrund der Änderungen dürfte sein, dass man sich diesmal nicht einer Vorlage John Balls bediente, sondern eine neue Geschichte um Virgil Tibbs erdachte, was freilich noch keine Erklärung dafür ist, warum man diese Änderungen vornahm. Wenngleich das Endprodukt erwartungsgemäß nicht mit dem Vorgänger mithalten kann, ist auch „Zehn Stunden für Virgil Tibbs“ (wieder so ein Beispiel für einen Verweis auf eine zeitliche Dimension im deutschen Verleihtitel, die im Film keine Rolle spielt) ein sehr guter Kriminalfilm seiner Zeit. Während im Original Poitier sich den Film noch mit Rod Steiger teilen und schauspielerisch sogar tendenziell den Kürzeren ziehen musste, ist die Fortsetzung ganz auf seinen Star zugeschnitten. Dies eröffnet die Option, weitere Facetten der Figur zu zeigen. So wird Tibbs nicht nur von seiner Arbeit, sondern auch von seiner Familie ordentlich auf Trab gehalten. Als „Saubermann“ hebt sich Tibbs von anderen Hauptakteuren des Polizeikrimis, die vor und nach dem vorliegenden Beitrag erschienen („Nur noch 72 Stunden“, „Dirty Harry“, „French Connection“), ab. Gerade diese kleineren Einblicke ins Familienleben eines Polizisten dürften sich die Macher der „Lethal Weapon“-Reihe ganz genau angeschaut haben. Die Story ist im Grundsatz nichts, was man nicht auch innerhalb eines TV-Krimis geboten bekommen könnte, allein das Charisma Poitiers grenzt den Film indes bereits von der TV-Ware ab. In der wichtigen Rolle des Predigers Sharpe überzeugt zudem Martin Landau („Der unsichtbare Dritte“). Anstelle von Norman Jewison nahm Gordon Douglas auf dem Regiestuhl Platz, der zuvor drei Kriminalfilme mit Frank Sinatra auf die Leinwand gebracht hatte („Der Detektiv“ sowie die beiden Tony Rome-Filme „Der Schnüffler“ und „Die Lady in Zement“). Er inszeniert flüssig, baut die ein oder andere kleine Verfolgungsjagd ein und punktet mit ungewöhnlichen Einstellungen (z.B. Sicht aus dem Fußbereich eines Wagens über eine Leiche nach draußen zu Virgil Tibbs im Hintergrund). Für die Musik war wiederum Quincy Jones zuständig, der die musikalische Untermalung diesmal dem Ton des Films flotter und dem Zeitgeist entsprechend gestaltet. Insgesamt ist „Zehn Stunden Zeit für Virgil Tibbs“ eine würdige Fortsetzung des Klassikers „In der Hitze der Nacht“.


Nach dem Abstecher in eine von rassistischen Vorurteilen geprägte Kleinstadt ermittelt Virgil Tibbs in der Fortsetzung in der Großstadt San Francisco. Der Film rückt die Poitier-Figur mehr in den Fokus und kann ihr neue Facetten abgewinnen. Obwohl das Sequel nicht die Qualität des Originals erreicht und eher standardmäßige Kriminalfilm-Unterhaltung bietet, vermag auch „Zehn Stunden Zeit für Virgil Tibbs“ dank eines sehr präsenten Sidney Poitier und flüssiger Regie zu überzeugen. 4,5 von 5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.636

06.04.2020 00:10
#6 RE: "They Call Me MISTER Tibbs!" - Virgil Tibbs-Reihe mit Sidney Poitier Zitat · Antworten

Die Organisation (The Organization, USA 1971)

Regie: Don Medford

Darsteller: Sidney Poitier, Barbara McNair, Sheree North u.a.



Durch einen spektakulären Einbruch in eine scheinbar unbescholte Firma erbeutet eine Gruppe von Dieben eine große Menge an Heroin. Am Tatort findet die Polizei zudem einen Mitarbeiter tot auf. Virgil Tibbs staunt nicht schlecht, als die Diebe sich kurz darauf an ihn wenden und behaupten, mit dem Mord nichts zu tun zu haben. Und das ist nicht alles: Den Diebstahl haben sie nur begangen, weil sie das Vertrauen in die Fähigkeiten der Polizei beim Kampf gegen das Geschäft mit Drogen verloren haben. Sie wollen mit Tibbs heimlich kooperieren, um „die Organisation“, die ein großer Faktor im Drogengeschäft San Franciscos ist, niederzuschlagen...

Wer „Die Organisation“ einnmal gesehen hat, vergisst den Einstieg so schnell nicht. Mithilfe eines Stabhochsprungs (!) verschafft sich einer der Diebe Zugang zum Gelände der Möbelfirma und bringt so den Stein ins Rollen. Die Prätitelsequenz von „Die Organisation“, dem letzten Film der Reihe um den Polizisten Virgil Tibbs, beginnt also durchaus vielversprechend. Ganz kann der Film im Anschluss das hohe Niveau jedoch nicht halten, weshalb man es im Ergebnis mit dem schwächsten Teil der Trilogie zu tun hat. Die Geschichte um eine Gruppe Revolutionärer, die meinen, die Arbeit der Polizei besser machen zu können als diese selbst, ist ein typisches Dokument der Zeit und im Ansatz durchaus reizvoll. Leider bleibt „Die Organisation“, die in der Folge gemeinsamer Gegner von Tibbs und seinen neuen Partnern wird, ausgesprochen dunkel. Man bekommt eine Reihe von Handlagern und am Ende auch ein paar Verantwortliche zu sehen, wer letztendlich indes die Anführer sind, welcher gesellschaftlicher Schicht sie entstammen und wie mächtig sie tatsächlich sind, bleibt bis zum Ende unklar. Auch der Whodunit wird nicht wirklich befriedigend aufgeklärt, weil schließlich zwei Täter präsentiert werden, die im Film zuvor nicht aufgetaucht waren. Trotz dieser Schwächen bleibt „Die Organisation“ dennoch ein atmosphärischer und kurzweiliger Kriminalfilm, den Sidney Poitier mit seiner Präsenz und seinem Charisma veredelt. Dies ist allerdings auch bitter nötig, weil der Film diesmal ohne nennenswerten Gaststar auskommt. Die Musik stammt zudem erstmals nicht von Quincy Jones, sondern von Gil Melle. Die Regie übernahm der eher unbekannte Don Medford, der hauptsächlich fürs Fernsehen arbeitete.


Nach starkem Einstieg leidet der letzte Teil der Virgil Tibbs-Trilogie darunter, dass der Zuschauer über die titelgebende „Organisation“ insgesamt sehr wenig erfährt. Die im Ansatz interessante Story vermag daher sein volles Potential nicht zu entfalten. Dennoch handelt es sich nicht zuletzt dank es des einmal mehr überzeugenden Sidney Poitier um einen guten Vertreter des Polizeifilms. 4 von 5 Punkten.

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