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Dieses Thema hat 18 Antworten
und wurde 293 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker international
Seiten 1 | 2
Lord Peter Offline




Beiträge: 510

06.01.2018 10:58
#16 RE: Maigret (2016/17, TV) mit Rowan Atkinson Zitat · Antworten

Ach ja, und natürlich RAUCHT der Ermittler auch noch, wobei man das schon geradezu auffällig einreduziert hat. Wenn ich da an die wandelnden Räuchermännchen Davies und Cremer denke ...

Mir haben die vier Atkinson-Maigrets jedenfalls viel Spaß gemacht, auch wenn der Hauptdarsteller nicht ganz der Vorlage entspricht. Mit Cremer bin ich nicht so recht warm geworden - der wirkt mir irgendwie zu unnahbar. Aber nichts geht über Rupert Davies.

schwarzseher Offline



Beiträge: 531

07.01.2018 15:03
#17 RE: Maigret (2016/17, TV) mit Rowan Atkinson Zitat · Antworten

Dass "Mr. Bean" das so gut hinbekommt, hätte ich vorher nicht gedacht. Leider ist bei Neuverfilmungen immer etwas nachteilig, dass man die Story doch schon oft gesehen oder gelesen hat und Abweichungen eher schlecht als recht sind. Natürlich werden dann auch die "großen" bzw. bekannten Fälle genommen, was auch bei schlechtem Gedächtnis nicht viel Spannung aufkommen lässt. Mein Fazit: Wirklich gut gemacht, Maigret top und Lord Peters Kommentar kann ich so unterschreiben.

@Lord Peter (das geht doch heute GAR nicht mehr): Da kann man sogar froh sein, dass die Serie es bei uns überhaupt ins Programm geschafft hat (eine Zweitvermarktung als "Tatort" geht mit diesen Attributen auch nicht ...).

Gubanov Offline




Beiträge: 16.255

11.03.2020 21:15
#18 RE: Maigret (2016/17, TV) mit Rowan Atkinson Zitat · Antworten



Kommissar Maigret: Die Falle (Maigret Sets a Trap)

Episode 1 der TV-Kriminalserie, GB 2016. Regie: Ashley Pearce. Drehbuch: Stewart Harcourt (Romanvorlage „Maigret tend un piège“, 1955: Georges Simenon). Mit: Rowan Atkinson (Chefinspektor Jules Maigret), David Dawson (Marcel Moncin), Rebecca Night (Yvonne Moncin), Fiona Shaw (Madame Moncin), Leo Staar (Inspektor LaPointe), Shaun Dingwall (Inspektor Janvier), Lucy Cohu (Madame Maigret), Katie Lyons (Reporterin Madame Maguy), Eva-Jane Willis (Polizistin Marthe Jusserand), Alexander Campbell (Dennis Lecoin) u.a. Erstsendung (GB): 28. März 2016. Erstsendung (BRD): 1. Januar 2017. Eine Produktion von Fragile Films und Maigret Productions für Independent Television.

Zitat von Kommissar Maigret (1): Die Falle
Wer ist der Serienkiller, der binnen weniger Monate fünf Frauen in Montmartre mit einem Messer blutig ermordet hat? Chefinspektor Maigret fällt es schwer, dem Mann, der offenbar ohne Motiv und Zusammenhang zwischen den betroffenen Frauen tötet, auf die Schliche zu kommen. In seiner Verzweiflung greift er zu einem brillanten Coup: Er verhaftet zum Schein einen Unschuldigen und versucht so, den Mörder aus der Reserve zu locken. Tatsächlich fällt der Unbekannte noch in der gleichen Nacht über einen Lockvogel her – und hinterlässt zum ersten Mal verwertbare Spuren. Sie führen Maigret in die Wohnung eines Architekten ...


Anstelle eines tatsächlichen französischen Originals bekommt man es in dieser kurzlebigen Serie mit einem bunten Gemisch internationaler Einflüsse zu tun: Der britische Sender ITV gab sie mit „Nationalheld“ Rowan „Mr. Bean“ Atkinson in Auftrag – umgesetzt wurde sie in Budapest von einem zu großen Teilen ungarischen Team. Dessen ungeachtet fühlt man sich dank des wie von ITV (verantwortlich u.a. für „Agatha Christie’s Poirot“) gewohnt hohen Produktionsstandards sofort ins Paris der 1950er Jahre zurückversetzt. Liebevolle Details, passende Kostüme, dezentes Colour Grading und auch der eine oder andere CGI-Effekt sorgen für ein authentisches Flair der Seine-Metropole. Atkinson selbst wirkt zwar verhältnismäßig zurückhaltend, erfüllt damit aber die auch die Anforderungen der Maigret-Rolle; wer von ihm komödiantische Präpotenz erwartete, darf sich beruhigt zurücklehnen. Er zeichnet das Bild des zuverlässigen, in seine Arbeit verbissenen Beamten, dem die Taten des Montmartre-Monsters auch persönliches Unbehagen verursachen und der bei seinen Ermittlungen innovative psychologische Kniffe einsetzt, welche ihn bei seinen Vorgesetzten in Ungnade bringen. Neben Atkinson agiert ein solides Team gleichberechtigter Assistenten- und Vorgesetztenfiguren, das dem Polizei- und Staatsapparat glaubwürdige Gesichter verleiht. Für Maigret jedoch besonders wichtig: der Rückhalt seiner Frau, was im Zusammenspiel von Atkinson mit der ebenso engagierten Lucy Cohu schön zum Ausdruck kommt.

„Maigret stellt eine Falle“ gehört natürlich zu den absoluten Klassikern des Simenon-Kanons und muss sich an starken Vorbildern mit Jean Gabin, Bruno Cremer oder Michael Gambon messen lassen. Der Stoff ist einerseits ein seltener Reißer im eher gediegenen Œuvre des Autors, aber andererseits doch insofern repräsentativ, weil er verbildlicht, wie stark die Maigret-Stoffe das Geschehen meist aus der Perspektive der Polizisten ins Visier nehmen. Als Zuschauer fischt man sozusagen ebenso wie Maigret realistischerweise lange im Trüben, anstatt von Anfang an einen fein säuberlich ausgewählten Verdächtigenkreis präsentiert zu bekommen. Aber wenn der Gegner in Form des Hauptverdächtigen erst einmal ausgemacht ist, dann wird mit allen Mitteln der Strafverfolgung eine den Taten angemessene Hatz auf ihn betrieben. David Dawson ist ein wunderbarer Antagonist – sein weltentrücktes Auftreten, das im Laufe der Folge immer mehr dem Wahnsinn weicht, enthält so wie von Simenon gefordert sowohl beängstigende als auch versagerische Züge. Ihm zur Seite stehen mit Rebecca Night und Fiona Shaw zwei unangenehme Frauentypen, bei denen sich aus der Frage nach einer Mitverantwortung für das Geschehene hochinteressante Blickwinkel ergeben.

Dass Drehbuchautor Stewart Harcourt die Vorlage mit großem Respekt anging und Regisseur Ashley Pearce sie ebenfalls ganz im Sinne des Autors einfing, macht die Produktion nicht nur von Anfang an sympathisch, sondern ist durchaus auch eine positive Überraschung. Harcourt hatte schließlich die inhaltliche Hauptverantwortung für die bei manchen Christie-Puristen auf Kritik gestoßene „Murder on the Orient Express“-Version mit David Suchet, während Pearce bei dem völlig aus der Reihe fallenden „Appointment with Death“ auf dem Regiestuhl saß. Hier ergänzte sich dieses unkonventionelle Duo auf eine sehr vorteilhafte Weise und brachte eine Adaption zuwege, die von Anfang bis Ende sowohl auf Spannung als auch auf emotionale Einbindung setzt. Kleine Kniffe wie die bemitleidenswerten Hinterbliebenen des anfänglichen Mordopfers, die Unzufriedenheit des Ministers über Maigrets Methoden oder die Querverweise zwischen Moncin und Jack the Ripper steigern das Sehvergnügen ebenso wie die sehr atmosphärischen und dynamischen Aufnahmen bei Nacht oder Zwielicht.

Besser hätte den Machern einer neuen „Maigret“-Reihe der Einstieg nicht gelingen können: altvertrauter Stoff trifft auf mimisch reduzierten, aber selbstsicheren Maigret-Darsteller und ein Script, das die klassischen Simenon’schen Stärken bewusst übernimmt. Dass man keine authentisch französische Produktion vor sich hat, ist demgegenüber leicht auszublenden. 5 von 5 Punkten.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.255

14.03.2020 21:15
#19 RE: Maigret (2016/17, TV) mit Rowan Atkinson Zitat · Antworten



Kommissar Maigret: Ein toter Mann (Maigret’s Dead Man)

Episode 2 der TV-Kriminalserie, GB 2016. Regie: Jon East. Drehbuch: Stewart Harcourt (Romanvorlage „Maigret et son mort“, 1948: Georges Simenon). Mit: Rowan Atkinson (Chefinspektor Jules Maigret), John Light (Jean Tonnelier / Jean Dacourt), Lucy Cohu (Madame Maigret), Mark Hadfield (Albert Rochain), Iván Fenyö (Pietr), Dénes Bernáth (Victor), Shaun Dingwall (Inspektor Janvier), Leo Staar (Inspektor LaPointe), Anamaria Marinca (Maria), Amber Anderson (Francine) u.a. Erstsendung (GB): 25. Dezember 2016. Erstsendung (BRD): 8. Januar 2017. Eine Produktion von Fragile Films und Maigret Productions für Independent Television.

Zitat von Kommissar Maigret (2): Ein toter Mann
Eben jener Mann, der Maigret noch vor wenigen Stunden voller Angst angerufen hatte, wird in einem verrufenen Teil von Paris tot aufgefunden. Alles sieht nach einem Racheverbrechen zwischen Unterweltgrößen aus, doch mit verbissenen Recherchen stellt Maigret fest, dass dies nur eine Fassade ist, um einen geschickten Mord zu tarnen. Wer war der Tote und welches Geheimnis wollte er dem Chefinspektor mitteilen? Bei der Beantwortung dieser Fragen beißt Maigret zunächst auf Granit, zumal alle seine Helfer zu einem anderen Fall abgezogen werden sollen. Erst kurz vor der Aufklärung stellt sich heraus, dass beide Verbrechen zueinander in Beziehung stehen ...


Vielleicht liegt es an dem Umstand, dass „Maigret und sein Toter“ der umfangreichste Roman der Simenon-Buchreihe ist. Ähnlich wie bei Edgar Wallace’ „Bogenschützen“-Verfilmung wirkt das Resultat dieser Adaption jedenfalls ein wenig unzusammenhängend; der übermäßig hart dargestellte Themenstrang um die Bauernhaus-Morde in der Normandie will mit der regelrecht amateurhaften Verfolgung des ungeschickten Polizeiinformanten jedenfalls nicht recht zusammenpassen. Auf der einen Seite töten die Killer rücksichtslos jeden, der ihnen beim Ausrauben der Gehöfte auch nur ansatzweise den Weg kreuzt; auf der anderen Seite lassen sie Albert Rochain mehrfach mit der Polizei telefonieren und sogar noch in seiner eigenen Kneipe zu Mittag essen (!), bevor sie ihm den Garaus machen. Wenn man diesen ungeschickten Einstieg überwunden hat, bessert sich die Geschichte ein wenig, ist aber dem atmosphärischen, gut aufgebauten Plot von „Maigret stellt eine Falle“ haushoch unterlegen. Harcourts Interpretation hilft diesmal nicht aus der Patsche, sondern setzt auf merkwürdig explizite Schockeffekte wie ein Verhör mit einer Patientin im Krankenhaus unmittelbar nach ihrer Niederkunft.

Die Umsetzung gleicht sich dem vorherigen Serienteil an und wirkt entsprechend professionell; laute und leise Momente werden hübsch vermischt und während man einerseits gehörige Ehrfurcht vor dem aufbrausenden Verbrecherkönig Jean entwickelt (John Light spielt tatsächlich wie ein gefährliches Tier), genießt man andererseits stille Szenen trauten Glücks wie z.B. als Monsieur und Madame Maigret gemeinsam die Bar des Toten fortführen. Im Roman tat das noch ein Assistent des Hauptermittlers; diese Änderung ist aber gerade in Hinblick auf Maigrets enge Verbindung zum Toten nur folgerichtig. Atkinson bringt diese Bande ausdrucksstark zur Geltung; allein muss man sich fragen, warum genau sie eigentlich so stark sind. Einen besonders bemitleidenswerten Eindruck macht der Tote eigentlich nicht und wenn die Art der Tötung angeblich so unterwelttypisch ist, sollte sie den erfahrenen Chefinspektor auch eigentlich nicht derart stark aus der Fassung bringen. Aber wir wollen nicht jammern: Maigret so betroffen zu sehen, bringt immerhin den ausgesprochenen Vorteil mit sich, Atkinsons weiche Stimme besonders genießen zu können.

Das Zusammenspiel mit den Assistenten (vor allem Shaun „Janvier“ Dingwall und Leo „LaPointe“ Staar) wird in „Ein toter Mann“ deutlich ausgebaut; die Herren aus der „zweiten Reihe“ der Polizei erhalten ein sympathisches, zugreifendes Profil. Auch Amber Anderson streut als oberflächlich-naive Freundin des Hauptverbrechers, die denkt, sündhaft teure Halsketten und Sternelokalbesuche würden vom Himmel fallen, interessante, stellenweise tragische Zwischentöne ein. Sie versöhnen den Zuschauer mit einem etwas merkwürdigen Fall, der nicht zu Unrecht von anderen bekannten Serien (z.B. der mit Jean Richard oder mit Bruno Cremer) links liegen gelassen wurde.

Ähnlich hochwertig umgesetzt wie Teil 1, krankt „Ein toter Mann“ an einer etwas wirren und sehr aufmerksamkeitsheischenden Erzählweise. Man hatte sich vielleicht etwas viel dramaturgische Verdichtung vorgenommen, sodass es nur die stärksten Darsteller schaffen, sich glaubhaft zu präsentieren – nicht unerwarteterweise kommt es z.B. zu einem klaren Performance-Unterschied zwischen den britischen Mimen und den ungarischen Kleindarstellern. 3,5 von 5 Punkten.

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