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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 244 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
Giacco Offline



Beiträge: 1.942

14.01.2020 12:38
Blutiger Freitag (1972) Zitat · Antworten

BLUTIGER FREITAG
Deutschland/Italien (1972) - R: Rolf Olsen - DE: 28.4.72 - FSK 18/16 - V: Gloria
PR: Lisa (München)/Divina (München)/Daunia 70 (Rom)
Darsteller: Raimund Harmstorf, Gianni Macchia, Amadeus August, Christine Böhm, Horst Naumann, Gila von Weitershausen, Walter Buschoff, Daniela Giordano, Ernst H.Hilbich, Renate Roland, Ernst O.Fuhrmann, Walter Kraus



Vor seiner Verurteilung gelingt dem Gewaltverbrecher Heinz Klett die Flucht aus dem Gerichtsgebäude. Um an das große Geld zu kommen, das ihm ein sorgenfreies Leben im Ausland ermöglichen soll, plant er mit seinem Kumpel Luigi einen Banküberfall mit Geiselnahme. Als dritten Mann holt man Christian, den Bruder von Luigis Freundin Heidi ins Boot. Dieser macht mit, da er als desertierter Bundeswehrsoldat ohnehin auf der Fahndungsliste steht. Vor dem geplanten Coup überfallen die drei Männer einen Waffentransporter der US-Armee und erbeuten Maschinenpistolen und Handgranaten. Damit stürmen sie wenig später eine Münchener Bankfiliale.

Im Januar 1972 wurde der Film unter dem Arbeitstitel "Freies Geleit oder die Geiseln sterben" angekündigt. Die drei weiblichen Hauptrollen, für die ursprünglich Doris Kunstmann, Christine Schubert und Claudia Butenuth vorgesehen waren, wurden kurzfristig umbesetzt. Gedreht wurde ohne Atelieraufnahmen an Originalschauplätzen in München und Umgebung. Ende April kam der Film dann in die Kinos."Knallhart-spannend. Ein Action-Krimi von Format." (Verleihwerbung). Die im Film-Echo veröffentlichten Start-Ergebnisse in München und Köln waren zwar zufriedenstellend (Note 4), aber nicht gut oder sehr gut, wie man es wohl erhofft hatte. Um die FSK-Freigabe auf 16 Jahre herabzusetzen, wurde der Film um ca.4 Minuten gekürzt. "Blutiger Freitag" gilt als einer der "schillerndsten Beiträge des deutschen Exploitation-Kinos". Regisseur Rolf Olsen hatte zuvor schon mit "Das Rasthaus der grausamen Puppen" (1967) oder "Das Stundenhotel von St.Pauli" (1970) gezeigt, dass er ein Händchen für knallig-spekulative Action-Filme besaß, wobei er diesmal sogar ein paar sozialkritische Aspekte in die Handlung einfließen ließ.
Der 1971 als "Seewolf" berühmt gewordene Raimund Harmstorf erweist sich als Idealbesetzung der Figur des Heinz Klett. Der hünenhafte Schauspieler geht in der Rolle des rücksichtslos-brutalen und völlig unberechenbaren Bösewichts, der mit aggressiven Macho-Sprüchen nur so um sich wirft, voll auf. Aber auch die anderen Darsteller zeigen solides schauspielerisches Können. Der Italiener Gianni Macchia kann als Gastarbeiter Luigi überzeugen, der sich eigentlich nur an dem Überfall beteiligt, weil er auf bessere Lebensumstände für sich und seine schwangere Freundin Heidi hofft. Diese wird dargestellt von der damaligen Neuentdeckung Christine Böhm aus Österreich. Sie kam 1979 bei einem Unfall ums Leben. Amadeus August, der später in 2 Folgen der legendären amerikanischen TV-Serie "Dallas" mitwirkte, spielt den fahnenflüchtigen Christian, der sich während der Geiselnahme darum bemüht, dass die Situation nicht völlig aus dem Ruder läuft. Horst Naumann ist in Vertretung des Polizeipräsidenten als Einsatzleiter vor Ort. Walter Buschoff spielt den Kaufhauskönig Lotzmann, dessen Tochter - Gila von Weitershausen - sich unter den Geiseln befindet. Der als Komiker bekannte Ernst H.Hilbich sorgt hier nicht, wie man befürchten könnte, für auflockernde Momente, sondern darf als opportunistischer Jammerlappen sich mal von einer anderen Seite zeigen. Die Regie gibt ordentlich Gas, der Kameramann versteht sein Handwerk und die Musik ist stimmig. Raimund Harmstorf wird hier von Klaus Kindler synchronisiert.

"Einerseits ist "Blutiger Freitag", für den der Regisseur selbst das Drehbuch geschrieben hat, eine knallige "Sex and Crime"-Story. Andererseits wird mit Motivationen gearbeitet, die der bestehenden Gesellschaftsordnung ganz direkt an den Kragen gehen und zeitkritisch gemeint sind. Das führt zu keinem politischen Bewusstsein, aber zu undifferenzierter Opposition. Dass bei dem Bankraub mehr oder weniger zufällig eine Menge Leute ihr Leben lassen müssen, strapaziert die Dramaturgie ganz gewaltig, ohne der Geschichte, die erzählt wird, sonderlich voran zu helfen. Viel interessanter wird Olsens Film immer dann, wenn der Regisseur psychologisch arbeitet. Der Schluss der Geschichte freilich repetiert die alte Krimi-Weisheit, dass Verbrechen sich nicht lohnen, ungeachtet der hohen Quote ungeklärter Schwerverbrechen in diesem Land. (Film-Echo 1972)

greaves Offline




Beiträge: 548

15.01.2020 18:13
#2 RE: Blutiger Freitag (1972) Zitat · Antworten

Werd ich mir zulegen

Georg Offline




Beiträge: 3.098

15.01.2020 18:37
#3 RE: Blutiger Freitag (1972) Zitat · Antworten

In der sehr lesenswerten und unterhaltsamen Biographie des Produzenten Karl Spiehs (Die Supernase - Karl Spiehs und seine Filme) steht darüber auf Seite 114:

"Banküberfälle und eine Welle von Gewaltverbrechen in der BRD haben Regisseur Rolf Olsen zu diesem Film inspiriert. "Ich hab nicht spekuliert. Jetzt drehen wir mal eine Blutoper. Der Film hat a bisserl Ambitionen, er leuchtet die Hintergründe aus, die Abgründe dieser Leute", meinte Olsen zu Vorwürfen über die bis dahin im deutschen Film ungewohnten Gewaltszenen. Die Actionszenen und den großen Showdown inszenierte Olsen mit Hilfe des Pyrotechnikers und "Spezial-Effekte"-Professors Karli Baumgartner im Stile von Sam Peckinpahs "The Wild Bunch" und Arthur Penns "Bonnie und Clyde". Baumgartner zauberte Einschüsse und Filmleichen, die den Film zum Kultobjekt unter Actionfans erhoben."

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