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Dieses Thema hat 1 Antworten
und wurde 126 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker international
Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 228

02.12.2019 20:46
Kali Yug (1963) Zitat · Antworten

KALI YUG: DIE GÖTTIN DER RACHE + AUFRUHR IN INDIEN(1963)


Regie: Mario Camerini (Koproduktion Italien, Deutschland, Frankreich)

Darsteller: Paul Guers, Senta Berger, Lex Barker, Sergio Fantoni, Claudine Auger, Ian Hunter, Klaus Kinski


Indien im Jahre 1880: Das Herz des britischen Empire ist in viele Teilstaaten aufgeteilt, die meisten werden direkt von den Briten beherrscht, manche lokalen Herrscher haben sich unter Eingehen vieler Kompromisse eine notdürftige Unabhängigkeit bewahrt. Irgendwo in Zentralindien arbeitet der Arzt Dr. Simon Palmer als Retter der Dorfbevölkerung vor der Pockengefahr. Gespielt wird er von dem Franzosen Paul Guers, ein halbwegs gutaussehender dunkelhaariger, aber nicht unbedingt charismatischer Charakter. Nebenbei bildet er auch Einheimische als zukünftige Mediziner aus und könnte mit seinem guten Werk zufrieden sein, wenn doch nur die britische Kolonialverwaltung richtig kooperieren würde.
Dabei ist die nicht mal alleine Schuld an der Misere, denn die Medikamententransporte werden von brutalen Räubern überfallen, beraubt und die Zeugen erdrosselt.
Dr. Palmers Vorstellung beim Gouverneur Talbot (letzte Rolle des Briten Ian Hunter) endet mit einem Rausschmiss und vagen Versprechungen, dafür trifft der vielversprechende Arzt auf die junge Angetraute des kurz vor der Pension stehenden Mr. Talbot, Catherine, die, wie es der Zufall nun mal so will, seine ehemalige Jugendliebe war, welche er aber aus den Augen verloren hatte. Hier ist Senta Berger noch so ein richtig reines, fast schon naives und lieb anzuschauendes Ding.
Alte Gefühle zwischen den beiden kommen wieder hoch, aber man gehört ja schließlich zum schicklichsten Volk auf Erden, und so bleibt die Begegnung erst mal folgenlos.
Palmer setzt seine Hoffnungen auf die Fürsprache eines gewissen Captain Walsh, der zuerst sympathisch wirkt, doch sich dann als infantiler Trinker entpuppt, dem die Probleme der Inder gleichgültig sind und der mit dem aufopferungsvollen Arzt im Offiziersclub in heftigen Streit gerät. Als Walsh dann in der gleichen Nacht von den geheimnisvollen Würgern umgebracht wird, fällt der Verdacht auf Palmer. Doch der hat eigentlich ein Alibi, weil er mit der schönen Gouverneursgattin noch bis zum frühen Morgen über alte Zeiten geplaudert hatte, ohne ihr in irgendeiner Form zu nahe getreten zu sein. Er möchte sie aber nicht in den Verdacht einer Anrüchigkeit bringen und beschwört sie, zu schweigen, denn er möchte den Fall lieber selbst aufklären.
Sein Weg führt ihn zu der schönen Tänzerin Amrita. Die wird von Claudine Auger, dem Bond-Girl in Feuerball, verkörpert. Warum er sich so auf sie zentriert, bleibt rätselhaft, in Wirklichkeit steht sie in Diensten der dunklen Mächte. Ihr „Führungsoffizier“ ist der fanatische Saddhu, eine Paraderolle für Klaus Kinski, der aber nicht so sehr in Erscheinung tritt. Weiterhin gibt es noch den reichen indischen Fürsten Ram Chand, offenbar ein sehr ergebener Freund der Engländer, oder ? Während die Briten noch auf Ram Chands Kosten eine exklusive Party feiern, muss Dr. Palmer fliehen und wird fortan von den Engländern und auch der grausamen Mörderbande gejagt. Begleitet wird er von Talbots Diener Gopal (Darsteller ist I.S. Johar, vielleicht als Schiffmanager der „Karnak“ von Tod auf dem Nil bekannt). Der Gute ist von Palmers selbstlosem Eintreten für die Eingeborenen so beeindruckt, dass er sich ihm kurzerhand als sidekick zur Verfügung stellt. Auf der Flucht geraten die beiden in eine Tigerjagd, Palmer kann seinen Tod vortäuschen, und weiter geht’s. Sie wollen noch beim Maharadscha von Hasnabad eine Entführung dessen kleinen Enkels durch die geheime Mörderbande verhindern, doch geraten dummerweise selber in Verdacht und kommen so richtig böse in die Klemme… Da endet der erste Teil, so richtig viel Abenteuerliches ist noch gar nicht passiert. Außerdem, da war doch noch was ? Richtig, ist ja eine Jubiläumsedition zum hundertsten Geburtstag von Lex Barker. Der ist sogar vorne auf dem Filmjuwelen-Cover drauf, als er mit Senta Berger, die ein Gesicht wie eine Woche Verdauungsprobleme macht, das Tanzbein schwingt. Man könnte denken (und soll das wohl auch), dass er der strahlende Held des Stückes ist, doch tatsächlich hat er nur eine bessere Nebenrolle. Anstatt sich wie sonst als blonder Old Shatterhand für die Rechte der indigenen Bevölkerung einzusetzen, ist er hier als Major Ford auf Seiten der Besatzungsarmee, ist aber auch weiterhin ein tapferer und geradliniger Charakter. Außerdem macht er auch in der Uniform eines britischen Offiziers eine prächtige Figur. Ansonsten wollte er nach eigener Aussage einfach mal Indien besuchen.

Der zweite Teil beginnt mit einer zehnminütigen Zusammenfassung „Was bisher geschah“, die im Prinzip in etwas ausgebauterer Form auch ausgereicht hätte. Dr.Palmer entgeht gerade so seiner Hinrichtung durch einen Elefantenfuß, kann dann schließlich durch Amrita nicht ganz uneigennützig gerettet werden und flüchtet weiter. Dabei schlüpfen sie bei vagabundierenden Leuten unter, darunter ist auch der entführte Maharadscha-Enkel, was aber nur Amrita weiß, die immer noch im Dienste des Bösen unterwegs ist. Doch bei Palmers Gutmenschentum (er behandelt in Lebensgefahr kleine kranke Kinder) gerät ihr Weltbild ins Wanken, so dass sie erst mal mit ihm gemeinsame Sache macht und sich in ihn verguckt. Es gilt noch Überfälle zu bestehen, alle möglichen Intrigen zu überstehen und sich auch körperlich näherzukommen, doch kurz vor Schluss begeht der unvorsichtige Doktor den Fehler, Amrita mit Catherine eifersüchtig zu machen. Da es ja keine Höllenfurie wie ein verschmähtes Weib gibt, liefert sie den Arzt samt Maharadscha-Enkel dann doch noch den Würgern der Kali-Yug-Sekte aus, die von dem machtsüchtigen Ram Chand wieder aus der Versenkung gehoben wurde, um die Briten zum Teufel zu jagen und sein privates Willkür-Regime zu errichten. Der ungehobelte und jetzt gar nicht mehr so zivilisierte Bursche hat sich nun auch noch erdreistet, die Gouverneursgattin Catherine zu entführen, sie soll zusammen mit Palmer der Göttin Kali geopfert werden. Doch die sich weit in der Unterzahl befindenden Truppen um Gouverneur Talbot rücken an, es kommt zum letzten Gefecht, Amrita wechselt wieder mal sie Seiten und die Lage sieht trotzdem hoffnungslos aus, doch Rettung naht von unerwarteter Seite, und der Friede im Lande ist gerade noch gerettet. Ende gut, (fast) alles gut.

Unzweifelhaft wollte der Zweiteiler Kali Yug auf den Erfolg des ebenfalls Zweiteilers um den Tiger von Eschnapur mit seinem indischen Grabmal aufspringen. Dazu sollten die bewährten Zutaten verhelfen: exotische Bilder von Originalschauplätzen (allerdings in Pakistan gedreht), sorgfältig ausgestattete Kostüme, gutaussehende und/oder bekannte Darsteller und Darstellerinnen, abenteuerliche Situationen, ein bisschen orientalische Grausamkeit (fanatische Mördersekte und Hinrichtung durch Elefanten) sowie auch etwas Kolonialismuskritik, eingebettet in schwülstig-pompöse Musikuntermalung.
Aber irgendwie hat es doch leider nur zur Mittelprächtigkeit gereicht. Man hätte die Action-Sequenzen besser über beide Filme verteilen sollen. Vielleicht aus drei Stunden besser zwei machen ?
Auch die Schauspieler holen nicht alles aus ihren Rollen heraus. Lex Barker ist einfach nur verschwendet, leider hat er keine Hauptrolle erhalten. Der Brite Ian Hunter gibt den englischen Gouverneur mit Bravour, genauso, wie man sich eine solche Persönlichkeit vorstellt. Ram Chand, der offenbar oxford-erzogene hinterlistige Inder mit dem fanatischen Faible wird von dem Italiener Sergio Fantoni durchaus überzeugend gemimt. Er ist noch schamloser "browngefacet" als Claudine Auger in ihrer Amrita-Rolle. Es gibt eine Szene, in der sie Palmer ihr teures Parfüm zeigt, kokett mit den Augen klimpert und verheißungsvoll lächelt, da sieht sie wirklich zum Anbeißen verführerisch aus, ansonsten aber beschränkt sich ihr Sex-Appeal leider auf das einer Kleiderpuppe, und ihre Tanzeinlagen reichen nicht einmal ansatzweise an Debra Pagets berühmte Darbietung aus Fritz Langs ein paar Jahre vorher gedrehtes Indien-Epos heran. Schade, vielleicht hätte man doch lieber "Sexy Lexy" an ihre Seite stellen sollen, da wär sie vielleicht mehr aufgetaut. Auch Klaus Kinski hat eine Menge braune Schminke zusammen mit einem Weihnachtsmann-Bart (Selbstaussage) im Gesicht. Wie üblich, hatte er für seine Rolle im Nachhinein wenig Schmeichelhaftes zu sagen. In den Szenen, wo er als Saddhu die Inder gegen die Engländer aufhetzt, hat er nur seinen Frust herausgebrüllt, weil er eine gern frequentierte "Dame" aus dem Vergnügungsviertel der Stadt am Vorabend nicht mehr wiedergefunden hat, wenn man seinen Memoiren glauben darf. Allerdings ist die sicher nachsynchronisierte Szene vor der geplanten Opferung, wo er hasserfüllt zur Fanatisierung der Massen alles Mögliche herauskreischt, wirklich gruselig und beunruhigend, doch bald kommt schon die gerechte Strafe.

Im Prinzip ist die Verwendung der „Söhne Kalis“ als zu bekämpfendes Hauptübel gar kein schlechter Schachzug, schon Jules Verne hat sich bei der Achtzig-Tage-Erdumrundung darüber ausgelassen. Die sehr gut organisierten Raubmörder waren damals unter der Bezeichnung Thuggees wohlberüchtigt, obwohl sie im Film nicht so bezeichnet werden. Zur Zeit der Filmhandlung galten sie schon ein Jahrzehnt als ausgerottet, die Briten hatten dagegen eine Spezialeinheit gegründet und wahrscheinlich tatsächlich mal was Gutes in ihrer Lieblingskolonie getan. Doch so ein Kult lebt immer im Verborgenen weiter, nochmal ein halbes Jahrhundert später musste sich ja auch Indiana Jones im Tempel des Todes mit den Jüngern der vielarmigen Göttin herumschlagen.
Leider ist auch der vorliegende Film nicht vor naivem Kolonial-Kitsch gänzlich gefeit. Da es ja keine englische Produktion ist, gibt es durchaus kritische Töne, vor allem an der Gleichgültigkeit der Kolonialherren ihren "Schützlingen" gegenüber. Die englischen Offiziere erscheinen meist als gute Kumpel, aber sehr oberflächlich und dünkelhaft. Sie vergnügen sich lieber mit Wein, Weib und Gesang und mit Kartenspiel. Und der böse Ram Chand weist die hochnäsige Mrs. Talbot nicht zu Unrecht auf den Umstand hin, dass seine Vorfahren schon kulturell hochstehender waren, als ihre noch als Wilde gehaust haben. Doch wenn die Not richtig groß ist, muss der brave Brite ran, dass sieht schließlich auch der getreue Gopal ein, der seinen Dienstherrn um die Rettung Indiens anfleht. Als dann Talbot in mannhafter Pflichterfüllung gefallen ist, kann Gopal nur noch die Augen zum Himmel heben und ihm der Dankbarkeit Indiens versichern. Wahrscheinlich haben solche Szenen dann die Inder der sechziger Jahre doch abgeschreckt, so dass sie die Dreherlaubnis verweigerten. Ganz kann man es ihnen nicht verdenken, wenngleich man den weißen Mann nun wirklich nicht für jedes Übel auf der Welt verantwortlich machen kann, so haben die Briten in ihrer Kronkolonie doch wohl mehr auf dem Kerbholz gehabt als ein paar verschlampte Medikamente.
Dabei sieht es für die weißen Helden in der Endschlacht genauso wenig gut aus wie bei denen im Kampf um Butlers Farm beim Schatz im Silbersee. Auch hier kommen die Einheimischen buchstäblich in letzter Minute zu Hilfe, nur dass es hier statt freien Indianern freie Inder sind, was immer man da drunter versteht. Der Maharadscha von Hasnabad (nicht gerade zimperlich, Hinrichtungen durch Elefanten und Verschmachtenlassen von Gefangenen gehören bei ihm zum guten Ton) kann seinen kleinen Enkel wieder in die Arme schließen, der über das Schlachtfeld mit den Dahingemeuchelten läuft, als wäre es eine schöne Blumenwiese. So reiten den alle, Weiße, Kolonialsoldaten, freie und nicht ganz so freie Inder, zusammen in eine glückliche Zukunft davon; da praktischerweise alle menschlichen Hindernisgründe bei der verlustreichen Schlacht gleich mit entsorgt wurden, steht auch dem weiteren Zusammenleben von Dr. Palmer und Catherine Talbot (nach gebotener Witwenzeit) nichts mehr entgegen...

Sicher sind die Kali-Yug-Filme kein großer Wurf des europäischen Historienkinos, doch trotz aller Kritik, es gibt weit Schlechteres. Alle Jubeljahre mal hervorgekramt und angeguckt, bieten sie doch für den Nostalgie-Fan sicher bessere Unterhaltung als vieles Neugedrehte.

Giacco Offline



Beiträge: 1.841

05.12.2019 15:12
#2 RE: Kali Yug (1963) Zitat · Antworten

KALI YUG
Teil 1: Die Göttin der Rache - Deutsche Erstaufführung: 21.2.1964
Teil 2: Aufruhr in Indien - Deutsche Erstaufführung: 3.3.1964
Deutsche Produktionsfirma: Eichberg-Film
Verleih: Inter



"Produzenten aus drei EWG-Staaten haben weder Kosten noch Mühe gescheut, um diesem zweiteiligen Leinwand-Opus mit einer farbenprächtigen exotischen Kulisse, folkloristischen Darbietungen und einer internationalen Besetzung ausreichend Spannung, Kolorit und romantische Atmosphäre zu geben. Tigerjagd, Gewalttaten, Auflehnung, Folter, Eifersucht wegen der Schlüsselfigur, einer umworbenen Tänzerin, und die zarte Zuneigung des Helden zur reizvollen Gattin des Residenten appellieren bei dieser an publikumswirksamen Effekten reichen Inszenierung an Nerven und Gemüt. Kinski mimt einen der Hauptverschwörer. Lex Barker als Major hält sich vornehm im Hintergrund. Hoffen wir, dass wir ihn im zweiten Teil in voller Aktivität bewundern können." (film-Echo)



"Wieder haben die Macher ausreichend für Spannung, Nervenkitzel und Augenweide gesorgt. Ein farbenfrohes Gauklerlager, unheimliche Blutopfer, Tempeltänze, Flucht durch dunkle Katakomben und Kämpfe mit Kamelreitern, Prunk-Karawanen und fernöstlich angehauchte Musik geben auch dem zweiten Teil Kolorit und Atmosphäre. (Film-Echo)

Film-Echo-Note: Teil 1: 4,3 (32 Meldungen) / Teil 2: 4,2 (24 Meldungen)

Frankreich: Teil 1: 691.315 Besucher / Teil 2: 845.941 Besucher
Spanien Einteilige 123-Minuten-Fassung: 674.098 Besucher

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