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 Film- und Fernsehklassiker national
Giacco Offline



Beiträge: 1.907

22.11.2019 12:59
Die Lady (1964) Zitat · Antworten

DIE LADY (UN CERTAIN DESIR)
AT: Das Mädchen aus dem Hafen
BRD/F (1964) - R: Hans Albin, Peter Berneis - DE: 2.10.1964 - FSK 18 - V: Schorcht/Ceres
Prod.: Hans Albin Film, München / CEC, Paris
Darsteller: Ingrid Thulin, Paul Hubschmid, Nikos Kourkoulos, Claudine Auger, Bernard Verley, Helen Vita, Gregor von Rezzori, Helga Lehner



Nadine Anderson führt als elegante High-Society-Lady ein luxuriöses Leben an der Seite ihres Mannes Elliot, dem schwedischen Botschafter in Athen. Ihre Ehe ist jedoch nur Fassade, denn Elliot macht sich nichts aus Frauen und interessiert sich mehr für seinen jungen Sekretär Martin. Deshalb begibt sich Nadine auf die Suche nach Abenteuern und treibt sich nachts im Hafenviertel herum. Sie nimmt sich dort ein kleines Zimmer, das sie für sexuelle Begegnungen mit fremden Männern nutzt. Dabei lernt sie den Dockarbeiter Nikos kennen und beide verlieben sich ineinander. Nikos hält sie für eine Prostituierte und ahnt nichts von ihrer wahren Identität. Doch seine Schwester Elektra, die in einem Strip-Lokal arbeitet, findet heraus wer Nadine in Wirklichkeit ist und erpresst sie.

Im Juni 1964 begann man in Athen mit den Dreharbeiten. Die restlichen Aufnahmen wurden anschließend in den Münchener Arri-Ateliers hergestellt. Der Kinostart war Anfang Oktober. Zu diesem Zeitpunkt hatte der angesehene Schorcht-Verleih allerdings schon mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Anfang Februar 1965 beantragte man einen gerichtlichen Vergleich, zwei Wochen später musste man Konkurs anmelden. Produzent Albin gab seinen Film zur weiteren Auswertung an den Ceres-Verleih, der dafür neue Plakate mit dem Untertitel "Das Mädchen aus dem Hafen" drucken ließ.
Auch wenn man den Film nicht als gelungen bezeichnen kann, ist er nicht ganz ohne Reiz. Neben den guten Schauspielerleistungen bietet die Hafenstadt Athen einen abwechslungsreichen und interessanten Hintergrund, der immer wieder - untermalt von Bouzouki-Klängen - ansprechend in Szene gesetzt wurde. Die erotischen Passagen zeigen das, was man 1964 zeigen durfte. Ingrid Thulin wurde bei uns durch Ingmar Bergmanns Skandalfilm "Das Schweigen" bekannt, der hier im Januar 1964 in die Kinos kam. Dass es dem Regisseur und Produzenten Hans Albin gelang, die Schwedin für die Rolle der "Lady" zu verpflichten, sollte sich als Glücksfall erweisen, denn sie ist dieser anspruchsvollen schauspielerischen Aufgabe durchaus gewachsen und verleiht der Figur Glaubwürdigkeit und Präsenz. Eine passable Leistung zeigt auch die attraktive Claudine Auger als Stripperin Elektra. Mit der Rolle der Domino im Bond-Film "Feuerball" konnte sie wenig später ihre Popularität schlagartig steigern. Hans Albin und Peter Berneis hatten zuvor ebenfalls gemeinsam den wenig erfolgreichen Sci-Fi-Krimi "Der Chef wünscht keine Zeugen" gedreht. Sowohl dieser Film als auch "Die Lady" sind heute weitgehend unbekannt.

"Die Lady im Milieu von "Sonntags nie": Nachts immer. Was Ingrid Thulin in Bergmanns "Schweigen" versagt war, hier als Lady gewähren es ihr Drehbuch und Regie: Männer. Da ihr eigener Mann, der Botschafter - wie man es zu nennen pflegt - abartig veranlagt ist, sucht sie sich ihre Männer als Dirne. Und eines Abends findet sie den Hafenarbeiter Nikos. Sie liebt ihn im ersten Augenblick, und er liebt sie, und die Lady beschließt - am Ende desFilms - in die karge Hütte des Geliebten zu ziehen. Peter Berneis, der Drehbuchautor, will es anders.
Ob Happy-end oder nicht, es bleibt ein Groschenroman und es scheint verwunderlich, dass Ingrid Thulin die Rolle in dieser jammervollen Geschichte übernahm. Die Inszenierung ist nicht ohne formalen Reiz. Freilich weiß man nicht, wieviel Anteil Kameramann Klaus von Rautenfels zukommt. Die Atmosphäre einiger Szenen ist gut getroffen. Im Gedächtnis bleiben auch ein paar Großaufnahmen der Thulin. Leider wird die Titelheldin mehr und mehr ein Animiermädchen, das sich auszieht.
Insgesamt ein optisch angehobenes Dirnen-Melodram mit guten Schauspielern. Elegant - nicht nur in der Kleidung - Paul Hubschmid in der Rolle des Botschafters.
(Film-Echo)

Film-Echo-Note: 3,8 (21 Meldungen)

In den frühen Siebziger Jahren gab es eine Wiederaufführung durch den Frankfurter Müller-Verleih, der mit billigen Softsex-Filmen unerwartet gute Geschäfte gemacht hatte. Der neue Titel "Gräfin Porno von Ekstasien" weckte allerdings Erwartungen, die der Film von 1964 nicht einhalten kann. Somit dürften die meisten Besucher enttäuscht und frustriert gewesen sein.

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