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Dieses Thema hat 16 Antworten
und wurde 804 mal aufgerufen
 Romane
Seiten 1 | 2
Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 382

09.12.2019 20:05
#16 RE: Bryan-Edgar-Wallace-Bücher Zitat · Antworten

Ich schreibe Dir eine Mail. Gespoilert wird nicht...

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 382

13.09.2020 19:38
#17 RE: Bryan-Edgar-Wallace-Bücher Zitat · Antworten

Die Welt steht auf dem Spiel (1962)

Original: The Device


Hauptpersonen

Bill Tern : junger Geheimagent
Joe Rank : Chef des Geheimdienstes
Jennifer Colles : junge Frau, Redakteurin
Ernest Hilyard : ihr sehr zweifelhafter Cousin
Richard Morton : umtriebiger Geschäftsmann
Walther Pillyer : amerikanischer Rechtsanwalt
Stephen Rowe : Mitarbeiter des Geheimdienstes
Dennis Quil : Chefinspektor von Scotland Yard
Colonel Masterson : Ex-Gardeoffizier
Nancy Masterson : seine verführerische Nichte
Konstabler Hallam : von der Landpolizei
Harry Line :
Frank Ellers :
Gerald Fennister :
Charley Walmer : Führungsriege der britischen KP


Handlung

Bill Tern, der Geheimagent, der dem Fall mit dem schwarzen Koffer ein gutes Ende verschafft hatte, ist nach einem Jahr zurück. Wegen seiner unorthodoxen Methoden und seiner Schwäche für das schöne Geschlecht bei seinem bärbeißigen Chef Joe Rank in Ungnade gefallen, kriegt er widerstrebend eine neue Chance. Colonel Masterson, ein ehemaliger hochrangiger Armeeoffizier und Geheimdienstler, wurde nach viertägigem Verschwinden ermordet aus einem Auto geworfen - schon der dritte derartige Fall, wie man allerdings zu dem Zeitpunkt noch nicht weiß. Der Leser hat zudem einen gewissen Vorlauf an Informationen. Ein gewisser Harry Cockston, Anfang Dreißig und schon lange unter diversen Deckidentitäten kriminell, hat den Plan gefasst, die Welt zu beherrschen - nicht mehr und nicht weniger. Auf einem abgelegenen französischen Bauernhof hatte ein verschrobener Professor sein Labor eingerichtet, Experimente mit Mäusen durchgeführt und irgendwann gelang es dem einschmeichelnden Cockston, sein Assistent zu werden und alle Geheimnisse zu erfahren. Eine unheilbringende Apparatur war erfunden worden, Cockston hatte mit seinem Mentor kurzen Prozess gemacht und war untergetaucht. In der Folge hatte es weltweit eine Reihe beunruhigender Ereignisse gegeben, die sogar einige Opfer forderten und den Beteiligten selber unerklärlich waren.
So weit sind Rank und Tern aber noch nicht, man weiß nur, dass der ermordete Masterson ein paar hochrangigen Mitgliedern der Kommunistischen Partei Großbritanniens auf der Spur war und von einer neuartigen schrecklichen Waffe sprach. Tern trifft auf die hübsche Nichte des Colonels, Nancy, die sich ihm gegenüber bald recht aufreizend verhält. Aber sein knurriger Boss hatte ihn im Umgang mit "Weibern" gewarnt. Nicht grundlos, Nancy macht auch mit Richard Morton, einem Geschäftsmann mit dunklem Hintergrund, herum. Durch Chefinspektor Quil, mit dem er zusammenarbeiten soll, erfährt Tern von den anderen Morden und auch sonst noch einiges. Terns Mitarbeiter Stephen Rowe bringt Bill mit Jennifer Colles zusammen, einer jungen eigenwilligen Frau, die sich in eher linken Kreisen bewegt und, wie es der Zufall will, die verschwundenen goldenen Manschetten des Mordopfer Masterson trägt. Die Spur führt weiter zu Ernest Hilyard, dem Vetter von Jennifer, der in der KP mittlerweile tonangebend ist, obwohl er in Wirklichkeit ganz andere Ziele hat. Und dann ist da auch noch Walther Pillyer, ein Rechtanwalt aus Amerika, bekannt für seinen beruflichen Einsatz für das Organisierte Verbrechen. Im Laufe der Zeit stoßen die Ermittler auf Cockston, doch unter welchem Namen verbirgt er sich ? Ist es der immer zur Tatzeit angelnde Morton, der skrupellose Hilyard oder der gewiefte Pillyer ? Es gibt weitere Opfer, die auch einen Aufschluss darüber hätten geben können. Der Mann geht über Leichen, und als schließlich die königliche Leibwache in Buckingham Palace unter den Zuschauern ein Massaker anrichtet, weiß man, dass er der Welt und auch seinen Kumpanen in der KP einen Beweis seiner Macht gegeben hat. "Das Werkzeug" war in Aktion gewesen.
Nun überflutet nach einem Ultimatum an die Regierung auch noch eine Welle von Streiks und Arbeitskämpfen das Land, die Verschwörer verschanzen sich auf einem verborgenen Anwesen, scheinbar kann ihnen auch das eingesetze Militär nichts anhaben. Bill Tern wird in eine Falle gelockt, hat ihn Jennifer verraten, die er zunehmend sympathisch findet ? Die Lage spitzt sich zu, doch zum dramatischen Schluss wird das Unheil über England und der Welt noch einmal abgewendet, und Bill Tern kann sich der Damenwelt mal ohne berufliche Vorsicht zuwenden.

Diesmal wieder ein schreckliches Gerät in den Händen eines größenwahnsinnigen Unholds, im Prinzip eine "psychotronische" Waffe, an der Geheimdienste in Ost und West tatsächlich geforscht haben und mit Sicherheit auch immer noch forschen. Bryan Edgars Held Bill Tern hatte zwar zwischendurch von seiner Angebeteten vom letzten Fall eine Abfuhr erhalten (die üblichen Probleme von Ermittlern aller Art halt), doch bei dem neuen Problem machen es ihm die Damen gottlob wieder nicht allzu schwer. Erinnert, nicht nur darin, in manchem an das Vorgängerbuch. Während Papa Wallace in seinen Thrillern die Politik so gut wie möglich aussparte, bezieht sein Sohn zu Zeiten des Mauerbaus und der Kubakrise eindeutig Stellung. Die Kommunisten stecken auf jeden Fall mit drin. Dabei zeichnet er die Führungsmannschaft der Kommunistischen Partei aber gar nicht mal soo plakativ. Der Vorsitzende, "Parteihengst" Harry Line (eine Namensanspielung an Harry Lime, den "Frosch" ?), ist der typische Opportunist, der seine Stellung durch konsequentes Vermeiden eines eigenen Standpunktes erreicht hat. Frank Ellers und Charley Wallmer sind die zupackenden Gewerkschafter mit proletarischem Hintergrund, während sich Gerald Fennister in den elitären Wunschwelten des Fabianischen Sozialismus bewegt. Daneben gibt es noch einige andere Chargen, alle werden von Ernest Hilyard dominiert, dessem Machtstreben das Schicksal der Arbeiterklasse allerdings komplett egal ist. Mit Hilfe der neuen Wunderwaffe wollen sie die Revolution in England auslösen und die Herrschaft übernehmen. Das wird durch ein überall ausgehängtes Ultimatum in roter Farbe verkündet - wieder mal eine Anregung von "Dad" aus dem Roten Kreis. Doch es geht noch weiter, der Militäreinsatz gegen das Hauptquartier der Schurken wurde von diesem auch gerne mal als Action-Element eingesetzt. Sogar eine weitere Anspielung, das Stromkabel beim "Frosch", ist vorhanden, mit welchen Dick Gordon seine Widersacher ausser Gefecht setzte, hier wird es aber nur als Stolperdraht genutzt. Allerlei Verwirrspiel um den wahren Cockton wird getrieben, die Toten treten sehr zahlreich auf, die Erklärung für die Wirkung der Psycho-Waffe ist hinreichend sinnvoll, wobei den entführten Mordopfern eine entscheidende und grausige Rolle zukommt. Aber es gibt ja auch noch einen Abwehrmechanismus, dessen Geheimnis Bill gerade noch rechtzeitig lüften kann, wobei ihm bei dessen Einsatz auch noch ein unzufriedener Dorfpolizist namans Hallam helfen muss. Alles in allem hat die ganze Story um "das Gerät" aber doch auch etliche Logiklücken. Und dann die üblichen Zufälle, wieder mal geht der Ermittler raus auf die Straße und trifft gleich mit allen wichtigen Personen, einschließlich des Täters, zusammen. Pure Illusion.
Zu Beginn hat sich der Autor durchaus einer anspruchsvolleren Schreibweise befleißigt, zum Schluss holpert dafür ganz schön abgehackt herum. Das Ende des Schurken ist schließlich eines Dr. Mabuse würdig, zur Not kann man ihn wieder aus dem Hut zaubern (Ätsch - ich war ja gar nich tot !).
Man kann dem hoffnungsvollen Bill nur wünschen, dass es mit seiner neuen Flamme besser klappt, auch ein Geheimagent braucht die beruhigenden Wonnen eines Familienlebens.
Die Welt steht auf dem Spiel ist ein ziemlich reißerischer, aber gut zu lesender Thriller ohne große Ansprüche.


Buch

Eine ungekürzte Ausgabe von 1962 unter dem Motto "Goldmanns-Taschen-Krimi", übersetzt von Paul Baudisch, bietet respektable Lesefreude.


Verfilmung

Scotland Yard gegen Dr. Mabuse ist möglicherweise einer der Filme, die am meisten aus einer Vorlage von Bryan Edgar Wallace verwenden, obwohl er ja gar kein Bestandteil der Filmreihe unter diesem Namen ist. Harry Cockston als Großgangster wurde kurzerhand durch Dr. Mabuse ersetzt, der "Sieg des Weltkommunismus" als Ziel durch die "Herrschaft des Verbrechens". Wie weit es hier Überschneidungen gibt, soll mal lieber nicht erörtert werden. Das Gerät im Film ist allerdings eine Hypnosewaffe, die viel mehr im Vordergrund steht als "das Werkzeug" im Roman, das eine andere Wirkungsweise hat. Die Handlung spielt richtiggehend in England, sogar die handelnden Personen haben die selben Namen mit zumindest ähnlichen Charakteren. Eigentlich wurde für den Film viel aus der literarischen Vorlage umgesetzt, wenn auch immer mal modifiziert. Sogar die Abwehrvorrichtung, allerdings in Form von Hörgeräten (so richtig kultig albern !) ist gegeben und rettet im letzten Moment die Situation. Aber der Film erfreut sich ja im Allgemeinen keiner so hohen Wertschätzung.

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