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Dieses Thema hat 75 Antworten
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 Edgar-Wallace-Forum
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DerHexer Offline



Beiträge: 11

14.09.2019 11:19
#46 RE: 60 Jahre Edgar Wallace Filme - Sondersendung im Radio Zitat · Antworten

Zitat von Jan im Beitrag #45

Da er nun oft angesprochen wurde: Alfred Vohrer war nach allem, was ich von Hinterbliebenen in Erfahrung bringen konnte, ein weitgehend unpolitischer Mensch. Er war nachweislich niemals Mitglied in der NSDAP oder anderen NS-Verbänden oder -Vereinigungen. Auch war er nach dem Krieg bis zu seinem Lebensende nie (partei)politisch aktiv. Bekannt ist, dass er - wie so viele seinerzeit - einen Faible für Willy Brandt hatte, diesen jedoch nur im engsten Familienkreis zu erkennen gab. Welche politische Botschaft außer dem Genannten und vielleicht einigen wenigen weiteren Kleinigkeiten hätte er da in seine 14 Wallace-Filme einbauen sollen? Das ist abwegig! Auch Vohrer unterlag dem Ziel der Umsatzmaximierung. Und er litt darunter zeitlebens. Der Spagat zwischen Kunst und Kommerz war ihm aus seiner Sicht immer zu sehr in Richtung Kommerz gelungen. Nicht zuletzt auch zugunsten des eigenen Kommerzes wohlgemerkt. Vohrer konnte weder mit Edgar Wallace aber erst recht nichts mit Karl May anfangen. Seine Welt bestand aus Bach, Brahms, Hemingway, Karajan und Bernstein. Verwirklichen konnte er zeitlebens davon filmisch aber kaum etwas. Ich denke aber nicht, dass er deswegen behauptet hätte, dass seine Wallace-Filme eine entsprechende Botschaft hatten. Er wusste zeitlebens, was er da machte und das unterschied ihn von manch einem seiner Kollegen.

Gruß
Jan



Jetzt wird es interessant. Du scheinst ja bezüglich Alfred Vohrer noch andere Quellen zu haben als die bekannten. Interviews mit Eva Ebner und anderen Kollegen und Schauspielern zufolge war Alfred Vohrer hundertprozentig schwul. Meines Wissens ist er auch mit seinem langjährigen Lebensgefährten Herbert begraben.
Dies in Unterhaltungsfilmen als Subtext einzubauen, ist in den 60ern in Deutschland mit Sicherheit ein ziemliches Novum gewesen und macht ihn damit aus meiner Sicht durchaus zu einem Vorreiter im Kampf für eine offenere Gesellschaft. Natürlich wurde er ab den späten 60ern komplett überrollt von Fassbinder, Rosa von Praunheim und anderen, die im Zuge der gesellschaftlichen Revolution ganz anders und viel offener damit umgegangen sind.

Mr. Igle Offline




Beiträge: 96

14.09.2019 19:07
#47 RE: 60 Jahre Edgar Wallace Filme - Sondersendung im Radio Zitat · Antworten

Zitat von Jan im Beitrag #45
Noch absurder wäre, einzelne Macher - wie beispielsweise Herbert Reinecker - herauszupicken und eine Analogie zum Schaffen im NS-Staat herbeizudichten.

Zumal dieser Ansatz ja wenig mit der praktischen Arbeit eines Drebuchautoren zu tun hat. Hier ist immer der Produzent das Korrektiv. Reinecker war ein Schnell- und Vielschreiber und war demenstprechend sehr flexibel. Er konnte sehr schnell und kompetent das liefern, was die Produzenten so möglichst zügig haben wollten. Das war nicht unbedingt immer qualitativ hochklassig oder kreativ, aber erfüllte in der Regel seinen Zweck. Während beispielsweise Hanns Wiedmann/Johannes Kai (interessanterweise ebenfalls mit NS-Vergangenheit) ein Autor mit seinem ganz eigenen Anspruch war und quasi immer seine Version des Films durchboxen wollte. Kein Wunder also, dass er sich rasch mit Wendlandt überwarf und ab Mitte der 60er Jahre keine Drehbuchaufträge in der Branche mehr erhielt. Von daher sehe ich solche Zuweisungen auch eher abwegig; man muss ja auch berücksichtigen in welchem - für heutige Verhältnisse - aberwitzigem Tempo die Wallace-Filme produziert wurden. Aber bei Reinecker ist halt - wie erwähnt - das verbindende Element seine Arbeit als Autor. Tappert wird ja nicht unter dem Signum eines NS-Muster-Schauspielers geführt. Von daher finde ich es legitim eine Verbindung zwischen Reineckers literarischer Tätigkeit vor 1945 und manchen teils sehr moralisierenden "Kommissar"- und "Derrick"-Folgen, wo Reinecker sich als Autor ja viel freier und ungezwungener austoben konnte, herzustellen; wenn es diese stilistischen Linien gibt. Und wenn es sie gibt, fände ich es nicht dramatisch. Das muss keinem den Genuss dieser Serien nehmen, aber ich finde es auch nicht per se abwegig, weil die Arbeit eines Autors über seine gesamten Schaffenszeitraum meist prinzipiell gewissen stilistisch durchgehenden Linien unterworfen ist. Und Reinecker selbst hat einer solchen Interpretation ja durchaus Nahrung gegeben, indem er in Interviews diese beiden Serien immer als "seine" Serien titulierte und immer die starke moralisierende, gesellschaftskritische Komponente hervorhob. Tappert wurde das - nach eigenem Bekunden - in der Spätphase von "Derrick" ja selbst etwas zu viel. Für die Wallace-Filme oder für Reineckers allgemeines Wirken zwischen 1950 und 1969 im Kino sehe ich einen solchen Ansatz aber auch nicht, weil seine Arbeitssituation (gefällige Genreware, Schnelligkeit, viele verschiedene Engagements, viele Produzenten als Korrektiv) zu dieser Zeit halt eben eine andere war.

Zitat von Jan im Beitrag #45
Nichts ist leichter als eine Recherche im Bundesarchiv und nichts ist leichter als das Recherchierte bei einem Glas Rotwein, funktionierender Zentralheizung und bequemem Ohrensessel zum moralinsauren Cocktail zu verwursten.

Das ist aber im Umkehrschluss genauso ein Totschlag-Argument. Aus dieser Perspektive wird jeder kritische Blick auf die NS-Vergangenheit der Akteure unmöglich; wie überhaupt auf jegliche Form der Vergangenheit, weil man die Verhältnisse ja nicht selbst nachempfinden kann. Von daher rate ich zur Mäßigung. Sowohl im Urteil über die Vergangenheit, wie auch über die eigene Gegenwart und wie sie den Blick auf bestimmte Aspekte bestimmt. Ein gutes Beispiel ist da das durchaus kontroverse Buch von Sabine Pamperrien über Helmut Schmidts Biographie von 1918 bis 1945, wo man beim Lesen der negativen Amazon-Rezensionen auch bisweilen den Eindruck gewinnen könnte, als säße die Autorin vor dem "Volksgericht". Rationales historisches Verständnis und massvolle Kritik & Gegenkritik wären hier angebracht. Wie dürfen auch nicht vergessen, dass die Menschen in 30 Jahren wieder ganz anders urteilen werden. Über unsere Zeit genauso, wie über bestimmte Aspekte der NS-Vergangenheit.

"Entspannen Sie sich, durch Hochspannung!"

Jan Offline




Beiträge: 1.421

15.09.2019 19:41
#48 RE: 60 Jahre Edgar Wallace Filme - Sondersendung im Radio Zitat · Antworten

Zitat von DerHexer im Beitrag #46

Jetzt wird es interessant. Du scheinst ja bezüglich Alfred Vohrer noch andere Quellen zu haben als die bekannten. Interviews mit Eva Ebner und anderen Kollegen und Schauspielern zufolge war Alfred Vohrer hundertprozentig schwul. Meines Wissens ist er auch mit seinem langjährigen Lebensgefährten Herbert begraben.


Wir driften zwar etwas vom Thema ab, aber ich möchte das doch noch kurz kommentieren: Dass die beiden zusammen in einem Grab bestattet wurden, ist richtig. Es gibt ja auch noch Fotos des Grabsteins. Leider ist das Grab mittlerweile aufgelassen. Alfred Vohrer hatte Herbert Dolpp adoptiert. Vermutlich vorrangig aus Erbgründen, weil Vohrer nicht wollte, dass sein Vermögen an seine leiblichen Verwandten fallen würde. Natürlich bestand zwischen den beiden zeitlebens eine tiefgehende Beziehung. Beide wohnten auch zusammen in Berlin, zunächst in der Rheinbabenallee, dann in der Kudowastraße (selbes Haus, in dem auch Regisseur Harald Philipp lebte) und bis zu ihrem jeweiligen Lebensende 1986 und 1989 schließlich in der Koenigsallee in Berlin (heute wohnt dort ein Diplomat oder Botschaftsangehöriger o.ä.). Dass Vohrer auch Beziehungen zu Frauen gehabt haben soll, erzählte mir Angela Marquis, die Frau von Arnold Marquis und langjährige Mitarbeiterin bei Ultra und Rialto. Auch auf meine verwunderte Nachfrage blieb sie dabei, dass ihr Arnold häufig von Frauengeschichten erzählt hatte. Das Ganze ist allerdings auch so erklärlich, dass gerade in den 1950er Jahren die Verfolgung Homosexueller noch aktiv betrieben wurde und sich der eine oder andere schlichtweg eine Scheinbeziehung zulegte, um nicht ins Visier der Verfolger zu geraten (siehe auch Jan Hendriks, der meines Wissens sogar verhaftet wurde). Ob die Schauspielerin Ethel Reschke - an sie erinnerte sich Frau Marquis in Bezug auf Alfred Vohrer ganz gewiss - nun eine Scheinbeziehung war oder ob nicht, wird sich nicht mehr mit Gewissheit ermitteln lassen. Es gibt zudem eine Reihe weiterer Damen, die mir auch von anderen Befragten genannt wurden. Unter'm Bett gelegen hat natürlich von all jenen niemand und insofern bleibt das immer alles vage. Ich habe auf dem Gebiet auch ehrlicherweise nur wenig Forscherdrang, da Liebesaffären zu wem auch immer mal schön die Sache vom Freddy selbst bleiben sollen.

Zitat von DerHexer im Beitrag #46

Dies in Unterhaltungsfilmen als Subtext einzubauen, ist in den 60ern in Deutschland mit Sicherheit ein ziemliches Novum gewesen und macht ihn damit aus meiner Sicht durchaus zu einem Vorreiter im Kampf für eine offenere Gesellschaft. Natürlich wurde er ab den späten 60ern komplett überrollt von Fassbinder, Rosa von Praunheim und anderen, die im Zuge der gesellschaftlichen Revolution ganz anders und viel offener damit umgegangen sind.

Zum Glück hat es diese Wende in der öffentlichen Wahrnehmung irgendwann gegeben. Und sicher haben die genannten Filmemacher ab den 1970er Jahren auch dazu beigetragen, ein liberaleres Klima zu schaffen. Im Übrigen fällt mir gerade ein, dass es bei Wallace diesbezüglich im "Hund von Blackwood Castle" sogar eine noch harmlosere Begebenheit als den dick aufgetragenen späteren Sir Archibald gab: In der Szene vor dem Nachtclub organisiert sich Regisseur Vohrer seine Regieassistentin Ebner als leichtes Mädchen und schleppt sie ruckzuck ab. Das sind letztlich alles aber auch nur kleine Insider, die uns heute auffallen und seinerzeit in der Filmemacherszene ggf. ein leichtes Schmunzeln hervorgerufen haben mögen.

Zitat von Mr. Igle im Beitrag #47
Zitat von Jan im Beitrag #45
Nichts ist leichter als eine Recherche im Bundesarchiv und nichts ist leichter als das Recherchierte bei einem Glas Rotwein, funktionierender Zentralheizung und bequemem Ohrensessel zum moralinsauren Cocktail zu verwursten.

Das ist aber im Umkehrschluss genauso ein Totschlag-Argument. Aus dieser Perspektive wird jeder kritische Blick auf die NS-Vergangenheit der Akteure unmöglich; wie überhaupt auf jegliche Form der Vergangenheit, weil man die Verhältnisse ja nicht selbst nachempfinden kann.

Meine Kritik richtet sich weniger dagegen, entsprechende Recherchen anzustellen und - wie Du auch schon schreibst - gemäßigt und ausgewogen zu berichten; meine Kritik richtet sich gegen die damit für mein Dafürhalten streckenweise einhergehende Selbstgefälligkeit und eine leichtfertig dahingeschriebene Generalverurteilung. Es gibt ausgezeichnete Auseinandersetzungen mit diesem Thema, aber eben auch die übereilte (versuchte) Vernichtung. Ein Beispiel, das mir hier stets in den Sinn kommt, ist der Dirigent Herbert von Karajan. Es gibt eine Publikation des Autors Klaus Riehle, die versucht, Karajan, offenbar aufgrund einer bestehenden allgemeinen (und im Wesentlichen künstlerisch bedingten) Verehrung, in nahezu jedes missgünstige Licht zu rücken, das sich herbei konstruieren lässt. Der Autor selbst muss in seinem Buch gestehen, dass er keinerlei Beweise für eine SS-Angehörigkeit Karajans hat, ergeht sich aber auf über 400 Seiten in der Annahme, dass es diese Beweise schon irgendwo geben wird bzw. kramt "Zeugen" hervor, die sich detailliert an 60 Jahre zurückliegende Details erinnern wollen. Diese Art Wetteifern um den erhobensten Zeigefinger treibt da in meinen Augen recht drastische Stilblüten, die mir grundsätzlich missfallen. Ich bin der erste, der bei handfester Sachlage dafür ist, entsprechende Vergehen klar und deutlich beim Namen zu nennen. Eine falsch verstandene Political Correctness an der Stelle indes bewirkt exakt das Gegenteil des Beabsichtigten: Diejenigen, die von Schuldkult und derartigen Unsinnigkeiten schwafeln, werden gefüttert und enthalten eben jene Munition, die sie gar nicht bekommen sollten.

Gruß
Jan

Havi17 Offline




Beiträge: 3.144

15.09.2019 21:02
#49 RE: 60 Jahre Edgar Wallace Filme - Sondersendung im Radio Zitat · Antworten

Danke!

Gruss
Havi17

Count Villain Offline




Beiträge: 4.241

16.09.2019 13:50
#50 RE: 60 Jahre Edgar Wallace Filme - Sondersendung im Radio Zitat · Antworten

Zitat von Jan im Beitrag #45
Dennoch finden sich natürlich gerade zum Ende der "echten" deutschen Filme in den Jahren 1966 bis 1969 einige Seitenhiebe, die man mit viel Fantasie als politisches Statement interpretieren mag. Der bereits angesprochene Umgang mit Homosexualität beispielsweise. Das Thema wird durch Alfred Vohrer und in Darstellung von Hubert von Meyerink in Form der "halbfiktionalen Groteske" durchaus auf die Leinwand gebracht. Ein bekanntermaßen schwuler Darsteller, nahezu tuntenhaft angezogen, balletttanzend (Schwanensee!) und ungelenk mit Prostituierten bzw. offensichtlich gekauften Damen poussierend und das in der Rolle des höchsten Polizeichefs! Selbstredend war das Absicht, und es war auch ein Statement. [...] die man dahingehend deuten kann, dass auch hochdotierte und angesehene Beamte homosexuell sein können!


Interpretieren kann man alles. Die Gedanken sind frei. Absicht sehe ich natürlich auch dahinter. Aber eher im Sinne einer grotesken Komik und nicht einer Gesellschaftskritik. Die Besetzung konterkariert auf absurd-vergnügliche Weise die Figur, aber zu schließen Sir Arthur sei heimlich schwul, weil von Meyerincks Homosexualität ein offenes Geheimnis war, ist doch etwas generalisierend. Die Ballettszene geht in meinen Augen auch abseits von Sexualität als englischer Adels-Spleen durch. Außerdem sollte man auch nicht vergessen, dass Meyerinck zu dieser Zeit besetzungsmäßig auf den Typ der ahnungslos-autoritären Respekts- oder Amtsperson festgelegt war, so dass seine Besetzung an sich auch nicht als wirklich großer Clou aufgefasst werden kann.

Zumindest ich sehe da eher das Statement, dass auch hochdotierte und angesehene Beamte notgeile Erztrottel sein können. Aber vielleicht trenne ich auch zu sehr zwischen Rolle und Schauspieler?

Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #42
Das ist mir auch so aufgefallen. Ich finde soger, dass die Szene in der Todeszelle im Film viel schärfer rüberkommt als im Buch. Im Roman wird bei der plötzlichen Gegenüberstellung von Vater und Sohn gar nicht über Rays Schuld oder Unschuld gesprochen, da kommen bei Bennett verständlicherweise gleich die Vatergefühle durch. Im Film dagegen heißt es ja sinngemäß: "Schau mich an. Und wenn du es getan hast..." - dann schweift Henker-Bennetts Blick unheilvoll zu der genüpften Schlinge - eher eine verstörende Sequenz, die ja andeutet, dass dem Recht auch unter dem Zurückstellen privater Gefühle stets Genüge getan werden muss.


Das schwingt auf jeden Fall unterschwellig mit. Aber auch hier bleibt die Frage, ob dadurch tatsächlich diese Geisteshaltung durch die Figur des John Bennett propagiert werden sollte oder ob es nicht doch eher dazu dient, dieser Szene durch die dramatische Zuspitzung noch etwas mehr Suspense zu verpassen. Ich tendiere zu letzterem. Vater oder nicht, hier soll es für Ray wirklich um Leben und Tod gehen!

Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #38
Wenn man will, kann man alles hineininterpretieren.


Eben. Deshalb bin ich, was Interpretationen angeht, auch eher zurückhaltend und skeptisch.

Zitat von Tarzan im Beitrag #34
Da würde ich Dir raten, mal "Frosch" und "Bande des Schreckens" und "Fälscher von London" anschauen. Es kann ja überhaupt keine Zweifel darüber geben, wer die Rialto-Wallace-Reihe mit seiner Handschrift zum Laufen brachte. Reinl gebührt dieser Verdienst, nicht Vohrer.


Wir können nicht sagen, ob sie unter Vohrer nicht genauso gut angelaufen wäre. Gerade viele der frühen Vohrer-Wallace-Filme gelten generell als gelungene Klassiker. Ich will Reinls Leistung damit nicht klein reden. Ganz im Gegenteil! Aber man sollte es Vohrer nicht zum Vorwurf machen, dass damals Reinl für die Regie engagiert worden ist.

Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #38
Man muss nicht Homosexualität bei einer knappen Besprechung der Filme unbedingt thematisieren, nur weil es grad trendy ist, und dabei schwer nachvollziehbare Behauptungen aufstellen. Dass Hubsi von Meyerinck mit dem prallen Weiberfleisch privat nicht viel anfangen konnte, sollte ja hinlänglich bekannt sein, doch seine Darstellung als Sir Arthur war ja nun das penetrante Gegenteil. Und Kinskis Rolle im "Indischen Tuch", okay, da hat er irgendwie schon ein persönliches Geheimnis gehabt, dass er verbergen wollte, zumindest sah das so aus, doch dass es Homosexualität war, ist zumindest spekulativ.


Da habe ich beim Hören des Beitrags allerdings auch gestutzt. Den ganzen homosexuellen Subtext in den Filmen und vor allem Kinskis Rolle im "Tuch" muss mir wohl noch jemand anhand konkreter Beispiele erklären, damit ich das erkenne.

Das persönliche Geheimnis von Ross ist doch das Insulin, von dem alle denken (und auch der Zuschauer denken soll), es wären Drogen und keine Medizin.

Fabi88 Offline



Beiträge: 3.544

16.09.2019 15:21
#51 RE: 60 Jahre Edgar Wallace Filme - Sondersendung im Radio Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #41
Zitat von Fabi88 im Beitrag #26
Ich habe keine "belehrenden Winkel" in die Wallace-Filme interpretiert, ...

Das dürften wir wohl unterschiedlich sehen. Wenn du Vohrer unterstellst, er wolle jemanden (wen eigentlich?) mit (wessen?) NS-Verbrechen konfrontieren, heißt das ganz klar: Die Wallace-Filme haben deiner Meinung nach einen erzieherischen, belehrenden Re-Education-Auftrag.


"Denkanstöße" sind kein "Re-Education-Auftrag" oder Ähnliches. Und ich habe die Konfrontations-Theorie nicht als die einzige richtige hingestellt, sondern als Möglichkeit in Betracht gezogen.
Vohrer geht in Punkto Gewalt weiter als seine Kollegen und schreckt dabei auch nicht vor Gas und Ähnlichem zurück. Die zeitgenössische Kritik hat dies hier und da schon durchaus kritisch betrachtet.
Natürlich kann man nun als Argument anführen, dass die Zuschauer damals nach immer obskureren Mordmethoden und abstruseren Kostümen verlangten, aber das war aus meiner Sicht eher eine Folge davon, nicht der Ursprung. Und bei Reinl und Co fiel dies nicht ganz so extrem aus.
Man könnte jetzt also wild diskutieren, ob Vohrer einfach selbst "drauf stand", Wendtland mehr Gewalt wünschte oder glaubte, das Publikum wolle das so. Zumindest der Verleih freute sich ja über jeden Wallace mit niedriger FSK-Freigabe.

Zitat von Fabi88 im Beitrag #26
aber die eigene Haltung kann man unmöglich aus seinem Werk heraushalten, auch wenn es Auftragsarbeiten sind.

Dann nehmen wir dein Beispiel bzgl. Reinls Frosch und der Todesstrafe. Es trifft nicht zu. Welche "Haltung" Reinls in Bezug auf die Todesstrafe soll sich aus dem Film heraus zeigen? Er hat das abgefilmt, was Wallace sich ausgedacht und Bartsch/Eis davon adaptiert haben. Und selbst bei Wallace entspringt die Todesstrafe als Plotelement (zumindest in diesem Falle) nicht einer "Haltung", sondern einzig dem Wunsch, mit der irreversiblen Natur einer solchen Bestrafung handfesten Suspense zu generieren.[/quote]
"Abfilmen" gibt es nicht. Es wäre eine Theaterbühne ohne Bühnenbild, auf der die Schauspieler sitzen und den Text möglichst betonungsfrei rezitieren.
Dem Regisseur obliegen alle kreativen Entscheidungen. Zwar gibt es für jedes Gewerk einen "Chef", geht es aber darum, ob die Protagonistin ein rotes Abendkleid oder einen grünen Minirock tragen soll, entscheidet der Regisseur. Bzw. auch Ideen anderer anzunehmen oder bestimmten Gewerken komplett freie Hand zu lassen ist eine Entscheidung.
Dementsprechend ist es kein Problem, falls Vohrer die Schauspielführung nicht lag. Ihm waren Optik, Tempo und Co wichtiger. Noch extremer ist da beispielsweise Dario Argento, wo die Schauspieler in beinahe jedem Werk komplett führungslos umherzulaufen scheinen.
Das Todesstrafenthema ist im Roman und Eis/Bartsch haben es beibehalten, ja. Aber bereits das ist doch eine Haltung? Nehmen wir an, dass ein Drehbuch der Todesstrafe positiv gegenüber steht: er hätte das ganze Thema dramaturgisch beibehalten können. Sprich, John Bennet macht seinen Job gern, verheimlicht ihn nur aus gesellschaftlichen Gründen. Als er hinter Bennets Geheimnis kommt, äußert sich Richard Gordon anerkennend von wegen "ehrenwerter Job". Es wäre alles ebenso möglich gewesen, die Suspense wäre geblieben, der junge Bennet fiele als bedauerlicher Einzelfall einem eigentlich guten System in die Hände und der Henker zeigt Eigeninitiative. Das hat man aber ganz bewusst nicht getan - weil die Todesstrafe in der Wirtschaftswunderzeit des damaligen Deutschland keine Basis zu haben schien, aber auch, weil es anscheinend den Autoren ins eigene Weltbild passte. Und Reinl zeigt Bennet als dämonischen, unheimlichen Kerl und erzählt seinen beruflichen Hintergrund eher als kriminelles Doppelleben, denn als simples Geheimnis - wie es vielleicht im Roman eher noch gehandhabt wurde. Sympathisch wirkt er ab dem Zeitpunkt, wo er sich von seinem Beruf zu lösen beginnt.

Ich glaube übrigens, dass hier unterschiedliche Definitionen von "Politisch" herumschwirren.
"Politisch sein" fängt bei mir nicht an bei "moralischer Zeigefinger" und "Themen vordergründig behandeln" und erfordert auch nicht die Mitgliedschaft in der NSDAP oder SPD oder was auch immer.
Klassensprecher ist ein politisches Amt, Politik ist nicht nur Staatstragend, sondern ganz simpel die Art und Weise von Interessenausgleich und Miteinanderleben und ist daher nicht immer zwingend Parteipolitik.
Nichtwähler sind ja auch nicht unpolitisch, sie sehen ihre Interessen nur nicht präsentiert vom Angebot oder was auch immer... aber darüber wird ja auch immer wieder gestritten.

Mr. Igle Offline




Beiträge: 96

16.09.2019 15:33
#52 RE: 60 Jahre Edgar Wallace Filme - Sondersendung im Radio Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #50
Wir können nicht sagen, ob sie unter Vohrer nicht genauso gut angelaufen wäre. Gerade viele der frühen Vohrer-Wallace-Filme gelten generell als gelungene Klassiker. Ich will Reinls Leistung damit nicht klein reden. Ganz im Gegenteil! Aber man sollte es Vohrer nicht zum Vorwurf machen, dass damals Reinl für die Regie engagiert worden ist.
Das gehe ich zu 100 % mit konform. Und zwar aus mehreren Punkten: 1. Wallace war gewissermaßen - auch wenn die Produzenten angeblich so große Bedenken hatten - ein Selbstläufer und prädestiniert für eine Verfilmung, sonst hätte der Goldmann-Verlag seinerzeit sicherlich keine so hohen Auflagen verkauft; 2. Es gab schon vor 1959 bundesdeutsche Kriminal- und Sittenfilme und ich sehe nicht, wo Reinl sich mit dem Erstling der Reihe da inszenatorisch von diesem Kino-Reißern groß unterscheiden würde (Stichwort: Novum), abgesehen vom Handlungsort; und der "Frosch" wirkt trotzdem sehr "deutsch" in der Machart; 3. Jürgen Roland hat parallel zu Reinl ebenfalls jeweils einen Wallace-Film gemacht; wenn, dann hat er einen genauso großen Anteil am Unterfangen "Serie ans Laufen bringen" wie Reinl; 4. Von den drei erfolgreichsten Wallace-Filmen stammen zwei von Vohrer, aber keiner von Reinl. In jedem der drei Filme war Joachim Fuchsberger der Hauptdarsteller. Und obwohl Reinl dreimal mit Fuchsberger in der Hauptrolle (zweimal in Kombination mit Dor) drehte, hat es keiner dieser Streifen aufs Podium geschafft. Das alles soll, wie schon mein Vorgänger schrieb, nicht Reinls Verdienste auf irgendeine Weise schmälern, aber Reinls hier hervorgehobene Rolle als "Geburtshelfer" und "Serienprimus" schon in einem ausgewogeneren Licht erscheinen lassen.

Ich glaube auch nicht, dass sich viele Kinobesucher groß darüber den Kopf zerbrochen haben, wer denn nun bei welchem Film auf dem Regiestuhl saß. Reinl hatte offensichtlich einen Stil, der den bundesdeutschen Geschmack genre-übergreifend sehr gut traf. Bei Karl May ist Reinl hingegen unumstritten der bedeutendste Regisseur. Vohrer hatte hier auch das Pech, dass er sehr spät zum Zuge kam und die Filme mit Stewart Granger und "Firehand" drehen musste. Hier verlangte die Produktion bereits eine Hinwendung zum aufkommenden Italowestern mit mehr Härte und mit Grangers selbstironisch-versnobter Art, die durchscheinen ließ, dass er den ganzen BRD-Western ohnhehin nicht für voll nahm, konnte man eben wenig schwärmerische Romantik auf die Kinoleinwand zaubern. Das wäre vielleicht anders gewesen, wenn Vohrer einen Winnetou-Film mit Lex Barker hätte drehen können. Auch das wäre Spekulation. Reinl hingegen war für Karl May prädestiniert, weil er als Berg- und Heimatfilm-Spezialist ein natürliches Gespür für die malerische jugoslawische Berg-, Höhlen-, Land-, und Seenwelt besaß und seine Art der Film-Romatik gut zu Karl May passte. Das war - meines Erachtens - Reinls größte Stärke als Regisseur und seine "Handschrift": Die Verbindung aus Abenteuerlust, großen Gefühlen und einer atemberaubenden Naturkulisse. Vohrer war hingegen ein exzellenter Thrillerspezialist mit einem famosen Gespür für Kriminalthemen, Pulp-Charaktere und skurrile Übertreibungen. Müsste ich benennen, wo sich die beiden am meisten unterscheiden, so würde ich sagen: Reinl war ein "Stimmungs"-, Vohrer ein "Spannungs"-Regisseur. Zusammen mit Roland waren sie die wichtigsten Regisseure für den Erfolg der Serie. So würde ich das sehen.

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Count Villain Offline




Beiträge: 4.241

16.09.2019 16:19
#53 RE: 60 Jahre Edgar Wallace Filme - Sondersendung im Radio Zitat · Antworten

Zitat von Fabi88 im Beitrag #51
Vohrer geht in Punkto Gewalt weiter als seine Kollegen und schreckt dabei auch nicht vor Gas und Ähnlichem zurück.


Dasselbe könnte man über Reinl und den "Frosch" sagen. Genter und Maitland werden vergast, einem Nachtwächter wird blutig die Kehle durchgeschnitten, Lolita von Kugeln durchsiebt. Die grausamen Erschießungen vom blinden Jack und vom Pförtner in den "Augen" sind so gesehen auch nur eine logische Fortführung. In der "Nonne" wird ebenfalls ein ganzer Wagen voller Helfershelfer vergast und in einer Badewanne gewaltsam ums Überleben gekämpft.

Kommt natürlich auch darauf an, womit man gerade vergleicht. "Bogenschütze", "Gräfin" usw. bieten da natürlich weniger. Hängt natürlich auch immer vom Stoff ab. Selbst der ansonsten ruhige "Fälscher" hat allerdings auch einige blutige Morde. Also zumindest Reinl steht Vohrer da in nichts nach.

Und bei den Farbvohrers sehe ich jetzt auch nicht mehr Gewalt, sondern in der Substanz eher weniger, da sie durch die allgemeine comichafte Inszenierung eher verharmlost wird. Auch Gottliebs "Abt" und "Rätselschloss" bieten vergleichsweise harmlose Morde.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.060

16.09.2019 16:59
#54 RE: 60 Jahre Edgar Wallace Filme - Sondersendung im Radio Zitat · Antworten

Daran sieht man, wie undurchdacht solche Parallelen (Gasmord = Anspielung auf Holocaust), die zwanghaft nach politischen Aussagen suchen, sind. Die Giftmorde finden sich bereits in der Romanvorlage zum "Frosch" und für die "Nonne" sind britische Autoren verantwortlich, die im Wesentlichen für den britischen Markt schrieben.

Generell scheint mir, dass in diesem Thread überdurchschnittlich viel heiße Luft produziert wird, aber die Diskussion scheint bei anderen auf fruchtbaren Boden zu fallen.

Tarzan Offline



Beiträge: 940

16.09.2019 17:34
#55 RE: 60 Jahre Edgar Wallace Filme - Sondersendung im Radio Zitat · Antworten

Heiße Luft ist ein gutes Stichwort. Jetzt auch noch Roland mit Reinl gleichsetzen zu wollen, ist der Versuch Reinls Starter-Verdienste abzumildern. Das geht auch schon wieder Richtung der Radio-Sendung, wo auch viel heiße Luft produziert wurde.

Mr. Igle Offline




Beiträge: 96

16.09.2019 19:14
#56 RE: 60 Jahre Edgar Wallace Filme - Sondersendung im Radio Zitat · Antworten

Zitat von Tarzan im Beitrag #55
Heiße Luft ist ein gutes Stichwort. Jetzt auch noch Roland mit Reinl gleichsetzen zu wollen, ist der Versuch Reinls Starter-Verdienste abzumildern.
Die Luft ist sogar so heiß, dass du dich nicht einmal fähig siehst, auf nur eines meiner Argumente einzugehen. Dann lass als Fan den guten Reinl auf dem Podest, auf den du ihn gesetzt hast. Ich sehe das ein wenig anders, obwohl ich Reinl - wie du meinem obigen Beitrag entnehmen kannst - sehr schätze. Ich habe es nicht nötig, Verdienste kleinzureden oder abzumildern, habe aber einen abweichenden Blickwinkel. Fakt ist, dass es den "Roten Kreis" auch gegeben hätte, wenn der "Frosch" gefloppt wäre. Hätte man das Reinl angekreidet? Wohl kaum. Der "Frosch" wurde ein Erfolg, der "Kreis" auch. Roland hat Reinls Stil nicht kopiert, sondern seine eigenen Akzente gesetzt. Dasselbe Spiel bei "Bande" und "Bogenschütze". Dann kam Vohrer. Nimmt man den "Rächer" hinzu (der Kinozuschauer scherte sich damals nicht um Produktionsfirmen), dann hat Reinl von den ersten sieben Wallace-Filmen gerade einmal zwei Beiträge inszeniert. Was genau ist also seine unfassbare Starter-Leistung? Hätte Reinl die ersten vier oder fünf Filme am Stück gedreht, dann würde ich dir zustimmen. So jedoch sehe ich nicht ein, weshalb man im Gegenzug Rolands Simultan-Leistung kleinreden sollte. Auch die Gesamtreihe gesehen, war Reinl natürlich einflussreicher, weil er länger dabei war und fünf Filme insgesamt abgeliefert hat. Aber die Serie lief ohne ihn und seine "Handschrift" problemlos weiter (gleiches gilt für Roland), anders als bei Karl May, wo er wirklich so dominant war, dass kein Regisseur gänzlich an seinem etablierten May-Stil vorbeikam und er alle maßgeblichen Winnetou-Filme inszenierte. Ich persönlich könnte mir vorstellen, dass die Reihe genauso gut gestartet wäre, hätte Roland "Frosch" & "Bande" und Reinl "Kreis" & "Bogenschütze" inszeniert. Vielleicht sollte man die Regisseure auch nicht so überbewerten. Joachim Fuchsberger etwa war für den Erfolg der Reihe noch wesentlich bedeutender als irgendein Regisseur. Das sieht man immer daran, dass in der Frühphase der Reihe (1959-1961) die Zuschauerzahlen immer dann in die Höhe schnellten, wenn er die Hauptrolle spielte; egal, welcher Regisseur inszenierte (Reinl, Vohrer, von Ráthonyi). Der "Fälscher" wäre wohl viel erfolgreicher gewesen, hätte Blacky die Hauptrolle gespielt. Wenn folglich Roland Fuchsberger als Zugpferd gehabt hätte, würden wir heute vielleicht über ihn als "Starter" der Wallace-Reihe streiten...

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patrick Offline




Beiträge: 3.108

16.09.2019 21:19
#57 RE: 60 Jahre Edgar Wallace Filme - Sondersendung im Radio Zitat · Antworten

Zitat von Mr. Igle im Beitrag #56
. Ich persönlich könnte mir vorstellen, dass die Reihe genauso gut gestartet wäre, hätte Roland "Frosch" & "Bande" und Reinl "Kreis" & "Bogenschütze" inszeniert. Vielleicht sollte man die Regisseure auch nicht so überbewerten.


Möglich. Ist aber reine Spekulation und wir werden es nie erfahren. Immerhin brachte Reinl den Mut auf, den Frosch für die damaligen Verhältnisse der "Heile-Welt-50er-Jahre" ungewöhnlich hart zu inszenieren. Ob das die anderen auch so angegangen wären, da wäre ich mir nicht so sicher. Genauso gut hätte man den Film im Klettermaxe-Stil inszenieren können, was den Erfolg womöglich schon etwas eingebremst hätte und sich zumindest weniger von vorhergehenden Krimis abgegrenzt hätte. Ursprünglich stand, glaube ich, die Idee im Raum, die Filme eher als Komödien auf die Leinwand zu bringen, was man vom Frosch wirklich nicht behaupten kann. Ich denke, man darf Reinl schon hoch anrechnen, dass er einen solchen Start hinlegte. Dass die Reihe später mit gewissen Akzentuierungs-Variationen mit teilweise noch größerem Erfolg weiterlief steht natürlich außer Frage. Grundtenor und Wiedererkennungswert blieben aber erhalten und die hat immerhin Reinl in's Leben gerufen.

Tarzan Offline



Beiträge: 940

16.09.2019 23:21
#58 RE: 60 Jahre Edgar Wallace Filme - Sondersendung im Radio Zitat · Antworten

Es ist völlig unstrittig, dass Reinl die Stilrichtung der Serie ausgab. Während Reinl sich keinen Patzer leistete, darf Rolands Bogenschütze schon als Misserfolg betrachtet werden. Und Blacky konnte damals auch noch nicht alleine Filme tragen, siehe u.a. Die feuerrote Barronesse. Ich brauche Reinl nicht auf ein Denkmal setzen. Das hat er sich selbst gemacht.

Havi17 Offline




Beiträge: 3.144

17.09.2019 06:54
#59 RE: 60 Jahre Edgar Wallace Filme - Sondersendung im Radio Zitat · Antworten

Zitat von patrick im Beitrag #57
[quote=Mr. Igle|p7397164]. Ich persönlich könnte mir vorstellen, dass die Reihe genauso gut gestartet wäre, hätte Roland "Frosch" & "Bande" und Reinl "Kreis" & "Bogenschütze" inszeniert. Vielleicht sollte man die Regisseure auch nicht so überbewerten.[/quote
Bogenschütze niemals nie nicht, das kann Reinl nicht, dafür war Reinl viel zu geradlinig.

Gruss
Havi17

Mr. Igle Offline




Beiträge: 96

17.09.2019 11:02
#60 RE: 60 Jahre Edgar Wallace Filme - Sondersendung im Radio Zitat · Antworten

Zitat von Tarzan im Beitrag #58
Es ist völlig unstrittig, dass Reinl die Stilrichtung der Serie ausgab.
Ist es das? Vieles war auch stilistisch bereits schon durch die Romane vorgegeben. Joachim Kramp hat - trotz seiner bekannten "Affenliebe" zu Reinl - stets betont wie wichtig der Einfluss Hummels als Wallace-Kenner und vor allem von Egon Eis als Autor für die frühen Wallace-Filme war. Kramp hat hierbei hervorgehoben, dass der Stil der ersten beiden Wallace-Filme vor allem in Sachen Atmosphäre, Härte und "eiskaltem Touch" konkret durch die Drebücher von Eis vorgegeben wurde. Die haben Reinl und Roland jeweils simultan umgesetzt. Ich sehe nicht, wo Reinl oder Roland groß inszenatorische Neuerungen gegenüber den Kriminalfilmen von vor 1959 geliefert hätten. Was soll diese einmalige "Handschrift" denn bitte sein? Wenn man sich zum Beispiel "Es geschah am hellichten Tag" (1958) ansieht, ist der auch nicht groß anders inszeniert als "Frosch" oder "Kreis". Die frühen Wallace-Streifen hatten meines Erachtens kein sonderlich von zeitgleichen Kriminalfilmen abweichendes Flair was Bildkompositionen und Schnitt angeht, sondern hingegen inszenatorisch noch allgemein sehr am Kinotopp der 50er Jahre.

"Entspannen Sie sich, durch Hochspannung!"

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