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Dieses Thema hat 73 Antworten
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 Edgar-Wallace-Forum
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Mitternachtsradio Offline




Beiträge: 5

07.09.2019 10:17
#16 RE: 60 Jahre Edgar Wallace Filme - Sondersendung im Radio Zitat · Antworten

Schade, offenbar habe ich beim immer mal wieder interessierten Mitlesen nicht ganz mitbekommen, dass auch in diesem Forum mittlerweile die rhetorische Unkultur der AfD-Social-Media-Drastik herrscht. Das ist mir zu müffelig, zu verbittert, zu verbohrt und schlicht zu unsympathisch. Ich werde es daher bei diesem Hinweis auf diese Sendung belassen und mich aus diesem Forum zurückziehen. Man kann über alles diskutieren, sollte dabei aber eben auch argumentieren können und es nicht beim aufgeblasenen Sloganeering mit politischer Agenda belassen. Für die Unkultur solchen Schreihals-Gepolters ist mir meine Lebenszeit zu schade.

Andreas Offline




Beiträge: 429

07.09.2019 12:41
#17 RE: 60 Jahre Edgar Wallace Filme - Sondersendung im Radio Zitat · Antworten

Mich befremdet die AfD Semantik hier enorm. Ich fühle mich im liberalen linksgrünen Spektrum wohl. Terror gibt es hier nicht. Hier gibt es Respekt, Demokratie, Freiheit, Umweltschutz, ein soziales Miteinander. Das Leben ist hier schön.

DerHexer Offline



Beiträge: 7

07.09.2019 13:35
#18 RE: 60 Jahre Edgar Wallace Filme - Sondersendung im Radio Zitat · Antworten

Zitat von Andreas im Beitrag #17
Mich befremdet die AfD Semantik hier enorm. Ich fühle mich im liberalen linksgrünen Spektrum wohl. Terror gibt es hier nicht. Hier gibt es Respekt, Demokratie, Freiheit, Umweltschutz, ein soziales Miteinander. Das Leben ist hier schön.


Schön geschrieben, dem stimme ich absolut zu.

Andreas Offline




Beiträge: 429

07.09.2019 18:45
#19 RE: 60 Jahre Edgar Wallace Filme - Sondersendung im Radio Zitat · Antworten

Danke Hexer, ich dachte schon ich wäre hier völlig verlassen.

Ray Offline



Beiträge: 1.266

08.09.2019 20:42
#20 RE: 60 Jahre Edgar Wallace Filme - Sondersendung im Radio Zitat · Antworten

Habe mir die Sondersendung inzwischen auch mit großer Freude angehört. Die Ausführungen des Filmhistorikers fand ich ganz überwiegend treffend. Toll auch, dass man mit Brigitte Grothum noch eine Mitwirkende am Mikrofon hatte, die noch ausgesprochen vital wirkt, Interessantes zu berichten wusste und die Zeit bei Wallace offensichtlich sehr wertschätzt.

Matze K. Offline



Beiträge: 1.057

10.09.2019 19:24
#21 RE: 60 Jahre Edgar Wallace Filme - Sondersendung im Radio Zitat · Antworten

Zitat von Andreas im Beitrag #19
Danke Hexer, ich dachte schon ich wäre hier völlig verlassen.


Hier ist jeder Willkommen :) auch linksgrüne - das waren früher die grün schwarzen Schnürselkeltrager - richtig? Oder war das die Veganer-Fraktion - da bin ich schon lange raus... damals war ich rot/schwarz
Im Übrigen sind ja tollerant und für jede Meinung Sogar für Gallofans Aber klar - gehört in den Off-Pic Bereich sonst wird's zu wild (ich hätte fast geschrieben zu bunt )

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Immer wenn du lügst, muss Jesus Blut weinen.
(Todd Flanders)
Wie kann Dummheit entscheiden was klug ist
(meine Frau)

Fabi88 Offline



Beiträge: 3.529

11.09.2019 12:28
#22 RE: 60 Jahre Edgar Wallace Filme - Sondersendung im Radio Zitat · Antworten

Habe die Sendung mittlerweile auch gehört und könnte nur eine einzige Kritik nachvollziehen - nämlich die, dass es allgemein wenig tiefschürfend war.
Aber darum ging es bei der Sendung offensichtlich ja auch nicht. Zweck war nur angesichts des Jubiläums an die Filme zu erinnern und ein paar Infos für "Normalos", die nicht alle Dialoge auswändig herunterbeten können zu liefern.
Grothum zu hören war unterhaltsam, der Tontechniker war eher losgelöst von Wallace interessant und die Ausführungen des Filmhistorikers schienen mir überaus logisch. Zumal er sichtlich begeistert aus der Perspektive des gut unterhaltenen Zuschauers sprach und nicht als "Papas Kino"-Kritiker.
Dementsprechend wenig nachvollziehen kann ich die hier eingeworfenen "haltet die Politik bei Wallace raus!"-Einwürfe. Aber wenn ich das richtig überlesen habe, haben diejenigen die Sendung gar nicht gehört, sondern sich an einem Einzeiler auf der Seite aufgehangen. Ganz im Gegenteil lobt der Filmhistoriker ja die (behauptete) Internationalität der Wallace-Filme mit ihrem (trotz Nebel und kriminellen Aktivitäten) durchaus positiv gezeichneten England-Bild.

Und nun Off-Topic: "Unpolitische" Filme gibt es nicht. Ist ein Film bloßes Handwerk, spiegelt er zumindest den Zeitgeist und vorherrschendes Weltbild wider. Ansonsten würde er ja schließlich "anecken" oder zumindest irritieren und so im schlimmsten Falle das Publikum verschrecken. Das macht auch den ein oder anderen NS-Zeit-Unterhaltungsfilm ohne Propaganda-Auftrag für reflektierte Zuschauer zu einem getrübten Vergnügen.
Sitzen dann noch intelligente Leute mit großem Gestaltungswillen am Autorenschreibtisch und/oder auf dem Regiestuhl, so ist es unvermeidlich, dass ihr Weltbild sich im Endergebnis wiederfindet.
Deswegen sind die in der Sendung aufgezeigten Symbole für Vohrers Homosexualität in seinen Filmen auch gar nicht so weit hergeholt, wie man vielleicht denken könnte.
Während Gottliebs Beiträge zu Wallace, Bryan Edgar Wallace und Weinert-Wilton schön inszenierter, aber oberflächlicher Kintop sind und ihre Piefigkeit die damalige deutsche Gesellschaft recht gut widerspiegeln, haben Reinls Filme durchaus hier und da prägnante Themen und Anliegen. So spricht bereits aus Reinls "Frosch mit der Maske" deutliche Ablehnung der Todesstrafe - in Form der Figur John Bennet, die widerwillig und unter Geheimhaltung tötet und lieber Malen will und endgültig mit seinem Beruf bricht, als der eigene Sohn als "Kunde" vor ihm steht. Weiter geht es dann mit dem Thema "psychische Krankheiten bei Sympathieträgern" in "Der Fälscher von London", "Zimmer 13" und "Der unheimliche Mönch". Man könnte da sicher mit etwas Mühe eine Menge herausarbeiten.
Bei Vohrer hingegen gibt es vor allem sehr viel Zynismus und bewusste Grenzübertretungen - nirgendwo sonst gibt es so abstruse und brutale Mordmethoden. Ob man dies dann, wie durchaus in der Literatur zu finden, als Projektion interpretieren will, bei der die NS-Verbrechen von britischen Gangster-Gruppen verübt werden, die am Ende des Films stellvertretend für die damaligen Täter am Galgen oder in der Zelle landen oder Vohrer vielleicht auch den älteren Zuschauern den Spiegel vorhalten wollte, indem er sie verklausuliert mit den NS-Verbrechen konfrontiert, lässt sich heute nicht mehr zweifelsfrei feststellen, diese mögliche Sichtweise sollte aber zumindest in Erwägung gezogen werden.

Es ist jedenfalls zu kurz gegriffen als Regie-Handschrift nur bevorzugte Kameraeinstellungen und Charaktere zu sehen. Der Regisseur kann selbst bei Umsetzung eines fremden Drehbuchs gar nicht anders, als die Figuren so zu inszenieren, wie er sie sieht, bzw. zeigen will. Das fängt damit an, dass man (auf Basis des selben Drehbuchs) den Hexer als hundsgemeines Ungeheuer oder aber als engagierten "Gutmenschen" darstellen könnte und geht damit weiter, dass man - natürlich unterschwellig und oftmals ungeplant - seine Sichtweise auf bestimmte Beziehungen, Personen oder Situationen einfließen lässt.
Aufs Politische heruntergebrochen könnte man bei Reinl eine durch und durch konservative Einstellung feststellen, bei der Verbrechen einen unwillkommenen Einbruch in die "natürliche Ordnung" darstellen, die am Ende ausnahmslos getilgt werden. Am Ende steht fast immer ein klassisches Paar am Beginn ihrer Familienplanung. Die Bösen sind durchweg böse und Ausnahmen gibt es nur, wenn eine psychische Störung die Täter zu Morden zwingt. Auch in diesen Fällen wird die natürliche Ordnung jedoch durch den Tod dieser Personen wiederhergestellt.
Bei Vohrer habe zumindest ich den Eindruck, dass das Kriminelle und der Wahnsinn eher in der bestehenden Gesellschaft brodelt und auch nie ganz rückstandlos entfernt werden kann. Der ein oder andere Film bietet trotz Karthasis den Ausblick, dass es nicht lange friedlich bleiben wird und vielleicht doch etwas Grundsätzliches schief läuft. Aber um das zweifelsfrei zu belegen, müsste ich alle Filme nochmals Revue passieren lassen, was momentan wegen einiger auf Blu Ray noch nicht veröffentlichter Filme stockt.

Zu guter Letzt möchte ich aber auch anmerken, dass ich lange nicht mehr im Forum war und nun angesichts einiger Posts einigermaßen irritiert war. Natürlich ist es einem Forums-Thema wie den Wallace-Filmen der 60er inherent, dass der ein oder andere Diskussionsteilnehmer die Filme unreflektiert als "Produkte einer besseren Zeit" ansieht und auch politisch eher rückwärtsgewandt ist, aber die an der einen oder anderen Stelle geäußerten Darstellungen einer "Verbotsgesellschaft", grundlegende Zweifel an der Sinnhaftigkeit von Wahlen oder gar Aussagen Richtung "BRD GmbH" stoßen mir doch schon sehr sauer auf. Hoffentlich waren dies nur Ausrutscher.

Andreas Offline




Beiträge: 429

11.09.2019 19:23
#23 RE: 60 Jahre Edgar Wallace Filme - Sondersendung im Radio Zitat · Antworten

Starke Analyse@ Fabi!
So habe ich die Filme noch nie betrachtet, aber ich glaube, du hast da vollkommen recht. Ich werde bei den nächsten Sichtungen noch mehr auf die gesellschaftspolitische Dimension achten.

Die undemokratisch Einlassungen haben mich ebenfalls sprachlos gemacht.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.042

11.09.2019 19:40
#24 RE: 60 Jahre Edgar Wallace Filme - Sondersendung im Radio Zitat · Antworten

Das finde ich doch arg überinterpretiert. Man sollte Unterhaltungsfilmen durchaus ihre unpolitische und unkritische Natur zugestehen, die auch nicht zwangsläufig als Mitläufertum verkannt werden muss. In allem einen belehrenden Winkel oder eine "Haltung" erkennen zu wollen, liegt wohl eher an der Voreingenommenheit des heutigen Betrachters.

Tarzan Offline



Beiträge: 940

11.09.2019 20:51
#25 RE: 60 Jahre Edgar Wallace Filme - Sondersendung im Radio Zitat · Antworten

Wenn man sich mal die Verfasser der ersten Wallace-Drehbücher ab 1959 vom (früheren) Wirken der Personen anschaut, dann müsste einem eigentlich "Angst und Bange" werden. Wird es aber nicht.
Und wenn ich Alfred Vohrers Regie-Arbeiten außerhalb der Wallace-Reihe (zum Zeitpunkt seines ersten Serien-Einsatzes) sehe, dann glaube ich schon, dass er die deutschen Krimis ernst genommen hat. Er mag Hollywood und Nouvelle vague gesprochen haben, aber als Regisseur war nun wirklich mehr Handwerker als Künstler.
Aus heutiger Sicht mag man vieles in die Filmentstehung hineininterpretieren, aber in der Entstehungszeit waren sicherlich andere Faktoren maßgeblich.

Fabi88 Offline



Beiträge: 3.529

12.09.2019 11:22
#26 RE: 60 Jahre Edgar Wallace Filme - Sondersendung im Radio Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #24
Das finde ich doch arg überinterpretiert. Man sollte Unterhaltungsfilmen durchaus ihre unpolitische und unkritische Natur zugestehen, die auch nicht zwangsläufig als Mitläufertum verkannt werden muss. In allem einen belehrenden Winkel oder eine "Haltung" erkennen zu wollen, liegt wohl eher an der Voreingenommenheit des heutigen Betrachters.

Da habe ich mich vielleicht missverständlich ausgedrückt. Ich habe keine "belehrenden Winkel" in die Wallace-Filme interpretiert, aber die eigene Haltung kann man unmöglich aus seinem Werk heraushalten, auch wenn es Auftragsarbeiten sind. Nur darum ging es mir. Die herausgearbeiteten Beispiele sind ja nicht einmal dezidiert politisch, aber zeigen doch auf, dass gewisse Themen bei Regisseuren oft vorkommen und ich dies nicht für Zufall halte.

Fabi88 Offline



Beiträge: 3.529

12.09.2019 11:36
#27 RE: 60 Jahre Edgar Wallace Filme - Sondersendung im Radio Zitat · Antworten

Zitat von Tarzan im Beitrag #25
Wenn man sich mal die Verfasser der ersten Wallace-Drehbücher ab 1959 vom (früheren) Wirken der Personen anschaut, dann müsste einem eigentlich "Angst und Bange" werden. Wird es aber nicht.
Und wenn ich Alfred Vohrers Regie-Arbeiten außerhalb der Wallace-Reihe (zum Zeitpunkt seines ersten Serien-Einsatzes) sehe, dann glaube ich schon, dass er die deutschen Krimis ernst genommen hat. Er mag Hollywood und Nouvelle vague gesprochen haben, aber als Regisseur war nun wirklich mehr Handwerker als Künstler.
Aus heutiger Sicht mag man vieles in die Filmentstehung hineininterpretieren, aber in der Entstehungszeit waren sicherlich andere Faktoren maßgeblich.

Meinst du mit den Autoren Egon Eis, der aufgrund seiner jüdischen Abstammung schon 1933 nach Wien floh oder Wolfgang Menge, dessen jüdische Mutter zwar den Holocaust überlebte, aber ihre gesamte Familie verlor?
Und Vohrer mag man gern als Handwerker sehen, aber Figuren wie Sir Archibald oder die bewusst überkandidelten Einsätze von Skeletten und Co sind künstlerischer Ausdruck. Ob man ihn für einen guten oder ausgeprägten Künstler halten will, ist eine andere Frage, aber er hat eine deutliche eigene Handschrift, die sich kaum verstecken lässt. Während andere Regisseure hinter dem "Wallace"-Siegel zurückblieben, wurden seine Filme nicht umsonst bereits im Vorspann als "Ein Alfred-Vohrer-Film" eingeleitet.

Tarzan Offline



Beiträge: 940

12.09.2019 13:11
#28 RE: 60 Jahre Edgar Wallace Filme - Sondersendung im Radio Zitat · Antworten

Ich meine den Drehbuch-Überarbeiter J. Joachim Bartsch.
Vohrer war ein akribischer Arbeiter, der natürlich einen Weg bei den Wallace-Filmen beschritt. Inwieweit die Schauspieler da nicht auch dran beteiligt waren, wäre mal eine interessante Aufarbeitung wert. Eva Ebner, Vohrers langjährige Assistentin, meinte jedenfalls, dass Schauspielführung vielleicht nicht ganz so seine Stärke war.

Andreas Offline




Beiträge: 429

12.09.2019 15:02
#29 RE: 60 Jahre Edgar Wallace Filme - Sondersendung im Radio Zitat · Antworten

Bartsch hat mit Leni Riefenstahl in ihrer Hochzeit der Propagandafilme für die NSDAP zusammengearbeitet, wie übrigens Harald Reinl auch. Die drei haben unter anderem im Jahr 1944 das Drehbuch zum Film "Die roten Teufel" verfasst, der jedoch dann nicht mehr gedreht wurde.

DerHexer Offline



Beiträge: 7

12.09.2019 17:55
#30 RE: 60 Jahre Edgar Wallace Filme - Sondersendung im Radio Zitat · Antworten

...und Herbert Reineckers braune Vergangenheit ist auch hinreichend bekannt. Schwieriges Thema, aber ich denke, dass man so etwas zwar nicht ganz verdrängen sollte, aber Kunst und Künstler durchaus trennen kann.
Apropos Künstler, Alfred Vohrer ist der einzige (deutsche) Wallace-Regisseur, dem ich eine echte Handschrift attestiere, Handwerker waren Reinl, Gottlieb und Konsorten. Seine typischen Stilmittel vom Schock-Zoom bis zur expressiven Schauspielerführung ziehen sich durch sein gesamtes Werk und selbst seine späteren Derricks erkennt man ziemlich leicht. Dass auch Handwerker gute Filme drehen können, will ich damit gar nicht negieren.
Aber von Alfred Vohrer bin ich echter Fan, auch über den Wallace-Tellerrand hinaus.

(Regisseure wie Jess Franco, Riccardo Freda oder Freddie Francis sind natürlich auch Künstler und haben eigene Handschriften, ihre interessantesten Filme sind jedoch nicht unbedingt im Wallace-Kosmos zu finden)

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