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Dieses Thema hat 7 Antworten
und wurde 380 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
Georg Online




Beiträge: 3.040

29.05.2019 21:20
Der Mann, der keinen Mord beging (1968, TV) Zitat · Antworten

Wieder mal ein Hinweis auf eine endlich auf DVD erscheinende Rarität (viele Jahre Geduld und Arbeit ...), VÖ-Termin ist der 30.08.2019:

Der Mann, der keinen Mord beging
Ein Mehrteiler aus dem Jahr 1968
Regie: Hans Quest
Mit Karl-Michael Vogler, Grit Boettcher und Erik Ode!

Trotz des Produktionsjahres wurde damals schon in Farbe gedreht!



https://www.pidax-film.de/Serien-Klassik...ging::1614.html

Gubanov Offline




Beiträge: 16.060

30.05.2019 12:48
#2 RE: Der Mann, der keinen Mord beging (1968, TV) Zitat · Antworten

Hervorragend! Hab ganz vielen Dank für deine Mühe. Ich werde, auch ohne expliziter Fan der genannten Darsteller zu sein, auf jeden Fall zugreifen. Ein Krimi-Siebenteiler von 1968 von einem Durbridge-Regisseur - kurios, dass man davon vorher noch kaum etwas gehört hat.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.060

14.09.2019 14:45
#3 RE: Der Mann, der keinen Mord beging (1968, TV) Zitat · Antworten



Der Mann, der keinen Mord beging

Teile 1 bis 3 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1968. Regie: Hans Quest. Drehbuch: Martin Duschat (Buchvorlage „Ich habe nichts damit zu tun“, 1951: Alexander Spoerl). Mit: Karl-Michael Vogler (Paul Wunderwald), Grit Böttcher (Marion), Herbert Mensching (leiser Lully), Kerstin de Ahna (Barbara), Erik Ode (Rechtsanwalt), Alois Maria Giani (Kriminalrat), Michael Gahr (Kommissar Fuchs), Ernst Kuhr (Staatsanwalt), Georg Lehn (Egon), Alexander Allerson (Willy) u.a. Erstsendung: 11. bis 19. September 1968. Eine Produktion der TV-Star München fürs Westdeutsche Werbefernsehen.

Zitat von Der Mann, der keinen Mord beging
Zuerst kann der arbeitslose Ingenieur Paul sein Glück kaum fassen, als er auf offener Straße einem scheinbar Betrunkenen die übervolle Brieftasche abnimmt. Dann jedoch stellt sich heraus: Der Mann ist tot und jeder würde Paul sofort für einen Raubmörder halten. Verzweifelt versucht der unehrliche Finder, das belastende Portemonnaie wieder loszuwerden. Es findet jedoch immer wieder den Weg zu ihm zurück – bis der Taschendieb Lully ihm das gute Stück nichtsahnend abnimmt. Lully landet dafür vor Gericht. Und Paul bekommt ein schlechtes Gewissen. Spätestens nachdem Lully wegen Mordes fälschlicherweise zum Tode verurteilt wurde, sollte Paul doch eigentlich ein Geständnis ablegen ... Oder?


Mehrere Erscheinungsformen hat „Der Mann, der keinen Mord beging“ in seiner Ausstrahlungshistorie durchlaufen: Ursprünglich als Siebenteiler angelegt, dessen Sendetermine sich auf eine Gesamtlänge von 155 Minuten aufaddierten, kam er 1971 als Vierteiler mit 140 Minuten Laufzeit zur Wiederaufführung. Auf der Pidax-DVD ist nun offenbar eine Rumpffassung enthalten, die es auf knapp 100 Minuten (verteilt auf drei Episoden) bringt. Auch wenn man damit vielleicht um die eine oder andere damals gedrehte Szene gebracht wird, so tut der Zusammenschnitt dieser kleinen, flotten Geschichte, die sich von einer süffisanten Kriminal- und Historienparodie zu einem engagierten Drama wandelt, durchaus gut. Von der sonst oft bei Hans Quests Inszenierungen zu bemerkenden Behäbigkeit ist nämlich nichts zu spüren: Allein schon die Inszenierung des alle Verwicklungen auslösenden „Mordes“ versetzt die Handlung binnen der allerersten Sekunden in rasante Fahrt. Und das hohe eingeschlagene Tempo bleibt erhalten, denn die Konflikte der Alexander-Spoerl-Vorlage erweisen sich als viel- und gleichzeitig abseitig-kurios.

Karl-Michael Vogler verkörpert als verarmter Ingenieur ohne Arbeit eine typische Figur der späten Weimarer Republik, als das Land in einer tiefen Strukturkrise steckte und täglich Nachrichten von steigenden Arbeitslosenzahlen die Bevölkerung demoralisierten. Vogler präsentiert seinen Paul Wunderwald zunächst als aufrichtige, zupackende und hilfsbereite Type, doch im weiteren Verlauf des Mehrteilers agiert der ursprüngliche Sympathisant durch seine Zwangslage zunehmend egoistisch, weil er annehmen muss, selbst verhaftet zu werden, wenn er einen fälschlich für seine angebliche Tat verurteilten Berufsverbrecher entlastet. So entwickelt sich das, was mit schnippisch-humoristischem Unterton (dank Spoerls und Quests Zurückhaltung aber nie als plumpe Komödie) beginnt, spätestens im letzten Teil zu einem veritablen Drama, als die Drohkulisse der Todesstrafe ähnlich wie in Edgar Wallace’ „Der Frosch mit der Maske“ über den Köpfen der Beteiligten schwebt. Im Vergleich zu Richard Gordon, dem jugendlich-mustergültigen Held des Wallace-Romans, stellt Paul Wunderwald durch seine persönliche Involvierung in den Fall aber die tragischere und zögerndere Figur dar.



Als sein Sündenbock ist Herbert Mensching zu sehen, der als altgedienter Gewohnheitsverbrecher namens „leiser Lully“ mit breitem Akzent nicht unwesentlich zum ungewöhnlichen und daher erfrischenden Lokalkolorit des Mehrteilers beiträgt. Das Setting von „Der Mann, der keinen Mord beging“ besticht nicht nur durch die glaubwürdige Platzierung im Jahr 1930, sondern auch durch die ungewohnte Kulisse des Ruhrgebiets mit seinem schmutzigen Industrie- und vorlauten, laubenpieperigen Kleine-Leute-Charme. Kerstin de Ahna hat eine schöne kleine Rolle als Barsängerin, die im Stil jener Tage die Moritat von Jupp Kalinski aus Gelsenkirchen-Buer darbietet. Als Kontrast zu den nachvollziehbaren Sorgen des Präkariats (Georg Lehn, dessen Familie das Essen auf dem Tisch fehlt und der daher Plakate kleben geht) setzt die Produktion einige gekonnte Spitzen gegen weltfremdes Beamtentum und etwas dümmliche Polizisten, die vor allem zu Beginn noch zum Schmunzeln animieren, aber letztlich fast gefährliche Ausmaße annehmen. Aus dem weitgehend inkompetenten Polizeiapparat tun sich Michael Gahr und Alois Maria Giani auf sehr unterschiedliche Weise hervor.

Als einzige nicht wirklich ins Gesamtbild passen will Grit Böttcher, deren Rolle als zweiter, unkonventioneller Love Interest für Paul Wunderwald wie nachträglich eingefügt wirkt und kaum einem nachvollziehbaren Zweck zu dienen scheint. Zwar hält sie sich im Vergleich zu ihrer Rolle in „Slim Callaghan greift ein“ deutlich zurück und überspielt nur wenige Szenen wie zu befürchten ins Alberne, aber fügt der Produktion andererseits auch nichts hinzu, was de Ahna nicht mindestens genauso gut hätte übernehmen können.

Zuschauern, die sich vor satirischen Krimis nicht fürchten, kann sehr zu „Der Mann, der keinen Mord beging“ geraten werden: Der Aufwand, der von TV-Star-Produktion und Westdeutschem Werbefernsehen für einen Vorabendmehrteiler betrieben wurde, ist durchaus beachtlich und schlägt sich in der sehr kompetenten, ordentlich besetzten und stimmungsvollen Umsetzung der Schilderung eines Justizirrtums nieder. Die Vorlage von Alexander Spoerl und deren Verfilmung durch Hans Quest treffen in den meisten Szenen den richtigen Ton. Etwas zu kurz kommt der groß auf dem DVD-Cover angekündigte Erik Ode in einer salbungsvollen Anwaltsrolle im letzten Teil. 4 von 5 Punkten.

Georg Online




Beiträge: 3.040

14.09.2019 15:14
#4 RE: Der Mann, der keinen Mord beging (1968, TV) Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #3
Mehrere Erscheinungsformen hat „Der Mann, der keinen Mord beging“ in seiner Ausstrahlungshistorie durchlaufen: Ursprünglich als Siebenteiler angelegt, dessen Sendetermine sich auf eine Gesamtlänge von 155 Minuten aufaddierten, kam er 1971 als Vierteiler mit 140 Minuten Laufzeit zur Wiederaufführung.
Ich nehme an, Du beziehst Dich dabei auf die Daten auf der Krimihomepage. Diese fußen auf alten Unterlagen aus den 90ern, sind aber (wie so oft) nicht ganz korrekt und ich habe vergessen, sie zu korrigieren.
Die vorliegende Fassung ist - wenn auch als Dreiteiler vorhanden - komplett und jene, die wohl in den 70ern in dieser Form nochmal zur Ausstrahlung kam (Sendedaten nicht bekannt). Auch in Rücksprache mit Personen aus der damals zuständigen Redaktion kann bestätigt werden, dass der Film komplett ist (denen wurde ein Screener geschickt). Darüber hinaus deckt er sich mit den redaktionellen Unterlagen (Treatments/ Zusammenfassung der einzelnen Episoden) inhaltsmäßig 1:1, ich habe auch diese mit dem Dreiteiler verglichen, bevor die DVD in Produktion ging. Trotz intensiver Recherche war die vorliegende Fassung allerdings die einzige, die sich in den verschiedenen TV-Archiven finden ließ (Bei der ersten Nachfrage wusste man dort nicht einmal, dass es ursprünglich ein Siebenteiler war...).

Gubanov Offline




Beiträge: 16.060

14.09.2019 18:53
#5 RE: Der Mann, der keinen Mord beging (1968, TV) Zitat · Antworten

Hmm, eine verwickelte Geschichte - und ich bin immer noch nicht sicher, ob ich sie richtig verstehe. Wo kommt denn die Einteilung in drei Teile her? Von einem noch späteren Sendeband?

Einerseits wären mir auch keine offensichtlichen Schnitte oder Kürzungen aufgefallen und selbst die "Cliffhanger" wirkten, obwohl natürlich nicht so stark wie bei Durbridge, recht stimmig. Und wenn die Daten auf der Krimihomepage nicht belastbar sind, dann sind natürlich auch einige Details meiner Ausführung obsolet. Andererseits kommt es mir schon sehr merkwürdig vor, wenn ein etwa 100 Minuten langer Mehrteiler angeblich als Siebenteiler gelaufen sein soll. Selbst wenn man noch ein paar Minuten für Abspänne hinzuaddiert, wäre ein einzelner Teil dann gerade mal 15 Minuten lang gewesen - und das wäre doch sogar fürs Vorabendprogramm deutlich zu wenig gewesen, oder?

Georg Online




Beiträge: 3.040

14.09.2019 20:27
#6 RE: Der Mann, der keinen Mord beging (1968, TV) Zitat · Antworten

Ich war wohl tatsächlich ungenau, das tut mir leid: in der Tat waren es ursprünglich 7 x 15', ein ungewöhnlich(er)es Format, aber der WWF hat in den 70ern öfter darauf zurück gegriffen.
Woher die dreiteilige Fassung kommt, ist mir auch unklar, jedenfalls wurde diese vom WDR als Material geliefert und darauf wurde natürlich gleich urgiert und die ursprüngliche 7teilige Fassung angefordert, die sich allerdings nicht im WDR-Archiv (und sonst auch nirgends) befindet.
Dass die dreiteilige Fassung nicht die Originalfassung ist, lässt sich auch an den Abspännen erkennen, in denen Schauspieler (nicht) genannt werden, die im jeweiligen Teil (nicht) mitspielen. Man hat den Abspann von Folge 1 des 15-Minüters einfach an das Ende des neu zurecht geschnittenen ersten Teil des Dreiteilers geklebt (und damit fehlen natürlich Darsteller), den der Folge 2 des 15-Minüters an das Ende des zweiten Teils des Dreiteilers (und nun stimmt noch weniger) …
Überhaupt ließe sich über die Veröffentlichungsgeschichte dieser Serie ein ganzes Buch füllen. Bis zur VÖ dauerte es immerhin acht Jahre...

Gubanov Offline




Beiträge: 16.060

16.09.2019 17:04
#7 RE: Der Mann, der keinen Mord beging (1968, TV) Zitat · Antworten

Umso besser, dass es endlich geklappt hat.

Welche anderen 15-Minüter gab es denn noch so?

Georg Online




Beiträge: 3.040

20.09.2019 17:51
#8 RE: Der Mann, der keinen Mord beging (1968, TV) Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #7
Welche anderen 15-Minüter gab es denn noch so?
EXKURS:

Spontan fällt mir da z. B. Detektiv Harvey ein, das waren 20 15-Minuten-Folgen, ebenfalls mit Karl-Michael Vogler als Londoner Detektiv Harvey und Helga Anders als seine Assistentin. In Gastrollen waren u. a. Ivan Desny, Christian Wolff, Louise Martini, Sky DuMont, Horst Niendorf, Kristina Nel, Hans Brenner, Heli Finkenzeller dabei. Regie führte Wolfgang Schleif.

Dann gab es da z. B. auch Erlesene Verbrechen und makellose Morde. Das waren abgeschlossene Episoden nach Vorlagen von Henry Slesar und Cyril Hare, Regie führte Peter Weck (u.a.), es spielten Harald Juhnke, Georg Thomalla, Claus Biederstaedt, Reinhard Kolldehoff, Bernd Herzsprung, Erik Schumann usw.

Außerdem gab es Das Kriminalmagazin - auch das waren 15-Minuten-Episoden, in sich abgeschlossen, u. a. mit Wolfgang Völz und Dirk Dautzenberg.

Natürlich war ich hinter all diesen Produktionen schon her, es ist allerdings eine Schande, dass der WDR weder Material, noch Unterlagen hat. Und noch viel schlimmer: er hat keine Kenntnis (!!!) darüber, dass dies alles jemals produziert wurde. Zahllose Recherchen verliefen leider ins Leere. Könnte tatsächlich sein, dass alles gelöscht wurde und die Unterlagen vernichtet.

EXKURS ENDE.

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