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Dieses Thema hat 3 Antworten
und wurde 542 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
Ray Offline



Beiträge: 1.868

02.02.2019 23:40
Millionen nach Maß (TV, 1970) Zitat · Antworten

Da die Veröffentlichung von "Bankraub in der Rue Latour" nochmals um drei Wochen verschoben wurde, habe ich zu einem anderen Gaunerstück mit Curd Jürgens gegriffen, zu dem man erstaunlicherweise hier im Forum noch kaum Meinungsäußerungen findet...


Millionen nach Maß (BRD 1970)

Regie: Erich Neureuther

Darsteller: Curd Jürgens, Ruth Maria Kubitschek, Wolfgang Völz, Werner Kreindl, Walter Rilla, Udo Vioff u.a.



Ein Gentlemangauner plant mit seinen Komplizen einen großen Coup: Der Anführer Carlos gibt sich bei einer Londoner Bank, die eng mit der portugiesischen Staatsbank zusammenarbeitet, als Vizegouverneur von Angola aus und gibt den Druck von 300 Millionen Escudos in Auftrag, die zur Erhaltung der portugiesischen Herrschaft in der Kolonie dienen sollen. Das Geld soll dem Plan nach anschließend von seinen Komplizen nach Portugal geschafft werden.

Dieses Gaunerstück vom Autoren-Duo Maria Matray und Answald Krüger ("Das Millionending", "Hotel Royal", "Sonderdezernat K1") ist ein Heist-Movie-Mehrteiler im Stile von "Die Gentlemen bitten zur Kasse". Für die Hauptrolle konnte das ZDF keinen geringeren als Curd Jürgens verpflichten, der nach Auskunft des Regisseurs im der Straßenferger-DVD beiliegenden Interview überraschend pflegeleicht war. Jürgens agiert mit sichtlicher Spiellaune, so schlüpft er im Laufe der Spielzeit in verschiedene Rollen (u.a. die des Vizegouverneurs) unter Einsatz von Masken. Er erscheint wie der geborene Anführer einer Gentlemenganovenbande und kann sich mit Horst Tapperts Darstellung in den "Gentlemen" durchaus messen. An seine Seite stellte man "Melissa" Ruth Maria Kubitschek, Werner Kreindl und Wolfgang Völz. Die vergleichbare Überschaubarkeit der Bande ist ein Pluspunkt gegenüber den "Gentlemen", wo die Vielzahl der Figuren teilweise dazu führt, dass diese nicht so zur Entfaltung kommen. Opfer von Jürgens' Maskerade wird der wunderbare Walter Rilla sowie sein Assistent Udo Vioff.

Der erste Teil vergeht wie im Fluge und sorgt für vergnügliche Unterhaltung. Nach einem kleinen "Eingangscoup", der die Gewieftheit und Fähigkeiten der Bande unterstreicht, geht der Film schnell zum Hauptcoup über. Nachdem es Jürgens gelingt, Rilla und Vioff zu überlisten, müssen Völz und Kreindl das Geld wegschaffen. Hier kommt es zu kleineren Zwischenfällen, die für die nötigen Spannungsmomente sorgen. Unterstrichen wird das Ganze von einer leichtfüßigen Titelmelodie. Außenaufnahmen an Originalschauplätzen in London sorgen für eine gelungene Atmosphäre.

Im zweiten Teil steht der Umgang mit dem Geld im Fokus. Carlos besteht darauf, dass niemand mit Geld um sich schmeißt, es soll vielmehr bedacht mit dem Vermögen umgegangen werden. Die Bande gründet daher eine Bank, um das Geld zu waschen. Auch hier wurde wieder an Originalschauplätzen in Lissabon gedreht. Dabei griff man allerdings leider vor allem auf heimische Kräfte zurück, zu denen der Zuschauer wegen ihrer Unbekanntheit nie eine rechte Bindung aufbaut. Insoweit wäre es schön gewesen, hätte die Produktion wenigstens beim verantwortlichen Kommissar, welcher der Bande zunehmend auf die Schliche kommt, auf eine bekannte deutsche Kraft gesetzt, um für ein Gleichgewicht auf schauspielerischer Seite zu sorgen. So schleichen sich im Vergleich zu Teil 1 doch ein paar Längen ein. Die letzten Filmminuten wissen indes wieder voll zu überzeugen, so dass insgesamt ein guter Eindruck zurückbleibt.


Unterhaltsames Gaunerstück im Stile der "Gentlemen", das zwar nicht ganz an das Vorbild heranreicht, jedoch trotzdem gut zu unterhalten weiß. Dafür sorgt allen voran der spielfreudige Curd Jürgens in der Hauptrolle, eine eingängige Titelmusik sowie Aufnahmen an Originalschauplätzen in London und Lissabon. Auch wenn Teil 2 im Vergleich zu Teil 1 etwas abfällt, vergebe ich noch 4 von 5 Punkten.

Havi17 Offline




Beiträge: 3.674

03.02.2019 12:57
#2 RE: Millionen nach Maß (TV, 1970) Zitat · Antworten

Welche Film-DVD liegt gerade bei euch im Player? (102)

Top10 Film = 5 Punkte mit Einschränkungen

Gruss
Havi17

DanielL Offline




Beiträge: 4.141

21.07.2022 13:30
#3 RE: Millionen nach Maß (TV, 1970) Zitat · Antworten

Im Rahmen einer kleinen privaten Curd-Jürgens-Retrospektive liegt bei mir gerade dieser Mehrteiler im Player.

Dieser TV-Mehrteiler hat ja - wie so manch anderer - viele Originalaufnahmen im Ausland, insbesondere in England. Zwar berichtet die Krimiseite von behördlichen Herausforderungen, aber grundsätzlich scheint man solche Produktionen ja weitgehend mit den Schauspielern an Originalschauplätzen geplant zu haben. Ganz anders als bei den Kinoproduktionen der Zeit, wo man ja wirklich nur kleine Sequenzen, teilweise mit Doubles, vor Ort ohne Drehgenehmigung drehte. Und offizielle Wege über die Behörden als zu teuer angesehen wurden. Warum war das Fernsehen da offensichtlich im Vorteil? Weil man generell mit kleinerem Besteck drehte und es so einfach umzusetzen war? Oder gab es da evtl. als Rundfunkanstalt mehr Hilfe - z.B. von Seiten der europäischen Rundfunkunion? Subventionen? Es ist doch in Summe auffällig, dass bei den in England spielenden TV-Krimis zumindest häufig vor Ort gedreht wurde, wobei es beim Film nur selten oder nur mit britischen Co-Produzenten vorkam.

Gruß,
Daniel

Jan Offline




Beiträge: 1.742

21.07.2022 17:20
#4 RE: Millionen nach Maß (TV, 1970) Zitat · Antworten

Zitat von DanielL im Beitrag #3
Im Rahmen einer kleinen privaten Curd-Jürgens-Retrospektive liegt bei mir gerade dieser Mehrteiler im Player.

Dieser TV-Mehrteiler hat ja - wie so manch anderer - viele Originalaufnahmen im Ausland, insbesondere in England. Zwar berichtet die Krimiseite von behördlichen Herausforderungen, aber grundsätzlich scheint man solche Produktionen ja weitgehend mit den Schauspielern an Originalschauplätzen geplant zu haben. Ganz anders als bei den Kinoproduktionen der Zeit, wo man ja wirklich nur kleine Sequenzen, teilweise mit Doubles, vor Ort ohne Drehgenehmigung drehte. Und offizielle Wege über die Behörden als zu teuer angesehen wurden. Warum war das Fernsehen da offensichtlich im Vorteil? Weil man generell mit kleinerem Besteck drehte und es so einfach umzusetzen war? Oder gab es da evtl. als Rundfunkanstalt mehr Hilfe - z.B. von Seiten der europäischen Rundfunkunion? Subventionen? Es ist doch in Summe auffällig, dass bei den in England spielenden TV-Krimis zumindest häufig vor Ort gedreht wurde, wobei es beim Film nur selten oder nur mit britischen Co-Produzenten vorkam.

Ich könnte mir vorstellen, dass es auch die Überlegung der TV-Macher war, sich mit vielen Originalaufnahmen vom Kino abzuheben und etwas Besonderes zu bieten. Fernsehen ist immer doch ein Stück weit direkter und kann den Zuschauer weniger verführen als die große Kinovorführung.

Zudem dürfte der Öffentlich-rechtliche Rundfunk weit weniger profitgetrieben gewesen sein als die privatwirtschaftlichen Kinoproduzenten und -verleiher. Nicht umsonst liest man immer einmal wieder, dass die vielen ehemaligen Kinoregisseure auch deswegen zum Fernsehen abwanderten, weil ihnen das Fernsehen bessere Möglichkeiten bieten konnte als das immer günstiger produzierende Kino. So fällt ja beispielsweise auch auf, dass das Fernsehen in den frühen Siebzigern noch häufig ins Atelier ging, währenddessen die Kinoproduktionen schon in realen Sets gedreht wurden.

Das wären so zwei Punkte, die mir auf die Schnelle einfallen würden.

Gruß
Jan

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