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 Film- und Fernsehklassiker national
Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

11.11.2018 14:48
Die goldene Brücke (1956) Zitat · Antworten

BEWERTET: "Die goldene Brücke" (Deutschland 1956)
mit: Curt Jürgens, Ruth Leuwerik, Paul Hubschmid, Jester Naefe, Rudolf Vogel, Armin Dahlen, Adrienne Gessner, Alexander Golling, Paul Verhoeven u.a. | Drehbuch: Juliane Kay und Werner B. Zibaso nach einem Roman von Lajos Zilahy | Regie: Paul Verhoeven

Die Sängerin Tima Sombor unterhält seit zwei Jahren ihren Mann, den Rennfahrer Stefan, der seit seinem Unfall nicht mehr am Steuer eines Wagens saß. Als der reiche Henrik Balder einen Empfang gibt, springt Tima für eine erkrankte Kollegin ein und bittet ihn bei dem anschließenden Gespräch, etwas für ihren Mann zu tun. Balder arbeitet an der Entwicklung eines neuen Turbomotors und Tima hofft auf eine neue Chance für Stefan. Allerdings kümmert sich Balder lieber um Timas Karriere und finanziert einen Spielfilm, um ihr die Möglichkeit einer Schauspielkarriere zu geben. Stefan beobachtet mit Argwohn, dass Tima und Balder mehr und mehr Zeit miteinander verbringen....



Ruth Leuwerik debütierte in "Dreizehn unter einem Hut" (1950) und punktete rasch mit ihrer Natürlichkeit. Sie wurde gern für Rollen besetzt, in denen sie eigenständige Charaktere verkörperte, die allerdings selten wirklich gegen das damalige Gesellschaftsbild rebellierten. Dafür war sie zu sehr Dame und setzte lieber auf Diplomatie statt auf Aktionen, die ihr Publikum vor den Kopf stoßen konnten. "Die goldene Brücke" ist ein typischer Vertreter seiner Zeit, harmlos und unterhaltsam, wobei Curt Jürgens seine Paraderolle des blasierten und in seinem Wohlstand gelangweilten Mannes von Welt spielt, während Ruth Leuwerik als tugendhafte und redliche Schauspielnovizin in einen Gewissenskonflikt gerät. Der Schweizer Paul Hubschmid darf freier und kantiger agieren und zeigt einen gefallenen Helden, der zunächst gegen das Wohlwollen seines Mäzens aufbegehrt, sich dann jedoch mit diesem misst, um seine Männlichkeit zu beweisen. Tima Sombor ist manchmal unerträglich edelmütig, besonders in ihren Anfangsszenen im Filmatelier, wo Regisseur Paul Verhoeven sich selbst spielt und den Berufszweig wie so oft in einem von Neid und Missgunst bestimmten Ambiente ansiedelt. Allüren und Intrigen bestimmen den Arbeitstag, wobei das Verhalten Leuweriks die Aufregung ihrer Figur spiegeln soll, was gerade im Zusammenspiel mit Jürgens oft zu unglaubwürdigem Melodrama führt. Während man ihm die flammende Liebe nicht abnimmt, sondern auf den gekränkten Stolz wartet, den er so überzeugend an den Tag legen konnte, punktet Hubschmid mit seiner Bodenhaftung und dem noch recht konventionellen Beruf des Rennfahrers ohne Glamour in der Boxengasse. Gegen das Schauspielgewerbe wirkt seine Profession wie ein Handwerksberuf, bei dem das Können das Kennen schlägt.

Jester Naefe (1924-1967) repräsentiert als Ann den Typ "Nadja Tiller", wobei es eine wunderbare Abwechslung ist, einmal nicht die künftige Rolf-Thiele-Rosemarie zu sehen, sondern eine Darstellerin, die optisch sehr gut jene Faktoren wiedergibt, die eine Dame an der Seite von Curt Jürgens generell mitbringt. Leider war der Schauspielerin nur eine kurze Karriere vergönnt: Jester Naefe drehte nach "Die goldene Brücke" noch zwei Filme und zog sich - nachdem 1959 die Rückenmarkskrankheit Multiple Sklerose bei ihr diagnostiziert wurde - aus dem Filmgeschäft zurück. Rudolf Vogel (mit sehr dosiertem Humor) harmoniert mit Adrienne Gessner und bildet das unaufgeregte Gegenstück zu den großen Leidenschaften des Trios Leuwerik/Jürgens/Hubschmid. Armin Dahlen und Alexander Golling müssen sich Jürgens gefällig erweisen, wollen sie mit ihm kooperieren, was ihnen wenig Platz für Eigenständigkeit lässt und immer eine undankbare Ausgangsbasis darstellt. Die Handlung zieht sich gerade im Mittelteil arg in die Länge und bedient konventionelle Erwartungen, vor allem, wenn Leuwerik und Jürgens als verhindertes Traumpaar etabliert werden sollen. Der sentimentale Ton der Produktion traf zu seiner Zeit sicher die Wünsche des Publikums an eine optisch ansprechende Unterhaltung, das sich anderthalb Stunden gut aufgehoben wusste und mit Ruth Leuwerik eine patente Hauptdarstellerin bekam, die stets ein solides Spiel zeigte. Generell lässt sich jedoch sagen, dass die großen Rollen für die Schauspielerin erst noch kommen sollten und sie dort jene Eigenschaften einbringen konnte, die sie so ausdrucksstark und nachhaltig wirken lassen: Reife, Souveränität, Besonnenheit und Glaubwürdigkeit.

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