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 Film- und Fernsehklassiker international
Ray Offline



Beiträge: 1.089

06.11.2018 23:56
Das Bittere und das Süße (GB 1959) Zitat · antworten

Das Bittere und das Süße (GB 1959)

Regie: Robert Siodmak

Darsteller: Nadja Tiller, Tony Britton, William Bendix u.a.



Der junge Archäologe Mike Thompson ist frisch und standesgemäß verlobt mit Margaret, deren Onkel seine Arbeiten finanziell zu unterstützen gedenkt. Eines Abends macht er zufällig Bekanntschaft mit der schönen Ila Hansen, in die er sich rasch verliebt und für die er bereit zu sein scheint, seine Beziehung zu Margaret aufzugeben. Mike muss jedoch alsbald feststellen, dass Ila unter dem Einfluss anderer Männer steht...

Nach "Nachts, wenn der Teufel kam" und vor "Dorothea Angermann" inszenierte Robert Siodmak dieses britische Drama mit Nadja Tiller in der Hauptrolle. "Das Bittere und das Süße" steht ein Stück weit in der Tradition von Siodmaks Noir-Arbeiten in Hollywood. Das Figurendreieck aus Mike, Ina und ihrem älteren Geliebten Reg, gespielt von dem aus zahlreichen Film Noirs bekannten William Bendix ("Die blaue Dahlie" u.a.) haben eines gemeinsam: sie sind geplagt von Liebessorgen. Mike ist sich unsicher, ob seine Verlobung nicht überstürzt ist. Er verliebt sich in Ina. Mindestens ebenso starke Gefühle empfindet Reg für Ina, ist sich aber letztlich im Klaren darüber, dass er realistischerweise ob seines Alters diese nicht für sich allein beanspruchen kann. Ina wiederum liebt weder Mike noch Reg, vielmehr bindet sie ein seltsames Band zu einem weiteren Mann, der sie einst im Alter von 16 Jahren vergewaltigte, ihr Gefühlsleben damit nachhaltig ins Wanken brachte und sie für ihn derart hörig machte, dass sie sich sogar prostituiert, um für ihn Geld zu beschaffen. Diese Konstellation, die sich für den außenstehenden Betrachter als ziemliches Dilemma darstellt, kann und wird für ein Gros der Figuren kein gutes Ende nehmen, so viel ahnt man schnell. Trotzdem zieht Siodmak - freiwillig oder nicht - das Ganze nicht "bis zum bitteren Ende" durch, sondern macht im Finale ein Zugeständnis ans zeitgenössische Publikum. Dennoch bleibt eine pessimistische Grundstimmung erhalten, weil es eben längst nicht für alle Personen ein Happy End gibt. Rein formal scheinen Siodmaks Stärken regelmäßig durch. Die Inszenierung ist ruhig, allerdings technisch durchaus ausgereift. Dazu gibt es einige charakteristische nächtliche Aufnahmen. Die ansprechende Optik ist auch dem Production Design vom später mehrfach Oscar-prämierten Ken Adam zu verdanken. Den Hauptdarstellern wird viel Raum zur Entfaltung geboten. Insbesondere Nadja Tiller kann sich in einer internationalen Besetzung profilieren, indem sie ihre Figur von vielen Seiten zeigt und auf diesem Wege einem pauschalen Urteil diese betreffend einen Riegel vorschiebt. Tony Britton, der den Mike verkörpert und später noch in "Der Schakal" mitwirken sollte, sowie William Bendix wissen ebenfalls zu überzeugen. Kritik muss sich demgegenüber die etwas unausgegorene, kolportagehafte Story gefallen lassen, die es phasenweise zudem an Höhepunkten vermissen lässt und deshalb ein wenig "vor sich hin plätschert".

Die DVD von Filmjuwelen bietet ein gutes Bild und ein informatives Booklet als Extra. Leider gibt die Inhaltsangabe auf der Rückseite des Schubers nahezu den gesamten Inhalt wieder. Insoweit ist also Vorsicht geboten.


Formal und darstellerisch durchaus ansprechendes Drama, das allerdings unter der kolportagehaften Story leidet. 3,5 von 5 Punkten.

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