Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Forum Edgar Wallace ,...



Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 3 Antworten
und wurde 108 mal aufgerufen
 Romane
Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 81

06.09.2018 15:22
Die drei Gerechten (1926) Zitat · antworten

Die drei Gerechten

Originaltitel: The Three Just Men
Erscheinungsjahr: 1926


Hauptpersonen:

Mirabelle Leicester: junge Frau, Farmbesitzerin und Sekretärin
George Manfred : Erster der drei Gerechten
Leon Gonzales : Zweiter der drei Gerechten
Raymond Poiccard : Dritter der drei Gerechten
Dr. Eric Oberzohn : Großhändler, Chemiker und Bösewicht
Elijah Washington : amerikanischer Schlangenexperte
Sven Gurther : psychopathischer Auftragsmörder Oberzohns
Iwan Pfeiffer : noch ein Gehilfe Oberzohns
Montague Norman : Unterwelt-Boss mit bürgerlichem Anstrich
Johanne : seine abhängige Freundin
Inspektor Meadows : Kriminalbeamter von Scotland Yard
Mr. Barberton : Geheimnisträger und ehrlicher Mann
Tante Alma : resolute Verwandte von Mirabelle
Cuccini : krimineller Handlanger
Johnson Lee: noch ein sympathischer Geheimnisträger


Handlung:

Die junge, lebensfrische Mirabelle Leicester verlässt ihre kleine ländliche Farm, um im großen London als Sekretärin in einem chemischen Labor ihr berufliches Glück zu versuchen. Ihre Tante Alma ist dagegen, schließlich gibt es in der großen Stadt viele Gefahren: Die drei Gerechten zum Beispiel, die allerdings nur Verbrecher bestrafen; und besonders aber die mysteriöse "Schlange", die schon drei Menschen tödlich gebissen hat. Doch das gute Verdienst bei Oberzohn und Smitts lockt die hübsche Mirabelle. Der Chef dieser Export-Import-Firma (die auch schamlosen Waffenhandel in Krisengebiete betreibt) ist ein gewisser Dr. Eric Oberzohn, ein seltsamer, unheimlicher Mann. Bald wird dem Leser klar, dass er ein falsches Spiel mit der jungen Frau betreibt.
Parallel dazu kommen die berüchtigten Drei Gerechten ins Spiel. Diese hatten vor gut zwanzig Jahren in Wallace' Erstlingsbuch aus politischen Gründen den englischen Außenminister ermordet, dann über verschiedene andere Abenteuer hin als geheime Femerichter Urteile über dem Gesetz entkommene Verbrecher gefällt und vollstreckt. Zuletzt arbeiteten sie in der Londoner Curzon Street als Privatdetektive, da sie für ihre Verdienste im Weltkrieg in England eine Generalamnestie bekamen. Es sind Georg Manfred, ein stattlicher gutaussehender Engländer und eine Art Anführer, dann Leon Gonzales, der unternehmungslustige Spanier mit dem kalten Herzen und dem Faible für die Theorien von Professor Lombroso, sowie als Dritter im Bunde der Franzose Raymond Poiccart, eher phlegmatisch und mitunter mit Gefühl, aber der beste Stratege. Diese drei selbsternannten Rächer, die schon mal für sich in Anspruch nehmen, das Gesetz zu verkörpern, haben offiziell der Selbstjustiz abgeschworen und beraten manchmal sogar die Herren von der Polizei, wenn es erwünscht ist. "Der schärfste Spürhund" von Scotland Yard, Inspektor Meadows, ist ein guter Bekannter von Ihnen, verwendet gerne die Informationen, die sie ihm geben, und will nicht immer so genau wissen, auf welche Weise sie diese erlangten. Denn die drei Herren bedienen sich immer noch ungesetzlicher Praktiken zur Erreichung ihrer Ziele (im vorliegenden Roman z.B. Einbruch, Brandstiftung, Körperverletzung, Folter bzw. deren Androhung, sogar Mord - zumindest nach dem offiziellen Gesetz). Doch man darf nicht vergessen, dass ihre Gegner alles andere als Unschuldsengel sind. Überhaupt gibt Edgar Wallace wieder einmal zu erkennen, dass er klare Vorstellungen von Recht und Ordnung hat und auch wenig zimperliche Mittel zu deren Durchsetzung gutheisst ("Gewalt fürchtet die Gewalt"). Er bezieht sich da z.B. lobend auf einen Vorfall, als russische bzw. lettische Banditen in London drei Polizisten ermordet hatten und daraufhin das Militär das Gebäude, in dem sie sich verschanzt hatten, samt Insassen zu Klump schoss (das geschah übrigens direkt unter Anleitung des damaligen Innenministers Winston Churchill). Dieses Motiv soll auch im vorliegenden Buch noch eine Rolle spielen. Ja, mit den heutigen verständnisvollen Kuscheltherapien für brutale Gewaltstraftäter hätte der alte Edgar wohl überhaupt nichts anfangen können. Gegen den verbrecherischen Dr. Oberzohn und seine Helfer ist auch den drei Gerechten fast jedes Mittel recht, quasi ein Duell der Titanen von Gut und Böse, außerhalb aller Normen. Aber der Reihe nach.
Bei den drei Gerechten erscheint ein gewisser Mr. Barberton, der sich sehr nebulös ausdrückt, dass er eine wichtige Nachricht für Mirabelle Leicester habe. Er beauftragt die Drei, die junge Frau ausfindig zu machen. Kurz darauf wird auch er "von der Schlange gebissen" und stirbt. Die drei gerechten Männer können Inspektor Meadows überzeugen, dass Barberton das vierte Mordopfer des Dr. Oberzohn ist. Dem gelingt es mit Hilfe seiner Meuchelmörder Sven Gurther und Iwan Pfeiffer, das Schlangengift in die Körper seiner Feinde zu injezieren. Auch die Gründe für seine Verbrechen können sie darlegen, nur bei Barberton ist es noch ein Rätsel. Doch sie wissen schon, dass Oberzohn die ahnungslose Mirabelle in seine Gewalt gebracht hat. Den Plan hat sich Dr. Oberzohn zusammen mit seinem Kompagnon Monty Norman ausgeheckt, letzterer ein geckenhafter Ganove, Falschspieler, Bandenführer und offenbar auch Zuhälter, der seine von ihm abhängige "Bekannte" Johanna für seine Betrügereien missbraucht. Gerade noch kann Mirabelle aus der Gewalt von Gurther befreit und zurück auf ihre Farm gebracht werden. Bald kommt es dort wieder zu Überfällen durch bezahlte Kriminelle, die besonders durch Leon Gonzales, der sich als die eigentliche Hauptfigur der Helden herausmendelt, verhindert werden können. Wenig später müssen die Gerechten und die Polizei Mr. Johnson Lee, einen alten Bekannten Barbertons, schützen, der schließlich nicht ganz freiwillig das Geheimnis lösen kann. Mirabelle hat nur noch wenig Zeit, Rechte an einer Konzession ihres in Afrika verstorbenen Vaters anzumelden, die im wahrsten Wortsinne eine Goldgrube ist und auf die Oberzohn und seine Helfer spekulieren. Nun gehen die Geschehnisse turbulent weiter - Mirabelle wird wiederum entführt, es gibt viele Mordanschläge auf die Gerechten, welche sich genauso rücksichtslos an dem schwedischen Doktor rächen und ihm schaden, wo sie nur können. Hilfe haben die drei Männer durch einen skurrilen Amerikaner, Elijah Washington, Abenteurer und Schlangenfreund, der tatsächlich immun gegen Schlangenbisse ist, was ihm auch das Leben retten soll. Der Kreis um Oberzohn zieht sich immer enger, doch er schlägt immer wieder zurück, bis er zum Schluss sein Anwesen in ein wahres Schlachtfeld verwandelt. Können die Gerechten Mirabelle noch rechtzeitig retten und ihre Ansprüche auf das Vermögen geltend machen ? Es wird knapp, doch natürlich siegt auch hier wieder die Gerechtigkeit, und den Hauptübeltäter ereilt seine verdiente Strafe.


Bewertung:

Die drei Gerechten steht hinter der Bekanntheit des Vorläufer-Werkes Die vier Gerechten sicherlich weit zurück. Die Handlung ist zwanzig Jahre nach dem ersten literarischem Auftreten des Trios angesiedelt. Wenn man davon ausgeht, dass die Herren da auch schon nicht mehr ganz grün hinter den Ohren waren, so sollten sie jetzt schon mehr um die Fünfzig als um die Vierzig sein. Das Alter der namensgebenden Protagonisten scheint eines der nicht gelösten Rätsel im Wallace-Kanon zu sein, vielleicht altern sie auch gar nicht, wie weiland der gute Hercule Poirot von Agatha Christie. Immerhin verliebt sich ja die holde Weiblichkeit des Stückes, Mirabelle Leicester, mit ihren Anfang zwanzig Jahren in Leon Gonzales. Das passierte ihm, wie man erfährt, nicht zum ersten Mal, doch ist der tatkräftige Spanier kein Mann für die Liebe, er erscheint eher vollkommen gefühlskalt und auch die Bestrafung der Verbrecher ist wohl eher Selbstzweck als leidenschaftliches Anliegen. Doch Mirabelle schafft es im Laufe des Schauerstückes, bisher ungewohnte Emotionen in seinem Herzen wachzurufen. Die anderen der Gerechten, besonders George Manfred, bleiben auch eher seltsam steril, lediglich der generell eher als Nebenfigur auftretende Poiccart hat ein paar menschlische Züge.
Faszinierender sind da wieder einmal die Bösewichter angelegt. Eric Oberzohn, Doktor der Philosophie, Hobbychemiker und Alchemist, ist einer von den Gestalten auf der jenseitigen Seite des Gesetzes, die durchaus im Gedächtnis bleiben. Er ist einmal ein kaltherziger Rechner, Organisator und vor allem Manipulator, dann wieder ein Mann, der seine ganzen Kräfte darin legt, einen Trank für das ewige Leben zu finden. Doch am schlimmsten ist wohl Sven Gurther, sein Meuchelmörder, eine klassische Wallace-Figur. Der aus Deutschland geflüchtete Gurther ist ein rauschgiftabhängiger Lustmörder, auf der einen Seite schlampig, bösartig und abartig, aber auch ein gnadenlos guter Schauspieler. Seine Verkleidungen können nicht einmal die drei Gerechten durchschauen. Oberzohn möchte sich seiner am liebsten entledigen, doch Gurther ist verschlagener als gedacht und räumt alsbald auch seinen Konkurrenten Iwan Pfeiffer aus dem Weg, so dass der kriminelle Doktor noch enger auf ihn angewiesen ist. Zwischen den beiden besteht so eine Art Hassliebe, zumindest bei Gurther, dem psychopathischen Morphinisten.
Im Grunde ist es wieder einmal eine ganz simple Geschichte: Bösewichter möchten an ein Millionenvermögen herankommen, zwischen dem eine arglose junge Frau steht. Irgendwann fällt dem Leser das dünne Skelett der Handlung schon auf, allerdings sind die Aktionen von Gut und Böse so turbulent gestaltet wie selten. Leider kann man sich des Eindruckes nicht erwehren, dass die an sich recht dürftige Story künstlich gestreckt wird. Es nicht nicht unbedingt einzusehen, wieso die gefährdete Mirabelle wieder fast ungeschützt auf ihre Farm geschickt wird, von wo sie ja nach einigem Hin und Her auch prompt entführt wird, oder warum die Wissensträger so schlecht mit ihren Geheimnissen herausrücken, so dass es ständig Mord- und Entführungsversuche auf sie gibt. Obwohl genau bekannt ist, dass Dr. Oberzohn Mirabelle wieder in seine Gewalt gebracht hat, dauert es dann noch ein Drittel des Buches, bis man sie befreit. Trotz dieser recht durchsichtigen Winkelzüge des Autors gefällt zumindest mir das Buch sehr gut. Wir haben hier eben neben den schon angesprochenen Protagonisten eine Reihe von sehr plastisch geschilderten Charakteren, etwa der Schlangenspezialist Elijah Washington, eine originelle Type, oder auch "Monty" Norman, der um einen guten äußeren Eindruck bemühte Spießgeselle Oberzohns, dessen der böse Doktor irgendwann überdrüssig wird und wieder seine "Schlange" von der Leine lässt. Normans Freundin Johanne ist eher so ein häufig verwendetes Klischee. Das gefallene Mädchen auf Seiten der Verbrecher,das aber im Grunde ein gutes Herz hat und irgendwann die Seiten wechselt oder es wenigstens versucht. Bei der Vielzahl der verwendeten Haupt- und Nebenfiguren (die hier gar nicht alle erwähnt werden) überrascht aber die recht komplexe Darstellung dieser Menschen. Einzig ein paar Helfer auf Seiten der Gangster, wie Cuccini, sind recht flach geraten. Wir haben also einen actionreichen Roman mit interessanten Darstellern, da hat es eben für einen verwickelteren Handlungsfaden nicht mehr gereicht, den Edgar Wallace in seinen guten Zeiten (auf Kosten anderer Belange) durchaus auch zu spinnen vermochte. Viele der Geschehnisse sind sehr plastisch und detailliert und trotz allem zügig beschrieben (der Staub auf versteckten Goldfiguren, die Geräusche von Automobilen usw.), etwas, das an Edgar Wallace sehr schätzenswert ist.
Von "den Deutschen" ist relativ viel die Rede. Dr. Oberzohn, der schwedische Bösewicht, mag sie nicht, desgleichen auch Gurther, der nach einem dort verübten Sexualmord fast gelyncht worden wäre und nach Ermordung zweier Polizisten nach England floh. Sogar ein deutscher Polizist tritt auf, welcher endlich einen Auslieferungsantrag bekommen hatte und den Kriminellen seiner Strafe zuführen will. Ich frage mich, ob das Ganze vielleicht eine Art Referenz an das deutsche Lesepublikum ist. Nachdem Wallace zehn Jahre zuvor die Deutschen noch pflichtschuldigst als "Hunnen" und "Bestien" beschimpft hatte, waren sie doch durch seine Zusammenarbeit mit dem Goldmann-Verlag Mitte der zwanziger Jahre eine dankbare Leserschaft geworden. Wer weiss...
Die Dramatik steigert sich zum Ende hin immer mehr, es gibt eine Szene, in der die gefangenen Frauen mit Gurther kämpfen und im Verlauf dessen zwei agressive Schlangen freikommen, eigentlich Kintopp der unteren Schublade, aber geradezu hypnotisch spannend mit richtigen Horror-Elementen. So wird am Ende, wie schon angedeutet, sogar Militär gegen die zur Festung eingerichteten Behausung Oberzohns eingesetzt, fast ein wenig wie beim grünen Bogenschützen oder John Flack, doch noch wesentlich aufwändiger, mit Flugzeugen, Panzern , Maschinengewehren. Der Autor, der selber nie als Soldat kämpfen musste, hatte ein gewisses Faible für den Krieg. Die gefangene Mirabelle gerät in höchste Not, kann aber mit einem Trick gerettet werden. Der verbrecherische Doktor, dessen sklavischer Gehilfe Gurther tatsächlich einen "Unfall" erlitt, wird als letztes Opfer von der "Schlange" gebissen, und Inspektor Meadows drückt bei der Klärung der Umstände wieder einmal ein Auge zu.
Das Rätsel der "Schlangenmorde" wird aufgeklärt. Die Methode, wie das Gift zu den Opfern gelangt, ist eine der großen Schwachstellen. Es kann eigentlich nur im Winter bei extremen Frostgraden funktionieren, ohne den Meuchelmörder selber zu gefährden, und ein gleiches Bissbild von zwei Giftzähnen ist dadurch auch nicht möglich. Na gut, sehen wir mal darüber hinweg. An die Ausarbeitung der obligaten Liebesgeschichte, diesmal zwischen Mirabelle Leicester und Leon Gonzales, hat der Autor nicht allzu viele Gedanken verschwendet. Ob die angedeutete Affäre tatsächlich eine Zukunft hat oder es nur die Verliebtheit eines jungen Mädchens in ihren älteren geschmeichelten Beschützer ist, kann man nicht sagen. Man kann nur das Beste hoffen...

Die Lektüre von Die drei Gerechten ist sicher für Fans des Schriftstellers ein Muss. Trotz mancherlei Unlogik, Handlungsschwäche, Selbstjustizpropaganda oder was auch sonst immer ist ihm doch ein richtiger Thriller gelungen, der vielleicht auch "normale" Krimileser zu fesseln vermag. Aber ich glaube, auch bei diesem Werk gibt es geteilte Meinungen.


Buch:

Vor langer Zeit habe ich die Taschenbuch-Ausgabe von Goldmann gelesen. Vor kurzem die Weltbild-Version (zusammen mit Die Tür mit den sieben Schlössern) mit über 300 Seiten. So weit ich es beurteilen kann, ist bei Goldmann so einiges weggefallen. Viele kleine Details fehlen, der finale Kampf wurde sogar erheblich gekürzt. Also gilt wieder mal, unbedingt die Weltbild-Ausgabe lesen !


Verfilmung:

Eine deutsche Edgar-Wallace-Verfilmung des besprochenen Romans gibt es nicht. Allerdings wurden Elemente dieses Buches in die Verfilmung von Der Zinker von 1963 übernommen. Die äußerst maue Buchvorlage musste unbedingt noch "aufgepeppt" werden, so bringt denn der Killer seine Opfer auf eine ähnliche zweifelhafte Methode mit Schlangengift um, wie es Dr. Oberzohn zusammen mit seinen Gehilfen tat. Weniger offensichtlich, aber trotzdem auffällig, ist die im Roman Der Zinker nicht vorkommende Figur des geistesgestörten Helfers Krischna, der unbedingt an Gurther erinnert. Denn eines ist klar: Wenn die Drei Gerechten damals verfilmt worden wären, so wäre Sven Gurther eine Paraderolle für Klaus Kinski gewesen...

Gubanov Offline




Beiträge: 15.570

06.09.2018 15:52
#2 RE: Die drei Gerechten (1926) Zitat · antworten

Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag Der Mann von Marokko (1926)
Da müssen die "Drei Gerechten" samt ihrem fürchterlichen Widersacher noch ein wenig warten ...

Schön, dass du dich jetzt wirklich den "drei Gerechten" gewidmet hast, @Dr. Oberzohn! Ich bin der Meinung, den Roman auch gelesen zu haben, doch in meiner Erinnerung dominiert ganz klar die sehr gelungene Hörspielfassung von EUROPA, die ich noch vor dem eigentlichen Buch und auch vor allen anderen "Gerechten"-Krimis kannte. Ausgehend von dieser Umsetzung habe ich mich schon immer gefragt, warum man den Stoff nie in Reinform fürs Kino verfilmt hat. Er ist sehr spannend und absolut "typisch Wallace".
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1
Eine deutsche Edgar-Wallace-Verfilmung des besprochenen Romans gibt es nicht. Allerdings wurden Elemente dieses Buches in die Verfilmung von Der Zinker von 1963 übernommen. Die äußerst maue Buchvorlage musste unbedingt noch "aufgepeppt" werden, so bringt denn der Killer seine Opfer auf eine ähnliche zweifelhafte Methode mit Schlangengift um, wie es Dr. Oberzohn zusammen mit seinen Gehilfen tat. Weniger offensichtlich, aber trotzdem auffällig, ist die im Roman Der Zinker nicht vorkommende Figur des geistesgestörten Helfers Krischna, der unbedingt an Gurther erinnert. Denn eines ist klar: Wenn die Drei Gerechten damals verfilmt worden wären, so wäre Sven Gurther eine Paraderolle für Klaus Kinski gewesen...

Kurios ist dabei auch, dass in der EUROPA-Hörspielserie "Der Zinker" direkt auf "Die drei Gerechten" folgt. Und man merkt bei den Hörspielen, dass "Die drei Gerechten" der stärkere und unheimlichere Krimi ist. Im Gegensatz dazu ist die "Zinker"-Verfilmung natürlich über alle Zweifel erhaben - nicht zuletzt aufgrund der hier entnommenen Gruselelemente.

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 81

07.09.2018 12:48
#3 RE: Die drei Gerechten (1926) Zitat · antworten

Ja, hat ein wenig gedauert mit der Besprechung, hatte es aber immer im Hinterkopf. Sozusagen Ehrensache...

Ich könnte mir vorstellen, dass es nicht verfilmt wurde, weil eben keine verdeckte Gestalt im Hintergrund die Fäden zog, sondern der verbrecherische Doktor schon frühzeitig als Hauptübeltäter feststand.
Bei ähnlichen Konstellationen, etwa "Gasthaus" oder "Rote Orchidee", wurden ja noch extra neue Figuren eingeführt, um einen unbekannten Drahtzieher zu haben. Das wäre beim vorliegenden Roman sicher schlecht gegangen. Natürlich wäre der Selbstjustizaspekt der "Drei Gerechten" vollkommen glattgebügelt worden, es wären wohl nur normale Privatdetektive gewesen, am besten aber nur einer, was dann wieder mit dem Titel kollidieren würde, so dass eben nur Motive verwendet würden und man den Film hätte anders benennen müssen (auch das gab es ja bei den Verfilmungen).
Aber auf alle Fälle wäre es wirklich ein viel besserer Stoff für eine filmische Adaptation im Rahmen der deutschen Reihe gewesen als "Zinker" oder "Hexer", die man ja noch mehr auf action trimmen musste.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.570

07.09.2018 14:10
#4 RE: Die drei Gerechten (1926) Zitat · antworten

Stimmt, das sind gute Punkte, die damals tatsächlich einen pragmatischen Ausschlag gegen eine "drei Gerechten"-Verfilmung gegeben haben könnten. Dass die "Gerechten", die bei Bedarf als ungesetzliche Racheengel eingreifen, nicht zeigbar gewesen wären, muss aber gar nicht mal sein, denn beim "Hexer" hatte man auch keine Probleme mit einer ganz ähnlichen Rollenanlage. Aber naja, da hatte man ja auch eine gänzlich positive Hauptfigur, mit der man Henry Arthur Milton kontrastieren konnte.

Ich habe gestern das Hörspiel prompt nochmal gehört und mich wieder bestens unterhalten gefühlt.

 Sprung  
Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen