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 Romane
Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 69

27.08.2018 19:16
Das Steckenpferd des alten Derrick (1928) Zitat · antworten

Das Steckenpferd des alten Derrick

Erscheinungsjahr: 1928
Originaltitel: The Double


Hauptpersonen:

Richard "Dick" Staines - Kriminalinspektor bei Scotland Yard
Lord Thomas Weald - Freund und Liebeskonkurrent von Dick
Walter Derrick - Bekannter und Nachbar von Lord Weald
Mary "Jane" Dane - private Krankenschwester und Einbrecherin
Mr. Cornfort - ihr Patient im Rollstuhl
Henry - Rollstuhlführer
Lordy Brown - Kleinkrimineller
Minns - Diener im Hause von Lord Weald
Larkin - Wächter im Hause von Mr. Derrick
Chefinspektor Bourke - Polizeichef


Handlung:

Inspektor Dick Staines macht die Bekanntschaft der hübschen Krankenschwester Mary Dane, die zusammen mit dem "alten Henry" den kranken Mr. Cornfort in seinem Rollstuhl betreut und mit den beiden häufig in englischen Seebädern anzutreffen ist. Auch Dicks ehemaliger Studienkollege und Freund, der reiche Lord Thomas Weald, schwärmt von der holden Schönheit - Beginn einer mehr oder weniger humorvollen Rangelei der beiden um die Gunst der Dame. Aber der Inspektor soll die Lady bald unter seltsamen Umständen wiedertreffen. Neben dem Stadthaus von Lord Weald liegt das Haus von Mr. Walter Derrick, einem Bekannten von Weald. Derrick hat den Bau von seinem Vater geerbt, einem etwas seltsamen Herrn, der von großer Angst vor Feuer geplagt wurde und außerdem eine der größen Sammlungen von Fingerabdrücken in Privatbesitz angelegt hatte. Neuerdings soll es gar in dem verwinkelten und verbauten Gemäuer spuken, der Geist des "alten Derrick" soll umgehen, auf jeden Fall treiben sich nachts Einbrecher im Haus herum. Inspektor Staines beobachtet das Ganze vom Nachbarhaus seines Freundes Tommy aus, schleicht sich gar auch in Derricks Haus ein und ertappt die angebliche Krankenschwester Mary Dane als Einbrecherin, die ihm allerdings entkommen kann.
Der verliebte Dick sieht von einer Verfolgung ab, außerdem hat Miss Dane immer schnell bei diesem und ähnlichen Vorfällen ein Alibi bei der Hand. Weilte sie doch zu der Zeit gerade in Brighton oder sonstwo. Aber was hoffen sie und die anderen Einbrecher in dem Haus zu finden ? Etwa eine Menge Geld aus dem Nachlass des alten Derrick, das noch nicht aufgetaucht ist ? Oder gar belastendes Material aus seiner Fingerabdrucksammlung, die eigentlich von seinem Sohn Walter Derrick schon vernichtet sein sollte. Dieser kann sich auch keinen Reim daraus machen und verbringt seine Zeit lieber in seinem Herrenhaus außerhalb Londons. Immer wieder taucht im Hause ein Daumenabdruck auf, der im Zusammenhang mit einem zehn Jahre zurückliegenden kaltblütigen Raubmord in Slough steht. Der "Mörder von Slough" wurde nie gefasst, was hat er plötzlich in diesem Haus zu suchen ? Miss Mary Dane betört weiterhin den Inspektor Staines, signalisiert ihm gar ihre Zuneigung, weicht aber allen seinen Fragen aus und scheint gar auch mit seinem Freund Tommy anzubändeln. Ist sie etwa eine Kokotte (dieser wunderbare Begriff wird tatsächlich so verwendet) ? Ein ehemaliger Sträfling aus Südafrika, Lordy Brown, will sie gar als Mary de Villier aus Südafrika erkannt haben. Aber ehe er noch viel dazu sagen kann, findet man ihn erschossen in Mr. Derricks Haus auf. Offenbar hatte ihm eine Frau - Mary ? - noch helfen wollen. Doch hat sie wieder ein Alibi, zusammen mit ihrem Patienten Cornfort und dem Rollstuhlführer Henry war sie meilenweit entfernt, oder...?. Eine weitere Durchsuchung des Hauses fördert allerlei Erstaunliches zutage, Geheimgänge etc., aber es gibt keine Lösung für die seltsamen Vorgänge. Immer wieder gibt es Hinweise auf den mysteriösen Mörder von Slough, der irgendwann auch einen Namen, aber kein Gesicht, bekommt. Der tritt nun langsam bedrohlich in Aktion, es gibt diverse Mordanschläge zu bestehen, bis am Ende eine überraschende Auflösung ansteht, alle Identitäten geklärt werden und auch für die beiden befreundeten Rivalen um Miss Danes Liebe eine befriedigende Lösung ihres Problems bereitsteht...


Bewertung:

Das Buch ist vielleicht ein Beispiel dafür, wie Edgar Wallace eine durchaus originelle Idee für ein Verbrechen und sein Motiv leider zugunsten einer eher unwichtigen und vorhersehbaren Handlung verschenkt hat. Anstatt sich auf das Rätsel der Fingerabdrücke zu konzentrieren, wenigstens noch einen zusätzlichen Hauptverdächtigen zu fabrizieren und die Spannung und auch die Logik etwas zu straffen, setzt er sich hier viel zu lange mit den Liebesnöten von Inspektor Staines und auch seines Freundes Lord Weald auseinander. Warum ist die geheimnisvolle Krankenschwester einmal zu dem einen, dann wieder zu dem anderen so nett? Tja. Woher hat sie nur ihr Doppelleben, einmal irgendwo an der Küste und dann gleichzeitig in London ? Die Auflösung ist nun nicht sonderlich originell, auch fühlt sich der Leser nicht unbedingt deswegen mitgerissen. Die Handlung ist wieder mit vielen Zufällen zusammengekittet und tritt zeitweise ganz schön auf der Stelle. Immer wieder beobachtet die Polizei, dass gerade in Mr. Derricks Haus eingebrochen wird, ist wieder erstaunt, wie die Täter überhaupt Zugang gefunden haben können, und manchmal wird der Inspektor auch ein wenig beschossen... Den Besitzer, Walter Derrick, scheint alles gar nicht zu kümmern, obwohl es ja auch eine Menge Geld aus dem Erbe gibt, dass noch verschwunden ist. Was macht die Polizei eigentlich den ganzen Tag, außer sich mit dem Nebenbuhler um eine mysteriöse Frau zu streiten (allerdings oft recht humorvoll) und diese dann noch zu decken ? Immerhin wird die Identität des Raubmörders von Slough ermittelt, ein gewisser Hermann Lavinski aus Russland, dessen Gesicht aber niemand kennt und der neben allerlei Schusswaffen seinen Kontrahenten gar auch mit einer Handgranate zu Leibe rückt. Hier nimmt das Buch doch ziemlich Fahrt auf, es gibt noch ein paar spannende und mysteriöse Szenen, bis endlich dem Täter die Maske vom Gesicht gerissen werden kann.
Es treten noch ein paar Bediente, wie Larkin oder Minns auf, die sogar noch tiefere Bedeutung erlangen, sowie der Polizeichef Bourke, möglicherweise schon aus dem "Banknotenfälscher" bekannt (?). Großen Raum nimmt wieder eines der Lieblings-themen des Verfassers, nämlich das sprichwörtlich geheimnisvolle Haus, ein.
Die Auflösung der ganzen Geschehnisse ist für Wallace'sche Verhältnisse recht verwickelt, mehrere Identitäten müssen vertauscht werden, dass alles Sinn ergibt und sich zum Ganzen fügt, und das Schicksal des Mörders ist doch recht ungewöhnlich und durch einen recht makabren Umstand nicht unbedingt etwas für den Gerechtigkeitsfanatiker. Auch hier wieder ein paar recht gute Einfälle, die die Geschichte durchaus zu den richtig guten Werken von Wallace hätten heben können. Leider hat er das aber durch die altbekannte Schludrigkeit und das meines Erachtens zu ausgiebige Herumreiten auf Miss Danes Doppelidentität (die im Prinzip auch nicht unbedingt notwendig gewesen wäre) verschenkt. Natürlich darf auch das unausweichliche Happyend nicht fehlen.

Trotz aller Kritik sollte der Wallace-Freund das vorliegende Buch gelesen haben, es hat unter den unbekannteren Werken des Autors durchaus seinen Reiz mit einen paar originellen Passagen. Hier geht es weniger um Verbrecherbanden, sondern um einen skrupellosen Einzeltäter und eine Menge undurchsichtiger Identitäten.


Buch:

Gelesen habe ich die Weltbild-Ausgabe (zusammen mit Penelope von der Polyantha). Hier hat das Buch ca. 240 Seiten.


Verfilmung:

Eine deutsche Verfilmung existiert nicht.

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