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Dieses Thema hat 9 Antworten
und wurde 232 mal aufgerufen
 Romane
Percy Lister Offline



Beiträge: 3.547

21.03.2012 21:22
#1 Der Rächer (1926) Zitat · antworten

BEWERTET: "Der Rächer" von Edgar Wallace
Einmalige Ausgabe 1997, ungekürzte und neu übersetzte Ausgabe - Scherz-Verlag Bern und München. Übertragung aus dem Englischen von Edith Walter. Titel des Originals: "The Avenger"

Unter dem Schlagwort "Scherz Krimi Spannung mit Niveau" wurden in den Neunziger Jahren fünfzehn Meisterwerke von Edgar Wallace neu übersetzt. Das Taschenbuch "Der Rächer" ist der erste Roman von Edgar Wallace, den ich (vor etwa einem Monat) gelesen habe.

Die Verfilmung aus dem Jahr 1960 unter der Regie von Karl Anton begleitet den Leser durch die gesamte Handlung des Buches, wobei man sich dabei ertappt, die Romanfiguren mit den Schauspielern zu vergleichen, die auf der Leinwand die Charaktere verkörpern. Einige Personen möchte man nach der Lektüre umbesetzen, manche passen leidlich in ihre Rollen und bei ein paar Darstellern bewundert man die Voraussicht des Regisseurs, genau die richtigen Personen für die filmische Umsetzung ausgewählt zu haben.

Joachim Kramp schreibt in seinem Buch "Hallo, hier spricht Edgar Wallace" (Erstauflage 1998) auf Seite 240 folgendes: "[...] der Autor Dr. Gustav Kampendonck, der zwar gute Drehbücher für Unterhaltungsfilme schrieb, aber im Gegensatz zum Rialto-Autor Egon Eis nicht das Gespür hatte, Wallace-Romane zu aktualisieren - und der also einen an sich schon langweiligen Roman entsprechend langweilig adaptierte." Hier möchte ich dem Wallace-Experten widersprechen.

Trotz - oder gerade wegen - der Kenntnis des Inhalts fühlte ich mich beim Lesen bestens unterhalten und folgte gespannt dem Verlauf der Geschichte.

Sobald man sich an die leicht vom Film abweichenden Namen gewöhnt hat (Adele Leamington, Jack Knebworth, Lawley Foss), taucht man in die Handlung ein und nimmt am Schicksal der Personen teil. Erfreulicherweise erhält vor allem die weibliche Hauptfigur durch eingehendere Beschreibung ihres Lebensumfeldes mehr Tiefe. Im letzten Kapitel deutet sich an, dass sie ihre Selbständigkeit gern bewahren möchte, ohne das schmalzige und irgendwie unglaubwürdige Happyend des Films. Ein Mann wie Michael Brixan eignet sich wohl kaum zur Familiengründung, ob er nun vom selbstgefälligen Heinz Drache oder dem nicht weniger von sich eingenommenen Klausjürgen Wussow gespielt wird. Im Fluss der Handlung treten immer wieder Spannungsmomente auf, die leider bei der Verfilmung des Romans fallen gelassen wurden, so z.B. die nächtliche Begegnung Adeles mit dem altmodischen Wagen des Kopfjägers. Andere Aspekte der Vorlage wurden meines Erachtens weitsichtiger gelöst. So wurde aus einer der zentralen Figuren des Buches, dem furchterregenden Orang-Utan, ein Mensch gemacht; ein Wilder zwar, aber doch eine Person, die nicht nur klettern und schnattern kann, sondern auch Tabak und Getränke reicht. Die angedeutete Vergangenheit von Sir Gregory untermauert die Gefährlichkeit dieses Charakters, der nicht nur Adele in eine Falle locken will, sondern auch seine frühere Freundin Stella einsperrt. Die unterirdische Tunnelanlage von "Griff Towers" wird eindrucksvoll beschrieben, wobei das plötzliche Auftauchen der Guillotine wie die Berührung einer eiskalten Hand ist.

Gesamturteil: Der ideale Wallace-Einstieg. Groteske Elemente werden mit klassischer Ermittlungsarbeit vermengt, wobei die handelnden Personen durch das Film-Setting bereits außerhalb der Norm stehen. Kurzweilig bis zur letzten Seite.



Vorschläge für eine Alternativbesetzung von "Der Rächer" (1960):
  • Michael Brixan (idem): Klausjürgen Wussow (Heinz Drache)
  • Adele Leamington (Ruth Sanders): Uta Franz (Ina Duscha)
  • Sampson Longvale (Henry Longvale): Peter Esser (Ludwig Linkmann)
  • Stella Mendoza (idem): Ingrid van Bergen (idem)
  • Sir Gregory Penne (Sir Gregory Penn): Benno Sterzenbach (idem)
  • Jack Knebworth (Regisseur Jackson): Charles Regnier (Friedrich Schoenfelder)
  • Reggie Connolly (Reggie Conolly): Erwin Strahl (Rainer Brandt)
  • Lawley Foss (Lorenz Voss): Klaus Kinski (idem)
  • Major George Staines (idem): Hermann Lenschau (Siegfried Schürenberg)
  • Tänzerin (idem): Esther Queil (Maria Litto)
  • Zeitungshändler: Albert Bessler (idem)
  • Mrs. Watson, Vermieterin von Adele (nur im Roman): Fita Benkhoff
  • Mr. Scott, ehemaliger Lehrer von Michael (nur im Roman): Hans Paetsch
  • Alte Frau, die Briefe abholt (im Film nur erwähnt): Hela Gruel
Klausjürgen Wussow hatte 1960 nach dem großen Erfolg seiner Darstellung in "Der rote Kreis" gerade den richtigen Schwung und den nötigen Biss, um den Agenten des geheimen Nachrichtendienstes im Auswärtigen Amt zu spielen. Aufgrund seiner Jugend (* 1929) kann er die Vorgaben des Buches charmant erfüllen, ohne väterlich gönnerhaft zu wirken, wie es leider in Draches Verhalten zu seinen Kollegen des öfteren der Fall ist.

Uta Franz (* 1935) ist vor allem als Prinzessin Helene in Bayern aus der "Sissi"-Trilogie mit Romy Schneider bekannt. Die Hotelierstochter beendete ihre Karriere bereits 1957, nachdem sie sich dem Studium der französischen und italienischen Sprache gewidmet hatte. Sie bringt genügend Charisma und natürliche Frische mit, um sowohl die Komparsin, als auch die Hauptdarstellerin "Roselle" in Knebworths Stück zu spielen.

Peter Esser (* 1886) verkörpert mehr den Stil und weniger den Wahnsinn, den die Rolle des von der Vergangenheit besessenen Longvale erfordert. Ludwig Linkmann erscheint zu offensichtlich "seltsam", als dass er den Zuseher auf Seitenpfade locken könnte. Keine Frage - ein perfekter Vollstrecker des Erbes seiner Vorfahren! Aber auch ein edler Gentleman? Hier traue ich Esser mehr Haltung zu - hoffen wir, dass er auch am Fallbeil genügend Standhaftigkeit beweist.

Die Mendoza Offline




Beiträge: 48

21.03.2012 22:32
#2 RE: Der Rächer (1926) Zitat · antworten

Wie schön, hier wieder etwas Konkretes zu den Romanen zu lesen!

Und ich kann mich der Meinung Percy Listers über den "Rächer" nur anschließen! Ein wirklich guter Wallace und ideal zum Einstieg!

Was die filmische Umsetzung angeht, sehe ich das ebenfalls ähnlich. Die Begegnung von Adele aka "Ruth" mit der Limousine des Kopfjägers im Zwielicht gehört wirklich zu den spannendsten Momenten. Schade, dass die es nicht in den Film geschaft hat. Die Darstellung des "Bhag" finde ich im Film jedoch etwas unbeholfen, wobei die Umsetzung zugegebenermaßen wohl auch nicht ganz leicht ist ... weil Wallace hier ja schon fast wieder ins "scince-fiction-hafte" abtaucht. Ich finde, Bhag kann durchaus als eine frühe Version des King Kong gelten ... oder?

Bis auf Ina Duscha finde ich die Besetzung im Film ansonsten übrigens ziemlich gut ...

Die Mendoza Offline




Beiträge: 48

22.03.2012 10:20
#3 RE: Der Rächer (1926) Zitat · antworten

Zitat von Percy Lister im Beitrag #1
Unter dem Schlagwort "Scherz Krimi Spannung mit Niveau" wurden in den Neunziger Jahren fünfzehn Meisterwerke von Edgar Wallace neu übersetzt.

Hierzu noch mal eine Frage: Meinst Du diese Ausgabe?
http://www1.minpic.de/bild_anzeigen.php?...y=49071980&ende

Ich konnte da bisher nämlich nur 9 Titel ausfindig machen:

Der Hexer, Das Gasthaus an der Themse, Der Frosch mit der Maske, Die blaue Hand, Der Rächer, Das Geheimnis der gelben Narzissen, Zimmer 13, Die toten Augen von London, Der grüne Bogenschütze

Gibt es noch weitere in dieser Aufmachung? Das würde mich mal interessieren, weil ich die als recht "sammelwürdig" sehe ...

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.547

23.03.2012 12:58
#4 RE: Der Rächer (1926) Zitat · antworten

Im Anhang meines Buches ist eine Werbeanzeige geschaltet, die folgende Titel auflistet:

Die blaue Hand, Der grüne Bogenschütze, Die vier Gerechten, Der Frosch mit der Maske, Die Tür mit den 7 Schlössern, Das Gasthaus an der Themse, Der schwarze Abt, Der rote Kreis, Der Doppelgänger, Die gebogene Kerze, Der Hexer, Der Rächer, Die seltsame Gräfin, Das Verrätertor, Der Zinker

Die Mendoza Offline




Beiträge: 48

23.03.2012 16:44
#5 RE: Der Rächer (1926) Zitat · antworten

Ja, stimmt! Diese Anzeige kenne ich auch. Aber ich glaube, dass diese Bücher nicht alle in einheitlicher Aufmachung (siehe Foto im vorletzten Post) neu aufgelegt wurden. Der "Zinker" war mir allerdings in meiner Aufzählung entwischt. Den gibt's auch in der Reihe ...

Der schwarze Abt Offline



Beiträge: 3.879

29.06.2013 21:56
#6 RE: Der Rächer (1926) Zitat · antworten

Der Rächer

Diese Woche war „Der Rächer“ dran. Sehr interessant zu lesen, wobei er etwas zwischen Langeweile und Hochspannung schwankt. Die erste Hälfte war ziemlich in die Länge gezogen, während die zweite im Gegensatz dazu besonders kurzweilig war.

Die viele Spannung und die klasse Story entschädigen für einige Schwachstellen und verhelfen dem Roman in den sehr guten Bereich.



Gigantisch:
Der Zinker

Sehr gut:
Der Frosch mit der Maske
Der grüne Bogenschütze
Die toten Augen von London
Der Hexer
Bei den drei Eichen
Das indische Tuch
Der unheimliche Mönch
Der rote Kreis
Neues vom Hexer
Die Bande des Schreckens
Die Tür mit den sieben Schlössern
Der Banknotenfälscher
Gangster in London
Der Rächer

Guter Durchschnitt:
Der schwarze Abt
Die blaue Hand
Das Geheimnis der gelben Narzissen
Die gelbe Schlange
Der Engel des Schreckens

Unterdurchschnittlich:
Das Gasthaus an der Themse
Die seltsame Gräfin

Misslungen:
-

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 68

02.08.2018 11:02
#7 RE: Der Rächer (1926) Zitat · antworten

Der Rächer

Erscheinungsjahr: 1926
Originaltitel: The Avenger


Hauptpersonen:

Mike Brixon - Geheimagent in kriminalistischer Mission
Helen Leamington - junge Statistin mit unverhofftem Aufstieg
Gregory Penn - Schlossbesitzer mit bösartigen Zerstreuungen
Jack Knebworth - gestresster Filmregisseur
Henry Longvale - verschrobener Gutsbesitzer
Stella Mendoza - Schauspielerin mit Diva-Allüren
Reggie Conolly - unzufriedener Schauspieler
Lawley Foss - Dramaturg mit Geheimnissen
Bhag - ein Menschenaffe mit großer Begabung
Major Staines - Chef des Geheimdienstes


Handlung:

Mike Brixon, Agent des Nachrichtendienstes des Auswärtigen Amtes, ist gerade dabei, einen Einsatz in Deutschland zu beenden. Dort wütet gerade die Inflation, die Handlung ist also im Jahre 1923 angesiedelt. Und während die Menschen in »Germany" für das tägliche Brot und ums nackte Überleben kämpfen müssen und die junge Republik von Putschversuchen aus dem rechten und dem linken Lager geschüttelt wird, hat man daheim in England offenbar andere Probleme. Es ist ein geheimnisvoller Bösewicht unterwegs, der Menschen die Köpfe abhackt und diese dann immer irgendwo deponiert, wo sie gefunden werden können. Dazu gibt es jedes Mal noch ein mit der Schreibmaschine verfasstes Schriftstück des "Kopfjägers". Das wird Brixon jedenfalls von seinem Chef, Major Staines, eröffnet, als er wieder in dessen Büro erscheint. Die meisten Getöteten wurden verdächtigt, etwas Unrechtes getan zu haben. Das letzte Opfer, ein gewisser Elmer, war ebenfalls ein Mitglied des Auswärtigen Amtes, der im Verdacht der Unterschlagung stand. Somit wird der Geheimdienst aktiv.
Brixon soll nach Chichester reisen, wo Elmer das letzte Mal von seiner Nichte Helen Leamington gesehen wurde. Diese arbeitet als Statistin beim Film, wo sie sich ihr Einkommen aufbessern will. In der Nähe wird nämlich ein historischer Film gedreht. Wie es der Zufall will, fällt Brixon beim ersten Verhör der hübschen Verwandten von Elmer vor Ort ein mit der Maschine geschriebener Drehbuch-Vorschlag in die Hände, der nur vom "Kopfjäger" stammen kann. Waren das noch Zeiten, als jede Schreibmaschine ihre persönliche Note hatte ! An dieser Stelle hätte sogar schon in den zwanziger Jahren eine mit den Mitteln der modernen Polizeiarbeit geführte Ermittlung beginnen müssen: Fingerabdrücke vergleichen, Haussuchungen vornehmen, Schriftvergleiche der Schreibmaschinen der Anwohner vornehmen usw.
Allerdings belässt es Wallace bei seinem Geheimdienst-Helden bei der schockierenden Feststellung, dass der Kopfjäger offensichtlich ganz in der Nähe wohnt. Immerhin hat ihm doch auch die nette Helen Leamington den Kopf verdreht. Die hat jedoch gerade andere Sorgen, da sich die mondäne Schauspielerin Stella Mendoza wieder mal mit ihrem Boss, dem Regisseur Jack Knebworth, überworfen hat, bekommt Helen von diesem ganz märchenhaft ein Angebot, doch als Hauptdarstellerin zu agieren. Das gibt natürlich böses Blut bei der verschmähten Diva und ihren Kollegen, dem aufgeblasenen Schauspieler Reggie Conolly und dem ränkevollen Dramaturgen Lawley Foss. Allerlei Pläne werden geschmiedet, um der Aufsteigerin und ihrem Gönner eins auszuwischen, derweil sich die junge Helen mit ihrer Rolle alle Mühe gibt. Erst war die Filmcrew auf dem Landsitz Dower House von Mr. Longvale einquartiert gewesen, einem etwas sonderbaren Kauz, der mit einem vorsintflutlichen Automobil durch die Gegend fährt (Das musste dann wohl noch aus den Zeiten von Carl Benz stammen), von seinem historischen Großonkel schwärmt und auch ansonsten sehr altmodisch ist. Neuerdings wird jedoch auf Griff Towers gedreht, dem Herrensitz von Gregory Penne, einer recht widerwärtigen, wenngleich auch faszinierenden Persönlichkeit. Der Schlossbesitzer frönt mitunter ziemlich ausgefallenen Hobbies. Seine Liebe zur Damenwelt geht so weit, dass er regelmäßig Streifzüge nach Borneo unternimmt, von wo er junge eingeborene Frauen nach England entführt. Er ist ein skrupelloser, prahlerischer, lüsterner Mann, der auch eine Sammlung von äußerst scharfen Schwertern besitzt. Borneo - die Heimat der Kopfjäger ! Ein weiteres Mitbringsel ist sein Orang-Utan Bhag, ein äußerst gelehriges, menschenähnliches Wesen, das als Diener und Leibwächter fungiert. Natürlich macht sich Sir Gregory verdächtig, aber kann ein Mann wie er auch tatsächlich der irre Köpfeabschneider sein ?
Vorerst hat Sir Gregory auch ein begehrliches Auge auf die schöne Helen Leamington geworfen, was Mike Brixon natürlich überhaupt nicht behagt, kann er sich doch gut vorstellen, was Penne mit ihr im Schilde führt. Da gibt es auch bald Entführungsversuche, die eindeutig Pennes Handschrift tragen, und einige mysteriöse Vorgänge auf seinem Landsitz, so dass zusammen mit den schon weiter oben erwähnten Intrigen der Schauspielergesellschaft der "Kopfjäger" für eine Weile in den Hintergrund tritt. Aber Edgar Wallace besinnt sich seiner gerade noch rechtzeitig genug, so dass Mike Brixon dann auch wieder der Kopf eines neuen Opfers aus einer Kiste entgegenstarrt...
So beginnt die Jagd auf den Unhold endlich etwas nachdrücklicher, aber bald schon geraten die Beteiligten in einen unheilvollen Strudel von Ereignissen, der sie bald schon eher zu Gejagten macht und im schaurigen Hauptquartier des Schurken endet - mit einer gruseligen Überraschung. Doch auch hier siegt natürlich wieder, wenn auch nur knapp, das Gute, und Mike Brixon und Helen Leamington können sich zum Schluss endlich den langersehnten Kuss geben.


Bewertung:

Edgar Wallace hat mit dem "Kopfjäger" oder "Rächer", der sich selbst übrigens als "Wohltäter " bezeichnet, einen Tätertyp eingeführt, ohne den der moderne Thriller offenbar nicht mehr auszukommen scheint, nämlich den des geistesgestörten Serienmörders. Während moderne Autoren sich an begangenen Abartigkeiten und Perversitäten geradezu überbieten, schneidet der "Kopfjäger" seinen Opfern "nur" den Kopf ab. Eigentlich schlimm genug. Dabei ist das Motiv des Täters, die Auswahl seiner nicht ganz unfreiwilligen Zielpersonen und seine Vorgehensweise gar nicht mal so schlecht ausgedacht. Allerdings dauert es eine Weile, bis Mike Brixon dem Kopfjäger auf der Spur ist, obwohl er schon recht früh einen begründeten Verdacht hat. Er ist halt auch kein ausgebildeter Detektiv, sondern mehr Geheimagent. Trotzdem schlägt er sich recht wacker. Ein Held ohne Fehl und Tadel, aber recht sympathisch und kein Übermensch.
Ganz großes Manko ist natürlich die völlig unrealistische Darstellung des Menschenaffen Bhag. So menschenähnlich, wie ihn der Autor beschreibt, ist ein Orang-Utan gewiss nicht. Gestalten wie Gregory Penne, die Raubzüge in hinterindische Kolonialgebiete unternehmen, hat es damals tatsächlich gegeben, der Schauspieler Errol Flynn kam ja auch in den Verdacht, an solchen Aktionen mitgewirkt zu haben. Das wird von Wallace auch sehr negativ bewertet, dem Malaiien, der seine entführte Braut befreien will, gehört sein ganzes Verständnis. Penne wird dagegen als reicher, von seinen Trieben gesteuerter Wüstling hingestellt, dem natürlich leichtlebige Schauspielerinnen wie Stella Mendoza zumindest eine Zeit lang zu Willen sind, nicht aber ein reines und tugendsames Wesen wie Helen Leamington. Daneben macht sich Sir Gregory auch sehr verdächtig, kann er doch auch gut mit dem Schwert umgehen und könnte wohl auch mühelos Köpfe absensen. Weiterhin gibt es den seltsamen, aber höflichen Mr. Longvale mit seinem Tick für die Vergangenheit und seine ruhmreichen Vorfahren. Und dann ist noch Jack Knebworth da, der Filmregisseur, eigentlich ein ganz anständiger Kerl, oder...?
Stella Mendoza, die Diva, zieht alle Register einer solchen, bei aller Egozentrik offenbart sie aber unerwartet in einem kritischen Moment, dass auch sie ein Herz hat. Reggie Conolly und Lawrence Voss sind mehr Randfiguren, letzteren soll wegen seiner erpresserischen Veranlagung ein schlimmes Schicksal ereilen...
Helen Leamington, die hübsche Komparsin in Geldnot, erlebt einen hollywoodhaften Aufstieg im sich gerade etablierenden Filmgeschäft. Edgar Wallace bedient hier einige Klischees, die wahrscheinlich trotz allem recht real sind. Irgendwann gerät auch sie in das Visier des mysteriösen Mörders, die Szene, wo er sie in sein Auto locken will und dann verfolgt, ist wirklich gruselig. Doch der "Kopfjäger" ist auch ansonsten nicht untätig und will sein blutiges Handwerk weiter an ihm missliebigen Personen vollstrecken. Das Ende des Romans hat es in punkto Horrorfaktor durchaus in sich, das geheime Quartier des Schurken befindet sich in einem Höhlensystem, das schon den Römern bekannt war und in welchem im Mittelalter ein ganzer Heerzug verschwand. So treffen denn die Beteiligten mehr oder weniger zufällig dort zusammen, und nun sieht man auch das durchaus geläufige Mordinstrument, mit dem der selbsternannte Henker zur Tat schreitet ! Hier zieht der "King of Thrillers" alle Register, um die ganze Szenerie so schaurig wie möglich zu gestalten. Wirklich ein einprägsames Stück in Wallace' Schaffenswerk. Doch zu guter Letzt ereilt den unheimlichen Scharfrichter ein schreckliches Ende, das Übel, das er anderen antat, fällt auf ihn selbst zurück. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass keiner der Helden in der Lage war, das Böse zu verhindern, sondern ausgerechnet der ansonsten der nicht sehr positiv gezeichnete Affe für den guten Ausgang der Geschichte sorgt. Nach all den überstandenen Schrecknissen haben Mike und Helen sich jetzt wirklich ein paar schöne Momente verdient...

"Der Rächer" ist trotz mancher inhaltlicher und formaler Schwächen ein spannender Roman, nicht nur für Edgar-Wallace-Liebhaber. Empfehlenswert.


Buch:

Hier habe ich vor langer Zeit mal die Goldmann-Ausgabe gelesen, später dann die Ausgabe Weltbild-Edition (zusammen mit Der viereckige Smaragd). Tatsächlich gibt es bei Goldmann die üblichen Kürzungen und Überarbeitungen, die aber eher gering ausfallen.


Verfilmung:

Als einziger Beitrag Der Firma Kurt-Ulrich-Film kam 1960 kurz vor der Bande des Schreckens die Verfilmung von Der Rächer in die Kinos, eine zu Unrecht wenig bekannte "inoffizielle" Adaption eines Wallace-Stoffes. Der Film hält sich sehr eng an das Buch, und es wirken schon drei bekannte Schauspieler mit, die erst später bei Rialto ihren "offiziellen" Einstand bei Edgar-Wallace-Filmen bringen sollten, des weiteren andere, die dort ebenfalls einzelne Auftritte haben sollten. Wir erleben Heinz Drache als Captain Brixon, Siegfried Schürenberg als leicht vertrottelten Geheimdienst-Chef Staines sowie Klaus Kinski als geldgierigen Dramaturgen Voss, der eines Tages seinen Kopf verlieren soll. Die weibliche Hauptrolle spielt die Österreicherin Ina Duscha. Hier heißt sie in ihrer Rolle nicht Helen Leamington, sondern Ruth Sanders. Ingrid van Bergen ist als Stella Mendoza zu sehen, Klaus Schoenfelder mimt den Regisseur Jackson (im Buch Knebworth), und Benno Sterzenbach verkörpert den herrischen Unsympathen Sir Gregory Penne. Ludwig Linkmann ist als unheimlicher Mr. Longvale zu sehen. Die Figur des Menschenaffen Bhag wurde zu einem eingeborenen Diener umgeschrieben, was wesentlich realistischer ist und welcher von einem gewissen Al Hoosmann, einem ehemaligen farbigen Boxer, dargestellt wird.
Manche sehen den Film als langweilig an, aber er sticht zumindest positiv aus vielen anderen Krimi-Machwerken der damaligen Zeit heraus. Sicher ist das Ganze recht betulich inszeniert, aber es gibt durchaus recht gruselige Stellen, etwa wenn der Unbekannte mit seinem Wagen aus dem geöffneten Tor seines Verstecks herausfährt und der Zuschauer weiß, dass es wieder jemandem buchstäblich an den Kragen gehen soll. Besonders das Finale in der Höhle mit kopflosen skelettierten Leichen, die im Wasser herumliegen, und natürlich der Guillotine samt ihrem schrecklichen Besitzer bleibt im Gedächtnis haften. Der Film hat wesentlich mehr Wallace in sich als viele andere, besonders spätere Episoden der Rialto-Reihe, besonders da eben auch sehr werkgetreu ist. Anschauen lohnt auf jeden Fall mal.

Count Villain Offline



Beiträge: 3.923

02.08.2018 12:46
#8 RE: Der Rächer (1926) Zitat · antworten

Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #7
Besonders das Finale in der Höhle mit kopflosen skelettierten Leichen, die im Wasser herumliegen, und natürlich der Guillotine samt ihrem schrecklichen Besitzer bleibt im Gedächtnis haften. Der Film hat wesentlich mehr Wallace in sich als viele andere, besonders spätere Episoden der Rialto-Reihe, besonders da eben auch sehr werkgetreu ist. Anschauen lohnt auf jeden Fall mal.



Das unterschreibe ich mal direkt. Schön, dass ich mit dieser Meinung nicht allein stehe.

Übrigens: Es ist Friedrich Schoenfelder.

Mr. Igle Offline




Beiträge: 79

29.08.2018 23:02
#9 RE: Der Rächer (1926) Zitat · antworten

DER RÄCHER, Original: The Avenger, 1926, dt. Übersetzung Der Rächer von Edith Walter für den Scherz Verlag, 2. Auflage 1987.

Inhalt:

Captain Michael Brixan vom Nachrichtendienst des Außenministeriums wird von seinem Chef Major Staines kurzfristig zurück nach London beordert. Der Nachrichtenoffizier Francis Elmer hatte sich nach massiven Unterschlagungen abgesetzt. Doch Staines will seinen besten Mann nicht mit Elmers Verfolgung beauftragen, denn dieser ist bereits tot. Man fand Elmers Kopf in einem Karton. Er wurde zum zwölften Opfer des "Kopfjägers", eines unheimlichen Mörders, der binnen sieben Jahren ein Dutzend meist ihrer gerechten Strafe entronnener Verbrecher enthauptete. Brixan nimmt sich des Falles widerwillig an und reist nach Chichester, wo Elmer zuletzt lebend gesehen wurde und wo dessen Nichte als Komparsin bei einer Filmproduktion arbeitet. Brixan macht die Bekanntschaft der reizenden Adele Leamington und schleust sich selbst als Komparse bei Knebworth Film ein. Alsbald stößt Brixan bei seinen Nachforschungen auf dubiose Zeitungsinserate eines "Wohltäters", die der unglückliche Elmer fieberhaft sammelte und bekommt den Verdacht, dass der "Rächer" im Umfeld der Filmgesellschaft agiert. Verdächtige gibt es mehr als genug: Jack Knebworth, dessen berufliche Zukunft am Gelingen des Films hängt, Stella Mendoza, die Filmdiva, die ihre Rolle wegen ihrer Eskapaden an Adele verliert, Reggie Connolly, der intrigante eitle Liebhaber, Lawley Foss, der verschwiegen-hinterhältige Filmdramaturg, Sampson Longvale, der merkwürdige alte Schlossbesitzer und Sir Gregory Penne, der schwerreiche und grobschlächtige Weltenbummler mit einer großen Sammlung exotischer Schwerter und Exponate sowie einem dressierten Orang-Utan als Diener. Bald mehren sich beängstigende Ereignisse und die Beteiligten beginnen zu frösteln; denn die schwarze Limousine des "Kopfjägers" wurde mehrfach in der Gegend gesehen. Brixan versucht den Mörder in die Enge zu treiben, doch der ist ihm immer einen Schritt voraus. Eines Tages findet Scotland Yard wieder einen Karton mit einem Kopf…

Besprechung:

Dieser Roman stammt aus den Jahren der großen Serienproduktion des King of Crime. Ein Umstand, dem man dem Buch nur bedingt anmerkt. Anders als manche andere Werke aus dieser Schaffensphase ist Der Rächer kohärent und dicht geschrieben und die Handlung wird immer wieder mit stimmigen Detailbeschreibungen bereichert. Manchen Rezensenten hat dies offenkundig die Lektüre verleidet. Der Roman wird gemeinhin sehr unterschiedlich bewertet. Von enthusiastischen Kritiken bis hin zu äußerst negativen Bewertungen reicht das Spektrum. Für Wallace-Experte Joachim Kramp war es schlicht ein "langweiliger Roman". Tatsächlich bietet das Werk gerade in der ersten Hälfte durchaus Anlass zur Kritik; denn die Exposition der Handlung ist äußerst zäh geraten. Das ist aber auch der ausführlichen und zeitnahen Schilderung einer Filmproduktion jener Jahre geschuldet, die zwar die Story bisweilen auf der Stelle treten lässt, zugleich das Buch in Sachen atmosphärischer, detailverliebter Dichte auch enorm bereichert. So lassen die kriminalistisch interessanten Vorfälle und Ermittlungen ein wenig auf sich warten, brechen dann aber umso rasanter auf den Leser herein, bis der Altmeister zum Ende hin gegenüber der langen Einführung ein geradezu atemberaubendes Tempo vorlegt.

Vor allem die letzten Kapitel müssen besonders gelobt werden, sorgen doch die von Edgar Wallace bekannten, jeweils wechselnden Erzählperspektiven bei der finalen Hatz auf den "Kopfjäger" für ausgezeichneten Thrill. Dessen Identität stellt den geneigten Leser – auch ohne die Kenntnis der Kurt Ulrich-Produktion von 1960 bzw. des Klappentextes der Werksausgabe – vor keine allzu großen Herausforderungen. Zwar bemüht sich der King of Crime immer wieder um falsche Fährten und unvollständige Annahmen, die sich im Nachhinein als übereilt erweisen, aber insgesamt wäre hier deutlich mehr herauszuholen gewesen. Vielleicht hätte man den einen oder anderen Anwohner mehr verdächtig machen können oder einige Nebencharaktere hätten mehr dubiose Geheimnisse haben dürfen. So jedoch ist sehr schnell klar, wohin der Hase läuft. Immerhin entschädigt ein nervenaufreibender Schlusskampf für das zeitweilige Ausbleiben des Whodunit-Rätselns. Unterm Strich sind die Längen und die offensichtliche Auflösung die einzigen großen Mankos des Buchs. Auf der Habenseite stehen dagegen plastische Beschreibungen einer Filmproduktion der 1920er Jahre, das gruselige Mysterium und die Auftritte des "Rächers", ein deutlich angezogenes Tempo in der zweiten Romanhälfte und schön ausgestaltete, gut gezeichnete Handlungsträger. Insgesamt ein durchaus gelungener Roman des Altmeisters mit kleineren Schwächen.

Die Charaktere des Werks sind ausgesprochen vielseitig und für die Verhältnisse von Wallace mit deutlich treffsicherer Raffinesse beschrieben. Michael Brixan ist der gewohnt zupackende Mann mit kriminalistischem Sachverstand und gewissen Marotten. Ein etwas kühlerer und direkterer Typ, weshalb die Besetzung der Rolle mit Heinz Drache im späteren Serienkontext der Rialto als geradezu prophetisch erscheint. Demgegenüber ist die weibliche Hauptperson etwas individueller geraten. Adele Leamington ist zielstrebig, schlagfertig und hat ihren eigenen Kopf. Ganz besonders ihre Souveränität am Ende des Romans ist dem deutlich schmalzigeren Abschluss der Filmversion eindeutig vorzuziehen. Das Filmteam um den jovialen Regisseur Jack Knebworth, die hochnässigen Stars Stella Mendoza und Reggie Connolly und den schmierigen Dramaturgen Lawley Foss ist wunderbar vielseitig geraten. Auch die Gutsbesitzer Sampson Longvale und Sir Gregory Penne sind echte Prachttypen des Wallace-Kosmos und werden sehr ausführlich beschrieben. Major Staines ist der seriöse Chef, während die Malaysier und der Diener Bhag für einen gewissen exotischen Touch sorgen.

Zur Filmadaption von Karl Anton ist zu sagen, dass der Streifen sich sehr nah an der Handlung des Romans orientiert. Manche Dialoge werden fast wortgleich wiedergeben. Gewisse Anpassungen und Kürzungen waren natürlich unumgänglich; vor allem was die Figur des Bhag betrifft. Mag man den Machern aus heutiger Sicht latenten Rassismus unterstellen, muss man sich aber auch fragen, was denn die Alternative gewesen wäre. Ein dressierter Orang-Utan stand schließlich nicht zur Disposition. So ist die Idee eines wilden Eingeborenen, der vor Penne nie Kontakt zu Menschen hatte, zwar eine fragwürdige, aber doch gelungene Lösung. Vermutlich ist hier auch eher die optisch-mimische Darstellung im Film selbst das Problem. Ansonsten ist der Adaption anzumerken, dass die Autoren und der Regisseur die gepflegte Langatmigkeit des Stoffes nicht haben ausmerzen können. Als fatal erweist sich außerdem die Entscheidung, die drei nervenaufreibenden Begegnungen mit dem Wagen des "Rächers" nicht in den Film zu übernehmen. Gerade aus spannungstechnischer bzw. inszenatorischer Hinsicht hätte man aus diesen Passagen viel machen können. Ansonsten ist Anton aber ein ordentlicher Thriller mit viel Atmosphäre gelungen. Besonders exzellent ist die Besetzung. Vor allem Heinz Drache, Friedrich Schoenfelder, Ingrid van Bergen, Klaus Kinski und Benno Sterzenbach passen ganz ausgezeichnet in ihre Rollen. Lediglich Ludwig Linkmann erscheint etwas bemüht und kann nicht unbedingt als Idealbesetzung bezeichnet werden. Ina Duscha ist eine gute Heroine, deren Ausstrahlung und Aufmachung in Kostüm und Schminke ihren Aufstieg von der Komparsin zur Hauptdarstellerin ungemein glaubhaft erscheinen lässt. Und Siegfried Schürenberg beweist, dass er auch ohne Slapstick einen angenehm-sympathischen Vorgesetzten verkörpern konnte. Diese Seite von ihm hätte man im späteren Verlauf der Serie gerne auch das eine oder andere Mal stärker herausstreichen können.

Fazit:

Ein durchaus gelungener Roman, der sicher nicht zum Besten gehört, was der King of Crime in seiner Laufbahn geschrieben hat, der aber dennoch überdurschnittliche Unterhaltung bietet. Zwar sorgen das gedrosselte Tempo der ersten Buchhälfte und die zu offensichtliche Täterauflösung für eine gewisse Ernüchterung, aber der rasante Storyfluss des letzten Romandrittels und die liebevoll-lebhaften Schilderungen des Filmhandwerks der Goldenen Zwanziger machen diesen Eindruck mehr als wett. Hinzu kommen ein vielseitig ausgestaltetes Figurenpersonal, atmosphärisch dicht beschriebene Tatorte und eine wahrhaft furchteinflößende Verbrecherfigur. Summa summarum ein Werk aus dem guten bis gehobenen Bereich des Wallace-Oeuvres.

Meine Wertung: SEHR GUT

"Entspannen Sie sich, durch Hochspannung!"

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 68

03.09.2018 11:14
#10 RE: Der Rächer (1926) Zitat · antworten

@ Mr.Igle

Eine sehr schöne Besprechung des "Rächers". Unsere beiden Einschätzungen sind ja recht nah beieinander. Das ist ja auch mal schön zu sehen.
Du kritisierst sicher zu Recht, dass der Täter ziemlich schnell zu erkennen ist. Aber, mal ehrlich, bei welchem Roman von Edgar Wallace ist das nicht so? Richtige Whodunits wie etwa bei Dame Agatha sind nun mal nicht seine Stärke gewesen. Ich finde, beim "Rächer" hat er sich durch die Einführung des schwertschwingenden lebemännischen Schlossbesitzers und in Maßen auch durch den Filmregisseur bemüht, den Leser auf eine falsche Fährte zu locken, was natürlich kaum gelungen ist. Der Mangel an tatsächlichen Verdächtigen ist eine große Schwäche der Wallace-Bücher. Meist ist es ja derjenige, der neben dem jungen tadellosen Haupthelden auch ein Auge auf die unschuldige Schönheit geworfen hat. Insofern bricht da der "Rächer" sogar aus der üblichen Konstellation aus.
Dass Brixan auf dem Gemälde im Hause von Longvale den berüchtigten Scharfrichter Charles-Henri Sanson de Longval erkannt haben will, zeugt natürlich von großen geschichtlichen Kenntnissen (wer weiß schon wirklich, wie der französische Staatshenker des 18: Jahrhunderts aussah?), aber das Motiv an sich finde ich sehr originell.
Ich finde bei der Verfilmung, dass es die einzig mögliche Alternative war, statt eines Darstellers im Affenkostüm (wie lächerlich hätte das wohl ausgesehen !) doch eher die Figur eines kulturell tiefstehenden Eingeborenen zu verwenden. Sicher sieht es albern aus, wenn man einen Ex-Boxer mit nicht allzugroßer Schauspielerfahrung schwarz anstreicht und wild mit den Augen rollen lässt. Aber irgendwelchen Rassismus würde ich den Machern deswegen nicht unterstellen wollen. Im Prinzip ist es sogar ein Motiv aus einem Wallace-Krimi. Beim "viereckigen Smaragd" bedient sich die Oberschurkin ja ein paar Eingeborener aus Borneo, für die sie dann ja sogar ganz nobel noch Fürsprache einlegt, weil sie ja die hiesigen Rechte und Gebräuche nicht kennen würden und nur ihr gehorchten.
Letzten Endes finde ich es auch unverzeihlich von den Filmemachern, die gruseligen Begegnungen der Helden mit der schwarzen Limousine unterschlagen zu haben.Da wäre viel mehr rauszuholen gewesen.

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