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Dieses Thema hat 4 Antworten
und wurde 385 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker international
Prisma Offline




Beiträge: 7.541

29.01.2018 11:48
Finale in Berlin (1966) Zitat · antworten


FINALE IN BERLIN

● FUNERAL IN BERLIN / FINALE IN BERLIN (GB|US|CH|1966)
mit Michael Caine, Eva Renzi, Paul Hubschmid, Oskar Homolka, Guy Doleman, Heinz Schubert, Wolfgang Völz,
Thomas Holtzmann, Günter Meisner, Herbert Fux, Rainer Brandt, Ursula Heyer, Ira Hagen, John Abineri, u.a.
eine Produktion der Lowndes Productions Limited | Paramount Pictures | Jovera | im Paramount Filmverleih
ein Film von Guy Hamilton




»Der Kommunismus war meine Jugendliebe«


Harry Palmer (Michael Caine), ehemaliger Unteroffizier der Armee, wird vor ein Ultimatum gestellt. Entweder erklärt er sich bereit, als Spion in den Dienst ihrer Majestät zu treten, oder er würde für längere Zeit ins Gefängnis gehen müssen. Ohne eine richtige Wahl zu haben, lässt er sich in das geteilte Berlin abstellen, um dort seinen geheimen Auftrag zu erledigen. Der russische Geheimdienstoberst Stok (Oskar Homolka) hegt Pläne, die Fronten endgültig zu wechseln, und Palmer soll sein Überlaufen mittels einer vorgetäuschten Beerdigung sicher arrangieren. Sein alter Geheimdienst-Kollege Johnny Vulkan (Paul Hubschmid) organisiert die Operation und ein Treffen mit Oberst Stok, außerdem lernt Palmer unter anderem die geheimnisvolle Samantha Steel (Eva Renzi) kennen, die seinen Auftrag kreuzt. Die gesamte Angelegenheit scheint jedoch nicht so einfach vonstatten zu gehen wie gedacht, und es stellt sich die Frage, wen der Agent des britischen Geheimdienstes tatsächlich als Gegenspieler hat...

Guy Hamiltons "Finale in Berlin" bildet neben "Ipcress – streng geheim" von 1965 und "Das Milliarden-Dollar-Gehirn" von 1967 den zweiten Teil der Trilogie rund um den britischen Agenten Harry Palmer, der jeweils von Michael Caine dargestellt wird. Gedacht als realistischere Alternative zur erfolgreich laufenden James-Bond-Reihe, bekommt man Spionage-Thriller der edleren Sorte geboten, und "Finale in Berlin" präsentiert sich in vielerlei Hinsicht auf sehr hohem Niveau. Zunächst lässt sich einmal feststellen, dass bemerkenswert viel Lokalkolorit geboten wird. In diesem Zusammenhang geht somit eine sehr bildgewaltige, sowie originelle Präsentation des Kamera-Spezialisten Otto Heller einher, die auch lange nach dem Anschauen noch in Erinnerung bleiben wird. Die Geschichte verfolgt eine eher ruhige Strategie und punktet durch einen sehr gut strukturierten, hin und wieder intelligenten Aufbau, der weniger reißerische Tendenzen zutage bringt, die man in einem solchen Beitrag vielleicht erwarten würde. Der unaufdringliche Verlauf, die symmetrischen Bilder, auffällig stichhaltige darstellerische Leistungen und der trockene britische Humor ergeben ein rundes Gesamtbild, sodass es für den Zuschauer ein Leichtes ist, sich darauf einzulassen. Permanent werden bekannte Locations in West-Berlin gezeigt, die zusammen mir der noch recht jungen Berliner Mauer zu Dreh- und Angelpunkten für die Operationen der verschiedenen Geheimdienste werden, die mit ihren sehr unterschiedlichen Strategien und Handlangern für das lückenlose Zusammenführen dieses Puzzle-Spiels sorgen werden. Zu jedem Zeitpunkt ist erkennbar, dass die Regie einen sehr hohen Anspruch an diesen Film gestellt hat, damit es bei dieser beinahe ausschließlichen Konzentration darauf immer wieder zu kürzeren Phasen des eigenen Ausbremsens kommt. Steigerungen des Tempos sorgen für Aufmerksamkeit, die Action-Anteile hingegen bleiben eher gewollt rar gesät.

Im schauspielerischen Bereich ist ein interessant zusammengestelltes Aufgebot an internationalen Stars zu begutachten, sowie bekannten deutschen Interpreten. Der Brite Michael Caine prägt das Geschehen wie kein zweiter und stattet seine Rolle mit kühler Eleganz aus. Häufig fällt Palmer durch seine trockenen Kommentare auf und man begleitet letztlich einen Analytiker, der dem Empfinden nach nie den Überblick über die Situation verliert. Auch in prekären Phasen des Verlaufs geht eine spürbare Überlegenheit von seiner Person aus und Caine stattet seine Aktionen insgesamt mit einem guten Schliff aus. Anstelle der ursprünglich eingeplanten amerikanischen Schauspielerin Anjanette Comer, die hier allerdings krankheitsbedingt passen musste, oder wie auch zu hören ist, ausbezahlt wurde, sieht man Eva Renzi erstmalig auf internationalem Parkett, in ihrem erst zweiten Spielfilm. Als Samantha Steel wird sie zunächst als Blickfang integriert, bevor sie langsam aber sicher die Hüllen - im Sinne ihrer eigentlichen Identität - fallen lässt, womit der Verlauf aber nicht lange hinterm Berg hält. Oskar Homolka skizziert das hohe Tier des russischen Geheimdienstes überaus präzise, genau wie es bei Paul Hubschmid der Fall ist. Die Hauptpersonen schüren insgesamt etliche Zweifel, die für eine ordentliche Grundspannung und eine hohe Aufmerksamkeit sorgen. Abrundend füllen deutsche Stars wie Wolfgang Völz, Heinz Schubert oder Herbert Fux den Verlauf sehr ansprechend aus, sodass man von einem globalen Besetzungs-Coup sprechen darf. Trotz der Hochwertigkeit in nahezu allen Bereichen bleibt das unbestimmte Gefühl zurück, dass dem Film eine irgend eine wichtige Komponente zu fehlen scheint, wenngleich man das Kind nur schwer beim Namen nennen kann. Sind es die Vergleiche zu anderen, wesentlich reißerischer angelegten Produktionen, oder hätte man sich insgesamt doch ein bisschen mehr Spektakel gewünscht? Diese Frage bleibt auch nach mehrmaligem Anschauen weitgehend offen, fällt aber keineswegs schwer ins Gewicht. "Finale in Berlin" bleibt unterm Strich ein gut durchdachter und anspruchsvoller Vertreter seiner Gattung, der vor allem im visuellen Bereich beachtliche Ausrufezeichen setzen kann.

Ray Offline



Beiträge: 1.060

29.01.2018 18:30
#2 RE: Finale in Berlin (1966) Zitat · antworten

Die Harry Palmer-Filme stehen bei mir auch schon lange auf dem Wunschzettel. Leider sind die DVDs ja weitgehend vergriffen. Wäre schön, wenn sie nochmal neu aufgelegt bzw. erstmals auf Blu-Ray veröffentlicht werden würden.

Havi17 Offline




Beiträge: 3.037

29.01.2018 21:16
#3 RE: Finale in Berlin (1966) Zitat · antworten

@Ray: Einige Harry Palmer Filme wurden digital auf Sky ausgestrahlt.

Gruss
Havi17

Ray Offline



Beiträge: 1.060

30.01.2018 19:24
#4 RE: Finale in Berlin (1966) Zitat · antworten

Danke, aber Sky habe ich nicht. Vielleicht erbarmt sich ja mal eines der dritten Programme, Arte, 3Sat oder ein Sender wie Tele5... Oder eben Neu-VÖ auf DVD/Blu-Ray.

Ray Offline



Beiträge: 1.060

23.07.2018 19:03
#5 RE: Finale in Berlin (1966) Zitat · antworten

Zitat von Ray im Beitrag #4
Danke, aber Sky habe ich nicht. Vielleicht erbarmt sich ja mal eines der dritten Programme, Arte, 3Sat oder ein Sender wie Tele5... Oder eben Neu-VÖ auf DVD/Blu-Ray.


Arte erbarmt sich und zeigt heute Abend den ersten Harry Palmer-Film "Ipcress -Streng geheim" um 20:15 Uhr. Der Film ist danach auch sieben Tage in der Mediathek abrufbar.

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