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 Film- und Fernsehklassiker national
Percy Lister Offline



Beiträge: 3.397

20.08.2017 14:41
Heimweh nach dir (1952) Zitat · antworten



BEWERTET: "Heimweh nach dir" (Deutschland 1952)
mit: Margot Hielscher, Peter Pasetti, Peter Mosbacher, Wolfgang Lukschy, Wilfried Seyferth, Walter Gross, Käthe Haack, Josefin Kipper, Martin Held, Bully Buhlan, Rita Paul, Paul Esser, Emmy Burg, Renate Feuereissen u.a. | Drehbuch: Aldo von Pinelli | Regie: Robert A. Stemmle

Die fünf Musiker Kurt, Walter, Vicky, Paul und Georg gründen am Vorabend des Zweiten Weltkriegs in Berlin die Tanzkapelle "Flotte Fünf". Als sich Kurt in die Sängerin Marion verliebt, wird seine Freundschaft mit Walter auf eine schwere Probe gestellt, denn auch er liebt die junge Frau. Bei Kriegsausbruch müssen die Männer an die Front und Marion geht zur Truppenbetreuung, die sie nach Amerika führt. Nach Kriegsende treffen die Bandmitglieder nach und nach wieder in Berlin ein. Wird es zu einem Wiedersehen kommen und erhält die Liebe von Kurt und Marion eine zweite Chance?

Die Sehnsucht nach dem geliebten Menschen und der alten Heimat zieht sich wie ein roter Faden durch den nostalgischen Film, der in Erinnerungen an die schöne Jugendzeit badet, als hätte es Krieg und Vertreibung nie gegeben. Natürlich überstehen alle sechs Mitglieder der Tanzkapelle die Kriegsjahre unbeschadet und können sogar in ihre alten Wohnungen zurückkehren. Trümmerlandschaften sucht man vergebens, die alte Fröhlichkeit hat sich ihren Platz im Alltag längst zurückerobert und man empfängt die "Flotte Fünf" mit offenen Armen. Trotz der abrupten Trennung des Liebespaares Kurt und Marion und ihrer zwischenzeitlichen Orientierung nach anderen Partnern besteht kein Zweifel, dass die alte Liebe wieder aufflammen wird, sobald sich die beiden wiedersehen. Berlin ist ein Dorf - davon kann man sich überzeugen, als Kurt - eben aus Wien eingetroffen - den Bahnhof verlässt und an der ersten Würstchenbude seinem alten Freund Paul begegnet. Singende Schornsteinfeger trällern durch die Straßen, von der teils ruppigen Berliner Schnauze ist nichts zu hören und überall trifft man auf freundlich gesinnte Menschen. Greta Fiala, die bildschöne Wiener Freundin des Bandleiters Kurt, verzichtet großmütig auf den Mann, als sie erkennt, dass sein Herz nie wirklich frei für sie war und erspart sich und dem Zuschauer peinliche Ausbrüche. Kann es so viel Harmonie geben? Fast könnte man meinen, Joseph Goebbels hätte seine Gute-Laune-Maschine zur Ablenkung vom Alltag wieder angeworfen, aber nein! Der Mann ist doch bereits seit sieben Jahren tot. Das RIAS Tanzorchester sorgt für flotte Klänge und auch der eine oder andere Polydor-Starauftritt durchbricht die Handlung, was am Ende zu viel des Guten ist. Musikalische Lichtblicke findet man dort, wo sie nicht vermutet werden: am langen Tresen der New Yorker Milchbar, wo "good old Europe" und Berlin gezeigt werden; die Stadt, nach der sich Marion schon längst wieder sehnt.



Dabei hat der Film einige Meriten: Zuallererst muss die Besetzung genannt werden. Herzensbrecher Peter Pasetti, kein Schönling im landläufigen Sinn, sondern ein Mann mit Format, spielt seinen Charme und seine List aus, um beruflich und privat Erfolge zu erzielen. Seine Partnerin Margot Hielscher, die ebenfalls keine klassische Seifenschönheit, sondern eine Frau mit Alltagstauglichkeit ist, scheint die Richtige für gemeinsame Unternehmungen aller Art zu sein, ob es sich nun um Lachsfang am reißenden Fluss, Teestunde bei wichtigen Vertragspartnern oder schalkhafte Wortduelle handelt. Peter Mosbacher als leicht erregbarer Konkurrent um die Gunst der Sängerin bildet das unberechenbare Element im musikalischen Sextett und verkörpert den Wandel. Wolfgang Lukschy und Martin Held drücken ihre unverwechselbaren Stempel auf und passen in die Musikbranche nur insoweit, als sie kühle Rechner sind und ein Händchen fürs Geschäftliche haben. Wilfried Seyferth und Walter Gross sorgen für kumpelhafte Loyalität und eine heitere Sicht der Dinge. Die Liebesgeschichte von Kurt und Marion ist wegen ihrer Darsteller weit weniger sentimental als vom Drehbuch geplant, kann den Zuseher aber dennoch rühren, weil im Leben oft schon ein Missverständnis genügt, um Freunde zu entzweien. Punkten kann der Film auch mit seinen Schauplätzen, die im Sonnenlicht so frisch und unbelastet wirken. Berliner Fixpunkte wie das Flugfeld Tempelhof, der Wannsee oder die Gedächtniskirche unterstreichen die Handlung auf natürliche Weise, weshalb das Heimweh im doppelten Sinn verstanden werden kann: geografisch und seelisch. Und am besten als Kombination aus beidem.

Musikalische Schnulze mit einem glänzend aufgelegten Traumpaar Pasetti und Hielscher vor den Kulissen der unverwüstlichen Stadt Berlin. Für Nostalgiker und Freunde der gepflegten Sonntagnachmittagsunterhaltung. 3,5 von 5 Punkten

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