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Gubanov Offline




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29.06.2017 16:00
Psychout for Murder (1968/69) Zitat · antworten



Psychout for Murder (Salvare la faccia)

Thriller, IT / AR 1968/69. Regie: Edward Ross (d.i. Rossano Brazzi). Drehbuch: Biagio Proietti, Diana Crispo (Story: Oscar Brazzi). Mit: Adrienne la Russa (Licia Brignoli), Rossano Brazzi (Marco Brignoli), Nino Castelnuovo (Mario), Paola Pitagora (Giovanna), Alberto de Mendoza (Francesco), Idelma Carlo (Laura), Renzo Petretto (Paterlini), Nestor Garay (Politiker), Marcello Bonini Olas (Geistlicher), Nerio Bernardi (Hausdiener) u.a. Uraufführung (IT): 2. Februar 1969.

Zitat von Psychout for Murder
Gegen den Willen ihres gestrengen Herrn Papa teilt sich Licia ein Bett mit dem Fotografen und Tunichtgut Mario. Um ihr diese Flausen auszutreiben und den Ruf der Industriellenfamilie wiederherzustellen, lässt Vater Brignoli seine ungezogene Tochter für ein paar Wochen in eine Klinik einweisen. Danach ist Licia psychisch völlig gebrochen, zumal der heißgeliebte Mario sich von Daddy mit ein paar Millionen bestechen ließ. Licia schmiedet einen schrecklichen Racheplan, an dem nun die ganze Familie zugrundegehen soll ...


Gänzlich auf die Beinahe-Schauspieldebütantin Adrienne la Russa zugeschnitten, macht es „Salvare la faccia“ seinem Publikum schwer, als ernsthafter Thriller wahrgenommen zu werden. Knapp verfehlt der Film den schmalen Grat zwischen Pointierung und Überzeichnung, sodass das Endergebnis ein affektiertes, teilweise unfreiwillig komisches Psychospielchen ist, in dem la Russa als weiblicher Hamlet in Ruhe die Zerstörung der eigenen Familie planen kann, nachdem sie erst einmal für nicht ganz zurechnungsfähig erklärt worden ist. Nachdem die Ausgangslage (riskierte Familienreputation, Skandal, Klinikaufenthalt, menschliche Enttäuschung) zügig erläutert wird, nimmt die zunächst mit harmlosen Streichen beginnende und erst dann sukzessive immer weiter eskalierende Rebellion Licias den überwiegenden Hauptteil ein, den sie allerdings nicht wirklich durchgängig zu tragen in der Lage ist. Erst kurz vor knapp zieht die Vendetta des Teenagers tödliche Folgen nach sich – zu späte und zu unspannende allerdings, um den Zuschauer ernstlich von einer Zugehörigkeit dieses Films zum Giallo-Kanon zu überzeugen.

Der Reiz des Films soll sich vielmehr aus der zielstrebigen, eiskalt kalkulierten Vorgehensweise ergeben, in der das enfant terrible an der Zugrunderichtung ihrer wenig liebenswerten Verwandten arbeitet. La Russa demonstriert großen, vielleicht zu großen Enthusiasmus in ihrer Rolle und verliert das Publikum durch ihre anstrengende Art auf halber Strecke als Verbündete. Spätestens als sie sich nicht nur gegen ihren herrischen Vater, den harm- und meinungslosen Playboy-Schwager und ihren schmierigen Lover auflehnt, sondern auch gegen ihre um sie besorgte, in ihrer Lage selbst unzufriedene Schwester intrigiert, hat Licia ihre Sympathien verspielt. Es ist dann nicht mehr sie, sondern die im Spiel sehr viel zurückhaltendere Paola Pitagora, die als tragische Figur des Films gelten muss und die das ihr zugewiesene Ende nicht verdient hat.



Wenn der kurioserweise in Vollbild vorliegende (und in diesem Format stimmig aussehende) Film schon nicht durch inhaltliche Raffinesse besticht, so wird man wenigstens knappe anderthalb Stunden mit ausgefeilten Bildkompositionen und einigen treffsicheren Sticheleien gegen die „heilige Dreifaltigkeit“ aus Wirtschaft, Politik und Religion, in deren Ränkespielen Licias Vater bis zum Halse steckt, unterhalten. Regie und Kamera erweisen sich als experimentierfreudig, was den Stoff davor bewahrt, ins Nervige abzugleiten und dennoch eine eigensinnige Handschrift erkennen lässt. Die gezeigte Schnitttechnik mit mehrfachem schnellem Hin- und Herwechseln zwischen zwei Antagonisten passt sehr gut zur aufgepeitschten Stimmung im Hause Brignoli; das Anwesen der Familie überzeugt durch angemessene Dekadenz und Weitläufigkeit.

Wem an einem authentischen Filmgenuss gelegen ist, der sollte sich allerdings um die italienische Version des Films bemühen. Nicht nur liegt diese in besserer Qualität vor; darüber hinaus enthält die amerikanische Schnittfassung einige geschmacklose Zusatzszenen, die nachträglich von Ted Kneeland gedreht wurden, sowie teilweise eine andere Musik. Dabei erweist sich gerade der verspielte, vollmundig fröhliche Original-Soundtrack von Benedetto Ghiglia als eines der größten Pfunde, mit denen der Film aufwarten kann. „Love your neighbours as yourself, kill them, kill them alright“, tönt es da in beschwingter Endsechziger-Manier aus den Lautsprechern – und natürlich ist das das ideale Parole für Licia Brignolis kompromisslosen Rachefeldzug ...

Wie man „Salvare la faccia“ goutiert, wird im Wesentlichen mit der Beurteilung der schauspielerischen Leistung von Adrienne la Russa zusammenhängen. Der Film gibt ihr Narrenfreiheit und volle Aufmerksamkeit und entwickelt daraus einen abgedrehten Psychothriller, den man nicht ernstnehmen kann und sollte. Die Nebenrollen sind teilweise überzeugender, aber von großem Kino kann hier insgesamt eher nicht die Rede sein. Knappe 3 von 5 Punkten.

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