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Gubanov Offline




Beiträge: 14.862

27.06.2017 21:00
Death Falls Lightly (1972) Zitat · antworten



Death Falls Lightly (La morte scende leggera)

Thriller, IT 1972. Regie: Leopoldo Savona. Drehbuch: Luigi Russo, Leopoldo Savona (Story: Luigi Russo). Mit: Stelio Candelli (Giorgio Darica), Patrizia Viotti (Liz), Tom Felleghy (Anwalt Savara), Fernando Cerulli (Richter Magrini), Veronika Korosec (Adele), Rossella Bergamonti (Marisa), Antonio Anelli (Hotelbesitzer), Lella Cattaneo (Frau des Hotelbesitzers), Franco Marletta (Theaterregisseur), Carla Mancini (Mädchen am Telefon) u.a. Uraufführung (IT): 1972.

Zitat von Death Falls Lightly
Weil seine Frau ermordet im gemeinsamen Schlafzimmer liegt und er für die Tatzeit sein Alibi nicht preisgeben will, bittet Giorgio Darica seine Freunde – einen Richter und einen Anwalt, mit denen er dubiose Geschäfte betreibt – um Hilfe. Auch sie sind darauf angewiesen, dass Giorgio nicht in die Hände der Polizei fällt und organisieren ihm deshalb ein Versteck in einem verlassenen Hotel. Dort verängstigen Dunkelheit und Einsamkeit zunächst Giorgios Freundin Liz, doch als dann sonderbare Personen auf den dunklen Hotelfluren auftauchen und ein zweiter Mord geschieht, zweifelt auch Giorgio an seinem Verstand ...


Leopoldo Savonas „La morte scende leggera“ ist in jeder Hinsicht eine einigermaßen obskure Angelegenheit. Weltweit nicht auf DVD erschienen und auch nie mit einer deutschen Auswertung versehen, fristet dieser Ausnahme-Giallo ein ziemliches Schattendasein neben namhafteren Genregrößen. Inhaltlich bewegt sich Savona – sonst eher im Westernfach zu Hause – fernab der üblichen Giallo-Merkmale. Zwar gibt es einen unbekannten Rasiermesserkiller, allerdings sitzt dessen Tatwaffe nicht so locker, wie man es aus anderen Filmen gewöhnt ist, zumal die Morde sogar meist off-screen geschehen bzw. man sich im zweiten Teil des Films gar nicht mehr so sicher sein kann, ob es sich um echte Tote oder nur um Halluzinationen, Tricks, Fallen oder ähnliches handelt.

Die Ausgangslage ist reizvoll und mit dem unschuldig unter Verdacht zu geraten drohenden Giorgio durchaus genrekonform. Obwohl man schnell erkennt, dass Giorgio Darica Dreck am Stecken und mithin guten Grund hat, sich vor der Polizei zu verstecken, zweifelt man keine Sekunde ernstlich an seiner Unschuld in der Mordsache. Stelio Candelli ist zu einfach gestrickt und zu bodenständig, um als anständiger Giallo-Killer durchzugehen, und erinnert physiognomisch an eine Kreuzung aus James Franciscus und Peter Carsten. Zunächst setzt Giorgio alle Hebel in Bewegung, um seine Haut zu retten, was den Zuschauer rasch in einen Klüngel aus Politik und Justiz, Schiebung und Freundesdiensten einweiht. Die symbiotische Natur dieser Vetternwirtschaft verdeutlicht Savona vor allem in jenen Szenen, in denen die Gauner bzw. hohen Tiere einander vordergründig Honig ums Maul schmieren, dann aber auch – weniger schmeichelhaft – in Gedanken zu Wort kommen, die verraten, was sie wirklich von ihren Gegenübern halten. Wer zu diesem Zeitpunkt allerdings glaubt, dass sich „La morte scende leggera“ zu einem Polit-Giallo wie „Der Tod trägt schwarzes Leder“ oder „The Child“ ausweitet, irrt sich. Savona schüttelt, sobald sich die Handlung ins verdunkelte Hotel verlegt, noch manche unerwartete Trumpfkarte aus dem Ärmel ...



Auch wenn der verlassene Hotelbau eher über einen Siebzigerjahre-Investruinencharme verfügt und sich damit eher nicht für „lone house mystery“-Spannung anbietet (wohl aber das schmale Budget der Produktion verrät, das sich auch in der wenig prominenten Besetzung niederschlägt), so kommt es dort zu einigen gelungenen Spannungsmomenten. Diese ergeben sich zunächst aus den zunehmenden Zwistigkeiten zwischen Giorgio und Liz, die der klaustrophobischen Stimmung im Unterschlupf geschuldet sind. Mit dem Auftauchen der kuriosen, „verrückten“ anderen Hotelbewohner schwenkt die Stimmung dann abermals um – diesmal ins Unerklärliche, fast Übersinnliche, wobei der Film am Ende schon eine einigermaßen plausible, wenngleich natürlich einigermaßen konstruierte Auflösung offeriert.

Neben dem soliden Candelli kann sich vor allem Patrizia Viotti als Gangsterliebchen mit eigenem Kopf profilieren. Die Schauspielerin mit der ansonsten eher kurzen, sexlastigen Filmografie kennen Giallo-Freunde am ehesten noch aus „Amuck“, wo sie als verschwundene Sekretärin und damit als Vorgängerin von Barbara Bouchet zu sehen war. Ein blondes Hauptdarstellerduo ist ungewöhnlich für einen italienischen Krimi, aber gerade aufgrund der vielen Szenen in den dunklen Hotelzimmern und -treppenhäusern erweist sich die Besetzung als sinnvoll. Kleine Akzente am Rande setzen auch Tom Felleghy und Fernando Cerulli als korrupte und nicht minder exzentrische Freunde. Ein weniger gutes Händchen muss dem Film bei der Musikuntermalung attestiert werden, die im Wesentlichen aus einem unpassenden Rocksong besteht. So ausgefallen diese Wahl auch ist, so gut waren die Gründe anderer Regisseure, auf eine solche Wahl in Gialli zu verzichten. Wahrscheinlich hätte auch Savona einen „echten“ Soundtrack bevorzugt, wenn die Produktion der kurzlebigen Agata-Film (daneben nur noch eine Westernkomödie und ein Erotik-Horrorfilm) nicht auf solcher Sparflamme entstanden wäre.

Ein solider Giallo, der ein Potpourri von Einfällen und Einflüssen mit bescheidenen Mitteln unter einen Hut zu bringen versucht. Die Erzählweise weckt und hält das Interesse des Zuschauers, die unbekannten Schauspieler machen einen guten Job. Insgesamt hätte man sich aber gewünscht, der Film hätte sich auf eine seiner drei Thematiken (Politikkrimi, Psychothriller oder abgedrehtes Schauerspektakel) konzentriert und die guten Ansätze detaillierter ausgebaut. 3,5 von 5 Punkten – für Kenner durchaus eine Entdeckung wert.

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