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Dieses Thema hat 41 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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Ray Offline



Beiträge: 1.098

15.08.2018 23:21
#31 RE: Babylon Berlin: Die Gereon-Rath-Krimis von Volker Kutscher Zitat · antworten

Auch Gereon Raths vierter Fall Die Akte Vaterland ist durchgelesen.

Volker Kutscher ist es einmal mehr gelungen, einen mehr als 550 Seiten langen Kriminalroman zu schreiben, der ungemein geschickt konstruiert ist und an keiner Stelle langweilt. Im Grunde muss Rath hier gleich drei Morde bzw. Mordserien aufklären. Zum einen jene, die durch das "Phantom" begangen werden, wobei die Ermittlungen mehr als schleppend verlaufen. Ablenkung bietet eine weitere Mordserie, die im Vergnügungslokal "Haus Vaterland" seinen Anfang nimmt und Rath bald nach Ostpreußen führt. Hier lernen Rath und der Leser die Stadt Treuburg (heute: Olecko) und ihre Einwohner kennen, die wenige Jahre zuvor in einer Volksabstimmung zu 100% für eine Zugehörigkeit zu Ostpreußen und gegen Polen gestimmt haben. Nationale Tendenzen sind hier schon deutlich ausgeprägter als im großen Berlin. In diesem Örtchen trifft Rath im Laufe seiner Ermittlungen nicht nur auf einen als "Quasi-Indianer" lebenden (!), sondern löst auch noch einen Jahre zurückliegenden Fall, der Grundlage für die Mordserie in Berlin ist. In Berlin selbst muss Charly, die für die Ermittlungen der Kriminalpolizei zugeordnet ist, zusehen, wie der "Preußenschlag" seine Opfer fordert. Rath und Charly verloben sich zu Anfang, ihre Beziehungsrobleme löst dies jedoch nur sehr bedingt.

Es bleibt also in jeder Hinsicht spannend, freue mich schon auf Raths fünften Fall!

Ray Offline



Beiträge: 1.098

30.09.2018 17:47
#32 RE: Babylon Berlin: Die Gereon-Rath-Krimis von Volker Kutscher Zitat · antworten

Ich darf daran erinnern, dass heute um 20:15 Uhr in der ARD die ersten drei Folgen von "Babylon Berlin" ausgestrahlt werden. Bin schon sehr gespannt, nachdem ich mir romantechnich ja schon einen kleinen "Vorsprung" herausgearbeitet habe, wie nun der erste Roman umgesetzt wurde. Nach langer Zeit mal wieder ein Grund, Sonntag abends den Fernseher einzuschalten.

Auf dieser Seite gibt es zahlreiche Infos, Podcasts sowie den den ersten beiden Staffeln zugrunde liegenden Roman "Der nasse Fisch" als Hörspiel: https://www.daserste.de/unterhaltung/ser...rlin/index.html

Gubanov Offline




Beiträge: 15.570

30.09.2018 18:00
#33 RE: Babylon Berlin: Die Gereon-Rath-Krimis von Volker Kutscher Zitat · antworten

Bin auch gespannt, wie die Folgen nun wirklich geraten sind. Sie werden ja sehr gelobt, wenngleich man offenbar keine allzu große Romantreue erwarten sollte. Ich werde sie auf jeden Fall aufzeichnen und dann relativ bald sehen.

Die DVDs und Blu-rays zur ersten Staffel erscheinen schon am 5. Oktober, zur zweiten (sowie eine Komplettbox) am 19. Oktober. Bereits vor zwei Tagen veröffentlicht wurde darüber hinaus ein edles Begleitbuch zur Serie von Michael Töteberg (Link zur Verlagshomepage).

Havi17 Offline




Beiträge: 3.048

01.10.2018 01:21
#34 RE: Babylon Berlin: Die Gereon-Rath-Krimis von Volker Kutscher Zitat · antworten

Um diese Serie gibt es einen Riesen-Hype. Die aktuelle Hörzu ist fast um ein Drittel dicker.
Mit Serien werden die Zuschauer von Morgen geködert und das um sich von den Streaming-Diensten
abzuheben, welche das auch erkannt haben. So ist es nicht verwunderlich, daß Sky diese Serie
ins Programm genommen hat und vermutlich die ARD eine große Summe dafür ausgegeben hat,
anders wäre der Rummel in den großen Programmzeitschriften auch nicht zu erklären. Umso
bedauerlicher finde ich es, daß gute Spielfilme zulasten dieses Trends ins Hintertreffen
geraten. Oder schauen wir uns künftig Serien auch im Kino an :);

Gruss
Havi17

Edgar007 Offline




Beiträge: 2.310

01.10.2018 07:20
#35 RE: Babylon Berlin: Die Gereon-Rath-Krimis von Volker Kutscher Zitat · antworten

Hab die erstren drei Teile gestern abend gesehen. Allerdings kann ich (bis jetzt) den Hype um die Serie nicht verstehen. Sicher nicht schlecht gemacht, aber da muss noch mehr kommen.

Ray Offline



Beiträge: 1.098

01.10.2018 21:24
#36 RE: Babylon Berlin: Die Gereon-Rath-Krimis von Volker Kutscher Zitat · antworten

Ja, richtiggehend begeistert bin ich ebenfalls (noch) nicht. Das liegt aber in Teilen sicher daran, dass auch nach drei Folgen noch nicht so furchtbar viel passiert ist. Viele Figuren wurden eingeführt, manche Dinge deuten sich an, richtig in die Gänge wird die Handlung aber noch kommen. Ein paar "romanfremde Inhalte" waren auch dabei. So scheint man auch ein Stück weit die Vorgeschichte von Charly mit einzubauen, denn hier lebt sie noch bei ihrer Familie und scheint der Prostitution nachzugehen, möglicherweise wurde dieser Stoff aus dem Spin-Off "Moabit" entnommen, den ich noch nicht gelesen habe. Gerade für Leute, die "unvorbereitet" an die Serie gegenagen sind, war das sicher ein bisschen viel auf einmal. Spontan gefallen - und das ist für den weiteren Verlauf ja nicht unwesentlich - haben mir die beiden Hauptdarsteller, obwohl man wie immer, wenn man vor einer filmischen Umsetzung zugehörige Romane liest, optisch ein anderes Bild im Kopf hatte. Donnerstag geht es weiter. Quotentechnisch sah es wohl recht gut aus, 7,83 Millionen Zuschauer waren im Durchschnitt nach den Hochrechnungen dabei.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.570

02.10.2018 23:01
#37 RE: Babylon Berlin: Die Gereon-Rath-Krimis von Volker Kutscher Zitat · antworten

Habe die drei Folgen von Sonntag jetzt auch gesehen. Ein sofortiges Urteil möchte ich nicht fällen, weil es sehr ungewohnt ist, so eine polierte deutsche Produktion zu sehen. Ich habe mich stellenweise diebisch gefreut, aber insgesamt hätte in über zwei Stunden Laufzeit durchaus schon mehr herumkommen können. Es scheint eher um das monumentale Sehereignis als um konzentriertes Storytelling zu gehen - damit gibt sich die Serie trotz ihres alten Gewands eben als ein ganz modernes Produkt zu erkennen.

Jan Online




Beiträge: 1.336

05.10.2018 20:05
#38 RE: Babylon Berlin: Die Gereon-Rath-Krimis von Volker Kutscher Zitat · antworten

Ich habe die erste Staffel bereits durch und bin durchaus angetan davon. Es stehen hier - erwartungsgemäß! - die Dekors und Bauten ziemlich deutlich im Vordergrund, jedoch sind sie so wunderbar gut gelungen, dass es wenig weh tut, den einen oder anderen Durchhänger in der nicht über die Maßen komplexen Geschichte zu verwinden. Die Darsteller hingegen sind zumindest für mich nicht derart erwartungsgemäß ausgesucht: Anstatt auf große Namen bei den Hauptrollen zu setzen, präsentiert "Babylon Berlin" einige weniger bekannte Gesichter in großen Rollen und verweist deutsche TV-Stars wie Benno Fürmann oder Lars Eidinger in die zweite Reihe. Hochkarätig bleibt das Ensemble dennoch durch die Bank. In ihrer naiv-liebevollen Darstellung brilliert die schöne Liv Lisa Fries an erster Stelle noch vor dem viel spröder angelegten Part Volker Bruchs. Will man unbedingt etwas bemängeln, mag man anführen, dass vergleichbar angelegte Serien wie beispielsweise "Die Sopranos" besser darin sind, ihre Zuschauer an die Charaktere zu binden. Eine echte Identifikationsfigur in "Babylon Berlin" ist schwer auszumachen. Am ehesten ist es wohl die von Liv Lisa Fries dargestellte Lotte.

Letztlich muss auch in so einer kurzen Bewertung ein Wort zum Soundtrack verloren werden. In Zeiten simpler Klangteppiche ist das 40-Millionen-Euro-Werk natürlich in der Lage, einen ganz anderen Sound aufzufahren. Gekleckert haben die Macher folglich nicht. Die vom MDR-Sinfonieorchester eingespielten Stücke wirken monumental und modern bzw. fast zeitlos. Das Hauptstück "Zu Asche - zu Staub" hat nicht nur echten Ohrwumrcharakter, es könnte mit seinem Drum-Solo auch ein Kind der 1960er Jahre sein. So gereicht die Tanzszene im famos ausgestatteten Nachtclub Moka Efti zum optischen wie klanglichen Höhepunkt in der ersten Staffel. Musikalisch stimmt in "Babylon Berlin" alles, ein echter Wurf!

Zusammenfassend bin ich überaus zufrieden mit der ersten Staffel und freue mich, bald die zweite hinterherschieben zu können!

Gruß
Jan

Ray Offline



Beiträge: 1.098

03.11.2018 15:17
#39 RE: Babylon Berlin: Die Gereon-Rath-Krimis von Volker Kutscher Zitat · antworten

Bald sind die letzten Folgen der ersten beiden Staffeln von "Babylon Berlin" gesendet, vor wenigen Tagen erschien der siebte Gereon Rath-Krimi "Marlow" in Romanform.

Ich habe schon länger Roman Nummer 5 "Märzgefallene" durchgelesen und kann sagen, dass das hohe Niveau aufrechterhalten wird. Man ist fast geneigt, diesen fünften Roman als bisher besten einzustufen, was natürlich ein Stück weit an der historischen Zuspitzung liegt, die mit dem Jahr 1933 verbunden ist. Durch die Figuren wird man Zeuge des Reichstagsbrandes mit all seinen Begleiterscheinungen. Drumherum ereignet sich eine Mordserie, die ihre Wurzeln im Ersten Weltkrieg hat. Klar ist aber auch, dass dieser Fall angesichts der äußeren Umstände anders abläuft als wenn er sich ein oder zwei Jahre zuvor zugetragen hätte. So muss Rath den Fall noch mehr als sonst auf seine ganz eigene Weise und ein bisschen an der Öffentlichkeit vorbei lösen. Im privaten Bereich kommt es zur Trauung von Rath und Charly und auch etwas anderer Familiennachwuchs steht ins Haus...

Es bleibt weiter spannend!

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 80

03.11.2018 20:32
#40 RE: Babylon Berlin: Die Gereon-Rath-Krimis von Volker Kutscher Zitat · antworten

Babylon Berlin - Geschichte oder Propaganda ?

Zu der Serie hatte ich zum Beginn trotz der verwirrenden Handlung eher ein positives Verhältnis. Doch allmählich kommt es so wie befürchtet. Die Ausstattung ist schon Luxus, wenngleich sicherlich alles andere als historisch korrekt. Das trifft aber auch schwerwiegender auf die Handlung und die darin befindlichen geschichtlichen Implikationen zu. Der Grundtenor ist doch wieder mal so, alle jenseits vom linken Rand befindlichen Strömungen zu diskreditieren. Das fängt mit einer Erpressungsgeschichte mit angeblichen geheim gemachten Sexfotos von Konrad Adenauer an. Der spätere Bundeskanzler der BRD, ein bekennender Konservativer, stand nie in dem Ruf, abartigen Sado-Maso-Lastern mit Prostituierten zu frönen (Allerdings gab es da mal in der Zeit der Babylon-Handlung um 1930 herum eine Affäre wegen "schwarzer Gelder"). Auch wenn sich dann weiterhin herausstellt, dass die Sex-Spur falsch war, ist der Ruf doch ruiniert ! Darf man eigentlich so mit Personen der Zeitgeschichte umspringen ? Hätte man das Gleiche auch mit SPD-Urgestein Willy Brandt angestellt, bei dem es u. U. wesentlich angebrachter gewesen wäre ?
Aber weiter: Den verletzten Polizisten, der als Rechtfertigung der drastisch vorgehenden Polizei für den "Blutmai" herhalten musste, hat es tatsächlich gegeben, doch der hatte nur eine durchschossene Hand und wurde nicht so medienwirksam im Rollstuhl herumgefahren, wie in der Serie dargestellt. Ja, der historischen Verdrehungen gibt es viele.
Da singen die Reaktionäre mit hasserfülltem Gesicht: "Wer hat uns verraten ? Sozialdemokraten!". Dem Regisseur scheint ganz entgangen zu sein, dass dieser Spruch von den Ultralinken dieser Zeit erfunden wurde, denen die SPD zu wenig revolutionär war, also aus einer ganz anderen Ecke kam.
Die KPD-Kommunisten werden eigentlich auch nur als Opfer dargestellt. Mit ihrem Ziel eines von Moskau gesteuerten Sowjet-Deutschlands hätten sie mit Sicherheit auch nicht die Erwartungen der ausgebeuteten Massen erfüllt, denn was in der Sowjetunion der Dreißiger Jahre so abging, das war ja, vorsichtig formuliert, ebenfalls nicht gerade menschenfreundlich. Von Stalins Plänen für ein kommunistisches Deutschland mal abgesehen, aber das ist sehr spekulativ.
Weiter geht es mit angeblichen Putschplänen finsterer rechter Verschwörer gegen den amtierenden sozialdemokratischen Reichskanzler und die junge Republik. Wir befinden uns, wohlgemerkt, mitten im Jahre 1929, noch vor dem "Schwarzen Freitag", als die Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung in Deutschland noch oder besser wieder recht stabil war. Das Putschszenario der in der Serie dargestellten "Schwarzen Reichswehr" gab es bis zum Jahre 1923, dem Jahr der Hyperinflation. Danach wurden nur noch geheime Militärübungen veranstaltet, wovon die Alliierten übrigens wahrscheinlich wussten. Auch die geheime Fliegerschule im russischen Lipezk war kein verstecktes Mysterium irgendwelcher Umstürzler, sondern quasi ein "offizielles" Geheimprojekt der legalen Reichswehr, um die Beschränkungen des Versailler Vertrages zu unterlaufen. Ein Putschversuch um 1929, um den Kaiser wieder zurückzuholen, ist einfach absurd.
Gewiss sind die in der Serie dargestellten monarchietreuen Militaristen alles andere als Sympathieträger (ich finde sie auch zum K...n), doch man sollte sich mal fragen, was passiert wäre, wenn ihr Plan tatsächlich geglückt wäre. Ein neues Kaiserreich wäre nach dem Börsenchrash sicher kein Zuckerschlecken gewesen, doch hätten diese Leute wohl den Zügel von Anfang an fest in der Hand gehabt und sich nicht, wie später geschehen, mit den Nationalsozialisten verbündet, um die Macht zu erringen (Das war ja der allergrößte Fehler !). Zwischen den Monarchisten oder Konservativen mit ihrem Ziel, den "Schandvertrag" von Versailles zu revidieren und den Nazis mit ihrem maßlosen Eroberungsdrang gab es kaum Sympathien. Das zeigt sich auch darin, dass viele Gegner Hitlers aus eben diesem Spektrum kamen, die des geplanten Staatsstreiches von 1938 etwa oder auch die Verschwörer des 20. Juli 1944 - das waren beileibe keine Linken. Auch Hitler hat für seine Abneigung gegen diese Leute von Anfang an kaum einen Hehl gemacht.
So hätte es wohl keinen Holocaust und keinen Vernichtungskrieg im Osten gegeben, die Geschichte wäre mit Sicherheit nicht so radikal verlaufen. Hätte Hitler den Sieg erringen wollen, hätte er tatsächlich offen einen Umsturz führen müssen und hätte sich nicht die Macht erschleichen können, wie man heute ja immer sagt. Möglicherweise wäre der konservative Putsch, wenn er denn geglückt wäre, das kleinste Übel gewesen, mit den Nazis und den Kommunisten als Alternativen. Aber solche einfachen Zusammenhänge mal zu durchdenken, das ist den Filmemachern wohl zu viel, pauschal wird gegen alles "Rechte" gewettert, im Anschluss wird noch eine Sondersendung nach der anderen gebracht, um die "Lehren von Weimar" nachdrücklich in die Köpfe zu hämmern, obwohl es bei "Babylon Berlin" überhaupt noch gar nicht um die Nationalsozialisten ging. Hauptsache ist wohl, alles in einen Topf zu werfen, was nicht in das eigene Konzept passt, egal, ob es nun historisch stimmig ist oder nicht. Typisch für den heutigen Zeitgeist und das jetzige inhaltliche Niveau von Produktionen, wirklich intelligente Unterhaltung gibt es kaum mehr.

Sorry, das musste jetzt mal raus. Ich habe die Weisheit auch nicht mit Löffeln gefressen und will auch keinesfalls die Gefahr von Rechtsextremisten verharmlosen, bin aber doch sehr an wirklicher Geschichte interessiert. Es gibt eine Menge auch "seriöse" Literatur zum Thema "Weimarer Republik" und "Drittes Reich", die auch komplexere Zusammenhänge beschreibt und die jeder Interessierte lesen kann. Das hätten die Drehbuchschreiber auch machen sollen.
So hätten sich die Filmemacher lieber mehr an die Buchvorlage von "Der nasse Fisch" halten sollen, als ausufernde und ideologisch gefärbte fragwürdige Zusatzhandlungen zu kreieren und altbekannte Plattitüden zu bedienen. Als ob die Realität der Schlussphase der Weimarer Republik nicht schon schlimm genug gewesen wäre !
Es bleiben als Gewinn eigentlich nur gute Schauspieler und die schöne, wenngleich wohl sehr modernisierte 20'er-Jahre-Atmosphäre. Das inspiriert mich immer wieder zu dem Gedanken, warum man mal nicht eine werkgetreue Edgar-Wallace-Verfilmung in der Zeit ihrer Entstehung drehen sollte. Am besten einen seiner aktionsreicheren Romane, wie den "Roten Kreis" oder den "Frosch". Gute klassische Krimi-Unterhaltung ohne moralischen Zeigefinger und ständige Verweise auf das kommende "Dritte Reich" in der Zeit der goldenen Zwanziger, das sollten doch wohl wenigstens englische Produzenten hinbekommen.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.570

03.11.2018 21:36
#41 RE: Babylon Berlin: Die Gereon-Rath-Krimis von Volker Kutscher Zitat · antworten

Ich wollte eigentlich nichts dazu schreiben, aber ich habe teilweise sehr ähnliche Gedanken gehabt, gerade was den Adenauer-Subplot, die stark in den Vordergrund gespielte Rolle der Polizei im sogenannten Blutmai und auch die kolportagehafte Figurenzeichnung der Ermittler angeht (Rath mit 08/15-Kriegstrauma und ständigem Griff zur Beruhigungsdroge, Bruno Wolter plakativ zwischen Puff und Armeekameraden). Da schimmern ganz unverhohlen einseitige politische Botschaften durch, die zusammen mit der doch recht langwierigen Erzählweise und einigen ungelenken Modernismen dafür gesorgt haben, dass ich mir nach Sichtung von Staffel 1 den Rest nun erstmal aufspare.

Eine ordentliche Wallace-Serie könnte in Anbetracht dieser Eindrücke wohl wirklich nur von englischen Produzenten geschultert werden, weil sie, wenn sie ohne weltanschaulichen Firlefanz auskommen soll, hierzulande für Produktionsverantwortliche einfach eine zu positive (vulgo "unkritische") Polizeidarstellung bedeuten würde.

Havi17 Offline




Beiträge: 3.048

03.11.2018 22:22
#42 RE: Babylon Berlin: Die Gereon-Rath-Krimis von Volker Kutscher Zitat · antworten

Zitat von Havi17 im Beitrag #34
Um diese Serie gibt es einen Riesen-Hype. Die aktuelle Hörzu ist fast um ein Drittel dicker.
Mit Serien werden die Zuschauer von Morgen geködert und das um sich von den Streaming-Diensten
abzuheben, welche das auch erkannt haben. So ist es nicht verwunderlich, daß Sky diese Serie
ins Programm genommen hat und vermutlich die ARD eine große Summe dafür ausgegeben hat,
anders wäre der Rummel in den großen Programmzeitschriften auch nicht zu erklären. Umso
bedauerlicher finde ich es, daß gute Spielfilme zulasten dieses Trends ins Hintertreffen
geraten. Oder schauen wir uns künftig Serien auch im Kino an :);
Da habe ich wohl nichts verpasst und meine Zeit für bessere Filme verwenden können.

Gruss
Havi17

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