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Dieses Thema hat 3 Antworten
und wurde 451 mal aufgerufen
 Francis Durbridge
Percy Lister Offline



Beiträge: 3.390

24.04.2016 19:52
Schlauer als der Täter - Welche Fehler führten zu seiner Verhaftung? Zitat · antworten

Jeder Mörder macht einmal einen Fehler - diese Binsenweisheit möchten Georg und ich in diesem Thread aufgreifen und die Straßenfeger von Francis Durbridge unter diesem Aspekt beleuchten. Den Anfang macht:

"Ein Mann namens Harry Brent"



ACHTUNG! Enthält Spoiler!

Boss: William Brother
Helfer: Barbara Smith (tötet Sam Fielding), Garderobenfrau von Mrs. Dawson (überwacht die Schauspielerin), Kevin Jason (bricht beim Inspektor ein, beschattet Harry Brent), Filey (soll Brent und Jane töten), Reg Bryer (leitet Informationen weiter)

Der Supermarktbesitzer William Brother betreibt zwei Geschäfte und ist im Begriff, einen dritten Laden zu eröffnen. Er ist seit ein paar Jahren mit Phyllis Deffold verheiratet, die vor ihrer Ehe im Werk von Sam Fielding die Kantine leitete. Mittlerweile hat sich das Paar auseinandergelebt und während Brother sich zunehmend seinen Geschäften widmet, hat Phyllis ein heimliches Verhältnis mit dem Gutsbesitzer George Conway.

William Brother gibt sich im Umgang mit der Polizei zunächst ahnungslos und passiv. Er scheint in privaten Dingen resigniert zu haben und schafft es damit vorerst, die Polizei von einem Verdacht gegen ihn abzulenken. Inspektor Wallace schenkt seinen Aussagen mehr Glauben als jenen von Phyllis Brother. Die Schilderungen der ehemaligen Haushälterin von Sam Fielding lassen erstmals Zweifel an Brother aufkommen. Mrs. Green, eine redliche und einfache Frau, überzeugt den Inspektor vom doppelten Spiel des Supermarktbesitzers, der sich am Tod von Fielding zumindest bereichern wollte.

Gert Haucke - ohnehin kein Sympathieträger - kämpft in der Publikumsgunst um den großen Schurken im Hintergrund mit dem weitaus versierteren Günther Ungeheuer. Die herbe Eleganz des Geistes, die Ungeheuer transportiert, findet im grob und ungelenk wirkenden Haucke keinen Widerhall. Hier liegt vermutlich der wahre Grund für das Scheitern eines William Brother. Nicht der Supermarktbesitzer sollte der Mann im Schatten sein, sondern Harry Brent, dessen Fühler nach allen Seiten ausgestreckt sind. Er besitzt Klasse und ist in der Lage, präzise und eiskalt zu planen. Eine Flucht über den Heuboden inklusive wilder Schießerei hätte es bei ihm nicht gegeben. Wie dem auch sei, hat Brother viele Fehler gemacht, die letztendlich zu seiner Verhaftung führten.

Erstens: William Brother zog zu viele Personen ins Vertrauen bzw. spannte sie als Helfer ein. Private und geschäftliche Kontakte zu vermischen, machte ihn vom Vertrauen abhängig, das er teilweise ungerechtfertigt in sein näheres Umfeld setzte. Er schätzte Gefühle falsch ein und bot dadurch eine Angriffsfläche, weil sich Verbündete gegen ihn wandten. Im Fall seiner untreuen Ehefrau konnte das Ende ihrer Loyalität nur durch einen Mord korrigiert werden.

Zweitens: Das Delegieren verschiedener Aufgaben an seine Helfer lenkte zwar den Verdacht von sich ab, macht Brother aber auch abhängig von der genauen Ausführung seiner Befehle. Einige Mitglieder der Gruppe, wie z.B. Filey hatten zu große Macht und es lag an ihren Fähigkeiten, ob kritische Momente des Unternehmens von Erfolg gekrönt sein würden (siehe Indoktrinierung der Neuseeländerin Barbara Smith bzw. Attentat auf Brent und Jane).

Drittens: Selbstüberschätzung brach Brother - wie so vielen anderen - das Genick. Wenn es sich um Geschäfte mit höchster Geheimhaltung handelt, sind die Zusammenhänge für Laien schwer zu überschauen. Er begab sich in Abhängigkeit einer Organisation, deren Verflechtungen unübersichtlich sind und deren Kontaktpersonen im Falle einer Nichterfüllung der geforderten Leistung keinesfalls mit sich spaßen ließen - mit den entsprechenden Konsequenzen für den verschuldeten Geschäftsmann.

Georg Online




Beiträge: 2.764

24.04.2016 19:58
#2 RE: Schlauer als der Täter - Welche Fehler führten zu seiner Verhaftung? Zitat · antworten

"Cherchez la femme, Inspektor Wallace!"

(Fast) alle Bösewichter bei Francis Durbridge haben eines gemeinsam: sie sind keine Einzeltäter, sondern Hintermänner einer größeren oder kleineren Verbrecherorganisation, die sich mit den verschiedensten Straftaten beschäftigt, von Hehlerei über Erpressung bis hin zur Spionage. Mord ist dabei häufig nur ein notwendiger Nebeneffekt, um Mitwisser auszuschalten. Denn wer nicht alleine agiert, läuft stets Gefahr, dass ihm andere gefährlich werden können. Loyalität und Ehrlichkeit sind in diesen Kreisen nämlich rar.
Kleinere Handlanger und Ganoven, die eben mal für 50 Pfund einen Job fürs schnelle Geld erfüllen (man denke etwa an Eddie Meadows in „Die Schlüssel“), kennen das Gesicht des großen Unbekannten meist selbst nicht, aber es gibt stets eine handvoll Leute, die im engsten Kreis des Chefs arbeiten und die ihm letztlich auch zum Verhängnis werden könnten.
Natürlich wäre es nicht Durbridge, wenn diese Leute nicht früher oder später das Zeitliche segnen würden, um den Fall nicht allzu rechtzeitig zu beenden.

„Ein Mann namens Harry Brent“ ist ein Paradekrimi was die Konstellation großer Hintermann (im Film als „Mister X“ bezeichnet) + Handlanger + Werkzeuge betrifft.
Unser Mister X, wie wir ihn hier weiter nennen wollen, leitet eine Organisation, die durch Erpressung und Spionage zusammen gehalten wird.
Neben stärkeren Gliedern in der Kette, wie Hausmeister Reg Bryer oder den eiskalten Killer Filey, der mit seinem Gewehr immer und überall einsetzbar ist, gibt es da auch Kevin Jason.
Jason arbeitet treu für Mister X, ohne sich jedoch bewusst zu sein, dass er zum Bauernopfer wird, als dieser ihn vor der Polizei mit der Füllfeder-Geschichte belastet.
X befreit Jason aus der Haft und legt ihn anschließend um, seine Leiche verschwindet bis zum Ende. Erst als diese aufgefunden wird, wird den Ermittlern klar, welches Spiel X spielt und dass er der große Hintermann ist. So wird die Befreiung und Ermordung Kevin Jasons letztlich Mister X zum Verhängnis.
Ein wichtiger Schwachpunkt in Mister X' Organisation und Plänen sind jedoch die Frauen.
So mutet es schon ziemlich riskant an, dass man einen solch ausgeklügelten (Mord)plan auf einer Rauschgiftsüchtigen wie Barbara Smith aufbaut, von der man sich nun wirklich nicht sicher sein kann, dass sie Fielding tötet und anschließend Selbstmord begeht. Eine derart labile Persönlichkeit ist eigentlich für einen Profi wie X ein zu hoher Risikofaktor. Aber natürlich würde die gesamte Geschichte nicht funktionieren, wenn Barbara nicht wie geplant auf den Friedhof gefahren wäre, Blumen am Grabe von Brents Eltern abgelegt hätte und anschließend als freundliche Sekretärin zum Vorstellungsgespräch gefahren wäre.
Nummer 2 der lockeren Glieder in der Kette ist Phyllis Brother. Ihr Verhältnis mit George Conway ist ein Risikofaktor, denn X erpresst Conway damit. Zumindest hinter das Fremdgehen Georges hätte Inspektor Wallace kommen müssen und dann wäre es kein weiter Schritt zur Überlegung mehr gewesen, dass irgend jemand diese Geschichte kriminell ausnützen könnte. Die Frage stellt sich hier überhaupt, warum X Conway direkt erpresst. Das ist doch viel zu gefährlich, wozu hat er seine Handlanger wie Reg Bryer, Filey oder Kevin Jason? Hätte er einen dieser Kleinkriminellen auf Conway angesetzt, wäre er zumindest auf dieser Front über jeden Verdacht erhaben gewesen.
Phyllis Brother und ihre Geschichte über das Treffen zwischen Harry Brent und Sam Fielding mutet etwas seltsam an, zumal man im Nachhinein gar nicht weiß, wieviel davon wirklich stimmte und weshalb sie für X, mit dem sie ja gar keine gute Beziehung mehr hatte, deshalb bei Inspektor Wallace vorspricht. Für X wird sie schließlich so gefährlich, dass sie aus dem Wege geräumt werden muss.
Einen weiteren Fehler begeht X, als er sich wegen des Füllfederhalters von Sam Fielding mit der verschrobenen Haushäterin Mrs. Green in Verbindung setzt. Auch hier wäre doch ein anderer Weg geschickter gewesen. So muss er, nachdem die ungeschickte Mrs. Green in Inspektor Wallace‘ Falle tappt, umständlich die Geschichte zuerst abstreiten und behaupten, er habe Mrs. Green 50 Pfund nur als „Almosen“ gegeben, um wenig später eine recht umständliche Story zu erfinden, die damit endet, dass der obenerwähnte Jason als Bauernopfer liquidiert werden muss, um ihn mit allem belasten zu können.
Die schwachen und unberechenbaren Glieder in der Kette sind bei „Harry Brent“ die Frauen, deren Verhalten und Unvorsichtigkeit X stets zu (unüberlegten) Handlungen zwingen, die letztlich für ihn fatal sind. Man denke nur, welchen Dominoeffekt der Füllfederhalter auslöst: als Mrs. Green sich mit dem falschen Füllfederhalter verrät, setzt sie Ermittlungen gegen X in Gang. Dieser braucht einige Zeit, um Jason belasten zu können, was wiederum dessen Ermordung notwendig macht. Die Leiche des Mannes führt schließlich dazu, dass Inspektor Wallace endgültig X verdächtigt und ihm die finale Falle stellt.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.390

18.12.2016 14:55
#3 RE: Schlauer als der Täter - Welche Fehler führten zu seiner Verhaftung? Zitat · antworten

In unserer zweiten Untersuchung widmen wir uns "Tim Frazer - Der Fall Salinger", der in der dunklen Jahreszeit ausgestrahlt wurde (10.01.1964 - 20.01.1964), als sich das Publikum gern vor dem Bildschirm versammelte. Kurz vor Sendebeginn bereitete der eine vielleicht noch einen tassenfertigen Bronchialtee von "Broncholind" zu, der einen wirksamen Schutz vor Husten versprach, während ein anderer sich als Hommage an Martin Cordwell einen Cigarillo ohne Papier von "Sportstudent" ansteckte. Wie auch immer, das Rätsel um die verschwundenen Diamanten und den Mord an dem redseligen Touristen fesselte die Zuschauer an sechs Abenden.



Während es im ersten Abenteuer mit dem wissbegierigen Tim Frazer noch um die Suche nach einem alten Freund ging, lernt er bei seinem zweiten Fall eine Frau kennen, welche die Phantasie des Publikums herausfordert, ist sie doch offensichtlich mehr als nur eine Zeugin bzw. Verdächtige. Tim Frazer lernt Barbara Day zunächst auf einer Fotografie und anhand einer schockierenden Enthüllung von Charles Ross kennen. Wegen ihres ansprechenden Äußeren traut er ihr - und das ist typisch für die (männliche?) menschliche Natur - keine böse Tat zu. Er sieht nur das offene Gesicht und die großen Augen und nimmt deshalb den Strohhalm, es handele sich beim Tod von Leo Salinger um einen tragischen Autounfall, gerne auf. Das Publikum folgt ihm und nicht der Argumentation von Charles Ross, der wie ein Spielverderber klingt, wenn er die nette Miss Day schlecht zu machen versucht. Die angenehmen, sonnigen Tage in Amsterdam wirken wie der Beginn einer Romanze zwischen dem Titelhelden und seiner neuen Bekanntschaft. Der trockene Mister Ross muss sich irren! Schneller als vermutet fallen jedoch Schatten auf die Freundschaft, die bereits bei der ersten Abendeinladung auf eine schwere Probe gestellt wird. Der Mord an Martin Cordwell, über den man sich gemeinsam lustig gemacht hat, sorgt für Irritation, führt aber gleichzeitig dazu, sich zusammen gegen den Kriminalinspektor zu verbünden. Ohnehin fühlt sich Frazer weniger der Polizei verpflichtet als dem Amt von Ross und seiner eigenen Neugier.

Bei mehrfacher Sichtung des Sechsteilers fallen eklatante Stolperfallen ins Auge, die Barbara Days Unbescholtenheit in Zweifel ziehen lassen und sie mindestens zur Mitwisserin machen. Als sich Frazer im Flugzeug neben Barbara setzt, beobachtet diese gerade den hinter ihr sitzenden Cordwell im Schminkspiegel. Da es sich bei ihm um keinen attraktiven Mann handelt, begutachtet sie ihn also nicht aus persönlichem Interesse. Bei ihrer späteren Begegnung im Amsterdamer Café nennt er sie beim Vornamen. Der größte Fauxpas passiert allerdings nach der Entdeckung von Cordwells Leiche, als Vivian Gilmore anruft und die Sprache sofort auf "Ericson" bringt. Frazer gesteht Richards anschließend, dass er nun überzeugt ist, dass Barbara lügt. Diese Aussage ist nicht vom Tisch zu wischen und belastet den romantischen Unterton, der den Treffen zwischen Day und Frazer beiwohnt. Über eine mögliche zweite Einkommensquelle denkt man nach, als Barbara gegenüber Tim zugibt, nicht vom Geschäft abhängig zu sein. Als unabhängige Frau meint sie jedoch keineswegs, sich auf das Geld ihren Verlobten verlassen zu wollen. Sie muss also andere Möglichkeiten haben, zu Vermögen zu gelangen. Deutlich erschrocken zeigt sie sich, als ihr Trueman den Film zeigt, den Frazer in Amsterdam aufgenommen hat. Ihr unvorsichtiges Misstrauen gipfelt in der Frage, ob er ein Detektiv sei. Merklich erleichtert sinkt sie in ihren Sessel zurück, als Frazer andeutet, er habe ein privates Interesse an ihr und wäre ihr deshalb tagelang gefolgt.

Wichtige Fragen bleiben ungelöst: Warum tötete Fairlee Cordwell in Barbaras Wohnung? War es eine Kurzschlussreaktion, um zu verhindern, dass dieser zur Polizei geht? Day musste wissen, dass ein Mord in den eigenen vier Wänden das Augenmerk automatisch auf sie und ihre Freunde lenken würde. Cordwell kam wohl unerwartet zu ihr, sonst hätte sie nicht zeitgleich Frazer zum Cocktail zu sich bestellt - damit Fairlee ihn begutachten kann. Weshalb überfuhr sie Leo Salinger? Dieser war doch wie von dessen Bruder Arnold geplant, bereits auf dem Weg, die Diamanten zu überbringen und ahnte nicht, dass er als unfreiwilliger Kurier missbraucht wurde. Barbara konnte nicht einmal verhindern, dass das Metronom, in dem sich die Steine befanden, in die Hände der Organisation um Ross gelangte. Der Tod von Salinger brachte ihr also nichts ein außer einer Polizeiermittlung, durch die erstmals ein Verdacht auf sie fiel. Warum hielt sich Barbara kurz vor dem großen Finale eine Stunde bei Frazer zum Tee auf, ohne Angabe von Gründen? Wurde sie etwa sentimental und wünschte sich, ihre Freundschaft mit Frazer beibehalten zu können? War die Lösung der Verlobung ein Schachzug, um den langweiligen Fairlee gegen Frazer auszutauschen und ggf. mit diesem ein neues Leben zu beginnen?

Georg Online




Beiträge: 2.764

18.12.2016 15:20
#4 RE: Schlauer als der Täter - Welche Fehler führten zu seiner Verhaftung? Zitat · antworten

Wie schon in der von mir weiter oben geposteten Analyse zum Täter in "Ein Mann namens Harry Brent", gilt auch in "Tim Frazer - Der Fall Salinger" das Motto "Cherchez la femme" - und das im wahrsten Sinne des Wortes.
Durbridge ist sicherlich ein Vertreter, der sich in die Reihe von Verfassern klassischer Kriminalstoffe einreihen lässt, obwohl er viel später als seine Landsleute Agatha Christie und Edgar Wallace geboren wurde. Dies ist schon deshalb offensichtlich, weil sich Durbridge oft genug auf sein Vorbild Wallace berief und in seinen frühen Werken dies auch offensichtlich durchblicken lässt. Nun galten in den frühen klassischen Werken des Genres meist zwei ungeschriebene Regeln (vgl. auch S. S. van Dines Regeln zum Abfassen eines guten Kriminalromans): weder der Ermittler, noch die weibliche, attraktive Protagonistin durfte am Ende als Bösewicht enttarnt werden.
Wer Durbridge nun kennt, weiß, dass er beide Regeln mit Regelmäßigkeit in seinen Werken brach: so gibt es eine Handvoll Krimis aus seiner Feder, in der einer der Ermittler am Ende der große Hintermann ist, ebenso gibt es einige Werke, in denen die sympathische, über jeden Verdacht erhabene Heldin des Stücks am Ende als Haupttäterin präsentiert wird. Durbridge brach damit in den 30ern, 40ern und 50ern mit Sicherheit - zumindest für das klassische Krimigenre - Tabus und verblüffte damit seine Anhänger (und nicht nur jene) um so mehr.
Auch in "Tim Frazer - Der Fall Salinger" wird am Ende eine Person als Hintermann (oder -frau) präsentiert, die man - zumindest als nicht geschulter Krimifan - über sechs Teile ob ihrer lieben, sympathischen und netten Art nicht ein einziges Mal verdächtigt.
Das ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass Durbridge es wie kein zweiter verstand, das Publikum vom rationalen Überlegen abzulenken. Dies geschah mit seinen "Twists" und "Turns", seinen Drehungen und Wendungen, seinen mysteriösen Gegenständen (hier: ein Tulpenzwiebelkatalog und ein Metronom) und seinen Cliffhangern. Diese dienten dazu, den Zuseher/ die Zuseherin oft gänzlich zu verwirren.
Dabei wird uns in "Tim Frazer - Der Fall Salinger" Barbara Day von Anfang an als Mörderin - oder zumindest als Verursacherin eines tödlichen Unfalls - präsentiert. Aber der Umstand, dass der Hintermann stets als "Ericson" bezeichnet wird, lässt auch nicht eine Minute daran denken, es könne sich dabei um eine Frau handeln.
Barbara Day scheitert am Ende wie alle großen Hintermänner in Durbridges Werken an dem Umstand, dass sie Chefin einer kriminellen Organisation ist, deren Strukturen schließlich zerbrechen. Ihr Komplize legt ein Geständnis ab, fraglich ist, was mit ihrer besten Freundin passiert, die sie auch in ihre kriminellen Machenschaften verwickelt hat. Ihr Plus ist sicherlich ihr Charme, mit dem sie auch Tim Frazer, von dessen wahrer Identität als verdeckter Ermittler sie ja nichts weiß, be- und verzaubert. Es funkt zwischen den beiden mehrfach und Vivian Gilmore stellt schließlich Frazer gegenüber fest, dass ihre Freundin es sehr zu schätzen weiß, wie sehr er sich um sie kümmert (im Gegensatz zu deren Verlobten, wie Barbara ihr mitteilt).

Legen wir die "rosarote Brille" einmal ab und betrachten wir uns den Fall nüchtern. Dann braucht man nämlich von Anfang an nur eins und eins zusammen zählen, um den Täter zu überführen.
1) Barbara Day überfährt Leo Salinger in Amsterdam. Gute Ermittlungsarbeit hätte schon früh ergeben, dass zwischen Salingers Bruder und Barbara eine Beziehung bestanden hat. Und dann ist da die Frage: Warum ist Barbara ausgerechnet zum Unfallzeitpunkt an jenem Ort? Warum löst sie automatisch Ermittlungen gegen sich aus, wo sie doch eine große Verbrecherorganisation leitet? Und warum überfährt sie den anscheinend unschuldigen Leo Salinger überhaupt? Eher unlogisch.
2) Warum ist Barbara Day überhaupt so oft in Amsterdam, auch nach dem Tod von Salinger? Das muss der Polizei doch auffallen.
3) Barbara Day bestellt Tim Frazer in ihre Wohnung und lässt diesen den ermordeten Cordwell auffinden. Durch dieses Handeln macht sie sich eigentlich verdächtig.
4) Vivian Gilmore ruft bereits beim Auffinden der Leiche in Barbaras Wohnung an und nennt den Namen Ericson. Auch das müsste Frazer recht früh auf die Spur bringen. Warum sollte jemand am Telefon Barbara gegenüber den Namen Ericson nennen? Alleine der Umstand, dass sie den Namen zu kennen scheint, macht sie doch offensichtlich als Mitglied der Organisation verdächtig.
5) Eigentlich bleibt am Ende niemand anderer als Barbara übrig. Natürlich ist das reale Leben anders, aber in Durbridges Märchenkrimis ist es immer so, dass einer der wenigen Mitwirkenden der Täter ist. Für Tim Frazer müsste also von Anfang an klar sein: es ist Barbara.
6) Zum Verhängnis wird Barbara nicht zuletzt der Umstand, dass in ihrer Verbrecherorganisation nicht alle Glieder der Kette gleich stark sind. Das bringt mit sich, dass Leute wie Dempsey, die reden wollen, ermordet werden oder dass der ohnehin etwas kränkliche Verlobte ein Geständnis ablegt.

P.S.: Im Anhang zum Vergleich Screenshots mit Gegenüberstellungen der Besetzungen in der deutschen Version "Tim Frazer-Der Fall Salinger" von 1963 und in der französischen Variante "La mort d'un touriste" von 1975. In der frz. Version wurde wie in allen frz. Durbridges die Handlung nach Frankreich verlegt und dementsprechend tragen die Personen auch französische Namen. Man sucht aber auch hier den geheimnisvollen "Ericson". |addpics|a7t-2-f72a.jpg,a7t-3-2a79.jpg,a7t-4-89dd.jpg,a7t-5-37e6.jpg,a7t-6-fdfb.jpg,a7t-7-ff29.jpg,a7t-8-138a.jpg,a7t-9-1d2d.jpg,a7t-a-eff3.jpg,a7t-b-9f8f.jpg|/addpics|

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