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Dieses Thema hat 20 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
Seiten 1 | 2
Gubanov Offline




Beiträge: 15.502

27.10.2015 19:40
Recht haben und bekommen: Die Fälle von Perry Mason Zitat · antworten



Perry Mason, attorney at law – so prangt in Großbuchstaben an der Tür zu jenem Büro, in das der Weg zahlloser Hilfesuchender, Verdächtiger und des Mordes Angeklagter führt. Wo immer jemand einen Anwalt braucht, bei dem Freispruch so gut wie garantiert ist, ist Perry Mason zur Stelle. Die Serie nach Romanen von Erle Stanley Gardner erzählt von den Fällen eines Verteidigers, der Misserfolg nicht kennt und der Polizei ein ums andere Mal ein Schnippchen schlägt. Häufig müssen sich Rechtsanwälte mit dem Imageproblem herumschlagen, Rechtsverdreher zu sein und noch so verdammungswürdige Verbrechen zu relativieren. Perry Mason umgeht diese Schattenseite seines Berufs, indem er sich – unter Zuhilfenahme eines sechsten Sinns? – mit Vorliebe unschuldige Klienten aussucht, für die er sich reinen Gewissens einsetzen kann. Er avanciert damit nicht nur zum Retter in letzter Not, sondern gleichermaßen in Gestalt Raymond Burrs zum Publikumsliebling. Der stämmige Mime stellte mit seiner Verpflichtung unter Beweis, dass er nicht nur zum Schurken in Noir-Filmen und Hitchcock-Thrillern taugte, sondern seine versteinerte Miene glaubhaft gegen ein gewinnendes und zuversichtliches Lächeln eintauschen konnte.


Zitat von Henry Kratz: „Perry Mason“, in Rosemary Herbert: „Whodunit: A Who’s Who in Crime and Mystery Writing“, Oxford UP Inc., New York, 2003, S. 126f
Mason practices law in Los Angeles, where he is assisted by his able and attractive secretary, Della Street, and Paul Drake, the head of a detective agency. Perry typically uses a number of quasi-legal tricks to protect his clients or establish their innocence, often moving them around from one address to another to escape the police, to the constant annoyance of Lieutenant Tragg of the Los Angeles Police Department. [...] He maintains that his tactics are within the letter if not the spirit of the law, and they change as the law of the land changes. It is the courtroom, however, when his client stands trial, that Perry proves his or her innocence after a display of legal pyrotechnics that exasperates the district attorney, Hamilton Burger, and trips up the killer on the witness stand.


Zwischen 1957 und 1966 trat Perry Mason 271 Mal im Auftrag des TV-Senders CBS vor Gericht. Sämtliche Fälle – von den „zwei Revolvern“ bis zur „letzten Leiche“ wurden für deutschsprachige Fernsehauswertungen synchronisiert. Hierzulande auf DVD erschienen sind immerhin die ersten zwei Staffeln mit zusammen 69 Folgen. Für einen kompakten Überblick über die Reihe sei das umfassende „Perry Mason TV Show Book“ empfohlen; Rezensionen zu den Episoden werden aber auch hier im Thread sukzessive folgen.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.502

28.10.2015 12:10
#2 RE: Recht haben und bekommen: Die Fälle von Perry Mason Zitat · antworten



Staffel 1 / Teil 1: Episodenübersicht

  • 001-1-01: The Case of the Restless Redhead (Der Fall mit den zwei Revolvern)
  • 002-1-02: The Case of the Sleepwalker’s Niece (Der Fall mit der Nichte des Schlafwandlers)
  • 003-1-03: The Case of the Nervous Accomplice (Der Fall mit dem unbequemen Aktionär)
  • 004-1-04: The Case of the Drowning Duck (Der Fall mit der ertrinkenden Ente)
  • 005-1-05: The Case of the Sulky Girl (Der Fall mit dem eigensinnigen Mädchen)
  • 006-1-06: The Case of the Silent Partner (Der Fall mit dem stillen Teilhaber)
  • 007-1-07: The Case of the Angry Mourner (Der Fall mit den vielen Fußspuren)
  • 008-1-08: The Case of the Crimson Kiss (Der Fall mit dem geküssten Toten)
  • 009-1-09: The Case of the Vagabond Vixen (Der Fall mit der jungen Anhalterin)
  • 010-1-10: The Case of the Runaway Corpse (Der Fall mit der verschwundenen Leiche)
  • 011-1-11: The Case of the Crooked Candle (Der Fall mit der schiefen Kerze)
  • 012-1-12: The Case of the Negligent Nymph (Der Fall mit der verfolgten Meerjungfrau)
  • 013-1-13: The Case of the Moth-Eaten Mink (Der Fall mit der Laus im Pelz)
  • 014-1-14: The Case of the Baited Hook (Der Fall mit der anonymen Mandantin)
  • 015-1-15: The Case of the Fan Dancer’s Horse (Der Fall mit dem blutigen Rächer)
  • 016-1-16: The Case of the Demure Defendant (Der Fall mit dem Tyrannenmord)
  • 017-1-17: The Case of the Sun Bather’s Diary (Der Fall mit der undankbaren Mandantin)
  • 018-1-18: The Case of the Cautious Coquette (Der Fall mit dem doppelten Alibi)
  • 019-1-19: The Case of the Haunted Husband (Der Fall mit dem verfolgten Verfolger)

Gubanov Offline




Beiträge: 15.502

28.10.2015 21:00
#3 RE: Recht haben und bekommen: Die Fälle von Perry Mason Zitat · antworten



Perry Mason: Der Fall mit den zwei Revolvern

The Case of the Restless Redhead, Folge 1 der TV-Kriminalserie, USA 1957. Regie: William D. Russell. Drehbuch: Russell S. Hughes (Buchvorlage: Erle Stanley Gardner). In den Hauptrollen: Raymond Burr, Barbara Hale, William Hopper, William Talman, Ray Collins. Gastdarsteller: Whitney Blake, Ralph Clanton, Gloria Henry, Vaughn Taylor, Jane Buchanan, Dick Rich, Grandon Rhodes, Norman Leavitt u.a. Erstsendung: 21. September 1957, CBS.

Evelyn Bagby findet in ihrer Zigarettendose einen Revolver. Als am gleichen Abend ein maskierter Mann Evelyn verfolgt, gibt sie zwei Warnschüsse auf ihn ab. Die Polizei findet an dieser Stelle aber einen Toten, der sich als alter Bekannter der Verdächtigen herausstellt. Zudem spricht gegen Evelyn Bagby, dass sie vor nicht allzu langer Zeit unter dem Verdacht stand, die Juwelen der Schauspielerin Helene Chaney gestohlen zu haben. Zwar wurde sie freigesprochen, aber sie hätte dabei die beste Gelegenheit gehabt, die Tatwaffe mitgehen zu lassen – oder zumindest das, was die Polizei für die Tatwaffe hält ... Kann Perry Mason den Freispruch seiner Klientin erringen?

Im Gegensatz zu anderen Serien verfügt schon die Pilotfolge über alle Merkmale, die den Erfolg von „Perry Mason“ später ausmachten. Alle Hauptfiguren sind ebenso vorhanden wie der prinzipielle Gedanke, dass Masons Mandant ohne Schuld in einen Mordfall verwickelt und von der Polizei verdächtigt wird, den Prozess gemacht bekommt und man um den Freispruch bangen muss. Dies tut man umso lieber, als Evelyn Bagby eine etwas unüberlegte, aber eben doch ausgesprochen unschuldige Dame ist, der der wahre Täter besonders übel mitgespielt hat. Wie sich herausstellt aus niederen, habgierigen Motiven – ein Bilderbuchschurke, der nach spannendem Gerichtsprozess sozusagen „in letzter Minute“ überführt wird.

Ist der „Fall mit den zwei Revolvern“ am Anfang etwas schwer zu verfolgen, weil es eine Weile dauert, bis über die zahlreichen Verdächtigen nicht nur namentlich gesprochen wird, sondern diese auch aktiv in Erscheinung treten, so entwickelt sich aus dem Bagby-Fall ein raffiniertes Rätsel um zwei Waffen, in dem Mason bereits andeutet, dass er im Dienst der Wahrheitsfindung die Gesetze manchmal sehr frei auslegt. Bereits die erste Einstellung zeigt ihn übrigens in der Tradition der immer bereiten, nie schlafenden Gerechtigkeitsvertreter: Selbst seinen Feierabend genießt er im Büro, um eben noch zur Verfügung zu stehen, wenn ein Hilfesuchender nachts um halb Eins seiner bedarf.

Perry Mason: Der Fall mit der Nichte des Schlafwandlers

The Case of the Sleepwalker’s Niece, Folge 2 der TV-Kriminalserie, USA 1957. Regie: William D. Russell. Drehbuch: Laurence Marks, Gene Wang (Buchvorlage: Erle Stanley Gardner). In den Hauptrollen: Raymond Burr, Barbara Hale, William Hopper, William Talman, Ray Collins. Gastdarsteller: John McNamara, Hillary Brooke, John Archer, Nancy Hadley, Darryl Hickman, Helen Mowery, Thomas Browne Henry, Harry Hickox u.a. Erstsendung: 28. September 1957, CBS.

Nachdem er sie beim Schlafwandeln beinah mit einem Dolch erstochen hätte, strengt Doris Cole gegen ihren Mann Peter einen Scheidungsprozess an. Da kommt es als Überraschung, dass sie auf einmal ihre Meinung ändert. Auf Anraten ihres windigen Freundes Frank Maddox, der zugleich Peters Geschäftspartner ist, will sie ihre Einwilligung in die Scheidung nur mehr geben, wenn Peter Frank seine Geschäftsanteile für eine utopisch hohe Summe abkauft. Peter, der mittlerweile eine andere Frau heiraten will, fühlt sich erpresst. Als am kommenden Morgen sein Stiefbruder erstochen aufgefunden wird, sieht es so aus, als sei Peter für das Verbrechen verantwortlich. Der Tote und Frank hatten im letzten Moment die Zimmer getauscht ...

Das relativ strikt voneinander getrennte Film- und Fernsehbusiness im Hollywood der 1950er Jahre hat zur Folge, dass neben Raymond Burr in „Perry Mason“ nur relativ wenige bekannte Leinwandstars zu sehen sind. Episode 2 bildet mit der Verpflichtung von Hillary Brooke („Sherlock Holmes: Die Frau in Grün“) eine angenehme Ausnahme, die dafür sorgt, dass die unheimlich ausgeleuchtete Anfangsszene mit dem Anschlag auf Mrs. Cole zu einem kleinen Kabinettstück wird. Später verläuft sich diese Spannung leider ein wenig, auch weil Brooke nur wenige Auftritte vergönnt sind.

Der schmierige Anwalt Ralph Duncan bietet ein hervorragendes Gegenstück zu Perry Mason. Die Autoren verdeutlichen diesen Umstand noch, indem sie Mason seinen Berufsgenossen an die ethischen Werte der Anwaltskammer erinnern lassen, nachdem Duncan die erpresserische Handlung offenbar nicht nur geduldet, sondern sogar initiiert hatte. Auch optisch könnte der Unterschied neben dem gelackten, breitschultrigen Perry Mason und dem unattraktiven, verschlagenen Winkeladvokaten Duncan kaum größer sein.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.502

29.10.2015 21:00
#4 RE: Recht haben und bekommen: Die Fälle von Perry Mason Zitat · antworten



Perry Mason: Der Fall mit dem unbequemen Aktionär

The Case of the Nervous Accomplice, Folge 3 der TV-Kriminalserie, USA 1957. Regie: William D. Russell. Drehbuch: Stirling Silliphant (Buchvorlage: Erle Stanley Gardner). In den Hauptrollen: Raymond Burr, Barbara Hale, William Hopper, William Talman, Ray Collins. Gastdarsteller: Margaret Hayes, Richard Hale, Greta Thyssen, William Roerick, Robert Cornthwaite, Jean Howell, James Gavin, Norman Leavitt u.a. Erstsendung: 5. Oktober 1957, CBS.

Sybil Granger beobachtet ihren Ehemann und dessen Geliebte Roxy Howard vom Hügel oberhalb des abgelegenen Hauses von Roxy. Um die beiden auseinanderzubringen, beauftragt sie Perry Mason, sich als Aktionär in jene Firma einzukaufen, die Öl auf dem Gelände zu fördern beabsichtigt. Deren Vorsitzender, George Lutts, wird schließlich in Beisein von Mrs. Granger erschossen. Obwohl sie behauptet, die Schüsse kamen aus der Ferne, findet die Polizei Pulverspuren am Leichnam. Lügt sie oder findet Perry Mason eine andere Erklärung für diesen Widerspruch? Und wer erschoss eigentlich George Lutts, wenn es Mrs. Granger nicht tat?

Während viele Episoden Masons Ermittlungen an einem Stück zeigen und dann zu einem finalen Schlagabtausch in den Gerichtssaal wechseln, verfolgt „Der Fall mit dem unbequemen Aktionär“ ein anderes Strickmuster: Immer wieder wird zwischen verschiedenen Stadien des Prozesses und Außenszenen hin- und hergewechselt, sodass sich auch für den Anwalt immer wieder neue Umstände ergeben, auf die er seine Verteidigungsstrategie ausrichten muss. Stärker noch als in anderen Folgen vermittelt dieser Aufbau aber auch das Gefühl, dass eher das Kräftemessen zwischen Ankläger und Verteidiger im Fokus steht als der Kampf um den Kopf der Mandantin. Es wird sich passenderweise noch zu einem typischen Merkmal der Serie entwickeln, dass alle Unannehmlichkeiten (Verhöre, Durchsuchungen, U-Haft etc.), die die fälschlich Verdächtigte über sich ergehen lassen muss, zugunsten einer sportiven Selbstdarstellung der Justiz ausgeblendet werden.

Vor allem die erfrischende grüne Weite der Hügellandschaft, die sich zum Mordschauplatz wandelt, bietet erfreuliche Abwechslung zwischen den Studioszenen. Auch Perrys Trick mit der zweiten Taxibenutzung zählt zu den Stärken der Folge, wohingegen die Auflösung des Platzpatronen-Problems etwas zu weit hergeholt erscheint, um für den beabsichtigten Aha-Effekt beim Zuschauer zu sorgen.

Perry Mason: Der Fall mit der ertrinkenden Ente

The Case of the Drowning Duck, Folge 4 der TV-Kriminalserie, USA 1957. Regie: William D. Russell. Drehbuch: Al C. Ward (Buchvorlage: Erle Stanley Gardner). In den Hauptrollen: Raymond Burr, Barbara Hale, William Hopper. Gastdarsteller: Carol Kelly, Nolan Leary, Victor Sutherland, Carolyn Craig, Don Beddoe, Paula Winslowe, Gary Vinson, Harry Landers u.a. Erstsendung: 12. Oktober 1957, CBS.

Donald Briggs geht einem schmutzigen Geschäft nach: Erpressung. Er will aus einem 18 Jahre alten Mordfall, den die Bewohner der Kleinstadt Logan City bereits fast wieder vergessen haben, Profit schlagen. Briggs weilt nicht lange unter den Lebenden – er wird mithilfe eines Giftgases getötet. Unter Verdacht steht der Sohn des im damaligen Prozess verurteilten Mörders, Marv Adams, der Chemie studiert und deshalb über giftige Substanzen bestens Bescheid weiß. Perry Mason will die Landpartie nach Logan City nicht nur nutzen, um den Studenten vom Verdacht des Mordes zu befreien, sondern auch die Wahrheit über das Verbrechen in der Vergangenheit herauszufinden ...

Schon nach drei einigermaßen mondänen Großstadt-Verbrechen wirkt „Der Fall mit der ertrinkenden Ente“ wie ein frischer Wind, der Perry Mason aus seiner ikonischen Hochhaussuite in ein Provinznest verschlägt, in dem Klüngel und Vorurteile einer unvoreingenommenen Rechtsfindung im Weg stehen. Zugleich bekommt man das Gefühl, dass aus dem Kleinstadt-Setting größerer Nutzen hätte geschlagen werden können, wenn die Idee des engen gemeinschaftlichen Verbandes, der sich gegen Beeinflussung von außen wehrt, stärker herausgearbeitet worden wäre.

Der titelgebende Trick mit der ertrinkenden Ente bleibt zwar ein kindisches Faszinosum am Rande des Geschehens, wird aber effektiv dazu genutzt, den Verdächtigen (der von Gary Vinson gespielt wird, aber einem jungen Hardy Krüger zum Verwechseln ähnlich sieht) zu inkriminieren. Ebenfalls abseits des allgemeinen Interesses steht die ortsfremde Lois Reed, in deren Rolle Carol Kelly die tragische Charakterstudie einer schlafzimmeräugigen Blondine mit Hang zum Alkohol auftischen darf.

Gubanov Offline




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30.10.2015 21:00
#5 RE: Recht haben und bekommen: Die Fälle von Perry Mason Zitat · antworten



Perry Mason: Der Fall mit dem eigensinnigen Mädchen

The Case of the Sulky Girl, Folge 5 der TV-Kriminalserie, USA 1957. Regie: Christian Nyby. Drehbuch: Harold Swanton (Buchvorlage: Erle Stanley Gardner). In den Hauptrollen: Raymond Burr, Barbara Hale, William Hopper, William Talman, Ray Collins. Gastdarsteller: Olive Sturgess, William Schallert, Lillian Bronson, Robert Griffin, Connie Cezon, Brian G. Hutton, Raymond Greenleaf, Howard Wendell u.a. Erstsendung: 19. Oktober 1957, CBS.

Von ihrem Onkel Edward Norton wird die dreiundzwanzigjährige Fran Celane an der kurzen Leine gehalten. Das große Vermögen der jungen Erbin steckt in einem Treuhandfond, über den Fran erst ab dem 25. Lebensjahr verfügen darf. Das droht zu einem Problem zu werden, denn Fran hat nicht nur heimlich ihren Liebhaber, den mittellosen Maler Rod Gleason, geheiratet, sondern erwartet von diesem zu allem Überfluss ein Kind. Beiden passt es daher hervorragend ins Konzept, dass Norton in seinem Arbeitszimmer erschlagen wird. Nur leider gerät Rod unter Tatverdacht. Perry Mason soll helfen, das Problem zu klären, aber diesmal scheinen ihm Tragg und Burger einen Schritt voraus zu sein ...

Diese Verfilmung des zweiten Perry-Mason-Romans von Gardner (Erscheinungsjahr 1933) gehört zu den ganz starken Episoden. Das engagiert angepackte häusliche Drama ergänzt sich perfekt mit Perrys wie üblich eher halbseidenen Methoden und den diesmal auch erstaunlich bösartigen Reaktionen seiner staatsanwaltlichen Widersacher. Tragg und Burger glauben sich ausnahmsweise einmal im Vorteil und üben, um ihren Führungsanspruch im Fall Gleason zu untermauern, eine kleine Erpressung auf Paul Drake aus. Sauber sind diese Hinterzimmermachenschaften nicht gerade – aber höchst unterhaltsam ohne Frage.

In einem Einszenenauftritt ist kurz Masons Vorzimmerdame Gertie zu sehen, die Della Street von Zeit zu Zeit bei den etwas profaneren Dingen der Kanzleiführung entlastet. Das hat Della offenbar auch nötig, schlummert sie doch auf der Couch ihres Arbeitgebers gemütlich ein. Perry Mason zeigt sich hier ebenso gutmütig wie in Bezug auf das „eigensinnige Mädchen“ aus dem Titel, das ihn ihre Verzogenheit deutlich spüren lässt. Da tut einem der Bräutigam schon ein bisschen Leid, aber der Anwalt gratuliert trotzdem herzlich zum kommenden Kind – hoffentlich natürlich ein Junge!

Perry Mason: Der Fall mit dem stillen Teilhaber

The Case of the Silent Partner, Folge 6 der TV-Kriminalserie, USA 1957. Regie: Christian Nyby. Drehbuch: Donald S. Sanford (Buchvorlage: Erle Stanley Gardner). In den Hauptrollen: Raymond Burr, Barbara Hale, William Hopper, William Talman, Ray Collins. Gastdarsteller: Peggy Maley, Dan Seymour, Anne Barton, Mark Roberts, Cyril Delevanti, Michael Emmet, Joe Abdullah, Henry Hunter u.a. Erstsendung: 26. Oktober 1957, CBS.

Ein Anschlag nicht nur auf die Hüften: Nachtclubhostess Lola Florey hat vergiftete Pralinen genascht, was ausreicht, sie fürs Erste zum Schweigen zu bringen. Lola hatte Mildred Kimber helfen wollen, deren Mann im fraglichen Club Geld und Geschäftsanteile einer Orchideenzucht beim Spiel mit gezinkten Karten verloren hatte. Der betrügerische Spieler wird kurz darauf tot aufgefunden – mit einem Hinweis auf Mildred Kimbler am Tatort. Noch bevor es zu einer Gerichtsverhandlung kommt, greift Perry Mason der leidgeprüften Frau unter die Arme. Aber auch er hat Schwierigkeiten, aus der mittlerweile wieder auf dem Wege der Besserung befindlichen Lola etwas herauszubringen ...

Zum ersten Mal sieht man im „stillen Teilhaber“ keinen Gerichtssaal von innen, was mit der liebenswürdigen und in ihren Handlungen durchaus sympathischen Täterfigur zusammenhängt, der man die große Blamage vor Zeugen und vor der Kamera ersparen möchte, weshalb Überführung und Geständnis diesmal – sicher zu Burgers Unmut – in diskretem Kreis stattfinden. Wahrscheinlich hätte aber auch einfach die Zeit nicht mehr gereicht, denn der umfangreiche Fall ließ eine Abwicklung der Ermittlungen in 30 Minuten vor einem ausgedehnten Schlussakt vor Gericht einfach nicht zu.

Als Objekt verbrecherischer Begierde ist ein Gewächshaus mit wertvollen Orchideen sicher kein gewöhnliches Ziel. Entsprechend ließ Regisseur Nyby den Gaunern eine etwas ironische Färbung angedeihen – vor allem der abstoßende Harry Marlow (Dan Seymour) ist ein Bilderbuchschurke, ein Brutalo im schlecht sitzenden Nadelstreifenanzug. Er erinnert an Gangsterfilmtypen der 1930er-Jahre, was als Metier gar nicht schlecht zum sonst in so verhaltenen Kreisen agierenden „Perry Mason“ passt.

Gubanov Offline




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02.11.2015 21:00
#6 RE: Recht haben und bekommen: Die Fälle von Perry Mason Zitat · antworten



Perry Mason: Der Fall mit den vielen Fußspuren

The Case of the Angry Mourner, Folge 7 der TV-Kriminalserie, USA 1957. Regie: William D. Russell. Drehbuch: Francis M. Cockrell (Buchvorlage: Erle Stanley Gardner). In den Hauptrollen: Raymond Burr, Barbara Hale, William Hopper. Gastdarsteller: Sylvia Field, James Westerfield, Joan Weldon, Paul Fix, Dorothy Adams, Malcolm Atterbury, Barbara Eden, Peter Nelson u.a. Erstsendung: 2. November 1957, CBS.

Mark Cushing sitzt zwar vorübergehend im Rollstuhl, seinen Machogebahren tut dies aber keinen Abbruch. Noch in der Nacht, in der er Carla Adrian zu verführen versucht, wird er in seinem Landhaus in Bear Valley erschossen. Zeugen beobachten Carlas Mutter am Tatort; außerdem hören sie den Schrei einer Frau. Perry Mason unterbricht seinen Urlaub, um seiner Nachbarin Belle Adrian zu helfen, und setzt alles daran, die Frau aufzuspüren, die in der Nacht schrie. Er findet sie in Marion Keats, die sich aber absolut unkooperativ zeigt und sich sogar einen Anwalt besorgt, der Mason vor Gericht ernste Schwierigkeiten zu machen droht ...

Selbst der toughen Della Street entfährt eine Äußerung aufrichter Bewunderung über das Ferienhaus ihres Chefs, in dem dieser seine freie Zeit auf dem Land zwischen Bergen, Seen und neugierigen Nachbarn verbringt. Das Blockhaus verleiht dieser Episode eine besondere Gemütlichkeit, wenn Mason einmal etwas nahbarer im Morgenmantel statt im Anzug auftritt und vor Befragung seiner Klientin erstmal ein Feuer im Kamin anzündet. Dass das Haus „nur“ drei Badezimmer hat, stellt auch keine nennenswerte Einschränkung dar – es reicht genau für Perry, Della und Paul. Interessanter wäre da die Frage nach der Anzahl der Schlafzimmer ...

Der Fall gestaltet sich interessanter als bei der ersten Überlandfolge, was weniger der etwas steifen Angeklagten als vielmehr der engagiert spielenden Dorothy Adams zu verdanken ist. Die vielbeschäftigte Schauspielerin werden Noir-Freunde sicher aus ihrem kleinen, aber markanten Auftritt als Hausmädchen bei Laura Hunt in Otto Premingers „Laura“ wiedererkennen. Hier überzeugt sie als Hausdrachen und Plaudertasche, die dem Gericht wichtige Informationen vorenthält und später dafür einen hohen Preis bezahlt.

Perry Mason: Der Fall mit dem geküssten Toten

The Case of the Crimson Kiss, Folge 8 der TV-Kriminalserie, USA 1957. Regie: Christian Nyby. Drehbuch: Joel Murcott, Walter Doniger, Milton Geiger (Buchvorlage: Erle Stanley Gardner). In den Hauptrollen: Raymond Burr, Barbara Hale, William Hopper, William Talman, Ray Collins. Gastdarsteller: Jean Willes, Sue England, Douglas Dick, Gloria McGehee, John Holland, Joi Lansing, Douglas Evans, Frances Bavier u.a. Erstsendung: 9. November 1957, CBS.

Tante Louise reiste eigentlich wegen der Hochzeit Fay Allisons mit Dane Grover nach Los Angeles. Sie ist geschockt, als sie in der Wohnung ihre Nichte und deren Freundin bewusstlos auffindet, weil beide eine Überdosis Schlaftabletten eingenommen haben. Doch damit beginnen die Unannehmlichkeiten gerade erst: Im Apartment gegenüber liegt ein toter Casanova. Obwohl Fay bestreitet, ihn zu kennen, finden sich ihre Kleider und Fingerabdrücke in dessen Wohnung. Besonders pikant: Jemand hat dem Toten einen Kussfleck auf die Stirn gegeben ...

Auch wenn Erle Stanley Gardner für seinen schriftstellerischen Fleiß bekannt ist (54 Perry-Mason-Romane existierten im Jahr 1957, als die CBS-Fernsehserie startete; insgesamt schrieb er 80), so ließ sich eine so umfangreiche Serie nicht ausschließlich mit Stoffen nach Romanvorlagen bestücken. Die erste Staffel „Perry Mason“ sollte ja allein schon 39 Episoden umfassen, was mehr als die Hälfte der Bücher vorweggenommen hätte. Deshalb nutzte man neben extra für die Serie neukonzipierten Stoffen auch die 1948 veröffentlichte Kurzgeschichte „The Case of the Crimson Kiss“ für eine Verfilmung. Es muss lobend anerkannt werden, dass sich das übliche Phänomen, dass eine Short-Story-Verfilmung spürbar gestreckter wirkt als die eines umfangreicheren Romans, in diesem Fall nicht zutrifft. Zwar brauchte die Adaption drei Drehbuchautoren, aber diese brachten ein durchweg gelungenes Script zuwege.

Ob ein Sachverständiger von einem hastig auf ein Taschentuch gedrückten Lippenabdruck eine wissenschaftlich saubere Identifikation vornehmen kann, sei einmal dahingestellt. In allen anderen Punkten überbietet sich der Gerichtsprozess, der sich an die einprägsamen Szenen im Apartmenthaus Mandrake Arms anschließt, in puncto Wendungen und Überraschungen in jeder Minute. Ungewöhnlich zum Beispiel, dass Della Street von Hamilton Burger (der offenbar Senatorenpläne schmiedet) in den Zeugenstand berufen wird.

Gubanov Offline




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03.11.2015 21:00
#7 RE: Recht haben und bekommen: Die Fälle von Perry Mason Zitat · antworten



Perry Mason: Der Fall mit der jungen Anhalterin

The Case of the Vagabond Vixen, Folge 9 der TV-Kriminalserie, USA 1957. Regie: Christian Nyby. Drehbuch: Al C. Ward (Buchvorlage: Erle Stanley Gardner). In den Hauptrollen: Raymond Burr, Barbara Hale, William Hopper, William Talman, Ray Collins. Gastdarsteller: Robert Ellenstein, Catherine McLeod, Carol Leigh, Peggy Converse, James Anderson, Barbara Pepper, Paul Cavanagh, Robert Carson u.a. Erstsendung: 16. November 1957, CBS.

Als Filmproduzent John Addison die Anhalterin Veronica Dale an einer Tankstelle aufgabelt, kann er nicht ahnen, dass sie noch vor wenigen Minuten mit seinem Konkurrenten Edgar Ferrell gesprochen hatte. Ferrell liegt nun tot in Addisons Landhaus, das sich ganz in der Nähe der Tankstelle befindet. Die Dinge sehen schlecht aus für Addison, denn sogar ein Erpresser, der von Addisons Begeisterung für Veronica Dale Wind bekommen hatte, biedert sich nun gegen Straffreiheit bei der Staatsanwaltschaft an, um dem Filmmogul ans Messer zu liefern. Da kann nur noch Perry Mason helfen ...

Ein Blick auf stürmische Meereswellen der Leidenschaft eröffnet die Episode, die kindlich-weiblichen Charme mit dem Ausnutzen von Abhängigkeitsverhältnissen kombiniert. Die Rolle eines schmierigen Tunichtguts, der bald ordnungsgemäß tot aufgefunden wird, füllt Sherlock-Holmes-Schurke Paul Cavanagh mit Bravour aus, auch wenn man leider nicht viel von ihm zu sehen bekommt. In diesem Anfangsstadium der Episode hält man noch die junge hübsche Anhalterin für Perrys Klientin in spe, was sich jedoch bald ändern wird. Nicht umsonst benannte Drehbuchautor Ward Gardners Roman von „Vagabond Virgin“ in „Vagabond Vixen“ um ...

Es gehört zwar zum üblichen Schema der Reihe, aber es ist doch immer wieder erfreulich, zu beobachten, wie Perry Mason in allen Szenen das letzte Wort behält. Besonders effektiv gestalten sich seine Ablenkmanöver im Fall der angeblich gefälschten Scheckunterschrift, die sich letztlich doch als wahr herausstellt. Vor eine größere Herausforderung als die Mühlen des Gesetzes scheint ihn jedoch Mutter Dale aus Albuquerque zu stellen, die sich darüber wundert, dass ihre Tochter immer wieder von zu Hause abhaut, aber selbst vor Perry nicht mit Anekdoten aus der heimischen Bar oder dem Wunsch nach Bier auf Spesenkosten hinterm Berg hält.

Perry Mason: Der Fall mit der verschwundenen Leiche

The Case of the Runaway Corpse, Folge 10 der TV-Kriminalserie, USA 1957. Regie: Christian Nyby. Drehbuch: Malvin Wald, Jack Jacobs (Buchvorlage: Erle Stanley Gardner). In den Hauptrollen: Raymond Burr, Barbara Hale, William Hopper, William Talman, Ray Collins. Gastdarsteller: June Drayton, James Maloney, Sarah Selby, Adam Williams, Rebecca Welles, John Stephenson, Michael Fox, William Challee u.a. Erstsendung: 23. November 1957, CBS.

Ist Ed Davenport vorsichtig oder paranoid? Er lässt sogar seine Sandwiches in einem Labor analysieren, weil er glaubt, dass seine Frau Myrna ihn vergiften will. Immerhin wird tatsächlich Arsen in den Broten gefunden. Und als Davenport auf Geschäftsreise fährt, kommt er nur bis zu einem Motel in Bakerstown, in dem er einer Packung vergifteter Pralinen erliegt. Der Arzt Dr. Renault erklärt ihn für tot. Wie kann es dann sein, dass beim Eintreffen der Polizei die „Leiche“ verschwunden ist? Weilt Davenport doch noch unter den Lebenden? Dann hätte Perry Mason eine Straftat begangen, als er im Auftrag von Myrna Davenport das Büro ihres Mannes durchsuchte ...

Ähnlich wie bei Columbos Zusammenspiel mit dem Mörder zeichnen sich viele „Perry Mason“-Episoden durch die sehenswerte Interaktion von Anwalt und Klient aus oder gewinnen ihren Suspensefaktor aus der misslichen Lage des Auftraggebers. Wenn, wie in diesem Fall, Perry für eine hoffnungslos naive Natur eintritt, die zum Fall nicht viel mehr beitragen kann als wie ein Reh ins Scheinwerferlicht zu blinzeln, muss sich die Folge auf andere Pluspunkte verlassen. Man achtet dann mehr auf Kleinigkeiten wie den Umgang Perrys und Dellas (letztere muss in der amüsanten Schlusssequenz ein gerahmtes Bild an der Wand aufhängen und bekommt es partout nicht gerade auf den Nagel) oder die überaus lobenswerte Qualität der Sets, selbst wenn sie nur für eins, zwei Szenen gebraucht werden (z.B. das Büro Davenports).

Generell ist es faszinierend, mit welcher Professionalität das amerikanische Fernsehen anno 1957 operierte, wenn man dies mit zeitgleich entstandenen deutschen Produktionen vergleicht. Erst das „Stahlnetz“, das wiederum ebenfalls auf einer US-Vorlage basierte, würde ein Jahr später etwas Frischluft in die Studioproduktionen der ARD-Sender bringen. Verfolgt man diesen Gedanken weiter, wäre es durchaus interessant, zu spekulieren, wie wohl eine deutsche Variante von „Perry Mason“ ausgesehen hätte ...

Gubanov Offline




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04.11.2015 21:00
#8 RE: Recht haben und bekommen: Die Fälle von Perry Mason Zitat · antworten



Perry Mason: Der Fall mit der schiefen Kerze

The Case of the Crooked Candle, Folge 11 der TV-Kriminalserie, USA 1957. Regie: Christian Nyby. Drehbuch: Robert Tallman (Buchvorlage: Erle Stanley Gardner). In den Hauptrollen: Raymond Burr, Barbara Hale, William Hopper, William Talman, Ray Collins. Gastdarsteller: Nancy Gates, Whit Bissell, Doris Singleton, Robert Clarke, Francis McDonald, Henry Corden, Bruce Cowling, Frank Wilcox u.a. Erstsendung: 30. November 1957, CBS.

Ein Frisörbesuch der anderen Art erwartet Martha Bradford, als sich beim Aufrufen des Namens „Mrs. Bradford“ neben ihr noch eine andere Dame meldet, die den gleichen Ehemann und eine übereinstimmende Adresse angibt. Führt Joseph Bradford etwa ein Doppelleben? Leider verschwindet er just in diesem Moment von der Bildfläche, sodass Martha ihn nicht zur Rede stellen kann. Tatsächlich findet man Bradford erschlagen an Bord seiner Yacht Mary Belle. Auf dem Tisch steht eine Kerze, die völlig schief in ihrer Halterung befestigt wurde, aber offenbar gerade abgebrannt ist. Was kann dieses Indiz über die Tat aussagen?

„The Case of the Crooked Candle“ ähnelt im Titel verdächtig dem Edgar-Wallace-Roman „The Clue of the Twisted Candle“, basiert aber doch auf Gardners Buch von 1944. Die Ausgangssituation ist köstlich und wird von Nancy Gates und Doris Singleton mit aufrichtiger Bestürzung gespielt. Irgendetwas kann im Hause Bradford nicht mit rechten Dingen zugehen, soviel ist sicher!

Die Folge zeichnet sich vor allem durch die Aufnahmen an Bord der kleinen Yacht aus, die dem Fall ein maritimes Flair verleihen. Perry und Della steigen in ein wackeliges Motorboot, um die Mary Belle zu erreichen und man fiebert in dieser Szene mehr als bei jedem Mord mit, weil Dellas Kleid und Stöckelschuhe einen ausgesucht unpassenden Rahmen für diese Art von Ermittlung bilden ... In voller Montur präsentiert sich auch Paul Drake, der am Ende im Smoking aufkreuzt, weil er Gefallen an der ersten Mrs. Bradford gefunden hat. Als gewissenhafter Detektiv will er nicht nur die Vergangenheit der Dame unter die Lupe nehmen, sondern auch ihre Zukunft ...

Perry Mason: Der Fall mit der verfolgten Meerjungfrau

The Case of the Negligent Nymph, Folge 12 der TV-Kriminalserie, USA 1957. Regie: Christian Nyby. Drehbuch: Richard Grey (Buchvorlage: Erle Stanley Gardner). In den Hauptrollen: Raymond Burr, Barbara Hale, William Hopper, William Talman, Ray Collins. Gastdarsteller: Connie Cezon, Joan Banks, David Lewis, James Griffith, Peggie Castle, Nadia Posey, James Nusser, Forrest Lewis u.a. Erstsendung: 7. Dezember 1957, CBS.

Auf ihrem Angelausflug geht Perry Mason und Paul Drake ein ganz besonderer Fisch ins Netz: Eine Frau flieht vor einem Wachhund ins offene Meer. Sie nehmen die Flüchtende an Bord. Es handelt sich um Sally Fenner, die gerade bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber George Alder eingebrochen hat. Alder wird mit einem Brief aus einer Flaschenpost erpresst, der ihm die Schuld für den Tod seiner Tante Agatha in die Schuhe schiebt. Bevor sich die Angelegenheit klären lässt, ist auch George Alder mausetot. Sally Fenner wird von Lieutenant Tragg wegen Mordes verhaftet ...

Und nochmal das Meer: Drei der vergangenen vier Folgen spielten an der Küste, in keiner erlebte man aber bisher das Vergnügen, Perry Mason in Seemannskluft zu sehen. Dieses frühe Highlight ist einer der wenigen Punkte von Interesse in einer sonst eher faden Episode. Ähnlich wie im „Fall mit der ertrinkenden Ente“ wird der Mordfall in der Vergangenheit nicht wirksam genutzt, um eine Bedrohung oder ein den Zuschauer ansprechendes Geheimnis aufzubauen. Tante Agathas Ableben bleibt nur ein Aufhänger für eine Routinegeschichte, die zwar nicht ohne Reiz ist, aber ebenso wenig zu den besten der Staffel aufschließen kann.

Der genaue Beobachter wird feststellen, dass nicht nur das Meer schonmal zu sehen war: Beim Anwesen der Alders handelt es sich um dasselbe Haus, in dem bereits in „Der Fall mit der jungen Anhalterin“ der Mord an Paul Cavanagh geschah. Damals sah man die Seite mit dem Haupteingang; dieses Mal führt Staatsanwalt Burger bei seiner Dia-Präsentation die Gartenseite vor. Eher nach Studio sieht das große mexikanische Lokal aus: Während sich Perry und Della beim Ermitteln wieder einmal heftig die Finger verbrennen, trifft es bei Paul Drake, der beim Chili nicht die nötige Obacht walten lässt, stattdessen die Zunge.

Gubanov Offline




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05.11.2015 21:00
#9 RE: Recht haben und bekommen: Die Fälle von Perry Mason Zitat · antworten



Perry Mason: Der Fall mit der Laus im Pelz

The Case of the Moth-Eaten Mink, Folge 13 der TV-Kriminalserie, USA 1957. Regie: Ted Post. Drehbuch: Laurence Marks, Ben Starr (Buchvorlage: Erle Stanley Gardner). In den Hauptrollen: Raymond Burr, Barbara Hale, William Hopper, William Talman, Ray Collins. Gastdarsteller: Douglas Kennedy, Robert Osterloh, Kay Faylen, Than Wyenn, Roxanne Arlen, Grandon Rhodes, Marc Krah, Connie Cezon u.a. Erstsendung: 14. Dezember 1957, CBS.

Eigentlich wollten Perry Mason und Della Street einen gemütlichen Abend im Steakhouse von Morey Allen verbringen. Dort werden sie allerdings in eine Geschichte hineingezogen, die dem mit Perry befreundeten Besitzer überhaupt nicht gefällt. Eine Kellnerin, die vor einem Gast geflohen ist, wird auf der Straße vor dem Lokal angefahren. Es fallen auch Schüsse. Um den Verdacht zu vermeiden, das Personal würde nach den Betriebsstunden etwas bei Gästen mit speziellen Wünschen hinzuverdienen, übergibt Allen Della Street einen Nerz, der der Kellnerin gehörte. Er ist nur die erste Spur, die den gewitzten Anwalt auf die Fährte eines kürzlichen Polizistenmordes bringt ...

Man möchte annehmen, dass Perry so galant war, vor seinem Abendessen mit Della nochmal rasch beim Frisör vorbeizuschauen, trägt er seine Haare in dieser Episode doch kürzer als gewöhnlich. Die andere Frisur liegt aber nicht in der Story begründet, sondern in dem Umstand, dass „The Case of the Moth-Eaten Mink“ als Testballon einige Monate vor den anderen Folgen entstand, wenn der Fall dann auch nicht als erster ausgestrahlt wurde. Es ist allerdings sehr gut nachvollziehbar, weshalb man sich diese Vorlage für einen Erstling aussuchte: Die Folge setzt enorm hohe Maßstäbe in puncto Spannung, Tempo und Atmosphäre.

Dazu trägt ein Dreiklang gelungener Szenen bei: erstens der rasante Einstieg in die Handlung, der einerseits Perry und Della gleich zu Beginn der Folge präsentiert und andererseits ebenso wenig fackelt, Action in Form des Anschlags auf Dixie Drayton einzustreuen; zweitens die vor Noir-Stimmung strotzenden Ereignisse in dem billigen Hotel, in denen eine besondere Bedrohlichkeit mitschwingt; und drittens das Finale, in dem Mason den Täter in seinem Büro überführt und dabei eine Waffe auf sich gerichtet sieht. Im letztgenannten Moment erfahren wir zweierlei: Gertie verheiratet sich gerade – und Lieutenant Tragg kann Perry doch mehr leiden, als er manchmal während anderer Ermittlungen durchscheinen lässt.

Perry Mason: Der Fall mit der anonymen Mandantin

The Case of the Baited Hook, Folge 14 der TV-Kriminalserie, USA 1957. Regie: Christian Nyby. Drehbuch: Richard Grey (Buchvorlage: Erle Stanley Gardner). In den Hauptrollen: Raymond Burr, Barbara Hale, William Hopper, Ray Collins. Gastdarsteller: Geraldine Wall, Willard Sage, Judith Braun, Al Hopson, Mary Castle, George N. Neise, Connie Cezon, Peg Whitman u.a. Erstsendung: 21. Dezember 1957, CBS.

Hat der gerissene Vermögensverwalter Tydings etwas zu viel vom Stiftungsvermögen der jungen Erbin Carol Stanley in die eigene Tasche gesteckt? Eine Erpressung durch seinen Kollegen kann er immerhin abwenden, weil er gegen diesen eine ähnlich unangenehme Wahrheit in der Hinterhand hat. Vielleicht ist das der Grund, weshalb Tydings das Ende des Tages nicht mehr erlebt? Carol Stanley entdeckt Tydings’ Leiche in dessen Büro, Perry und Paul fällt sie dagegen aus dem Wandschrank seines Hauses entgegen. Wer brachte Tydings dort hin? Und was hat es mit der anonmyen Klientin auf sich, die Mason eine in zwei Teile gerissene 10’000-Dollar-Note als Honorar anbietet?

George Neises schmierige Darstellung des Finanzjongleurs sowie der spektakuläre Moment, indem er Perry Mason leichenstarr entgegenfällt, können nicht darüber hinwegtäuschen, dass „Der Fall mit der anonymen Mandantin“ eine eher schwache Angelegenheit ist. Das ist vor allem dem Drehbuch geschuldet, das ähnlich wie bei der ebenfalls nicht besonders herausragenden Folge „the Negligent Nymph“ von Screenwriter-Novize Richard Grey stammt. Erfahrenere Autoren kamen mit Gardners Romanvorlagen offenbar besser zurecht.

Trotzdem hält das Drehbuch zwei interessante Aspekte bereit: Einmal wird das im Roman in Perrys Büro stattfindende anfängliche Gespräch mit der verschleierten Klientin und ihrem Vertreter in die Privatwohnung des Anwalts verlegt, auf die man somit zum ersten Mal einen ausführlichen Blick erhaschen kann. Außerdem lassen dezente Hinweise durchblicken, dass mit Tydings sich eventuell ein Homosexueller in die Gefilde des prüden Fünfzigerjahrefernsehens eingeschlichen hat: Neben stereotypen Erkennungsmerkmalen wie seinem amoralischen und doch schneidigen Auftreten besteht Paul Drake ein wenig zu deutlich darauf, dass sich Tydings beim besten Willen keine Frauengeschichten nachsagen lassen kann.

Gubanov Offline




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06.11.2015 21:00
#10 RE: Recht haben und bekommen: Die Fälle von Perry Mason Zitat · antworten



Perry Mason: Der Fall mit dem blutigen Rächer

The Case of the Fan Dancer’s Horse, Folge 15 der TV-Kriminalserie, USA 1957. Regie: William D. Russell. Drehbuch: Stirling Silliphant (Buchvorlage: Erle Stanley Gardner). In den Hauptrollen: Raymond Burr, Barbara Hale, William Hopper, William Talman, Ray Collins. Gastdarsteller: Susan Cummings, Scott Elliott, Judy Tyler, Robert Bice, Minerva Urecal, Hugh Sanders, Sydney Smith, John Brinkley u.a. Erstsendung: 28. Dezember 1957, CBS.

Perry und Della werden Zeugen eines Autounfalls. Die darin verwickelte Mexikanerin steht unter Schock und lässt ein Päckchen am Unfallort zurück. Darin befinden sich Federn und Schuhe einer Fächertänzerin. Ein Inserat in der Zeitung bringt Mason ungewünschten Besuch: Plötzlich vermuten ein Farmer und eine Tänzerin, dass er sich im Besitz eines angeschossenen Pferdes befinde. Wo gibt es da eine Verbindung? Farmer John Callender kann mit einem Dolch im Herzen bald nichts mehr aussagen ... und obendrein taucht plötzlich eine Doppelgängerin der Tänzerin Cherie Chi-Chi auf!

Die ungewöhnliche Idee, Perry einmal nicht beruflich, sondern aus Privatinteresse in einen Fall hineinstolpern zu lassen, verpasst der Geschichte um die Fächertänzerin einen angenehmen Anstrich. „Ich bin nichts weiter als ein Privatmann und will helfen“, sagt Mason – doch Hilfe wird in manchen Kreisen eher als Einmischung betrachtet. Dass seine Ermittlungen Perry in Bars und Absteigen führen, ist keine Neuerung, sodass die zunächst unerklärbare Feindseligkeit einiger Charaktere die Schwäche der Schauplätze aufwiegen muss. Kurzzeitig feindselig gesinnt ist übrigens auch Della: Als Cherie Chi-Chi dem Anwalt für seine Hilfsbereitschaft einen dicken Kuss aufdrückt, blitzen die Augen der ebenfalls anwesenden Assistentin böse auf. Wäre die Tänzerin das Opfer – die Mörderin müsste nicht lang gesucht werden!

Der deutsche Titel übertreibt im Falle des „blutigen Rächers“ maßlos: „Perry Mason“ ist keine Serie mit expliziter Gewaltdarstellung, und auch hier geht es keineswegs blutrünstig(-er) zu. Vielmehr freut man sich, dass nach zwei Folgen, die außerhalb des Gerichtssaals ihr Ende fanden, nun wieder einmal ein Fall in klassischer Manier geklärt wird. Als Richter tritt zum ersten Mal Sydney Smith auf (6 Auftritte von 1957 bis 1964), der neben Morris Ankrum (22 Auftritte in der gleichen Zeitspanne) eines der markantesten Seriengesichter in diesem hohen Amt ist.

Perry Mason: Der Fall mit dem Tyrannenmord

The Case of the Demure Defendant, Folge 16 der TV-Kriminalserie, USA 1958. Regie: Laslo Benedek. Drehbuch: Ben Brady, Richard Grey (Buchvorlage: Erle Stanley Gardner). In den Hauptrollen: Raymond Burr, Barbara Hale, William Hopper, William Talman, Ray Collins. Gastdarsteller: Christine White, Clem Bevans, Fay Baker, Walter Coy, Barry Atwater, Sherwood Price, Alexander Campbell, Morris Ankrum u.a. Erstsendung: 4. Januar 1958, CBS.

Nadine Marshall und John Locke haben sich verlobt. Doch Nadines bärbeißiger Onkel wehrt sich gegen eine Heirat, will dem Bräutigam im Zweifelsfall gar Dokumente zeigen, aus denen hervorgeht, dass Nadines Vater in einer Irrenanstalt gestorben ist. In ihrer Verzweiflung stiehlt Nadine einige Zyankalikapseln, das sie in ein Saccharinfläschchen füllt. Nach dem plötzlichen Tod ihres Onkels gesteht Nadine unter ärztlicher Hypnose, den verhassten Verwandten vergiftet zu haben. Da kommt es als Überraschung, dass in dem Fläschchen, das man aus dem See fischt, tatsächlich Saccharin und kein Zyankali enthalten ist ...

Die Ausgangssituation aus Gardners beinahe druckfrischer Romanvorlage von 1956 mit dem grantelnden Familienoberhaupt, den vertraulichen Gesprächen in der Küche und der geldgierigen Verwandtschaft scheinen eine gewisse Inspiration auf Agatha Christies ein Jahr später erschienenes Buch „16 Uhr 50 ab Paddington“ ausgeübt zu haben. Auch kommt die darin beschriebene und durch die Rutherford-Verfilmung in einen stilistisch ganz ähnlichen schwarzweißen Rahmen gegossene Atmosphäre dieser Perry-Mason-Folge erstaunlich nahe, die getrost als genial ausgeklügelt und erfreulich wendungsreich beschrieben werden kann.

Hätte Regie-Seriendebüttant Laslo Benedek ein wenig mehr auf düstere Stimmung gesetzt – die zum Geschehen ja durchaus gepasst hätte –, wäre hier eine absolut makellose Folge entstanden. Doch Grund zum Lob gibt es trotzdem genug, wobei die Szene am See, in der Perry Mason schwimmende Kinder nach dem giftigen Beweismaterial suchen lässt, während er selbst genüsslich einen Hotdog verzehrt, den Vogel abschießt. Ein dem Anwalt auf den Kopf zugesagter Meineid, eine nostalgische Szene auf einem Supermarktparkplatz sowie die ungewöhnliche Präsenz von Geschworenen im Gerichtsprozess tragen ebenso zum Gelingen des „Tyrannenmordes“ bei wie die überraschende und ausnahmsweise nicht humoristisch abgefederte Auflösung.

Percy Lister Offline



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08.11.2015 14:50
#11 RE: Recht haben und bekommen: Die Fälle von Perry Mason Zitat · antworten



Das Ermittlerteam (1/5): Raymond Burr ist Perry Mason

Raymond Burr (* 21. Mai 1917 New Westminster, British Columbia; † 12. September 1993 Sonoma, Kalifornien) ist Perry Mason, der smarte Anwalt für Strafrecht. In der deutschen Synchronfassung leiht ihm Engelbert von Nordhausen seine markante Stimme. Burrs bekanntester Auftritt außerhalb der erfolgreichen Serie ist jener des Mörders Lars Thorwald, dessen Tat sich hinter geschlossenen Jalousien abspielt und in der nervenaufreibenden Szene gipfelt, als er den Spanner von Gegenüber nach seiner Enttarnung physisch attackiert. "Das Fenster zum Hof" kam im Sommer 1954 in die Kinos, drei Jahre bevor die erste "Perry Mason"-Folge über die Bildschirme flimmerte. Beeindruckend sind in beiden Fällen die Statur und die unübersehbare Präsenz des Mimen. Während Burr in dem Hitchcock-Klassiker jedoch als abstoßend und unheimlich gezeichnet wird, gewinnt er als Rechtsvertreter an Profil und zeigt einen Mann, auf dessen Rat und Hilfe man bauen kann. Seine Bereitschaft, sich für Mandanten zu engagieren, kennt keine Bürozeiten. Er harrt bis tief in die Nacht an seinem Schreibtisch aus, wenn es darum geht, einen hartnäckigen Fall zu bearbeiten und obwohl er einmal beiläufig darauf hinweist, dass er wegen der Gewerkschaft die zulässigen Arbeitsstunden nicht überschreiten darf, ist er überall für seine Klienten zu erreichen. Sei es am Wochenende, in seinem Countryhouse, nachts in seiner Stadtwohnung oder gar in einem Schnellimbiss: Mason verweigert einem Anrufer selten die Hilfe, wenn er überzeugt ist, dass ein Mensch in Bedrängnis ist. Die amerikanische Tüchtigkeit, die der Arbeit den zentralen Platz im Leben zuweist, wird in der Anwaltsserie in bewundernswerter Weise inszeniert. Nicht nur Mason selbst eilt zu allen Tages- und Nachtzeiten in Ausübung seines Berufes an Tatorte und Zufluchtsstätten, sondern auch seine engsten Mitarbeiter Paul Drake und Della Street.

Im Vergleich mit ungefähr zeitgleich entstandenen deutschen Kriminalreihen wie "Stahlnetz" lässt sich feststellen, dass in den USA nicht nur alles größer und moderner ist, sondern die Personen auch gleichbleibend adrett und proper im Einsatz sind. Trotz der oft gebotenen Eile lässt es Mason nie an wertschätzender Höflichkeit gegenüber seiner Sekretärin Della missen, die gleichzeitig seine Vertraute ist und die ihm ein wenig mehr Kontinuität in puncto Schlafenszeiten und Ernährung geben will. In vielen kleinen Gesten, einem wissenden Lächeln oder einer ironischen Bemerkung zeigt sich die Bedeutung des gegenseitigen Respekts bei einer so engen Zusammenarbeit. Mason schätzt die Wortklauberei mit beruflichen Kontrahenten wie dem misstrauischen Staatsanwalt und dem gewieften Polizeileutnant. Er genießt es, Punkte einzufahren und andere von seinen oft gewagten Theorien zu überzeugen. Der Kampf ist hart, aber fair und obwohl der Anwalt oft auf Methoden zurückgreift, die der Gesetzgeber als bedenklich einstufen könnte, dient doch alles der Wahrheitsfindung und der Gerechtigkeit. Mason besitzt Humor und Charme, beharrt jedoch auf Ehrlichkeit und Offenheit bei seinem Gegenüber. Er kann unerbittlich böse werden, wenn er sieht, dass sein Vertrauen missbraucht wird, doch wer mit offenen Karten spielt, findet in ihm einen loyalen Helfer.

  • Desperate (In der Klemme, 1947, RKO)
    Regie: Anthony Mann, mit Steve Brodie, Audrey Long, Douglas Fowley
  • I Love Trouble (1948, Columbia)
    Regie: S. Sylvan Simon, mit Franchot Tone, Janet Blair, Janis Carter
  • Sleep, My Love (Schlingen der Angst, 1948, United Artists)
    Regie: Douglas Sirk, mit Claudette Colbert, Robert Cummings, Don Ameche
  • Ruthless (Ohne Erbarmen, 1948, Eagle-Lion)
    Regie: Edgar G. Ulmer, mit Zachary Scott, Louis Hayword, Diana Lynn
  • Raw Deal (Flucht ohne Ausweg, 1948, Eagle-Lion)
    Regie: Anthony Mann, mit Dennis O’Keefe, Claire Trevor, Marsha Hunt
  • Pitfall (1948, United Artists)
    Regie: André de Toth, mit Dick Powell, Lizabeth Scott, Jane Wyatt
  • Walk a Crooked Mile (Achtung! Atomspione!, 1948, Columbia)
    Regie: Gordon Douglas, mit Louis Hayward, Dennis O’Keefe, Louise Allbritton
  • Red Light (Rotes Licht, 1949, United Artists)
    Regie: Roy del Ruth, mit George Raft, Virginia Mayo, Gene Lockhart
  • Abandoned (1949, Universal)
    Regie: Joseph M. Newman, mit Dennis O’Keefe, Gale Storm, Marjorie Rambeau
  • M (M, 1951, Columbia)
    Regie: Joseph Losey, mit David Wayne, Howard da Silva, Martin Gabel
  • His Kind of Woman (Ein Satansweib, 1951, RKO)
    Regie: John Farrow, mit Robert Mitchum, Jane Russell, Vincent Price
  • FBI Girl (Mädchen im Geheimdienst, 1951, Lippert)
    Regie: William Berke, mit Cesar Romero, George Brent, Audrey Totter
  • The Blue Gardenia (Eine Frau will vergessen, 1953, Warner)
    Regie: Fritz Lang, mit Anne Baxter, Richard Conte, Ann Sothern
  • Gorilla at Large (Der Würger von Coney Island, 1954, 20th Century)
    Regie: Harmon Jones, mit Cameron Mitchell, Anne Bancroft, Lee J. Cobb
  • Please Murder Me! (1956, DCA)
    Regie: Peter Godfrey, mit Angela Lansbury, Dick Foran, John Dehner
  • A Cry in the Night (Schrei in der Nacht, 1956, Warner)
    Regie: Frank Tuttle, mit Edmond O’Brien, Brian Donlevy, Natalie Wood
  • Crime of Passion (Das war Mord, Mr. Doyle, 1957, United Artists)
    Regie: Gerd Oswald, mit Barbara Stanwyck, Sterling Hayden, Fay Wray
  • Affair in Havanna (1957, Allied Artists)
    Regie: Laslo Benedek, mit John Cassavetes, Sara Shane, Lilia Lazo

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.547

09.11.2015 20:28
#12 RE: Recht haben und bekommen: Die Fälle von Perry Mason Zitat · antworten



Das Ermittlerteam (2/5): Barbara Hale ist Della Street

Barbara Hale (* 18. April 1922 DeKalb, Illinois) ist Della Street, Sekretärin und engste Vertraute des Rechtsanwalts Perry Mason. In der deutschen Synchronfassung erhält sie ihre engagierte Stimme von Heike Schroetter. Zu ihren angenehmsten Eigenschaften zählen ihre Zuverlässigkeit, ihre Belastbarkeit und ihre schnelle Auffassungsgabe. Sie arbeitet nicht nur im Vorzimmer des Privatbüros von Mason, sondern wird von ihm immer wieder zu Rate gezogen, wenn er eine zweite Meinung benötigt, eine loyale Partnerin oder einfach nur einen Menschen, dem er völlig vertrauen kann. Sie sieht Perry nicht nur in Ausübung seines Amtes vor Gericht, sondern begleitet ihn zu Mandanten und ermittelt mit ihm, wenn es nötig ist, einen Tatort noch einmal zu untersuchen. Mason weiß, dass er sie mitten in der Nacht anrufen kann und sie binnen kurzer Zeit zur Stelle ist. Sie erledigt für ihn Aufträge, die er als Anwalt bzw. Mann nicht so problemlos ausführen könnte. Della genießt die Wertschätzung ihres Chefs, der ihr immer wieder zeigt, dass ihm ihre Gesellschaft sowohl Anregung als auch Entspannung verschafft. Oft hakt er sich bei ihr unter oder legt seinen Arm um sie. Die Mahlzeiten nimmt Della oft mit Mason und dem Detektiv Paul Drake ein, was wiederum zeigt, wie fließend die Grenzen zwischen Arbeitszeit und Privatleben in der Serie sind. Die drei unverheirateten Hauptfiguren scheinen außerhalb des Büros kaum soziale Kontakte zu pflegen und es ist deshalb verständlich, dass die wenigen ruhigen Stunden gern im vertrauten Kreis stattfinden. Hier muss sich keiner verstellen und kann dennoch mit Respekt und ehrlichem Interesse rechnen.

Neben den kniffligen und oft mit skurrilen Zutaten gewürzten Kriminalfällen sind es vor allem die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen den Rechtsvertretern, die für Lebendigkeit sorgen. Man hänselt sich gern, besonders wenn der oft als Zielscheibe humoriger Bemerkungen auserkorene Paul Drake in der Nähe ist. Das gutaussehende Trio steht für den Inbegriff des amerikanischen Idealbürgers: wach, tatkräftig, smart und von gewinnendem Wesen. Für den eitlen, aber weitaus weniger attraktiven Staatsanwalt stellen die drei jungen Kollegen in ihrer Zuversicht eine fortwährende Provokation dar. Della Street ist oft die einzige Frau inmitten der anwesenden Polizeiärzte, Spurensicherer und Sergeants. Ebenso vor Gericht, wo sie neben Perry Mason und dem Angeklagten sitzt. Richter, Staatsanwalt und Sachverständige sind ausnahmslos Männer, nur bei weiblichen Angeklagten wartet diskret eine Polizistin im Hintergrund. Als Mitarbeiterin von Mason erhält Della Zugang zu Orten, an denen man sie sonst nicht gern sehen würde. Inmitten von labilen Zeugen, exzentrischen und oft hysterischen Verdächtigen sowie rabiaten Patriarchen wirkt Della als ausgleichendes Element. Sie bildet sich ihre Meinung und weiß, wann es besser ist zu schweigen, jedoch auch, wann sie energisch eingreifen muss. Kein Wunder, dass Mason ihre Anwesenheit schätzt, auch wenn er nur in alten Akten blättert oder nach einem langen Tag am Schreibtisch eindöst.

  • The Clay Pigeon (1949, RKO)
    Regie: Richard Fleischer, mit Bill Williams, Richard Quine, Richard Loo
  • The Window (Das unheimliche Fenster, 1949, RKO)
    Regie: Ted Tetzlaff, mit Arthur Kennedy, Paul Stewart, Ruth Roman
  • The Houston Story (Alarm an Ölturm 3, 1956, Columbia)
    Regie: William Castle, mit Gene Barry, Edward Arnold, Paul Richards

Gubanov Offline




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09.11.2015 21:00
#13 RE: Recht haben und bekommen: Die Fälle von Perry Mason Zitat · antworten



Perry Mason: Der Fall mit der undankbaren Mandantin

The Case of the Sun Bather’s Diary, Folge 17 der TV-Kriminalserie, USA 1958. Regie: Ted Post. Drehbuch: Gene Wang (Buchvorlage: Erle Stanley Gardner). In den Hauptrollen: Raymond Burr, Barbara Hale, William Hopper, William Talman, Ray Collins. Gastdarsteller: Susan Morrow, Carl Betz, Gertrude Michael, Peter Leeds, Ralph Moody, Connie Cezon, Kenneth MacDonald, Paul Brinegar u.a. Erstsendung: 11. Januar 1958, CBS.

Sonnenbaden kann gefährlich sein! Während sich Arlene Dowling auf einer Waldlichtung einen Teint zulegt, wird ihr Wohnwagen mit all ihrem Hab und Gut gestohlen. Selbst in so delikaten Situationen kann Perry Mason helfen: Della bringt Arlene ein Kostüm und ein Paar Schuhe vorbei, während Perry sich auf die Suche nach dem Wohnwagen macht. Er findet ihn bei einem Gebrauchtwagenhändler. Arlene hört nicht auf seinen Rat und kauft ihm das Vehikel ab, anstatt auf das Eintreffen der Polizei zu warten. Hat sie etwas zu verbergen? Und hat das eventuell etwas mit dem Raub von 400’000 Dollar bei der Mercantile-Bank vor zehn Monaten zu tun? Schneller als es ihr lieb ist, findet sich Arlene auf Hamilton Burgers Anklagebank wieder – wegen Mordes!

Der Mord lässt im „Fall der undankbaren Mandantin“ eine ganze Weile auf sich warten – die Leiche wird erst nach 27 Minuten und damit in der zweiten Hälfte der Spielzeit gefunden. Das liegt daran, dass die Folge vollgestopft mit einer illustren Vorgeschichte ist, die größere Faszination hervorruft als der eher beiläufige Mordfall. Vor allem das sonderbare Verhalten Arlenes lässt neben Perry Mason auch den Zuschauer verwundert zurück. Sie wirft mit Geld nur so um sich, zahlt für den Wohnwagen 2’500 Dollar (heutiger Gegenwert: 18’000 $) und Perry ein Honorar von 1’500 (mehr als 10’000 $).

Die Anfangsszenen mit der bis auf ein Handtuch völlig ausgeraubten Schönheit sind angemessen handzahm inszeniert (die zweite und leider letzte Verpflichtung von Ted Post); weniger überzeugen können die diesmal etwas abgehalfterten Schauplätze. Als Entschädigung darf man einen Blick in einen Teil des Gerichtsgebäudes werfen, den man bisher noch nicht zu Augen bekommen hat: ein kleinerer Saal zur Voruntersuchung, bei der Perry Mason unter Verdacht steht, Beihilfe geleistet zu haben. Dieser Teil der Geschichte erscheint etwas unglaubwürdig: Sicher hätte Mason in der Realität die Verteidigung nicht übernehmen dürfen, wenn er unter Verdacht stand, mit der Mörderin kollaboriert zu haben!

Perry Mason: Der Fall mit dem doppelten Alibi

The Case of the Cautious Coquette, Folge 18 der TV-Kriminalserie, USA 1958. Regie: Laslo Benedek. Drehbuch: Leo Townsend, Gene Wang (Buchvorlage: Erle Stanley Gardner). In den Hauptrollen: Raymond Burr, Barbara Hale, William Hopper, William Talman, Ray Collins. Gastdarsteller: Virginia Gregg, Kipp Hamilton, Harry Jackson, Chet Stratton, Sidney Clute, James Seay, Sydney Smith, K.L. Smith u.a. Erstsendung: 18. Januar 1958, CBS.

Nur zu gern würde Elaine Barton ihren Liebhaber Ross Hollister heiraten – dummerweise hat sie bereits eine Ehe mit dem unangenehmen Harry Pitkin geschlossen, der versucht, sie zu erpressen. Elaine hat Glück im Unglück: Kurz vor Ablauf des Ultimatums liegt Harry tot in ihrem Apartment. Als der Verdacht naheliegenderweise auf Elaine fällt, springt ihr Perry Mason als Verteidiger bei. Er ist dabei nicht der einzige, der sich fragt, wo Ross Hollister abgeblieben ist, über dessen Aufenthaltsort weder Elaine noch seine Geschäftspartnerin Sheila Cromwell Auskunft geben können oder wollen ...

Im Gegensatz zu vielen persilweißen Unschuldslämmern, die im Rahmen der Serie wie aus heiterem Himmel immer wieder Ärger mit dem Gesetz bekommen, präsentiert sich Elaine Barton-Pitkin erfreulich doppelbödig. Sie bringt sich durch die unvorsichtige Wahl ihrer Männer ein Stückweit eigenverantwortlich in die Bredouille; selbst die Beziehung zu Hollister kann die Anmutung einer Mätressenschaft nicht verleugnen, zumal der Geschäftsmann zur Sicherheit erstmal einen Privatdetektiv auf seine junge Freundin ansetzt. Ebenso interessant die Beziehung zwischen Hollister und Sheila Cromwell, die als Witwe ebenfalls ihre Klauen in den alten Bekannten geschlagen zu haben scheint und am Ende als Racheengel zu Hochtouren aufläuft.

Die Nebenhandlungsstränge im „Fall mit dem doppelten Alibi“ gestalten sich etwas bemüht und übermäßig kompliziert, was den Spaß an der Folge ein wenig trübt. Die Plotline um den Autounfall wirkt beispielsweise ein wenig verloren im engen Laufzeitkorsett, wobei immerhin Perry Masons uramerikanische Abneigung gegen Versicherungen und ihre Vertreter mitsamt einer amüsanten Schlussszene daraus hervorgeht.

Gubanov Offline




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10.11.2015 21:00
#14 RE: Recht haben und bekommen: Die Fälle von Perry Mason Zitat · antworten



Perry Mason: Der Fall mit dem verfolgten Verfolger

The Case of the Haunted Husband, Folge 19 der TV-Kriminalserie, USA 1958. Regie: Lewis Allen. Drehbuch: Gene Wang (Buchvorlage: Erle Stanley Gardner). In den Hauptrollen: Raymond Burr, Barbara Hale, William Hopper, William Talman, Ray Collins. Gastdarsteller: Karen Steele, Grant Richards, Patricia Hardy, Fredd Wayne, Helen Westcott, John Hubbard, Harlan Warde, Herb Vigran u.a. Erstsendung: 25. Januar 1958, CBS.

Im Wagen eines zudringlichen Fremden wird Anhalterin Claire Olgar in einen Autounfall verwickelt, bei dem der Fahrer des entgegenkommenden Lastwagens stirbt. Der betrunkene Fahrer des Wagens, in dem Claire sitzt, verschwindet spurlos. Für Claire beginnt ein regelrechter Alptraum, denn die Polizei hält sie für die Verursacherin des Crashs und stellt außerdem fest, dass das Auto dem Filmproduzenten Jerry Heywood gestohlen wurde. Als sei dieses Zusammentreffen noch nicht unglücklich genug, taucht der mysteriöse Autodieb tatsächlich wieder auf – allerdings in leblosem Zustand. Die Staatsanwaltschaft ändert ihre Anklage von Fahrerflucht in Mord. Denn Claire hatte ja schließlich das beste Motiv, Langfinger Greeley zu beseitigen. Oder?

Zum zweiten Mal in Folge spielt die Angeklagte eine untergeordnete Rolle im Handlungsverlauf, was manchmal dem strikten Vorgehen der Staatsanwaltschaft geschuldet, aber trotzdem immer ein bisschen schade ist, weil sich ein guter Serienfall ja eigentlich gerade um die Interaktion von Anwalt und Mandant drehen sollte. Als Ersatz taucht diesmal die beste Freundin der Angeklagten auf, die auf Ermittlungstour geschickt wird, aber das wichtigste (den zweiten Mord) natürlich prompt verpasst. Da hätte Perry wohl lieber die erfahrene Della auf Fredd Wayne ansetzen sollen!

Ungewöhnlich sind die Unbillen des sonst so makellosen südkalifornischen Wetters, wobei der Regen eine wichtige Rolle für ein Indiz und damit auch für die Auflösung spielt, wie einem erst im allerletzten Moment – noch nach der Überführung – bewusst wird. Mit so einem starken Beweis wie der Feder am Schuh kann nicht jede Folge aufwarten – Chapeau dafür! So bleibt die Rahmung des Falls als überaus gelungen in Erinnerung, während zwischenzeitlich die Spannung ein klein wenig einknickt, wobei sich die Folge dennoch zum guten Mittelfeld der ersten Halbstaffel zählen darf.

Gubanov Offline




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11.11.2015 15:30
#15 RE: Recht haben und bekommen: Die Fälle von Perry Mason Zitat · antworten

Staffel 1 / Teil 1: Ranking der Episoden 1 bis 19

  • 001-1-01: Platz 08/19, (4,0/5) ■■■■ TCot Restless Redhead (DFmd zwei Revolvern)
  • 002-1-02: Platz 04/19, (4,5/5) ■■■■□ TCot Sleepwalker’s Niece (DFmd Nichte des Schlafwandlers)
  • 003-1-03: Platz 11/19, (4,0/5) ■■■■ TCot Nervous Accomplice (DFmd unbequemen Aktionär)
  • 004-1-04: Platz 18/19, (3,0/5) ■■■■■ TCot Drowning Duck (DFmd ertrinkenden Ente)
  • 005-1-05: Platz 02/19, (5,0/5) ■■■■■ TCot Sulky Girl (DFmd eigensinnigen Mädchen)
  • 006-1-06: Platz 06/19, (4,5/5) ■■■■□ TCot Silent Partner (DFmd stillen Teilhaber)
  • 007-1-07: Platz 13/19, (4,0/5) ■■■■ TCot Angry Mourner (DFmd vielen Fußspuren)
  • 008-1-08: Platz 05/19, (4,5/5) ■■■■□ TCot Crimson Kiss (DFmd geküssten Toten)
  • 009-1-09: Platz 10/19, (4,0/5) ■■■■ TCot Vagabond Vixen (DFmd jungen Anhalterin)
  • 010-1-10: Platz 14/19, (3,5/5) ■■■□ TCot Runaway Corpse (DFmd verschwundenen Leiche)
  • 011-1-11: Platz 16/19, (3,5/5) ■■■□ TCot Crooked Candle (DFmd schiefen Kerze)
  • 012-1-12: Platz 19/19, (3,0/5) ■■■■■ TCot Negligent Nymph (DFmd verfolgten Meerjungfrau)
  • 013-1-13: Platz 01/19, (5,0/5) ■■■■■ TCot Moth-Eaten Mink (DFmd Laus im Pelz)
  • 014-1-14: Platz 17/19, (3,5/5) ■■■□ TCot Baited Hook (DFmd anonymen Mandantin)
  • 015-1-15: Platz 09/19, (4,0/5) ■■■■ TCot Fan Dancer’s Horse (DFmd blutigen Rächer)
  • 016-1-16: Platz 03/19, (4,5/5) ■■■■□ TCot Demure Defendant (DFmd Tyrannenmord)
  • 017-1-17: Platz 12/19, (4,0/5) ■■■■ TCot Sun Bather’s Diary (DFmd undankbaren Mandantin)
  • 018-1-18: Platz 15/19, (3,5/5) ■■■□ TCot Cautious Coquette (DFmd doppelten Alibi)
  • 019-1-19: Platz 07/19, (4,0/5) ■■■■ TCot Haunted Husband (DFmd verfolgten Verfolger)

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