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Dieses Thema hat 32 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
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Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 312

22.03.2020 20:45
#31 RE: Recht haben und bekommen: Die Fälle von Perry Mason Zitat · Antworten

Episode 9 – Der Fall mit der jungen Anhalterin (1957)

Der Filmproduzent Edgar Ferell nimmt eine scheinbar arglose junge Dame als Anhalterin mit, die kurz zuvor noch mit einem jungen Mann verschwörerisch getuschelt hatte. Ferell führt sie in sein Anwesen am Meer, wo er bald darauf erschossen wird. Die junge Frau, Veronica Dale, flüchtet sich zu einer Tankstelle. Dort nimmt sie bald der „zufällig“ dort vorbeikommende John Addison mit, der Geschäftspartner von Ferell. Bald darauf wird dieser von dem widerlichen Eric Hansell wegen seiner Bekanntschaft mit der jugendlichen Veronica erpresst. Nicht genug damit, auch der Mord an seinem wenig geschätzten Geschäftspartner wird ihm jetzt vorgeworfen. Perry Mason konnte den Erpresser mit einem (scheinbar) gefälschten Scheck selber arg in die Klemme bringen, doch der Mordvorwurf ist nicht so einfach aus der Welt zu schaffen, zumal der Erpresser samt seiner doch nicht so unschuldigen Gefährtin zu Belastungszeugen des Anklägers Hamilton Burger gemacht werden. Weiter tauchen eine falsche und eine richtige Mutter von Veronica auf, die letztere eher eine humoristische Einlage, eine dralle und redselige Person, für die die tägliche Dosis Alkohol und ein kleiner Flirt zum Leben dazugehören, eher ein ungewohnter Anblick in der züchtigen Mason-Welt.
Und was weiß die Personalchefin Myrtle Winthorpe, die ihren unter Anklage stehenden Chef Addison nicht nur beruflich zu schätzen scheint, genauso wie die überhaupt nicht sehr traurige attraktive Witwe des ermordeten Ferell ?
Der Anwalt muss mit seinem üblichen Helferkreis wieder mal ganz schön rotieren, um die verblüffende Wahrheit aufzudecken. Nachdem er den Täter – diesmal außerhalb des Gerichtssaales – gestellt hat, macht er sich bald über dessen Verteidigung Gedanken, denn es ist nicht die unsympathischste Person.

Die Verfilmung des auf Deutsch unter dem Titel Die Unschuld vom Lande erschienenen Buches, das Gardner Ende der vierziger Jahre geschrieben hat, weist diesmal doch erheblichere Abweichungen auf.
Der Ermordete sowie der Hauptverdächtige waren keine Filmmogule, sondern Inhaber des größten Warenhauses am Platz. Der Schauplatz des Mordes war auch keine Traumvilla am Strand, sondern ein verfallenes Gebäude irgendwo in der „Pampa“. Das Verstecken der restlichen Revolvermunition aus der Mordwaffe in Masons Büro durch einen Unbekannten sowie das Auffinden des Revolvers selbst in einem trockenen Flussbett entfiel gänzlich, ebenso wie das wiederholte Auftauchen des Beschuldigten am Tatort vor der offiziellen Entdeckung der Leiche sowie eine eventuelle rothaarige Geliebte des Getöteten und andere Kleinigkeiten. Na gut, das sind halt die üblichen Vereinfachungen und Anpassungen wie in jeder Folge. Dazu kommt wohl auch noch, dass es Mason im Buch nicht nur mit Leutnant (bzw. Inspektor) Tragg zu tun bekommt, sondern auch noch mit seinem Erzrivalen bei der Polizei, Sergeant Holcomb. Auch im Film gibt es einen zweiten Polizeiermittler, doch wesentlich friedlicher als Holcomb. Die beiden nehmen den Anwalt heftig in die Zange, denn entgegen der Passage im Film hat Mason den Scheck zu Händen des Erpressers tatsächlich selber gefälscht, um den Schurken in eine unangenehme Situation zu bringen. Die Polizeioffiziere riechen natürlich den Braten und auch Tragg attackiert Perry ungewöhnlich heftig. Nur Della Streets geistesgegenwärtiges Handeln kann schlimmere Konsequenzen für ihren gar nicht so gesetzeskonformen Chef abwenden. So was wird in den Filmen grundsätzlich immer geglättet – ein Rechtsvertreter, der im Interesse seiner Mandanten allerlei unsaubere Tricks anwendet, passt halt nicht in ein Fernsehformat für die Masse. Weiterhin weiß der Zuseher der Mason-Episode von vornherein, dass die junge weibliche „Unschuld“ ein linkes Ding dreht, während die Sache im Buch lange Zeit offenbleibt und von Perry Mason so nach und nach mühsam aufgedeckt werden muss. Das geht ein wenig auf Kosten der Spannung, doch die Überraschung ist dann am Ende auch größer. Ein wesentliches Element des Romans, eine zerschossene Fensterscheibe im Mordzimmer, wurde im Film leider auch weggelassen, obwohl das eine sehr reizvolle Spurenauswertung zur Folge hatte, die auch gut in die fünfzigminütige Episode gepasst hätte.
Die Handlungsstraffung tut dem Fall mit der jungen Anhalterin einerseits gut, andererseits wurde da eben auch Potenzial verschenkt. In sich gesehen ist es wohl eine gute, doch nicht herausragende Folge.

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 312

25.03.2020 20:01
#32 RE: Recht haben und bekommen: Die Fälle von Perry Mason Zitat · Antworten

Episode 10 - Der Fall mit der verschwundenen Leiche

Mr. Davenport lässt in einem renommierten Institut sein Mittagessen analysieren – mit dem Ergebnis, dass es Arsen enthält. Daran kann nur seine Frau Myrna schuld sein, ist er sich sicher. Zuhause macht er ihr im Beisein ihrer Cousine Vorwürfe, auch schon ihren Onkel vergiftet zu haben, der vor ein paar Monaten gestorben war. Wenig später liegt er krank in einem Motel darnieder, der herbeigerufene Arzt kann nur wieder die beiden Frauen informieren und ihn künstlich beatmen, trotzdem stirbt er bald darauf. Der Doktor teilt der Polizei die Beschuldigungen des kürzlich Verschiedenen gegen dessen Frau mit, die er vor seinem Ableben wiederholt hat. Im Auftrag der Gattin durchsucht der zwischendurch informierte Perry Mason die Geschäftsräume des Toten, ein heimlich geöffneter Brief enthält nur leere Blätter, es sieht so aus, als ob der Anwalt etwaiges Beweismaterial entfernt hat, außerdem hat er sich möglicherweise generell gegen das Gesetz gestellt, denn die angebliche Leiche ist von ihrem Totenbett verschwunden und offenbar doch gar nicht so tot wie gedacht… Was erst wie ein gefundenes Fressen für Staatsanwalt Hamilton Burger aussieht, entpuppt sich als immer verworrenerer Fall, so dass sogar Burger relativ bald die Waffen strecken muss. Mittlerweile ist die verschwundene Leiche vergiftet in einem provisorischen Grab in der Nähe eines Schuttplatzes gefunden worden, auch der verstorbene Onkel wurde exhumiert und war mit Arsen abgefüllt. Es geht um eine Menge Geld, trotz des Verdachtes gegen Myrna wirken auch ihre Cousine sowie die junge attraktive Sekretärin von Davenport alles andere als unschuldig, und dann gibt es da noch einen Privatdetektiv, der von dem späteren Opfer mit allerlei Aufträgen engagiert war…
Perry Mason gelingt es wieder, den Fall mit Unterstützung von Paul Drake und auch seiner unermüdlichen Sekretärin Della zu lösen und einen Mörder aus dem Hut zu zaubern, mit dem man wohl kaum gerechnet hat.

Ein interessanter Fall für den Mr. Mason, den er sich da wieder mal an Land gezogen hat. Vielleicht bei genauerer Betrachtung nicht hundertprozentig stimmig, doch die Aufklärung der verworrenen Geschichte gelingt dem Anwalt der letzten Hoffnung wieder einmal bravourös. Das nur wenige Jahre vor der Verfilmung geschriebene Buch hat den deutschen Titel Wohin fuhr der Tote ? bekommen, nicht eben spektakulär. Natürlich kann man auch bei diesem Mordfall einwenden, dass in der Realität Verbrechen kaum so verwickelt und komplex geschehen wie hier. Aber deshalb schaut man ja solche Filme auch oder liest die entsprechenden Bücher. Wie viel diesmal vereinfacht und gekürzt wurde, kann ich nicht sagen, aber es war für fünfzig Minuten inhaltlich immer noch vollgestopft genug. Die gute Della findet diesmal in der Nähe des Fundortes des vergifteten Davenport Reifenspuren, die Perry auf die richtige «Denk»spur bringen, wofür sie sich auch ausgiebig und berechtigterweise loben lässt, wenngleich sich die Herren am Ende ihr gegenüber wenig «gentlemanlike» benehmen und mit einem schiefhängenden Bild kämpfen lassen. Da muss sich ihre Anerkennung eben anders besorgen.
Wieder mal ein sehr guter spannender Kriminalfall, obwohl sich Mr. Burger trotz viel Gepolter am Anfang diesmal außergewöhnlich pflegeleicht gibt.

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 312

29.03.2020 15:00
#33 RE: Recht haben und bekommen: Die Fälle von Perry Mason Zitat · Antworten

Episode 11 - Der Fall mit der schiefen Kerze (1957)

Bei einem Frisörbesuch stehen sich zum angesetzten Termin plötzlich zwei Mrs. Bradfords gegenüber, die auch noch unter den selben Adresse wohnen sollen. Die dunkelhaarige Martha sieht sich einer blonden Kontrahentin, Rita, ausgesetzt, ist ihr Ehemann ein Bigamist ? Wo hat die zweite Mrs. Bradford die ganze Zeit gelebt ? Was treibt ihr Gatte überhaupt so ? Irgendwie ist er wohl auch in Ölgeschäfte verwickelt und spurlos verschwunden. In der Nacht findet Martha nasse Fusspuren in ihrem Haus. Perry Mason beginnt zu ermitteln, wird von dem aufgebrachten griechischen Schafzüchter Nikolides bedroht und findet schließlich den ermordeten Joe Bradford an Bord seiner Jacht, mit der er immer ein wenig aufs Meer hinausschipperte, um seine Ruhe zu haben. Am Tatort findet sich eine schief aufgestellte und benutzte Kerze. Perry ist sich sicher, dass die die Lösung bietet, um die zwischenzeitlich als Mörderin verdächtigte Martha zu entlasten. Was wissen der Sekretär des Ermordeten Jack Harper sowie ein alter Freund der Familie, Larry Sands, welche Mrs. Bradford beide nicht nur rein freundschaftliche Gefühle entgegenzubringen scheinen ? Perry setzt auch Paul Drake in die Spur, der auch ungewohnte romantische Aufwallungen für die zweite und offenbar an Amnesie leidende Mrs. Rita Bradford zu entwickeln beginnt. Doch auch Della hilft wieder tatkräftig mit, man macht einen Versuch an Bord der unheilvollen Jacht, und Mason kann wieder einmal den Täter überführen, wobei auch die namensgebende schiefe Kerze ihre Rolle spielt.

Wer den in den frühen Vierzigern geschriebenen Krimi Perry Mason und die krumme Kerze gelesen hat, der kann sich bei dieser Folge (eigentlich das erste Mal) wirklich nur die Haare raufen über den Unsinn, den das Filmdrehbuch diesmal verzapft hat. Nicht umsonst hat Goldmann zu seinem vierzigsten Taschenkrimi-Jubiläum im Jahre 1992 dieses detektivische Kleinod mit auf die Liste der Jubiläumsausgaben gesetzt. Wenn man sieht, was der Film daraus gemacht hat - oje oje.
Sicher wäre eine detailgetreuere und für den Zuschauer verständliche Umsetzung der literarischen Vorlage sehr schwierig zu machen gewesen. Doch Perry Masons filmische umwälzende Erkenntnis, dass die Gezeiten für einen Lagewechsel der Leiche an Bord des kleinen Schiffes verantwortlich waren, stand nie zur Debatte, die Frage war eher nur, zu welchem Zeitpunkt genau das Ganze erfolgt ist. Hieraus ergaben sich für Anklage und Verteidigung die entscheidenden Punkte.
Die eher hanebüchene und schlecht erklärte Story von den beiden Ehefrauen mit gleichen Namen gab es im Buch gar nicht, das hätte man echt lassen können. Das Opfer des Verbrechens war ein untreuer Geschäftspartner aus dem Ölgeschäft, der auf Bradfords Jacht gefunden wurde. Bradford geriet daraufhin unter Tatverdacht, seine Tochter versuchte, diesen durch ein aufwändig konstruiertes Scheinalibi zu entkräften, machte sich aber letztendlich selber verdächtig. Überhaupt spielen allerlei vorbereitete Alibis der recht zahlreichen Beteiligten eine große Rolle im Buch, fast eine zu große, denn es vergeht eine Menge Zeit mit der Aufklärung von derlei und anderen Nebensächlichkeiten, während das Verbrechen eher am Rande passiert.
Doch die zweite Hälfte hat es dann in sich, auf den Leser prasselt ein ganzes Feuerwerk von Indizien nieder, die in die richtige Anordnung gebracht werden wollen. Blutlachen auf dem Teppich, das Spiel von Ebbe und Flut zu verschiedenen Zeitpunkten, der Eintritt der Totenstarre, ein blutiger Damenschuhabdruck in der Mitte der Kajütentreppe, die Zeitdauer des Blutens bei einer Leiche, das alles sind wichtige Fakten, die sich beim Vergleich der vorgeblichen Alibis aller Verdächtigen mitunter scheinbar gegenseitig auszuschließen scheinen. Dazu kommt noch die „berühmte“ schiefe Kerze, welche aber gleichmäßig abgebrannt ist und deren Winkel anhand eines Tatortfotos geschätzt wird. Man muss schon genau mitdenken, wenn man die Theorien verstehen will, die Perry und seine Mannschaft anhand von Gezeitentabellen ent- und wieder verwerfen. So macht der gewiefte Anwalt auch am Ende mit Della den Selbstversuch an Bord der Unglücksjacht, gruseliger als im Film, da hier noch das Blut des Opfers klebt. Außerdem stattet der Mörder in dieser unheimlichen Nacht dem in tiefem Nebel liegenden Wasserfahrzeug noch seinen Besuch ab, wobei er mit einer Bombe nicht nur dieses, sondern fast noch Perry und Della beseitigt – eine der wohldosierten Thrill-Szenen in den Gardner-Krimis.
Nebenbei sorgt Perry (wieder mal) fast nebenbei und wohl ohne eigenen Profit dafür, dass eine ärmliche ältere Dame, die die Ölspekulanten über den Tisch ziehen wollten, eine unerwartete und großzügige Abfindung bekommt - ein netter Zug.
Am Ende hat Mason den Übeltäter wieder enttarnt, wobei er im Prinzip eine 180°-Drehung der bisherigen Annahmen des Tatablaufes darstellte. Im Film ist von dieser Genialität leider nicht viel zu spüren, wenngleich man sich Mühe gegeben hat, Perry auch hier ein paar gute Kombinationen in den Mund zu legen.
Leider hat man es nicht geschafft, den hervorragenden, wenngleich schwierig zu verstehenden Lesestoff in ein gleichermaßen akzeptables filmisches Pendant umzusetzen, so bleibt die elfte Episode mit der krummen Kerze leider nur bestenfalls Mittelmaß.

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