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Dieses Thema hat 20 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
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Percy Lister Offline



Beiträge: 3.509

15.11.2015 14:12
#16 RE: Recht haben und bekommen: Die Fälle von Perry Mason Zitat · antworten



Das Ermittlerteam (3/5): William Hopper ist Paul Drake

William Hopper (* 26. Januar 1915 New York City, New York; † 6. März 1970 Palm Springs, Kalifornien) ist Paul Drake, Detektiv und Freund der Kanzlei Perry Mason. Er hat den Beruf des Privatschnüfflers zur Profession erhoben und leitet eine Agentur, die mehrere Leute in verschiedenen Bundesstaaten beschäftigt. Ein Anruf genügt - zu jeder Tages- und Nachtzeit - und Paul eilt Perry Mason zur Hilfe. Obwohl er oft als weniger strebsam als sein gelehrter Freund dargestellt wird und auch einmal seine Ruhe nach Feierabend haben möchte, nimmt er seinen Beruf nicht weniger ernst. Oft spürt er den Konflikt zwischen dem Bedürfnis, Perry in für dessen Mandanten kompromittierenden Situationen zu helfen und die Polizeibehörde zu informieren. Im Gegensatz zu Mason genießt er keine Immunität, sondern setzt seine Lizenz aufs Spiel, wenn er Kenntnis von einer Straftat hat und diese nicht sofort meldet. Meistens handelt sich der Anwalt ein Schlupfloch aus und Paul muss sich dem Erstverhör durch Lt. Tragg stellen. Nicht selten wird er mit der Drohung, ihm Schwierigkeiten zu machen, zum Reden gebracht. Die Verantwortung, die Drake nicht nur für sich, sondern auch für die von ihm beschäftigten Mitarbeiter trägt, lässt ihn oft mit den gesetzlichen Vorschriften hadern, die in vielen Fällen verhindern, dass er einer heißen Spur nachgehen kann. Er übernimmt nicht nur Observationen von Verdächtigen, sondern besorgt auch Informationen und beschafft Beweismaterial.

Bei Gericht nimmt er neben Perry Mason Platz, um während der laufenden Verhandlung schnell einem Hinweis eines Zeugen nachgehen zu können und im Auftrag des Anwalts Telefonate zu führen oder Bestätigungen einzuholen. Drake ist mit seiner athletischen Figur auch der sportlich aktivere Teil der beiden Freunde, was sich in Szenen bezahlt macht, die körperlichen Einsatz erfordern. So ist es an ihm, eine Frau aus der Bucht zu retten, als Perry und er mit dem Segelboot unterwegs sind. "The Body and the Brain" sind in der freien Natur und auf den endlosen Landstraßen ein gutes Team, weil sie sich in angenehmer Weise ergänzen und jeder die Fähigkeiten des anderen schätzt. Perry und seine Assistentin Della machen sich gern einen Spaß daraus, Paul aufzuziehen, was dieser jedoch gutmütig über sich ergehen lässt. Er zollt Della charmante Komplimente, ohne Perry ins Gehege zu kommen. Privat entspannt er sich bei einem Kartenspiel, aus dessen Runde er jedoch meist von Mason zu einem neuen Auftrag abberufen wird. Gerne nimmt das Trio Perry-Della-Paul auch gemeinsam die Mahlzeiten ein, bei denen der aktuell bearbeitete Fall natürlich Hauptgesprächsthema ist. Die Unermüdlichkeit des amerikanischen Arbeitseinsatzes macht auch vor den wenigen Pausen nicht halt. In jedem Fall macht Paul sowohl in seinen hellen Tagesanzügen, als auch im Smoking eine gute Figur und ist ein tadelloser Begleiter für Della und ein belastbarer Kamerad für Perry. Oft ist er es, der das Eis bricht und die beiden Kanzleimitarbeiter aus eintöniger Diktierroutine reißt, wenn die Bürozeiten schon längst überschritten sind. Sein Erscheinen bringt dann die nötige Atempause, die den Ernst der Arbeit ein wenig abmildert und für Momente der Entspannung sorgt. - Der Synchronsprecher für die deutsche Fassung war Martin Keßler.

  • Dust Be My Destiny (Weg aus dem Nichts, 1939, Warner)
    Regie: Lewis Seiler, mit John Garfield, Priscilla Lane, Alan Hale
  • Invisible Stripes (Zwölf Monate Bewährungsfrist, 1939, Warner)
    Regie: Lloyd Bacon, mit George Raft, Jane Bryan, William Holden
  • The Maltese Falcon (Die Spur des Falken, 1941, Warner)
    Regie: John Huston, mit Humphrey Bogart, Mary Astor, Gladys George

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.509

29.11.2015 21:03
#17 RE: Recht haben und bekommen: Die Fälle von Perry Mason Zitat · antworten



Das Ermittlerteam (4/5): William Talman ist Hamilton Burger

William Talman (* 4. Februar 1915 Detroit, Michigan; † 30. August 1968 Encino, Kalifornien) ist Hamilton Burger, der Staatsanwalt aus Berufung. Wenn er die Anklage führt, spürt man die Schwere der geforderten Strafe (Tod durch die Zyankalispritze oder in der Gaskammer) umso deutlicher, weil er keinen Zweifel daran lässt, dass er bis zum Äußersten gehen wird. Manchmal, wenn er sich nicht sicher ist, ob er gegen Perry Masons Argumentation gute Karten haben wird, schlägt er diesem einen Handel vor: In einer angeblichen Anwandlung von Güte will er sich mit dem Urteil "Lebenslänglich" begnügen. Hamilton Burger ist die Würze eines jeden Strafprozesses und man vermisst ihn schmerzlich, wenn eine Verhandlung nicht in Los Angeles, sondern in der ländlichen Peripherie stattfindet. Seine Arbeit erledigt er mit Präzision, lässt sich durch nichts ablenken (seine Büromitarbeiter sind männlich) und feilt gleichzeitig an seiner Karriere. Ehrgeizig, zielstrebig und humorlos glaubt er relativ rasch das Offensichtliche, um einen vermeintlichen Erfolg einzufahren. Im Gegensatz zu seinem treuen Ratgeber und Vertrauten Tragg, der die Sticheleien mit Mason eher sportlich sieht, fühlt sich Burger persönlich angegriffen, wenn einer seiner Einsprüche vom Richter abgewiesen wird. Die Empörung steht ihm dann im Gesicht geschrieben und er ringt um Fassung. Der rothaarige Mann ist sehr eitel, was sich an seiner akkuraten Frisur und seinen geschmeidigen Bewegungen zwischen Anklagebank und Zeugenstand zeigt. Allerdings ist er sich nur allzu sehr bewusst, dass er mit dem attraktiven und ihm gegenüber oft ironischen Trio aus der Kanzlei Mason nicht mithalten kann. In diesem Zusammenhang wäre interessant zu wissen, wer von den beiden Männern einen sozialen Aufstieg geschafft hat: Burger oder Mason.

Hamilton Burger tritt oft erst nach einer halben Stunde in Erscheinung, weil die Vorgeschichte eines Mordfalls ausführlich geschildert wird. Selten sieht man ihn außerhalb des Gerichtssaals, wenn, dann höchstens in seinem schmucklosen Büro oder bei einem Lokaltermin. Er trägt dann gern einen Hut mit breiter Krempe. Er scheint sich Hoffnungen auf eine politische Karriere zu machen und will sich durch Härte und Unbeirrbarkeit dafür empfehlen. Oft bemerkt er zu spät, dass Mason mit seinem Um-die-Ecke-Denken auf der richtigen Spur ist und wird dadurch vor dem Richter brüskiert. Seine Kombinationen sind opportunistisch und phlegmatisch und wie ein scharfer Hund lässt er seine Beute nicht wieder los. Im Umgang mit seinem Kontrahenten Mason neigt er zur Schadenfreude und Bösartigkeit, meistens prallen diese Angriffe jedoch an der breiten Brust des Verteidigers ab. Gefühle sind ihm unangenehm, was man daran erkennt, dass er sich peinlich berührt fühlt, wenn eine (weibliche) Täterin unter Tränen gesteht, warum sie den Mord begangen hat. Er schätzt hysterische Ausbrüche nicht, weil er nicht weiß, wie er damit umgehen soll. In seiner Welt wird sachlich argumentiert und Fakten haben Vorrang vor allem. Oft streitet er sich mit dem Richter, wenn dieser der Verteidigung großzügigen Raum für Erläuterungen einräumt. Suggestivfragen trägt er mit einem listigen Grinsen vor, was ihm jedes Mal eine Ermahnung einbringt. Seine deutsche Synchronstimme (Manfred Rahn) verleiht ihm je nach Situation Beharrlichkeit oder Demut, die er besonders überzeugend zeigt, wenn er sich dem Strafgesetzbuch beugt.

  • The Woman on Pier 13 (Ich heirate einen Kommunisten, 1949, RKO)
    Regie: Robert Stevenson, mit Robert Ryan, Laraine Day, John Agar
  • Armored Car Robbery (1950, RKO)
    Regie: Richard Fleischer, mit Charles McGraw, Adele Jergens, Douglas Fowley
  • The Racket (Gangster / Das Syndikat, 1951, RKO)
    Regie: John Cromwell, mit Robert Mitchum, Lizabeth Scott, Robert Ryan
  • The Hitch-Hiker (1953, RKO)
    Regie: Ida Lupino, mit Edmond O’Brien, Frank Lovejoy, José Torvay
  • City That Never Sleeps (Chicago – 12 Uhr Mitternacht, 1953, Republic)
    Regie: John H. Auer, mit Gig Young, Mala Powers, Edward Arnold
  • Big House, U.S.A. (Blutgeld, 1955, United Artists)
    Regie: Howard W. Koch, mit Broderick Crawford, Ralph Meeker, Reed Hadley
  • Crashout (Straße des Terrors, 1955, Standard)
    Regie: Lewis R. Foster, mit William Bendix, Arthur Kennedy, Luther Adler

Ray Offline



Beiträge: 985

07.11.2017 11:01
#18 RE: Recht haben und bekommen: Die Fälle von Perry Mason Zitat · antworten

Nachdem ich nun ein paar Folgen dieser wirklich gut anzuschauenden Serie gesehen habe, drängte sich mir folgende Frage auf: Warum gab es in den 1950er- und 1960er-Jahren etwas Vergleichbares eigentlich nicht in Deutschland? Oder habe ich da etwas Nennenswertes vergessen? Serien aus Sicht von Polizei- oder Privatermittlern gab es doch zur genüge, da hätte eine "Anwaltsserie" vom Schlage "Perry Mason" vielleicht mal frischen Wind bringen können. Ich stelle mir da gerade so etwas wie "Slim Callaghan" vor, nur, dass besagter Callaghan nicht Privatdetektiv, sondern eben Anwalt bzw. Strafverteidiger ist. Hätte m.E. durchaus Potential gehabt.

Lord Peter Offline




Beiträge: 462

07.11.2017 11:55
#19 RE: Recht haben und bekommen: Die Fälle von Perry Mason Zitat · antworten

Immerhin zeigte die ARD seinerzeit 23 Folgen von "Perry Mason", die letzten allerdings nur im per UHF-Tuner empfangbaren ARD 2-Programm. Anscheinend war die Zuschauerresonanz nicht allzu überwältigend, weshalb es dann auch kein deutsches Serienformat dieser Art gab. Laut einem zeitgenössischen Bravo-Interview war die deutsche Stimme von Burr übrigens Gert Günther Hoffmann.

Übrigens - Burr sollte ursprünglich den Staatsanwalt Burger spielen, während für Mason William "Paul Drake" Hopper vorgesehen war. Die Probeaufnahmen sind sogar erhalten geblieben:

https://www.youtube.com/watch?v=jv22BnAMJUg

Ray Offline



Beiträge: 985

07.11.2017 12:59
#20 RE: Recht haben und bekommen: Die Fälle von Perry Mason Zitat · antworten

Danke für die Informationen. Die fehlende Resonanz bezüglich "Perry Mason" könnte in der Tat der Grund gewesen sein. Es hätte aber auch nicht zwingend ein Strafverteidiger sein müssen. Eine charmante Anwaltsserie wie es später "Edel & Starck" war, wäre mit einem entsprechenden Duo in meinen Augen ebenso reizvoll gewesen. Sowas hätte man durchaus mal probieren können.

In den bisherigen Folgen habe ich Engelbert von Nordhausen (Bill Cosby, Samuel L. Jackson u.a.) als Synchronstimme identifiziert. Aber das sind ja dann wahrscheinlich die Synchronfassungen, welche im Auftrag des Privatfernsehens gemacht wurden.

Lord Peter Offline




Beiträge: 462

07.11.2017 13:17
#21 RE: Recht haben und bekommen: Die Fälle von Perry Mason Zitat · antworten

Zitat von Ray im Beitrag #20
Danke für die Informationen. Die fehlende Resonanz bezüglich "Perry Mason" könnte in der Tat der Grund gewesen sein. Es hätte aber auch nicht zwingend ein Strafverteidiger sein müssen. Eine charmante Anwaltsserie wie es später "Edel & Starck" war, wäre mit einem entsprechenden Duo in meinen Augen ebenso reizvoll gewesen. Sowas hätte man durchaus mal probieren können.

In den bisherigen Folgen habe ich Engelbert von Nordhausen (Bill Cosby, Samuel L. Jackson u.a.) als Synchronstimme identifiziert. Aber das sind ja dann wahrscheinlich die Synchronfassungen, welche im Auftrag des Privatfernsehens gemacht wurden.


Richtig, das Privatfernsehen synchronisierte alle Folgen (auch die bereits in den 60ern gesendeten) mit Engelbert von Nordhausen.

In den Spielfilmen aus den 80ern/90ern (Synchro durch ZDF, Pro 7 und Kabel 1) sprach allerdings Heinz Giese für Burr und Dagmar "Jessica Fletcher" Altrichter für Barbara Hale.

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