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Dieses Thema hat 1 Antworten
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 Schauspieler/-innen
Peter Offline




Beiträge: 2.861

16.10.2015 17:00
Ludwig Linkmann Zitat · Antworten

Ludwig Linkmann (* 16. Juni 1902 in Gießen, † 2. Juni 1963 in Westerland / Sylt)



Ludwig Linkmann wurde in der kleinen (und auch meinen) hessischen Universitäts-Stadt Gießen geboren, wo er mit längeren Unterbrechungen auch bis in die letzten Jahre vor seinem Tod lebte.
Gelernt hatte er zunächst das Schmiede-Handwerk. Aber schon früh zog ihn die Bühne mächtig an. Als Statist wirkte er ab mitte der 20er Jahre im heimischen Stadttheater mit. Als im Jahr 1927 in Shakespeares "Sommernachtstraum" der Darsteller des 'Zettel' erkrankte, sprang Linkmann mit Freuden ein. Es wurde die große Chance seines Lebens. Als ihm kurz darauf ein Engagement an dem - viel später von Dieter Wedel 'en passant' in gleich mehreren Filmproduktionen als besonders provinziell verspotteten - Stadttheater Gießen angeboten wurde, nahm er unverzüglich an und blieb den heimischen Brettern bis 1931 treu. Von 1931 bis 1933 war Linkmann dann am Preußischen Theater Gera tätig und von 1933 bis 1938 am Hessischen Landestheater Darmstadt. 1938 bis 1944 agierte er in Berlin auf der Volksbühne, welche die Stätte für seine Entwicklung zu einem der großen Charakterdarsteller des deutschen Theaters wurde.



Von 1947 bis 1953 gehörte Linkmann zum Ensemble des Schauspielhauses Düsseldorf. Zu seinen Rollen hier zählten der 'Banditen-Unterhauptmann' in "Die Banditen" (1948), der 'Bäcker' in Pagnols "Die Frau des Bäckers" (1951), der 'Narr' in Shakespeares "Wie es euch gefällt" (1951), der 'Fischer' in Giraudoux´ "Undine" (1952) und 'Habakuk' in "Der Alpenkönig und der Menschenfeind" (1952).
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Zum Ende seines Engagements in Düsseldorf hier eine kleine Anekdote am Rande:



"Kinnhaken in der Kulisse"
Im Parkett der Gründgens-Bühne applaudierten noch die Zuschauer, als Regisseur Peter Gorski, 28, Adoptivsohn Gründgens´, die Leistung des Schauspielers Ludwig Linkmann in der Düsseldorfer Erstaufführung von Hofmannsthals "Der Unbestechliche" mit einem soliden Kinnhaken quittierte. Dieser einseitige Faustkampf - es folgten noch zwei weitere Volltreffer an den Kopf des ehemaligen Grobschmiedes und späteren Filmschauspielers Linkmann - war die Vorbereitung der 48 Stunden später von Gustaf Gründgens ausgesprochenen fristlosen Entlassung des Düsseldorfer Publikumslieblings Linkmann.
Ludwig Linkmann, 51, und seit seiner frühesten Jugend gleichermaßen mit körperlicher Arbeit vertraut, wie auf kluge Zurückhaltung trainiert, ließ die Schläge ohne Widerstand passieren. "Wer Gorski schlägt, trifft Gründgens", hatte es Wochen vorher bei der Auseinandersetzung zwischen Regisseur Fritz Peter Buch und Regieassistent Peter Gorski geheißen. Buch und Gorski waren grundsätzlich verschiedener Ansicht über die Inszenierung des "Unbestechlichen". Zwei Tage vor der Premiere wechselte die Regiebesetzung: Buch ging, Gorski rückte vom Assistentenplatz auf den Regisseurstuhl.
An den Ausgang der Differenz Buch-Gorski dachte Linkmann, als er auf die Folgerung von "Aug'' um Auge, Zahn um Zahn" verzichtete. In der gleichen Samstagnacht mied Linkmann die inoffizielle Premierenfeier und besuchte statt dessen offiziell seinen Hausarzt. Der bestätigte ihm eine mittelschwere Gehirnerschütterung und unterschrieb das Attest. Ludwig Linkmann meldete sich am nächsten Tage krank.



Gustaf Gründgens wog währenddessen zwischen dem Regisseur und Menschen Gorski und dem Schauspieler und Menschen Linkmann ab. Am Schluß senkte sich die Waage zugunsten Gorskis. Ludwig Linkmann, seit Offenbachs "Banditen" im Düsseldorfer Opernhaus, 1948, beliebtes Mitglied des Gründgens-Ensembles, wurde fristlos gekündigt. Grund: mangelnde Disziplin, Nichtbefolgen der Regieanweisung, Gefährdung der Ensembleleistung.
Tatsächlich war Linkmann bei der Hofmannsthal-Premiere nach Ansicht einiger Kritiker aus der Reihe getanzt. Der Regieauffassung von Fritz Peter Buch nahestehend, hatte er sich an dessen Anweisungen gehalten. Bei der Premiere stand Gorski hinter der ersten Kulisse und kreidete Linkmann seine schauspielerischen Fehler an.
Linkmann verbat sich nach dem ersten Akt die Störungen des Regisseurs. Es gab eine kurze Auseinandersetzung. Linkmann spielte seine Rolle weiter, wie sie ihm und Buch vorschwebte. Er stieß sich an den Einwänden Gorskis genau sowenig, wie er viel früher im "Alpenkönig und Menschenfeind" Differenzen mit Fritz Kortner aus dem Wege gegangen war.
Am Schluß jubelte das Premierenpublikum Linkmann zu. Als er zum wiederholten Male auf die Bühne gerufen wurde, ließ Gorski den Vorhang endgültig schließen. Die Besucher applaudierten vergebens. Im Geiste noch in der Titelrolle des "Unbestechlichen", ging Linkmann zu seinem Regisseur und sagte ihm im hessischen Dialekt zwei wenig schmeichelhafte Worte. Gorski stellte den sich brüsk Abwendenden hinter den Kulissen. Der Rest war Anlaß zu Linkmanns Krankheitsurlaub.
Wenige Tage nach dem Premierenzwischenfall waren alle Rollen Linkmanns in Düsseldorf bereits umbesetzt. "Ihr seid so liebe Menschen", hatte Linkmann bei seiner Antrittsfeier zu Kolleginnen und Kollegen der Gründgens-Bühne gesagt. Sein Abschied vollzog sich weniger feierlich. Der Name Linkmann verschwand über Nacht von allen Plakaten der Gründgens-Bühne.
Ludwig Linkmann hat, trotz seines unbestrittenen Niveaus als Vollblutkomödiant, nie zum engen Kreis der Gründgens-Bühne gehört. Freunde nennen ihn einen verträumten, weichherzigen Menschen, der auf eine von ihm eigenhändig und mit allen Raffinessen der Kochkunst aufgegossene Kanne Kaffee stolzer als auf seine schauspielerischen Leistungen sei. in Hofmannsthals "Der Unbestechliche" spielte er den redlichen Diener Theodor.
(aus 'Spiegel Online')
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1953 wechselte Linkmann an das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg, wo er als 'Dorfrichter Adam' in Kleists "Der zerbrochne Krug", als Titelfigur in Molières "George Dandin" (immer eine seiner liebsten Rollen), 'Babberley' in "Charleys Tante", 'Isolani' in Schillers "Wallensteins Tod" und 'Orgon' in Molières "Tartuffe" zu sehen war. Die Zeit als feinhumoriger, behender Komödiant am Deutschen Schauspielhaus stellte den Höhepunkt von Linkmanns Theaterlaufbahn dar.

Seit 1939 wirkte Ludwig Linkmann auch als Nebendarsteller in verschiedenen Filmen mit, darunter berühmte Streifen wie "Hanussen", "Der Hauptmann von Köpenick", "Der Maulkorb" oder "Alt Heidelberg". Eine kleine aber auffallend schöne Rolle neben Heinz Rühmann bekleidete Linkmann in "Der eiserne Gustav" als 'Paulchen'.
Besonders interessant für die Themen des hiesigen Forums waren Linkmanns Auftritte in den kriminalistisch angehauchten Filmen "Nasser Asphalt", "Peter Voss, der Millionendieb" - und vor allem natürlich als 'Henry Longvale' in "Der Rächer". Linkmann verkörperte den Schlossherren Longvale als freundlich-skurrilen älteren Herrn, der, augenscheinlich ein wenig aus der Zeit gefallen, aus scheinbar putzigem Interesse einem modernen Filmteam sein Anwesen - und ein wenig sich selbst - als Set zur Verfügung stellt. Allerdings nicht ganz ohne Hintergedanken....



Leider erkrankte Ludwig Linkmann zu Beginn der 60er Jahre an Krebs und verstarb im Alter von nur knapp 61 Jahren bei einem Krankenhausaufenthalt in der Nordseeklinik Westerland auf Sylt.

Filmografie (IMDB):
1963: Das kleine Hofkonzert - Musikalisches Lustspiel aus der Welt Carl Spitzwegs (TV Movie) - Poet Knipps
1962: Der tolle Tag (TV) - Antonio, Schloßgärtner
1962: Golden Boy (TV) - Mr. Bonaparte
1961: So viele Kinder (TV) - Slippy Wokingham
1961: Zwei unter Millionen - Bienert
1960: Wenn die Heide blüht - Heidebewohner
1960: Der Rächer - Henry Longvale



1960: Kein Engel ist so rein - Diakon Plinius
1959: Peter Voss, der Held des Tages - Rechtsanwalt Perrier
1959: Alt Heidelberg - Kellermann
1959: Neues aus dem sechsten Stock (TV) - Marcenac
1959: Der Fall Pinedus (TV) - Vagabund
1958: Solange das Herz schlägt - Dr. Bernburg
1958: Der Schinderhannes (ohne Credit)
1958: Der eiserne Gustav - Paulchen Klinke
1958: Peter Voss, der Millionendieb - van Zanten
1958: Der Maulkorb - Kanzler
1958: Die Sache mit Kasanzew (TV) - Notkin
1958: Der Mann im Strom - Herr Buchmann
1958: Das Pflichtmandat (TV) - Angeklagter Fowle
1958: Grabenplatz 17 - Ein Arzt
1958: Schmutziger Engel - Direktor Franke
1958: Nasser Asphalt - Tanek
1958: Die Abiturientin (TV) - Professor Dr. Dominik Cibula
1957: Das Herz von St. Pauli - Täto-Willi
1957: Helden (TV) - Bulgarischer Major Paul Petkoff
1957: Nachts im grünen Kakadu - Prof. Hagedorn, Psychiater
1957: Der gläserne Turm - Blume
1957: Abu Kasems Pantoffeln (TV) - Bettler Dschebadad
1957: Minna von Barnhelm (TV) - Just
1957: Die Zürcher Verlobung (ohne Credit)
1956: Heidemelodie - Windewitt
1956: Der Hauptmann von Köpenick - Betrunkener Zivilist
1956: Ich und meine Schwiegersöhne - Hauswart Zielke
1955: Kein Alibi - Lokalredakteur Becker
1955: Hanussen - Herr Scholz
1954: Neues aus dem sechsten Stock (TV) - Marcenac
1954: Künstlerpech (TV) - Müller II
1949: Die Reise nach Marrakesch - Bobby
1948: Via Mala - Die Strasse des Bösen -- Der Amtsdiener
1947: ... und über uns der Himmel - Georg
1945: Der Fall Molander (ohne Credit)
1945: Leuchtende Schatten (ohne Credit)
1942: Die Erbin vom Rosenhof - Schäufele
1942: Der Strom - Bürgermeister
1940: Der Kleinstadtpoet - Friedrich Klemke
1940: Die Rothschilds -- Leib Herch - Mayer Amschels Faktotum
1939: Kornblumenblau (ohne Credit)



Der gefühlt kürzeste Gesangsauftritt der Welt, dennoch ein Genuss. Ludwig Linkmann als 'Paulchen' in "Der eiserne Gustav"

Peter Offline




Beiträge: 2.861

16.10.2015 21:30
#2 RE: Ludwig Linkmann Zitat · Antworten

Kleiner Nachtrag zu Gießen: Ich finde es ja recht beachtlich, dass mit dem 'Hai' Richard Münch und mit dem 'Rächer' Ludwig Linkmann gleich zwei berühmte Wallace-Bösewichter im beschaulichen Gießen geboren wurden....

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