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Dieses Thema hat 40 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
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patrick Offline




Beiträge: 2.914

30.09.2017 15:29
#31 RE: Monster-, Biester-, Bestien- und Psychothriller - damals und heute Zitat · antworten

Kill, Baby, Kill (Originaltitel: Operazione Paura, 1966)



Regie: Mario Bava

Produktion: Nando Pisani, Luciano Catenacci, Italien 1966

Mit: Giacomo Rossi-Stuart, Erika Blanc, Fabienne Dali, Giana Vivaldi, Micaela Esdra, Piero Lulli, Luciano Catenacci, Franca Dominici, Giuseppe Addobbati, Valerio Valeri


Handlung:

In einem karpatischen Dorf ereignen sich rätselhafte und blutige Selbstmorde, wobei die betroffenen nicht wirklich freiwillig aus dem Leben scheiden. Allen Opfern erscheint kurz vor ihrem Ableben der Geist eines toten Kindes, dessen Präsenz einen hypnotischen Zwang ausübt, der die Menschen in den Tod treibt. Der fremde Arzt Dr.Eswai sollte eine Autopsie durchführen und entdeckt dabei eine Münze im Herzen der Toten. Schließlich erfährt er, dass die Dorfbewohner glauben unter einem mörderischen Fluch zu stehen. Dr. Eswai hält alles für einen dummen Aberglaube, wird jedoch sehr bald eines besseren belehrt...

Anmerkungen:

"Kill, Baby, Kill" ist eine eindruchsvolle Schauer-Mär und erinnert sehr stark an die Hammer-Filme jener Zeit. Wüsste man es nicht besser, würde man den Streifen wohl auch ohne zu Zögern für einen solchen halten. Mario Bava verstand es aber aufgrund seines bemerkenswerten Gespürs für Atmosphäre und Bildersprache, seinen eigenen Stempel aufzudrücken und eine Qualität zu erreichen, welche den Top-Klassikern der britischen Filmschmide nicht nur ebenbürtig ist, sondern diese stellenweise sogar noch übertrifft. Der Streifen ist in sehr surrealen Farben gehalten und wirkt dadurch ziemlich unrealistisch. Doch lag gerade darin Bavas Stärke. Er verstand es, durch diese ungewohnte Farbgebung den ausgeprochen düsteren Grundton der Geschichte vorteilhaft zu verstärken und sehr gruselige Momente zu kreieren. Der Film wirkt für 1966 auffallend altmodisch, was sich aber keineswegs nachteilig auswirkt. Auch die Leistung der Darsteller ist konstant und überzeugend und verhindert ein Abgleiten in's Lächerliche, was einem ungelenken Team leicht hätte passieren können.

Obwohl Bava erst 1960 in's Horror-Genre einstieg, schaffte er es auf Anhieb, mit "Black Sunday" ein schwarzweißes Meisterwerk zu schaffen und später auch in Farbe sein hohes Niveau einigermaßen zu halten. Schade, dass er sich in den 70er-Jahren zu sehr dem Zeitgeist anpasste und dadurch in die Bedeutungslosigkeit schlitterte.

Der deutsche Titel "Die Toten Augen des Dr.Dracula" greift wieder einmal derart am Thema vorbei, dass man nicht umhin kommt, angewidert die Augen zu verdrehen. Offensichtlich meinte man damals, Bavas Filme unbedingt mit Dracula in Verbindung setzen zu müssen. Bei "Black Sunday" gab es auch keinen Dracula, aber wenigstens noch Vampire. Atmosphäre und Struktur der Handlung von "Kill, Baby, Kill" überschneiden sich zwar sehr deutlich mit Hammer's Dracula-Filmen, was nahelegt, dass auch dort abgekupfert wurde. Allerdings fehlt vom blaublütigen Fangzahn-Untoten und dessen Artgenossen jede Spur, da das bewährte Rezept in eine Geistergeschichte umfunktioniert wurde. Der hanebüchene und dämliche deutsche Titel entbehrt daher jeglicher Grundlage und jeglichen Sinnes. Man wird vielmehr dazu verleitet, eine Trash-Granate a'la Jess Franco zu erwarten. Zumindest mir ist es so ergangen, weshalb ich erst sehr spät auf den Film aufmerksam wurde.

Fazit:

Spannende, atmosphärische und gruselige Geister-Geschichte der alten Schule, die keinerlei Durchhänger zulässt. Bavas auffallend sorgfältige und ausgetüftelte Bildersprache und Kameraarbeit machen einmal mehr ungeheure Freude. 4,5 von 5.

patrick Offline




Beiträge: 2.914

24.12.2017 18:16
#32 RE: Monster-, Biester-, Bestien- und Psychothriller - damals und heute Zitat · antworten

What Ever Happened to Baby Jane (Was geschah wirklich mit Baby Jane, 1962)



Regie: Robert Aldrich

Produktion: Robert Aldrich im Verleih von Warner Brothers, USA 1962

Mit: Bette Davis, Joan Crawford, Victor Buono, Maidie Norman, Anna Lee, Barbara Merrill, Wesley Addy, Marjorie Bennett, Julie Allred, Gina Gillespie, Dave Willock


Die Geschichte beginnt im Jahre 1917. Baby Jane Hudson ist ein gefeierter Kinderstar, der die Bühne erobert, was den Neid ihrer Schwester Blanche weckt. Es folgt ein Zeitsprung in's Jahr 1935. Nun ist Blanche Hudson ein bekannter Filmstar, während Baby Janes Karriere als Erwachsene gescheitert ist. Eines Abends sitzen beide Schwestern im Auto. Eine der beiden steigt aus um ein Tor zu öffnen, während die andere Gas gibt und auf sie zusteuert. Die Folgen dieses dramatischen Ereignisses sind nach einem weiteren Zeitsprung in die damalige Gegenwart von 1962 sichtbar. Baby Jane ist nun eine heruntergekommene Alkoholikerin und lebt mit ihrer, an den Rollstuhl gefesselten, Schwester Blanche, die unter ihren Launen zu Leiden hat, im selben Haus. Die Anspannung zwischen den vereinsamten Ex-Stars spitzt sich nach und nach dramatisch zu..

Anmerkungen:

"What Ever Happened to Baby Jane" ist ein spannender Psychothriller, dessen für damalige Verhältnisse recht stattliche Länge von 134 Minuten kaum spürbar ist. Man wird zu Beginn mit den beiden ungleichen Schwestern und deren gestörten Verhältnis zueinander vertraut gemacht. Baby Jane ist nun eine frustrierte alte Hexe, die dem Alkohol verfallen und optisch verwahrlost ist, während ihre an den Rollstuhl gefesselte Schwester Blanche sich trotz schweren Schicksals noch im Alter eine gewisse Strahlkraft bewahrt hat. Sie ist die gutmütigere und sympathischere von beiden, wird aber von ihrer boshaften, vom Neid zerfressenen und psychisch schwerkranken Schwester ständig gedemütigt und schikaniert. Das ganze steigert sich noch, nachdem Blanches alte Filme aus den 30er-Jahren im Fernsehen neue Erfolge feiern. Jane lässt die Fanpost verschwinden und wimmelt lästige Besucher ab, die nur ihre Schwester sehen wollen. Als Blanche auch noch das Haus verkaufen will, schneidet die vor den Kopf gestoßene Jane sie praktisch von der Außenwelt ab, indem sie das Telefon herausreißt und das Dienstmädchen kündigt. Sie serviert ihr zum Essen einmal einen toten Wellensittich, einmal eine Ratte und überschreitet immer weiter sämtliche Grenzen, indem sie körperlich gewalttätig gegen die behinderte Frau wird und diese schlussendlich sogar fesselt. Man bekommt richtig Mitleid mit der nun im eigenen Haus gefangenen Blanche.

Nachdem Jane in ihrem kranken Wahn der Hoffnung verfällt, sie könne als ältere Frau ihren Erfolg als Kinderstar wiederholen, kommt es, wie es kommen muss. Gemäß dem "Gesetz der Resonanz", meldet sich auf ihre Anzeige hin ein abgebrannter und bei seiner Mutter wohnender Musiker, der ebenfalls seine Bedeutung ein bisschen höher stapelt. Die sozial isolierte Jane klammert sich in ihrer Verblendung an den übergewichtigen, einfältigen und konfliktbeladenen jungen Mann und bildet mit ihm ein skurriles Gespann. Dieses beinhaltet jedoch keine romantische Komponente, sondern erwächst lediglich aus Janes Sehnsucht nach Freundschaft und Aufmerksamkeit. Allerdings ist der junge Mann schlussendlich mit der Situation und den sich auftuenden Abgründen überfordert und sucht das Weite. Um das Geheimnis um ihre weggesperrte Schwester zu bewahren, schreckt Jane auch vor Mord nicht zurück. Man wird dabei ein bisschen an Hitchcocks "Psycho" erinnert. Janes Handlungen werden zunehmend unberechenbarer und schizoider. In Erinnerungen an ihre Kindheit schwelgend, wirkt sie deutlich verjüngt, verliert dabei aber immer mehr den Bezug zur Realität. Am Schluss wird ein Geheimnis gelüftet, mit dem man kaum gerechnet hat, das aber ganz zu Beginn, nämlich in der Szene mit dem "Unfall", angedeutet ist. Wenn man sich das Bild im Vorspann, auf dem der Titel eingeblendet wird, kritisch ansieht, wird man sich wohl jene Frage stellen müssen, die auch ich mir gestellt habe. Mehr sei dazu aber nicht verraten.

Der Film ist eine schonungslose Auseinandersetzung mit Holywoods Scheinwelt und den dahinter liegenden Problemen, wie Alkoholismus, psychische Störungen und dem Rückzug in eine Wunsch-Realität, nachdem man von der tatsächlichen Realität erbarmungslos eingeholt worden ist. Bette Davis und Joan Crawford zeichnen hier große Parallelen zu ihrem eigenen Leben und ihrem verblassten Star-Ruhm auf.

Der Erfolg dieses Streifens führte zu weiteren "Grumpy-Old-Lady-Thrillern", in denen ausgediente Ex-Divas ihre Karriere auf etwas andere Art kurzfristig verlängern konnten. Deren bekanntester ist wohl "Hush Hush Sweet Charlotte", der zwei Jahre später folgte.

Fazit:

Sehr sorgfältige Mischung aus Drama und Psychothriller mit einer wirklich in die Tiefe gehenden Personenzeichnung und einem kurzweiligen Spannungsaufbau, der am Schluss die Auflösung eines überraschenden Geheimnises parat hat. Die darstellerische Leistung von Bette Davis in dieser sehr anspruchsvollen Rolle ist dabei "over the top". 4 von 5 Punkten

patrick Offline




Beiträge: 2.914

31.12.2017 16:41
#33 RE: Monster-, Biester-, Bestien- und Psychothriller - damals und heute Zitat · antworten

Seance on a Wet Afternoon (An einen trüben Nachmittag, 1964)



Regie: Bryan Forbes

Produktion: Richard Attenborough, Bryan Forbes, GB 1964

Mit: Kim Stanley, Richard Attenborough, Nanette Newman, Mark Eden, Judith Donner, Patrick Magee


Handlung:

Das Ehepaar Myra und Billy Savage setzt einen perfiden Plan in die Tat um. Sie entführen eine kleine Tochter reicher Eltern, um eine stattliche Summe als Lösegeld zu fordern. Das Kind wird in ein steriles Zimmer gesperrt und ihm vorgegaukelt, dass es sich wegen einer ansteckenden Krankheit im Spital in Quarantäne befindet. Dabei treten die Savages der Kleinen als Krankenschwester bzw. Arzt mit Mundschutz gegenüber, sodass ihre Gesichter nicht erkannt werden können. Myra hat darüber hinaus noch die Unverfrohrenheit, die verzweifelten Eltern zu besuchen und ihnen ihre Hilfe als spirituelles Medium anzubieten. Eines Abends vergisst das Entführerpaar das Zimmer abzusperren und das Kind steht Billy plötzlich gegenüber und blickt in sein verdutztes Gesicht. Für Myra ist nun klar, dass das Mädchen nicht am Leben bleiben darf...

Anmerkungen:

"Seance on a Wet Afternoon" kommt ohne großes Tempo und Action aus und bezieht seine Atmosphäre in erster Linie aus der hervorragenden schauspielerischen Leistung von Kim Stanley (1925-2001) und Richard Attenborough (1923-2014). Kim Stanley ist Kinofreunden vermutlich weniger ein Begriff, da sie vorwiegend Theaterarbeit leistete und in der 25-jährigen Zeitspanne von 1958 bis 1983 lediglich fünf Spielfilme drehte. Als Myra Savage spielt sie ein psychisch gestörtes Medium, das die Totgeburt ihres Sohnes niemals verarbeitet hat und nun glaubt, mit diesem im Jenseits Kontakt zu haben. Als skrupellose Erpresserin, dominante Ehefrau und feinfühliges, aber seelisch krankes, Medium tritt sie sehr vielschichtig in Erscheinung und bietet einen wirklich bemerkenswerten Einblick in eine degenerierte Psyche. Ihr schlechtes Gewissen unterdrückt sie, indem Sie sich der Illusion hingibt, auf Geheiß des toten Sohnes zu handeln. Aufgrund ihrer eiskalt berechnenden Raffinesse ist sie die Drahtzieherin in dem Plot und muss ihren Gatten stets antreiben. Dieser ist aufgrund seiner Willensschwäche, Labilität und Arbeitsunfähigkeit in ein Abhängigkeitsverhältnis geraten und befolgt wider schlechten Gewissens stets die Anweisungen und Wünsche seiner starken Frau, obwohl er im Grunde gutmütig und mit Skrupeln behaftet ist.
Nicht ganz verständlich ist dabei, dass die ausgekochte Myra sich bei der Umsetzung ihrer kriminellen Pläne stets auf ihn verlässt, da er alles andere als professionell agiert. Vor der Entführung tritt er dem Chauffeur des Kindes offen gegenüber, wobei seine "Maskerade" lediglich in gefärbten Haaren besteht. Das Lösegeld reißt er später dem Vater bei einer geschäftigen U-Bahn-Station aus der Hand und hält sich nur eine Zeitung vor den Mund. Mit sehr viel Glück kann er dabei der durchaus präsenten, aber tölpelhaft organisierten, Polizei entkommen. Auch bei der Entführung selbst verhält er sich nervös und ungelenk und schafft es kaum, die Kleine aus dem Auto zu zerren. Myra besucht unmittelbar nach der Tat die Eltern des Kindes und zieht damit automatisch die Aufmerksamkeit der Polizei auf sich, die dann auch schon kurze Zeit später vor der Tür steht. Auch hier kann nur mit viel Glück und vorgetäuschter Abwesenheit eine sofortige Hausdurchsuchung abgewendet werden, was unweigerlich die Entdeckung des Mädchens zur Folge gehabt hätte. All dies beweist keine große kriminelle Expertise und man wartet gespannt darauf, wann die Falle unweigerlich zuschnappen wird und vor allem, ob dies noch rechtzeitig geschieht, denn der Tod des Kindes ist beschlossene Sache. Es liegt nun an dem weichherzigen, aber völlig unter der Fuchtel der dominanten Myra stehenden, Billy, wie er mit seinen Konflikten umgehen wird.

Die sehr sorgfältige Inszenierung macht "Seance" zu einem Film zum anfassen, d.h. man fühlt sich als Zuseher ausgesprochen gut abgeholt und kann lebhaft mit den Protagonisten mitfiebern.

Fazit:


Sehr professionel, ruhig und elegant in Szene gesetztes Psychodrama, das ganz auf schauspielerische Leistung und konsequenten Spannungsaufbau setzt und dabei in's Schwarze trifft. Sowohl die Kameraführung als auch John Barrys Musik kommen in einem typisch Britischen Ambiente ihren Verpflichtungen eindrucksvoll nach. Die Überführung ist ausgesprochen unkonventionell. Im Gegensatz zu den eher märchenhaften Hammer-Thrillern wird eine Geschichte präsentiert, die sich auch real ähnlich ereignen könnte. 4,5 von 5 Punkten

Gubanov Offline




Beiträge: 15.404

31.12.2017 16:45
#34 RE: Monster-, Biester-, Bestien- und Psychothriller - damals und heute Zitat · antworten



An einem trüben Nachmittag (Seance on a Wet Afternoon)

Thriller, GB 1964. Regie und Drehbuch: Bryan Forbes (Romanvorlage: Mark McShane). Mit: Kim Stanley (Myra Savage), Richard Attenborough (William Henry „Billy“ Savage), Nanette Newman (Mrs. Clayton), Mark Eden (Charles Clayton), Judith Donner (Amanda Clayton), Gerald Sim (Detective Sergeant Beedle), Patrick Magee (Superintendent Walsh), Ronald Hines (Polizist bei den Claytons), Godfrey James (Claytons Chauffeur), Diana Lambert (Sheila, Claytons Sekretärin) u.a. Uraufführung (GB): 4. Juni 1964. Uraufführung (BRD): 4. Januar 1971. Eine Produktion von Beaver Films für Allied Film Makers und J. Arthur Rank Film Distributors.

Zitat von An einem trüben Nachmittag
Um ihre Bekanntheit als spiritistisches Medium zu steigern, ersinnt Myra Savage einen bösartigen Plan. Ihr Mann Billy, der ihr hörig ist, soll Amanda, das Kind des reichen Ehepaars Clayton, entführen. Tatsächlich bemächtigen sich die Savages des Kindes und halten es unter dem Vorwand, es befinde sich mit einer ansteckenden Krankheit in einem Hospital, in einem verschlossenen Raum in ihrem Hause gefangen. Von den Eltern verlangen sie Lösegeld; gleichzeitig setzt sich Myra mit ihnen in Verbindung, um ihnen ihre Hilfe als Medium anzubieten. Mrs. Clayton nimmt an der nächsten Seance teil – während sich Amanda im Raum nebenan befindet ...


Die Frage, wie weit eine Psychopathin für Aufmerksamkeit und Wertschätzung zu gehen bereit ist, macht diesen sich langsam entwickelnden und immer tiefere Persönlichkeitslagen enthüllenden Thriller zu einem packenden Erlebnis, in dessen Mitte die amerikanische Schauspielerin Kim Stanley eine beeindruckende Leistung abruft. „Seance on a Wet Afternoon“ gilt als Aushängeschild in der Karriere des „weiblichen Marlon Brando“ – eine Parallele, die wegen der Affinität beider Schauspieler zum sogenannten Method Acting gezogen wird – und brachte ihr sogar eine Oscar-Nominierung ein. Der Zuschauer lernt das Ehepaar Savage, in dem sie ganz eindeutig die Hosen anhat, zwar in ausführlichen Dialogen kennen, kann ihre Charakterzüge aber bis zum Ende nur schwer einschätzen. Ist sie ein echtes Medium oder eine Betrügerin? Wird sie vom Geist ihres eigenen toten Kindes beeinflusst? Geht sie in dem Verbrechen immer noch einen Schritt weiter, um ihr Ziel zu verwirklichen? Und wann kann ihr von ihrem Mann endlich Einhalt geboten werden?

Regisseur Bryan Forbes strickte um diese Fragen einen Entführungsfall, der bei oberflächlicher Betrachtung einigermaßen harmlos wirkt. Oft, wenn Filme von Kidnapping erzählen, werden die Höllenqualen der Eltern in den Fokus gerückt und damit eine beißende Atmosphäre der Unsicherheit erzeugt – auch weil man das Entführungsopfer nach seinem Verschwinden meist nicht mehr zu Gesicht bekommt. Hier wird die andere Seite des Verbrechens beleuchtet, was die Story ihres kriminalistischen Effekts beraubt und den Zuschauer insofern in Sicherheit wiegt, als wenigstens keine abgebrühten Profis am Werke sind und in Billy Savage eine – wenn auch schwache – Stimme der Vernunft existiert. Bohrt man jedoch tiefer, ergeben sich durch Myras psychische Störung zunehmend erschreckende Momente, die selbst das gegenüber dem Roman reingewaschene Ende nicht unbedingt harmlos erscheinen lassen. Genauere Details sind schwer ohne Spoiler zu verraten; was vorausgeschickt werden kann, ist, dass „Seance on a Wet Afternoon“ sowohl für Freunde des handfesten Thriller-Metiers als auch für Anhänger des Übersinnlichen sehr zu empfehlen ist.



Trotz seines bescheidenen Budgets brachte es der Film zu großem Ansehen bei Kritik und Filmschaffenden, die Bryan Forbes’ naturalistische Art der Regieführung unterstrichen. Die Idee, den Film chronologisch zu drehen, versetzte Stanley und Attenborough in die Lage, ihre Figuren plastisch und absolut folgerichtig anzulegen. Mit ihren Auftritten steht und fällt die Produktion (in diesem Fall steht sie ganz eindeutig) – Momente des Wahnsinns bei Stanley und der Verzweiflung sowie der Sanftmut bei Attenborough sorgen für Nervenkitzel und auch für einen gewissen Rührfaktor. Sehr stimmig ergänzt wird dies durch die dem Trubel der Swinging-Sixties entrückten Sets: Ein zugestelltes, Kälte und Isolation ausstrahlendes viktorianisches Anwesen und eine verlassene Rennbahn sind so weit vom Hier und Jetzt entfernt wie Myra von den Standfesten der Realität. Wenn es belebt und gefährlich wird – bei der Entführung an der Schule oder der Lösegeldübergabe in der Londoner U-Bahn – wird Billy von seiner Frau emotional gefügig gemacht und in die Höhle des Löwen geschickt.

Die lebensnahe Art der Inszenierung verleitet in einigen Momenten des langsamen Spannungsaufbaus vielleicht dazu, dass sich ein Hauch zu viel Banalität einschleicht und Chancen schneller dramatischer Effekte nicht ausreichend genutzt werden. So werden die Seancen von Stanley zwar sehr effektiv getragen, nehmen aber insgesamt recht wenig Platz ein; auch aus der räumlichen Nähe von Mutter und Tochter während einer der Sitzungen wird im Gegensatz zur Vorlage wenig Profit geschlagen. Hätte man ein paar mehr Schocks der alten Schule verwendet, wäre „Seance on a Wet Afternoon“ also vielleicht noch etwas wirkungsvoller, aber sicher nicht so hoch angesehen und überhaupt eine ganz andere Art von Film geworden.

Als faszinierende, ganz auf die Hauptdarsteller ausgerichtete Charakterstudie ungewöhnlicher Verbrecher, die davon sprechen, sich als Mittel zum Zweck ’mal eben ein Kind „auszuborgen“ und dann von den Konsequenzen überrannt werden, ist „Seance on a Wet Afternoon“ eine lohnenswerte, tiefgründige Entdeckung. Attenborough und Stanley spielen erschreckend glaubwürdig und die halboffene Lösung erlaubt interessante Interpretationsmöglichkeiten. 4 von 5 Punkten.

patrick Offline




Beiträge: 2.914

02.01.2018 19:16
#35 RE: Monster-, Biester-, Bestien- und Psychothriller - damals und heute Zitat · antworten

The Autopsy of Jane Doe (2016)



Regie: Andre Ovredal

Produktion: Rory Aitken, Fred Berger, Eric Garcia, Ben Pugh, USA/GB 2016

Mit: Emile Hirsch, Brian Cox, Olwen Catherine Kelly, Ophelia Lovibond, Michael McElhatton


Handlung:

Tommy Tilden und sein Sohn Austin arbeiten zusammen als Leichenbeschauer. Eines Abends bekommen sie eine auffallend hübsche, tote junge Frau in den Keller ihres Hauses geliefert, die noch in der gleichen Nacht obduziert werden sollte. Da ihre Identität nicht geklärt ist, bekommt sie den Platzhalternamen Jane Doe zugewiesen. Sie wirkt äußerlich unversehrt und hat keine sichtbaren Verletzungen. Die Polizei fand sie halb vergraben im Keller eines Hauses, in dem etwas schreckliches vorgefallen sein muss, worauf mehrere dort herumliegende und übel zugerichtete Leichen hindeuten. Als die Tildens ihrer Arbeit nachgehen, stoßen sie auf immer mehr Ungereimtheiten. Die Zunge ist herausgeschnitten, die Lungen sind verkohlt und es befinden sich mehrere Stichwunden am Körper, die aber nur innerlich sichtbar sind. Außerdem finden sie im Magen eine paralysierende Pflanze und einen Stofffetzen mit mysteriösen altertümlichen Zeichen, die auf einen Hexenkult hindeuten. Dieselben Zeichen entdecken sie auch auf der Innenseite der abgezogenen Haut. Während draußen ein Unwetter tobt, fällt plötzlich der Strom aus und die Falltür in`s Freie lässt sich nicht mehr öffnen. Was aber viel schlimmer ist - das Objekt ihrer unheimlichen Arbeit scheint lebendiger zu sein als man es von einer Leiche naturgemäß erwartet und entpuppt sich als Dämon oder Hexe, von der eine böse Energie ausgeht, welche die Toten erweckt und weitere sehr aggressive Spukphänomene auslöst...

Anmerkungen:


Was den vorliegenden Film sehr sehenswert macht, ist der Umstand, dass man es mit keiner Slasher-Orgie zu tun hat, sondern einen subtilen Spannungsaufbau genießen darf. Schauplatz ist fast ausschließlich ein dunkler Keller, der als unheimliche Obduktionsstätte dient, in der es bald nicht mehr mit rechten Dingen zugeht. Der Hinweis auf einen alten Hexenkult deutet eine Richtung an, die sich aufgrund der bald folgenden schrecklichen Ereignisse als sehr zutreffend erweist. Obduktion und Organentnahmen werden recht minutiös gezeigt, was schwachen Nerven sicher rasch den Appetit verdirbt. Es wird dabei aber nie die Grenze zur Geschmacklosigkeit überschritten. Die klaustrophobische Wirkung eines dunklen Kellers, der gleichzeitig eine Leichenhalle ist und eine dämonische Präsenz beherbergt, garantiert handfesten Grusel der alten Schule im Gewand des 21.Jahrhunderts. Wandelnde Tote und sonstige Erscheinungen drängen sich immer nur kurz und nicht besonders deutlich in's Bild, was der Atmosphäre aber zugute kommt. Der Schluss lässt die Hintertür für eine eventuelle Fortsetzung offen.

Fazit:

Dem recht wenig bekannten Norweger Andre Ovredal (geb.1973) ist ein ansehnlicher Gruselfilm gelungen, der zu den Wurzeln dieser Filmgattung zurückkehrt und sich angenehm von den vielen überdrehten und oft auch geschmacklosen amerikanischen Horrorfilmen abhebt, die heute leider allzu präsent sind und die Qualität des Genres ausdünnen. Sehr gute 3,5 von 5.

patrick Offline




Beiträge: 2.914

07.01.2018 15:53
#36 RE: Monster-, Biester-, Bestien- und Psychothriller - damals und heute Zitat · antworten

47 Meters Down (2016)




Regie: Johannes Roberts

Produktion: James Harris, Mark Lane, GB 2016

Mit: Mandy Moore, Claire Holt, Matthew Modine, Santiago Segura, Yani Gellman, Chris J. Johnson



Handlung:

Die beiden Schwestern Lisa und Kate wollen in Mexiko eine schöne Zeit mit Sommer, Sonne, Disko und Jungs verbringen. Dabei lernen sie Benjamin und Louis kennen, die sie zu einem Tauchgang im Haikäfig überreden. Mit viel Blut und Fischresten werden erfolgreich riesengroße weiße Haie angelockt. Lisa, die noch nie getaucht hat, beginnt sich unwohl zu fühlen und die Crew ist im Begriff die Mädchen wieder an Bord zu hieven, als der Mechanismus versagt und der Käfig samt Insassen und Ausleger auf eine Tiefe von 47 Meter absinkt...

Anmerkungen:

In 47 Metern in einem Käfig eingesperrt zu sein ist wohl der Alptraum eines jeden Unterwasser-Enthusiasten. Es droht bei dieser respektablen Tiefe eine rasche Stickstoff-Narkose, die zu Tiefenrausch und Bewusstlosigkeit führen kann. Auch das Auftauchen ist nach längerem Aufenthalt sehr problematisch, da sich aufgrund der Stickstoff-Sättigung Bläschen im Körper bilden, die langsam abgeatmet werden müssen, was nur bei einem behutsamen Aufstieg mit entsprechenden Dekompressions-Pausen möglich ist. Sollte dies ignoriert werden, kann schwerste Behinderung und sogar der Tod die Folge sein. Je größer die Tiefe und länger der Tauchgang, umso wahrscheinlicher werden derlei Szenarien. Außerdem wird in einer Paniksituation rascher geatmet, was die Luftreserve schneller aufbraucht und einem ungünstigen Ausgang weiteren Vorschub leistet - keine erbauliche Situation also für die beiden Protagonistinnen. Es gelingt ihnen zwar, den blockierenden Ausleger von der Türe des Käfigs zu stemmen, doch ist ein rascher Aufstieg neben den genannten Gründen auch wegen der hungrigen und zähnefletschenden weißen Haie, welche die Taucherinnen längst zu ihrer Mahlzeit auserkoren haben, unmöglich. Ein nervenaufreibender Wettlauf gegen die Zeit beginnt und die Sauerstoffreserven werden dabei rasch weniger. Zwar können die Mädchen über ihre Tauchermasken immer wieder Funkkontakt mit der Crew aufbauen, die Hilfe verspricht, doch geht dieser beim dringend angeratenen Abtauchen rasch wieder verloren.

Dramaturgisch kommen Adrenalin-Junkies hier voll auf ihre Kosten. Der britische Regisseur Johannes Roberts (geb.1976) ist allerdings kein Steven Spielberg und den von "Jaws" gewohnten langsam sich aufbauenden Spannungsbogen darf man sich hier nicht erwarten. Auch als Schauspieler(innen) bekommt man zwar solide, aber nur mediokre, B-Darsteller zu sehen, die zwar zuverlässig ihre Arbeit leisten, dabei aber besonderes Charisma missen lassen. Dafür wird man mit einer subaquatischen Geisterbahnfahrt verwöhnt, die ihresgleichen sucht. Neben dem Eingesperrtsein im Käfig, wird man auch mit der bedrohlich wirkenden Unheimlichkeit, welche die Tiefe des Meeres bei schlechter Sicht und fehlender Orientierung bietet, vertraut gemacht - ganz zu schweigen von den Schockeffekten mit den immer wieder auftauchenden hungrigen und menschenfressenden Riesenhaien. Dank wirklich effektiver Kameraführung, ist die Atmosphäre dabei recht dicht. Die Problematik, dass man es unter Wasser wohl eher mit einem "Stummfilm" zu tun hat, wird geschickt umgangen, indem man die Tauchmasken mit Funkgeräten ausgestattet hat.

Ein Missgeschick jagt das andere und neue Hoffnungen werden immer wieder zunichte gemacht. So gestaltet sich der Film nach der eher gemütlichen ersten halben Stunde und lässt dabei keinen Raum für Langeweile zu. Was sich m.E eher nachteilig auswirkt ist, dass ein Teil der Handlung sich lediglich als die Ausgeburt einer Stickstoff-narkotisierten Phantasie entpuppt. Da ich persönlich keine große Vorliebe für derartige dramaturgische Täuschungsmanöver hege, kann ich dem Schluss wenig abgewinnen, will dazu aber nicht mehr verraten.

Als Sporttaucher sollte man sich nicht daran aufhängen, dass in der Paniksituation, in welche die Mädchen geraten, die Luftreserven wohl schon nach wenigen Minuten aufgebraucht wären, nachdem das schnelle Absinken unweigerlich einen Trommelfellriss garantiert hätte. Das ganze ist eben ein Taucher-Märchen, dafür aber ein sehr unterhaltsames. Für 2019 ist eine Fortsetzung mit dem Titel "48 Meters Down" geplant.



Fazit:


Als temporeicher Unterwasser Tier-Horror, dem man Schwunglosigkeit definitiv nicht vorwerfen kann, haut "47 Meters Down" Spielbergs "Jaws" zwar sicher nicht vom Podest, gereicht aber zur Ehre einer spannenden und atemberaubenden Reminiszenz. Auch wenn der vorliegende Streifen seine Schwächen hat, gehört er, nicht zuletzt Dank der exzellenten Kameraführung, zu den ganz wenigen Hai-Filmen, die seit dem 1975er-Kassenschlager einigermaßen gelungen sind. Die attraktiven Unterwasseraufnahmen eigenen sich übrigens besonders für eine Sichtung auf Blu-Ray. 4 von 5 Punkten.

patrick Offline




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11.01.2018 18:36
#37 RE: Monster-, Biester-, Bestien- und Psychothriller - damals und heute Zitat · antworten

The Limehouse Golem (2016)



Regie: Juan Carlos Medina

Produktion: Elisabeth Karlsen, Stephen Woolley, Joanna Laurie, GB 2016

Mit: Bill Nighy, Olivia Cooke, Douglas Booth, Daniel Mays, Sam Reid, María Valverde, Henry Goodman, Morgan Watkins, Eddie Marsan


Handlung:

Im Londoner Distrikt Limehouse ereignet sich 1880 eine brutale Mordserie. Die verängstigte Bevölkerung glaubt angesichts der auffallenden Grausamkeit der Taten, in diesen die Handschrift des Golems, einer Schauergestalt aus der jüdischen Mythologie, zu erkennen. Inspektor John Kildare wird mit dem Fall betraut und versucht parallel dazu die Schauspielerin Lissy vor dem Galgen zu bewahren. Ihr droht das Todesurteil, da sie im Verdacht steht, ihren Gatten John Cree vergiftet zu haben, den Kildare wiederum für den Golem hält. Dabei wird der Ermittler mehr und mehr in eine Geschichte voller Abgründe verstrickt…

Anmerkungen:


„The Limehouse Golem“ ist ein in viktorianischer Zeit angesiedelter britischer Thriller mit Gothic-Horror-Elementen. Der Film ist sehr klassisch und stilvoll inszeniert und erinnert stark an „Jack The Ripper“. Obwohl die Geschichte einen eher gemächlichen als temporeichen Charakter besitzt, wird ein konsequenter Spannungsbogen beibehalten. Die Frage, wer der Golem nun wirklich ist, spannt den Zuseher wirkungsvoll auf die Folter, auch wenn dieses Rätsel nicht unbedingt unlösbar ist. Gewisse Längen schleichen sich hie und da ein, was aber nicht weiter schlimm und der Sorgfältigkeit von Inszenierung und Story anzulasten ist. Die Auflösung ist irgendwie überraschend, irgendwie auch nicht, weil der Kreis der Verdächtigen recht eng und überschaubar ist. Da der Golem nachgewiesenermaßen an einem bestimmten Tag in einer öffentlichen Bibliothek seine Taten mit eigener Handschrift dokumentierte, wird recht früh eine handfeste Fährte gelegt. Ziemlich skurril erscheint dabei, Karl Marx im Kreise der Verdächtigen vorzufinden.

Bilder eines unheimlichen London wechseln immer wieder mit Szenen in einer Music-Hall ab, die als Unterhaltungseinrichtung der damaligen Zeit eine zentrale Bedeutung innehat und die sich als heisses Pflaster für die Lösung des Falles entpuppt. Der von Douglas Booth (geb.1993) dargestellte legendäre Music-Hall-Star Dan Leno ist neben dem bereits erwähnten Karl Marx ein weiterer Verdächtiger, bei dem es sich um eine damals real existierende, und neben den fiktiven Charakteren eingebundene, Person handelt. Nachdem der Hauptverdächtige bereits in's Jenseits befördert wurde, werden die grausamen Taten des Golems im Rückblick gezeigt. Die Neigung des Unholds, seine Verbrechen sowohl zu dokumentieren als auch mit philosophischen Sprüchen zu garnieren, die an den Stätten der Blutbäder zu lesen sind, lässt auf einen perversen Charakter mit egomanischem Überlegenheitsgefühl schliessen, was etwas an den 1995 erschienenen Film "Seven" erinnert.

Olivia Cooke (geb.1993) ist als sympathischer Bühnenstar stimmig besetzt und man möchte sich nicht vorstellen, ihren Lebensweg am Galgen enden zu sehen. Mit ihrem nun toten Gatten, dem Dramatiker John Cree, führte sie eine leidenschaftslose Beziehung, in der das Liebesleben eine Farce war, was nicht zuletzt an der abartigen Form mütterlicher Zuwendung lag, die ihr als Kind entgegengebracht wurde. Ihre von Frustration zerfressene bessere Hälfte betrügt sie bald mit der niederträchtigen und ihm hörigen Aveline. Tritt Cree zu Beginn noch als Gentleman in Erscheinung, lässt er bald dunklere Seiten anklingen, was ihn als Sympathieträger disqualifiziert, dafür aber als vermeintlichen Golem gerade recht kommen lässt. Das Ganze wäre jedoch kein guter Grusel-Krimi, würde da nicht noch ein rettender Twist durch die Hintertüre kommen. Ein Sammelsurium aus Neid, Missgunst, Gewalt und Grausamkeit eskaliert in einen düsteren Abgrund, der den Ermittler schlussendlich völlig vor den Kopf stößt.

Fazit:


Als recht atmosphärisches, im viktorianischen London angesiedeltes, Stück Schauer-Romantik ist „The Limehouse Golem“ zwar kein Überflieger, garantiert aber von düsterer Spannung geprägte 100 Filmminuten. Auf der Habenseite befindet sich neben der sorgfältigen Erzählweise ein sehr stimmungsvolles und sattes London-Setting. Zart besaitete Gemüter seien allerdings davor gewarnt, dass sie hier um einige recht blutige Szenen nicht herumkommen. 3,5 von 5 Punkten.

patrick Offline




Beiträge: 2.914

18.01.2018 20:44
#38 RE: Monster-, Biester-, Bestien- und Psychothriller - damals und heute Zitat · antworten

The Shallows (The Shallows – Gefahr aus der Tiefe, 2016)



Regie: Jaume Collet-Serra

Pruduktion: Lynn Harris, Matti Leshem, USA 2016

Mit: Blake Lively, Óscar Jaenada, Angelo Josue Lozano Corzo, Jose Manuel Trujillo Salas, Brett Cullen, Sedona Legge



Handlung:

Die junge Amerikanerin Nancy reist nach Mexiko, um an einem entlegenen Strand zu surfen. Sie wird dabei von einem riesengroßen weißen Hai angefallen und kann sich, ernsthaft verletzt, auf einen Wal-Kadaver und von dort aus auf einen, nur wenig aus dem Wasser ragenden, Felsen retten. Zwar vermag sie sich notdürftig selber zu verarzten, doch kommt ein Zurückschwimmen nicht mehr in Frage, da der Hai nun Blut geleckt hat und ständig in der Nähe bleibt. Einige spärlich auftauchende potentielle Helfer fallen dem gnadenlosen Untier zum Opfer, was die Hoffnung auf Rettung bald schwinden lässt. Ihr bleibt nur noch der Versuch, vor Einsetzen der Flut zu einer Gefahrenzeichen-Boje zu schwimmen, was allerdings aufgrund der Wachsamkeit des Tieres wenig Aussicht auf Erfolg verspricht...

Anmerkungen:

"The Shallows" ist ein, trotz simpler Story, wirklich packender Thriller, der besonders dazu anregt, mit der Protagonistin mitzufiebern. Die Geschichte bleibt fast kammerspielartig auf den relativ kleinen Raum zwischen einer abgelegenen Küste und dem davon ca. 150 Meter entfernten Felsen beschränkt. Sie beschreibt recht lebensnahe den Leidensweg der vom Glück verlassenen Nancy, beginnend mit ihrer schweren Verletzung mit einsetzendem Wundbrand über die drohende Unterkühlung bis hin zum gewagten "Wettschwimmen" in Richtung eines, mit Signalpistole ausgestatteten, Gefahrenzeichens, wo es zum Showdown kommt. Warum der Hai knochige Homo-Sapiens wesentlich weicheren und leichter verdaulichen Meereslebewesen so sehr vorzieht, dass er bei der Jagd auf seine Beute sogar die Bereitschaft zeigt, sich in ein Metallgestell festzubeissen, sollte aus dramaturgischen Gründen lieber nicht hinterfragt werden.

Die Angriffe des Untiers wirken unheimlich und effektvoll, wobei allzu grausame Szenen ausgespart werden. Am heftigsten erscheint ein in zwei Teile gebissenes Opfer, dessen Verstümmelung allerdings nur relativ kurz eingeblendet wird. Wie der besagte arme Tropf es schaffte, in diesem Zustand die Küste zu erreichen, sollte ebenfalls nicht hinterfragt werden, genauso wenig wie der Umstand, warum der hungrige Hai seine Opfer offensichtlich alle wieder ausspuckt. Leider ist die finale Konfrontation zwischen der Schönen und dem Biest im Gegensatz zum sonstigen Katz-und-Maus-Spiel sehr wenig glaubwürdig und viel zu dick aufgetragen.

Das Auge wird ferner durch ein paar sehr ansprechenden Landschaftsaufnahmen verwöhnt. Die persönliche Ausstrahlung der Hauptdarstellerin Blake Lively (geb.1987) bleibt eher durchschnittlich, allerdings agiert sie in ihrer Robinson-ähnlichen Situation, wo ihr selbst bei Ebbe nur wenige Quadratmeter zur Verfügung stehen, durchaus glaubwürdig. Sie stemmt den Film praktisch im Alleingang, abgesehen von ein paar Nebenfiguren, die größtenteils die Funktion von Fischfutter übernehmen.

Fazit:


Sehr einfach gestrickter, aber ausgesprochen atemberaubender und spannender, Tier-Horror, der leider einen in Punkto Glaubwürdigkeit mit dem Vorgeschehen nicht sehr gut ausbalancierten Schluss bietet. Der guten Unterhaltung tut dies aber keinen Abbruch. 4 von 5 Punkten.

patrick Offline




Beiträge: 2.914

01.04.2018 21:10
#39 RE: Monster-, Biester-, Bestien- und Psychothriller - damals und heute Zitat · antworten

Hush...Hush, Sweet Charlotte (Wiegenlied für eine Leiche, 1964)



Regie: Robert Aldrich

Produktion: Robert Aldrich, Walter Blake, USA 1964

Mit: Bette Davis, Olivia de Havilland, Joseph Cotten, Agnes Moorehead, Cecil Kellaway, Mary Astor, Victor Buono, Bruce Dern, Wesley Addy, Will Campbell, George Kennedy


Handlung:


Die Geschichte beginnt im Jahre 1927 in den amerikanischen Südstaaten. Charlotte Hollis hat ein Verhältnis mit dem verheirateten John Mayhew und plant, mit diesem durchzubrennen. Ihr Vater, der autoritäre Großgrundbesitzer Sam Hollis, kommt dahinter und droht John Mayhew eindringlich, sofort die Finger von seiner Tochter zu lassen. Kurz darauf wird der verheiratete Liebhaber grausam mit einem Beil ermordet. Das Verbrechen wird zwar niemals aufgeklärt, Charlotte jedoch für die Täterin gehalten, da John gezwungenermaßen die Beziehung beendete.

Im Jahre 1964, 37 Jahre später, führt Charlotte das Leben einer alten Jungfer und bewohnt zusammen mit ihrer Bediensteten Velma noch immer das Hollis-Anwesen. Die Kinder der Umgebung erzählen sich Schauergeschichten über sie und hänseln sie immer wieder. Als eine Enteignung des Anwesens droht, um eine Brücke zu bauen, wendet Charlotte sich an ihre Cousine Miriam Deering, die in der Mordnacht von 1927 ebenfalls anwesend war, und die ihr nun in ihrer schwierigen Situation helfen sollte. Bald ereignen sich mysteriöse Vorkommnisse. Charlotte hört nächtens jenes Lied, dass John ihr einst gewidmet hatte, und sieht sogar abgehakte Körperteile am Boden liegen, was sie psychisch mehr und mehr in einen Ausnahmezustand manövriert...

Anmerkungen:


Der Streifen wird durch ein schockierendes Ereignis eingeleitet und nimmt nach einer relativ gemütlichen Stunde, in der man mit den Charakteren vertraut wird, mit einer Reihe gruseliger Vorkommnisse langsam Fahrt auf. Sehr ähnlich wie in den britischen Hammer-Thrillern der frühen 60er-Jahre, sollte auch hier aus Geldgier jemand in den Wahnsinn getrieben werden. Allerdings wird man als Zuseher relativ rasch darüber aufgeklärt, woher der Wind weht. Dennoch kann man der Dramaturgie nichts vorwerfen, da einige Twists eingebaut sind und das Whodunit-Element auf die Klärung des 37 Jahre zurück liegenden Verbrechens hinausläuft. Gruselige Szenen, Gewitternächte, etc. sind sehr gekonnt in schönem Schwarzweiß inszeniert.

Ähnlich wie in dem, zwei Jahre zuvor auch von Robert Aldrich gedrehten, "Baby Jane" stemmt Bette Davis ihre Altersrolle wieder mit Bravour. Als mürrische alte Einsiedlerin, die nicht davor zurückschreckt ihr Anwesen mit Waffengewalt zu verteidigen, macht sie eine ebenso glaubhafte Figur wie als schlotterndes Nervenbündel, angesichts der Erschießung eines unheimlichen Besuchers. Ihre Filmpartnerin ist diesmal nicht mehr Joan Crawford, sondern die nur acht Jahre jüngere und mittlerweile über 100-jährige Olivia de Havilland (geb.1916), die man als zarte Maid aus den Errol-Flynn-Filmen der 30er- und frühen 40er-Jahre kennt. Sie hat sich über die Jahrzehnte eine bewundernswerte Frische bewahrt und tritt hier in einer ungewohnt verschlagenen Rolle auf. Ausgesprochen gelungen erscheint auch der damals erst 26-jährige, aber auf alt geschminkte, Victor Buono (1938-1982) als Familienpatriarch. Man kennt ihn bereits als konfliktbeladenen jungen Man in "Baby Jane".

Fazit:

Anständiger Psycho-Thriller, der die bewährten britischen Hammer-Filme zum Vorbild haben könnte, sich von diesen aber neben dem größeren Budget und der deutlich längeren Laufzeit auch durch einen gewissen amerikanischen Pathos unterscheidet, der immer wieder durchschimmert. Alles in allem sehr unterhaltsame 135 Film-Minuten. 4 von 5 Punkten.

Tarzan Offline



Beiträge: 889

02.04.2018 12:15
#40 RE: Monster-, Biester-, Bestien- und Psychothriller - damals und heute Zitat · antworten

Durch Zufall sah ich den "Horrorreißer" THE SWALLOWS-GEFAHR AUS DER TIEFE kürzlich auf einer inner-mexikanischen Busreise. Dabei ist der Plot überhaupt nicht in Mexiko angesiedelt, sondern in Australien (wo auch gedreht wurde).

Den Film konnten auch die Kinder im Bus verfolgen, was niemanden aufregte. Solche Storys scheinen heute zum Standard bei den Kids zu gehören!?

Die Hauptdarstellerin Blake Lively war eine interessante Erscheinung. Mal schauen, was da noch kommt...

Besonders atemberaubend und spannend fand ich die Geschichte aber nicht. Sie ist in der einsamen Bucht ordentlich in Szene gesetzt.

Für mich eher 2 von 5 Punkten, gerade auch weil der Hai so merkwürdige Dinge macht.

patrick Offline




Beiträge: 2.914

03.04.2018 11:01
#41 RE: Monster-, Biester-, Bestien- und Psychothriller - damals und heute Zitat · antworten

Bei der Beurteilung eines Films schwingt natürlich immer die Stimmung mit, in der man sich gerade befindet. Bei einer inner-mexikanischen Busreise hätte ich wohl auch eher meine Gedanken woanders, als beim Film.

Ansonsten finde ich den Streifen mit einfachen Mitteln wirkungsvoll inszeniert. Natürlich hat man als Sporttaucher und Wasserratte vielleich auch einen anderen Bezug zu so einer Geschichte, als jemand mit anderen Interessen. Ich konnte jedenfalls gut mit der Protagonistin mitfiebern. Die Haiauftritte entbehren dann aber vor Allem am Schluß zu sehr jeglicher Glaubwürdigkeit. Mit dem guten alten "Jaws" kann der Film natürlich nicht mithalten, ist aber trotzdem spannend.

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