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Dieses Thema hat 30 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
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patrick Offline




Beiträge: 2.763

30.09.2017 15:29
#31 RE: Monster-, Biester-, Bestien- und Psychothriller - damals und heute Zitat · antworten

Kill, Baby, Kill (Originaltitel: Operazione Paura, 1966)



Regie: Mario Bava

Produktion: Nando Pisani, Luciano Catenacci, Italien 1966

Mit: Giacomo Rossi-Stuart, Erika Blanc, Fabienne Dali, Giana Vivaldi, Micaela Esdra, Piero Lulli, Luciano Catenacci, Franca Dominici, Giuseppe Addobbati, Valerio Valeri


Handlung:

In einem karpatischen Dorf ereignen sich rätselhafte und blutige Selbstmorde, wobei die betroffenen nicht wirklich freiwillig aus dem Leben scheiden. Allen Opfern erscheint kurz vor ihrem Ableben der Geist eines toten Kindes, dessen Präsenz einen hypnotischen Zwang ausübt, der die Menschen in den Tod treibt. Der fremde Arzt Dr.Eswai sollte eine Autopsie durchführen und entdeckt dabei eine Münze im Herzen der Toten. Schließlich erfährt er, dass die Dorfbewohner glauben unter einem mörderischen Fluch zu stehen. Dr. Eswai hält alles für einen dummen Aberglaube, wird jedoch sehr bald eines besseren belehrt...

Anmerkungen:

"Kill, Baby, Kill" ist eine eindruchsvolle Schauer-Mär und erinnert sehr stark an die Hammer-Filme jener Zeit. Wüsste man es nicht besser, würde man den Streifen wohl auch ohne zu Zögern für einen solchen halten. Mario Bava verstand es aber aufgrund seines bemerkenswerten Gespürs für Atmosphäre und Bildersprache, seinen eigenen Stempel aufzudrücken und eine Qualität zu erreichen, welche den Top-Klassikern der britischen Filmschmide nicht nur ebenbürtig ist, sondern diese stellenweise sogar noch übertrifft. Der Streifen ist in sehr surrealen Farben gehalten und wirkt dadurch ziemlich unrealistisch. Doch lag gerade darin Bavas Stärke. Er verstand es, durch diese ungewohnte Farbgebung den ausgeprochen düsteren Grundton der Geschichte vorteilhaft zu verstärken und sehr gruselige Momente zu kreieren. Der Film wirkt für 1966 auffallend altmodisch, was sich aber keineswegs nachteilig auswirkt. Auch die Leistung der Darsteller ist konstant und überzeugend und verhindert ein Abgleiten in's Lächerliche, was einem ungelenken Team leicht hätte passieren können.

Obwohl Bava erst 1960 in's Horror-Genre einstieg, schaffte er es auf Anhieb, mit "Black Sunday" ein schwarzweißes Meisterwerk zu schaffen und später auch in Farbe sein hohes Niveau einigermaßen zu halten. Schade, dass er sich in den 70er-Jahren zu sehr dem Zeitgeist anpasste und dadurch in die Bedeutungslosigkeit schlitterte.

Der deutsche Titel "Die Toten Augen des Dr.Dracula" greift wieder einmal derart am Thema vorbei, dass man nicht umhin kommt, angewidert die Augen zu verdrehen. Offensichtlich meinte man damals, Bavas Filme unbedingt mit Dracula in Verbindung setzen zu müssen. Bei "Black Sunday" gab es auch keinen Dracula, aber wenigstens noch Vampire. Atmosphäre und Struktur der Handlung von "Kill, Baby, Kill" überschneiden sich zwar sehr deutlich mit Hammer's Dracula-Filmen, was nahelegt, dass auch dort abgekupfert wurde. Allerdings fehlt vom blaublütigen Fangzahn-Untoten und dessen Artgenossen jede Spur, da das bewährte Rezept in eine Geistergeschichte umfunktioniert wurde. Der hanebüchene und dämliche deutsche Titel entbehrt daher jeglicher Grundlage und jeglichen Sinnes. Man wird vielmehr dazu verleitet, eine Trash-Granate a'la Jess Franco zu erwarten. Zumindest mir ist es so ergangen, weshalb ich erst sehr spät auf den Film aufmerksam wurde.

Fazit:

Spannende, atmosphärische und gruselige Geister-Geschichte der alten Schule, die keinerlei Durchhänger zulässt. Bavas auffallend sorgfältige und ausgetüftelte Bildersprache und Kameraarbeit machen einmal mehr ungeheure Freude. 4,5 von 5.

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