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Dieses Thema hat 5 Antworten
und wurde 1.110 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
Percy Lister Offline



Beiträge: 3.589

25.04.2015 14:09
Fünf unter Verdacht (1950) Zitat · Antworten



BEWERTET: "Fünf unter Verdacht (Stadt im Nebel)" (Deutschland 1950)
mit: Hans Nielsen, Friedrich Schoenfelder, Dorothea Wieck, Hans Leibelt, Ina Halley, Josef Sieber, Kurt Waitzmann, Blandine Ebinger, Franz Nicklisch, Lutz Moik, Friedjelm v. Petersson, Gunnar Möller, Henry Lorenzen, Werner Schott, Karl Klüsner u.a. | Drehbuch: Johanna Sibelius, Eberhard Keindorff nach dem Roman "Thomas verhört die Prima" von Herbert Moll und Rudolf Becker | Regie: Kurt Hoffmann

Schuldiener Palsberg bessert sich sein Gehalt durch krumme Geschäfte am Privatgymnasium von Dr. Lassen auf. Er sorgt nicht nur für den Zigarren- und Spirituosennachschub der Primaner, sondern liefert auch Kopien von Examensarbeiten durch Erpressung des Studienrats Dr. Berling. Dieser hat ein Verhältnis mit der Schülerin Ingrid, was den Unmut von Jacob Eriksen erregt, der gemeinsam mit seinem Bruder Klaus Kunde von Palsberg ist. So fehlt es nicht an Verdächtigen, als der Schuldiener eines Morgens erschlagen aufgefunden wird. Kriminalinspektor Thomsen nimmt sich einen nach dem anderen vor und richtet sein Augenmerk vor allem auf die Spuren am Tatort....



Die in weiten Teilen spartanisch-ärmliche Einrichtung der Schauplätze kennzeichnet den frühen deutschen Kriminalfilm, dem noch die Leichtigkeit und Selbstironie späterer Erfolgsprojekte wie der Edgar-Wallace-Serie fehlen. In dem Jahr, in dem die Lebensmittelrationierung aufgehoben wurde und die Weltwirtschaft langsam wieder anzog, betont Kurt Hoffmann die Enge der Umstände, in denen die Protagonisten gefangen sind. Der Nebel drückt auf das Gemüt und verhindert, dass dunkle Machenschaften ans Licht gelangen. Erst der von außen einberufene Kriminalinspektor zwingt die Personen durch seine direkte, unbelastete Sichtweise, die Wahrheit zu bekennen und sich von falschen Vorstellungen zu lösen.

Friedrich Schoenfelder als heimlicher Liebhaber einer siebzehnjährigen Schülerin agiert mit der preußischen Strenge seiner späteren Scotland-Yard-Beamten und zeichnet einen Mann, dessen Ablenkung vom Schulalltag sich in einer hingebungsvollen Verehrung durch ein junges Mädchen ausdrückt. Der Kontakt zu seiner gleichaltrigen, lebenserfahrenen Frau ist schal geworden, weil er sie nicht mehr beeindrucken kann. Die Realität des Alltags, die seine Freundin erstrebt, indem sie an eine Legalisierung der Verbindung appelliert, ist für ihn das, wovor er geflüchtet ist: Konformismus und Konformität.

Hans Nielsen ist bemüht, seine Umgebung nicht zu ernst zu nehmen, obwohl er die menschlichen Schwächen nur allzu gut kennt und durchschaut. Obwohl er relativ spät aktiv in die Handlung eingreift, prägt seine mit Spleens ausgestattete Figur den Ablauf und bildet das leichte Gegengewicht zum feierlichen Ernst des Mordverdächtigen Schoenfelder. Nielsen vermittelt stets die Gewissheit, dass er sich durch nichts und niemanden von seinem Auftrag ablenken lässt. In weiteren Rollen sehen wir den gemütlichen Hans Leibelt, sowie Kurt Waitzmann und einen garstigen Josef Sieber als Pedell. Bei den Damen stechen Blandine Ebinger als anspruchsvolle und aufdringliche Musiklehrerin, Dorothea Wieck als Ehefrau mit Weitsicht und Ina Halley als aus romantischen Träumen gerissene Studentin hervor.

Ein Ermittler, der nach dem Leichenfund erst einmal ein mitgebrachtes, hartgekochtes Ei verzehrt, wirkt in den Augen des heutigen Betrachters ebenso leicht antiquiert wie "Stadt im Nebel" (so der Originaltitel). Dennoch schaffen es Nielsen, Schoenfelder und ihre Mitspieler, eine dichte Atmosphäre aufziehen zu lassen und den Verdacht auf mehrere in Frage kommende Personen zu verteilen. Knappe 4 von 5 Punkten.

TV-1967 Offline



Beiträge: 583

26.04.2015 11:17
#2 RE: Fünf unter Verdacht (1950) Zitat · Antworten

Interessant, auch einmal den Synchronsprecher von Jerry Lewis darin zu sehen!

Count Villain Offline




Beiträge: 4.516

26.04.2015 14:50
#3 RE: Fünf unter Verdacht (1950) Zitat · Antworten

Zitat von Percy Lister im Beitrag #1
Ein Ermittler, der nach dem Leichenfund erst einmal ein mitgebrachtes, hartgekochtes Ei verzehrt, (...)

Danke für diese Besprechung!

Diese Szene spukte mir schon jahrelang im Kopf herum, aber ich kam nicht mehr darauf aus welchem Film die war.

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Ein Toter im Beichtstuhl und Bibelverse, die weitere Morde androhen ...

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Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

26.04.2015 15:01
#4 RE: Fünf unter Verdacht (1950) Zitat · Antworten

Das hartgekochte Ei am Tatort war ja auch eine der wiederkehrenden Marotten von Lieutenant Columbo. Da wurde gern 'mal mit den Überresten die Arbeit der Spurensicherung erschwert oder einem Zeugen bei der ersten Begegnung die Eierschale in die Hand gedrückt.

Bin auch schon gespannt auf "5 unter Verdacht". Die Besetzung liest sich vielversprechend und die kärgliche Nachkriegsstimmung ist eigentlich immer gut für authentische Kriminalfälle.

Ray Offline



Beiträge: 1.846

18.10.2015 22:20
#5 RE: Fünf unter Verdacht (1950) Zitat · Antworten

Da über diesen Film noch recht wenig geschrieben wurde, gebe ich auch kurz meine Bewertung zu dieser CCC-Produktion aus dem Jahre 1950 ab.

Dass der Film gut zehn Jahre älter ist, als die ersten Edgar Wallace-Filme der Rialto, sieht man nicht nur Hans Nielsen und Friedrich Schoenfelder selbst, sondern auch dem Film an sich an. Von der Anzahl der Schauplätze entspricht er in etwa dem, was man in Fernsehproduktionen Mitte der 1960er geboten bekommt, d.h. Beschränkung auf das "Wesentliche". Die Hauptfigur, verkörpert von Hans Nielsen, tritt zwar vergleichsweise spät in die Handlung ein, beherrscht das folgende Geschehen aber umso mehr. Nielsen bekommt hier in der Role des Ermittlers weitaus mehr Raum als etwa in "Hotel der toten Gäste" und weiß diesen überzeugend zu nutzen. Dialogwitz (Szenen mit Blandine Ebinger), allgemeine Distanziertheit und in Konsequenz Überlegenheit gegenüber den anderen Akteuren zeichnen ihn aus. Auch Schoenfelders Darstellung des Lehrers, einem der "5 unter Verdacht" stehenden, gefällt. Positiv ist mir zudem in Erinnerung geblieben, dass Nielsen zur Auflösung alle Beteiligten analog zu Hercule Poirot oder dem Kommissar zusammenruft und dabei den Täter entlarvt.

Negativ ins Gewicht fällt neben der etwas langen Einführung insbesondere die Musik, die arg an Musiken aus der Stummfilmzeit erinnert.

Alles in allem ein atmosphärischer, insbesondere von der Darstellung Hans Nielsen lebender Kriminalfilm, der durchaus einen Blick wert ist und mir daher letzten Endes 4/5 Punkten wert ist.

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

26.06.2016 14:45
#6 RE: Fünf unter Verdacht (1950) Zitat · Antworten



5 unter Verdacht (Stadt im Nebel / Mord in Belgesund)

Kriminalfilm, BRD 1949/50. Regie: Kurt Hoffmann. Drehbuch: Johanna Sibelius, Eberhard Keindorff (Buchvorlage „Thomas verhört die Prima“: Herbert Moll, Rudolf Becker). Mit: Hans Nielsen (Kriminalrat Thomsen), Friedrich Schoenfelder (Studienrat Dr. Berling), Dorothea Wieck (Frau Berling), Ina Halley (Ingrid Sörensen), Josef Sieber (Pedell Palsberg / Erik Palsberg), Franz Nicklisch (Jensen), Hans Leibelt (Schuldirektor Dr. Lassen), Gunnar Möller (Ole Klimm), Lutz Moik (Klaus Eriksen), Friedhelm von Petersson (Jacob Eriksen) u.a. Uraufführung: 3. März 1950. Eine Produktion der CCC-Film Berlin im Anton-E.-Dietz-Filmverleih Berlin.

Zitat von 5 unter Verdacht (Stadt im Nebel / Mord in Belgesund)
Der Gymnasialpedell Palsberg liegt tot in seinem Zimmer. Den Schüler Klaus Eriksen, der seine Leiche findet, wundert’s nicht: Er weiß um die Machenschaften, mit denen sich Palsberg heimlich so manche Krone hinzuverdiente und zu denen auch der Verkauf von Prüfungsfragen an die Primaner gehörte. Dummerweise steht Klaus nun unter dringendem Verdacht, der Mörder von Palsberg zu sein. Sein Fluchtversuch wird durch die gründliche Arbeit von Kriminalrat Thomsen verhindert, der aber auch andere Verdächtige auf dem Zettel hat. Unter anderem den Studienrat Berling, der eine ganz und gar nicht ehrenhafte Beziehung zu einer Schülerin pflegt und von Palsberg erpresst wurde ...


Eher durch seine mit scharfem Blick gezeichnete Atmosphäre als durch fesselnde Spannung überzeugt Kurt Hoffmanns Verfilmung des Romans „Thomas verhört die Prima“, die das Autorenehepaar Sibelius und Keindorff in eine skandinavische Fantasiestadt verlegte. Was sich nach aufwendigen Aufnahmen und grandiosen nordischen Kulissen anhört, erweist sich als triste Angelegenheit, gekennzeichnet von der dumpfen Desillusion der Nachkriegsjahre und einem Personenkreis, der zwischen kleinkariertem Beamtentum, proletarischen Überlebenskünstlern und lernfaulen sowie trunkfreudigen Prüfungsschülern angesiedelt ist. In der Luft liegen Rauch, Nebel und Geheimnisse – fast jeder der zahlreichen Protagonisten versteckt unangenehme Details vor dem jovial aufspielenden Hans Nielsen, der die Szenerie als neurotischer Polizist beherrscht.



Trotz nostalgischer Aufnahmen, einer Reihe aus späteren Schaffensjahren bekannter Qualitätsschauspieler und einer stimmig dramatischen Musikuntermalung von Herbert Trantow verliert sich in „5 unter Verdacht“ mehrfach der sprichwörtliche rote Faden im Dunst der Nacht. Im Gegensatz zum im gleichen Jahr erschienenen, stringent erzählten und noch immer modern wirkenden „Fall Rabanser“, für den Hoffmann ebenfalls verantwortlich zeichnete, wirkt die hier vorliegende Produktion behäbig und im negativen Sinne altmodisch. Dies beginnt bei einer unausgewogenen Mischung aus bitterem Sozialrealismus und albernem Humor, wie er vor allem von Blandine Ebinger, stellenweise aber auch von Hans Nielsen selbst dargeboten wird, und setzt sich in der wenig ergreifenden Schilderung der Mordvorgeschichte und der Ermittlungen fort. Echte Fahrt nimmt der über weite Strecken müde wie die Ostsee dahingluckernde Film erst in den letzten Minuten auf, in denen auf eine fingierte Überführung im Kreise aller Verdächtigen eine zweite, „echte“ Festsetzung des Täters folgt, den Hoffmann zuvor einer beinahe surrealistisch gefilmten Verfolgungsjagd unterzieht.

Weitgehend von der hauptsächlichen Filmhandlung isoliert steht Friedrich Schoenfelder im größten Verdacht des Zuschauers, der sich bald darüber im Klaren ist, dass die Halbwüchsigen Moik und von Petersson, auf die sich die meisten Ermittlungen konzentrieren, als zu offensichtliche Täter ausscheiden. Unterm Strich überrascht, wie neutral – wenn nicht sogar verständnisvoll – die Romanze, die Schoenfelders Dr. Berling zu einer minderjährigen Schülerin unterhält, gezeichnet wird. Hier sowie in der nicht bis zum Ende verfolgten Prüfungsschummelei der Primaner zeigt sich die Diskretion und vielleicht auch Klüngelei jener Tage, in denen ähnlich wie der Pedell viele durch die Unbillen des Krieges abgestumpften Zeitgenossen auch mit unrühmlichen Mitteln vor allem an ihren eigenen Profit oder das Nachholen von Vergnügen dachten und – wie im Nebel – nicht auf die Missstände in ihrer Umgebung achteten.

Ein stimmungsvoller Mordfall, der von Krimi-Ikone Hans Nielsen aufgeklärt wird. Kann man sich mehr wünschen? Ja, Spannung und Tempo wären nicht schlecht. Im nebelverhangenen Belgesund verrennt sich Kurt Hoffmanns vielversprechender Schulkrimi in so manche Sackgasse, bevor er am Ende einen überraschenden Täter serviert und seiner gerechten Strafe zuführt. 3 von 5 Punkten.

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