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Dieses Thema hat 15 Antworten
und wurde 1.502 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker international
Seiten 1 | 2
Prisma Offline




Beiträge: 7.549

22.02.2015 13:30
Eva Bartok - Filme & Karriere Zitat · Antworten



♦ EVA BARTOK ♦ (* 18. Juni 1935 in Budapest † 01. August 1998 in London)



»Mir genügt es zu wissen, dass alles so kommen wird, wie es kommen soll.«


Filmauswahl:

♦ Der rote Korsar (1952)
♦ Der letzte Walzer (1953)
♦ Orientexpress (1954)
♦ Spionagenetz Hamburg (1955)
♦ Dunja (1955)
♦ 10.000 Schlafzimmer (1957)
♦ Der Arzt von Stalingrad (1958)
♦ Madeleine Tel. 13 62 11 (1958)
♦ Unter Ausschluss der Öffentlichkeit (1961)
♦ Es muss nicht immer Kaviar sein (1961)
♦ Diesmal muss es Kaviar sein (1961)
♦ Eheinstitut Aurora (1962)
♦ Blutige Seide (1964)




Schon als junges Mädchen hatte Éva Ivanova Márta Szőke den Wunsch, einmal eine berühmte Schauspielerin zu werden und es sollte tatsächlich in Erfüllung gehen, bis man sie schließlich international als Eva Bartok feierte. Dabei war der Weg bis dorthin für die aus Ungarn stammende Interpretin alles andere als leicht. Immer wieder hörte man sie betonen, ja, sich beinahe rechtfertigen, dass ihr Ruhm und Glamour nicht einfach in den Schoß gefallen seien. Eva Bartok ist auch heute noch in relativer Erinnerung geblieben, da sie vor allem durch ihr turbulentes Privatleben von sich reden machte. In einer Art Zweck-Symbiose mit der Presse erlebte man die gläserne Frau, Opfer und Gejagte, aber ebenso Initiatorin und Nutznießerin der sagenumwobenen Geschichten rund um ihr Privatleben. Sie arrangierte sich mit dem kalten, unerbittlichen Blick der Medien und obwohl die Berichterstattung meistens ziemlich einseitig vonstatten ging, konnte sich die Schauspielerin eben genau diese widrigen Voraussetzungen zu Nutze machen und wurde für Filmschaffende zum Objekt der Begierde. Zeitweise gehörte sie zu den Darstellerinnen, die mitunter die höchsten Gagen erhalten haben. Ihren ersten und einzigen ungarischen Film "Mezei próféta" drehte sie im Jahre 1947 und orientierte sich umgehend über die Grenzen der nicht optimalen Voraussetzungen hinaus, bis sie im Jahre 1952 den internationalen Durchbruch in Robert Siodmaks "Der rote Korsar" an der Seite von Burt Lancaster schaffte, der sich persönlich dafür eingesetzt haben soll, dass ihr die Rolle anvertraut wurde.

So nahm die Karriere von Eva Bartok endgültig an Fahrt auf und wie es in einer solchen naturgemäß ist, waren natürlich bedeutende und weniger bedeutende Produktionen dabei. Seltsamerweise ist die Erinnerung an die Darstellerin Eva Bartok heute in der Regel mehr und mehr verblasst, beinahe vage geworden, und falls überhaupt, ist sie eher als temperamentvolle Diva und skandalumwitterter Filmstar mit unzähligen Allüren lebhaft im Gedächtnis geblieben. Vor allem aber wird sie hauptsächlich mit ihren Männern in Verbindung gebracht, respektive ihrem vierten Ehemann Curd Jürgens. Das Medieninteresse ist in dieser Beziehung insgesamt, aber vor allem bei dieser Allianz sehr hoch gewesen, oft waren Berichterstattung und Kommentare wertend und kopflastig, bei genauerer Betrachtung sogar nahezu zynischer Natur, wenn man gewisse Hintergründe und schicksalhafte Begegnungen betrachtet. Hier sorgte Eva Bartok, oder "Ilaina" - wie sie von ihrem religiösen Mentor Pak Subuh nach ihrer tiefgreifenden spirituellen Wandlung genannt wurde - für aufklärende Worte, beeindruckende Ansichten und bewegende Momente, als sie 1959 ihr bemerkenswertes Buch "Worth living for" vorstellte, das in England sogar zum Bestseller wurde und welches gerechtfertigterweise sehr gute Kritiken bekam. Wenn man nach Informationen zu Eva Bartok sucht, ist es erstaunlich, dass sich auch heute noch einiges an Material finden lässt, jedoch ist sie als Schauspielerin wie gesagt eher in Vergessenheit geraten, beziehungsweise man nennt sie nicht in einem Atemzug mit den großen renommierten Stars des damaligen Kinotopp. Daher wird die weitreichende Vorstellung von Eva Bartok eine interessante und spannende Angelegenheit werden.

Der persönliche Eindruck zu Eva Bartok fällt wieder einmal eindeutig aus. Allem voran steht erneut die Begeisterungsfähigkeit einer Schauspielerin, die die Möglichkeiten hatte, sich innerhalb der starken Konkurrenz merklich hervorzutun. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob der Verlauf ihrer Karriere von den Medien konstruiert wurde, oder sie sich durch harte Arbeit und Disziplin profilieren konnte. Im Vordergrund stehen ihre Filmauftritte die begeistern und dokumentieren, warum Eva Bartok nach wie vor eine faszinierende Persönlichkeit ist, die es absolut wert ist, sich näher mit ihr zu beschäftigen und sie wieder ein wenig mehr in den Fokus zu rücken, oder ins Gedächtnis zu bringen. Ihr Name war bekannt auf internationalem Parkett, auf nationaler Ebene wurde sie zum gefragten Star. Zunächst bringt man den Typ Eva Bartok eher mit eleganten Damen von Welt in Verbindung, gerne mit Vergangenheit und zwielichtiger Aura ausgestattet. Aber betrachtet man ihre Filmkarriere ganzheitlich, zeigt sie sich als überzeugende Interpretin mit sehr vielen unterschiedlichen Gesichtern. Mit Attraktivität und Verve ausgestattet, war sie im Rahmen der Zuschauergunst sowohl für das Auge des Mannes, als auch das Auge der Frau geeignet. Oftmals wirkte sie in ihren Rollen unnahbar und spielte mit ihrem grundeigenen Stolz, ihr Wesen wurde hin und wieder von einer Art spröden Zurückweisung getragen, ihre tiefen, dunklen Augen konnten der Anforderung entsprechend Sehnsucht und Melancholie, aber auch Feuer und Temperament transportieren. In etlichen Produktionen wurde ihr charmanter ungarischer Akzent wegsynchronisiert, was rückblickend eigentlich sehr schade ist. Trotz ihrer Festlegung auf einen ganz gewissen Frauentyp wirkt sie stets flexibel und leichtfüßig genug, um jeden Film zu bereichern und bei dem Blick durch mehrere ihrer bedienten Genres offenbaren sich erinnerungswürdige Konturen. Eva Bartok - eine ganz klassische Erscheinung für die Filme-&-Karriere-Reihe, bei der auch viele Anteile aus ihrem Leben hinzu kommen werden.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

22.02.2015 13:49
#2 RE: Eva Bartok - Filme & Karriere Zitat · Antworten

BEWERTET: "Eheinstitut Aurora" (Deutschland 1962)
mit: Eva Bartok, Carlos Thompson, Elisabeth Flickenschildt, Hans Nielsen, Claus Holm, Ina Duscha, Albert Bessler, Rainer Brandt, Carsta Löck, Walter Gross, Ruth Nimbach, Ljuba Welitsch, Rudolf Vogel u.a. | Buch: Walter Forster nach dem Roman von Hans-Ulrich Horster | Regie: Wolfgang Schleif

Eva Horn wurde vor fünf Jahren wegen Giftmordes an ihrem Mann Edgar Lewandowski zu fünfzehn Jahren Gefängnis verurteilt. Die ehemalige Apothekerin soll ihrem vermögenden Gatten Strychnin verabreicht haben. Ihr Anwalt Dr. Burgmeister konnte eine Haftunterbrechung von einer Woche erwirken, in der er zusammen mit seiner Mandantin den wirklichen Täter überführen will. Sein Verdacht richtet sich gegen den Autohändler Tomkin, der mit Lewandowski kurz vor dessen Tod einen heftigen Streit hatte. Mittlerweile verdingt sich Tomkin im Eheinstitut der Baronin Hortense von Padula als Lockvogel für reiche Damen. Unter dem Vorwand, einen neuen Ehemann zu suchen, meldet sich Eva Horn im Büro des Ehevermittlungsunternehmens....



Der Film beginnt mit der Haftentlassung von Eva Horn und lässt den Auftrag, den sie absolvieren muss, zunächst offen. So findet sich der Zuschauer in einer Situation des Suspense wieder und sieht vorerst eine aparte Frau, die keine Zeit zu verlieren hat. Sie nimmt den Platz in der Gesellschaft ein, den sie Jahre zuvor inne hatte, wirkt aber auch gedämpft und innerlich erschüttert. Ihr bleibt nur eine knapp bemessene Zeitspanne, um zu beweisen, dass sie die letzten fünf Jahre zu Unrecht im Gefängnis saß. Die Leichtigkeit, mit der menschliche Schicksale im Eheinstitut behandelt werden und der Ernst, mit dem Rechtsanwalt Dr. Burgmeister zur gründlichen Ausführung der Nachforschungen mahnt, kontrastieren in angenehmer Weise miteinander. Anklänge einer leichten Komödie treffen auf einen ad acta gelegten Mordfall, dessen Beteiligte sich in Sicherheit wiegen und so eine latente Bedrohung für die weibliche Hauptfigur bilden. Urteile über die handelnden Personen werden rasch gefällt und im Laufe der Spielzeit wieder revidiert, da auch die Protagonisten der Betrügerfraktion nicht so berechnend sind, wie es zunächst aussieht.

Im besonderen Maße trifft dies auf Elisabeth Flickenschildt zu. Selbst der Unterhaltungsfilmen gegenüber generell kritisch eingestellte "SPIEGEL" vermerkt im Kulturteil der Ausgabe 6/1962: "Elisabeth Flickenschildt in der Rolle der pseudo-adligen Ehevermittlerin leiht dem von Regisseur Wolfgang Schleif angemessen bieder gefertigten Sehstück aus eigenen Mitteln einen Anhauch von Realität." In einer Mischung aus gerissener Nelly Oaks und naiv-wohlmeinender Mutter zeigt sie Licht und Schatten einer auf Vertrauen und Gutgläubigkeit basierenden Geschäftstätigkeit auf. Hier bieten sich der dosierte Humor eines Rudolf Vogel und die Beflissenheit eines Walter Gross an, deren Auftritte den Schwermut der Mordgeschichte auflockern. Rainer Brandt als chronisch verschuldeter Tunichtgut fungiert als kleiner Erpresser, Ina Duscha als gute Seele des Büros. Die Loyalität gegenüber ihrer Chefin und die emotionale Ausgeglichenheit verleihen ihr einen modernen Anstrich. Das Techtelmechtel mit Carlos Thompson wird weitaus leichtfüßiger inszeniert als die Verbindung, die sie in dem Kurt-Ulrich-Film des Sommers 1960 darstellte. Setzte man sie dort als hübsches, aber in Extremsituationen hilfloses Anhängsel des Schnüfflers ein, sieht man hier eine entspannte Frau.



Carlos Thompson als Hauptverdächtiger erweist sich zunächst als charmanter Gigolo, der sich seine Brötchen mit schönen Worten und galanten Schritten auf dem Tanzparkett verdient. Sein Metier ist die Täuschung reicher Frauen, deren Vermögen seine und die Existenz seiner Agentur sichern. Sein Widerwillen dagegen entspricht dem Bild, das Lilli-Palmer-Biografin Heike Specht in ihrem Porträt über ihn entwirft: "Carlos Thompson war ein Intellektueller, ein Kosmopolit, der viele Sprachen beherrschte, in unterschiedlichen Kulturen zu Hause war. Gleichzeitig verkörperte er eine Männlichkeit und Ritterlichkeit, die in Europa und den USA zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr in Mode waren." Der bewährte Hans Nielsen zeichnet seinen Anwalt als hartnäckigen Verfechter des Rechts und erinnert in der Darstellung an Commissario Forbesa, seine Rolle in "Hotel der toten Gäste". Besonders die Täterüberführung erweist sich als nervenaufreibend, spannend und traditionsreich im Stil großer Detektivgeschichten. Albert Bessler als Butler mit eigenen Plänen ergänzt die düstere Atmosphäre um das Mordzimmer ebenso wie es der stille, behutsam romantisch auftretende Claus Holm tut.

Eva Bartok bringt das makellose Auftreten einer erfahrenen Frau mit. Es ist nichts Mädchenhaftes, Verschämtes oder Verspieltes an ihr. Ihre Erscheinung signalisiert Reife und lässt auf reflektiertes Handeln schließen. Sie weiß, dass sie selbst für ihr Leben verantwortlich ist und dementsprechend handeln muss. Ihre Ausstrahlung lebt von ihrer gefassten Haltung und dem Geheimnis, das man dahinter vermutet. Sie ist elegant und unaufdringlich, manchmal verhalten, aber niemals wehrlos. Ihre äußeren Attribute machen sie zu einem Blickpunkt, der das Interesse auf sich lenkt, indem er nicht zuviel preisgibt. Synchronisiert wird Eva Bartok von Gisela Trowe.

Eine Symbiose aus vergnüglichem Zeitvertreib und geheimnisvollem Giftmord entwickelt sich unter Beteiligung großer Schauspielnamen. Flickenschildt, Nielsen und Thompson beweisen, dass das eine das andere nicht ausschließt. Bartok, Holm und Bessler als mysteriöse Faktoren der Geschichte setzen nachhaltige Akzente und sorgen für ein düsteres Flair. 5 von 5 Punkten

Prisma Offline




Beiträge: 7.549

22.02.2015 20:00
#3 RE: Eva Bartok - Filme & Karriere Zitat · Antworten



EVA HORN in EHEINSTITUT AURORA (1962)



Eine verurteilte Strafgefangene bekommt nach einigen Jahren Gefängnis einen einwöchigen Hafturlaub. Ihre finanziellen Verhältnisse lassen es zu, dass sie ihre Gefängniskluft sehr schnell gegen ihre gewohnt edle Garderobe und einen Nerz tauschen kann. Trotz ihrer nahezu aufdringlichen Eleganz wirkt sie unsicher, nervös und gehemmt. Kein Wunder da die Zeit drängt, denn sie muss sich mit ihrem Anwalt auf die Suche nach einem Mörder begeben, für den sie im Zuchthaus sitzt. Der erste Eindruck stellt sich auch als der richtige heraus, denn Eva Bartok ist wie geschaffen für die Rolle der Eva Horn. Neben der erwähnten Optik stattet sie ihre Figur mit glaubhaften Attributen aus, ihre Situation erscheint nach fünf Jahren Haft nicht nur unerträglich, sondern auch nahezu aussichtslos zu sein. Die Geschichte arbeitet die Veranschaulichung des Gefängnisalltages nicht aktiv auf, was diesem Verlauf in kurzen Sequenzen übrigens sehr gut getan hätte, sondern Eva Bartok beschäftigt sich mit dem dokumentieren der Folgen. Man erahnt, dass diese Dame naturgemäß resolut und kämpferisch ist, keine Ängste und suboptimale Kompromisse kennt, allerdings wirkt sie ausgebrannt und erschöpft. Ihre Körpersprache ist durchzogen mit diffusen Zuständen der Furcht, ihr eingeschüchterter Blick ist häufig zu Boden gerichtet, als wolle sie demonstrieren, dass sie genug gesehen habe.

Von Weitem wirkt Eva Horn unnahbar, doch das Auge der Kamera riskiert immer wieder sterile Blicke um zu schildern, dass sie verletzlich und angreifbar geworden ist. In diesem Zusammenhang kommen die beteiligten Herren der Geschichte mit ins Spiel und es entsteht Misstrauen. Eva bekommt es mit Leuten zu tun, mit denen sie unter normalen Umständen keinen Kontakt hätte. Der Baronin und Kupplerin des Eheinstitutes begegnet sie mit diskreter Verachtung, ihrem gebuchten Begleiter fühlt sie sich zunächst ausgeliefert, vor ihrem zwielichtigen Butler hat sie augenscheinlich panische Angst, nur in ihren Schwager und ihren Anwalt setzt sie Vertrauen. Die schlechte Ausgangsposition trägt sie mit Fassung, aber aufgrund der Rahmenbedingungen schon längst nicht mehr mit Würde, es wird im Verlauf immer deutlicher, dass sie an den Grenzen ihrer mentalen Kapazitäten angelangt ist. Man sieht mit "Eheinstitut Aurora" bereits einen Auftritt der Spätphase in Eva Bartoks Karriere, aber der Film entstand ebenso auf dem Höhepunkt ihrer deutschen Karriere. Ohne jeden Zweifel kann man sagen, dass es sich insgesamt um einen sehr interessanten Auftritt handelt, der recht deutlich aufzeigen wird, dass Image und Rolle nicht immer einheitlich ausfallen müssen.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

08.03.2015 14:30
#4 RE: Eva Bartok - Filme & Karriere Zitat · Antworten

BEWERTET: "Blutige Seide" (I/D/F 1964)
mit Eva Bartok, Cameron Mitchell, Thomas Reiner, Lea Krüger, Arianna Gorini, Dante di Paolo, Claude Dantes, Mary Arden, Franco Rousell, Heidi Stroh, Massimo Righi, Francesca Ungaro, Giuliano Raffaelli, Hariette White-Medin | Idee und Drehbuch: Marcello Fondato, Giuseppe Barilla und Mario Bava | Regie: Mario Bava

Das Modeatelier Christian Couture vor den Toren Roms wird von der Witwe Cristina geleitet. Eines Abends wartet sie vergeblich auf Isabella, eines ihrer Modelle. Die junge Frau wird auf dem Weg zum Atelier ermordet. Der Zustand der Leiche lässt auf einen geistig abnormen Täter schließen. Als das Tagebuch der Toten gefunden wird, schweben auch Isabellas Kolleginnen in Lebensgefahr, denn der Inhalt scheint sehr brisant zu sein....



Eva Bartok führt die Riege der schönen Frauen an, die nach und nach in die Arme des brutalen Mörders laufen, dessen Intentionen zunächst im Dunkeln liegen, sich aber in plakativer Grausamkeit äußern, die einer akkuraten Zerstörungswut Ausdruck verleiht. Seine Taten folgen einem bestimmten Muster, während der Gewaltpegel und die Intensität, mit der er seine Opfer quält, kontinuierlich erhöht werden. Dem Schrecken spielen dabei die pompösen, fast überladenen Interieurs in die Hände, deren Opulenz die Frauen gefangen hält. Herrscht zu Beginn noch reges Leben in den farbenfrohen Räumen des Modeateliers, so leert sich das Haus nach und nach und hinterlässt statische Vorführpuppen, deren Form Assoziationen mit Skeletten wachruft. Die Farbe Rot ist sehr präsent und wird verschwenderisch eingesetzt, um auf Gefahr und Leidenschaft hinzuweisen. Gleichzeitig sorgen Gewitter für eine aufgeladene, bedrohliche Stimmung, die nach der Schwüle der im Verborgenen schwelenden Verbindungen nicht reinigend, sondern vertiefend wirken. Thomas Reiner fungiert als Inspektor, wobei er von seiner ruhigen, besonnenen Art profitiert. Er bildet das angenehm unaufgeregte Gegengewicht zu den hektischen Protagonisten der Modefraktion.



Das Motiv des maskierten, unheimlichen Serienmörders ist im Giallo-Bereich sehr beliebt, wobei immer Frauen die Opfer sind. Die Handlung hangelt sich förmlich von einem Mord zum nächsten, wobei die Logik oft auf der Strecke bleibt. Auch hier wundert man sich nach der frühzeitigen Entlarvung des Haupttäters über Sinn und Zweck seiner Taten. Die korrelative Beziehung zwischen den beiden Schuldigen erhält groteske Züge und ebnet den Weg in die eigene Vernichtung. Wie in einem Opernfinale gehen die negativen Helden aneinander zugrunde und der schnöde Mammon verglüht unbedeutend geworden.

Eva Bartoks gefasste Selbstsicherheit wird von ihren schlichten, aber hocheleganten Kleidern unterstrichen. Innerlich unbeteiligt, scheint sie den Morden wenig Bedeutung beizumessen, obwohl alle Opfer aus ihrem Umfeld stammen. Als sie ihre Zurückhaltung ablegt, treten hässliche Züge in ihr Gesicht und lassen sie gewöhnlich und hysterisch erscheinen. Ungeschminkt ist auch die Wahrheit, derer sie sich erst besinnt, wenn es zu spät ist. Eine herausfordernde Rolle für die attraktive Darstellerin, deren sinnliche Ausstrahlung die Kamera gern in Großaufnahmen einfängt.

Kraftvoller Giallo mit klassischen Elementen des Gruselkrimis in moderner Verpackung. Trotz nicht immer sauberer Logik vergebe ich gute 4 von 5 Punkten.

Prisma Offline




Beiträge: 7.549

08.03.2015 15:00
#5 RE: Eva Bartok - Filme & Karriere Zitat · Antworten


Eva Bartok   Cameron Mitchell   in
BLUTIGE SEIDE

● SEI DONNE PER L'ASSASSINO / 6 FEMMES POUR L'ASSASSIN / BLUTIGE SEIDE (I|F|D|MCO|1964)
mit Thomas Reiner, Lea Krüger, Claude Dantes, Arianna Gorini, Dante Di Paolo, Heidi Stroh, Giuliano Raffaelli, Franco Ressel, Mary Arden, u. a.
eine Produktion der Emmepi Cinematografica | Les Productions Georges de Beauregard | Top Film | Monachia Film | im Verleih der Gloria
ein Film von Mario Bava





»Bitte fang nicht an zu weinen, du verdirbst dir dein Make-Up!«


Cristiana (Eva Bartok) führt zusammen mit ihrem Partner Max (Cameron Mitchell) eine feudale Model-Agentur. Doch die oberflächliche Haute Couture wird durch einen Zwischenfall erschüttert. Das Mannequin Isabella (Francesca Ungaro) wurde brutal ermordet. Doch wo ist das Motiv zu suchen? Der ermittelnde Inspektor Silvestri (Thomas Reiner) tappt im Dunkeln. Nicole (Ariana Gorini), eine Kollegin des Mordopfers scheint allerdings mehr zu wissen, da sie das Tagebuch von Isabella gefunden hat. Darin stehen kompromittierende Informationen über Drogen und Erpressung, außerdem scheinen die Aufzeichnungen ein dunkles Geheimnis zu enthalten, für das jemand zum Mörder wurde. Nicole beschließt, die Aufzeichnungen der Polizei zu übergeben, doch sie ereilt das gleiche Schicksal. So einfach kommt der Killer allerdings nicht an sein Ziel, denn die Aufzeichnungen wurden von einem anderen Mannequin an sich genommen, die ab sofort ebenfalls in Lebensgefahr schwebt...

Mario Bavas "Blutige Seide" zählt zu den Prototypen des Giallo-Genre und es ist auch nach über fünfzig Jahren noch überaus erstaunlich, wie sehr sich der wegweisende Charakter herausfiltern lässt, beziehungsweise sich richtiggehend in Reinkultur präsentiert. Im stilistischen Sinne ist somit durchaus ein Meisterwerk entstanden, das quasi gleichermaßen beispiellos war, und bis heute auch beispielhaft geblieben ist. Die Wendung style over substance wurde für Mario Bavas Beitrag vielleicht nicht direkt erfunden, aber "Blutige Seide" ist in diesem Zusammenhang als Musterbeispiel und auch als ganz offenkundige Expertise zu sehen. Die Verpackung lockt den Zuschauer mit beinahe allen Farben dieser Welt an, startet grelle Ablenkungsmanöver und übertüncht die eigentlich eher durchschnittliche Geschichte sehr bestimmend. Der Verlauf kann vielleicht als eine eher visuelle Attacke angesehen werden, was mehr darstellt, als unter normalen Umständen zu erwarten wäre, aber das wichtige ist, dass dieser Film auch nach so vielen Jahren immer noch phantasievoll, erfrischend, agil und einfach neuartig wirkt, wie eigentlich kaum ein anderer aus dieser Dekade. Der Plot hätte sich als hinkender Vergleich vielleicht in der seinerzeit entstandenen Edgar-Wallace-Reihe bei den Durchschnittsbeiträgen wohlgefühlt, wenngleich die Reihe für derartig stilistische Revolutionen zu keinem Zeitpunkt bereit gewesen ist. Wie man sieht, wird man bei "Blutige Seide" manchmal zu Vergleichen verleitet, aber vor allem dazu, nach Seinesgleichen zu suchen. Zur hohen Stil-Dichte der Geschichte tragen die Beteiligten Charaktere bei, die in Form eines spektakulären Besetzungs-Karussells künstlich Gestalt annehmen.







Die aus Ungarn stammende Britin Eva Bartok - eine der telegensten und am besten bezahlten Darstellerinnen auf europäischem Parkett - stand mit "Blutige Seide" bereits vor dem Ende ihrer turbulenten Karriere und es gibt viele Gründe, warum gerade dieser Auftritt einer ihrer einprägsamsten und besten geblieben ist. Bartok, die dem Empfinden nach mit zunehmendem Alter immer geheimnisvoller, aber vor allem auch immer schöner wurde, zeigt hier Beachtliches. Betrachtet man das Set, so könnte man zu dem Schluss kommen, dass die Verpflichtung von Eva Bartok bestimmt kein Zufall gewesen sein kann, da sie sich in das artifiziell wirkende Umfeld nicht nur einfügt, sondern auf eigenartige Art und Weise wie geschaffen dafür wirkt. Haute Couture und Jet Set waren auch privat ihre Domänen, und so scheinen sich Image und die zu interpretierende Person miteinander zu verschmelzen, beziehungsweise die Voraussetzungen werden genau wie das Material Darsteller im Sinne aller Rahmenbedingungen dienstbar gemacht. Das Konzept Eva Bartok geht unter der Leitung von Mario Bava vollkommen auf. Wie bei allen anderen Charakteren auch, sieht man nur Oberflächlichkeit und künstliche Züge, die von Contessa Cristiana nahezu delegiert werden. Es handelt sich um eine recht interessante Variante, dass selbst die Schauspieler der Verpackung, oder der Silhouette des Films komplett untergeordnet erscheinen und lediglich wie hübsche Staffage wirken. Die Mannequins, die in der Agentur herumschleichen, wirken wie sprechende Schaufensterpuppen und die Auswahl der Darstellerinnen ist dabei perfekt, da man hauptsächlich auf Gesichtszüge achtete, die Markantes mit Zerbrechlichem vereinen.

Die Herren bedienen hier ein ähnliches Prinzip, da sie ausschließlich stereotyp gezeichnet werden. Keiner von ihnen sticht besonders hervor, aber es ist ebenso wenig auf sie zu verzichten. Bemerkenswert ist, dass "Blutige Seide" für damalige Verhältnisse in allen Bereichen revolutionär erscheint, und es in vielerlei Hinsicht bis heute so geblieben ist. Der Film der Umkehrreaktionen besticht durch sein grelles Farbenspiel, Licht und Schatten symbolisieren Gefahr und Zerstörung, wirken aber gleichzeitig anziehend, ja nahezu verlockend. Das Artifizielle nimmt in diesem Szenario greifbare Gestalten an und Bava geht einen mutigen Schritt weiter, indem er sich eigentlich der Gesetze des S/W-Films und seinerzeit gängigen Formaten bedient, doch das Ganze wurde eben farblich angereichert und unterm Strich sogar optimiert. Die Bildgestaltung ist und bleibt in jeder Szene einfach umwerfend, denn es werden ungeahnte Konturen offen gelegt, und man könnte sagen, beinahe Reliefs erschaffen, die vielleicht heute noch nach Ihresgleichen suchen dürfen. Die flexible Kamera-Arbeit nutzt die Tiefe des Raumes optimal aus und das Detail-Bewusstsein ist hier schon bemerkenswert. Die eher klassische als ausgefallene Musik rundet das Geschehen sehr gut ab und das Ziel, Spannung zu erzeugen, wird definitiv erreicht. Man vergibt diesem Feuerwerk der bis dahin beispiellosen Neuerungen seine offensichtlichen Schwächen, die beispielsweise bei konventionellen Krimis wie ein langsam schleichendes Gift gewirkt hätten. Die Auflösung kommt dem Empfinden nach zu früh, und das Finale ist nicht stark genug, um diesen Eindruck zu überlagern. Isoliert man das Gerüst sowie die Geschichte an sich, bleibt eigentlich ein durchschnittlicher, wenn auch angenehmer Charakter zurück, stilistisch und inszenatorisch gesehen thront jedoch ein Meilenstein innerhalb eines Genres, dessen Farben niemals verblassen werden. Unterm Strich will auch die angemerkte Kritik hier nicht so recht greifen, wenn man bedenkt, dass das Konzept des Films eindeutig in eine andere Richtung geht. "Blutige Seide" sollte man als vornehmlich eleganten und zeitlosen Beitrag unbedingt gesehen haben.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

15.03.2015 13:24
#6 RE: Eva Bartok - Filme & Karriere Zitat · Antworten

BEWERTET: "Orientexpress" (D/F/I 1954)
mit: Eva Bartok, Curd Jürgens, Silvana Pampanini, Michael Lenz, Henri Vidal, Folco Lulli, Robert Arnoux, Olga Solbelli, Liliane Bert u.a. |nach einer Idee von Jacques Companeez |Drehbuch: Paul Andreota, Kurt Heuser, Aldo de Benedetti | Regie: Carlo L. Bragaglia

Beatrice und Giovanni leben in einem kleinen Dorf in der italienischen Schweiz. Die beiden jungen Leute wünschen sich, den Ort eines Tages verlassen zu können und blicken sehnsüchtig dem Luxuszug "Orientexpress" nach, der von Zeit zu Zeit an dem Dorf vorbeifährt. Am Heiligabend des Jahres 1903 kann der Zug wegen einer Schneelawine nicht weiterfahren und die Reisenden müssen im Dorfgasthaus übernachten. Unter den Passagieren befinden sich die Sängerin Roxane und ihr Manager Baté, sowie der Journalist Jacques. Noch ahnen sie nicht, wie der unerwartete Zwischenstopp ihr Leben und das von Beatrice und Giovanni verändern wird....



Die deutsch-französisch-italienische Gemeinschaftsproduktion fand unter der künstlerischen Oberleitung von Roberto Rossellini statt. Die große weite Welt, die sich dem Mensch durch Reisen erschließt, war schon immer ein beliebtes Sujet für einen romantischen Film, der Sehnsüchte und Hoffnungen anspricht, die in vielen schlummern. Silvana Pampanini steht als Beatrice im Mittelpunkt der Handlung. Sie verkörpert eine junge Lehrerin, die von einem besseren Leben träumt, das sich ihr jedoch unweigerlich anderswo erschließen muss, nachdem sie in dem Dorf sehr beschränkte Möglichkeiten hat. In dem vom deutschen Schauspieler Michael Lenz gespielten Giovanni findet sie einen Verbündeten. Beide haben ihre Eltern früh verloren und deshalb keine Wurzeln in dem Alpenort, in dem sie bei Verwandten untergekommen sind.



Eva Bartok bringt exotischen Glanz in den Bergort, für den die Eisenbahngesellschaft eine willkommene Abwechslung bietet. Dabei werden zwischen ihrer Rolle Roxane und der Darstellerin Parallelen aufgezeigt, die tief blicken lassen. Eine heimatlose Frau ohne Ruhepol, immer auf der Suche nach etwas oder jemanden, an den sie sich halten kann und doch stets im Aufbruch zu neuen Erfahrungen und Bewunderern. Die Handlung ist so choreografiert, dass die beiden weiblichen Hauptfiguren nicht in Konkurrenz zueinander treten, sondern nebeneinander ihre Existenzberechtigung haben. Bartok - feurig und glamourös - sucht nach dem einfachen Leben, während Pampanini tugendhaft und zeitlos elegant erscheint und zweifellos zu schade ist, um ungesehen in einer Dorfschule zu verkümmern. Die Männer bilden den Anstoß und die Verstärkung der weiblichen Wünsche. Sie fungieren als Wegbereiter zur Selbstbefreiung der Damen, was im Falle Pampaninis gelingt, bei Bartok jedoch halbherzig wieder verworfen wird. Ihre Figur bliebt zwiespältig in ihrer Selbstbehauptung. Die Abhängigkeit von ihrem Mentor Jürgens hält sie im goldenen Käfig gefangen; einen Käfig, in den sie selbst vor Jahren geflüchtet ist. Dabei zeichnet sie Roxane als liebenswürdig und freundlich, so, wie es Friederike Mat zur Entstehungszeit des Films zu berichten wusste:

Zitat von Unsere Filmlieblinge - Ein Bilderbuch, Verlag Bernhard Reiff
"Sie ist eine bezaubernde Frau, charmant, offen, fröhlich. Man kann mit ihr über alles reden. Sie gibt sich natürlich und herzlich, versteht es ausgezeichnet zuzuhören. Kurz gesagt: Sie ist ein netter Kerl."


Das Melodrama rückt die menschlichen Beziehungen in den Fokus, die sich en passant bilden und informiert das Publikum in klaren, das Kommende andeutenden Kameraeinstellungen von den zu erwartenden Ereignissen. Großaufnahmen, die die Gefühle der Figuren herausarbeiten, dienen als Stilmittel, um den Zuschauer emotional an die Personen auf der Leinwand zu binden. Die Christmette und der Weihnachtsball unterstreichen die Sehnsucht nach Harmonie und Zugehörigkeit. Das Tempo nimmt im Finale mit der bevorstehenden Abfahrt des Zuges wieder zu und steigert sich zu einem spannenden und nicht für alle Beteiligten zufriedenstellenden Abschluss.

Klassisch schönes Winterdrama vor einer idyllischen Schnee-und Bergkulisse mit einem überzeugenden Ensemble, aus dem vor allem die romantische Heldin Silvana Pampanini und eine charmante Eva Bartok hervorstechen. 4 von 5 Punkten

Prisma Offline




Beiträge: 7.549

15.03.2015 13:58
#7 RE: Eva Bartok - Filme & Karriere Zitat · Antworten



ORIENTEXPRESS

● ORIENT-EXPRESS / ORIENTEXPRESS (I|F|D|1954)
mit Eva Bartok, Curd Jürgens, Silvana Pampanini, Folco Lulli, Michael Lenz, Robert Arnoux, Olga Solbelli, Liliane Bert und Henri Vidal
eine Produktion der Fono Roma | La Société des Films Sirius | Meteor-Film | im Schorchtfilm-Verleih
ein Film von Carlo Ludovico Bragaglia





»So ist niemand mit seinem Schicksal zufrieden!«


Vor Heiligabend muss der Orientexpress einen unplanmäßigen Stopp einlegen, da eine schwere Schneelawine die Gleise blockiert hat. Die Reisenden kommen in einem nahe gelegenen, kleinen Dorf unter. Mit den mondänen Fahrgästen und den provinziellen Dorfbewohnern treffen eigentlich Welten aufeinander, doch man hat schließlich mehr Gemeinsamkeiten, als gedacht. Auch Beatrice (Silvana Pampanini), die stets davon träumte, dass der Zug eines Tages anhalten, der Mann ihrer Träume aussteigen und sie mitnehmen werde, steht plötzlich vor der Erfüllung dieses Gedankens, da der Journalist Jacques (Henri Vidal) ihr den Hof macht, so dass sie die plumpen Annäherungsversuche des Bürgermeisters Dal Pozzo (Polco Lulli) für kurze Zeit vergessen kann. Unter den Gästen befinden sich außerdem die berühmte Sängerin Roxane (Eva Bartok), die sich nach der Ruhe und Idylle eben eines solchen Dorfes sehnt, doch ihr Begleiter Baté (Curd Jürgens) übt auch in dieser Ausnahmesituation Druck auf sie aus. Alle Beteiligten können die Realität für kurze Zeit vergessen, doch was geschieht, wenn der Zug wieder seinen Kurs aufnimmt..?

Der italienische Regisseur Carlo Ludovico Bragaglia inszenierte mit "Orientexpress" einen für damalige Verhältnisse europäisch, wenn nicht sogar international zugeschnittenen Ausstattungsfilm mit großer Starbesetzung, der auch nach über 60 Jahren einen gewissen Charme zu vermitteln weiß. Natürlich wird in diesem Film über Traum und verkappte Realität ordentlich mit Klischees jongliert, so dass die mühsam konstruierten Reibungsflächen in eine empfundene Bedeutungslosigkeit abdriften, aber dennoch wird der geneigte Zuschauer viele Elemente finden, die unmissverständlich ansprechen werden. Die Regie setzt auf Sentimentalitäten und Tragik vom Serviertablett, die spürbare Melancholie und die damit verbundenen sehnsüchtigen Tendenzen wirken einfach, wenn auch überaus wirksam, denn man hatte die richtigen Akteure zur Verfügung. Außerdem wirkt die Inszenierung sehr aufwendig, die Schauplätze erscheinen auch heute noch wie geschaffen für einen derartigen Stoff der die Träume beflügelt, und trotz des Würgegriffes einer waschechten Schmonzette, bleiben sehr gute Momente in nachhaltiger Erinnerung. Was dem Spielfilm wirklich zu Gute kommt, ist dass er sich deutlich von damals angesagten Heimat- oder Liebesfilmen abheben kann und in zahlreichen Belangen tatsächlich ein wenig offener wirkt. Der Vorspann verteilt die Hauptrollen originellerweise nach den Produktionsländern, so dass jedes von ihnen prominente Vertreter zu bieten hat. Die nominellen Hauptrollen wurden von Eva Bartok und Curd Jürgens übernommen, die ein Jahr später unter großem Medienrummel heirateten. In der tatsächlichen Hauptrolle sieht man allerdings die Italienerin Silvana Pampanini, die den Film mit ihrer aparten Erscheinung und ihrer durchdringenden Präsenz richtiggehend dominieren wird. Mit Henri Vidal oder Folco Lulli waren weitere namhafte Stars mit von der Partie, die den Eindruck mit verstärken, dass es sich um einen klassischen Schauspielerfilm handelt, der zumindest in diesem Bereich spektakulär, und anziehend auf die Zuschauer wirkt.



Insbesondere Silvana Pampanini wird mithilfe einer Aneinanderreihung von Großaufnahmen, melancholischen Dialogen und ihrer eindeutigen Körpersprache zur Projektionsfläche für geheime Sehnsüchte und dem Traum von den großen Momenten des Lebens. Konträr dazu sieht man eine feuerrote Eva Bartok, die erneut eine Dame von Welt zum Besten gibt und elegant durch die Kulissen schwebt. Diese beiden unterschiedlichen Frauen treffen sich allerdings am gleichen Punkt, da der Wunsch, aus ihrem bisherigen Leben auszubrechen, im Vordergrund steht. Überhaupt legte man hier die weiblichen Akteure als unübersehbare Sympathieträger fest, und lediglich Folco Lulli und Curd Jürgens sieht man in zweifelhaften Rollen, die dadurch aber auch für einen Ausgleich sorgen. Beide Darsteller hat man allerdings schon dutzendfach aussagekräftiger gesehen, so dass generell zu sagen bleibt, dass die Charaktere wie Schablonen wirken, die nur ganz bestimmte Eindrücke transportieren sollen. Sehnsucht, Integrität, Charme, aber auch Hinterhältigkeit, Gewissenlosigkeit und Naivität. Als der Zug gezwungenermaßen halten muss, erstrahlt der kleine Alpenort in einem ganz ungeahnten Glanz. Man rückt zusammen und träumt die Realität einfach weg, jeder scheint den anderen um das zu beneiden, was selbst nicht Teil des eigenen Lebens ist. Angesichts der Gewissheit, dass der "Orientexpress" schon bald wieder seinen Kurs aufnehmen wird, entsteht eine subtile Grundspannung. Werden Wünsche in Erfüllung gegen, werden Träume wie Seifenblasen zerplatzen? Das alles klärt selbstverständlich der melodramatisch angehauchte Verlauf. Punkten kann Bragaglias Beitrag schließlich durch die schöne Ausstattung vor beeindruckender Kulisse, wo die Zeit für kurze Momente still zu stehen scheint. Im Endeffekt entfaltet der Film seine gewünschte Wirkung und greift von Anfang bis Ende, allerdings muss man sich auch im Klaren sein, was man sehen, beziehungsweise eher nicht sehen will. Insgesamt gesehen handelt es sich bei "Orientexpress" um einen gelungenen Liebesfilm der edleren Sorte, der einen guten Weg zwischen sentimentalem Tenor, und Unterhaltungsambitionen findet.

Prisma Offline




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24.05.2015 13:29
#8 RE: Eva Bartok - Filme & Karriere Zitat · Antworten





● EVA BARTOK als LAURA BEAUMONT in
UNTER AUSSCHLUSS DER ÖFFENTLICHKEIT (D|1961)




»Eine außerordentlich attraktive Frau! Das prägt sich doch ein, nicht wahr?« Obwohl es keiner weiteren, expliziten Betonung bedarf, nimmt man diesen Satz als Zuschauer mit breiter Zustimmung wahr und es ist einem so, als habe man es gerade selbst über die schöne Ungarin gedacht. Eva Bartok sieht man in "Unter Ausschluss der Öffentlichkeit" bereits im letzten Drittel ihrer bemerkenswerten Karriere, aber gleichzeitig auch auf dem Höhepunkt ihrer Schönheit. Als Laura Beaumont bringt die Schauspielerin erneut internationales Flair in eine Produktion, die sich noch beinahe vollkommen im Zeitgeist und den Sehgewohnheiten der frühen 60er-Jahre präsentiert. In diesem Zusammenhang wurden allerdings bereits einige Frauenrollen modifiziert, und das von vielen Kolleginnen, aber vor allem von ihr. Die Frau mit eigenem Lebensplan, mit eigenen Spielregeln und mit eigenen Vorstellungen übt fernab ihrer schönen Hülle eine Faszination aus, da charakterliche Finessen mittlerweile nicht nur gefordert, sondern quasi genau so en vogue waren. Eva Bartok wird dem Empfinden nach eins mit Laura Beaumont, bereits eine ihrer ersten Szenen sorgt für einen großen Paukenschlag, als sie als geheimnisvolle Kronzeugin für Aufsehen bei dem fast schon abgeschlossenen Indizienprozess sorgt. Der Verlauf wird klären, was man ohnehin vermutet hat. Es ist eine Frau mit Vergangenheit, mit glasklarem Verstand und mit Kalkül, die sich in große Gefahren begibt, da sie stets ihren eigenen Vorteil im Visier hat.

Ihre Sicherheit bezieht sie aus der Gewissheit, dass sie ein unabdingbares Zahnrad in einer Maschinerie darstellt, und so lange sie nach Befehl funktioniert, oder sich nicht allzu selbstständig macht, wird ihr nichts geschehen. Zusätzliche Kontraste werden innerhalb einer Doppelspitze der weiblichen Hauptrollen über Marianne Koch gesetzt, die Integrität und Tugenden verkörpert. Dadurch wirkt die ohnehin interessanter inszenierte Eva Bartok noch anziehender und verführerischer, ihr gefährliches, doppeltes Spiel noch glaubwürdiger. Einerseits steht man natürlich nicht auf Lauras Seite, da sie die Gerechtigkeit behindert, und die Existenz der Protagonisten gefährdet, man fiebert andererseits aber auch mit ihr mit, da die Situation immer gefährlicher für sie zu werden scheint, und sie außerdem immer mehr menschliche Züge preisgibt, die der Zuschauer wohlwollend annimmt. Insgesamt kann betont werden, dass man Eva Bartok selten so schön, anziehend und ausgelassen wie hier gesehen hat, ja, man hat es mit einer weiteren ihrer Rollen zu tun, die ihr auf den Leib geschneidert wurden. Die damals bereits dreiunddreißigjährige Schauspielerin wertet diesen Film mit einem nicht alltäglichen Verve auf und man kann ohne jeden Zweifel von einer Idealbesetzung sprechen. Eva Bartok schafft es, Laura Beaumont Leben einzuhauchen und mit Ausstrahlung auszustatten, ihre Szenen in Harald Philipps Kriminal-Drama sind mit die erinnerungswürdigsten Momente, die dieser Film zu bieten hat. Im Karriere-Kontext von Eva Bartok handelt es sich um eine nicht unbekannte Interpretation, die erneut Stärke, Selbstbewusstsein und sogar halbseidene Charakterzüge offeriert.

Percy Lister Offline



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26.07.2015 14:16
#9 RE: Eva Bartok - Filme & Karriere Zitat · Antworten

BEWERTET: "Ohne dich wird es Nacht" (Deutschland 1956)
mit: Eva Bartok, Curd Jürgens, René Deltgen, Leonhard Steckel, Carl Wery, Ernst Schröder, Wolfgang Neuss, Ursula Grabley, Hedwig Wangel, Karin Evans u.a. | Drehbuch: Walter Forster nach einem Originalstoff von Georg Hurdalek und Walter Forster | Regie: Curd Jürgens

Der Rechtsanwalt Robert Kessler wahrt ein Geheimnis: seitdem er nach einer Operation das schmerzlindernde Morphium verabreicht bekam, ist er süchtig. Es hilft ihm, seine Sprechblockade zu lösen und sorgt dafür, dass er durch brillante Plädoyers fast jeden Prozess gewinnt. Eines Abends lernt er Gina, die Freundin seines Klienten Arthur Wehrmann kennen. Sie beeindruckt ihn und er rät ihr, auf sich selbst zu hören, statt sich von dem vermögenden Mann mit Juwelen behängen zu lassen. Gina und Robert verlieben sich ineinander und heiraten. Nach der Trauung begibt sich Robert heimlich in ein Sanatorium, um eine Entziehungskur zu machen. Bald darauf steht er vor einem schwierigen Prozess: sein Freund, der Radrennfahrer Charly Justin, Morphinist wie er, ist angeklagt, einen Apotheker beraubt und niedergeschlagen zu haben. Robert spürt, dass seine Kräfte ohne Morphium nicht ausreichen, um vor Gericht zu bestehen. Verzweifelt kämpft er gegen den Rückfall in die Sucht an....


Zitat von Unsere Filmlieblinge - Ein Bilderbuch", Hrsg. Friederike Mat, Verlag B. Reiff 1956
"Curd Jürgens ärgerte sich gründlich, wenn ein anderer Regisseur daranging, seine Drehbücher zu realisieren und zu 'bagatellisieren' (wie er es bei sich nannte). Wie wäre es, einmal selbst Regie zu führen?"


"Ohne dich wird es Nacht" wurde im April/Mai 1956 in den Filmstudios Göttingen, in Kassel und in Hamburg gedreht und zeigt die realen Eheleute Bartok/Jürgens als schwer geprüftes Paar in einem Drama, das den Drogenmissbrauch des Mannes ins Zentrum stellt. Beide Personen sind bei ihrer ersten Begegnung primär mit sich selbst beschäftigt und durchlaufen eine Wandlung, als sie sich aufeinander einlassen. Während Gina, die ehemalige Modezeichnerin, mit ihren Schmuckstücken auch ihre Unentschlossenheit und ihren Hang zum Laisser-faire ablegt, ist Robert zwischen dem Wunsch, sich zu ändern und der Unsicherheit, die aus dem Verzicht resultiert, hin-und hergerissen. Der Morphinist braucht das Gift, um sein Stottern zu bekämpfen, das aus dem Erwartungsdruck des Vaters resultiert. Die Ursachen und Folgen des Griffs zur Droge werden verständlich erläutert, wobei eine zeitgenössische Kritik des Nachrichtenmagazins "DER SPIEGEL" von "gefühlsarmen Bildern" spricht, obwohl die Kamera von Friedel Behn-Grund immer wieder Szenen innerer Kämpfe einfängt.



Das soziale Netz als Sicherheit gegen Totalabstürze zeigt sich an der Herkunft und dem Milieu, in dem Dr. jur. Robert Kessler und der ehemalige Sechstagefahrer Charly Justin verkehren. Der einzige Schnittpunkt ist eine Kneipe, in der abends aufgespielt wird und wo sowohl musikalische Unterhaltung, als auch Nachschub in Sachen Suchtmittel geboten wird. Hier berlinert der gedrungene René Deltgen mit dem hanseatischen Hünen Curd Jürgens und zeigt gleichzeitig, wie schmal der Pfad vom scheinbar kontrollierten Umgang mit Stimulanzien zur völligen Abhängigkeit ist. Justin in der Zwangsjacke nach seiner Verhaftung deutet auf das ruhmlose Ende, das auch Kessler erwarten würde, wenn er nicht rechtzeitig die Reißleine zieht. Leonhard Steckel als freundlicher, aber schonungslos ehrlicher Arzt erweist sich als ebenso sinngebend wie Carl Wery als ahnungsloser, aber besorgter Vater. Den wichtigsten Part als Einflussgeberin hat jedoch die weibliche Hauptdarstellerin inne.

Eva Bartok erhält erneut Gelegenheit, zu zeigen, dass sie nicht das ist, was ihr der rasche Blick auf die glamouröse Fassade bescheinigt: unreflektiert und angepasst. Sie besitzt im Gegenteil den starken Willen, Gegebenheiten nicht einfach hinzunehmen. Sie wirkt zwar oft passiv, aber ihre Augen verraten, dass sie genau beobachtet und alles registriert und speichert. Sie ist leidenschaftlich, handelt jedoch überlegt und aus Überzeugung. Einige Bilder bleiben besonders im Gedächtnis, weil sie den Kontrast zwischen der schönen Oberfläche und dem pragmatischen Charakter veranschaulichen: die Bartok im Tüllkleid mit der alten Kaffeemühle im Schoß oder später im Flur, als Jürgens sie anfleht, ihm mit einer Ampulle zu helfen und er dabei ihre Hüften umklammert. Das Zusammenspiel der beiden ist von gegenseitiger Bewunderung und Respekt geprägt, was man den Szenen ansieht, in denen man sich annähert, abstößt und wieder um einander bemüht. Dabei werden Stunden des Glücks diskret ausgeblendet und nur am Rande gestreift, um den Fokus auf die Schwierigkeiten zu legen, die von Anfang an die Beziehung belasten.

Eindrucksvolles Porträt einer verhängnisvollen Abhängigkeit, die sich von einer körperlichen zu einer mentalen fortsetzt, wobei die kriminalistischen Elemente und die Gerichtsszenen neue Blickwinkel aufzeigen. Eva Bartok und Curd Jürgens kämpfen miteinander um ihre Gegenwart, wohlwissend, dass nichts selbstverständlich und für immer ist, wenn man sich nicht laufend darum bemüht. 4 von 5 Punkten.

Prisma Offline




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11.10.2015 13:23
#10 RE: Eva Bartok - Filme & Karriere Zitat · Antworten





● MADELEINE TEL. 13 62 11 (D|1958)
mit Eva Bartok, Sabina Sesselmann, Alexander Kerst, Heinz Drache, Kai Fischer, Alfred Balthoff, Shari Kahn,
Tilly Lauenstein, Edith Hancke, Stanislav Ledinek, Werner Stock, Cora Roberts, Rolf Weih und Ilse Steppat
ein Arca Film | im Verleih der NF
ein Film von Kurt Meisel




»Wer kennt die Tote?«


Ein junges Mädchen kommt bei einem Autounfall ums Leben, doch es stellt sich heraus, dass ihr Tod durch Gift herbeigeführt wurde. Die Recherchen ergeben, dass es sich bei der jungen Dame um ein einschlägig bekanntes Callgirl der besseren Gesellschaft handelt. Auch die attraktive Madeleine (Eva Bartok) ist gegen Bezahlung zu haben, die für eine skrupellose Kupplerin namens Clavius (Ilse Steppat) arbeitet, der die Polizei bereits auf den Fersen ist. Unterdessen trifft Madeleine ihre alte Freundin Karin (Sabina Sesselmann) wieder, die ihre Doktorarbeit zum Thema Prostitution schreiben möchte. Bewegt von Madeleines Geschichte, trifft sie die Entscheidung, diesen Fall weiterhin aufzurollen und bringt sich in unberechenbare Situationen...

Nachdem der rätselhafte Mordfall Rosemarie Nitribitt die Bundesrepublik im Jahr 1957 erschüttert hatte, nutzten zahlreiche Filmschaffende die Gunst der Stunde und griffen den Stoff Mord und Prostitution in irgend einer Form auf, so auch die mit Skandalfilmen erprobte Arca Film. Zwar wird es in "Madeleine Tel. 13 62 11" zu keiner namentlichen Erwähnung, und nur vagen Zusammenhängen kommen, aber einige Inhalte der Produktion schlagen doch sehr deutliche gedankliche Brücken. Für die Kino-Auswertung bekam die Produktion eine Altersfreigabe ab 18 Jahren und man darf schon sagen, dass hier mit ein paar ungewöhnlich expliziten Bildern jongliert wird, die für die damalige Zeit nicht gerade alltäglich waren, woraus gleichzeitig ein genauso schneller, als auch eigenartiger Eindruck entsteht, dass die Geschichte sich lediglich durch reißerische Inhalte interessant zu machen versucht, möglicherweise um das schwache Drehbuch nicht ganz so einfältig erscheinen zu lassen. Gleich zu Beginn wird man mit einem Unfall und dem damit verbundenen Todesfall eines Callgirls konfrontiert, was den weiteren Weg in die halbseidene Welt des Lasters ebnen wird. Schnell werden alle wichtigen Charaktere und die Titelfigur vorgestellt, die Auswahl der Darsteller wirkt dabei recht beeindruckend, was man allerdings von der eingeschlagenen Marschrichtung nicht gerade behaupten kann, denn Meisel gelingt es über weite Strecken leider nicht, Innovation und Provokation günstig miteinander zu verbinden. So wirkt die scheinbar brandaktuelle Geschichte nach wenigen Etappen bereits ungelenk, da sich aufreizende Inhalte und Bilder mit der im Grunde genommen biederen Seele des Films nicht so richtig vertragen möchten. Wie dem auch sei, zur damaligen Zeit dürfte der Film noch als willkommenes Spektakel angenommen worden sein.







Eva Bartok sieht man in der Titelrolle und sie wurde ganz offensichtlich als Star der Produktion gebucht. Vergleicht man ihren Auftritt mit dem von Kollegin Sabina Sesselmann, bleibt einem beinahe nichts anderes übrig, nur noch von der nominellen Hauptrolle zu sprechen und überhaupt erscheint die gebürtige Ungarin hier nur mäßig gefordert gewesen zu sein. 1958. »Sie erhielt ein Filmangebot nach dem andern, sie, die sich noch vor einem Monat mit dem wahrscheinlichen Ende ihrer Karriere abgefunden hatte«, überzeugt zumindest mit einer eleganten und beherrschten Darbietung, wobei man dem Sinne des Films entsprechend schon wieder sagen muss, dass sie eigentlich zu kultiviert wirkt, und man ihr die Rolle letztlich eher nur verhalten abnimmt. Vielleicht liegt es auch am vereinnahmenden Spiel von Sabina Sesselmann, die einen durch und durch überzeugenden Eindruck hinterlässt, weil sie selbstbewusst und bodenständig agiert. So sieht man trotz ausbaufähiger, beziehungsweise unzureichender Charakterstudien eine willkommene Win-win-Situation. Bei den absolut überzeugenden Leistungen muss unbedingt Ilse Steppat als abgebrühte Kupplerin erwähnt werden, deren Anpassungsfähigkeit bei negativ gefärbten Charakteren immer wieder überraschend wirkt. Im Sinne der Freizügigkeit und der Geschichte des Films, leistet eine unbändig und buchstäblich entfesselt agierende Kai Fischer persönliche Karriere-Pionierarbeit, ihre Strategie geht im Rahmen von Provokation und Konfrontation vollkommen auf. Was man bei den Damen oftmals als zu viel des Guten interpretieren könnte, zeigt sich bei den männlichen Darstellern in vielerlei Hinsicht als deutlich zu wenig und man bekommt durchschnittliche Leistungen bis nahezu fehlbesetzte Parts vor die Füße geworfen.

Hierbei ist definitiv Alexander Kerst zu erwähnen, der Eva Bartok nicht im Griff hat, obwohl das augenscheinlich der Fall sein muss, außerdem ist es unwahrscheinlich und man nimmt es ihm zu keinem Zeitpunkt ab, dass er für bedeutende gedankliche Kehrtwendungen sorgen könnte, weil er zu unbeholfen und letztlich langweilig wirkt. Hier kann Heinz Drache einen wesentlich besseren Eindruck hinterlassen, erstens weil er wie so häufig von der schwächeren Leistung eines Kollegen profitiert, außerdem sieht man ihn angenehmerweise außerhalb seiner üblichen Schablone, obwohl er im Grunde genommen genau diese bedient. Man darf sich als Zuschauer beispielsweise genau auf eine Stufe mit ihm stellen, als er interessiert und heimlich eine Stripperin beobachtet, die angesichts des Produktionsjahres ungewöhnlicherweise tatsächlich oben ohne tanzt. Nie wieder hat man ihn so aufrichtig grinsen gesehen. Leider trägt er auch hier ein Korsett namens Drehbuch, das es ihm nicht erlaubte, bedeutende Akzente zu setzen. So bietet "Madeleine Tel. 13 62 11" in darstellerischen Belangen Licht- und Schattenseiten, obwohl die meisten Darbietungen als gut einzustufen sind. Schwächere Eindrücke entstehen allerdings durch die löchrigen Vorgaben des Scripts, so dass es kaum zu bemerkenswerten Charakterzeichnungen kommen kann. In diesem Zusammenhang wirkt die aufkommende Vorhersehbarkeit umso ärgerlicher, da insgesamt für wenige Ausgleiche gesorgt wurde. Die Regie lässt somit zahlreiche Fragen ungeklärt, vielleicht hat man sich schlussendlich doch zu sehr auf den potentiell unkonventionellen Charakter des Stoffes verlassen wollen. Unterm Strich bleibt ein Beitrag zurück, bei dem viele günstige Voraussetzungen verschenkt wurden, so dass er insgesamt als eher durchschnittlich zu bezeichnen ist. Dies gilt hier leider auch für den Aufhänger Eva Bartok.

Percy Lister Offline



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11.10.2015 13:59
#11 RE: Eva Bartok - Filme & Karriere Zitat · Antworten

BEWERTET: "Madeleine Tel. 13 62 11" (Deutschland 1958)
mit: Eva Bartok, Sabina Sesselmann, Alexander Kerst, Ilse Steppat, Heinz Drache, Alfred Balthoff, Kai Fischer, Tilly Lauenstein, Edith Hancke, Stanislav Ledinek, Werner Stock, Cora Roberts u.a. | Drehbuch: Will Berthold und Felix Lützkendorf | Regie: Kurt Meisel

Am Kurfürstendamm in West-Berlin findet man eine Tote hinter dem Steuer ihres Wagens. Die junge Frau wurde vergiftet und der Fall erregt in der Presse große Aufmerksamkeit. Die Studentin Karin besucht die Vorlesungen des Kriminalrats Semler zum Thema Prostitution. Er gibt ihr Einsicht in seine Akten, damit sie ihre Doktorarbeit schreiben kann. Dabei stößt sie auf den Namen Madeleine, die der Star des Etablissements der Frau Clavius ist, einer Geschäftsfrau, die mit eiskalter Härte vorgeht. Madeleine ist eine ehemalige Schulfreundin von Karin und plant schon länger, der Branche den Rücken zu kehren. Als sie den Ingenieur Gert kennenlernt, wachsen ihre inneren Konflikte.....



Ein Sportwagen fährt durch die Innenstadt. Der Tunnelblick gibt die Sicht auf die Beleuchtung des Boulevards frei, während Willi Mattes' dynamische Musik auf die Sorglosigkeit des Abends verweist, der links und rechts vom Weg Möglichkeiten für helle Stimmung bietet. Als das Auto hält, öffnet sich die Fahrertür und eine Blondine fällt kopfüber nach vorn, während im Hintergrund die Reklameschriften für Schmuck und Pelze werben. Die Zeitung berichtet "In einem fremden Auto vergiftet! Wer kennt die Tote?" (weiter oben auf der Titelseite gibt es den gutgemeinten Rat "Ziehn wir doch ins Grüne"). In wenigen Bildern verweist die Eingangsszene auf das Umfeld, aus dem der Film seine Geschichte zieht. Unweigerlich denkt man an den Mordfall Nitribitt, der in der Öffentlichkeit eine Mischung aus Neugier, Abscheu und Faszination hervorgerufen hatte.

Eva Bartok ist Madeleine, eine Frau mit Geheimnis, deren Doppelleben sie zunehmend belastet und ihre Freundschaft zu dem von Alexander Kerst gespielten Mann überschattet. Bartok stattet ihre Figur mit Würde aus, einer Würde, die täglich in Frage gestellt wird und einem Stolz, der schon lange verletzt worden ist. Ihre glamouröse Erscheinung steht im Gegensatz zu der Unsicherheit, die sie mehr und mehr erfasst und zu der Resignation, sich aus dem Umfeld der käuflichen Oberflächlichkeit befreien zu können. Im Gegensatz zu ihrer Kollegin Kai Fischer, deren Kraft und Energie sie schallend über die Naivität und Leichtgläubigkeit ihrer Kundschaft lachen lässt und deren Extroversion ihr Kapital ist, verliert die Bartok nach und nach jeden Mut. Alexander Kerst ist als liebender Mann eine unglückliche Wahl, weil er zu nüchtern für derlei Gefühle ist. In den gemeinsamen Szenen spielt Bartok gegen eine Wand der Abwehr an und man merkt, wie unwohl sich Kerst in dieser Situation fühlt.

Die eigentliche Hauptrolle spielt Sabina Sesselmann, die hier wie im ähnlich inspirierten "Liebe kann wie Gift sein" eine überzeugende Leistung abgibt. Diesmal bleibt sie Beobachterin der Szene und kämpft engagiert für ihre Freundin. Mit ihrem Tutor, Kriminalrat Semler - den Alfred Balthoff in gewohnt unaufdringlicher Weise darstellt - sucht sie nach den Hintermännern (in diesem Fall ist es Ilse Steppat als Chefin der Organisation). Sesselmann hat viele gemeinsame Szenen mit Heinz Drache (hier noch mit leichter Schmalztolle statt strammem Bürstenschnitt), den sie gekonnt in seine Schranken weist. Selbst beim (bewegungsarmen) Tanz hält sie ihn auf Distanz. Die Interaktion der beiden späteren Wallace-Mimen verrät in jeder Geste und jedem Blick, was auch in der "Tür mit den 7 Schlössern" ersichtlich ist: die Schauspielerin entzieht sich seiner forschen Anmache und seinen Berührungen. Drache tritt hier flapsig und die Situation permanent aufheiternd in Frage stellend auf; noch merkt man nichts von seinem Sarkasmus und der Verbissenheit, mit der er in den Sechziger Jahren Kriminalfälle lösen wird.

Die Handlung, welche über 87 Minuten läuft, vermag den Zuschauer in der ersten Stunde kaum zu fesseln, da sie zäh und altbacken wirkt, obwohl das Thema für die damalige Zeit durchaus gewagt ist. Den besten Beweis liefern die freizügigen Szenen mit Kai Fischer, die sich mit einem Esprit entblättert, der eine Menge Dampf unter dem Deckel verrät. Leider verharrt die Beziehung zwischen Bartok und Kerst in einem Klischee und wird durch die verzweifelten Versuche, zu retten, was zu retten ist, noch kitschiger es sie ohnehin schon ist. Die Kriminalhandlung wird nicht offen inszeniert, da der Ermittler verdeckt agiert und der Liebesgeschichte mehr Raum gegeben wird. Einerseits sollen die negativen Seiten des Vergnügungsmetiers aufgezeigt werden, andererseits animiert man das (männliche) Publikum durch verführerische Tanz-auf-dem-Tisch-Szenen. Dadurch werden die Faktoren Ausbeutung und Zwang wieder neutralisiert und in der üblichen populistischen Weise inszeniert. Durch eine Fokussierung auf den Kriminalgehalt hätte das Liebesdrama mehr Stringenz erhalten.

Um die Kritikpunkte abzumildern, sei festgestellt, dass mir der Film nur in der amerikanischen Synchronfassung "Naked in the Night" vorliegt und zudem nicht über die beste Bildqualität verfügt. Im deutschen Originalton und bei entsprechender digitaler Restaurierung ließe sich bestimmt ein halber Punkt nach oben schrauben. So bleibt es bei 2,5 von 5 Punkten.

Prisma Offline




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27.12.2015 14:18
#12 RE: Eva Bartok - Filme & Karriere Zitat · Antworten


Eva Bartok   Hannes Messemer   Gert Fröbe   Lino Ventura   in
12 STUNDEN ANGST

DOUZE HEURES D'HORLOGE / IHR VERBRECHEN WAR LIEBE / 12 STUNDEN ANGST / ...AUCH TOTE ZAHLEN DEN VOLLEN PREIS (F|D|1959)
mit Laurent Terzieff, Ginette Pigeon, Guy Tréjean, Gil Vidal, Lucien Raimbourg, Jacques Bézard, Annick Allières und Suzy Prim
eine Produktion der Estela Film | Transocean Film | im Stella Filmverleih
ein Film von Géza von Radványi





»Auch die Toten zahlen den selben Preis!«


Den drei Sträflingen Serge (Hannes Messemer), Fourbieux (Lino Ventura) und Kopetzky (Laurent Terzieff) gelingt es, aus einer Strafanstalt bei Nizza zu fliehen. Ihr Ziel ist ein kleiner, unauffälliger Ort am Meer, von wo aus sie mit einem Schiff verschwinden wollen. Doch für das Vorhaben fehlt das nötige Startkapital, außerdem hat keiner der drei Männer einen Pass. Schließlich liegt die Idee nahe, Kopetzkys ehemalige Freundin Barbara (Eva Bartok) aufzusuchen, die vor der Verhaftung dreihunderttausend Francs von ihm erhalten hatte und Serge soll den Betrag eintreiben. Wie sich allerdings herausstellt, wurde Barbara das Geld von ihrem jähzornigen Mann, dem Fotografen Blanche (Gert Fröbe) abgenommen. Um den Männern dennoch helfen zu können, lässt sich Barbara auf eine Erpressung ein, indem sie einem ihrer Verehrer die Pistole auf die Brust setzt. Dieser Schritt wird fatale Folgen haben...

Der ungarische Regisseur Géza von Radványi war über Jahre hin eine bekannte Größe beim Inszenieren von Filmen, die oftmals einen guten Mittelweg zwischen Unterhaltung und gehobenem Anspruch fanden. Sein Beitrag "12 Stunden Angst" behandelt eine Kriminalgeschichte, die sowohl dramaturgisch als auch stilistisch überdurchschnittlich ausgefallen ist. In diesem Sinne erspart sich der Verlauf so gut wie jedes reißerische Element, vor allem wurde sehr großer Wert auf charakterliche Finessen gelegt, die in Verbindung mit einem hervorragenden Ensemble Gestalt annehmen dürfen. Des Weiteren ist die hochwertige Bildkomposition zu erwähnen, die der Geschichte ein aussagekräftiges Profil verleiht. In diesem Zusammenhang wird das Umfeld von zahlreichen Kontrasten dominiert, die Stimmungen und damit verbundene Schwankungen fabrizieren. Radványis exzellente Schauspieler-Führung bewirkt erneut, dass man als Zuschauer mitfühlen, sich teilweise sogar in die Charaktere hineinversetzen kann, jedoch bekommt man nur wenige Möglichkeiten geboten, Sympathien und Berührungspunkte aufzubauen. Also liegt das Hauptaugenmerk auf inneren Abgründen, Kalkül und massiven Widerständen, was wesentlich reizvoller wirkt als bei vielen der seinerzeit entstandenen Geschichten mit beispielsweise handelsüblichem Happy-End. Die wunderbaren Aufnahmen an Original-Schauplätzen an der französischen Riviera stellen sich gegen den brisanten Tenor der Geschichte. Im Inneren der Häuser spielen sich mitunter Schicksale, Tiraden und Tragödien ab. Die zur Verfügung stehende Starbesetzung prägt diese Voraussetzungen sehr individuell, sodass man von ganz besonderen Leistungen sprechen darf, was vor allem auf die weibliche Hauptrolle zutrifft.

Um die Figur Barbara so überzeugend wie möglich zu präsentieren, legte Eva Bartok ihren bekannten Charme für die Rolle ab und überrascht auf vollkommen anderen, da greifbaren Ebenen, und das im Sinne einer völig desillusionierten Frau. Verheiratet mit einem Choleriker und in einem Vakuum sitzend, schleppt sie sich durch den Alltag, bis sie von der Vergangenheit heimgesucht wird. Dies kommt ihr wie es scheint gar nicht so ungelegen, da sie die Möglichkeit aufspürt, ihrem Gefängnis endgültig entfliehen zu können. Ihren Mann spielt Gert Fröbe in eindeutiger und gleichzeitig unverwechselbarer Manier. Vor allem überzeugt er im Rahmen seiner temperamentvollen Ausbrüche, die zwar hin und wieder etwas unmotiviert wirken, beim Blick auf die Gesamtsituation dennoch verständlich sind. Hannes Messemer, Laurent Terzieff und Lino Ventura stellen das Ausbrecher-Gespann und sie verleihen ihren Rollen unterschiedlich angelegte Profile, aber jeder einzelne beweist die Fähigkeit tiefenbetonter Interpretationen. Überhaupt ist der Film bis in die Nebenrollen aussagekräftig besetzt. Zu erwähnen ist noch die Französin Ginette Pigeon, die den Beobachter mit präziser Überheblichkeit irritiert. "12 Stunden Angst" ist unterm Strich ein guter Film geworden, der vor allem durch seine stille, beziehungsweise fast schon sterile Tragik mitreißen kann. Géza von Radványi spart sich bei der Abhandlung weitgehend laute Aufschreie und schildert die Thematik begreiflich und ohne Windungen. Hin und wieder leidet das Tempo zugunsten breit angelegter Dialoge, die im Allgemeinen aber sehr hochwertig ausgefallen sind. Unterm Strich liefert dieser Beitrag sehr gute, bei aller Konfrontation sogar sensible Momente und kann durchgehend für Aufmerksamkeit sorgen. Weniger Spektakel und ein gesunder Anspruch lassen diesen Film zu den hochwertigeren Kollaborationen der deutsch-französischen Filmkunst werden. Sehenswert!

patrick Offline




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27.12.2015 14:30
#13 RE: Eva Bartok - Filme & Karriere Zitat · Antworten

Zitat von Prisma im Beitrag #1
♦ EVA BARTOK ♦ (* 18. Juni 1935 in Budapest † 01. August 1998 in London)

Das Geburtsdatum laut offizieller Quellen ist der 18.06.1927.

Prisma Offline




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27.12.2015 14:31
#14 RE: Eva Bartok - Filme & Karriere Zitat · Antworten

Ja, ich weiß.

Prisma Offline




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31.01.2016 13:18
#15 RE: Eva Bartok - Filme & Karriere Zitat · Antworten





● EVA BARTOK als BARBARA in
12 STUNDEN ANGST / IHR VERBRECHEN WAR LIEBE (F|D|1959)




Géza von Radványis "12 Stunden Angst" entstand zu einer Zeit, in der es jedem Film gut gestanden hat, mit dem international bekannten Markenzeichen Eva Bartok aufzuwarten. Die Darstellerin spielte dementsprechend auch eine Hauptrolle nach der anderen, fungierte als Publikumsmagnet und nahm die unterschiedlichsten Anforderungen in Angriff. Ihre Rolle in diesem 1959 entstandenen Kriminal-Drama weist jedoch einige Unterschiede in der mittlerweile üblichen Präsentation der gebürtigen Ungarin auf. Um die Figur der Barbara so überzeugend wie möglich zu präsentieren, legte Eva Bartok ihren bekannten Charme für die Rolle ab und überrascht auf vollkommen anderen Ebenen. Barbara ist eine Frau, die sich nichts mehr vormacht, da sie in der kalten Realität angekommen ist. Ihre Erscheinung zeigt nicht die übliche strahlende Aura, dennoch verspürt man eine Anziehungskraft, die in ihrer unbestimmten Art her unberechenbar wirkt. Auffällig ist, dass Eva Bartok sich zu keinem einzigen Lächeln, zu kaum einer Gefühlsregung verleiten lässt, ihre Kommentare sind verletzend direkt und mit bitterem Zynismus durchzogen. Lediglich in Situationen, in denen sie Andere in Bedrängnis bringen kann, rufen eine versteckte Genugtuung und sozusagen ein inneres Lächeln hervor. Bartok legte hier also den Glamour ab, um zumindest äußerlich vollkommen transparent zu erscheinen, doch in ihrem Inneren deuten sich dunkle Abgründe an, die diese unergründliche Frau allerdings nur andeutungsweise aufklärt. Betrachtet man sie sich genau, so liegt es ihr aber auch prinzipiell fern, sich zu rechtfertigen, sich zu erklären und unnötige Energie für Sisyphusarbeiten aufzuwenden, was hauptsächlich auf die Männer ihres Umfeldes bezogen werden kann.

Barbara ist sich ihrer Anziehungskraft und Wirkung auf Männer bewusst, diese Eigenschaften setzt sie mittlerweile allerdings entgegengesetzt komplett ein, um eventuell diejenigen abzuschrecken, die sie zumindest interessant finden könnten. So sieht man eine Art Emotionslosigkeit, die eine positive Komponente erstickt. Ganz offensichtlich ist dies alles das Werk ihres Mannes, der sie in einem Gefängnis der emotionalen Stumpfsinnigkeiten gefangen hält, und obwohl die Tür eigentlich offen steht, gibt es keinen Weg zu entfliehen. In diesem Zusammenhang werden Abhängigkeiten thematisiert, denen Frauen sehr häufig ausgesetzt waren. »Nu spiel bloß nicht die angewiderte Gnädigste, schließlich lebste ja von mir!« Eine bemerkenswerte Szene entsteht kurz danach, als sich Barbara am waschen ist, man bei dieser Gelegenheit verhaltene Einblicke auf ihre versteckte Makellosigkeit werfen darf. Als Gert Fröbe schließlich in diese Szene hinein poltert, bemerkt man als Zuschauer das, worum es in diesem angespannten Verhältnis, das längst gar keines mehr ist, geht. Er wirft ihr vor, dass sie Freude daran habe, ihm mit ihrer Freizügigkeit das vor Augen zu halten, was er eben nicht haben kann. Und es stimmt, denn Eva Bartok unterlegt diese Sequenz mit abschätzigen, beinahe angewiderten Blicken und demütigenden Kommentaren der subtilen, und daher noch verletzenderen Sorte. So stellt man beim Blick auf diese eigentlich zutiefst traurige und bereits abgestumpfte Frau fest, dass das Unvermeidliche und das Schicksal nicht zu ändern sind. Abschließend darf man sagen, dass es Eva Bartok eindrucksvoll gelungen ist, ihre anspruchsvolle Charakterrolle zu meistern, die im Endeffekt ja eine Anforderung darstellt, die der zeitgenössische Film nicht sehr oft von ihr verlangt hat.

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