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Dieses Thema hat 139 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
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patrick Offline




Beiträge: 2.936

28.11.2014 08:11
Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten



Wer kennt sie nicht: Christopher Lee als legendärer Fangzahn-Dracula, Peter Cushing als Dr. Van Helsing und Dr. Frankenstein, diverse Werwölfe, Mumien, Schlangenmenschen etc. – Hammer erweckte sie alle zu (neuem) Leben. Doch produzierte Hammer nicht nur Horrorfilme sondern versuchte erfolgreich, auch in anderen Genres Fuß zu fassen. Piratenfilme, historische Abenteuerfilme, Science Fiction, Film Noir und nicht zuletzt Thriller gehen auf Hammers Konto.

Nachdem einige Hammer-Filme hier im Forum bereits angesprochen wurden, jedoch nur ganz vereinzelt, haben Gubanov und ich uns entschlossen, einen eigenen Thread zu starten, der für Hammers gesamtes Spektrum offen sein sollte. Da Gubanov meine Vorliebe für Werwölfe, Vampire und ähnliche Geschöpfe nicht so sehr teilt, haben wir uns darauf geeinigt, zusammen mit Hammers spannenden Thrillern zu beginnen. Einer der besten hiervon ist wohl „Scream of Fear“ (Ein Toter spielt Klavier). Aber es gibt noch einige andere Filme in ähnlicher Machart. Natürlich werde ich es mir nicht nehmen lassen, im Laufe der Zeit auch die Horrorfilme zu besprechen.

Oft hört oder liest man fälschlicherweise die Bezeichnung Hammer-Studios, was nicht korrekt ist. Hammer ist der Name der Produktionsfirma, die 1934 von William Hinds (1887-1957) gegründet wurde. Der Name Hammer stützt sich auf den District Hammersmith in West London, wo Hinds lebte. Hammers Hauptsitz waren von ca. 1951 bis 1966 die Bray Studios am Themseufer, benannt nach dem nahegelegenen Dorf Bray on Thames, Berkshire. Hammers Glanzzeit dauerte von ca. 1957 bis Mitte der 70er-Jahre (ähnlich wie unsere Wallace-Filme). 1957 bemerkte man, dass seit etwa 15 Jahren kein klassischer Horrorfilm mehr produziert worden war, und begann, sämtliche alten Universal-Klassiker der 30er und frühen 40er-Jahre in Farbe moderner und blutiger zu verfilmen. Die Rechnung ging auf und der Rest ist Filmgeschichte. Natürlich darf der künstlerischen Wert zahlreicher Sequels – wie z.B. „Dracula jagt Minimädchen“ – in Frage gestellt werden. Aber eines verstand das Gros dieser sehr atmosphärischen Filme allemal – nämlich zu unterhalten. Zu den Stammdarstellern zählten neben Peter Cushing und Christopher Lee auch Oliver Reed, Barbara Shelley, Michael Ripper, Ralph Bates und Andre Morell. Die wichtigsten Regisseure waren u.a. Freddy Francis, Terence Fisher und John Gilling. Nachdem die Horrorwelle Mitte der 70er-Jahre verebbte, war Hammer noch bis in die 80er-Jahre in anderen Genres aktiv.

2007 hat Hammer zu meiner großen Freude die Arbeit an Horrorfilmen wieder aufgenommen und daraufhin u.a. das Meisterwerk „The Woman in Black“ produziert, worauf 2015 die Fortsetzung „The Woman in Black: Angel of Death“ folgen soll. Jetzt aber genug der (Vor-)Worte. Die ersten Thriller-Besprechungen werden bald folgen.

Übersicht der besprochenen Filme (Liste wird nachträglich aktualisiert):

  • Abominable Snowman, The (Yeti, der Schneemensch, 1957, Val Guest) [1]
  • Brides of Dracula, The (Dracula und seine Bräute, 1960, Terence Fisher) [1]
  • Captain Clegg (siehe "Night Creatures")
  • Cash on Demand (1961, Quentin Lawrence) [1] [2]
  • Crescendo (Crescendo – Die Handschrift des Satans, 1970, Alan Gibson) [1] [2]
  • Curse of Frankenstein, The (Frankensteins Fluch, 1957, Terence Fisher) [1]
  • Curse of the Werewolf, The (Der Fluch von Siniestro, 1961, Terence Fisher) [1]
  • Damned, The (siehe "These Are the Damned")
  • Devil Rides out, The (Die Braut des Teufels, 1968, Terence Fisher) [1]
  • Die! Die! My Darling! (siehe "Fanatic")
  • Dracula A.D. 1972 (Dracula jagt Minimädchen, 1972, Alan Gibson) [1]
  • Dracula Has Risen from the Grave (Draculas Rückkehr, 1968, Freddie Francis) [1]
  • Dracula, Prince of Darkness (Blut für Dracula, 1965, Terence Fisher) [1]
  • Fanatic (Das düstere Haus, 1965, Silvio Narizzano) [1] [2] [3]
  • Fear in the Night (Nachts kommt die Angst / Furcht in der Nacht, 1972, Jimmy Sangster) [1] [2]
  • Frankenstein Created Woman (Frankenstein schuf ein Weib, 1967, Terence Fisher) [1]
  • Frankenstein Must Be Destroyed (Frankenstein muss sterben, 1969, Terence Fisher) [1]
  • Full Treatment, The (siehe "Stop Me Before I Kill!")
  • Gorgon, The (Die brennenden Augen von Schloss Bartimore, 1964, Terence Fisher) [1] [2]
  • Hands of the Ripper (Hände voller Blut, 1971, Peter Sasdy) [1] [2]
  • Horror of Dracula (Dracula, 1958, Terence Fisher) [1]
  • Hound of the Baskervilles, The (Der Hund von Baskerville, 1959, Terence Fisher) [1] [2]
  • Kiss of the Vampire, The (Der Kuss des Vampirs, 1963, Don Sharp) [1]
  • Lost Continent, The (Bestien lauern vor Caracas, 1968, Michael Carreras) [1]
  • Lust for a Vampire (Nur Vampire küssen blutig, 1970, Jimmy Sangster) [1]
  • Maniac (Die Ausgekochten, 1963, Michael Carreras) [1] [2]
  • Mummy, The (Die Rache der Pharaonen, 1959, Terence Fisher) [1]
  • Mummy's Shroud, The (Der Fluch der Mumie, 1967, John Gilling) [1]
  • Nanny, The (War es wirklich Mord?, 1965, Seth Holt) [1] [2]
  • Never Take Candy from a Stranger (Vertraue keinem Fremden, 1960, Cyril Frankel) [1] [2]
  • Never Take Sweets from a Stranger (siehe "Never Take Candy from a Stranger")
  • Night Creatures (Die Bande des Captain Clegg, 1962, Peter Graham Scott) [1]
  • Nightmare (Der Satan mit den langen Wimpern, 1964, Freddie Francis) [1] [2] [3]
  • Paranoiac! (Haus des Grauens, 1963, Freddie Francis) [1] [2] [3]
  • Phantom of the Opera, The (Das Phantom der Oper / Das Rätsel der unheimlichen Maske, 1962, Terence Fisher) [1] [2]
  • Plague of the Zombies, The (Nächte des Grauens, 1966, John Gilling) [1]
  • Quatermass and the Pit (Das grüne Blut der Dämonen, 1967, Roy Ward Baker) [1]
  • Rasputin, the Mad Monk (Rasputin, der wahnsinnige Mönch, 1966, Don Sharp) [1]
  • Reptile, The (Das schwarze Reptil, 1966, John Gilling) [1]
  • Resident, The (The Resident, 2011, Antti J. Jokinen) [1] [2]
  • Scars of Dracula (Dracula - Nächte des Entsetzens, 1970, Roy Ward Baker) [1]
  • Scream of Fear! (siehe "Taste of Fear")
  • Snorkel, The (Der Schnorchel, 1958, Guy Green) [1] [2] [3]
  • Stop Me Before I Kill! (Der unsichtbare Schatten, 1960, Val Guest) [1] [2]
  • Taste of Fear (Ein Toter spielt Klavier, 1961, Seth Holt) [1] [2] [3]
  • These Are the Damned (Sie sind verdammt, 1963, Joseph Losey) [1] [2]
  • Two Faces of Dr. Jeckyll, The (Schlag 12 in London, 1960, Terence Fisher) [1] [2]
  • Witches, The (Der Teufel tanzt um Mitternacht, 1966, Cyril Frankel) [1]
  • Woman in Black 2: The Angel of Death, The (Die Frau in Schwarz 2: Engel des Todes, 2014, Tom Harper) [1]
Übersicht der Hammer-Star-Berichte (Liste wird nachträglich aktualisiert):
  • Lee, Christopher (* 27.05.1922, † 07.06.2015) [1]

Matze K. Offline



Beiträge: 1.041

28.11.2014 16:38
#2 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten

feiner Thread - nun bin ich auf deine Vorstellungen gespannt.

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Immer wenn du lügst, muss Jesus Blut weinen.
(Todd Flanders)

patrick Offline




Beiträge: 2.936

28.11.2014 17:38
#3 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten

Zitat von Matze K. im Beitrag #2
feiner Thread - nun bin ich auf deine Vorstellungen gespannt.


....auf UNSERE. Habe mich für den Einstieg mit Gubanov auf eine Kollektion von sehr spannenden Thrillern geeinigt, die der breiteren Masse eher weniger bekannt sein werden, da sie im Schatten der dominierenden Horrorfilme standen. Natürlich sollten Letztere im weiteren Verlauf auch nicht zu kurz kommen.
Wir werden die Thriller so besprechen, dass jeder ohne inhaltliche Absprache seinen eigenen Bericht über denselben Film postet. Dadurch vermeiden wir, uns gegenseitig zu beeinflussen und jeder kann seine eigenen Eindrücke vermitteln und die Filme bewerten. Natürlich steht es jedem anderen auch frei, hier Filme aus Hammers breitem Spektrum zu besprechen.

patrick Offline




Beiträge: 2.936

29.11.2014 09:00
#4 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten

Paranoiac (Haus des Grauens)



Filmdaten
Deutscher Titel Haus des Grauens
Originaltitel Paranoiac
Produktionsland Vereinigte Staaten, Vereinigtes Königreich
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1963
Länge 77 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Freddie Francis
Drehbuch Jimmy Sangster
Produktion Anthony Hinds,
Basil Keys
Musik Elisabeth Lutyens
Kamera Arthur Grant
Schnitt James Needs
Besetzung
Janette Scott: Eleanor Ashby, Oliver Reed: Simon Ashby, Sheila Burrell: Tante Harriet, Maurice Denham: John Kossett, Alexander Davion: Tony Ashby, Liliane Brousse: Françoise, Harold Lang: RAF-Mitglied
John Bonney: Keith Kossett, John Stuart: Williams


Bei einer kirchlichen Gedenkfeier glaubt die psychisch labile Eleanore Ashby, ihren vor 8 Jahren durch Selbstmord aus dem Leben geschiedenen Bruder Tony zu erkennen und fällt in Ohnmacht. Kurz darauf begegnet sie ihm erneut, was von ihrem zweiten Bruder Simon (Oliver Reed) auf ihren angeblichen Wahnsinn zurückgeführt wird. Allerdings ist Simon ein unsympathischer Zeitgenosse. Er ist dem Alkohol verfallen, verprasst sein ganzes Geld und neigt zu Tobsuchtsanfällen. Mittlerweile völlig überschuldet, kann er nicht mehr erwarten, endlich über das geerbte Vermögen zu verfügen, was in drei Wochen der Fall sein sollte.

Plötzlich taucht jedoch der totgeglaubte Bruder Tony tasächlich auf, nachdem er Eleanore vor dem Selbstmord bewahrt und aus dem Wasser zieht. Tante Harriet, die sich seit dem Unfalltod der Eltern um die Familie und das Anwesen kümmert, verhält sich Tony gegenüber von Beginn an ablehnend und macht keinen Hehl daraus, ihn für einen Betrüger zu halten. Auch Simon behagt der Gedanke ganz und gar nicht, das Vermögen teilen zu müssen. Davon abgesehen hat er sehr stichhaltige Gründe, den Heimgekehrten für einen ausgemachten Schwindler zu halten. Tatsächlich zeigt dieser auch gewisse Unsicherheiten, nachdem er von Simon aufgefordert wird, auf sein altes Zimmer zu gehen. Er kenne ja den Weg. Schließlich wird er genauer unter die Lupe genommen und beantwortet im Großen und Ganzen die an ihn gestellten Fragen zu seiner Vergangenheit recht simmig, stolpert aber auch immer wieder über auffällige Wissenslücken. Eleanore jedoch ist überglücklich, ihren geliebten Bruder wieder zu haben und verbringt besonders viel Zeit mit ihm. Der skrupellose Simon, das schwarze Schaf der Familie, versucht nun, beide aus dem Weg zu räumen, was ihm jedoch nicht gelingt. Eines Abends folgt Tony den Klängen einer seltsamen Orgelmusik, welche vom Gesang eines Jungen begleitet wird. Es ist die Stimme des jungen Tony. Der erwachsene Tony tritt in die Familienkapelle ein und wird dort von einer maskierten Person mit einem Eisenhaken attackiert und verletzt, als er eine, ebenfalls nicht erkennbare, Person an der Orgel erblickt. Später erfährt er von Eleanore, dass auch sie die seltsame Musik immer wieder hört, dies aber selbst ihrem angeblichen Wahnsinn zuschrieb. Nun gehen beide zusammen der Sache nach und überwältigen die maskierte Person. Danach bleiben noch immer viele Fragen offen. Sie erfahren, dass Simon schwere Schuldgefühle wegen seines Bruders Tod habe und den zurückgekehrten Tony keineswegs für authentisch hält. Auch sei Simon dem Wahnsinn verfallen, was durch den Mord an der, ihn liebenden, Françoise verdeutlicht wird. Tony bewahrt Eleanore vor einem weiteren Selbstmordversuch, nachdem diese erkennt, dass sie sich in ihn verliebt hat. Ihre inzestuösen Gedanken haben sie völlig aus dem Gleichgewicht geworfen. Daraufhin erklärt Ihr Tony, was es mit seinem Erscheinen tatächlich auf sich hat. Kurz darauf wird ein furchtbares Geheimnis gelüftet.

"Paranoiac" ist ein atmosphärisch einwandfreier Mystery-Thriller typisch britischer Machart. Mehrere überraschende Wendungen garantieren dem Zuseher ein kurzweiliges Filmerlebnis. Der damals noch sehr junge Oliver Reed (1938-1999) spielt hier sämtliche Schauspielerkollegen an die Wand, hat er doch die anspruchsvollste Rolle auszufüllen. Sein zerrissener Charakter zeigt neben den Ausschweifungen eines genußsüchtigen Müßiggängers auch jähzornige Anwandlungen, mörderische Skrupellosigkeit und psychopathisch-verzweifelte Züge. Waren seine Rollen in vorangegangenen Hammer-Filmen, wie z.b. "Der Fluch von Siniestro" und "Captain Clegg" eher eindimensional, so zeigt er hier ein sehr breites Spektrum darstellerischer Fähigkeiten. Auch wirkte er in den frühen 60er-Jahren stets älter als er tatsächlich war. Die Schwarzweissatmosphäre ist ungemein gekonnt inszeniert und lässt nichts zu wünschen übrig. Obwohl Hammers Horrorfilme ganz auf Farbe setzten, wurden die Psychothrillern in schwarzweiß gehalten, was ihnen ausgesprochen gut steht. Eine überaus gelungene musikalische Begleitung wertet den Film zusätzlich auf. Der professionell präsentierte Gothic-Stil zeigt, dass hier Meister ihres Fachs am Werk waren. Auch die Spannung hält während des ganzen Films an und mündet in eine hochinteressante Auflösung. Man erkennt auch sehr deutlich den Einfluss von Hitchcocks "Psycho". Jedoch ist "Paranoiac" keine billige Nachahmung davon, sondern nimmt das Thema lediglich als Inspiration und geht dann damit eigene Wege.

Es wird ziemlich schnell klar, dass mit dem heimgekehrten Tony etwas nicht stimmt. Was ist wirklich geschehen und wer ist er wirklich? Doch verbirgt nicht nur dieser ein Geheimnis. Hinter Simons Fassade kommt auch Unerwartetes zum Vorschein. Der Film hatte dazumal Probleme mit der Zensur, wegen der, das übliche Maß übersteigend dargestellten Geschwisterliebe. Janette Scott als Eleanore Ashby hat eine sehr sympathische, geradezu süsse, Ausstrahlung, Alexander Davion als heimgekehrter Tony passt auch gut in seine Rolle und ist an heldenhafter Gelassenheit kaum mehr zu überbieten.

Nach dem beachtlichen Erfolg von "Ein Toter spielt Klavier" hat Hammer sich bemüht, weitere Thriller ähnlicher Machart auf den Markt zu bringen."Paranoiac" ist einer der gelungensten Beispiele dieser Richtung, erreicht aber Ersteren meiner Meinung nach nicht ganz. Trotzdem 5 von 5.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.502

29.11.2014 09:10
#5 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten



Haus des Grauens (Paranoiac!)


Gruselkrimi, GB 1963. Regie: Freddie Francis. Drehbuch: Jimmy Sangster (Buchvorlage „Brat Farrar“: Josephine Tey). Mit: Janette Scott (Eleanor Ashby), Oliver Reed (Simon Ashby), Sheila Burrell (Tante Harriet), Maurice Denham (John Kossett), Alexander Davion (Tony Ashby), Liliane Brousse (Françoise), John Bonney (Keith Kossett), John Stuart (Williams) sowie Harold Long, Sydney Bromley u.a. Uraufführung (USA): 15. Mai 1963. Uraufführung (GB): 26. Januar 1964. Eine Produktion der Hammer Film Productions.

Zitat von Haus des Grauens
Vor acht Jahren brachte sich Tony Ashby aus Trauer um den Tod seiner Eltern um. So jedenfalls die offizielle Geschichte, die Tante Harriet den Dorfbewohnern präsentiert. In Wahrheit hat sie alle Hände voll damit zu tun, die beiden anderen „schwierigen“ Ashby-Nachkommen vor peinlichen Auftritten in der Öffentlichkeit zu bewahren. Deren Verhalten erregt umso mehr Aufsehen, als Tony plötzlich wieder unter den Lebenden auftaucht! Die unerwartete Wendung bringt im Haus der Familie das Fass zum Überlaufen – mit tödlichen Folgen ...


Die Hammer-Filme sind bekannt dafür, in der Wahl ihrer Mittel, den Zuschauer zum Gruseln zu bringen, nicht zimperlich zu sein. Neben allerlei Geschichten von Vampiren und Werwölfen produzierte Hammer aber auch eine ganze Reihe an Thrillern, in denen sich die Spannung eher aus psychologischen Spielchen und menschlichen Bösartigkeiten nährt. Als ein Beitrag dieser Schule spricht „Haus des Grauens“ zwar klassischen Gruselinstrumenten wie Masken und religiösen Symbolen eine bedeutsame Rolle zu, behandelt Verbrechen, Geisteskrankheit und sogar die „Rückkehr von den Toten“ aber als selbstgemachte weltliche Phänomene. Und weil es viele solcher Ereignisse auf dem engen Raum von gerade einmal 77 Minuten zu zelebrieren gilt, steigt der Film rasant in seine Folge von zunächst harmlosen, später weiter eskalierenden Zwischenfällen ein und weist im gesamten Ablauf keine auffälligen Längen auf.



Freddy Francis inszenierte zügig, aber nicht ohne Auge für die Raffinessen und Feinheiten, die auch einem plakativen Stoff wie diesem einen besonderen Reiz verleihen können. Einstellungen wie die beim Absturz des Autos von den Klippen oder von dem über den Teichrand gebeugten Oliver Reed von unterhalb der Wasseroberfläche setzen immer wieder gekonnte Akzente in der schicken, aber durch die Häuslichkeit des Films nicht immer voll ausgenutzten Scope-Fotografie. Set-Ideen wie das kunstvoll vergitterte Fenster in Eleanors Zimmer oder die Bedeutung der Orgel in der alten Kapelle verdeutlichen noch einmal die geschickt vom deutschen Titel aufgegriffene zentrale Bedeutung des Ashby-Hauses, das ähnlich wie das Anwesen in „Ein Toter spielt Klavier“ beinahe selbst eine Hauptrolle zu spielen scheint.

Zitat von Uwe Huber, Guiskard Oberparleiter: Haus des Grauens, Booklet zur DVD, S. 5
Bis heute dürfte „Ein Toter spielt Klavier“ der bekannteste Thriller aus Hammers Produktion sein; „Haus des Grauens“ steht ihm jedoch in kaum etwas nach und kann mit einigen superben Schockmomenten aufwarten. Alle gewohnten Thriller-Ingredienzien sind vorhanden: Charaktere, die nicht sind, was sie zu sein scheinen; Erbschaftsschwindel, Wahnsinn, Mord und – etwas unüblicher – die Anspielung auf inzestuöse Begierden, was Hammer bei Vorlage des Drehbuches bei der BBFC (am 5. Juli 1962) einige Probleme mit dem Zensor einbrachte.


Tatsächlich stehen die sonderbaren familiären Beziehungen und Geheimnisse der Ashbys ganz klar im Mittelpunkt des Films. Zwar spielt „Haus des Grauens“ in vielerlei Hinsicht mit für Thrillerverhältnisse erstaunlich offenen Karten; und trotzdem steht zwischen den Charakteren immer noch das eine oder andere düstere Geheimnis, das erst nach und nach gelüftet wird. Oliver Reed bekommt für seinen Auftritt üblicherweise das meiste Lob zugesprochen, stellt er doch mit überzeugendem Nachdruck das jähzornige, versoffene schwarze Familienschaf dar. Die ständigen Konfrontationen lassen Janette Scott (Helen Ashby) und Alexander Davion (Tony Ashby) vergleichsweise sympathisch erscheinen, auch wenn ihre sich anbahnende Liebesbeziehung weniger aus den die BBFC störenden Gründen (die ja letztlich haltlos sind), sondern aufgrund ihrer stereotypen Vorhersehbarkeit etwas schal ausfällt.



Stark und überaus unheimlich gestaltet sind die Szenen in der familieneigenen Kapelle, in der der maskierte Chorknabe als Schreckmoment seine volle Wirkung entfaltet. Das Orgelspiel als Ausdruck des Wahnsinns erinnert dabei frappierend an den Edgar-Wallace-Roman „Der unheimliche Mönch“. Diese Assoziation verflüchtigt sich schlagartig in dem Moment, in dem der verweste Leichnam aus seinem Versteck auftaucht, der letztlich allerdings zu sehr dem Vorzeigemodell aus dem Biologiekabinett ähnelt, um echt zu erscheinen und damit leider den letzten Szenen ein wenig von ihrer beabsichtigten Wirkung raubt.

Dieser starke Gruselthriller führt die von Hammer mit „Ein Toter spielt Klavier“ überaus erfolgreich eingeschlagene Art des Spannungsaufbaus sehr ähnlich fort, gerät dabei etwas trashiger, aber dennoch genauso unterhaltsam. Freddie Francis’ Regie wertet die eilige und mit Klischees nicht geizende Geschichte durch kreative Einfälle auf und garantiert für handwerkliche Qualität weit über dem Durchschnittsniveau eines B-Pictures. Gute 4 von 5 Punkten.



Die DVD von Koch Media: „Haus des Grauens“ erschien am 5. Dezember 2008 als Teil 8 der Koch-Media-Hammer-Edition auf DVD. Die Veröffentlichung präsentiert den Film im Originalformat 2,35:1 und guter Bildqualität mit angenehmem Kontrast und ordentlicher Schärfe. Stellenweise, gerade in Schwenks, wirkt das Material etwas gewölbt, als betrachte man es durch ein Fischauge. Damit geht einher, dass in den betreffenden Szenen (u.a. im Vorspann) Bildrandbereiche etwas verzerrt und weniger scharf aussehen – der Fehler hält sich jedoch in tolerablen Grenzen. Man kann zwischen deutschem und englischem Ton wählen, allerdings keine Untertitel zuschalten. An Bonusmaterial sind eine ausführliche Bildergalerie mit Plakaten, Werbefotos und Werbematerialien sowie ein informatives 16-seitiges Booklet enthalten. Zudem steckt das Keepcase mit der DVD in einem schicken Pappschuber, auf dem das glänzende blutrot-schwarze Hammer-Signet prangt. Mittlerweile ist die DVD etwa zur Hälfte des Originalpreises erhältlich.

patrick Offline




Beiträge: 2.936

30.11.2014 13:58
#6 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten

Nightmare (Der Satan mit den langen Wimpern)



Filmdaten
Deutscher Titel Der Satan mit den langen Wimpern
Originaltitel Nightmare
Produktionsland Vereinigtes Königreich
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1964
Länge 79 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Freddie Francis
Drehbuch Jimmy Sangster
Produktion Jimmy Sangster für Hammer Films
Musik Don Banks
Kamera John Wilcox
Schnitt James Needs
Besetzung: David Knight: Henry Baxter, Moira Redmond: Grace Maddox, Jennie Linden: Janet, Brenda Bruce: Mary Lewis, George A. Cooper: John, Clytie Jessop: Frau mit der Narbe, Irene Richmond: Mrs. Gibbs, John Welsh: Arzt, Timothy Bateson: Barkeeper


Nightmare beginnt mit einer Traumsequenz der schwer traumatisierten Janet, die als Elfjährige mit ansehen musste, wie ihre geistesgestörte Mutter den Vater mit dem Messer erstochen hat, mit dem sie eigentlich Janets Geburtstagstorte anschneiden sollte. In ihrem Albtraum sieht sie sich in einem Irrenhaus in die Zelle ihrer diabolischen Mutter gelockt und von dieser in gespenstischer Atmosphäre unter hysterischem Gelächter zu Tode erschreckt. Aufgrund ihrer seelischen Probleme ist sie im Internat als Außenseiterin abgestempelt und wird schließlich von der, ihr wohlgesonnenen, Lehrerin Brenda Bruce nach Hause geschickt und sogar persönlich dorthin begleitet. Im Hause wird ihr Grace vorgestellt, die ihr Gesellschaft leisten sollte. Tatsächlich ist diese eine Krankenschwester, die Janet aufgrund ihrer Verfassung im Auge behalten sollte. Es dauert nicht lange, bis Janet des Nachts immer wieder eine gespenstische schwarzhaarige Frau mit einer Narbe in ihrem Zimmer erblickt, die ihr zuwinkt. Nachdem sie dieser folgt, findet sie einmal diese selbst und ein anderes Mal ihren Vormund Henry Baxter mit einem Messer in der Brust vor, was sie in furchtbare Panik versetzt. Nachdem die anderen Hausbewohner herbeieilen, können Sie allerdings nichts entdecken und es scheint, Janet habe die Krankheit ihrer Mutter geerbt. Als ihr geliebter Vormund Henry Baxter bei einer Zusammenkunft Janet seiner Frau vorstellen will, erkennt sie in dieser die geisterhafte Erscheinung mit der Narbe, was sie psychisch völlig aus der Bahn wirft. Die Sache artet aus ...
Nun nimmt der Film eine völlig überraschende Wendung. Janet bleibt zwar weiterhin das Hauptobjekt der Geschichte. Doch wird der Fokus jetzt auf ein intrigantes, frisch vermähltes, Pärchen verlagert, durch dessen Schuld Janet mittlerweile im Irrenhaus sitzt. Bald bauen sich Spannungen zwischen dem sich in einem Hotel auf Flitterwochen befindenden Pärchen auf, da die Frau erfährt, ihr Bräutigam wäre hier kürzlich mit einer anderen Frau abgestiegen. Weitere Indizien weisen sehr deutlich auf eine außereheliche Beziehung des frischgebackenen Bräutigams hin. Dies wird von ihm jedoch vehement geleugnet. Darüber hinaus erscheint der jungvermählten Braut ständig eine weißgekleidete Gestalt, die wie Janet aussieht und auch ihr Zimmer aufsuchte um dort ein Messer auf ihren Nachttisch zu legen. Dies und der Umstand, dass Janet angeblich aus der Irrenanstalt ausgebrochen sei, setzt der jungen Frau seelisch dermaßen zu, dass es schließlich zum mörderischen Finale kommt ...

Nightmare ist eine Geschichte über Intriganten, die selbst Opfer einer Intrige werden. Nach dem Motto "Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein" wird der Spieß umgedreht und die Täter finden sich in der Rolle des Opfers wieder. Bis zur Hälfte des Films glaubt man, alles schon mal gesehen zu haben. Der Film wandelt auf dem "Ein Toter spielt Klavier"-Pfad bis die Handlung dann einen völlig anderen Verlauf nimmt. Die typischen Ingredienzien der Hammer-Thriller sind alle enthalten. Schwarzweiße Gothic-Atmosphäre, geisterhafte Erscheinungen und Personen, die ihre wahren Absichten verschleiern.

Der Film hat allerdings mit großen Logikmängeln zu kämpfen. Personen werden zu Verhaltensweisen verleitet, die wohl kaum so geradlinig voraussehbar und planbar sind, wie sie schlussendlich ablaufen. Man darf diesen Film getrost als Thriller-Märchen betrachten. Allerdings als ein sehr spannendes. Langeweile kommt keine auf. Die schwarzweißen Aufnahmen sind sehr dunkel, düster und gruselig gestaltet. Kameraleute und Beleuchter haben ganze Arbeit geleistet. Auch die für Hammer typischen aufpeitschend-unheimlichen Klänge lassen uns hier nicht im Stich. Diese erinnern mich in diesem Film ein bisschen an die Musik von „Captain Clegg“. Die Schauspieler sind, im Gegensatz zu den vorangegangenen Thrillern aus Hammers Werkstatt, relativ wenig charismatisch, woran ich allerdings keinen Anstoß nehmen möchte. Handwerklich machen sie ihre Sache nämlich sehr gut und es ist ihnen diesbezüglich nichts vorzuwerfen. Vor allem Jennie Linden als Janet, die hier ihr Filmdebut hatte, lebt sich ausgesprochen überzeugend in ihre Rolle ein. In Puncto Charisma können die Darsteller allerdings mit Ihren Vorgängern Oliver Reed, Susan Strasberg oder Ronald Lewis nicht mithalten. Moira Redmond und David Knight wirken auf mich farblos. Technische Ausführung, Atmosphäre und Gruselfaktor sind aber makellos. Clytie Jessop als Frau mit der Narbe hat eine sehr unheimliche Präsenz. Durch die radikale Wendung in der Mitte verläuft der Film allerdings etwas unrund.

Alles in Allem würd ich, dank der gelungenen Atmosphäre, sagen 4,5 von 5.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.502

30.11.2014 14:00
#7 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten



Der Satan mit den langen Wimpern (Nightmare)


Gruselkrimi, GB 1964. Regie: Freddie Francis. Drehbuch: Jimmy Sangster. Mit: David Knight (Henry Baxter), Moira Redmond (Grace Maddox), Jennie Linden (Janet), Brenda Bruce (Mary Lewis), George A. Cooper (John), Clytie Jessop (Frau in Weiß), Irene Richmond (Mrs. Gibbs), John Welsh (Arzt), Timothy Bateson (Barmixer), Elizabeth Dear (Janet als Kind) u.a. Uraufführung (BRD): 28. Februar 1964. Uraufführung (GB): 19. April 1964. Uraufführung (USA): 17. Juni 1964. Eine Produktion der Hammer Film Productions.

Zitat von Der Satan mit den langen Wimpern
Janet wird von schrecklichen Träumen verfolgt, in denen sie gemeinsam mit ihrer Mutter in eine Gummizelle gesperrt wird. Als Janet ein Kind war, musste sie mit ansehen, wie ihre Mutter ihren Vater erstach, als eine fatale Geisteskrankheit bei ihr durchbrach. Nun fürchtet sich die junge Frau, dass sie ebenfalls betroffen sein könnte. Des Nachts sieht sie eine mysteriöse Unbekannte in einem weißen Umhang durch ihr Zimmer schweben, nur um ihr zu folgen und dann auch sie mit einem Messer in der Brust vorzufinden. Spielt ihr jemand einen bösen Streich?


Nicht nur ähneln sich „Haus des Grauens“ und „Der Satan mit den langen Wimpern“ untereinander sehr stark, auch sind die Parallelen zum Thriller-Erfolgsbegründer der Hammer-Productions, „Ein Toter spielt Klavier“, unübersehbar. In allen drei Filmen geht der Grusel von einem düsteren, alten Haus aus, in dem sich eine junge Frau langsam und perfide an den Rand des Wahnsinns gedrängt sieht. Im Vergleich zu ihren Vorgängerinnen kommt dem Zuschauer mit der von Anfang an von Hysterie ergriffenen Jennie Linden nur wenig Sympathie auf, sodass die Szenen in der ersten Hälfte von „Nightmare“ zwar durchaus ihre feine Spannung entfalten können, aber nicht wirklich dazu beitragen, das Publikum auf Augenhöhe mit der beinahe noch jugendlichen Janet zu bringen.



Die im Vorspann unter dem Markennamen Hammerscope angekündigten Aufnahmen von John Wilcox („Hammerscope“ wurde 1957 als hauseigener Ersatz für Cinemascope eingeführt, um Lizenzgebühren an 20th Century Fox zu sparen) tauchen Janets lange, schlaflose Nächte in kunstvolle Schwarzweißbilder, die streckenweise gut davon ablenken, dass die Handlung in diesem Film zunächst weniger rasant erzählt wird. Das bleibt aber nicht so, denn nach einem starken Bruch der Geschichte, ab dem Janet weitgehend von der Bildfläche verschwindet, beginnt der Plot, sich in interessante, aber verwinkelte Bahnen zu entwickeln. Indem der Film unter Opferung einer klaren Hauptrolle die gleiche Geschichte sozusagen zweimal (oder sogar dreimal?) erzählt, gelingen ihm clevere Selbstreferenzen und eine bewusste Erwartungslenkung der Kinogänger.

Ähnlich wie Eleanor Ashby eine enge Beziehung zu ihrem angeblichen Bruder Tony aufbaut, ist es hier Janet, die ständig nach dem Mann ihres Vertrauens ruft. Glücklicherweise erweist sich Anwalt Henry Baxter nicht als Strahlemann à la Alexander Davion, sondern als augenblicklich als Scharlatan zu entlarvender Opportunist, der dem naiven Mädchen alles vorspielen würde, wenn es für ihn selbst von Vorteil wäre. So ist es David Knight, der in dieser Rolle die treibende Kraft des Bösen verkörpert, weshalb der deutsche Titel, der die größte Niedertracht seiner Filmpartnerin Moira Redmond zusprechen möchte, etwas deplatziert wirkt. Knight und Redmond, die beide unabhängig voneinander bereits in Edgar-Wallace-Verfilmungen der Merton-Park-Studios zu sehen waren, funktionieren glänzend zusammen, auch wenn man es mit den Eifersuchtsszenen teilweise etwas übertrieb.



Der gelungene Einsatz von Requisiten zur Steigerung der Spannung – in diesem Fall ein Messer, eine Puppe und eine Geburtstagstorte – ist ein typisches Merkmal klassischer Gruselkost und tut auch dem „Satan mit den langen Wimpern“ gut, weil damit verbindende Elemente zwischen den einzelen Abschnitten der Handlung geschaffen werden, die die gewagte Konstruktion des Drehbuchs von Jimmy Sangster optisch in gewissem Maße kitten. Auch führt das Script am Ende noch einmal alle wichtigen Personen zusammen, sodass ein abgerundeter Eindruck entsteht, der Wheeler W. Dixon dazu verleitete, diesen als den „vollendetsten aller Filme von Francis“ (vgl. Booklet) zu bezeichnen. Während mir dieses Urteil etwas euphemistisch erscheint, trifft das Magazin Variety den Nagel auf den Kopf:

Zitat von Variety: Review: „Nightmare“, Quelle
Best features of this highly contrived chiller are the direction and lensing (by Freddie Francis and John Wilcox respectively) of the atmosphere of a house where eerie things happen in this way of shadows, significant noises and the fleeting appearances of a phantom-like woman in white.


Die Zusammenfassung der Variety-Redaktion unterstreicht, dass „Nightmares“ größte Verdienste als Schauerfilm optischer Natur sind. Auch wenn die Geschichte durchaus über einen gewissen Reiz verfügt, so ist sie nicht ohne Durchhänger gestaltet und lässt klare Hauptfiguren mit Präsenz über die gesamte Länge des Films vermissen. Häufig bemängelte Logiklöcher hingegen führen in meinen Augen zu keinem Punktabzug, weil sie sich nicht über die Grenzen künstlerischer Freiheit hinaus bemerkbar machen. 3,5 von 5 Punkten.



Die DVD von Koch Media: Das Gesamtpaket sieht bei „Der Satan mit den langen Wimpern“ ganz ähnlich aus wie bei „Haus des Grauens“. Koch Media achtete selbstverständlich auf die Beibehaltung des originalen Hammerscope-Formats, auch wenn auf der Hülle fälschlicherweise ein noch breiteres Format von 2,55:1 angegeben ist. Das Bild befindet sich in einem mit „Haus des Grauens“ vergleichbaren Erhaltungszustand, wobei auch hier kurzzeitig die oben angesprochene Verzerrung auftaucht – allerdings weniger auffällig als beim anderen Film. Dafür weist die in diesem Fall verwendete Quelle ein paar mehr Verschmutzungen auf, insgesamt ist das Bild aber als absolut zufriedenstellend zu bezeichnen. Auch für „Satan mit den langen Wimpern“ wurden keine Untertitel erstellt, die Auswahl zwischen deutschem und englischem Ton wird trotzdem gegeben. Im Bonusbereich ist wieder einmal das Booklet hervorzuheben, während auf der Disc selbst neben einer Bilderschau diesmal auch ein englischer Kurztrailer aufgespielt ist, der weniger wegen der Schilderungen des Films, sondern vielmehr aufgrund seiner katastrophalen Bildqualität ziemlich gruselig anzusehen ist. Tipp: Die DVDs der Koch-Media-Hammer-Edition sind momentan bei Müller für 7,99 Euro zu bekommen.

patrick Offline




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03.12.2014 22:35
#8 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten

Scream of Fear / Taste of Fear (Ein Toter spielt Klavier)



Filmdaten
Deutscher Titel Ein Toter spielt Klavier
Originaltitel Taste of Fear
Produktionsland Vereinigtes Königreich
Originalsprache Englisch
Deutsch
Französisch
Erscheinungsjahr 1961
Länge 82 (dt. Vers. 81) Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Seth Holt
Drehbuch Jimmy Sangster
Produktion Jimmy Sangster
Musik Clifton Parker
Kamera Douglas Slocombe
Schnitt James Needs
Eric Boyd Perkins
Besetzung
Susan Strasberg: Penny Appleby, Ronald Lewis: Bob, Ann Todd: Jane Appleby, Christopher Lee: Dr. Pierre Gerrard, Fred Johnson: Pennys Vater, John Serret: Inspektor Legrand, Leonard Sachs: Mr. Spratt, Anne Blake: Marie, das Hausmädchen


Die junge, an den Rollstuhl gefesselte Penny Appleby kommt an die Cote d'Azur, um bei ihrem Vater zu leben. Ihre Eltern wurden geschieden und die Mutter lebt nicht mehr. Ihre beste Freundin hat Selbstmord begangen und Penny leidet furchtbar unter ihrer Einsamkeit und Behinderung.
Sie wird von Jane, der Gattin ihres Vaters, herzlich empfangen und fasst sofort Vertrauen in den sympathischen Chauffeur Bob. Allerdings ist ihr Vater nicht zu Hause. Bob, der Penny vom Flughafen abholt, deutet etwas von einer Erkrankung ihres Vaters an, möchte aber nicht genauer darauf eingehen, nachdem er sieht, dass Penny nicht Bescheid weiß. Jane dementiert dies und erklärt Penny, ihr Vater sei einige Tage abwesend, wisse aber nicht, wann er zurückkomme. Gleich in der ersten Nacht entdeckt Penny im angrenzenden Sommerhaus ein Kerzenlicht, dem sie folgt und findet ihren Vater tot im Sessel vor. Geschockt setzt sie sich mit ihrem Rollstuhl in Richtung Haus in Bewegung und stürzt dabei in den Swimmingpool. Sie wird von Bob gerettet und von Dr. Gerard (Christopher Lee) verarztet. Letzterer verbringt offenbar viel Zeit mit Jane. Später zeigt Bob Penny Reste von Kerzenwachs, die er im Sommerhaus gefunden hat. Am folgenden Abend hört Penny Klaviermusik, findet aber niemanden am Flügel vor. Auch steht der Wagen Ihres Vaters in der Garage. Jane und Robert, die mittlerweile zurückkehren, versichern ihr, dass ihr Vater nicht anwesend sein kann. Auch sei das Klavier immer abgesperrt und nur ihr Vater könne darauf spielen. Schließlich ist der Wagen mittlerweile verschwunden, genauso wie am Vortag die Leiche. Draußen bemerkt sie allerdings wieder eine brennende Kerze im Sommerhaus, jedoch diesmal keine Leiche darin. Als sie sieht, dass in ihrem Zimmer das Licht ausgeht, begibt sie sich dorthin und findet wieder ihren toten Vater in einem Stuhl sitzend vor ...
Schließlich kommen Penny und Bob zu der Vermutung, dass Jane mit Dr. Gerard gemeinsame Sache macht, um an das Erbe ihres Vaters zu gelangen, welcher tatsächlich tot sein muss. Auch liegt nahe, dass sie Penny in den Wahnsinn treiben wollen. Bob hilft Penny bei der Suche nach der Leiche und findet diese tatsächlich, als er im, mit Unterwasserpflanzen bewachsenen, Swimmingpool danach taucht. Die beiden einigen sich, zur Polizei zu gehen. Während der Fahrt bemerken sie Jane am Straßenrand. Bob bleibt stehen und steigt aus. Der Wagen, in dem Penny noch immer sitzt, kommt ins Rollen und stürzt über die Klippen ...
Nun kommt es zu mehreren sehr überraschenden Wendungen der Geschichte. Der Wagen wird geborgen, was zu einer sehr großen Überraschung führt und völlig neue Fragen aufwirft.

„Scream of Fear“ ist in typischer Hitchcock-Manier inszeniert und steht den Werken des Meisters in rein gar nichts nach. Auf einen stetigen Spannungsaufbau folgen dann zum Schluss hin mehrere völlig unerwartete "twists". Das Rezept war so erfolgreich, dass es in einigen der folgenden Filme wieder aufgegriffen wurde. Unter anderem charakterisiert dieser Hochspannungsthriller für mich die Königsdisziplin Hammer'schen Filmschaffens.

Mit Susan Strasberg (1938-1999) und Ronald Lewis (1928-1982) ist der Streifen sehr charismatisch besetzt. Susan Strasberg in der Rolle der Penny wirkt attraktiv und liebenswürdig, aber auch stark und selbstbewusst. Als in einem Gespräch mit Bob ihre Lähmung zur Sprache kommt, fragt dieser: „You were on a horse?“, worauf sie erwidert „The horse was on me“ und in seiner Gesellschaft sogar darüber lacht. Ronald Lewis wirkt ruhig, vertrauensvoll und ausdrucksstark. Leider verlief sein Leben tragisch. Nachdem er Bankrott war und keine Arbeit mehr bekam, beging er 1982 Selbstmord.

Christopher Lee darf in einer Nebenrolle als Dr. Gerard (im Original) einen französischen Akzent zum Besten geben. Nachtaufnahmen, Beleuchtung, Kameraführung und Schockmomente sind, wie immer bei Hammer, erste Sahne. Besonders die Szenen, in denen die Leiche gezeigt wird, sind wirklich effektvoll geraten. Die Musik ist im Gegensatz zu anderen Hammerfilmen etwas unauffälliger, schadet aber der Atmosphäre nicht. In der Prätitelsequenz wird ein Leichenfund in einem Schweizer Gebirgssee gezeigt, der im späteren Verlauf noch sehr an Bedeutung gewinnt. Als Konsument der originalen Tonspur amüsiert mich das dort gesprochene Deutsch, das zwar einen Dialekt-Akzent trägt, aber sicher kein „Schwyzerdütsch“ ist. Die Besetzungsliste verrät die Mitwirkung eines deutschen und eines österreichischen Schauspielers. Allerdings beide als "Plainclothes Officers" (Zivilbeamte). Ein uniformierter, ebenfalls deutschsprechender, Beamte wird jedoch von einem Briten dargestellt, der sich mit seinem "jo" im Dialekt versucht. Sein Akzent ist wirklich äußerst undefinierbar, auch wenn er nur wenige Worte spricht.

Ein Spoiler würde gerade bei diesem genialen Plot völlig den Genuss rauben, weshalb ich mir verkneife, auf die Handlung noch genauer einzugehen. Eins aber will ich auf jeden Fall noch sagen, nämlich: volle 5 von 5.

Gubanov Offline




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03.12.2014 22:40
#9 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten



Ein Toter spielt Klavier (Taste of Fear / Scream of Fear!)


Gruselkrimi, GB 1961. Regie: Seth Holt. Drehbuch: Jimmy Sangster. Mit: Susan Strasberg (Penny Appleby), Ronald Lewis (Chauffeur Robert), Ann Todd (Jane Appleby, Pennys Stiefmutter), Christopher Lee (Dr. Pierre Gerrard), John Serret (Inspektor Legrand), Leonard Sachs (Mr. Spratt, Anwalt von Mr. Appleby), Anne Blake (Marie, Hausmädchen), Fred Johnson (Mr. Appleby, Pennys Vater) sowie Heinz Bernard, Brian Jackson u.a. Uraufführung (GB): 4. April 1961. Uraufführung (USA): 22. August 1961. Uraufführung (BRD): 12. Januar 1962. Eine Produktion der Hammer Film Productions.

Zitat von Ein Toter spielt Klavier
Nach zehn Jahren kehrt Penny Appleby aus dem Ausland zu ihrem Vater in eine Villa an die Côte d’Azur zurück. Sie ist enttäuscht und besorgt, als von ihrem Vater bei der Ankunft jede Spur fehlt und die ihr bisher unbekannte Schwiegermutter behauptet, er hätte kurzfristig geschäftlich verreisen müssen. Bald darauf beginnt der Psychoterror: Ins nächtliche Gartenhaus gelockt, erschrickt sie beim Anblick ihres Vaters zu Tode – oder hat sie seine Leiche gesehen? Noch mehrere Male macht sie die Begegnung des reglosen Körpers, bis sie begreift, dass sie mitten in einem teuflischen Plan um Erbschleicherei und Mord steht ...


Anders als „kleiner“ angelegte Hammer-Thriller strotzt „Ein Toter spielt Klavier“ von Anfang an vor Internationalität. Der Film beginnt vor malerischer (i.e. gemalter) Alpenkulisse in deutscher Sprache, wechselt dann auf einen Flughafen, auf dem Französisch gesprochen wird, bevor man auch nur das erste Wort auf Englisch hört. Susan Strasberg „tritt“ trotz ihrer Behinderung als Frau von Welt auf den Plan und das pittoreske Anwesen mit seiner überreichen und doch bedrückenden Innenausstattung, seiner Lage direkt an den Klippen, mit seinem Swimming-Pool und dem Gartenhaus verstärkt noch den Eindruck, hier einen Film von Format zu sehen, der zudem in seiner Erzählführung natürlicher und weniger klischeehaft ausfällt als die Großzahl seiner Kollegen. Da erscheint es fast wie eine Ironie des Schicksals, dass Sangster sein Drehbuch zunächst tunlichst von den Hammer Film Productions fernhalten wollte:

Zitat von David Kalat: „Scream of Fear“ at Turner Classic Movies, Quelle
Looking to escape Hammer and the Carreras family that ran the studio, Sangster sold his script to producer Sidney Box, who generously offered to let the neophyte produce the film. Sadly, Box suffered a heart attack almost immediately and Sangster was obliged to buy his film back to keep it from vanishing into obscurity. To get it made, he sold it to the producer most willing to give it a home – yes, Hammer’s Michael Carreras! [...] Sangster had not managed to leave Hammer, but he’d broken out of the Hammer Horror mold. He was now a producer, on a fairly prestigious project of his own devising. Cannily trading on audience expectations, he cast Christopher Lee in a small supporting role, knowing the man’s mere presence would serve as a red herring. Aside from Lee, though, there was little that would connect this taut psychological thriller with the lurid monster flicks about Dracula and werewolves that otherwise typified the studio’s output.




Trotz der erzählerischen Wende von blankem Horror zu gepflegtem Grusel setzte das Hammer-Team auf starke Schauereffekte in jenen Szenen, in denen der verschwundene Mr. Appleby durch seine kurzen, aber umso prägnanteren Auftritte seine Tochter in blankes Entsetzen und zermürbende Selbstzweifel versetzt. Auch die Werbestrategie, den Film als großes Geheimnis aufzuziehen, über den nichts – noch nicht einmal Fotos oder eine Inhaltsangabe – nach außen dringen dürfe, trug zum Erfolg beim hammer-gewöhnten Publikum bei.

Obwohl der Thriller sich auf eine minimale Personengruppe beschränkt (vier Personen plus zwei Leichen), schlägt er nicht in die typische Kerbe eines schauspielerzentrierten Kammerspiels. Er entfaltet seine Wirkung weniger als aus besonderen Dialogen oder Interaktionen aus seiner düsteren Atmosphäre, den romantischen Bildern von Douglas Slocombe und der unheilschwangeren Musik von Clifton Parker. Dazu gehört auch das Eingeständnis, dass „Ein Toter spielt Klavier“ kein Film ist, den man in erster Linie seiner Handlung wegen verfolgen würde. Gerade der inhaltlich anspruchsvollere Teil am Ende des Thrillers, in dem beinahe im Minutentakt eine um die andere Hiobsbotschaft verkündet wird, erscheint im Vergleich zum ausgewogenen Rest ein wenig überkandidelt und unbeholfen.

Künstlerische Höhepunkte setzten Holt und Slocombe nicht zuletzt in der Verbildlichung der Schockmomente, die in aufgeregten Schwenks und Zooms die Panik der Protagonistin verdeutlichen oder auf raffinierte Unterwasseraufnahmen zurückgreifen. Auch die Setgestaltung erwies sich als geschickte Unterstützerin diffuser Ängste aus der Psyche der handelnden Charaktere: So kommt es nicht von ungefähr, dass die Tiefkühltruhe in der Küche des Hauses die Form eines Sarges aufweist, um „dezent“ auf ihren möglichen Inhalt hinzuweisen, oder dass das Miniatur-Schwimmbecken auf der Terrasse in unheimlichen Momenten scheinbar auf ein Vielfaches seiner Größe anwächst, damit die Gefahr des Ertrinkens von ihm ausgehen oder furchteinflößende semiozeanische Tiefseewelten in ihm beheimatet sein können.


Zitat von David Kalat: „Scream of Fear“ at Turner Classic Movies, Quelle
Sangster demanded that cinematographer Douglas Slocombe shoot the picture in black and white – he did, and rendered images so crisp you could eat them with milk. The money that was saved by filming in monochrome was poured into other areas, such as luxurious location shooting in Nice and the French Riviera, and indoor shoots at the upscale Elstree Studios.


Hammer hatte mit „Taste of Fear“ gleichzeitig Glück und Pech, das immer wieder praktizierte Schema, eine angreifbare Frau in den Wahnsinn zu treiben, bereits früh im Stadium seiner Thriller-Verfilmungen perfektioniert zu haben. Susan Strasberg zeichnet dabei ein vielschichtiges Bild ihrer Penny Appleby. Als prägnanteste Besonderheit fällt augenblicklich ihre Gehbehinderung auf, die sie an einen Rollstuhl fesselt und damit nicht nur von anderen abhängig, sondern auch besonders angreifbar macht. Eine Flucht oder ein körperliches Aufbäumen gegen Beeinflussung von außen fallen ihr schwerer als vergleichbaren Heldinnen und die charakterliche Unsicherheit, die eine Behinderung durch Ausschluss von ganz normalen Vergnügungen des Alltags mit sich bringt, wirkt sich negativ auf ihre mentale Widerstandskraft aus. Dass Penny nichtsdestoweniger auch über ihren eigenen Kopf verfügt und sich nicht zum Spielball ihrer Schwiegermutter und des sich ungefragt einmischenden Doktors machen lässt, sichert ihr wichtige Sympathien und steigert die Unvorhersehbarkeit der Handlung, weil man nie genau voraussehen kann, welche Reaktionen bestimmte Provokationen nach sich ziehen werden.

Als „Psycho“ der Hammer-Reihe anerkannt, hat „Ein Toter spielt Klavier“ inhaltlich nichts mit dem namhaften Film von Alfred Hitchcock gemein, stellte sich im Nachhinein aber als vergleichbarer Erfolg für die Produktionsfirma heraus, die daraufhin mehrfach versuchte, sich selbst zu kopieren. Das hier vorliegende Original zeichnet sich durch ein besonders dichtes Flair unheimlicher Bedrohung aus, das effektvoll eingefangen und (über-)engagiert aufgelöst wurde. 5 von 5 Punkten.



Die DVD von Sony Pictures: Auch wenn das Bild vielleicht ein wenig zu dunkel und kontrastreich aufgespielt wurde, so kann man mit der von Sony Pictures auf der DVD zu „Ein Toter spielt Klavier“ gebotenen Bildqualität im Großen und Ganzen zufrieden sein. Penible Zuschauer werden sich vielleicht an Bildkörnung und -rauschen in einigen Einstellungen oder an der manchmal etwas suboptimalen Schärfe stören, aber größere Einwände sind gegen das Bild, das im Originalformat von 1,66:1 vorliegt, nicht zu erheben. Wie von Major-Labels gewohnt, beglückt Sony den experimentierfreudigen Heimkinofreund mit zahlreichen Sprach- und Untertiteloptionen, sodass dem Antesten von Kombinationen wie Italienisch / Norwegisch oder Französisch / Türkisch nichts im Wege steht ... Weniger antesten kann man im Bonusbereich, in dem die DVD ausschließlich einen Filmtrailer enthält, der sichtlich nicht aus dem Jahr 1961 stammt. Die DVD ist mittlerweile in einer Neuauflage im Eco-Case mit ent-spoilerter Inhaltsangabe und Wendecover zum Wühltischpreis erhältlich. Dafür kann man sie allemal als gelungen bezeichnen.

[ Weitere Besprechungen zu diesem Film sind in diesem Thread zu finden. ]

patrick Offline




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06.12.2014 15:27
#10 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten

The Gorgon (Die brennenden Augen von Schloss Bartimore)



Filmdaten
Deutscher Titel Die brennenden Augen von Schloss Bartimore
Originaltitel The Gorgon
Produktionsland Vereinigtes Königreich
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1964
Länge 83 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Terence Fisher
Drehbuch John Gilling
Produktion Anthony Nelson Keys für Hammer Film Productions
Musik James Bernard
Kamera Michael Reed
Schnitt Eric Boyd-Perkins
James Needs
Besetzung
Christopher Lee: Professor Karl Meister, Peter Cushing: Dr. Namaroff, Barbara Shelley: Carla Hoffman, Richard Pasco: Paul Heitz, Michael Goodliffe: Professor Jules Heitz, Patrick Troughton: Inspector Kanof, Joseph O'Conor: Coroner, Prudence Hyman: Gorgone, Jack Watson: Ratoff, Redmond Phillips: Hans, Jeremy Longhurst: Bruno Heitz, Toni Gilpin: Sascha Cass, Joyce Hemson: Martha, Alister Williamson: Janus Cass, Michael Peake: Polizist


Achtung Spoiler!

Inhalt:

Der fiktive Staat Varndorf, irgendwo nahe Deutschlands: Bruno, ein junger Künstler, erfährt von seiner Freundin Sascha, das diese ein Kind von ihm erwartet und verlässt in der Nacht das Haus, um ihren Vater zu sprechen. Sascha will ihn aufhalten und irrt durch den Wald, wo sie einer schrecklichen Erscheinung begegnet und zu Stein erstarrt. In den letzten 5 Jahren hat es bereits 7 derartige Todesfälle gegeben. Bruno erhängt sich im Wald und sein Vater Prof.Heitz versucht, ihn zu rehabilitieren, stößt aber auf heftigen Widerstand, da die Behörden zwar Bescheid wissen, die Sache aber, genauso wie Dr.Namaroff (Peter Cushing) zu vertuschen suchen. Angelockt durch einen mystischen Gesang betritt Heitz das verlassene Schloss Borski (Name in der Originalfassung), begegnet dort der Gorgone Megara und wird ebenfalls versteiner. Sein zweiter Sohn Paul geht nun der Sache nach und erblickt im Garten des von ihm angemieteten Hauses in einer stürmischen Gewitternacht dem Spiegelbild der Megara, zuerst in einem Wassertrog und nachher auf der Terrasse, dann wieder im Wassertrog, worauf er zusammenbricht und für mehrere Tage erkrankt, in denen er sichtlich altert. Er lernt Dr.Namaroffs Assistentin Carla kennen und lieben. Diese trägt jedoch ein sehr tragisches Geheimnis in sich. Sie wird regelmäßig in Vollmondnächten vom Geist der seit 2000 Jahren toten Gorgone Megara (Eine Schwester der Medusa) heimgesucht, deren Einfluss sie sich nicht entziehen kann. Auch erinnert sie sich nicht an diese Episoden, was als Amnesie attestiert wird. Dr.Namaroff ist ebenfalls in Carla verliebt. Er will die Sache vertuschen und Carla vom Fluch der Gorgone fernhalten, was ihm nicht gelingt. Zu stark ist deren Einfluss während des Vollmonds. Sie verwandelt sich regelmässig in die Schauergestalt mit dem Schlangenhaar. Professor Meister (Christopher Lee), ein Spezialist für griechische Mythologie, unterstützt Paul, kann aber nicht verhindern, dass sich dieser, blind vor Liebe, wieder in´s Schloss begibt. Dort trifft er auf Dr.Namaroff. Es kommt zu einem heftigen Kampf und beide werden in dieser unheimlichen Nacht von der Gorgone versteinert, bevor es Dr. Meister gelingt, ihr mit einem Schwert, wie einst Perseus der Medusa, den Kopf abzuschlagen. Der langsam zu Stein erstarrende Paul sieht, wie Megaras abgeschlagener Kopf wieder das Antlitz seiner Geliebten Carla annimmt, und er hört Professor Meister noch sagen, dass sie jetzt frei sei.

Anmerkungen:

Nachdem Hammer 1964 bereits sämtliche klassische Horrorgestalten ausgeschöpft hatte, musste nun die griechische Mythologie herhalten. Man entschied sich für eine der drei Gorgonen. In der englischen Version heißen diese Persephone, Megara und Medusa (Tatsächlich Stheno, Euryale und Medusa). Der Film ist atmosphärisch sehr dicht inszeniert und erinnert an Hammers Vampierfilme. Außerdem hat er ein tolles Dekor. Barbara Shellys Auftritt mit langem Umhang könnte einem Dracula-Film entstammen und ist wirklich super eingefangen. Das Schloss wirkt, verstärkt durch den windigen Herbst-Flair, sehr gruselig und die Gorgone wurde anfangs nur kurz und spärlich gezeigt. So sieht man sie nur sehr flüchtig im Hintergrund stehen, als Prof.Heitz unfreiwilligen Blickkontakt mit ihr aufnimmt. Dies verstärkt die Wirkung ungemein. Ihr Spiegelbild, mit dem Paul Bekanntschaft macht, ist auch ein gekonnter Gothic-Kunstgriff. Ihre Großaufnahmen im Schloss wirken allerdings weniger gelungen, da sie dort sehr unecht und aus heutiger Sicht recht billig aussieht, auch viel zu hell ausgeleuchtet wurde. Hier wäre weniger mehr gewesen. Der fiktive Ort Varndorf (nicht Varnsdorf) ist offensichtlich ein Kleinstaat nahe oder innerhalb Deutschlands. Es wird auch eine typische Alpengegend mit deutsch/österreichischen Häusern gezeigt. Etwas seltsam ist die Namensgebung der Charaktere. Vermischen sich doch deutsche und osteuropäische Namen. Dieser Film ist wieder ein Beispiel für Hammers Einfallsreichtum, Geschichten an allen möglichen Orten spielen zu lassen. Die Musik mit ihren unheimlichen Klängen und dem mystischen Gesang ist einer von Hammers Highlights und verstärkt die gekonnte Inszenierung, wie auch die schön gruselige Atmosphäre.

Der damals 42-jährige Christopher Lee (geb.1922) als Dr.Meister wurde hier auf alt geschminkt. Mit Peter Cushing (1913-1994) und Barbara Shelley (geb.1933) sind weitere Stammdarsteller der Hammerfilme mit von der Partie. Cushing spielt den Dr.Namaroff sachlich, trocken und emotionslos. Barbara Shelleys "love interest" Richard Pasco (1926-2014) empfinde ich als sehr glanzlose Erscheinung, was die Wirkung der tragischen Liebesbeziehung nicht wirklich greifen lässt. Der deutsche Titel ist wieder einmal Unfug, da hier weder brennende Augen noch ein Schloss Bartimore vorkommen (zumindest nicht in der Originalfassung).

Fazit: Handwerklich und atmosphärisch sehr gut gemachter Grusler, der allerdings gegen Schluss die Gorgone zu deutlich zeigt, was deren Wirkung stark abschwächt. Der Film trägt die eindeutige Handschrift von Terence Fisher (1904-1980) und John Gilling (1912-1984). 4,5 von 5.

patrick Offline




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08.12.2014 12:40
#11 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten

Dracula/Horror of Dracula (Dracula, 1957/1958)



Regie: Terence Fisher

Produktion: Hammer Film Productions, GB, Drehzeit: 11.11.1957 bis 03.01.1958

Mit: Christopher Lee, Peter Cushing, Michael Gough, Melissa Stribling, Carol Marsh, John Van Eyssen, Valerie Gaunt, Janina Faye, Olga Dickie, Barbara Archer, George Woodbridge, Miles Malleson, Geoffrey Bayldon


Inhalt:

Der Vampirjäger Jonathan Harker kommt auf Draculas Schloss in Siebenbürgen um diesem den Garaus zu machen. Dabei gibt er sich als Bibliothekar aus, der dort eine Stelle annimmt. Er findet einen gedeckten Tisch und eine Nachricht vor, die besagt, dass der Graf ihn nicht empfangen könne und Harker es sich bei Speis und Trank gemütlich machen sollte. Plötzlich taucht eine verstört wirkende junge Dame auf, die Harker um Hilfe anfleht, da sie eine Gefangene des Grafen sei. Ebenso rasch wie sie aufgetaucht ist, flüchtet sie wieder aus dem Raum und der Graf tritt selbst in Erscheinung. Er begrüßt Harker kühl, aber freundlich und zeigt ihm sein Zimmer. Später kommt die junge Dame erneut auf Harker zu und dieser nimmt sie tröstend in die Arme, wobei sie sich als Vampirin entpuppt. Harker wird gebissen. Plötzlich eilt Dracula zähnefletschend und mit blutigen Lippen herbei und schleudert das Vampirmädchen mit brachialer Gewalt durch den Raum. Nun ist Harker ein Gefangener des Grafen und er ahnt, dass seine Zeit bald um sein wird. Während des Tages entdeckt er eine Gruft mit 2 Särgen, in denen die beiden Vampire ruhen. Er pfählt das Mädchen, wird aber dann von Dracula überwältigt, der mit der einsetzenden Dämmerung erwacht.
Nachdem er von seinem Freund Harker nichts mehr gehört hat, reist Dr.Van Helsing (Peter Cushing) nach Klausenburg in Siebenbürgen, wo er in einem Gasthaus mit den Ängsten der Dorfbewohner konfrontiert wird. In Draculas Schloss entdeckt er den mittlerweile zum Vampir gewordenen Harker in einem Sarg liegend und erlöst ihn mit einem Pfahl. Dracula selbst ist verschwunden. Dr.Van Helsing reist zur Familie von Harkers Verlobten Lucy und berichtet deren Bruder Arthur und seiner Frau Mina vom Ableben Jonathans. Lucy selbst ist allerdings matt und krank. Sie scheint unter Anämie zu leiden. Dr.Van Helsing entdeckt dann aber Bissnarben an ihrem Hals und weiß nun, dass Dracula sie offensichtlich als Ersatz für das tote Vampirmädchen auserwählt hat. Er gibt strikte Anweisungen, Knoblauchblüten auszulegen und unter keinen Umständen Nachts das Fenster zu öffnen. Vampire vertragen keinen Knoblauch und auch kein Tageslicht. Allerdings verhalten sich Draculas Opfer wie Suchtkranke, die quasi auf den "nächsten Biss" warten, was die Sache erschwert. Lucy fleht eine Bedienstete an, die Knoblauchblüten zu entfernen und das Fenster zu öffnen. Diese gibt nach und am nächsten Tag ist Lucy tot.
Ihre Nichte Tania berichtet allerdings später, diese trotzdem gesehen zu haben. Dr.Van Helsing übergibt Arthur Jonathan Harkers Tagebuch und dieser begreift schnell, was vor sich geht. Sie spüren gemeinsam die untote Lucy auf, welche die kleine Tania in ihren Bann ziehen will. Das Mädchen wird gerettet und Lucy gepfählt. Arthur und Van Helsing wissen allerdings noch nicht, dass mittlerweile auch Mina unter den Einfluss Draculas geraten ist. Als sie es erfahren, treffen sie Vorkehrungen, die verhindern sollten, dass der Graf in´s Haus kommen kann. Dieser befindet sich jedoch schon längst darin und ruht in einem Sarg im Keller. Als Van Helsing erfährt, Mina habe verboten, den Keller zu betreten, stürmt er dorthin und findet den leeren Sarg vor. Mina liegt blutverschmiert auf ihrem Bett, kann aber durch eine Bluttransfusion gerettet werden. Kurz darauf wird sie vom Grafen entführt und Van Helsing nimmt zusammen mit Arthur die Verfolgung in`s Schloss auf. Dort kommt es zum Zweikampf zwischen Van Helsing und dem Vampir, wobei Ersterer zu unterliegen droht. Bevor er allerdings gebissen werden kann, gelingt es ihm, sich zu befreien. Er reißt die Vorhänge hinunter und das einfallende Tageslicht zerstört Dracula. Er zerfällt zu Staub.

Anmerkungen:

Hammers Dracula-Version von 1957/1958 lässt den seligen Bela Lugosi im wahrsten Sinne des Wortes alt aussehen. Diese Verfilmung setzt ganz auf Action und lässt reichlich rotes Blut fliessen. Die detailliert gezeigten Pfählungen waren für damalige Verhältnisse auffallend brutal und sicher auch grenzwertig. Das Erscheinen Draculas wird an einigen Stellen von einer kräftigen und aufwühlenden Musik untermahlt. Das Vampirfilm-Genre wurde völlig neu und nachhaltig definiert. Erstmals sehen wir die legendären Fangzähne, die nicht der literarischen Vorlage entsprechen und auch in der 1931er-Verfilmung nicht vorkamen. Trotzdem sind genau diese es, welche von nun an wohl jeder als typisches Markenzeichen der Horror-Vampire im Bewusstsein hält.

Nach der schon sehr erfolgreichen Frankenstein-Verfilmung von 1957 hat Hammer nun endgültig seine Position in diesem Genre gefestigt und wurde zur wohl größten Autorität seiner Zeit auf dem Gebiet des Gothic-Horror. Hammer-Gründer William Hinds (1887-1957) durfte den Höhenflug der Firma leider nicht mehr miterleben. Er starb tragischerweise 1957 Bei einem Fahrradunfall. Sein Sohn Anthony Hinds war bei Hammer als Produzent und Drehbuchautor tätig, bis er 1968 die Firma verließ. Ihm war seine Privatsphäre derart wichtig, dass er sich seinen Nachbarn gegenüber noch 1963 als Friseur ausgegeben haben sollte.

Diese Dracula-Verfilmung weicht vom Roman in folgenden Punkten ab:

- Draculas Lakai Renfield kommt nicht vor.
- Harker kann laut Roman aus dem Schloss entkommen. Im Film wird er "vampirisiert" und dann dort gepfählt.
- Dracula wird durch Tageslicht zerstört. Im Roman verliert er bei Tageslicht lediglich seine übernatürlichen Kräfte, kann sich aber normal bewegen.
- Die ganze Handlung spielt sich in Siebenbürgen ab, wogegen laut Roman und der älteren Verfilmung von 1931 nach einer Schiffsreise die Handlung nach London verlegt wird. Die deutsche Version verfälscht alles dahingehend, dass der gesamte Plot in Großbritannien angesiedelt ist.
- Lucy und nicht Mina ist Harkers Verlobte.

Die ausgesprochen effektiv und zähnefletschenden in Erscheinung tretenden Vampire schrieben rasch Filmgeschichte. Jene Szene, in der die untote Lucy die kleine Tania mit der Absicht nach draußen lockt, sich bei ihr einen Biss zu gönnen, wirkt besonders schön schaurig. Auch sehr wirkungsvoll ist die Einstellung, wo die junge Vampirin nach ihrer Pfählung zur Greisin schrumpft. Man erkennt allerdings, dass sie nach ihrem Ableben immer noch atmet. Auch Lucy darf nach Ihrer Pfählung nochmal blinzeln. Die Darstellerinnen hatten wohl nicht die notwendige Disziplin, sich richtig tot zu stellen, und Terry Fisher dürfte beim Runterkurbeln dieser Szenen in Eile gewesen sein. Christopher Lee schlägt in seiner Paraderolle Bela Lugosi um Längen. Dem 1956 verstorbenen Ur-Dracula wären bei dieser Generalüberholung seiner Figur wohl die Tränen gekommen.

Der fast 2 Meter große Christopher Lee verkörpert den Grafen sinister, kalt und sehr grausam. In der Anfangssequenz allerdings tritt er ausgesprochen kultiviert und redegewandt in Erscheinung und besticht durch vollendete Umgangsformen und eine vorbildliche Handschrift, was in krassem Gegensatz zu seiner animalischen Brutalität steht. Diese Seite wird im späteren Verlauf der Handlung und in den folgenden Filmen wieder fallengelassen. Erst 1970 sollte er erneut etwas mehr Text bekommen. Das "Suchtverhalten" von Draculas Opfern kann symbolisch für sexuelle Hörigkeit und Abhängigkeit der "schwachen Frau" von einem patriarchalischen und brachialen starken Mann verstanden werden. Der Biss steht für den sexuellen Höhepunkt. Terry Fisher soll Melissa Stribling auf Ihre Frage hin, wie sie die Rolle in der sie gebissen wird spielen sollte, damit beantwortet haben, sie möge sich vorstellen den Sex ihres Lebens zu haben.

Peter Cushing ist die Rolle des agilen und sympathischen, aber auch unerbittlichen Dr.Van Helsing auf den Leib geschrieben. Er spielt diesen ausgesprochen vital und engagiert. Da Hammer in den folgenden Jahren damit beschäftigt war, sämtliche alte Universal-Monster wiederzubeleben und weitere zu erfinden, sollte es bis 1965 dauern, dass man wieder auf den bissigen Grafen zurückkam und mit "Dracula, Prince of Darkness" (Blut für Dracula) eine sehr gelungene Fortsetzung in´s Kino brachte. Ab 1968 wurden dann weitere Sequels um den immer wieder zu neuem Leben erwachenden Vampirgrafen gedreht, die das Thema rasch ausreizten und nicht mehr die Originalität der früheren Verfilmungen aufwiesen. Allerdings haben auch diese einen gewissen Unterhaltungswert.

Kritische Zungen bemängeln, dass Farbe hier fehl am Platz sei, da schwarzweiß die stimmigere Atmosphäre liefern würde. Tatsächlich aber ist es Hammer gelungen, ihren Gothic-Horror in Farbe auffallend gut aussehen zu lassen. Ich bin allerdings der Meinung, dass bei dieser ersten Dracula-Verfilmung die atmosphärischen Feinheiten noch nicht zu 100% ausgereift sind. Die Nachtszenen hätten durchaus dunkler und düsterer ausfallen dürfen. Dennoch zeigt die restaurierte Fassung die Gothic-Sequenzen in einem sehr stimmigen und wirkungsvollen Blau-Ton.

Peter Cushing soll Christopher Lee während der Dreharbeiten mit kühlem britischen Humor auf ein "Steak" eingeladen haben. In der englischen Sprache klingt "Steak" akustisch wie "Stake"(Pfahl).

Fazit:

Terry Fisher ist es gelungen, den berühmtesten aller Film-Vampire auf Hochglanz zu polieren und mit einer gewaltigen Bildersprache völlig neu auszurichten, was dem wesentlich älteren Universal-Klassiker im Vergleich rasch die Luft auslässt. Der Streifen ist ein schillerndes Beispiel dafür, dass Gothic-Horror auch in Farbe wunderbar funktionieren kann. 4,5 von 5 Punkten.

patrick Offline




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11.12.2014 12:00
#12 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten

The Two Faces of Dr. Jekyll (Schlag 12 in London)




Filmdaten
Deutscher Titel Schlag 12 in London
Originaltitel The Two Faces of Dr. Jekyll
Produktionsland Großbritannien
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1960
Länge 85 Minuten
Altersfreigabe FSK 12 (nach Neuprüfung; früher 18)
Stab
Regie Terence Fisher
Drehbuch Wolf Mankowitz
Produktion Michael Carreras
Anthony Nelson Keys
Musik David Heneker
Monty Norman
Kamera Jack Asher
Schnitt Eric Boyd-Perkins
Besetzung
Paul Massie: Dr. Henry Jekyll / Edward Hyde, Dawn Addams: Kitty Jekyll, Christopher Lee: Paul Allen, David Kossoff: Prof. Ernst Littauer, Norma Marla: Maria, Francis De Wolff: Polizeiinspektor, Oliver Reed: Nachtclub-Rausschmeißer, Helen Goss: Nanny, Janina Faye: Janina


Inhalt:

London 1874. Dr. Jekyll (Paul Massie) ist ein zurückgezogener Außenseiter, von seinen Kollegen wegen seiner unkonventionellen Ansichten wenig geschätzt, von seiner Frau Kitty (Dawn Addams) entfremdet. Er geht völlig in seiner Arbeit auf und forscht an den unterdrückten Anteilen der Psyche. Laut seiner Theorie verbirgt die menschliche Psyche ein verdrängtes zweites, ungehemmtes Ich, das befreit werden sollte, um die menschlichen Fähigkeiten in ihrer Unbegrenztheit zu erfahren. Sein Freund Paul Allen (Christopher Lee) ist ein genusssüchtiger Lebemann und Tunichtgut, dem Jekyll regelmäßig finanziell aushilft. Dies hindert den charakterlich wenig gefestigten Paul jedoch nicht daran, mit Jekylls Frau Kitty ein Verhältnis zu unterhalten.
Eines Abends bittet Jekyll Kitty darum, den Abend mit ihm zu verbringen, um seiner Ehe wieder Aufschwung zu geben. Diese lehnt ab, da sie heimlich mit Paul verabredet ist. Jekyll macht einen Selbstversuch und spritzt sich eine Droge, die im Tierversuch das verdrängte zweite Ich erfolgreich erweckte. Daraufhin verwandelt er sich in einen äußerlich attraktiven, aber völlig skrupellosen und hemmungslosen Lebemann.
In einem Nachtclub trifft er Kitty und Paul, die ihn wegen seines veränderten Äußeren nicht erkennen. Er stellt sich ihnen als Mr. Hyde vor und freundet sich mit Paul an. Als Kitty nach einer sich anbahnenden Auseinandersetzung der beiden Männer mit einem Rausschmeißer den Club verlässt, kommt es tatsächlich zu einer Handgreiflichkeit, bei der Hyde hemmungslos zuschlägt und von Paul zurückgehalten werden muss.
Im späteren Verlauf bietet Hyde dem ständig mit Spielschulden kämpfenden Paul 5.000 Pfund an, nachdem dieser bei seinem alter Ego Dr. Jekyll kein Glück mehr hat. Als Gegenleistung muss er ihn so richtig ins Londoner Nachtleben einführen. Der Trip führt über Zechtouren und Glücksspiel bis zu Opiumhöhlen und es dauert nicht lange, bis Paul erneut pleite ist. Nun bietet im Hyde an, ihm Kitty für Geld zu überlassen, womit sogar bei Paul eine moralische Grenze überschritten ist. Er lehnt ab. Hyde, der ein Verhältnis mit einer Nobel-Prostituierten begonnen hat, setzt alles drauf und dran, Kitty zu erobern, scheitert allerdings. Darüber erzürnt lockt er Paul in eine Falle, wo dieser von einer Schlange getötet wird, und vergewaltigt Kitty. Diese kann das alles nicht verkraften und begeht Selbstmord. Die ursprünglich durch die Droge induzierte Bewusstseinsspaltung führt mittlerweile ein Eigenleben und es kommt zu einem ständigen Hin und Her beider Persönlichkeitsanteile. Hyde möchte sich schließlich von seiner Jekyll-Identität endgültig trennen. Er tötet einen Mann und setzt sein Labor in Brand, damit die Leiche für sein alter Ego Dr. Jekyll gehalten wird. So denkt er, sein anderes Ich besiegt zu haben und die Polizei glaubt vorerst, Jekyll habe durch Drogenmissbrauch den Verstand verloren und nach diversen Morden sich selbst gerichtet ...

Anmerkungen:

"The Two Faces of Dr.Jekyll" ist eher Drama als Horrorfilm. Der Streifen ist sehr hell und farbenprächtig gehalten und hat eigentlich gar keine düsteren Szenen. Christopher Lee macht eine wirklich gute Figur in einer für ihn eher ungewohnten Rolle. Als unmoralischer Lebemann verbringt er seine Zeit ausschließlich mit Glücksspiel, Alkohol und Frauen. Man sieht ihn sowohl betrunken als auch im Opiumrausch und oft zynisch und arrogant auftretend. Nichtsdestotrotz zeigt er auch liebenswürdige Seiten. Er pflegt in diversen Bordellen einen sorglosen Umgang mit Frauen und unterhält trotzdem mit Kitty ein stabiles Liebesverhältnis. Mr. Hyde, der Kitty bereits als Dr. Jekyll verloren hat, vermag nicht in die Beziehung einzudringen. Kitty liebt Paul aufrichtig, trotz seiner charakterlichen Schwächen, was Hyde als doppelte Niederlage betrachtet und ihn zum Mörder macht. Die Bewusstseinsanteile Jekyll / Hyde sind recht stereotyp getrennt, was wohl dem akademisch-wissenschaftlichen Grundcharakter der Person zu verdanken ist. Während ersteren den in seine Arbeit vertieften, anständigen und moralischen Einzelgänger ausmachen, ist Hyde durch und durch unmoralisch, skrupellos, brutal und unfähig Liebe zu empfinden. Gerade letztere Eigenschaft erweist sich als größtes Manko, um Kitty zu erobern. Während diese und Paul bei allen Schwächen, die ihnen innewohnen, zumindest auf ein normales menschliches Gefühlsspektrum zugreifen können, hat Hyde hier schwere Defizite, die ihn zu einer das reine Vergnügen konsumierenden, herzlosen Maschine degradieren. Andererseits täuscht die Hyde-Identität die beiden Liebenden in ähnlicher Weise, wie diese anders herum seine Jekyll-Identität getäuscht haben. Bemerkenswert ist auch Jekylls / Hydes innerer Dialog vor dem Spiegel, wo Jekyll versucht, Hyde allein die Schuld an den Untaten zu geben und dieser immer damit antwortet, er habe es ja selbst getan, da sie doch ein und dieselbe Person seien. Dies ist eine gute Veranschaulichung des Themas Verdrängung.

Die Beziehung zwischen Paul und Mr. Hyde erinnert zumindest in der Anfangsphase etwas an jene zwischen Lord Henry Wotton und Dorian Gray in Oscar Wildes "Das Bildnis des Dorian Gray".

Dawn Addams (1930-1985) hat eine sehr weibliche, attraktive Ausstrahlung und gefällt mir hier wesentlich besser als in dem, im gleichen Jahr entstandenen, "Die tausend Augen des Dr. Mabuse". Auch spielt sie eine einerseits starke und andererseits wieder schwache Frau, die Paul im Grunde genommen verfallen ist. Mr. Hyde ist in diesem Streifen kein hässliches Monster, wie in anderen Verfilmungen, sondern ein attraktiver junger Mann. Paul Massie (1932-2011) sieht als Dr. Jekyll mit Bart und als glattrasierter Mr. Hyde wirklich völlig unterschiedlich aus. Auch die Stimme nimmt einen völlig anderen Tonfall an. In einer Nebenrolle ist übrigens Oliver Reed zu erkennen.

Als Pluspunkt möchte ich noch betonen, dass der Film eine recht intelligente Handlung aufweist und die Themen Bewusstseinsspaltung und Verdrängung recht gelungen porträtiert. Trotzdem ist er für mich einer von Hammers schwächeren Filmen, da die Atmosphäre zu mittelmäßig ausgefallen ist. Auch fehlt es an wirklich markanten Höhepunkten. Damit 2,5 von 5.

Gubanov Offline




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11.12.2014 12:15
#13 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten



Schlag 12 in London (The Two Faces of Dr. Jekyll)


Liebesdrama, GB 1960. Regie: Terence Fisher. Drehbuch: Wolf Mankowitz (Buchvorlage „The Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde“: Robert Louis Stevenson). Mit: Paul Massie (Dr. Henry Jekyll / Edward Hyde), Dawn Addams (Kitty Jekyll), Christopher Lee (Paul Allen), David Kossoff (Prof. Ernst Littauer), Norma Marla (Maria), Francis de Wolff (Polizeiinspektor), Joy Webster (Jenny), Oliver Reed (Zuhälter), Helen Goss (Nanny), Janina Faye (Janina) u.a. Uraufführung (GB): 24. Oktober 1960. Uraufführung (USA): 3. Mai 1961. Eine Produktion der Hammer Film Productions.

Zitat von Schlag 12 in London
Dr. Jekyll hat sich voll und ganz seinen Experimenten zur Erforschung der menschlichen Psyche verschrieben. Um den Kampf zweier entgegengesetzter Persönlichkeiten, den er in jedem Menschen auszumachen glaubt, genauer beobachten zu können, nimmt er Drogen ein, die seine dunkle Seite, den vergnügungs- und rachsüchtigen Mr. Hyde, zum Vorschein bringen. Als Mr. Hyde durchstreift Dr. Jekyll das nächtliche London, verprasst sein Geld in sündigen Nachtclubs und nimmt Einfluss auf die Affäre seiner Frau Kitty mit dem Lebemann Paul Allen. Doch immer nach vier Stunden führt die Droge zu wilden Anfällen, die die Rückkehr zum alten Selbst ankündigen ...


Eigentlich lässt die Geschichte um Dr. Jekyll und Mr. Hyde Assoziationen mit gruseliger Spannung und frühliterarischen Horroranwandlungen aufkommen. Wenn dann die Hammer-Film eine Adaption der berühmten Novelle von Stevenson vorlegt, so ist davon auszugehen, dass sie die schauerlichen Elemente des Plots betont und den Stoff zu einem abenteuerlichen Thriller aufpoliert. Seltsamerweise ging man in „Schlag 12 in London“ einen ganz anderen Weg, der ungewöhnlich wirkt, deshalb überrascht und in gewisser Weise auch enttäuscht: Nervenkitzel oder unheimliche Atmosphäre tauchen kaum auf in Terence Fishers Verfilmung; sie werden marginalisiert durch die Vorzüge, die er und Drehbuchautor Mankowitz der historisch aufgeplusterten Liebesgeschichte, überlangen Kostüm- und Statistenszenen und nicht zuletzt einer schwer morallastigen Betrachtung des Sündenpfuhls London gaben, der hier im besten Sinne des bekannten Conan-Doyle-Ausspruchs noch die vernünftigsten (= arbeitsamsten) Menschen zu gewissenlosen Bestien heranreifen lässt:

Zitat von Sir Arthur Conan Doyle: Eine Studie in Scharlachrot, Kein & Aber, Zürich 2002, S. 10
Ich hatte in England weder Freunde noch Verwandte und war daher frei wie der Wind – oder jedenfalls so frei, wie ein tägliches Einkommen von elfeinhalb Shilling es einem Mann zu sein gestattet. Unter diesen Umständen zog es mich natürlich nach London, der großen Senkgrube, wo alle Faulenzer und Müßiggänger des Empires unweigerlich abgelagert werden.




Vom historischen London zeigt „Schlag 12 in London“ freilich nicht viel – Hammer begnügte sich aus Budgetgründen mit einigen Kopfsteinplaster-und-Backsteinwand-Sets, glich diese Sparmaßnahme aber durch aufwendige Sets und Innenaufnahmen wieder aus. Der Film gerät in beinah jeder Szene zu einem wahren Augenschmaus – er ist elegant, düster und farbenfroh, ohne ins Quietschbunte abzudriften. Unterm Strich bleibt die Kameraarbeit von Jack Asher, die auch die Transitionen von Dr. Jekyll in Mr. Hyde und umgekehrt stellenweise wirklich einfallsreich in Szene setzt, der wahrscheinlich größte Aktivposten der Produktion.

Aus welchem Grund auch immer ließ man sich die Gelegenheit, in Mr. Hyde ein bösartiges Monster zu zeigen, durch die Finger gleiten.

Zitat von Steve Biodrowski: „The Two Faces of Dr. Jekyll“ at Cinefantastique, Quelle
When he transforms it is not into a misshapen monster or a Darwinian throwback (as in the 1932 version with Frederick March) but into a dapper, handsome devil, eager to enjoy all the delights the seedier side of London has to offer. This is a decidedly amoral (as opposed to immoral) Hyde, only interested (at least initially) in the pursuit of pleasure; there is almost a touch of Oscar Wilde about him – which should not be a big surprise, since screenwriters have been using Wilde’s „The Picture of Dorian Gray“ to pad out the details of Stevenson’s slim story at least since the 1920 silent „Dr. Jekyl and Mr. Hyde“ with John Barrymore.


Der Ersatz in Form eines voll- und verkommenen Gentleman beraubt die Geschichte gleichsam ihrer Übersinnlichkeit und ihrer Wirkkraft; in den Händen von Fisher und Mankowitz erzählt sie sich als bloße Schilderung eines Drogenmissbrauchs, der zu Schizophrenie führt und mit einigen rein künstlerischen Kniffen (dem Verlust des Bartes, der Änderung der Stimme) einhergeht. Selbstverständlich erschuf man auf diese Weise eine Vorzeige-Doppelrolle für den hauptsächlich als Bühnenschauspieler aktiven Paul Massie. Andererseits hielt man den Einsatz leicht goutierbarer Symbolik – die Schlange als Verführerin und als Bestraferin der Verführung, das Spiegelbild als Blick ins eigene Unterbewusstsein – und das Insbildrücken falscher Romanzen für unverzichtbar, sodass das Vertrauen in die Tragfähigkeit des Jekyll-Hyde-Motivs wohl doch nicht allzu stark gewesen sein muss.



Große Verdienste beim Umsetzen seiner plakativen Rolle erwarb sich Christopher Lee als zweiter Mann der Geschichte, als Prasser und Bonvivant ohne jedes Maß. Lee als feurigen Liebhaber auftreten zu sehen, mag zunächst als gewagte Wahl erscheinen, funktioniert jedoch erstaunlich gut. Auch in Dawn Addams konnte sich die Produktion auf eine mehr als solide Darstellerin stützen, sodass dem zentrale Drei- (oder Vier-?) -gestirn makellose Leistungen in der Umsetzung der ihnen abverlangten Szenen bescheinigt werden können. Doch selbst diese können nicht darüber hinwegtäuschen, dass „The Two Faces of Dr. Jekyll“ ein Film der verpassten Möglichkeiten ist.

Der Umstand, dass man hier einen viktorianischen Klassiker inszenierte, verselbstständigte sich insofern, als mit Kostümen und Konventionen Löcher in Plot und Spannung gestopft werden sollten. Statt eines gruseligen Unterhaltungsfilms entstand ein moralisierendes Liebesdrama, das im Hammer-Œuvre sicher nicht zu den stärksten Filmen zählt. 3 von 5 Punkten.



Die DVD von Sony Pictures: Den auf der DVD von Sony enthaltenen Transfer kann man nur als absolut herausragend bezeichnen. Die Hammerscope-Aufnahmen erstrahlen in den knackigsten und frischesten Farben, wirken dabei aber keineswegs übertrieben aufgedreht. Ton- und Untertiteloptionen sowie das Bonusmaterial in Form eines Kinotrailers entsprechen der Veröffentlichung von „Ein Toter spielt Klavier“ vom selben Label. Vor allem „Schlag 12 in London“ ist mittlerweile im unteren einstelligen Preissegment angekommen (Auslieferung erfolgt weiterhin in einer Altauflage mit aufgeklebtem FSK-Sticker) und lohnt deshalb vielleicht sogar für Skeptiker einen Blick.

patrick Offline




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21.12.2014 15:40
#14 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten

The Reptile (Das schwarze Reptil)




Das schwarze Reptil
Originaltitel: The Reptile
Herstellungsland: Großbritannien
Erscheinungsjahr: 1966
Regie: John Gilling
Darsteller:

Noel Willman: Dr. Franklyn, Jennifer Daniel: Valerie Spalding, Ray Barrett: Harry George Spalding, Jacqueline Pearce: Anna Franklyn, Michael Ripper: Tom Bailey, John Laurie: Spinn-Peter

Subgenre: Mystery


Dieser Bericht enthält Spoiler!

Inhalt:

Das südenglische Cornwall um 1900. Charles Spalding verlässt sein Haus und begibt sich, einer Nachricht folgend, in die Villa von Dr.Franklyn, einem Doktor der Theologie. Dort findet er vorerst niemanden vor, bis er plötzlich einen eindringlichen Warnschrei von Dr.Franklyn vernimmt, der jedoch zu spät kommt. Spalding wird von irgendeinem geheimnisvollen Wesen in den Hals gebissen, worauf sich seine Haut verfärbt und weißer Schaum aus seinem Mund tritt. Er stirbt, und ein mysteriöser Inder tritt in Erscheinung.
Spaldings Bruder Harry erbt dessen Häuschen und zieht mit seiner Frau Valerie, trotz eindringlicher Warnungen von Tom Bailey (Michael Ripper), dort ein. Sehr bald hört er eine geheimnisvolle indische Musik, die auch seinem verstorbenen Bruder Charles aufgefallen ist. Der im Dorf bekannte Mad Peter stirbt den gleichen Tod wie Charles Spalding. Die Dorfbewohner munkeln vom "Schwarzen Tod". Harry wird nun klar, dass an diesem Ort irgendetwas nicht stimmt, doch weiß offensichtlich niemand Bescheid, was wirklich vor sich geht. Spalding findet in dem sympathischen und hilfsbereiten Kneipenwirt Tom Bailey einen Freund, der ihm hilft, dem Rätsel auf den Grund zu gehen. Sie graben sowohl Mad Peters Leiche, als auch jene von Charles Spalding aus und finden bei beiden neben der verfärbten Haut Bissspuren am Hals, die jenen einer Königskobra gleichen.
Als das Ehepaar Spalding Dr.Franklyn und dessen hübsche und sympathische Tochter Anna kennenlernt, wirft dies weitere Fragen auf, da Franklyn seiner Tochter gegenüber ungewohnt streng, geradezu herrisch auftritt und diese um jeden Preis von anderen Menschen fernzuhalten versucht. Was ist der Grund für dieses merkwürdige Verhalten?
Als Harry, genauso wie damals sein Bruder, eine Nachricht bekommt, begibt er sich ebenfalls zum Anwesen Franklyns. Anna hat in dem Schreiben um Hilfe gebeten. Im Haus wiederholt sich dieselbe Szene wie eingangs mit Charles Spalding. Harry wird von einem menschenähnlichen Schlangenwesen in den Hals gebissen, nachdem Dr.Franklyn einen Warnschrei ausstößt. Es gelingt ihm allerdings noch, sich zu seinem Haus zu begeben und Valerie kann ihm das Leben retten, indem sie mit einem Messer die Wunde behandelt.
Nun schleicht Valerie in Franklyns Haus und kommt gerade dazu, als dieser den geheimnisvollen Inder in einer heißen Quelle ertränkt, die sich in einer Höhle befindet, welche über den Keller erreichbar ist. Sie erfährt, dass Franklyn auf Borneo einem geheimen und berüchtigten Schlangen-Kult auf die Schliche gekommen ist. Die Sekte hat Ihren Zauber an seiner Tochter Anna ausgeübt, was zur Folge hatte, dass sie sich immer wieder in ein Reptilienwesen verwandeln muss, von dem eine tödliche Gefahr ausgeht. Dies sollte die Strafe für Franklyns ketzerische Studien an der fremden Religion sein. Er ist damals zusammen mit Anna aus Borneo geflohen, um sich dem Einfluss des Kults zu entziehen. Doch ist ihm dieser bis in`s dünn besiedelte Cornwall gefolgt. Franklyns Haus ist bei dem Kampf mit dem Inder in Brand geraten und er versucht, Valerie dort festzuhalten. Allerdings wird er von seiner Schlangen-Tochter gebissen, die sich nun Valerie zuwendet. Doch eilen Harry und Tom in letzter Minute zur Rettung. Durch die eingeschlagene Scheibe strömt Kälte in den Raum, woraufhin das Reptilienwesen zusammenbricht.

Anmerkungen:

Der Plot von „The Reptile“ hat große Ähnlichkeit mit „The Gorgon“. Allerdings besitzt der Film leider nicht ganz die atmosphärische Dichte von Letzterem. Das südenglische Cornwall, das sich geradezu anbietet, um einen gelungenen Gothic-Flair zu schaffen, wurde etwas zu wenig eingebracht. Die Handlung ist interessant und phantasievoll und hat einen sehr langsamen, aber stetigen Spannungsaufbau. Das Gesicht der Schlangenfrau sieht für damalige Verhältnisse einigermaßen gelungen aus. Es gab Probleme damit, dass die Darstellerin der Schlangenfrau, Jacqueline Pearce, klaustrophobisch war und die Maske immer wieder runterriss. Dies führte dazu, dass diese umgeändert werden musste. Man sieht das Reptil anfangs nur sehr kurz und flüchtig und erst am Schluss deutlich. Das Makeup der Todesopfer mit der verfärbten Haut und dem Schaum vor dem Mund ist ganz hervorragend gelungen.
Etas unlogisch ist, dass sich Charles Spaldings Gesicht sofort nach dem Biss verändert und er innerhalb weniger Sekunden stirbt, während Harry noch genug Zeit hat, nach Hause zu gelangen und er nur an der Bißstelle eine Verfärbung aufweist.

Sehr erfreulich ist für mich die Mitwirkung von Michael Ripper (1913-2000) als Tom Bailey, ist er doch ein sehr zuverlässiger und immer wieder gern gesehener Stammdarsteller und Maskottchen bei Hammer.
Die mysteriösen indischen Klänge haben eine sehr angenehm-unheimliche Wirkung. Jacqueline Pearce (geb.1943) als Anna spielt ihre Rolle sympathisch und geheimnisvoll zugleich. Sehr eindrucksvoll ist die Szene, in der sie sich mit einem fernöstlichen Instrument in eine Art Trance spielt.

Auch die Auftritte des sinisteren Inders verfehlen nicht ihre Wirkung.

Recht gelungen ist die Höhle mit der Schwefelquelle, wo das wärmebedürftige Reptilienmädchen untergebracht ist.

Die Bestrafung Dr.Franklyns durch die Anhänger des Schlangen-Kults wird auch als Bestrafung der britischen Kolonialherrscher durch ein unterdrückte Volk gedeutet.

Regisseur John Gilling wurde von vielen als psychotischer Sklaventreiber klassifiziert, was auch mit einer im Krieg erworbenen schweren Kopfverletzung im Zusammenhang gebracht wird. Nichtsdestotrotz war er ein sehr fähiger und professioneller Filmschaffender, der es verstand in kurzer Zeit sehr sehenswerte Streifen hervorzuzaubern.

Für "The Reptile" vergebe ich 4 von 5.

patrick Offline




Beiträge: 2.936

24.12.2014 23:36
#15 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten

The Hound of the Baskervilles (Der Hund von Baskerville)



Filmdaten
Deutscher Titel Der Hund von Baskerville
Originaltitel The Hound of the Baskervilles
Produktionsland Vereinigtes Königreich
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1959
Länge 87 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Terence Fisher
Drehbuch Peter Bryan
Produktion Anthony Hinds
Musik James Bernard
Kamera Jack Asher
Schnitt Alfred Cox
Besetzung
Peter Cushing: Sherlock Holmes, André Morell: Dr. Watson, Christopher Lee: Sir Henry Baskerville, Marla Landi: Cecile Stapleton, David Oxley: Sir Hugo Baskerville, Francis De Wolff: Dr. Richard Mortimer, Miles Malleson: Bischof Frankland, Ewen Solon: Stapleton, John Le Mesurier: Barrymore, Helen Goss: Mrs. Barrymore

Inhalt:

Den Anfang macht ein Rückblick auf die Legende über den grausamen und gottlosen Sir Hugo Baskerville, der ein unschuldiges Mädchen entleibt und anschließend von einer Bestie getötet wird, was einen Fluch auf seine Nachfahren wirft.
Dr. Mortimer (Francis De Wolff) erzählt Holmes diese Legende und erklärt ihm, dass Sir Charles Baskerville kürzlich nach einem Schockerlebnis den Tod fand, das mit dem Monsterhund in Zusammenhang zu stehen scheint. Er äußert Bedenken darüber, dessen Neffe und Erbe Henry (Christopher Lee) könnte ebenfalls in Gefahr geraten. Tatsächlich wird diesem noch in London eine Tarantel untergejubelt, die Holmes unschädlich macht. Dr.Watson begleitet Henry nach Devon, da Holmes erst Ende der Woche zur Verfügung stehe. Auf dem Herrensitz der Baskervilles hört Watson nachts das Weinen einer Frau und das Heulen eines Hundes. Außerdem entdeckt er ein Licht im Moor. Am folgenden Tag streift er durch`s Moorland und trifft dabei Stapleton und dessen hübsche Tochter Cecilia, die mütterlicherseits spanische Wurzeln besitzt und sehr menschenscheu wirkt, was nicht zuletzt an der strengen Art ihres Vaters zu liegen scheint. Stapleton besitzt ein kleines Stück wenig fruchtbaren Landes neben dem Anwesen der Baskervilles. Er und seine Tochter retten Watson das Leben, als dieser nach einem Fehltritt im Moor zu versinken droht. Nachdem Henry auf die schöne Cecilia aufmerksam wird, entwickelt sich sehr bald ein Liebesverhältnis. Inzwischen taucht Holmes auf, der mitnichten in London war, sondern incognito das Moor ausgekundschaftet hat. Dort wird der entlaufene Sträfling Seldon von einer Bestie getötet, da er offenbar mit Henry verwechselt wurde. Mrs. Barrymore, die Gattin des Haushälters, hat ihn mit Proviant und Kleidung versorgt, da sie seine Schwester ist.
Es dauert nicht lange, bis Holmes die Zusammenhänge um die Bestie begreift und zusammen mit Watson in einer düsteren Nacht im Moor Henry vor dem sicheren Tod rettet.

Anmerkungen:

Bereits der Eingangssequenz ist anzusehen, dass Hammer sich wirklich Mühe gegeben hat, diesen Streifen optisch interessanter zu gestalten, als den Vorgänger von 1939, was tatsächlich auch gelungen ist. Das Farbenspiel ist sehr wirkungsvoll und ansprechend, das neblige Moor düster und unheimlich. Hier kommt eine wirklich schöne farbige Gothic- Atmosphäre zum Vorschein. Diese ist besser gelungen, als in „Horror of Dracula“, da die Nachtaufnahmen dunkler und düsterer sind.

Peter Cushing ist nicht nur aufgrund seines Äußeren eine naheliegende Wahl für Sherlock Holmes gewesen, sondern lebt sich auch sehr gut in die Rolle ein. Sachlich-nüchtern, distanziert, scharfsinnig und arrogant bringt er alle Eigenschaften ein, die den Meisterdetektiv ausmachen. Unterstrichen wird Holmes nüchterne und unterkühlte Art von folgender Aussage, als er und Watson Henry für tot halten: „Now it´s time to avenge him, not to mourn him“ (Jetzt ist`s an der Zeit ihn zu rächen, nicht ihn zu betrauern)

Andre Morell (1909-1978) als Dr. Watson ist kein Idiot, der in absolut jedes Fettnäpfchen tritt, sondern, im Gegensatz zu Nigel Bruce Interpretation, ein durchaus ernstzunehmender Charakter.

Marla Landi (geb.1933) ist recht exotisch, im Gegensatz zu Ihrer Vorgängerin Wendy Barrie, wirkt allerdings recht kühl und in sich gekehrt. Sie unterscheidet sich aber auch sonst grundsätzlich von ihrer Figur in anderen Verfilmungen (wo sie eigentlich Beryl heißt und nicht die Tochter ist), sogar so sehr, dass man mit ihr noch sein blaues Wunder erlebt. Sie präsentiert sich auch in einem tragischen Licht, als sie Henry erklärt, sie und ihr Vater wären nach dem Tod der Mutter aus Spanien nach England gekommen und hätten da nur ein ödes Land zur Verfügung, was sie in Armut und Einsamkeit getrieben hat.

Ewen Solon ist als Stapleton sehr markant und einprägsam und damit wesentlich gelungener als Morton Lowry in der 39er-Verfilmung.

Christopher Lee darf, nach seinen vorhergehenden Rollen als Frankensteins Monster und Dracula, mal einen menschlicheren Part als Henry Baskerville zum Besten geben. Allerdings sollte es nicht lange dauern, bis er sich als "The Mummy" einbalsamieren lassen muss.

Handwerklich kann man diese Verfilmung als recht gelungen bezeichnen. Der Hund selbst hätte, wie bei anderen Versionen, etwas öfters in Erscheinung treten dürfen. Man hört ihn zwar immer wieder mal heulen, sieht ihn aber erst am Schluss wirklich. Optisch ist er einigermaßen gelungen, auch wenn`s später bessere gab. Ich denke da mal an den Hund von 1983. Aber zumindest sieht er nicht aus wie Nachbars Fifi, sondern doch einigermaßen martialisch.

Gut gefällt mir auch die Szene mit der Tarantel, auch wenn die relativ wenig giftigen Großspinnen als Mordwerkzeug aus heutiger Sicht nicht mehr ganz ernst zu nehmen sind. Aber das hatten wir ja auch später noch bei James Bond und Edgar Wallace. Etwas über-dramatisiert ist die Aktion, bei der Holmes die Spinne mit seinem Stock von Henrys Schulter streift und dann mit nicht weniger als 4 Hieben tötet.
Der Streifen wurde mit kleinen Veränderungen angereichert, damit die, doch schon sehr bekannte, Story nicht in jeder Hinsicht vorhersehbar bleibt. Obwohl ich ein großer Fan der Basil Rathbone Filme bin, ziehe ich diesen "Hund" dem seinen vor.

Alles in Allem eine recht gelungene Verfilmung des Stoffes und damit 4,5 von 5.

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