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Dieses Thema hat 139 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
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patrick Offline




Beiträge: 2.936

14.01.2018 15:23
#136 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten

Vampire Circus (Circus der Vampire, 1971)



Regie: Robert Young

Produktion: Hammer Film Productions, GB, Drehzeit: 09.08.1971 bis 21.09.1971

Mit: Adrienne Corri, Anthony Higgins, John Moulder-Brown, Lynne Frederick, Laurence Payne, Thorley Walters, Richard Owens, Elizabeth Seal, Robin Hunter, Domini Blythe, Robert Tayman, David Prowse, Skip Martin, Lalla Ward


Handlung:


Der Vampirgraf Mitterhaus versetzt ein österreichisches Dorf im 19.Jahrhundert in Angst und Schrecken. Er tötet Kinder, von deren Blut er sich ernährt, und verführt die Frau eines Lehrers. Als den Dorfbewohnern sein teuflisches Treiben zu bunt wird, beschließen sie, sich nichts mehr gefallen zu lassen. Sie fassen den Mut der Verzweiflung und können den Grafen in seinem Schloss trotz seiner unmenschlichen Kräfte unschädlich machen, indem sie ihm im Kampf einen Pfahl durchs Herz jagen. Bevor er sein Leben aushaucht, verflucht er das Dorf und vor allem dessen Kinder. Tatsächlich greift daraufhin eine unheilbare Seuche um sich und die Dorfbewohner werden unfreiwillig unter Quarantäne gestellt, indem jeden, der die Grenzen übertritt, ein Kugelhagel erwartet. 15 Jahre nach der Vernichtung des Grafen kommt ein Wanderzirkus in's Dorf, der für Abwechslung sorgen sollte. Allerdings ahnt niemand, dass es sich bei den Artisten um Vampire und deren Helfershelfer handelt, die gekommen sind, um den Grafen Mitterhaus zu rächen...

Anmerkungen:

Inspiriert durch den Erfolg der Karnstein-Filme hat Hammer dem Vampir-Genre eine weitere Alternative zum, mittlerweile ausgereizten, Dracula-Stoff beigesteuert und dabei erneut ein sehr phantasievolles Händchen bewiesen. Die Circus-Atmosphäre an sich ist Geschmackssache und vermag mich persönlich, im Vergleich zu den sonst üblichen alten Gemäuern, nicht so recht zu befriedigen. Trotzdem hat man sich sehr viel Mühe dabei gegeben, die Blutsauger möglichst gefährlich und bösartig auftreten zu lassen. Sie vermögen hier wie Geister aus dem Nichts aufzutauchen und können sich nicht nur in Fledermäuse, sondern auch Raubtiere, usw. verwandeln. Dies wird durch, bisher bei Hammer eher ungewohnte, aber trotz ihrer Einfachheit sehr wirkungsvolle Effekte umgesetzt. Die Grausamkeiten werden forciert und auch die auffallend ausgiebig gezeigten Kindermorde sind in den mittlerweile angebrochenen 70ern kein Tabuthema mehr. Man muss Letzteres natürlich insoweit relativieren, dass es sich ja um, von der Realität entrückte, Vampir-Morde handelt, die keine ernsthaften Vergleiche zu tatsächlichen Gräueltaten provozieren. Die Sex-Szenen sind freizügiger geworden, wenn auch aus heutiger Sicht freilich keine große Sache mehr. Bizarre Gestalten, allen voran eine merkwürdige und graziöse nackte Tigerfrau, werten den visuellen Reiz deutlich auf. Der Vampirbiss hält plakativer als bisher symbolisch für den Sexualakt her, was in einer überzeichneten Extase und Hörigkeit der Frauen seinen Ausdruck findet.

Trotz zahlreicher Neuerungen ist Hammers Handschrift nach wie vor unverkennbar, da von der stilistischen Grundstruktur (noch) nicht abgegangen wird und unnötige Modernisierungen außen vor bleiben. Es handelt sich auch hier um einen "Old-School-Film" der nur mit etwas mehr Blut, Sex und (einfacher) Tricktechnik angereichert ist. David Whitakers Musik folgt dem aufpeitschenden und düsteren Stil älterer Hammer-Tage.

Als muskelbepackter Vampir-Helfer hat übrigens Davie Prowse (geb.1935), der seinen über 2 Meter großen und voll durchtrainierten Körper später als Darth Vader in den Dienste von "Star Wars" stellte, einen Auftritt. In einer frühen Rolle als Teenager ist die liebreizende Lynne Frederick (1954-1994) zu sehen, deren Leben als letzte Ehefrau und Witwe des Komikers Peter Sellers einen tragischen Verlauf nehmen sollte.

Fazit:

Sehr grausame und temporeiche Horrorshow, die in jeder Hinsicht frisches Blut in das Vampir-Genre fließen lässt und hauptsächlich Darsteller präsentiert, die bisher bei Hammer noch nicht in Erscheinung getreten sind. Bei den Gewölben, die schon sehr nach Billig-Kulisse miefen, hat man sich allerdings weniger in's Zeug gelegt. Das Zirkus-Milieu ist als Schauplatz für einen Gruselfilm einerseits gewöhnungsbedürftig, andererseits wieder recht geschickt eingebracht, was im Gesamtbild 3,5 von 5 Punkten rechtfertigt.

patrick Offline




Beiträge: 2.936

21.01.2018 19:46
#137 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten

The Evil of Frankenstein (Frankensteins Ungeheuer, 1963)



Regie: Freddie Francis

Produktion: Hammer Film Productions, GB, Drehzeit: 14.10.1963 - 16.11.1963

Mit: Peter Cushing, Sandor Elès, Katy Wild, Peter Woodthorpe, Duncan Lamont, David Hutcheson, James Maxwell, Kiwi Kingston


Handlung:

Nachdem Dr.Frankenstein aufgrund seiner unethischen Experimente das Dorf, in dem er sich niedergelassen hat, verlassen muss, kehrt er mit seinem Gehilfen Hans auf sein heimatliches Schloss zurück, aus dem er einst aus den gleichen Gründen ebenfalls vertrieben wurde. Als er erkannt wird, fliehen sie in die Berge, wo sie ein taubstummes Mädchen treffen, das jene Kreatur entdeckt hat, die Frankenstein einst geschaffen hatte. Diese ist in Eis eingefroren, wird allerdings von den Männern geborgen und in Frankensteins Schloss zu neuem Leben erweckt. Frankenstein nimmt daraufhin die Dienste eines dubiosen Hypnotiseurs in Anspruch, der im Dorf ebenfalls unerwünscht ist, und sich des Monsters annehmen sollte. Allerdings missbraucht er es für seine Rache...

Anmerkungen:

"The Evil of Frankenstein" ist wohl jener Film der Reihe, der am stärksten an die alten Universal-Klassiker der 30er-Jahre erinnert. Das Monsters durfte in Punkto Aussehen erstmals an Boris Karloff angelehnt werden, kann jedoch mit dessen Interpretation weder optisch noch dem Wesen nach mithalten. Die Maske wirkt viel zu künstlich und sieht aus wie ein aufgesetzter Gipskopf, aus dem echte Augen herausglotzen. Aufgrund der Starrheit ist kein Minenspiel möglich, wie es Karloff so schön beherrschte. Der Unhold fungiert hier lediglich als Marionette und lässt den tragischen Tiefgang des künstlich erschaffenen Wesens vollständig missen. Stattdessen werden Action und Unterhaltungswert stärker akzentuiert, was im Endergebnis eine zwar eher oberflächliche, aber dennoch sehr kurzweilige, Geschichte ausmacht. Ein großer Pluspunkt ist, wie gewohnt, Peter Cushing, der einmal mehr ausgesprochen überzeugend und mit vollem Engagement bei der Sache ist. Er spielte ja grundsätzlich alle seine Rollen mit einer Hingabe, als ob es Shakespeare wäre, was ihn von vielen anderen Horror-Darstellern, vor allem aus späteren Jahren, deutlich abhebt. Neben einigen Anleihen bei Universals 30er-Jahre-Filmen erlaubt man sich hier auch einen Abstecher in eine Eislandschaft, was, wenn auch etwas anders, Teil des Romans von Mary Shelley ist.

Dr.Frankensteins Persönlichkeit, die in der Hammer-Reihe ja sehr inhomogen angelegt ist, wirkt im vorliegenden Film zwar keineswegs heilig, aber doch recht gesittet, im Vergleich zu den skrupellosen und mörderischen Tendenzen, die er in anderen Teilen zum Besten gibt. Aufgrund der begrenzten Entfaltungsmöglichkeiten eher belanglos ist Katy Wilds (geb.1941) Darstellung des taubstummen Mädchens, das Frankenstein bei sich aufnimmt. Sie wirkte übrigens 1964 auch in dem, ebenfalls von Freddie Francis gedrehten, Edgar-Wallace-Film "Das Verrätertor" in einer Nebenrolle mit.

Der Bürgermeister des Dorfes und seine Exekutivbeamten erscheinen etwas skurril und verschroben, fast schildbürgerhaft, und lassen eine leise humoristische Note durchschimmern, die durch diverse Monster-Morde in deren Reihen freilich wieder abgeschwächt wird.

Fazit:


Dramaturgisch ansprechender Film, der auf den Tiefgang des Frankenstein-Themas zwar vollständig verzichtet und dem man eine gewisse Naivität nicht absprechen kann, der jedoch keineswegs am Unterhaltungswert krankt. 4 von 5 Punkten.

patrick Offline




Beiträge: 2.936

30.01.2018 21:10
#138 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten

The Curse of the Mummy’s Tomb (Die Rache des Pharao, 1964)



Regie: Michael Carreras

Produktion: Hammer Film Productions, GB, Drehzeit: 24.02.1964 - 27.03.1964

Mit: Terence Morgan, Ronald Howard, Fred Clark, Jeanne Roland, George Pastell, Jack Gwillim, John Paul, Dickie Owen, Jill Mai Meredith, Michael Ripper



Handlung:

Im Jahre 1900 findet eine Gruppe von Archäologen in Ägypten eine Mumie, die nach England transportiert wird, wo sie von dem geschäftstüchtigen Alexander King im Rahmen eines Showprogramms ausgestellt werden sollte. Allerdings verschwindet die Mumie nicht nur spurlos, sondern wird auch noch zum Leben erweckt und startet bald einen tödlichen Rachefeldzug…

Anmerkungen:

Es handelt sich hier nach „The Mummy“ um Hammers zweiten Mumienfilm, der trotz des großen Erfolgs mit diesem Thema ungewöhnlich lange ausständig blieb. Franz Reizensteins hervorragende monumentale Musik des 1959er-Streifens wird dabei recycelt und auch die Handlung selbst ist sehr ähnlich gestrickt. Ein einbalsamierter Wiedergänger macht jenen den Garaus, die auf seine ewige Ruhe pfeiffen und hat darüber hinaus noch ein Hühnchen mit seinem deutlich hübscheren und zum ewigen Leben verurteilten Bruder zu Rupfen, was nun mit 3000 Jahren Verspätung ausgetragen wird. Letzterem ist dies mehr als Recht, da er seiner Unsterblichkeit schon lange überdrüssig ist und die Übel dieser Welt hinter sich lassen will. Aufgrund eines Fluches kann ihm nur sein mumifizierter Bruder, um dessen Bereitschaft er nicht lange bitten muss, das Lebenslicht löschen. Damit das angesteuerte "Familiendrama" nicht allzu geradlinig verläuft, kommt es, natürlich Dank einer Frau, zum Konflikt zwischen den Freaks.

Der Film ist stellenweise auffallend brutal, indem er einige für damalige Verhältnisse recht grenzwertige Verstümmelungen zeigt. Wo ein Biest ist, ist natürlich auch die Schöne nicht weit. Diese wird von Jeanne Roland (geb. 1937 oder 1942) gespielt, die gleichzeitig ihr Debut gibt und im späteren Verlauf Ihrer kurzen Karriere, die auch den Bond-Film „Man lebt nur zweimal“ verbuchen sollte, nicht mehr großartig auffiel. Sie wird übrigens per Synchro mit einem französischen Akzent ausgestattet.

Sehr schön anzusehen sind die satten 60er-Jahre-Farben. Die relativ grausame Anfangssequenz zeigt eine sehr offensichtliche Studiokulisse, was diesem und vielen anderen Filmen des Genres aber einen eigenen Charme verleiht. Die Hauptrollen sind mit Darstellern besetzt, die nicht zur etablierten Hammer-Riege gehören, aber beweisen, dass diese Filme auch ohne Cushing und Lee funktionieren können. Für den Wiedererkennungswert hält wieder einmal Michael Ripper in einer seiner vielen kleinen Rollen her und wird als Mumienwächter nach ca.15 Minuten in's Jenseits befördert. Der Zypriot George Pastell (1923-1976) wiederholt lediglich seine Rolle aus "The Mummy".

Christopher Lee hatte aufgrund seiner inzwischen deutlich gewachsenen Popularität aus verständlichen Gründen kein Interesse mehr daran, sich in Leinen einbinden zu lassen, weshalb der Stuntman Dickie Owen (1927-2015) den Zuschlag für den Monster-Part bekam. Dieser bemühte sich sichtlich darin, die Mumie ähnlich brachial auftreten zu lassen.

Ein besonderes Schmankerl ist das angewandte Techniscope-Verfahren (2,35:1), welches ein auffallend weitwinkeliges Bild ermöglicht.

Fazit:


Flott, spannend und farbenprächtig inszenierter Low-Budget-Film, wie ihn nur die Briten so rasch und geschickt runterzukurbeln verstanden. Wie bei Hammers Mumienfilmen üblich, wird zwar eine keineswegs neue, dafür aber sehr unterhaltsame, Geschichte geboten. Auch auf die Atmosphäre kann man sich verlassen. 4 von 5 Punkten.

patrick Offline




Beiträge: 2.936

15.02.2018 21:25
#139 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten

Blood from the Mummy's Tomb (Das Grab der blutigen Mumie, 1971)



Regie: Seth Holt, Michael Carreras

Produktion: Hammer Film Productions, GB, Drehzeit: 11.01.1971 - Februar 1971

Mit: Andrew Keir, Valerie Leon, James Villiers, Hugh Burden, George Coulouris, Mark Edwards, Rosalie Crutchley, Aubrey Morris


Handlung:

Ein Archäologenteam rund um Prof.Fuchs entdeckt in Ägypten einen Sarkophag mit dem einwandfrei erhaltenen Leichnam der altägyptischen Königin Tera. Der Fund ereignet sich zeitgleich mit der Geburt von Fuchs Tochter Margaret in England, bei der die Mutter stirbt. Als Margaret zur Frau heranreift, ist sie das unverkennbare Ebenbild der toten Tera. Sehr bald gerät sie mehr und mehr unter den Einfluss des Geistes der ägyptischen Königin, deren böse Macht sich in ihr entfaltet. Für all jene, die in die Grabkammer eingedrungen sind und Relikte daraus entwendet haben, sollte dies fatale Folgen haben...

Anmerkungen:

Im Gegensatz zur Erwartungshaltung, den dieser Titel wohl heraufbeschwört, handelt es sich um keinen richtigen Mumienfilm, da Königin Tera gar nicht in Leinen einbalsamiert wurde, sondern durch ihre dunkle Macht den eigenen Leichnam vor der Verwesung zu bewahren vermochte. Nachdem Hammers vorhergehende drei Mumienfilme alle ähnlich gestrickt waren, wird hier eine ganz andere Story erzählt, was aber trotzdem keinen frischen Schwung in das Thema zu bringen vermag. Die Geschichte ist nicht nur eine Abfolge von wesentlich weniger reizvollen Bildern, als von früheren Filmen her gewohnt, sondern kann auch deren Atmosphäre nicht das Wasser reichen. Der Plot ist bestenfalls durchschnittlich und zieht sich insgesamt schon etwas dröge dahin. Derartige Schwächen können auch durch die grausamen Tötungsszenen nicht kompensiert werden. Leider sind diese ziemlich kurios. Die Antwort darauf, warum ein immer sehr plötzlich einsetzender Wind, den der Fluch mitbringt, aufgeschlitzte Kehlen hinterlässt, bleibt dieser Film jedenfalls schuldig. Recht originell ist lediglich die herumkrabbelnde abgehackte Hand.

Bei der Sichtung dieses, im Ouvre wenig herausragenden, Streifens kann man sich der auflodernden Sehnsucht nach Hammers 60er-Jahren kaum mehr erwehren. Auch wenn die zwischen 1959 und 1967 gedrehten Mumienfilme sich nicht unbedingt großartig voneinander unterscheiden, um nicht zu sagen eigentlich alle gleich angelegt sind, hatten sie neben einer tollen Atmosphäre auch eine grandiose Musik und schöne Farben zu bieten, was man sich gerne ofters ansieht. All dies kommt in diesem Streifen viel zu kurz. Als Hammer-Fan darf man sich mit Fug und Recht fragen, was hier wohl passiert ist und warum die über die Jahre so sorgfältig ausgearbeitete Expertise offensichtlich über Bord gegangen ist. Dabei war der, leider während der Dreharbeiten verstorbene, Seth Holt (1923-1971) alles andere als ein Neuling, konnte er doch zehn Jahre zuvor den hervorragenden "Scream of Fear" (Ein Toter spielt Klavier) und 1965 "The Nanny" auf seinem Hammer-Konto verbuchen. Die Frage, ob der Film besser geworden wäre, hätte er ihn zu Ende drehen können, lässt Raum für Spekulationen offen. Das immerhin schon zu etwa 80 Prozent von ihm fertig gedrehte Filmmaterial deutet jedenfalls nicht darauf hin.

Auch von den Darstellern wird man nicht abgeholt. Einzig der souveräne Andrew Keir schlägt sich tapfer, vermag aber bei diesem, in nicht allzu berauschender Bildersprache dahinplätschernden, Film aus der hinteren Ecke der Hammer-Sammlung auch keine Wunder mehr zu vollbringen. Die hübsche Valerie Leon (geb.1943 oder 1945) bleibt trotz ihrer weiblichen Vorzüge eher ausdrucksschwach. Der sich in ihrem Körper vollziehende Wandel der Persönlichkeit von Margaret zu Königin Tera und umgekehrt wirkt nicht sonderlich originell gespielt. Mit ihr durfte sich Sean Connery alias James Bond übrigens 1983 in "Sag niemals nie" im Bett vergnügen.

Gaben Hammers Vampir-Filme Anfang der 70er-Jahre noch durchaus kräftige Lebenszeichen von sich, erzeugte die Neuausrichtung des Mumienthemas keinen neuen Schub, womit dessen Schicksal dann auch besiegelt war.

Das Filmteam selbst schien den Fluch von Königin Tera auf sich geladen zu haben, denn der an Stelle von Andrew Keir ursprünglich vorgesehene Peter Cushing erhielt nach nur einem Drehtag die schreckliche Nachricht vom kritischen Zustand seiner über alles geliebten Frau Helen, die noch in derselben Woche verstarb. Für Cushing war damit ein Weiterarbeiten an der Produktion ausgeschlossen. Regisseur Seth Holt erlag ca. eine Woche vor dem geplanten Ende der Dreharbeiten einem schweren Herzinfarkt und hinterließ ein chaotisch anmutendes Filmmaterial, das den nun einspringenden Michael Carreras (1927-1994) vor ein Rätsel stellte. Nachdem zuerst erwogen wurde den Film völlig neu zu drehen, beschloss Carreras sich in Holts Gedankenwelt hineinzuversetzten und dessen Stil so gut es ging zu kopieren. Unter solch widrigen Umständen wurde der Film schließlich fertiggestellt.

Fazit:

Trotz der literarischen Vorlage aus der Feder des vielversprechenden Bram Stoker, bleibt "Blood from the Mumy's Tomb" der schwächste Beitrag, den Hammer zur Störung der Totenruhe altägyptischer Könige geleistet hat. Damit bildet der vorliegende Streifen einen schmerzlichen Kontrast zu jenen Filmen, mit denen die britische Filmfirma sich ihren Namen gemacht hat. 2 von 5 Punkten.

patrick Offline




Beiträge: 2.936

23.02.2018 07:57
#140 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten

The Vampire Lovers (Gruft der Vampire, 1970)



Regie: Roy Ward Baker

Produktion: Hammer Film Productions, GB, Drehzeit: 19.01.1970 - 04.03.1970

Mit: Ingrid Pitt, Madeline Smith, Kate O’Mara, Peter Cushing, Douglas Wilmer, Pippa Steele, Jon Finch, George Cole, Ferdy Mayne, Dawn Addams, Kirsten Lindholm, John Forbes-Robertson


Handlung:

Die attraktive Vampirin Mircalla treibt in der Steiermark des 19.Jahrhunderts ihr Unwesen. Sie findet in verschiedenen Orten Unterkunft und freundet sich dort mit jungen Frauen an, die sie verführt um sich anschließend an deren Blut zu laben. Für ihre Opfer hat dies in der Regel tödliche Folgen. Eine Gruppe unerschrockener Männer nimmt daraufhin die Hilfe des Vampirjägers Baron Hartog in Anspruch, der seine Schwester rächen will und fest entschlossen ist, die verschlagene Mircalla unschädlich zu machen. Dazu begeben sie sich in das Schloss der gefürchteten Karnstein-Familie, die schon früher mit Ausnahme von Mircalla von Hartog durch Pfählen und Köpfen unschädlich gemacht werden konnte. Die Zeit drängt allerdings, da auch das jüngste Opfer bereits mit dem Tode ringt...

Anmerkungen:


Der vorliegende Film ist der erste Teil der Anfang der 70er-Jahren entstandenen Karnstein-Trilogie und bringt ein bis dahin völlig ungewohntes lesbisches Element ein. Trotz ihres späten Einstiegs bei Hammer und ihres kurzen Verweilens bei diesem Genre, sollte die gebürtige Polin Ingrid Pitt (1937-2010) zur Ikone avancieren. Als bildhübsche und auffallend wohlgeformte Vampirin Mircalla pflegt sie einen freizügigen und unverklemmten Umgang mit dem eigenen Körper, was die männlichen Zuseher in den Genuss ungenierter Nacktaufnahmen bringt. Lustmolche dürften durchaus Gefallen an ihr finden. Allerdings macht sie sich rein gar nichts aus Männern und lässt ihre Verführungskünste lediglich auf junge Mädchen los. Die gleichgeschlechtlichen Liebesszenen bleiben dabei jedoch dem Zeitgeist entsprechend recht zurückhaltend. 1970 waren sie allerdings noch ziemlich starker Tobak, was den Produzenten einen harten Kampf mit der Zensur einhandelte. Es geht Mircalla nur ein Mann in Gestalt eines Dieners in's Netz, den sie für ihre Zwecke einspannt und danach tötet.

Eigentlich war ursprünglich Goldfinger-Girl Shirley Eaton (geb.1937) für die Hauptrolle vorgesehen, doch wurde dieser Gedanke wegen ihres "fortgeschrittenen" Alters von 33 Jahren wieder verworfen. Kurioserweise wurde Ingrid Pitt im selben Jahr geboren wie Eaton. Dennoch überzeugt sie als Vampir-Maid mit jugendlicher Frische.

Der Streifen gefällt aufgrund seiner ausgeprägten Gothic-Atmosphäre. Die Horrorszenen selber sind zwar nicht übermäßig heftig aber doch angemessen. Der Charakter der Handlung ist ein eher gemächlicher. Trotzdem bleibt der Film durchwegs unterhaltsam. Die Prätitelsequenz zeigt einen ausgesprochen schaurig schönen Einstieg, wie man ihn als Fan von Gruselfilmen der alten Schule einfach lieben muss. Bei den Beiß-Szenen, die Einblick in wirklich tadellose Gebisse gewähren, sind die Münder besonders weit aufgerissen, womit wohl jeder Zahnarzt seine helle Freude hätte.

Die literarische Vorlage lieferte Joseph Sheridan Le Fanu bereits 1871/1872 und war mit seiner Vampirgeschichte 25 Jahre früher dran als Bram Stoker mit dem wesentlich bekannteren Dracula.

Peter Cushing darf dem Treiben Mircallas zwar in gewohnter Manier per Pfahl ein Ende setzen, kommt insgesamt aber etwas zu kurz. Er wurde in erster Linie seines Namens wegens engagiert, da der Film ansonsten mit keinen typischen Hammer-Stars aufwartet.

Als ironisches Detail am Rande darf noch erwähnt werden, dass der in Roman Polanskis Hammer-Persiflage "Tanz der Vampire" als Ober-Vampir agierende Ferdy Mayne (1916-1998) hier die Beisserchen am eigenen Hals zu spüren bekommt. Sehr jugendlich wirkt noch Jon Finch (1940 oder 1942 - 2012), der nur 2 Jahre später in Hitchcocks "Frenzy" in einer gewichtigeren Rolle auffallen sollte. Einen Nebenauftritt hat die schon etwas gealterte Dawn Addams (1930-1985).


Fazit:

Hammer-Film mit sehr starken Gothic-Akzenten und einer spannenden Handlung, was den großen Erfolg beim Publikum rechtfertigt. Das lesbische Element ist zwar nicht jedermanns Sache, stört aber auch nicht unbedingt. Das sich bald vollziehende Auslaufen von Hammers Kult-Ära zeichnet sich hier jedenfalls noch nicht ab. 4 von 5 Punkten.

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