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Dieses Thema hat 139 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
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patrick Offline




Beiträge: 2.936

25.03.2015 08:28
#76 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten

The Devil Rides Out (Die Braut des Teufels)



The Devil Rides Out

Directed by: Terence Fisher
Produced by: Anthony Nelson Keys
Written by: Richard Matheson
Based on: The Devil Rides Out
by Dennis Wheatley

Starring: Christopher Lee, Charles Gray, Patrick Mower, Niké Arrighi, Leon Greene, Gwen Ffrangcon-Davies, Sarah Lawson, Paul Eddington, Rosalyn Landor, Russell Waters
Eddie Powell (uncredited)

Music by: James Bernard, Cinematography: Arthur Grant, Edited by: Spencer Reeve

Production
company: Associated British-Pathé, Hammer Film Productions, Seven Arts Productions

Distributed by Warner-Pathé (UK), 20th Century Fox (US)

Release dates: 20 July 1968 (UK)
Running time:
95 minutes
Country: United Kingdom
Language: English
Budget: £285,000[1]


Handlung:

Nicolas, Duc de Richleau (Christopher Lee), und Rex van Ryn wundern sich, warum Simon, der Sohn eines verstorbenen Freundes, ihrem alljährlichen Treffen ohne Abmeldung fernbleibt und statten diesem einen Besuch ab. Sie platzen mitten in ein Treffen von 13 angeblichen Hobbyastronomen hinein, was Simon sehr peinlich ist, da Außenstehende nicht beiwohnen dürfen. Er versucht daher, seine Freunde höflich hinauszukomplimentieren. Der in esoterischen Dingen kundige Nicolas erkennt sofort, dass es sich um ein Treffen von Teufelsanbetern handelt. Simon und Tanith, ein Mädchen, sollten ihre Taufe erhalten und fix in den Kreis aufgenommen werden, dessen Guru der unheimliche Mocata (Charles Gray) ist. Nicolas rät Simon zwar sehr eindringlich, sich von der schwarzen Magie sofort fernzuhalten und weist auf die großen Gefahren für seine Seele hin, doch ist der Einfluss Mocatas zu groß. Daher schlägt er seinen jungen Freund an Ort und Stelle nieder und bringt ihn zu sich nach Hause, wo er ihn hypnotisiert. Allerdings unterschätzt er die Kraft Mocatas. Simon flüchtet, und Nicolas macht sich, zusammen mit Rex, auf die Suche nach ihm. In dessen Haus entdecken sie ein magisches Buch und beschwören versehentlich einen bösen Dämon herbei, den Nicolas mit einem Gegenzauber verjagen kann.
Am folgenden Tag versucht Rex Tanith, auf die er ein Auge geworfen hat, in Sicherheit zu bringen. Diese flüchtet jedoch mit seinem Auto. Allerdings bleiben er und Nicolas den Teufelsanbetern auf der Spur und beobachten eine schwarze Messe im Freien, wo der Leibhaftige persönlich erscheint. Nicolas und Rex reagieren sofort, indem sie die Scheinwerfer ihres Wagens einschalten und auf den Fürsten der Dunkelheit richten. Dabei werfen sie noch ein Kruzifix auf diesen, woraufhin er verschwindet. Sie zerren Simon und Tanith in ihren Wagen und bringen beide zu Nicolas Nichte Marie und deren Familie in Sicherheit.

Als Nicolas kurz weggeht, kommt Mocata in’s Haus , hypnotisiert Marie, und nimmt telepathischen Kontakt mit seinen beiden verlorenen Jüngern auf, was für Rex, der Tanith bewachen sollte, fast tödlich endet, da ein Mordbefehl suggeriert wird. Allerdings platzt Maries kleine Tochter Peggy in letzter Sekunde hinein, und der Kontakt wird sofort unterbrochen. Mocata verlässt das Haus und droht eine andere Macht an, die vorbeikommen sollte, um die Abtrünnigen zu holen. Dadurch vorgewarnt bilden Nicolas, Simon, Marie und deren Mann Richard einen magischen Kreis, der unter keinen Umständen unterbrochen werden darf. Nocolas hat alle Hände voll zu tun, dies seinen Freunden klar zu machen, da Mocata sowohl eine riesige Spinne, als auch den Engel des Todes erscheinen lässt. Letzterer kann, wenn er einmal gerufen wurde, nicht mit leeren Händen wieder gehen. Nicolas kann ihn mit magischen Worten verjagen, die nur im Augenblick größter Gefahr gesprochen werden dürfen. Allerdings nimmt der Todesengel Taniths Seele mit, und ihr lebloser Körper bleibt zurück.

Die kleine Peggy wird entführt und sollte von Mocata geopfert werden. Die Freunde können dies verhindern, indem sie ihr in letzter Sekunde zur Hilfe eilen und erneut die magischen Worte aussprechen. Mocata und seine Jünger sterben in einer Art Höllenfeuer, und Nicolas und seine Gruppe finden sich in Maries Haus wieder. Die Zeit wurde zurückgedreht und die Realität verändert, was zur Folge hat, dass Tanith lebt. Der Engel des Todes, der auch Raum und Zeit beherrscht, hat in der neuen Realität die Seele mitgenommen, die ihn gerufen hat, nämlich jene von Mocata.

Anmerkungen:

„The Devil Rides Out“ ist ein für das Jahr 1968 insofern sehr ungewöhnlicher Film, dass er sehr altmodisch wirkt. Er handelt nicht nur in den 20er- oder 30er-Jahren, sondern wartet mit einer Story, einer Art der Inszenierung und einer Farbgestaltung auf, die ich intuitiv 5 Jahre früher eingeordnet hätte. Das ist zwar keine nennenswerte Zeitdifferenz, doch in der sich rasch verändernden Welt der 60er-Jahre ein riesiger Sprung. Tatsächlich war der Film ursprünglich auch 5 Jahre früher geplant gewesen.
Man sieht, dass Terence Fisher sich große Mühe gegeben hat, einen düsteren, spannenden und atmosphärischen Okkult-Thriller abzuliefern. Dies ist ihm auch durchaus gelungen. Zwar floppte der Film an den Kinokassen und wurde im deutschsprachigen Raum nicht einmal aufgeführt, doch lag das wohl eher am 68er-Zeitgeist, als an fehlender Qualität. Das erinnert mich etwas an Karl May, wo 1968 zum Abschluss auch noch ein guter Beitrag in`s Kino kam, jedoch in der nüchterner gewordenen Welt keine große Beachtung mehr fand. Im deutschen Fernsehen wurde vorliegender Streifen erst in den 90er-Jahren ausgestrahlt.
Man wird mit zahlreichen Effekten verwöhnt, die sich durchaus sehen lassen können. Neben dem Teufel selbst sieht man eine Riesenspinne (Jack Arnold lässt grüßen), einen Dämon und den Engel des Todes, die ich alle als recht gelungen betrachte.

Christoper Lee als Nicolas, Duc de Richleau, bekleidet eine Rolle, die sehr gut zu ihm passt. Als Mocata ist übrigens Charles Gray (1928-2000) zu sehen, der in den James-Bond- Filmen „Man lebt nur zweimal“ und „Diamantenfieber“ mitgespielt hat. In Letzterem war er als Blofeld zu sehen.

Fazit: Ich ordne diesen Streifen zwar nicht unter Hammers beste Filme ein, finde ihn aber dennoch recht gut. Er ist auf jeden Fall besser als sein nicht vorhandener Ruf, und ich scheue mich nicht ihn als Geheimtipp zu empfehlen. 3,5 von 5.

patrick Offline




Beiträge: 2.936

28.03.2015 15:50
#77 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten

Fear in the Night (The Fear - Angst in der Nacht)



Filmdaten:
Deutscher Titel: The Fear – Angst in der Nacht
Originaltitel: Fear in the Night
Produktionsland: Vereinigtes Königreich
Originalsprache: Englisch
Erscheinungsjahr: 1972
Länge: 94 Minuten
Altersfreigabe: FSK Keine Jugendfreigabe
Stab:
Regie: Jimmy Sangster
Drehbuch: Jimmy Sangster
Michael Syson
Produktion: Jimmy Sangster für Hammer Films
Musik: John McCabe
Kamera: Arthur Grant
Schnitt: Peter Weatherly

Besetzung:
Peter Cushing: Michael Carmichael, Judy Geeson: Peggy Heller, Joan Collins: Molly Carmichael, Ralph Bates: Robert Heller, James Cossins: Arzt, Gillian Lind: Mrs. Beamish, John Bown: erster Polizist, Brian Grellis: zweiter Polizist


Handlung:

Die Lehrerin Peggy Heller ist im Begriff, auf‘s Land zu ziehen und dort, zusammen mit ihrem Mann Robert, auf einer Knabenschule zu unterrichten. Noch in London wird sie von einem unbekannten Angreifer von hinten attackiert. Bei dem Gerangel verliert dieser eine Armprothese. Peggy wird bewusstlos von ihrer Haushälterin aufgefunden, die einen Arzt ruft. Man glaubt ihr die Geschichte allerdings nicht, da sie bereits früher einen Nervenzusammenbruch erlitten hatte.

Schließlich folgt sie ihrem Mann auf‘s Land, wo sie sogleich die Gelegenheit wahrnimmt, die Privatschule zu besichtigen. Dort hört sie in dem, während der Semesterferien eigentlich leeren, Gebäude, einen Knabenchor und Stimmen, die plötzlich wieder verstummen. Sie trifft Michael Carmichael (Peter Cushing), den Direktor der Schule, welcher offenbar alleine im Gebäude ist. Als er Peggy hilft, ihr Haarband zu öffnen, ist für den Zuseher erkennbar, dass er eine Armprothese trägt. Später im Haus wird Peggy erneut von einer Person mit Prothese von hinten angegriffen und bewusstlos aufgefunden; diesmal von ihrem Gatten. Wieder wird die Geschichte ihrer psychischen Labilität zugeschrieben.

Später lernt Peggy auch Michaels Frau Molly (Joan Collins) kennen, mit der sie nicht warm wird. Diese erschießt vor ihrer Nase einen Hasen, fertigt unheimliche Skulpturen an und gibt Peggy zu verstehen, der Ort wäre nicht das Richtige für sie. Als Robert in Michaels Auftrag in die Stadt muss, nimmt Peggy ein Gewehr mit in’s Haus, um sich sicherer zu fühlen. Plötzlich taucht Michael dort auf, und Peggy erkennt, dass er eine Armprothese trägt. Sie schießt ihn zwar nieder, doch steht dieser wieder auf. Als sie erneut auf ihn schießt, gehen seltsamerweise nur seine Brillengläser zu Bruch. Danach folgt ein Szenenwechsel.

Robert kommt nach Hause und findet seine Frau völlig verändert und apathisch vor. Als er eine Blutlache entdeckt und wissen will, was passiert sei, gibt sie emotionslos zu verstehen, dies nicht zu wissen. Robert sucht nach einer eventuellen Leiche, kann aber nichts finden. Dann eröffnet er Peggy, dass die Schule nach einem Brand im Jahre 1963, wo zahlreiche Schüler den Tod fanden, geschlossen werden musste. Michael wurde beim Rettungsversuch verletzt und konnte die Begebenheit nie verkraften, weshalb er täglich über Lautsprecher Mitschnitte aus dem Schulalltag laufen lässt und diesen immer wieder nachspielt. Robert, den Michael damals im Krankenhaus kennengelernt hat, wurde nur engagiert, um dessen Spiel mitzumachen. Doch ist das nicht die ganze Wahrheit…

Anmerkungen:

„Fear in the Night“ orientiert sich eindeutig an Hammers Schwarzweißthrillern der 60er-Jahre, hat allerdings nicht deren atmosphärische Dichte. Zwar ist der Plot nicht ohne Spannung, doch hat man das Gefühl, alles schon mal besser gesehen zu haben. Junge Lady soll in den Wahnsinn getrieben werden. Das hatten wir doch schon. Oder? Hier wurde sowohl bei „Scream of Fear“, als auch bei „Nightmare“ Anleihe genommen.

Die Aufnahmen und Farben wirken zu alltäglich, was wohl den nüchterneren 70er-Jahren geschuldet ist. Im Gegensatz zu Hammers Horrorfilmen wurden diese hier wesentlich weniger geschickt eingesetzt, um Atmosphäre zu schaffen. Die altbekannten „überraschenden“ Wendungen kommen etwas plump daher. Peter Cushing wurde ziemlich verheizt. Seine Auftritte sind recht spärlich und eindimensional. Auch gibt er mit der ganz passablen Joan Collins ein sehr ungleiches Paar ab. Die Beiden treten übrigens in keiner einzigen Szene zusammen auf.

Ralph Bates (1940-1991) wirkt auf mich sehr farblos und auch Judy Geeson (geb.1948) hat nicht die Ausstrahlung früherer Hammer-Ladies.

Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Hammer sich 1972 bereits seinem Ablaufdatum näherte, ist der Streifen dennoch einigermaßen akzeptabel, wenn auch weit weg von der Spitzenklasse.

Fazit: Guter Durchschnitt, der bei der ersten Sichtung durchaus zu unterhalten versteht, jedoch nicht den Charme zum immer wieder gern sehen ausstrahlt. 3 von 5.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.502

28.03.2015 15:52
#78 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten



Nachts kommt die Angst / Furcht in der Nacht (Fear in the Night)


Gruselkrimi, GB 1972. Regie: Jimmy Sangster. Drehbuch: Jimmy Sangster, Michael Syson. Mit: Judy Geeson (Peggy Heller), Ralph Bates (Robert Heller), Peter Cushing (Schuldirektor Michael Carmichael), Joan Collins (Molly Carmichael), James Cossins (Arzt), Gillian Lind (Mrs. Beamish), John Brown (erster Polizist), Brian Grellis (zweiter Polizist) u.a. Uraufführung (GB): 9. Juli 1972. Uraufführung (USA): Oktober 1974. Eine Produktion der Hammer Film Productions.

Zitat von Nachts kommt die Angst / Furcht in der Nacht
Peggy war bis vor Kurzem in psychologischer Behandlung. Die Heirat mit dem Lehrer Robert, der an einem exklusiven Internat auf dem Land unterrichtet, scheint Peggy zunächst zu stabilisieren, doch als sie ihn an seinen Arbeitsplatz begleitet, brechen ihre Angstzustände wieder durch. Peggy glaubt, im Schuldirektor Carmichael jenen Angreifer wiederzuerkennen, der sie eines Nachts in ihrem Badezimmer überfallen hatte. Wie der schwarzgekleidete Unbekannte verfügt auch Carmichael über eine Armprothese. Will der Sonderling Peggy in den Wahnsinn treiben? Sie setzt sich mit der Jagdflinte ihres Mannes zur Wehr ...


Auch wenn sich die Welt seit den ersten Thriller-Experimenten der Hammer Film massiv verändert hatte, so herrschen in „Nachts kommt die Angst“ doch nach wie vor eine klassische Eleganz und die gewohnte Geschichte der bedrohten jungen Frau vor. Dass Jimmy Sangsters Drehbuch seinen früheren Arbeiten für das Studio ähnelte, leugnet der Autor gar nicht. Und es ist auch kaum verwunderlich, wenn man bedenkt, dass die erste Variante des Scripts bereits 1963 entstand. Bei dessen Verjüngung fürs Produktionsjahr 1972 ging Michael Syson behutsam vor, vermied alle zeitgeistigen Geschmacklosigkeiten – selbst grelle Farben bekommt der Zuschauer mit Ausnahme einiger Spritzer allzu roten Blutes nicht zu sehen. Stilvoll bedient der Film in Herbstaufnahmen und Landhausszenen eine Palette gedeckter grüner, orangener und brauner Farbtöne, während sich das Schwarze als Quell des Bösen und Nahrung unterschwelliger Ängste entpuppt. Allein der Anblick eines dunklen Lederhandschuhs genügt, um in Peggy Entsetzen auszulösen.



Was Syson in seiner an sich gelungenen Adaption der Sangster-Vorlage angelastet werden muss, ist die fehlende Substanz des Drehbuchs. Sangster, der auch im Regiestuhl platzgenommen hatte, erinnert sich:

Zitat von Jimmy Sangster: Audiokommentar zu „Fear in the Night“
[Some] interminably long shots [of Peggy walking around] were mainly because I noticed about halfway through the shooting we were running rather short with screentime. I thought we were gonna finish with an 80-minute picture and I was supposed to get at least 90 minutes (I know eventually they cut it down to 86), so I held walks a lot longer than I would normally have done. I didn’t take cuts as soon as I would, trying to get in extra screentime which, in fact, slowed everything down to such an extent it was boring.


Mit ein wenig Wohlwollen mag man den überlangen Erkundungssequenzen im Internatsgebäude die Leistung zusprechen, die unheilschwangere Atmosphäre des Ortes derart greifbar zu machen, dass das Hereinbrechen der Spannungsmomente eine umso beeindruckendere Wirkung erzielt. Dies schließt in erster Linie die Auftritte Cushings ein, die so effektiv aufgenommen wurden, dass sein strammer Zeitplan im ersten Moment gar nicht auffällt. Der Schauspieler konnte sich nur für vier Drehtage freimachen, was dazu führte, dass er ausschließlich in Szenen mit Judy Geeson zu sehen ist. Beinah wird der Eindruck erweckt, als handele es sich bei dem unheimlichen, beinahe viktorianisch gekleideten Pädagogen, der Galgenschlingen knotet und mit unsichtbaren Schülern Lateinstunden abhält, um eine Gestalt, die allein Peggys Fantasie entspringt. Umso mehr, als Cushing und Joan Collins ein sehr ungleiches Ehepaar bilden. Collins erhielt aufgrund ihres bekannten Namens eine Nennung an zweiter Stelle im Vorspann, obwohl sie erst nach über 40 Minuten zum ersten Mal zu sehen ist. Dass sie das übrige Filmteam offenbar auch gern an ihr Renommee erinnerte, ändert nichts an dem Umstand, dass sie als Eisprinzessin genau wie die anderen drei Hauptdarsteller eine makellose Leistung ablieferte.



Obgleich „Nachts kommt die Angst“ recht gut von seiner dauernden Atmosphäre der Bedrohung lebt und in dieser Beziehung auch auf die erlesenen Schauplätze in Letchmore Heath und Aldenham Country Park Verlass ist, wäre doch nichts gegen eine etwas drastischere Erzählweise einzuwenden gewesen. Die Ausgangslage hätte problemlos einen noch stärkeren Teufelskreis für Peggy Heller zugelassen, ohne damit die Auflösung unglaubwürdiger wirken zu lassen. Trotz der düsteren Szenen ereignet sich ein Mord erst kurz vor Schluss des Films; des Weiteren hätten gewisse Wendungen stärkerer Reaktionen bedurft:

Zitat von Tipping My Fedora: „Fear in the Night“, Quelle
The finale, while eschewing the ingenious if absurd twists at the end of Crescendo (1970), is more straightforward but well handled and fairly dynamic none the less and does take care to introduce a new element into the narrative, and does so very smoothly. Having said that, it does seem to miss a few tricks, not making enough of Peggy’s eventual realisation that the headmaster only has one arm. And there are quite a few of the twists in the latter parts of the story which, as so often with Sangster, are delivered verbally and almost thrown away in a matter-of-fact way with a surprising lack of drama or build-up. And there are probably too few red herrings – the meetings with the psychiatrist in particular, while suggestive, ultimately lead nowhere.


Auch wenn „Nachts kommt die Angst“ vom dramaturgischen Standpunkt nicht ganz ausgereift ist und etwas an Temposchwierigkeiten krankt, so gelang Jimmy Sangster doch ein atmosphärisch ungemein dichter Gruselstreifen im klassischen Look. Peter Cushing befördert seine Rolle mit einem sparsamen Szenen- und Gestenrepertoire zur interessantesten des Films, während Joan Collins wunderbar zickig aufspielt und Judy Geeson sich bravourös fürchtet. Im Gegensatz zu einigen ihrer früheren, zu naiven Rollenkolleginnen schafft es ihre Peggy, den Zuschauer von ihrer angespannten Situation zu überzeugen und mit ihr bangen zu lassen. Non mortem timemus, sed cogitationem mortis. 3,5 von 5 Punkten.



Die DVD von Studio Canal / Optimum Releasing (UK-Import): Bei der Veröffentlichung von Studio Canal und Optimum handelt es sich um einen Bestandteil der Reihe „The Hammer Collection“, der im Wesentlichen Horrorfilme, aber auch einige Thriller beinhaltet. Die Titel sind sowohl in einer Sammelbox als auch einzeln zu erwerben. Der Filmtransfer überzeugt durch angenehme Farbwerte und Schärfe, die für eine solide Restaurierung sprechen. Leider wird der englische Ton nicht von Untertiteln begleitet, dafür aber legten sich die Labels anderweitig ins Zeug: Neben dem Original-Kinotrailer bieten sie einen Audiokommentar aus dem Jahr 2000, in dem Hammer-Experte Marcus Hearn (verschiedene Publikationen, u.a. „The Hammer Story“ und „The Hammer Vault“) den Regisseur, Drehbuchautor und Produzenten des Films Jimmy Sangster, der ja seines Zeichens eine richtiggehende Hammer-Legende ist, interviewt. Die beiden lassen die Geschichte der Mystery-Thriller des Studios Revue passieren und tischen damit reichlich Insiderinfos zu allen Filmen des Genres von „Ein Toter spielt Klavier“ bis „Nachts kommt die Angst“ auf. Sehr empfehlenswert!

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.547

29.03.2015 14:22
#79 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten



BEWERTET: "Haus des Grauens" (Paranoiac) (GB 1963)
mit: Janette Scott, Oliver Reed, Alexander Davion, Sheila Burrell, Maurice Denham, Liliane Brousse, John Bonney u.a. | Drehbuch: Jimmy Sangster nach einem Roman von Josephine Tey | Regie: Freddie Francis

Während des Gedenkgottesdienstes für ihre verstorbenen Eltern und den seit acht Jahren verschwundenen Bruder Tony sieht Eleanor Ashby diesen plötzlich in der Kirchentür stehen. Sie wird ohnmächtig und nach Hause gebracht. Nachdem sie ihn mehrmals gesehen hat und man ihr nicht glaubt, beschließt sie, Selbstmord zu begehen, da sie annimmt, wahnsinnig zu sein. Tony rettet sie aus den Fluten und gibt sich der Familie zu erkennen. Sein Bruder Simon und Tante Harriet zweifeln jedoch an seiner Identität und wollen mit allen Mitteln verhindern, dass er sein Erbe antreten kann. In der Familienkapelle geschehen nachts unheimliche Dinge, die ein tödliches Geheimnis verbergen....

Unter einer Paranoia versteht das Lexikon eine Geisteskrankheit mit Ausbildung eines in sich geordneten Wahnsystems. Der Verfall der ehemals hochangesehenen Familie Ashby, deren Vermögen allen Mitgliedern ein sorgenfreies Leben ermöglicht, wird bereits in den ersten Minuten eindrucksvoll aufgezeigt. Durch die streng regierende Tante Harriet, die die Rolle des Familienoberhaupts übernommen hat, wird der äußere Schein gewahrt, obwohl die Trunksucht von Simon und seine maßlosen Geldausgaben ihn bereits zweimal mit dem Gesetz in Konflikt gebracht haben. Die sanfte Eleanor vermisst ihren Bruder Tony am meisten, da er ihr Vertrauter und ihre Stütze nach dem Tod der Eltern war. Die Einsamkeit ihrer gleichförmigen Tage bietet wenig Sinn und Abwechslung. Die Disharmonie, die durch die Spannungen zwischen Simon, Harriet und dem Hauspersonal auftritt, rührt aus dem Verlust der Autorität in der kritischen Entwicklungsphase der Kinder.



Simon, das Enfant terrible der Ashbys, führt einen extrovertierten Lebensstil mit allen Begleiterscheinungen, die ein Mann, der sich dem Müßiggang verschrieben hat, auskostet. Oliver Reed lässt den Zuschauer keine Minute über seine Stimmungen im Unklaren, sondern kehrt seine Gefühlswelt exzessiv nach außen. Sein Selbstzerstörungstrieb konkurriert mit dem Wunsch, andere auszuschalten und sie völlig zu beherrschen. Er erhebt sich über sie und sieht in seiner Selbstverblendung nur ein Ziel: Stimulation durch den Rausch, Betäubung seiner Aggressionen und rücksichtsloses Durchsetzen seines Willens. Die Dynamik seines Auftretens zwingt die anderen zu Reaktionen, die ihnen wesensfremd sind und sie zutiefst verunsichern. Eleanor, die sich nach Freundschaft und Freiheit sehnt, flüchtet sich in eine Verklärung der Vergangenheit und die Sehnsucht nach dem toten Bruder, der so ganz anders war als der wilde Simon. Tony ist der willkommene Ruhepol und bringt Licht ins Dunkel. Seine Figur umgibt Suspense und Verlässlichkeit zugleich. Er verstärkt den Prozess, der bereits einige Zeit vorher angelaufen war und beschleunigt die schmerzvolle Reinigung der Atmosphäre, die zwar mehreren Menschen das Leben kosten wird, am Ende aber zu einer Befreiung von der Vergangenheit führt.

Alexander Davion erinnert verblüffend an den jungen Cary Grant. Auf ihm ruhen die Hoffnungen des Zuschauers, der mit Spannung das liebevolle Verhältnis zwischen "Bruder" und "Schwester" verfolgt, das in Gesten und Mimik sensibel angedeutet wird. Das Gefühl der Schuld ist dabei immer präsent und wird durch religiöse Symbole betont. Vergangenes Unrecht muss deshalb zuerst gesühnt und im Höllenfeuer gebüßt werden, bevor neues Glück ausgelebt werden darf. Die katholische Handschrift zieht sich wie ein roter Faden durch den Film, der auf einem Roman der schottischen Schriftstellerin Josephine Tey (1896-1952) beruht. Sie schrieb elf Romane und erzählt in ihrer 1949 erschienenen Vorlage zu diesem Film in lebendiger, eleganter Sprache das Schicksal einer Familie, deren Personen durch Leidenschaft und Geheimnisse zutieft getroffen werden. Es handelt sich um vielschichtige Charaktere, die ihr Innerstes hinter Masken verbergen.

Die raffinierte Ausleuchtung, die Kameraarbeit von Arthur Grant und die Musikuntermalung von Elisabeth Lutyens, die sich so an die Handlung heftet, dass sie mit ihr verschmilzt, sorgen für Momente des unaufdringlichen Grusels und der eleganten Weitläufigkeit. Die nächtlichen Szenen im Park erinnern an den Klassiker "Schloss des Schreckens" (1961), dem ebenfalls unerlaubte Begierden zwischen Lebenden und Toten, zwischen Schutzbefohlenen und Vorgesetzten innewohnen. Die subtile Erotik, die Tony und Eleanor im Gegenlicht zeigt, wirkt weitaus nachhaltiger als die handfeste Körperlichkeit zwischen Francoise und Simon.

Der Fluch der bösen Taten schimmert von Anfang an durch die Ritzen des herrschaftlichen Anwesens, das eine Prinzessin im Elfenbeinturm, einen edlen Ritter und einen wahnsinnigen Ausgestoßenen beherbergt. Durch wohldosierte Schockmomente schafft es Freddie Francis, seiner bitter-süßen Liebesgeschichte Widerstand entgegenzubringen und sein Publikum um die Helden bangen zu lassen. 4,5 von 5 Punkten.

patrick Offline




Beiträge: 2.936

29.03.2015 18:22
#80 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten

Ich finde wirklich sehr schade, dass "Paranoiac" im Gegensatz zu dem ebenfalls makellosen "Scream of Fear" recht unbekannt geblieben ist. Ein astreiner Thriller mit Oliver Reed in seiner besten mir bekannten Rolle.

Giacco Offline



Beiträge: 1.619

30.03.2015 17:15
#81 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten

Zwischendurch mal ein Blick auf die kommerziellen Erfolge einiger der hier besprochenen Hammer-Produktionen in den deutschen, französischen und spanischen Kinos:

FRANKREICH
Dracula und seine Bräute (1960): 1.266.561 Besucher
Der Hund von Baskerville (1959): 1.179.207
Blut für Dracula: 854.197
Dracula (1958): 781.761
Terror der Tongs: 765.038
Die Rache der Pharaonen (1959): 753.216
Frankensteins Fluch (1957): 728.452
Frankensteins Ungeheuer: 694.778
Draculas Rückkehr: 654.349
Piraten vom Todesfluss: 620.644
Frankenstein muß sterben: 586.439
Der Fluch von Siniestro: 541.006
Der Kuß des Vampir: 523.932
Wie schmeckt das Blut von Dracula: 487.761
Frankensteins Rache: 455.241
Ein Toter spielt Klavier: 325.448
Die Würger von Bombay: 295.011
Die Braut des Teufels: 276.459
Die Teufelspiraten: 256.489
Rasputin: 125.708
Sie sind verdammt: 92.067

SPANIEN:
Draculas Rückkehr: 872.439
Frankenstein muß sterben: 769.577
Blut für Dracula: 742.590
Wie schmeckt das Blut von Dracula: 609.271
Rasputin: 548.433
War es wirklich Mord?: 420.685
Der unsichtbare Schatten: 420.563
Der Satan mit den langen Wimpern: 358.267

In den mir vorliegenden Ranglisten des FILM-ECHOS sind folgende Filme zu finden:

Der Schnorchel (1958): 3,1 (10 Meldungen)
Ein Toter spielt Klavier: 3,3 (31)
Draculas Rückkehr: 3,4 (18)
Terror der Tongs: 3,4 (10)
Die brennen Augen von Schloß Bartimore: 3,7 (11)
Frankensteins Ungeheuer: 3,8 (17)
Wie schmeckt das Blut von Dracula?: 4,3 (14)
Frankenstein muß sterben: 5,3 (13)

In Italien schafften es nur 2 Filme in die Liste der jeweils 100 erfolgreichsten Filme der Saison:
Dracula (1958): Platz 27
Frankensteins Fluch: Platz 99

patrick Offline




Beiträge: 2.936

08.04.2015 17:32
#82 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten

The Witches (Der Teufel tanzt um Mitternacht)



The Witches

Directed by Cyril Frankel
Produced by Anthony Nelson Keys
Written by Peter Curtis aka Norah Lofts
Based on The Devil's Own (novel)

Starring: Joan Fontaine, Kay Walsh, Alec McCowen, Ann Bell, Ingrid Boulting (billed as Ingrid Brett),

Music by Richard Rodney Bennett
Cinematography: Arthur Grant
Edited by Chris Barnes
James Needs
Production
Company:
Hammer Film Productions
Distributed by Associated British-Pathé
(United Kingdom)
20th Century Fox
(United States)

Release Dates:
21 November 1966 (London)
February 1967 (United States)
Running time:
90 min.
Country: United Kingdom
Language: English


Handlung:

Die Lehrerin Gwen Mayfield erleidet in Afrika einen Nervenzusammenbruch, nachdem sie dort von Voodoo parktizierenden Eingeborenen eingeschüchtert wird.

Zurück in England nimmt sie eine Stellung an der, von den Geschwistern Stephanie und Alan Bax geführten, Privatschule in Heddaby an. Das Dorf ist in einer sehr idyllischen und schönen Gegend gelegen. Doch trügt der Schein. Gwen merkt sehr bald, dass dort irgend etwas nicht stimmt. Einige Bewohner möchten unbedingt verhindern, dass die beiden turtelnden Teenager Ronnie und Linda sich allzu nahe kommen. Ronnie schreibt Gwen in einer heimlichen Nachricht, dass Linda von ihrer Großmutter „Granny“ Rigg schlecht behandelt wird, worauf eine Verletzung an ihrem Arm hindeuten sollte.
Später verfällt Ronnie in ein Koma und muss in’s Krankenhaus eingeliefert werden. Gwen erfährt vom Vater, dass die Mutter im Vorjahr an Gürtelrose erkrankte und glaubte, jemand habe ihr die Krankheit „angeworfen“. Auch entdeckt Gwen an einem Baum eine mit Nadeln gespickte kopflose Voodoo-Puppe.
Als Ronnie, genauso plötzlich wie er erkrankte, wieder gesund wird verlässt er mit seiner verängstigten Mutter den Ort. Der verzweifelte Vater bleibt alleine zurück und wird kurz darauf tot aus einem Teich gefischt. Gwen entdeckt am Ufer zahlreiche Spuren nackter Füße, die allerdings von einer herbeieilenden Schafherde wieder verwischt werden. Kurz darauf erleidet sie einen neuen Nervenzusammenbruch, nachdem sie, wie damals in Afrika, nachts von dämonischen Masken erschreckt wird. Sie verliert ihr Gedächtnis und wird in eine Heilanstalt eingeliefert. Als sie ein Mädchen mit einer Puppe spielen sieht, welche aussieht wie jene von Linda, erlangt sie langsam wieder ihr Gedächtnis und flüchtet aus der Anstalt, zurück zum Hause der Baxs. Kurz darauf kommt sie einem seltsamen Kult auf die Spur…

Anmerkungen:

The Witches hat einen sehr subtilen Spannungsaufbau und spielt in einer ausgesprochen schönen ländlichen, typisch britischen, Gegend. Häuser und Landschaft werden ausgiebig präsentiert und üben eine sehr attraktive optische Wirkung aus, weshalb es nicht stört, dass fast der ganze Film am Tag handelt.

Der Streifen ist sehr zurückhaltend mit Effekten und deutet lange Zeit nur leise irgendeinen Hexenzauber an, der möglicherweise im Geheimen praktiziert wird. Es erscheinen Voodoo-Puppen, eine schwarze Katze, die Gwen folgt, und damit möglicherweise zusammenhängende seltsame Begebenheiten. Die harmlose und friedliche Gegend scheint über die wahren Gegebenheiten hinwegzutäuschen. Die Geschichte wird völlig von Frauen dominiert, was wohl dem Titel geschuldet ist. Männliche Helden gibt es hier keine. Die Herrn der Schöpfung treten als das schwächere Geschlecht in Erscheinung. Der Film weist eine gewisse Verwandtschaft zu dem 2 Jahre später entstandenen "The Devil Rides Out" (1968) auf.

Die erste Stunde des Films ist wirklich spannend; leider verfallen die letzten 20 Minuten dann in ziemlich infantilen Thrash. Dies ist sehr schade, da es einiges kaputt macht.

Joan Fontaine (1917-2013), bekannt aus Hitchcocks „Rebecca“(1940), Spielt auch hier, 26 Jahre später, eine sensible Figur, die von seltsamen Begebenheiten mehr und mehr eingeschüchtert wird. Es war dies ihr letzter Kinofilm.

Fazit: Mit einem ernsthafteren Ende hätte der Streifen eine echte Perle werden können. Dennoch mag ich ihn, dank des starken Settings und Spannungsaufbaus und vergebe trotz des enttäuschenden Finales 3,5 von 5.

patrick Offline




Beiträge: 2.936

15.04.2015 16:40
#83 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten

Frankenstein Created Woman (Frankenstein schuf ein Weib)



Filmdaten:

Deutscher Titel: Frankenstein schuf ein Weib
Originaltitel: Frankenstein Created Woman
Produktionsland: Großbritannien
Originalsprache: Englisch
Erscheinungsjahr: 1967
Länge: 92 Minuten
Altersfreigabe: FSK 16

Stab:

Regie: Terence Fisher
Drehbuch: Anthony Hinds
Produktion: Anthony Nelson Keys
Musik: James Bernard
Kamera: Arthur Grant
Schnitt: Spencer Reeve

Besetzung:

Peter Cushing: Baron Victor Frankenstein, Susan Denberg: Christina, die Kreatur, Thorley Walters: Dr. Hertz, Robert Morris: Hans, Duncan Lamont: Gefangener, Peter Blythe: Anton, Alan MacNaughton: Kleve, Peter Madden: Polizeichef, Philip Ray: Bürgermeister

Handlung:

Hans muss als kleiner Junge mitansehen, wie sein Vater durch die Guillotine hingerichtet wird. Jahre später, zum Manne herangereift, arbeitet er bei Baron Frankenstein, der ein Verfahren entwickelt hat, die menschliche Seele außerhalb des Körpers zu konservieren, nachdem der Tod eingetreten ist.
Hans liebt die körperbehinderte und auf einer Gesichtshälfte entstellte Christina. Diese ist die Tochter eines Wirts, der Hans nicht wohlgesonnen ist. Eines Tages wird die Kneipe von 3 herausgeputzten Taugenichtsen aufgesucht, welche Christina regelmäßig verspotten und verhöhnen. Hans, dem der Kragen platzt, bricht eine Schlägerei mit den Dreien vom Zaun und wird von der herbeieilenden Polizei abgeführt. Am Abend ist er allerdings wieder auf freiem Fuß und verbringt ein Schäferstündchen mit seiner geliebten Christina. Zur gleichen Zeit schleichen sich die drei Tunichtgute nach Sperrstunde in die Kneipe, um weiter zu zechen. Allerdings werden sie vom Wirt überrascht und erschlagen ihn. Die Tat wird Hans angelastet, der nicht preisgeben will, dass er mit Christina zusammen war. Er wird zum Tode verurteilt und, wie sein Vater, durch die Guillotine hingerichtet, was die herbeieilende Christina nicht mehr verhindern kann. Diese begeht vor Verzweiflung Selbstmord, indem sie in’s Wasser springt.
Dr.Frankenstein nutzt die Gelegenheit und konserviert die Seelen beider, um sie im Körper Christinas wiederzuvereinigen, was ihm auch tatsächlich gelingt. Vorher wird der, durch Behinderung und Entstellung gepeinigte, Körper Christinas „repariert“. Das Ergebnis ist eine bildschöne, wohlgeformte junge Frau, die allerdings zwei Seelen in sich beherbergt, was für die drei niederträchtigen Taugenichtse fatale Folgen haben sollte…

Anmerkungen:

„Frankenstein Created Woman“ ist von der klassischen Variante des Frankenstein-Themas meilenweit entfernt und damit vielmehr eine Hammer-Eigenkreation. Das Ergebnis kann sich aber mehr als sehen lassen.

Die überdurchschnittliche Story ist sehr originell und kurzweilig und mit Susan Denberg (geb.1944) als Christina hervorragend besetzt. Diese ist eine in Deutschland/Polen geborene Österreicherin und heißt eigentlich Dietlinde Ortrun Zechner. Bekannt wurde sie im Playboy als Miss August 1966. Im selben Jahr spielte sie auch in einer Folge von „Raumschiff Enterprise“mit. Leider bekam sie angeblich Drogenprobleme und beendete ihre Karriere nach diesem Hammer-Auftritt. Doch schien sie danach ihr Leben wieder in’s Lot bekommen zu haben.

Der fanatische Victor Frankenstein wird hier zwar nicht mehr so mörderisch und skrupellos dargestellt, wie bei seinem ersten Auftritt, ist aber dennoch nicht wirklich zimperlich. Er unternimmt nicht unbedingt viel um seinen Freund Hans von der Guillotine zu retten, sondern freut sich vielmehr auf die Gelegenheit, seine Seele zu konservieren und in einen anderen Körper verpflanzen zu können. Dabei kommt ihm der Selbstmord Christinas gerade recht. Dass nun 2 von Tragik gepeinigte Seelen in einem Körper vereint sind, scheint den guten Doktor wenig zu stören.
Hans Weigerung, seine Nacht mit Christina als Alibi zu nennen, ist zwar sehr ritterlich, dennoch tut er ihr damit nichts Gutes, da sie dies in den Selbstmort treibt. Auch ihr "zweites Leben", in dem sich die beiden dann den Körper teilen, sollte tragisch verlaufen. Doch konnte er diese Entwicklung natürlich nicht ahnen.

Frankenstein arbeitet mit Doktor Hertz zusammen, der nach seinen Anweisungen für ihn operiert, da seine eigenen Hände bei einem Brand (The Evil of Frankenstein, 1964) schwer verletzt worden sind.
Die Morde der schönen Kreatur werden nicht deutlich gezeigt, sondern mehr darauf eingegangen, wie diese ihre Opfer bezirzt um ihnen dann, einer Gottesanbeterin gleich, den Todesstoß zu versetzen. Christina, die selbst ihr Gedächtnis verloren hat, hört immer wieder die Stimme ihres geliebten Hans in ihrem Innern. Auch spricht sie mehrmals in seinem Tonfall, kurz bevor sie ihre Rache walten lässt, was ihr eine attraktive und trotzdem diabolische Präsenz verleiht. Das Ganze wird noch dadurch verstärkt, dass sie den Kopf des Enthaupteten mit sich führt.

Ein bisschen erinnert dieser Streifen an den 1981 entstandenen „Rache aus dem Reich der Toten“.

Fazit:

Originell, spannend, kurzweilig und gut besetzt. 4 von 5.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.547

19.04.2015 14:52
#84 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten



BEWERTET: "Der Satan mit den langen Wimpern" (Nightmare) (GB 1963)
mit: Jennie Linden, David Knight, Moira Redmond, Irene Richmond, Brenda Bruce, George A. Cooper, Clytie Jessop u.a. | Drehbuch: Jimmy Sangster | Regie: Freddie Francis

Die siebzehnjährige Janet lebt seit dem Tod ihres Vaters im Internat. Immer wieder wird sie von Alpträumen verfolgt, in denen sie an den Mord erinnert wird, den ihre Mutter beging, indem sie Janets Vater erstach. Als Janet in ihr Elternhaus zurückkehrt, verspricht ihr Vormund Henry Baxter, sich um sie zu kümmern und stellt ihr eine junge Krankenschwester zur Seite. Janet fühlt sich zunächst geborgen, doch kurz darauf wird sie jede Nacht von einer geisterhaften Erscheinung geweckt, die sie zum Mordzimmer führt....

Der Stammsitz der Familie als Ort des Schreckens oder Hort des Bösen ist ein beliebtes Sujet des Horrorfilms, auf das gern zurückgegriffen wird. Die autarke Welt der englischen Herrenhäuser, die die gutsituierten Herrschaften nicht notwendigerweise verlassen müssen, ermöglicht es, dass vor allem Frauen und junge Mädchen dort in völliger Abgeschiedenheit leben. Langjähriges Hauspersonal kümmert sich um die Banalitäten des geordneten Alltags, während die körperlich Unterbeschäftigten ihren Gedanken und Launen freien Lauf lassen können. So nehmen menschliche Beziehungen mehr Raum ein als bei jenen, welche einem Berufserwerb und somit einer vernünftigen Zerstreuung nachgehen. Ebenso verhält es sich bei der jugendlichen Heldin des Films, deren Rückkehr an den Schauplatz eines sechs Jahre zurückliegenden Verbrechens ihr sensibles Gemüt massiv aus dem Gleichgewicht bringt.



"Nightmare" bedient sich der klassischen Zutaten der perfiden Suggestion, indem Fürsorge und Freundschaft dazu benutzt werden, um einen lauteren Menschen schuldig werden zu lassen. Dieser Faktor fügt dem Geschehen eine bittere Note bei, die bis über das Filmende hinaus nachhallt und durch keine Sühne wiedergutzumachen ist. Die Verbrecher appellieren an die Wunden der Vergangenheit und stricken daraus einen raffinierten Mordplan, wobei Opfer und Täter austauschbar werden. Das Publikum wird genauso manipuliert wie Janet und empfindet den Tod von Helen Baxter deshalb als Katastrophe für die Täterin und nicht für die Ermordete. Man erfährt nichts über die unbeteiligt aussehende Frau, deren Verbindung zu dem ehrgeizigen Rechtsanwalt nach einem eigenen Kapitel verlangen würde. Clytie Jessop, deren unheimliche Präsenz wie ein Schleier über "Schloss des Schreckens" (Regie: Jack Clayton) liegt, leistet hier Bemerkenswertes und holt die phantomhafte Mary Jessel aus dem Henry-James-Roman näher an das Auge des Betrachters heran, obwohl sie auch in "Nightmare" keinen Dialogsatz hat. David Knight und Moira Redmond funktionieren jeder für sich besser als zusammen, ihre stärksten Momente haben sie in den Interaktionen mit anderen Personen, während die Szenen einer Ehe den Film zeitweise in ein anderes Genre abgleiten lassen.

Scream-Queen Jennie Linden profitiert von ihrer pausbäckigen Naivität, überlässt das Feld jedoch bald einem Gaunerpärchen, das sich - wie so oft - selbst aufreibt. So erhält die auf Effekte getrimmte Spielhandlung eine Moral, deren Logik jedoch nicht in allen Abläufen aufgeht. 4 von 5 Punkten.

patrick Offline




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02.05.2015 09:31
#85 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten

Dracula A.D.1972 (Dracula jagd Minimädchen)



Filmdaten:

Deutscher Titel: Dracula jagt Minimädchen
Originaltitel: Dracula A.D. '72
Produktionsland: Vereinigtes Königreich
Originalsprache: englisch
Erscheinungsjahr: 1972
Länge: 91 Minuten
Altersfreigabe: FSK 16

Stab:

Regie: Alan Gibson
Drehbuch: Don Doughton
Produktion: Michael Carreras
Josephine Douglas für Hammer-Productions
Musik: Michael Vikkers
Kamera: Dick Bush
Schnitt: James Needs

Besetzung:

Christopher Lee: Graf Dracula, Peter Cushing: Prof. Lawrence bzw. Lorimar Van Helsing, Stephanie Beacham: Jessica van Helsing, Michael Coles: Inspektor Murray, Marsha Hunt: Gaynor, Christopher Neame: Johnny Alucard, William Ellis: Joe Mitchum, Philip Miller: Bib, Michael Kitchen: Greg, David Andrews: Sgt. Pearson, Caroline Munro: Laura


Handlung:


Die Prätitelsequenz spielt sich im Jahre 1872 ab und zeigt einen Kampf auf einer Kutsche zwischen Prof.Lawrence Van Helsing und dem Vampirgrafen Dracula. Nachdem die Kutsche zerschellt, wird Letzterer von Van Helsing mit einem zerbrochenen Wagenrad gepfählt. Der Professor erliegt aber anschließend selbst seinen Verletzungen. Ein herbeieilender Getreuer Draculas nimmt die Asche des Vampirs auf und gibt sie in ein Glas.

Genau 100 Jahre später, im swinging London des Jahres 1972: Lorimar Van Helsing, Urenkel von Lawrence Van Helsing, ist als Professor Spezialist für das Okkulte und hat eine Enkelin Namens Jessica. Diese ist Mitglied einer Clique übermütiger Teenager, die eines Abends, motiviert durch den jungen Johnny Alucard (Dracula rückwärts), in einer alten aufgegebenen Kirche in Chelsea eine schwarze Messe feiert, bei der Dracula aus seiner eigenen Asche heraus zum Leben erweckt und das Mädchen Laura von ihm getötet wird. Alucard wird zu Draculas Getreuem und später auch noch zum Vampir, der 2 weitere Mädchen in die Gewalt des Grafen lockt. Allerdings ist dieser in erster Linie auf Jessica aus, da er aus Rache das Geschlecht der Van Helsings vernichten will. Alucard verschleppt diese daher mit Unterstützung ihres Freundes Bob, den er ebenfalls zum Vampir gemacht hat. Ihr Großvater Lorimar Van Helsing bringt Alucard mit Hilfe von reflektiertem Licht und fließendem Wasser aus der Dusche zur Strecke und rettet Jessica, bevor es für diese zu spät ist. Dracula wird ein weiteres Mal gepfählt. Gähn!

Anmerkungen:

"Dracula A.D.1972" ist ein Versuch Hammers, den mittlerweile verstaubten Dracula-Stoff der Zeit anzupassen und dem Genre frischen Schwung zu verleihen. Leider krankt das Ganze an einem ausgesprochen schwachen Drehbuch. Die Geschichte wirkt nicht besonders gruselig, sondern vielmehr absurd und langweilig. Auch wird sie durch die 70er-Jahre-Musik alles Andere als aufwertend untermahlt. Neuzeitliche Hippies und Vampire in einen Film zu packen erzeugt wirklich unfreiwillige Komik. Dennoch wäre es nicht unmöglich gewesen, auch daraus einen gelungenen Streifen zu machen. Jedoch hätten hier neben dem Drehbuch auch die Atmosphäre und die matten und faden Farben anders gestaltet gehört. Gerade Letztere sind ein trauriges Charakteristikum vieler von Hammers 70er-Jahre-Beiträgen.

Erstmals seit "Horror of Dracula"(1958) sind Peter Cushing und Christopher Lee in einem Dracula-Film wieder vereint. Allerdings folgt der Streifen nicht der ursprünglich angelegten Geschichte, sondern definiert sie neu, wie die Prätitelsequenz zeigt.

Man spürt leider sehr deutlich, dass Hammers Glanzzeit in den letzten Zügen liegt und die 70er-Jahre nach teuereren Produktionen verlangen. Man ist daher geneigt, wehmütig auf die noch guten Vampirfilme der 60er-Jahre zurückzublicken.

Peter Cushing spielt sowohl Lawrence Van Helsing, als auch dessen Urenkel Lorimar gewohnt souverän, wirkt allerdings hier wie ein, seine Zeit überdauertes, Urgestein. Es ist auch sehr verständlich, dass Christopher Lee die Rolle loswerden wollte und nach diesem Streifen nur noch ein weiteres Mal als Hammer-Dracula zur Verfügung stand. Die Schauspieler sind deutlich besser als der Film selbst.

Auch werden die gebissenen Mädchen nicht, wie in den älteren Filmen, selbst zu Vampirinnen, sondern sterben einfach, was wohl ebenfalls der Sparflamme geschuldet ist.

Fazit:

Ein schaler und langweiliger Hammer-Aufguss mit reizlosen Farben, den man, wie der deutsche Titel vielleicht schon suggeriert, wirklich nicht unbedingt gesehen haben muss. Damit ein trauriger Tiefpunkt des Genres. 1,5 von 5

patrick Offline




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14.05.2015 16:46
#86 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten

Frankenstein Must Be Destroyed (Frankenstein muss sterben)




Filmdaten:
Deutscher Titel: Frankenstein muss sterben
Originaltitel: Frankenstein Must Be Destroyed
Produktionsland: Großbritannien
Originalsprache: Englisch
Erscheinungsjahr: 1969
Länge: 98 Minuten
Altersfreigabe: FSK 16
Stab:
Regie: Terence Fisher
Drehbuch: Bert Batt
Produktion: Anthony Hinds für Hammer Productions
Musik: James Bernard
Kamera: Arthur Grant
Schnitt: Gordon Hales

Besetzung:

Peter Cushing: Baron Victor Frankenstein, Veronica Carlson: Anna Spengler, Freddie Jones: Professor Richter, Simon Ward: Dr. Karl Holst, Thorley Walters: Inspektor Frisch, Maxine Audley: Ella Brandt, George Pravda: Dr. Frederick Brandt, Geoffrey Bayldon: Polizeiarzt

Handlung:

Der junge, in einer Irrenanstalt tätige, Arzt Dr.Karl Holst handelt illegal mit Drogen, um die teuren Medikamente für die Mutter seiner Verlobten Anna Spengler finanzieren zu können. Anna betreibt eine kleine Pension, in die Frankenstein sich einquartiert und wo er anschließend das junge Paar erpresst, nachdem er von deren illegalen Geschäften erfährt. Er benötigt Holsts Hilfe, um an den verrückt gewordenen Dr. Frederick Brandt heranzukommen, der selber Anstaltspatient ist. Außerdem zwingt er Anna, alle anderen Gäste hinauszuwerfen, um ungestört seinen Experimenten nachgehen zu können. Dr.Brandt kennt eine Methode zur Konservierung des herausoperierten Gehirns, ohne dass dieses dabei Schaden nimmt. Mit der Absicht, an diese Information zu gelangen, entführt Frankenstein diesen mit Holsts Hilfe aus der Anstalt. Allerdings erleidet der geistig umnachtete Brandt dabei einen schweren Herzanfall, weshalb Frankenstein sein Gehirn in den Körper des Direktors der Irrenanstalt verpflanzt, welchen er zuvor, ebenfalls mit Holst Hilfe, überwältigt und entführt. Brandts eigener Körper wird entsorgt. Außerdem vermag Frankenstein, die bestehende Geisteskrankheit zu heilen. Als Dr.Brandt aufwacht und sich im falschen Körper vorfindet, gerät er außer sich und will mit der verängstigten Anna sprechen, die ihn mit einem Messer verletzt. Als Frankenstein davon erfährt, tötet er Anna und folgt Dr.Brandt, der sich in seinem neuen Körper auf den Weg nach Hause zu seiner Frau macht...

Anmerkungen:


Frankensteins Persönlichkeit wird innerhalb der Reihe etwas inhomogen dargestellt. Nachdem er in den unmittelbar vorhergehenden Streifen etwas menschlichere Züge hatte, ist er hier so bitterböse und niederträchtig wie noch nie zuvor. Er erpresst, mordet und vergewaltigt, ohne mit der Wimper zu zucken und scheint keine Reue zu kennen. Außerdem tritt er seiner Umwelt gegenüber ausgesprochen arrogant, unverschämt und überheblich auf. Hervorheben möchte ich die Szene, in der er seine Mitbewohner in Annas Pension auf ihre Dummheit hinweist und seine Erklärungen damit ausschmückt, dass er ein Beispiel nennen will, das für deren Verstand „gerade noch greifbar“ ist. Holsts "Mein Gott" erwidert er mit: "Zitieren Sie nicht den Allmächtigen. Er ist nicht gut auf Sie zu sprechen."

Der Film beginnt recht eindrucksvoll und atmosphärisch mit einem Einbrecher, der sich ausgerechnet Frankensteins Versteck aussucht, wo er prompt eine konservierte Leiche und einen abgehackten Kopf entdeckt. Er wird anschließend von Frankenstein attackiert, der dabei eine abschreckende Maske trägt.

Die Story selbst ist grundsätzlich sehr unterhaltsam und spannend, verliert allerdings im letzten Viertel etwas an Reiz, nachdem Dr.Brandt aufwacht und erkennt, dass er im falschen Körper steckt. Freddie Jones (geb.1927) wirkt als „Wirt“ für den neuen Körper viel zu gewöhnlich, um dem Charakter die nötige Würze zu geben. Dies ist sehr schade und schwächt die Wirkung des Streifens leider ab.

Simon Ward (1941-2012) gerät als blutjunger Dr. Holst noch tiefer in Frankensteins erpresserische Abhängigkeit, als er während eines Diebstahls medizinischer Geräte einen Nachtwächter ersticht, dessen Auftauchen ihn in Panik versetzt.

Annas brutale Vergewaltigung durch Frankenstein wird später mit keinem Wort mehr erwähnt, da die Szene erst nachträglich gedreht und in den Film eingefügt wurde. Hammer war gegen diese Szene, wurde aber von den amerikanischen Vertreibern diesbezüglich unter Druck gesetzt und musste sich fügen. Anna wird von der attraktiven Veronica Carlson (geb.1944) dargestellt, die in mehreren Hammer-Filmen, wie „Dracula has Risen from the Grave“ (1968) und „The Horror of Frankenstein“ (1970) Auftritte hatte.

Für besondere Aufregung sorgt ein Wasserrohrbruch im Garten Annas, wo Dr.Brandts Leiche verscharrt ist, die dabei prompt zum Vorschein kommt und rechtzeitig wieder versteckt werden muss.

Fazit:

Ein durchwegs unterhaltsamer und atmosphärischer Streifen, der weniger Horrorfilm, als vielmehr ein „medizinisches Science-Fiction-Thema“ ist. Es geht auch um kein, aus Leichenteilen zusammengesetztes, Monster, sondern lediglich um eine Gehirntransplantation von Mensch zu Mensch. 3,5 von 5.

patrick Offline




Beiträge: 2.936

31.05.2015 11:26
#87 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten

Die! Die! My Darling / Fanatic (Das düstere Haus)



Deutscher Titel: Das düstere Haus
Originaltitel: Fanatic
Alternativtitel: Nachts, wenn Mutter mordet,
Die! Die! My Darling!
Herstellungsland: Großbritannien
Erscheinungsjahr: 1965
Regie: Silvio Narrizano

Darsteller:

Tallulah Bankhead: Mrs. Trefoile, Stefanie Powers: Pat Carroll, Peter Vaughan: Harry, Maurice Kaufmann: Alan Glentower, Yootha Joyce: Anna, Donald Sutherland: Joseph, Gwendolyn Watts: Gloria, Robert Dorning: Ormsby, Philip Gilbert: Oscar, Winifred Dennis: Shopkeeper

Genre: Hammer-Filme, Thriller



Handlung:

Die Amerikanerin Pat (Stephanie Powers) reist nach England, um dort Ihren Verlobten Alan zu treffen. Nebenbei möchte sie noch Mrs.Trefoile, die Mutter ihres früheren, mittlerweile verstorbenen, Verlobten Steve, besuchen, was sie in Teufels Küche bringen sollte.
Zwar wird sie recht freundlich empfangen, doch häufen sich sehr rasch die Merkwürdigkeiten. Mrs.Trefoile wohnt, zusammen mit ihrem Bediensteten Harry, dessen Frau und dem debilen Gärtner Joseph (Donald Sutherland) recht abgelegen . Obwohl Pat beabsichtigte, nur kurz vorbeizuschauen, werden unaufgefordert ihre Koffer nach oben getragen und es für selbstverständlich erachtet, dass sie über Nacht bleiben soll. Sehr bald erkennt sie, dass Mrs.Trefoile den angeblichen Unfalltod Ihres Sohnes Steve nicht verkraftet hat und einem religiösen Fanatismus verfallen ist. Sie hält stundenlange Gottesdienste ab, die jeder im Hause besuchen muss, serviert vegetarisches Essen, dass nicht gewürzt werden darf und verbietet Pat Lippenstift zu verwenden und schicke Kleider zu tragen. Auch lebt sie in dem Wahn, Pat würde nun für immer ihrem verstorbenen Sohn gehören. Diese lässt vorerst alles über sich ergehen, da sie es für selbstverständlich erachtet, am nächsten Morgen das Haus wieder zu verlassen. Tatsächlich sollte es anders kommen. Nachdem es Pat zu bunt wird und ihr der Kragen platzt, wird sie von Mrs.Trefoile und deren Dienerschaft überwältigt und in ein Zimmer gesperrt. Ihre verdorbene Seele sollte geläutert werden. Sämtliche Fluchtversuche scheitern, und die Konflikte mit der wahnsinnigen Mrs.Trefoile werden immer gewaltsamer, bis diese sogar Harry ermordet und auch Pat gegenüber bereit ist zum Äußersten zu gehen….

Anmerkungen:

Wir erleben eine sehr junge und hübsche Stephanie Powers (geb.1942), bekannt aus der 80er-Jahre- Serie „Hart aber herzlich“. Den damals noch unbekannten Donald Sutherland (geb.1935) sehen wir als geistig zurückgebliebenen Gärtner Joseph.
Allerdings ist es Altstar Tallulah Bankhead (1902-1968), die hier alle anderen an die Wand spielt. Seit Hitchcocks „Liefeboat“ (1943) sichtlich gealtert, ist sie als wahnsinnige Mrs. Trefoile äußerst dämonisch, gefährlich und unberechenbar. In einer Hand die Bibel, in der anderen die Pistole, führt die bigotte Hexe mit der armen Pat deren vermeintliche Seelenreinigung durch. Obwohl hier etwas Overacting einfließt, wirkt sie dabei stellenweise so diabolisch, dass man regelrecht an Hitchckocks Mrs.Bates erinnert wird, vor allem an der Stelle, wo sie drohend das Messer schwingt. Außerdem krächzt und faucht sie mit ihrer verrauchten Stimme, dass man wirklich geneigt ist, Angst zu bekommen. Leider war dies ihre letzte Rolle.
Der Keller ist nicht nur für das Entsorgen der Leiche(n) vorgesehen, sondern beherbergt auch die eigene „sündige“ Vergangenheit der alten Hexe. Er ist vollgestopft mit alten Bildern aus den 20er- und 30er-Jahren, welche eine junge, schick gekleidete, Mrs.Trefoile zeigen. Auch hängt dort ein großes Bild des vergötterten Sohnes.
Die Atmosphäre selbst kommt leider nicht an Hammers schwarzweiße Thriller heran, ist aber stellenweise mit sehr interessanten Farben gespickt. Vor allem in den Kellerszenen wirken, bedingt durch farbige Fenster, Grün-, Blau- und Violettöne in einer Art, wie es für die fortgeschrittenen und bunten 60er-Jahre geradezu typisch erscheint. Dies kreiert eine recht interessante Stimmung. Der typisch englische Landsitz mit Grünfläche und engen Straßen ist auch recht stimmig eingefangen.

Fazit:

Ansatzweise recht gelungener Plot, dem aber etwas die Würze fehlt. 3 von 5.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.502

31.05.2015 11:30
#88 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten



Das düstere Haus (Fanatic / Die! Die! My Darling!)


Psychothriller, GB 1965. Regie: Silvio Narizzano. Drehbuch: Richard Matheson (Romanvorlage „Nightmare“: Anne Blaisdell). Mit: Tallulah Bankhead (Mrs. Trefoile), Stefanie Powers (Patricia Carroll), Peter Vaughan (Harry), Maurice Kaufmann (Alan Glentower), Yootha Joyce (Anna), Donald Sutherland (Joseph), Gwendolyn Watts (Gloria), Robert Dorning (Ormsby), Philip Gilbert (Oscar), Winifred Dennis (Ladenbesitzerin) u.a. Uraufführung (GB): 21. März 1965. Uraufführung (USA): 19. Mai 1965. Uraufführung (BRD): 30. Juli 1965. Eine Produktion der Hammer Film Productions.

Zitat von Das düstere Haus
Um mit den Erinnerungen an den Tod ihres ersten Verlobten abzuschließen, besucht Patricia Carroll zum ersten Mal dessen Mutter Mrs. Trefoile. Sie erkennt in ihr eine tief religiöse Frau, die sich und anderen einen puritanischen Lebenswandel aufoktroyiert. Bevor Patricia alle Konsequenzen der Situation überblickt, wird sie von der rachsüchtigen und fanatischen Mrs. Trefoile um der Reinigung ihrer Seele willen in den Dachboden eingeschlossen. Für Patricia beginnen nervenaufreibende und lebensgefährliche Tage in einem Haushalt voller Irrer und Verbrecher ...


Stärker noch als andere Hammer-Thriller spielt „Das düstere Haus“ mit dem unheimlichen Reiz von Abgeschiedenheit und Hilflosigkeit durch Einsamkeit. Der Satz wird im Film zwar nicht geäußert, aber wenn es ein Paradebeispiel für die Zeile „Schrei nur, hier hört dich sowieso niemand“ gäbe, dann diese Entführungsgeschichte. Das Haus, in dem Mrs. Trefoile residiert, erscheint als drohender Vorbote ihres geistigen Zustands – vorsintflutlich, fragil und jenseits jeder zivilisierten Nachbarschaft. Seine spartanische Einrichtung spiegelt die puritanischen Gedanken der Gastgeberin, die als Extrembeispiel einer religiösen Fanatikerin beim Publikum eine deutlich größere Abscheu hervorruft als ein Täter, der unter „nachvollziehbaren“ Gesichtspunkten wie Habgier oder individuell begründetem Hass handelt.



Nach einer zwanzigjährigen Schauspielpause auf den Kinoleinwänden profitierte Tallulah Bankhead vom Boom der Altdamen-Schocker, den „Was geschah wirklich mit Baby Jane?“ 1962 ausgelöst hatte. Hatte Bankhead damals angeblich noch die Rolle ausgeschlagen, die schlussendlich mit Joan Crawford besetzt wurde, so trat sie nun in der Kopie einer Kopie auf, wobei der Star vergangener Tage dem Regisseur und anderen Anwesenden durch Kapriolen und Befindlichkeiten so manche Sorge bereitete. Das Endergebnis ist eine durchaus erschreckende Verkörperung einer debilen, brandgefährlichen Frau, die von der bösartigen Maskenhaftigkeit des mageren Bankhead’schen Gesichts unterstrichen wird. Wie bei Hammer üblich, genügte freilich keine naturalistische Darstellung der „alten Hexe“, sodass in einigen Szenen ob der Übertreibung der Dämonität Mrs. Trefoiles auch unfreiwilliger Humor durchschimmert. Ihre gebetsmühlenartig wiederholten Anschuldigungen beginnen den Zuschauer dann auch früher oder später eher zu nerven als zu gruseln.

Interessant ausgestaltet wird die Beziehung der Fanatikerin zu ihrem toten Sohn, den man nur in Form einer Fotografie und eines Porträts zu Gesicht bekommt. Hintergründe über den Hergang und vor allem den Grund seines Todes werden nur andeutungsweise ausgesprochen und eröffnen ein Feld für Spekulationen über Mutter-Sohn-Beziehungen, Sexualität und familiäre Krankheiten. Dem steht Stefanie Powers in der Rolle einer modernen und patenten, wenngleich nicht besonders intelligenten jungen Frau gegenüber. Ihre Patricia Carroll ist ein würdiger Gegner für Mrs. Trefoile, weil beiden Damen ein starkes Durchhaltevermögen innewohnt. Zwar gehen die Unglaubwürdigkeiten im Duell zwischen Bankhead und Powers stellenweise ein wenig zu weit – da klettert Powers mit verletztem Arm an einem Seil an der Hauswand herunter oder fällt ohne nennenswerte Auswirkungen durch ein Glasdach, während Bankheads blutig aufgeschnittenen Hände in Minutenschnelle unvernarbt verheilen –, doch dies mag ebenso wie die vielen in den Wind geschlagenen Warnsignale zu Beginn dem bloßen Unterhaltungsfaktor der Produktion geschuldet sein. Hätte Pat auf ihren Freund gehört, Mrs. Trefoile zu Anfang widersprochen oder nach der ersten Nacht jemanden im Dorf informiert, wäre der Film ja auch einfach viel zu schnell vorbei gewesen ...


Zitat von Jeff Stafford: „Die! Die! My Darling!“ at Turner Classic Movies, Quelle
Despite the manufactured press reports about Ms. Powers and Ms. Bankhead’s rivalry during the filming of Die! Die! My Darling! the two actresses became friends. According to Denis Brian’s biography, „When Stefanie Powers got back to America she always called on Tallulah when she was in New York ... ‚She used to call me Patricia, which was the name of the character in the film, and thought it was very bad of me not to wear lipstick. I just adored her. She was my severest critic and my best and very well-respected friend.’“


Effektiv in seiner Bildgestaltung und der Einbindung der hin- und hergerissenen Helfershelfer im Hause Trefoile, könnte „Das düstere Haus“ zu den gelungeneren Hammer-Filmen zählen, wenn man der alten Frau einen unverbindlicheren Wahnsinn angedacht hätte als ihren strikt religiösen Fanatismus, der den Film trotz mehrfacher Erwähnung des nahen London sehr amerikanisch wirken lässt.

Eher trotz als wegen Tallulah Bankhead mausert sich „Das düstere Haus“ zu einem spannenden Abenteuer, bei dem man sich ernstliche Sorgen um die Heldin machen muss. Der britische Originaltitel „Fanatic“ fasst die Stimmung des Films ebenso wie seinen großen Schwachpunkt in nur einem Wort zusammen, während „Die! Die! My Darling!“ eher wie ein ungelenkter Versuch wirkt, auf Bankheads Marotte, jedermann „Darling“ zu nennen, abzuzielen. Für einen soliden Durchschnitts-Hammer, der seine Melodramatik im Finale geschickt ins Positive kehrt, verteile ich 3 von 5 Punkten.



Die DVD von Sony Pictures: Sony veröffentlicht einen gewohnt guten Transfer des Films, der allerdings nicht auf der originalen britischen, sondern der amerikanischen Kopie basiert. Dies zeigt sich in der Verwendung des US-Titels im Vorspann sowie an dem für englische Verhältnisse eher ungewöhnlichen Bildformat von 1,85:1. Offenbar musste die britische Fassung stärker gekürzt werden, sodass die Wahl des US-Masters nicht verwundert. Positiv fällt auf, dass der Film trotz guten Erhaltungszustands über eine sichtbare Verschmutzung verfügt, die gerade dunklen Szenen einen sehr nostalgisch cineastischen Look verleiht, ohne übermäßig zu stören. Was allerdings nerviger ist als bei anderen Hammer-VÖs aus dem Hause Sony: Die DVD strotzt vor Reglementationen, die zumindest mein Exemplar mit bestimmten Geräten und Programmen nicht sinnvoll abspielbar machen. So lassen sich z.B. während des Films weder Tonspur noch Untertitel umstellen, obwohl löblicherweise Deutsch, Englisch, Italienisch und diverse UTs angeboten werden. Bonusmaterial gibt es keines, nicht einmal einen Trailer. Auf dem Einleger in der Amaray-Hülle werden dementsprechend auch nur die Titel der Kapitel, aber keinerlei Hintergrundinformationen bereitgestellt.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.547

10.06.2015 15:26
#89 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten



BEWERTET: "The Snorkel" Großbritannien 1958
mit: Peter van Eyck, Mandy Miller, Betta St. John, Grégoire Aslan, William Franklyn, Marie Burke, Irene Prador u.a. | Drehbuch: Peter Myers, Jimmy Sangster nach der Vorlage von Anthony Dawson | Regie: Guy Green

Paul Decker vergast seine Frau, indem er sie zunächst betäubt und dann alle Tür- und Fensterritzen mit Klebeband schließt, um einen Selbstmord vorzutäuschen. Da er das Zimmer von innen verriegelt, schützt er sich mithilfe einer Tauchermaske vor den tödlichen Gasen. Die Polizei akzeptiert eine Selbsttötung, obwohl kein Abschiedsbrief vorhanden ist. Nur Candice, die Tochter der Ermordeten, glaubt ihrem Stiefvater nicht, da sie vor Jahren beobachtete, wie er ihren Vater im Meer ertränkte. Sie sucht nach Beweisen für seine Schuld, stößt aber auf Widerstand und begibt sich selbst in tödliche Gefahr....

Peter van Eyck zeichnet innerhalb weniger Minuten das Bild eines eiskalt kalkulierenden Mannes, dem nichts und niemand im Weg stehen darf. Sein Mordplan wird minutiös von ihm ausgeführt, ohne dass sich eine Regung auf seinem Gesicht abzeichnet. Die Tatsache, dass der nordisch (arisch) aussehende Mann eine wehrlose Frau durch Gas tötet und dabei sehr akribisch vorgeht, kann durchaus für Spekulationen über die beabsichtigte Aussage des Films gedeutet werden. Allerdings wurde van Eyck bereits in den Vierziger Jahren in Hollywood für Nazi-Rollen verpflichtet und hatte das Glück, aufgrund seiner deutschen Herkunft und der angenommenen amerikanischen Staatsbürgerschaft nicht festgelegt zu werden. Man konnte ihn mühelos für die eine oder andere Seite verpflichten.



Mandy Miller kämpft nicht nur gegen den listigen van Eyck an, sondern auch gegen Betta St. John, deren Rolle ganz dem Frauenbild der Fünfziger Jahre entspricht und sie deshalb in den Augen des heutigen Betrachters unkritisch und vorauseilend gehorsam erscheinen lässt. Sie zweifelt trotz der Indizien nie an der Lauterkeit ihres Arbeitgebers und scheint sich sogar stille Hoffnungen auf eine Ehe mit dem Witwer zu machen. In unbeirrbarem Glauben an die These, das Böse sei nicht existent, wenn man nur die Augen zumache und es konsequent leugne, treibt sie den Zuschauer zur Weißglut und erschwert die Recherchen des Teenagers. Auch hier könnte sich eine historische Anspielung finden: erwiesenermaßen wussten sehr viele Deutsche von der Existenz der Konzentrationslager im Dritten Reich, beschlossen aber, dass es besser für sie wäre, dies zu ignorieren. In "The Snorkel" ist es gerade die Urlaubskulisse, die für Unbeschwertheit und die Sehnsucht nach einem entspannten Leben steht. Da werden unangenehme Tatsachen gern ausgeblendet und die Überbringerin der schlechten Nachricht (Candy Brown) verleumdet oder gar als wahnsinnig hingestellt.

Über das Ende ist viel spekuliert und diskutiert worden. Meiner Meinung nach ist die Benachrichtigung der Polizei weit mehr als ein der Zensur geschuldeter Bonus. Candy liegt sehr viel daran, von den Erwachsenen ernst genommen zu werden, sie will ihre Glaubwürdigkeit wieder herstellen. Wäre Paul Decker in seiner Falle verrottet, hätte niemand die Wahrheit erfahren und sie hätte ewig mit dem Druck gelebt, ein Verbrechen gedeckt zu haben. Sie hätte sich nicht nur mitschuldig am Tod des Mannes gemacht, sondern vor allem die Aufklärung der Morde an ihren Eltern verhindert. Es geht nicht nur darum, eine Strafverfolgung wegen unterlassener Hilfeleistung abzuwenden, sondern vor allem um den Seelenfrieden des Mädchens. Aller Voraussicht nach wird sie künftig bei Jean und dem (wie üblich in solchen Filmen bereits in den Startlöchern wartenden) Ersatzmann von der Versicherungsgesellschaft leben, weswegen es besonders wichtig ist, dass sie als integre, in allen Aspekten für voll zu nehmende Persönlichkeit dasteht.

Britisch zurückhaltender Thriller, der bis am Ende seine Contenance bewahrt und unter der Sommerhitze tödliche Phantasien auslebt. Wieder einmal bestätigt sich, dass es viel einfacher wäre, wenn man mit der Kraft seiner Gedanken töten könnte, als selbst Hand anlegen zu müssen. 5 von 5 Punkten

Gubanov Offline




Beiträge: 15.502

12.06.2015 17:20
#90 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten

Auch und gerade in diesen Thread gehört die traurige Nachricht vom Tod Christopher Lees.


BBC: Obituary: Sir Christopher Lee
Frankfurter Allgemeine Zeitung: Zum Tod des Schauspielers Christopher Lee

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