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Dieses Thema hat 139 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
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patrick Offline




Beiträge: 2.900

01.02.2015 21:20
#46 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten

Zitat von Josh im Beitrag #45
Zitat von patrick im Beitrag #44
Hab ihn allerdings lange nicht gesehen. Er steht aber auf jeden Fall auf meinem Neu-Sichtungs-Plan.

Das müsste ich bei fast allen Hammerfilmen machen, es ist zu lange her, dass einer bei mir im Player lag.



Die Hammer-Filme gehören für mich, genauso wie Wallace, Karl May und James Bond zu den All-Time-Favourit-Genres. Die Meisten von ihnen hab ich gesehen. Trotzdem ist das bei vielen sehr lange her, was die Neu-Sichtungen besonders schmackhaft macht.

Josh Offline




Beiträge: 7.880

01.02.2015 21:26
#47 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten

Zitat von patrick im Beitrag #46
Zitat von Josh im Beitrag #45
Zitat von patrick im Beitrag #44
Hab ihn allerdings lange nicht gesehen. Er steht aber auf jeden Fall auf meinem Neu-Sichtungs-Plan.

Das müsste ich bei fast allen Hammerfilmen machen, es ist zu lange her, dass einer bei mir im Player lag.



Die Hammer-Filme gehören für mich, genauso wie Wallace, Karl May und James Bond zu den All-Time-Favourit-Genres. Die Meisten von ihnen hab ich gesehen. Trotzdem ist das bei vielen sehr lange her, was die Neu-Sichtungen besonders schmackhaft macht.

Einer meiner Lieblinge ist Dracula und seine Bräute, hast du den schon beurteilt, ich habe jetzt keine Lust, zu suchen?

patrick Offline




Beiträge: 2.900

01.02.2015 21:35
#48 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten

Zitat von Josh im Beitrag #47
Einer meiner Lieblinge ist Dracula und seine Bräute, hast du den schon beurteilt, ich habe jetzt keine Lust, zu suchen?

Steht demnächst auf dem Plan. Nächste Woche aber noch nicht. Da bin ich beruflich unterwegs (was mich aber nicht daran hindert, bereits abgespeicherte Berichte per Smartphone abzuschießen.)

Josh Offline




Beiträge: 7.880

01.02.2015 22:14
#49 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten

Zitat von patrick im Beitrag #48
Zitat von Josh im Beitrag #47
Einer meiner Lieblinge ist Dracula und seine Bräute, hast du den schon beurteilt, ich habe jetzt keine Lust, zu suchen?

Steht demnächst auf dem Plan. Nächste Woche aber noch nicht. Da bin ich beruflich unterwegs (was mich aber nicht daran hindert, bereits abgespeicherte Berichte per Smartphone abzuschießen.)


Ich bin gespannt auf dein Urteil, bei deinem letzten Wort befürchte ich das Schlimmste

patrick Offline




Beiträge: 2.900

01.02.2015 22:17
#50 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten

Ich hab den Film glaub ich zweimal gesehen, wobei das letzte mal etwa in den 90ern gewesen sein muss. Der Film hat mir gefallen, kann aber jetzt nicht mehr sagen, wie ich ihn heute sehe. Bin selber gespannt. Ich denke, ich werde ihn in der übernächsten Woche angehen.

patrick Offline




Beiträge: 2.900

04.02.2015 20:13
#51 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten

The Snorkel (Der Schnorchel)




Originaltitel: The Snorkel
Herstellungsland: Großbritannien
Erscheinungsjahr: 1958
Regie: Guy Green

Darsteller:

Mandy Miller: Candy Brown, Peter van Eyck: Paul Decker, Betta St. John: Jean Edwards, Grégoire Aslan: Inspektor, William Franklyn: Wilson
Marie Burke: Putzfrau, Irene Prador: Französische Frau, Henri Vidon: Italienischer Gärtner,
Genre: Hammer-Filme


Inhalt:

Paul Decker (Peter van Eyck) ermordet in Italien seine Ehefrau, indem er ihr ein Betäubungsmittel verabreicht, Fenster und Türen abdichtet und das Gas aufdreht. Er selbst setzt eine Taucherbrille auf und atmet über einen langen Schlauch, der über eine Falltür unter dem Boden mit frischer Luft gespeist wird.
Als das Dienstpersonal auftaucht, versteckt er sich unter der Falltür, die durch einen Teppich getarnt ist.
Seine Stieftochter, die Teenagerin Candy, beschuldigt ihn sofort des Mordes, da er offensichtlich Jahre zuvor auch ihren Vater in einem fingierten Unfall getötet hat. Doch niemand glaubt ihr, da keinerlei Verdachtsmomente gegen Paul auftauchen. Auch war er zum Zeitpunkt der Tat offiziell in Frankreich, was er durch seinen Pass belegen kann. Die Sache wird als eindeutiger Selbstmord der Mutter abgetan.
Damit ist Candy auf sich alleine gestellt und versucht den Fall zu lösen. Da ihr geliebter Spaniel Toto auf die Tauchermaske aufmerksam wird und diese immer wieder aus dem Schrank hervorholt, wird er von Paul kurzerhand vergiftet, was Candys Trauer und Hass weiter schürt.
Auch Jean Edwards, eine Freundin der Familie, die sich um Candy kümmert, hält Paul für unschuldig und nimmt Candys Anschuldigungen nicht ernst.
Nachdem Candy aber durch ein Poster auf der Straße und später am Strand durch einen Badegast auf die Technik des Tauchens und Schnorchelns aufmerksam wird, fühlt sich Paul langsam in die Enge getrieben und versucht, sie beim Schwimmen zu ertränken, was durch das Hinzukommen Jeans vereitelt wird. Ihr gegenüber gibt Paul vor, die zu weit hinausgeschwommene Candy gerettet zu haben. Nachdem diese anschließend im Hotel eine Szene macht und ihn als Mörder beschimpft, stößt sie auch diesmal auf taube Ohren. Paul gibt vor, mit den „falschen“ Anschuldigungen nicht mehr leben zu können und fährt nach Frankreich, nur um des Nachts über`s Wasser zurückzuschnorcheln. Am nächsten Tag stellt er Candy im Hause der Familie eine Falle und es kommt zur entscheidenden Konfrontation zwischen den Beiden….

Anmerkungen:

Dem Film ist anzusehen, dass Hammers Expertise in Puncto Thriller 1958 noch nicht ganz ausgereift war. Es haben sich einige Längen eingeschlichen und die musikalische Untermalung ist noch nicht das, was man von späteren Beiträgen gewohnt ist. Es wird immer wieder eine italienische Musik eingespielt, die auf mich die Wirkung eines „Thriller-Killers“ hat. Der Film tümpelt lange Zeit ohne besondere Höhepunkte dahin, bäumt sich aber gegen Schluss hin regelrecht auf und präsentiert ein Finale, das das Etikett Hammer verdient hat. Der Schluss ist genial, hätte aber meiner Meinung nach auf die allerletzte Szene verzichten sollen, die wohl dem damaligen Moralkodex geschuldet war.

Peter van Eyck ist zweifellos der herausragendste Schauspieler in diesem Film. Seine Skrupellosigkeit, Verlogenheit, Doppelgesichtigkeit und sein falscher Charme kommen wirklich erstklassig rüber. Einerseits mordet er, ohne mit der Wimper zu zucken, andererseits markiert er den verständnisvollen, mitfühlenden netten Kerl.
Die damals noch sehr junge Mandy Miller (geb.1944) als Candy wirkt sehr burschikos und erinnert mich optisch an Johnny Sheffield aus den Johnny Weißmüller-Tarzan-Filmen. Sie spielt ihren Part aber durchaus überzeugend.
Betta St.John als Jean wirkt hier im Gegensatz zu anderen Streifen (z.B. in Gordon Scott- Tarzan-Filmen) eher farblos und mit weniger Ausstrahlung, als es ihrem Potential entspricht.
Etwas unrealistisch erscheint, dass Candy sich nach dem eindeutigen Mordversuch im Wasser von Paul gegen Schluss hin noch täuschen lässt und nicht davor zurückschreckt, mit ihm allein im Haus zu sein, wo dieser vorgibt, einen Abschiedsbrief der Mutter gefunden zu haben. Soviel Naivität ist schon sehr unglaubwürdig.
Das Katz- und-Maus-Spiel zwischen den beiden Hauptprotagonisten ist insgesamt aber recht stimmig inszeniert.

Das Rezept, einen Film zu präsentieren, in dem der Mörder von Anfang an bekannt ist und in dem es darum geht, wie sein perfektes Verbrechen aufgedeckt wird, ist sehr wahrscheinlich von Hitchcock inspiriert worden. Allerdings kann dieser Film dessen Klasse, im Gegensatz zu „Ein Toter spielt Klavier“, noch nicht erreichen.

Die Gesetze der Physik werden übrigens auch ignoriert. Über einen derart langen Schlauch wirklich frische Luft von draußen zu bekommen, würde des Lungenvolumens von King Kong bedürfen.
Dass sich beim Schnorcheln der ganze Körper komplett unter Wasser befindet und nur der Schnorchel selbst die Oberfläche durchdringt, ist mir auch neu.

Alles in Allem vergebe ich hier, Dank des gelungenen Schlusses, 3,5 von 5.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.208

04.02.2015 20:15
#52 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten



Der Schnorchel (The Snorkel)


Kriminalfilm, GB 1958. Regie: Guy Green. Drehbuch: Peter Myers, Jimmy Sangster (Vorlage: Anthony Dawson). Mit: Peter van Eyck (Paul Decker), Betta St. John (Jean Edwards), Mandy Miller (Candy Brown), Grégoire Aslan (der Inspektor), William Franklyn (Wilson), Marie Burke (Haushälterin), Henri Vidon (Gärtner), Robert Rietty (Sergeant auf der Wache), Irene Prador (französische Hotelbesitzerin), Flush (Toto, der Hund) u.a. Uraufführung (GB): 7. Juli 1958. Uraufführung (BRD): 22. Juli 1958. Uraufführung (USA): 17. September 1958. Eine Produktion der Hammer Film Productions für Clarion Films.

Zitat von Der Schnorchel
In einem hermetisch versiegelten Zimmer begeht Paul Decker den beinah perfekten Mord an seiner reichen Ehefrau: Während er den Raum unter Gas setzt und damit den Selbstmord der betäubten Frau vorspiegelt, versteckt er sich selbst, mit einem Schnorchel und Frischluftzufuhr ausgerüstet, in einer versteckten Luke unter den Dielenbrettern. Erst nachdem die Polizei Mrs. Deckers Leiche abtransportiert hat, huscht Paul aus seinem Versteck und gibt vor, gerade über die Grenze aus Frankreich herübergefahren zu sein. Niemand verdächtigt ihn – außer seiner Stieftochter Candy, die alles daran setzt, Paul auf eigene Faust zu überführen. Sie ist sich sicher: Er hat nicht nur ihre Mutter auf dem Gewissen, sondern auch ihren leiblichen Vater ...


Dass das Budget für „The Snorkel“ um ungefähr 20 Prozent über den üblichen Ausgaben für einen Hammer-Film lag, sieht man diesem Krimi, der in sonnigen Bildern der Riviera di Ponente geradezu badet, deutlich an. Der Film spielt ähnlich wie „Scream of Fear!“ in einer küstennahen Villa am Mittelmeer, gerät aber im Vergleich zu Hammers Referenztitel weniger kammerspielartig und versprüht demnach mehr meditarranen Charme als Susan Strasbergs Suche nach ihrem toten Vater. Einige der mondänen Außenaufnahmen erinnern an die Monte-Carlo-Sequenzen in Alfred Hitchcocks „Rebecca“. Der Umstand, dass die Welturaufführung des raffinierten van Eyck’schen Mordplans während einer Atlantikquerung an Bord des Luxusliners Queen Elizabeth stattfand, komplettiert den Hang zum nassen Element, der zu einem Film mit einem Schnorchel im Titel natürlich wie die Faust aufs Auge passt.


Zitat von Tipping My Fedora: „The Snorkel“ – Tuesday’s Forgotten Film, Quelle
This oddly titled movie is an inverted mystery about a husband who comes up with a seemingly full-proof method to bump off his wife. [...] Although we see the murder at the start of the film, there are many elements that do not become clear until the end, such as how Decker was able to get an alibi that placed him across the border in France at the time of the murder, how he was able to get his wife to lie down and accept her fate and how he was hoping to pacify Candy’s inevitable suspicions.


Es ist sogleich die ausführliche, stumme Einstiegsszene, die den Zuschauer in ihren Bann zieht. Peter van Eyck gelingt es, sich ohne jede Worte als Quell des Bösen zu etablieren. Auch als nach dem Fund der Leiche bereits die ersten Anschuldigungen gegen ihn einsetzen, ist er im Zwischenboden des Zimmers zu völligem Schweigen verurteilt und bestätigt seine Kaltblütigkeit erneut mit so kleinen Gesten wie dem Hochziehen einer Augenbraue. Wie zu erwarten war, zählt Peter van Eyck zu den prägnantesten Schurken der Hammer-Thriller, vor allem weil er seinen Paul Decker zum brandgefährlichen Killer ohne Skrupel stempelt, der jede Gelegenheit für seine Pläne zu nutzen versteht. In der Rückschau mag man analysieren, dass er sich seiner Gegnerin durch etwas mehr Gelassenheit vielleicht einfacher hätte entledigen können (nachdem er ohnehin drauf und dran war, Candy nach Amerika „abzuschieben“). Doch gerade die Bissigkeit beider Antagonisten verleiht „The Snorkel“ die richtige Würze.

Miss Candis Brown begegnet dem Zuschauer in Gestalt der Jungschauspielerin Mandy Miller, die als „sensitive-looking British child star of the fifties“ (IMDb) über fast ein Jahrzehnt Schauspielerfahrung verfügte und für die Sätze, die sie im vorliegenden Film im Brustton der Überzeugung von sich geben muss, vielleicht sogar schon ein bisschen zu reif erscheint. Auch Regisseur Green beschrieb sie als „a bit too mature for the part, and all our efforts failed to disguise this“ (TCM). Der Altersfrage zum Trotz besticht Miller durch naive Hartnäckigkeit und stellt letztlich ein sehr attraktives Gegenstück zum unterkühlten Peter van Eyck dar.



Wie aus dem oben angeführten Zitat hervorgeht, handelt es sich bei „The Snorkel“ um eine geschickte Spielart des Howdunit-Prinzips, in dem das Publikum nicht nach der Identität des Killers, sondern nach Erklärung für sein Vorgehen sucht. Dass sich der Film so stark auf diese Gattung der Kriminalerzählung stützt und zudem wichtige Aspekte wie Alibis, Hilfswerkzeuge für den Mord oder die Frage nach einem Verbrechen in der Vergangenheit in den Fokus rückt, lässt ihn stark zur klassischen Krimi- und weniger zur später typischen Thriller-Schiene der Hammer Film tendieren. Dies schließt allerdings nicht aus, dass er von spannungsgeladenen Szenen im Mordzimmer, am Strand von Sanremo und an der nächtlichen Steilküste Gebrauch macht, um die dialoglastige Handlung aufzulockern.

In diesem sehenswerten Mittelmeerkrimi zeigt sich das, was Agatha Christie als „das Böse unter der Sonne“ bezeichnete. Peter van Eyck und Mandy Miller liefern sich ein packendes Duell, das weniger von Thriller- oder Horrorzutaten als vielmehr von den Ingredienzien einer herkömmlichen Kriminalgeschichte lebt und deshalb unter Hammer-Gesichtspunkten vielleicht unspektakulär wirken mag. Wer auf böse Träume, Geister und Monster verzichten mag, findet in „The Snorkel“ allerdings einen gelungenen, temporeichen Spannungsfilm, der mit einer starken Prätitelsequenz beginnt und in einem rabenschwarzen Finale kulminiert. 4,5 von 5 Punkten.



Die DVD von Sony Pictures (US-Import): Hinter der „Hammer Icons of Suspense Collection“ verbirgt sich eine vielversprechende Mischung schwarzweißer Hammer-Thriller ohne Monster, Legenden und Sci-fi. Die Edition ist zu einem so günstigen Preis zu haben, dass man das simple Keepcase und den Umstand, dass jeweils zwei der (ohnehin recht kurzen) Spielfilme auf eine DVD gepresst wurden, gern verzeiht, zumal man jedem der Titel einen zumindest guten Transfer attestieren kann. Das bekannte Review-Portal DVD-Beaver gibt detailliert Aufschluss über die Qualität der Filme sowie diverse Screenshots, damit man sich selbst ein Bild machen kann. Die Discs sind RC1-kodiert. Als Bonus werden zeitgenössische Trailer zu den enthaltenen Produktionen „Stop Me Before I Kill!“ (1960), „Cash on Demand“ (1961), „The Snorkel“ (1958), „Maniac“ (1963), „Never Take Candy from a Stranger“ (1960) und „These Are the Damned“ (1963) geboten.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.208

04.02.2015 20:24
#53 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten

Zitat von patrick im Beitrag #51
Der Schluss ist genial, hätte aber meiner Meinung nach auf die allerletzte Szene verzichten sollen, die wohl dem damaligen Moralkodex geschuldet war.

Das Ende des Films erinnerte mich ein wenig an Edgar Allan Poe. Es ist vor allem deshalb so befriedigend, weil der Täter sozusagen in seine eigene Falle tappt. Natürlich hätte ich es mir auch gewünscht, dass Candy es bei ihrer Entscheidung, alles für eine Einbildung zu halten, belässt. Allerdings kann man die Autoren letztlich nicht für die letzte Szene kritisieren, denn einerseits war sie, wie du schon schreibst, für die "moralische Vertretbarkeit" v.a. beim amerikanischen Publikum notwendig, andererseits wird sie bereits früher im Film durch Candys Versprechen, van Eyck der Polizei auszuliefern, motiviert. Sie deshalb einfach wegzulassen, dürfte keine Option gewesen sein. Ein IMDb-Mitglied hat einen anderen Vorschlag gemacht: Man hätte einfach vor Candys Besuch auf dem Polizeirevier die Einblendung "Zwei Wochen später" montieren müssen und schon hätte man die Bösartigkeit des Zuschauers und das Verlangen nach dem Informieren gesetzlicher Stellen befriedigt. Natürlich hätte dies zur Folge gehabt, dass sich auch Candy rechtlichen Konsequenzen gegenübergesehen hätte.

Matze K. Offline



Beiträge: 1.034

04.02.2015 21:34
#54 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten

Hey den Schnorchel kenne ich auch - nur hätte ich ihn jetzt nicht in Trash/Horror/Hammer Kategorie gepackt. Ist für mich ähnlich wie "das Mörderspiel" aber ein wirklich guter Film !!!

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Immer wenn du lügst, muss Jesus Blut weinen.
(Todd Flanders)
Wie kann Dummheit entscheiden was klug ist
(meine Frau)

patrick Offline




Beiträge: 2.900

04.02.2015 23:19
#55 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten

Das mit "der Polizei überführen" würde ich nicht allzu wörtlich nehmen. Das war das Mindeste, was wohl in Candyˋs Sinne gewesen wäre. Schlußendlich hätte es sogar noch besser kommen können, was ja nicht voraussehbar war. Der Zuseher hätte wohl kaum ein Problem damit gehabt, Paul seinem Schicksal zu überlassen. Er ist ja ein richtiges Sch..... und zieht garantiert keine Sympathien auf sich.

Hut ab vor Peter van Eyck. Seine schauspielerische Leistung ist grandios und er agiert weit über dem Niveau seiner Mabuse-Auftritte. Toll, wie sich seine Mine verfinstert, nachdem er am Strand merkt, dass Candy auf der richtigen Spur ist (siehe meinen 7.Screen-Shot). Ich würde sagen, für Peter van Eyck-Fans ist dieser Film ein absolutes muß.
Ohne seine geniale Performance und ohne den hervorragenden Schluß würde der Film in Mittelmäßigkeit versinken. Tatsächlich hab ich überlegt 4 anstatt 3,5 Punkte zu vergeben, allerdings mit der Begründung davon Abstand genommen, dass mir der Film über weite Strecken etwas zu langsam und unspektakulär verläuft.

übrigens @Gubanov: Spricht Peter van Eyck hier mit seiner richtigen Stimme? Ich hab das nicht recherchiert. Die englische Stimme klingt für mich wie seine deutsche, allerdings ohne Akzent, was ja auch nicht im Sinne der Rolle gewesen wäre.

Eine makabere Parallele ist wohl auch, dass van Eyck als deutscher Schauspieler in einem britischem Film mit Gas mordet.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.208

04.02.2015 23:50
#56 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten

Zitat von patrick im Beitrag #55
Spricht Peter van Eyck hier mit seiner richtigen Stimme? Ich hab das nicht recherchiert. Die englische Stimme klingt für mich, wie seine deutsche, allerdings ohne Akzent, was ja auch nicht im Sinne der Rolle gewesen wäre.

Van Eyck spricht sich im Originalton selbst. Er hat ja eine sehr markante Stimme, die ich schon immer beeindruckend fand und die ihm sowohl in vertrauenerweckenden als auch in düsteren Rollen zugute kommt. Allerdings würde ich nicht sagen, dass er komplett akzentfrei spricht. Ein IMDb-User ging sogar so weit, explizit auf den deutschen Akzent van Eycks in diesem Film hinzuweisen. Und das ist durch die Rolle im Film ja nicht einmal ausgeschlossen: Der Name Paul Decker könnte einem Engländer, aber auch einem Deutschen gehören. Falls Letzteres beabsichtigt war, wäre die von Decker gewählte Mordmethode tatsächlich im wahrsten Sinne des Wortes doppelbödig.

PS: Ich hatte auch bei den Punkten geschwankt - zwischen 4,5 und 5.

patrick Offline




Beiträge: 2.900

05.02.2015 07:33
#57 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten

Dann hab ich richtig vermutet. Er spricht nicht wie ein echter Brite. Aber einen typischen deutschen Akzent hab ich nicht rausgehört. Die englische Sprache hat ja unter den Native-Speakern vielerlei Varianten. Wenn ich da mal an die Südafrikaner denke. Auf jeden Fall spricht Van Eyck ein hervorragendes Englisch und es ist ein Schmankerl ihn hier mit seiner Originalstimme zu hören, die ja wirklich sehr markant ist.

Im Film wird erwähnt, er wäre Engländer.

patrick Offline




Beiträge: 2.900

05.02.2015 23:51
#58 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten

Cash on Demand




Filmdaten

Originaltitel: Cash on Demand
Produktionsland: Großbritannien
Originalsprache: Englisch
Erscheinungsjahr: 1961
Länge: 84 Minuten
Stab
Regie: Quentin Lawrence
Drehbuch: David T. Chantler
Lewis Greifer
Produktion: Michael Carreras
Musik: Wilfred Josephs
Kamera: Arthur Grant
Schnitt: Eric Boyd-Perkins

Besetzung:

Peter Cushing: Harry Fordyce,, André Morell: Colonel Gore Hepburn, Richard Vernon: Pearson, Norman Bird: Sanderson, Kevin Stoney: Detective Inspector Mason, Barry Lowe: Harvill, Edith Sharpe: Miss Pringle, Lois Daine: Sally, Alan Haywood: Kayne, Vera Cook: Mrs. Fordyce

Inhalt:


Der Bankmanager Harry Fordyce ist als Chef für seine Angestellten ein richtiges Ekel. Kleinkariert, detailfetischistisch, pedantisch, unzugänglich und völlig humorlos terrorisiert er ständig seine Belegschaft.
An einem 23 Dezember sollte allerdings einiges anders werden. Colonel Hepburn (Andre Morell) stellt sich als Vertreter der für Fordyces Bank verantwortlichen Versicherungsgesellschaft vor und erklärt, er hätte den Auftrag, sämtliche Sicherheitsvorkehrungen zu überprüfen.
Als die Beiden allein in Fordyces Büro sind, erhält dieser einen mysteriösen Anruf, bei dem sein Sohn und seine Frau zu verstehen geben, in der Gewalt von Verbrechern zu sein. Der gute Colonel outet sich als Betrüger und erklärt Fordyce , dass er 90.000 Pfund haben wolle, widrigenfalls seine Familie ermordet würde. Er erklärt ihm, dass sich in seinem Wagen mehrere, mit Büchern gefüllte, Koffer befinden. Einer der Bankangestellten sollte den Wagen auf einen gebührenfreien Parkplatz umparken und danach die Koffer in Fordyces Büro bringen. Das ganze geschieht unter dem Vorwand, dass das Gepäck keine Diebe anlocken sollte.
Danach zwingt der Colonel Fordyce, mit ihm in den Tresorraum zu gehen, dort die Koffer auszuleeren und mit dem Geld zu füllen. Die Aktion sollte, einem strikten Zeitplan folgend, innerhalb von 45 Minuten ablaufen. Bei Betätigung eines Alarms müsse Fordyces Familie sterben.
Als sie darangehen wollen, die Koffer nach unten zu bringen, macht gerade ein Fensterputzer seine Arbeit, was wertvolle Zeit kostet. Der kühle und besonnene Colonel gibt Fordyce Anweisung, sich ruhig und natürlich zu verhalten. Als die Luft wieder rein ist, wird, wie vom Colonel geplant, vorgegangen. Allerdings vergisst Fordyce in der Aufregung, die innere Tresortür wieder zu schließen, was innerhalb kürzester Zeit einen Alarm auslösen würde. In letzter Sekunde kann dies verhindert werden.
Zurück in Fordyces Büro erklärt der Colonel, er würde nach seiner Flucht alle 15 Minuten mit seinen Komplizen telefonieren. Würde ein Telefonat versäumt oder die Polizei gerufen werden und er nicht innerhalb einer Stunde an einem vereinbarten Ort sein, müsse Fordyces Familie sterben.
Unmittelbar nachdem der Colonel mit den gefüllten Koffern die Bank verlassen hat, tritt der Bankangestellte Pearson an Fordyce heran und informiert ihn, gerade einen Anruf von der Versicherungsgesellschaft erhalten und dabei erfahren zu haben, dass Colonel Hepburn an einem ganz anderen Ort wäre. In dem Wissen, das ein Betrüger am Werk war, habe er sofort die Polizei gerufen……….

Anmerkungen:

„Cash on Demand“ nimmt deutlich Anleihe bei Charles Dickens „Weihnachtsgeschichte“. Dort wird der kalte und geizig Ebenezer Scrooge eines Nachts von 3 Geistern bekehrt. In diesem Film findet Fordyce, aufgrund des beschriebenen Schockerlebnisses, schließlich zu seiner menschlichen Seite.
Der Streifen hat den Charakter eines einfachen Kammerspiels, da er fast ausschließlich in den Räumlichkeiten der Bank spielt. Allerdings ist die Handlung derart intelligent und der Spannungsaufbau so gut gelungen, dass dies überhaupt nicht störend wirkt. Man wird dabei an Hitchcock erinnert, der in Filmen wie „Bei Anruf Mord“ und „Das Fenster zum Hof“ ähnliches zuwege brachte. Sowohl Cushing als auch Morell haben hier die Gelegenheit genutzt, ihr schauspielerisches Talent voll zu entfalten, wie in kaum einem anderen Film. Die beiden liefern sich einen regelrechten Wettstreit und es ist faszinierend, dies auf sich wirken zu lassen.
Morell spielt seinen Part sowohl sehr charmant, selbstsicher und eloquent, als auch mit überheblicher Arroganz. Außerdem bleibt er in absolut jeder Situation ruhig und besonnen. Seine Überlegenheit und Skurpellosigkeit wird durch die charakteristischen Gesichtszüge und sein Minenspiel wirkungsvoll unterstrichen.
Peter Cushing steht ihm in nichts nach. Man hat den Eindruck, dass sich jede Zelle seines Körpers in die Rolle eingelebt hat. Ist er zu Beginn des Films ein gefühlskalter, distanzierter Eisklotz, verwandelt er sich, konfrontiert mit der Extremsituation, in ein wimmerndes, zitterndes Nervenbündel. Er wirkt dabei derart authentisch, dass man glaubt , eine, aus dem wahren Leben gegriffene, reale Situation eines Menschen zu sehen, der mit den Nerven völlig am Ende ist.
Er wird von Morell auch ständig auf seine Fehler und Schwächen, vor Allem im Umgang mit Menschen, hingewiesen, was den Kontrast zwischen den beiden Persönlichkeitstypen unterstreicht.
Verzweifelt erwähnt er, seine Familie wäre alles was er habe. Er habe keine Freunde, keine Bekannten, nur seinen Sohn und seine Frau.
An einer Stelle droht er dem Colonel: „Bisher haben Sie alle Drohungen ausgesprochen“. Ich spreche jetzt nur eine aus. Wenn meiner Familie etwas passiert, bringe ich Sie um“.
Auffallend ist, dass sich die Filmhandlung ungefähr in Echtzeit abspielt. Allerdings wird erwähnt, dass, sollte man die innere Tresortür nicht zusperren, innerhalb von 30 Sekunden ein Alarm losgeht. Tatsächlich dauert es ungefähr 40 Sekunden, bis dies von Fordyce nachgeholt werden kann.
Am Ende ist Fordyce ein geläuterter, wesentlich menschlicherer und umgänglicherer Chef. Als Kritikpunkt möchte ich anmerken, dass der Schluss etwas zu harmlos geraten ist.

Fazit: Eine sehr spannend inszenierte Kammerspielatmosphäre mit genialer schauspielerischer Performance. Ein Film, den ich, trotz seiner Einfachheit, als Geheimtipp nur empfehlen kann. Als Alternative zu Dickens nicht ungeeignet für`s Weihnachtsprogramm.

4,5 von 5.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.208

05.02.2015 23:52
#59 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten



Cash on Demand


Kriminalfilm, GB 1961. Regie: Quentin Lawrence. Drehbuch: David T. Chantler, Lewis Greifer (Vorlage: Jacques Gillies). Mit: Peter Cushing (Harry Fordyce), André Morell (Colonel Gore Hepburn), Richard Vernon (Pearson), Norman Bird (Arthur Sanderson), Kevin Stoney (Inspektor Bill Mason), Barry Lowe (Peter Harvill), Edith Sharpe (Miss Pringle), Lois Daine (Sally), Alan Haywood (Kane), Charles Morgan (Sergeant Collins) u.a. Uraufführung (GB): Oktober 1961. Uraufführung (USA): 20. Dezember 1961. Eine Produktion der Hammer Film Productions für BLC Films.

Zitat von Cash on Demand
Nur ein weiterer Tag, an dem Harry Fordyce, Leiter einer Filiale der City & Colonial Bank in einer harmlosen Kleinstadt, seine Angestellten mit seiner Pingeligkeit zur Weißglut treiben wird? Nein, für Abwechslung sorgt Colonel Gore Hepburn, der sich nach anfänglicher Vorstellung als Sicherheitsbeauftragter der Versicherung als Bankräuber par excellence entpuppt. Mit der Drohung, Fordyce’ Frau und Sohn würden schwer verletzt, zwingt Hepburn den prinzipientreuen Fordyce zur Mithilfe, den eigenen Tresor um 93’000 Pfund zu erleichtern. Wird der Plan aufgehen? Kommen alle Beteiligten mit einem blauen Auge davon?


In Abweichung vom üblichen Hammer-Schema zeigt „Cash on Demand“ keine einsame Villa, kein junges, verschrecktes Mädchen, keinen teuflischen Mordplan und keine einzige Nachtszene. „Das soll ein Hammer-Film sein?“ mag man sich während der Sichtung fragen und hat damit wahrscheinlich schon den Hauptgrund gefunden, warum diese eigentlich packende Erzählung eines eleganten Bankraubs nie auf deutschen Kinoleinwänden zu sehen war: Den Verleihern hierzulande fiel einfach kein reißerischer Titel für die Produktion ein ...



Noch ungewöhnlicher erscheint „Cash on Demand“, wenn man seine Thriller-Elemente wegdenkt und bemerkt, dass es sich eigentlich um eine spannende Neuinterpretation von Charles Dickens’ „Weihnachtsgeschichte“ handelt, in der ein unleidiger Bankdirektor am Vortag des Fests von einem jovialen Schurken zu etwas mehr Herzlichkeit angeregt wird. Peter Cushing spielt die Neuinterpretation des Ebeneezer Scrooge mit verachtenswerter Strenge und komplett fehlenden zwischenmenschlichen Banden, gleitet dabei manchmal ein wenig ins Chargieren ab, macht dadurch allerdings die Wandlung, die sein Harry Fordyce unterläuft, vor den Augen des Zuschauers perfekt nachvollziehbar. Die zwei Höhepunkte des Films sind dann folgerichtig nicht nur der Diebstahl des Geldes aus dem Tresorraum, sondern auch die engagierte Moralpredigt, die Bankräuber Hepburn seinem Opfer hält und in der deutlich wird, dass sich „Cash on Demand“ über die übliche Zeichnung von Rechtschaffenheit = gut und Verbrechertum = böse hinwegsetzt.

Zitat von The Celluloid Highway: „Cash on Demand“, Quelle
Cushing is marvellous and does everything within his repertoire to make Fordyce an overly efficient, stiff, and thoroughly dislikeable management figure, the like of which most of us have encountered in our working lives. [...] We soon discover that beneath the icy exterior Fordyce is an incredibly insecure individual who is well aware of his unpopularity and only too self-conscious of the fact that he exists in a hollow and friendless world with only his wife and son for support. Hepburn on the other hand is everything that Fordyce isn’t. He is charming, amusing, cultured and intelligent and in posing as a representative of an insurance company takes an interest in the staff that Fordyce neglects.


Ein weniger romantischer Blick auf den Film legt offen, dass es sich bei dem Stoff um das Remake eines nur ein Jahr zuvor realisierten Fernsehfilms aus der Reihe „Theatre 70“ (Episode „The Gold Inside“) handelt, in dem André Morell und Richard Vernon bereits ihre jeweiligen Rollen einüben konnten. Auch Regisseur Quentin Lawrence war bereits für die TV-Variante verantwortlich. Die Herkunft merkt man dem auf läppische fünf Sets – fast ausschließlich innerhalb der Bank – beschränkten und dementsprechend günstig zu produzierenden „Filmchen“ deutlich an: Sie kann als Konzentration aufs Wesentliche verstanden werden, als Betonung der inhaltlichen Meriten der Geschichte anstatt teurer Produktionswerte.



Tatsächlich zünden die Spannungselemente in „Cash on Demand“ hervorragend. Man fiebert mit dem Plan mit, der von André Morell in aller Seelenruhe vorgetragen wird, während Cushings Charakter wahre Höllenqualen durchleidet. Als besonders ergreifend bleibt die Sequenz in Erinnerung, in der die Kontrolllampe aufleuchtet, die auf die nicht richtig geschlossene Innentür des Tresorraums hinweist und innerhalb von 30 Sekunden einen Polizeialarm auslöst, den die beiden Hauptfiguren aufs Tunlichste vermeiden wollen. Hier blitzt für einen kurzen Augenblick jenes Entsetzen auf, das „Cash on Demand“ dann doch wieder mit den Hammer-Klassikern verbindet (ach ja, so kurz ist der Moment dann doch nicht: pedantische Filmfreunde haben nachgemessen, dass – ohne Konsequenzen – 41 Sekunden vergehen, bis die Alarmleuchte erlischt).

Nach seinem etwas trockenen Auftritt im „Hund von Baskerville“ zeigt André Morell, was wirklich in ihm steckt: Zusammen mit Cushing stellt er die Idealbesetzung für eine Zweckgemeinschaft auf Zeit mit dem Ziel, eine Bank auf ungewöhnlich unbrutale Weise auszurauben, dar. „Cash on Demand“ überzeugt durch soliden Nervenkitzel und harmonische Anleihen an die „Weihnachtsgeschichte“, hätte allerdings einen etwas umfangreicheren Schluss mit besseren Erklärungen vertragen. 4,5 von 5 Punkten.



Die DVD von Sony Pictures (US-Import): siehe „The Snorkel“. Anzumerken ist, dass der Film in der DVD-Fassung 79 Minuten 59 Sekunden läuft, was einer Filmwiedergabelänge von 79 Minuten 54 Sekunden entspricht. Laut BBFC-Prüfunterlagen von 1961 hatte die britische Kinofassung des Films allerdings eine Laufzeit von 88 Minuten 42 Sekunden. Es kann also davon ausgegangen werden, dass auf der Sony-DVD eine geschnittene Fassung enthalten ist.

patrick Offline




Beiträge: 2.900

10.02.2015 12:30
#60 RE: Die Hammer-Filme. Britische Thriller-, Gothic-, und Gruselperlen Zitat · antworten

The Brides of Dracula (Dracula und seine Bräute)



Filmdaten:

Deutscher Titel: Dracula und seine Bräute
Originaltitel: The Brides of Dracula
Produktionsland: Großbritannien
Originalsprache: Englisch
Erscheinungsjahr: 1960
Länge: ca. 85 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Stab:

Regie: Terence Fisher
Drehbuch: Peter Bryan
Edward Percy
Jimmy Sangster
Produktion: Michael Carreras
Anthony Hinds
Anthony Nelson Keys für Hammer Productions
Musik: Malcolm Williamson
Kamera: Jack Asher
Schnitt: Alfred Cox
Besetzung:

Peter Cushing: Doktor Van Helsing, Yvonne Monlaur: Marianne Danielle, David Peel: Baron Meinster, Martita Hunt: Baroness Meinster, Andree Melly: Carla (engl. Originalfassung: Gina), Freda Jackson: Greta, Mona Washbourne: Helga Lang, Henry Oscar: Dagobert Lang, Miles Malleson: Dr. Tobler, Vera Cook: Wirtin, Marie Devereux: Gina (engl. Originalfassung: Village Girl)



Handlung:

Die junge Französischlehrerin Marianne ist auf dem Weg zu einem Mädcheninternat in Transsilvanien. Während einer Zwischenstation in einem Gasthaus wird sie von ihrem Kutscher im Stich gelassen, der von einem Fremden bestochen wird. Die Baronesse Meinster bietet ihr allerdings Unterkunft in ihrem düsteren Schloss an, das sie zusammen mit der älteren Dienerin Greta und ihrem Sohn Baron Meinster bewohnt. Die Existenz des Letzteren sollte eigentlich verschwiegen werden, da er laut Baronesse krank und gefährlich sei. Er ist daher dauerhaft in ein Zimmer eingeschlossen. Marianne entdeckt ihn zufällig auf dem Balkon stehend und begibt sich, trotz der ausgesprochenen Warnungen, zu ihm. Dieser ist ein attraktiver und kultiviert wirkender junger Mann, für den Marianne sowohl Faszination als auch Mitleid empfindet, als sie entdeckt, dass er an eine Kette gefesselt ist. Sie lässt sich daher von ihm überreden, den befreienden Schlüssel aus dem Zimmer der Mutter zu entwenden. Die Beiden planen, zusammen anschließend das Schloss zu verlassen.
Kaum hat sich der junge Baron seiner Kette entledigt, entpuppt er sich als Vampir, der sowohl seine Mutter, als auch ein Mädchen aus dem Dorf zu Seinesgleichen macht. Angelockt durch das Klagen Gretas, betritt Marianne das Zimmer des Barons, in dem sie die Leiche von Baroness Meinster erblickt. Gretas Lamentieren schlägt dabei in dämonisches Gelächter um. Schockiert verlässt Marianne das Schloss und wird von Dr.Van Helsing (Peter Cushing) bewusstlos im Wald aufgefunden. Dieser erkennt bald, dass erneut ein Vampir sein Unwesen treibt, und nimmt sich der Sache an. Er kommt hinzu, als das jüngst verstorbene Mädchen in Anwesenheit Gretas, die nun Baron Meinster hörig ist, dem Grabe entsteigt. Die Untote kann zwar entfliehen, doch begibt sich Van Helsing in das Schloss Meinster, wo er auf den Baron trifft, der allerdings entkommen kann. Er begegnet aber auch der, mittlerweile ebenfalls Untoten, Baronesse und erlöst sie mit einem Pfahl von ihrem Dasein.
Der junge Baron begibt sich zu der, noch immer nichtsahnenden, Marianne und verlobt sich sogar mit ihr. Danach beißt er eine Lehrerin aus dem Mädcheninternat, welche ebenfalls stirbt und als Vampirin ihrem Sarg entsteigt. Als sie Marianne an den Hals will, kommt Van Helsing in letzter Sekunde zur Hilfe und begibt sich in das Versteck der Vampire, wobei es zu einer neuerlichen Konfrontation mit dem Baron kommt, bei welcher der Doktor selbst gebissen wird. Er kann sich allerdings retten, indem er die Wunde mit einem glühenden Eisen ausbrennt und mit Weihwasser übergießt.
Nachdem der Baron Marianne entführt, kommt es bei einer alten Windmühle, dem Versteck der Vampire, zum Finale zwischen Van Helsing und dem Untoten. Der Doktor spritzt Letzterem dabei in einer kreuzförmigen Bewegung Weihwasser in`s Gesicht und richtet die Arme der Windmühle so aus, dass sie einen Schatten in Form eines Kruzifixes auf den Baron werfen, wodurch der Vampir schließlich zerstört wird.

Anmerkungen:

Der Titel suggeriert fälschlicherweise, dass es sich hier um einen Dracula-Film handelt. Dies ist nicht richtig. Ursprünglich hielt ich das für einen deutschen Etikettenschwindel, was mitnichten zutrifft, da der Film im Original ja den gleichen Titel trägt.
Der Streifen ist allerdings dahingehend originell, dass er es als direkte Fortsetzung zu "Horror of Dracula" nicht für notwendig erachtet, den Grafen, wie in mehreren späteren Filmen, zum Leben zu erwecken, sondern einen neuen Vampir auf den Plan treten lässt. Es wird lediglich die Figur des Dr.Van Helsing übernommen. Auch ist deutlich erkennbar, dass die Hammer-Crew seit ihren frühen Horrorfilmen ihr Handwerk merklich perfektioniert hat. Sowohl Atmosphäre als auch Dekor sind deutlich beeindruckender als etwa bei "The Curse of Frankenstein" oder "Horror of Dracula". Die Nachtaufnahmen sind auch viel unheimlicher. Der Film ist in seinem schönen farb-gothic-Stil ausgesprochen klassisch geraten.

Allerdings ist einiges nicht ganz logisch. Nach der Lesart des ersten Vampirfilms sterben die Opfer erst nach mehrmaligem "anzapfen" durch den Blutverlust und verhalten sich wie Suchtkranke, die auf den nächsten Biss warten. Nach ihrem Ableben werden sie dann zu Untoten, die jedoch nicht mehr ihre ursprüngliche Persönlichkeit beibehalten, sondern nur noch eine körperliche Hülle für das Böse darstellen.
In diesem Film sterben die Opfer alle bereits nach dem ersten Biss (Der Film wäre sonst wohl zu lang geraten ). Die Baroness ist sich, im Gegensatz zu den anderen Untoten, ihrer Situation voll bewusst und unterhält sich sogar mit Dr. Van Helsing über ihr Schicksal. Ihre Persönlichkeit hat sich nicht verändert, und sie ist sogar davon angewidert, was aus ihr geworden ist. Natürlich ist es nicht die Absicht solcher Filme, streng logisch zu sein, aber ich möchte derlei Dinge erwähnt haben, da sie mir eben aufgefallen sind.

Was mir weniger gefällt, ist, wie die bleichgesichtigen „Vampirbräute“ während der Konfrontationen zwischen Van Helsing und Baron Meinster tatenlos glotzend und grinsend im Hintergrund stehen. Diese würden wohl eher als Dekoration in eine Halloween-Show passen, als in einen Horrorfilm. Auch die, immer wieder in Erscheinung tretende, Fledermaus wirkt sehr unecht.

In der Rolle der Marianne ist die hübsche französische Schauspielerin Yvonne Monlaur (geb.1939) zu sehen, welche später auch in dem Jerry Cotton Film „Die Rechnung eiskalt serviert“ einen Auftritt hatte. Michael Ripper begnügt sich mit einer sehr kurzen Nebenrolle als Kutscher.

Fazit: Alles in Allem ein sehr schöner Vampirfilm, der in Puncto Atmosphäre und Dekor seinen Vorgänger deutlich übertrifft. Auch der Plot kann sich sehen lassen. 5 von 5.



@Josh: Ich denke, diese Beurteilung gefällt dir besser als jene zu "The Curse of Frankenstein".

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