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Dieses Thema hat 1 Antworten
und wurde 934 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
Georg Offline




Beiträge: 3.217

25.08.2014 16:20
Der Mann, der sich verkaufte (Krimidrama, BRD 1959) Zitat · Antworten

DER MANN, DER SICH VERKAUFTE
Krimidrama BRD 1959
Mit Hansjörg Felmy, Hildegard Knef, Antje Weissgerber, Kurt Ehrhardt, Katharina Matz, Ernst Schröder, Fritz Tillmann, Fritz Schmiedel, Ruth Hausmeister, Erwin Linder, Karl-Heinz Kreienbaum, Karl-Heinz Kreienbaum, Günter Jerschke u. v. a.
Buch: Erich Kuby nach einer Idee von Olaf Herfeldt & Wolf Neumeister
Kamera: Friedl Behn-Grund
Regie: Josef von Báky

Der junge aufstrebende Journalist Niko Jost (Felmy) wittert die große Chance, als er über die Neueröffnung des Hotels von Carl Sending (Ehrhardt) berichten soll. Er erfährt nämlich, dass dieser vor Jahren in dubiose Geschäfte und sogar in einen Mord verwickelt war. Da der kriegsunvorbelastete Jost ein Gerechtigkeitsfanatiker ist, kann er seinen Chef Münchmann (Schröder) davon überzeugen, Recherchen diesbezüglich anzustellen. Unter dem Titel „Schwarzer Markt und weiße Westen“ erscheint nun im Periodikum eine ganze Artikelserie, die die dunklen Machenschaften Sendings und anderer Männer aufdeckt. Ziel des Journalisten ist es, dagegen zu rebellieren, dass man sobald man reich und angesehen ist, über jeden Verdacht erhaben sein kann. Jost treibt vor allem die Nachforschungen in dem Mordfall voran, doch dann werden ihm Steine in den Weg gelegt ...

Mit diesem recht spannenden Krimidrama aus dem Jahre 1959 hat Regisseur Josef von Báky einen kritisch intendierten Film vorgelegt, der die Frage aufwirft, wie weit die Presse eigentlich gehen darf. Ist man selbst besser, wenn man Altes hervorkramt? Felmy spielt vorzüglich einen „karrieregeilen“ Journalisten, der von seinem rücksichtslosen Chef (herrlich: der große Ernst Schröder!) dazu angehalten wird, eine Sensationsstory zu schreiben, ohne Rücksicht auf Verluste. Dem Hauptdarsteller gelingt der Spagat zwischen Sympathieträger und Mann, der skrupellos agiert sehr gut. Hervorzuheben sind außerdem sympathische Gastauftritte von Karl-Georg Saebisch, Erwin Linder, Karl-Heinz Kreienbaum (als Kommissar) und Antje Weisgerber. Kurt Ehrhardt verleiht der sonst faden Figur des Wirtschaftswunderhoteliers Farbe. Eine Nebenrolle spielt Hildegard Knef, die laut Vorspann die Titelrolle innehat, aber nicht öfter auftaucht als andere kleinere Darsteller und in ihrer Rolle noch dazu ziemlich blaß wirkt. Felmy ist der Hauptdarsteller und trägt den Film neben großartigen Darstellungen Schröders, Fritz Tillmanns und Fritz Schmiedels.
Der Film entpuppt sich für Krimifans auch noch als Whodunit, was natürlich die Liebhaber dieses Dramaturgiemusters erfreut. Das Ende ist tragisch und lässt viele Fragen offen, sollte damals wohl zum Nachdenken anregen (und tut es eigentlich auch heute noch: wie weit darf Sensationsgier gehen?).

Insgesamt ein unterhaltsames Stückchen deutscher Filmgeschichte, sicherlich kein Meilenstein, aber gut inszeniert und voller guter bis exzellenter schauspielerischer Leistungen. Wäre sicherlich auch mal was für eine DVD-Veröffentlichung.


Percy Lister Offline



Beiträge: 3.589

30.05.2016 13:37
#2 RE: Der Mann, der sich verkaufte (Krimidrama, BRD 1959) Zitat · Antworten



BEWERTET: "Der Mann, der sich verkaufte" (Deutschland 1959)
mit: Hansjörg Felmy, Kurt Ehrhardt, Antje Weisgerber, Ernst Schröder, Hildegard Knef, Karl Georg Saebisch, Fritz Schmiedel, Katharina Matz, Hans Paetsch, Fritz Tillmann, Ruth Hausmeister, Erwin Linder, Günther Jerschke, Ruth Grossi, Benno Hoffmann u.a. | Drehbuch: Erich Kuby nach einer Idee von Olav Herfeldt und Wolf Neumeister | Regie: Josef von Báky

Reporter Nico Jost arbeitet für die Zeitung "FWZ", deren Chefredakteur eine konservative Linie fährt. Kurz vor der Neueröffnung des Hotels von Carl Sending kommt dessen Privatsekretärin zu Jost, weil sie brisantes Material über den Mann in der Hinterhand hat. Sending soll nach dem Zweiten Weltkrieg in Schwarzmarktgeschäfte verwickelt gewesen sein und sogar einen Mord auf dem Gewissen haben. Als der Chefredakteur der "FWZ" eine Artikelserie über den Fall ablehnt, spricht sich der Verleger dafür aus und befeuert Jost, in den Archiven und bei Zeitzeugen nach Beweisen für die Schuld des Hoteliers zu suchen. Langsam wendet sich die bessere Gesellschaft von Sending ab und die Recherchen Josts ufern immer mehr aus....



Die Aufarbeitung der Vergangenheit ist ein heißes Eisen, das selten gerne angepackt wird. So proklamierte etwa der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer man solle "mit der Naziriecherei endlich Schluss machen", obwohl - wie uns die Geschichte gezeigt hat - auch heute noch ehemalige Kriegsverbrecher vor Gericht gestellt werden. So polarisiert der Film damit, dass Verständnis für beide Seiten gezeigt wird. Der junge Nico Jost (gespielt von Hansjörg Felmy, Jahrgang 1931) wittert zwei Chancen: erstens will er beweisen, dass mehr in ihm steckt als nur über Alltagsereignisse für die Lokalredaktion zu berichten, zweitens sieht er sich als Aufdecker unlauterer Machenschaften, die einem Bürger der Stadt einen Aufstieg ermöglicht haben, wie er in Ludwig Erhards Lehrbuch steht. Dem kleinen Journalisten selbst ist es noch nicht gelungen, vollständig am Wirtschaftswunder teilzuhaben; seine Haushaltsgeräte werden alle auf Raten finanziert. Die Reaktionen seiner Umwelt stellen eine ausgewogene Mischung an Meinungen dar. Der Chefredakteur, ein Bildungsbürger der alten Schule, zweifelt an der Sinnhaftigkeit des Projekts. Hans Paetsch in seiner vornehmen Würde redet vergeblich gegen den dynamischen Verleger Münchmann an, der vom kraftvollen Ernst Schröder ehrgeizig und bauernschlau dargestellt wird.

Zitat von SPIEGEL Special: Die 50er Jahre - Vom Trümmerland zum Wirtschaftswunder, Heft 1/2006
"Der Blick zurück auf das Grauen des Kriegs war verpönt, erst recht nach der Währungsreform 1948, als sich die Schaufenster über Nacht wieder füllten. Der Ehrgeiz der Deutschen konzentrierte sich nach all den Mangeljahren nun auf die Steigerung des Wohlstands."


Natürlich stellt sich die Frage, ob investigativer Journalismus alles darf und mittels der öffentlichen Meinung einen Verdächtigen vorab verurteilen darf. Andererseits hätte die Staatsanwaltschaft den Fall wohl kaum behandelt, wenn Jost ihn nicht in der Zeitung ins Licht des Interesses gebracht hätte. Geht es darum, ein Exempel zu statuieren? Soll Sending stellvertretend für so viele Gauner, Schieber und Nutznießer der Not abgeurteilt werden? Inwieweit gilt die Unschuldsvermutung? Der gute Ruf, der bekanntermaßen schnell ruiniert ist und die "Sippenhaft" der Angehörigen sind weitere diskussionswürdige Aspekte. Während sich bei den Männern Empörung, schroffe Abweisung oder Ablehnung über die erhobenen Vorwürfe zeigen, reagieren die Frauen mit Entsetzen auf die Anschuldigungen und haben vor allem die negativen Auswirkungen auf Gesundheit und Psyche ihrer Angehörigen im Auge. Antje Weisgerber als Gattin des Beschuldigten äußert ihre Sorge um den Ruf der Familie, Katharina Matz als Frau des Reporters wirft ihrem Mann Geltungssucht vor und leidet mit der ihr unbekannten Familie Sending mit, während Hildegard Knef als Schwester des Hoteliers in jenen Tag selbst dabei war und deshalb Zielscheibe der Presse wird. Der Abstieg Carl Sendings vom herablassenden Chef über den zornigen Hotelier bis zum stummen Opfer einer Treibjagd wird durch den kantigen Kurt Ehrhardt gut verkörpert.

Der ambitionierte Hansjörg Felmy als Kämpfer wider das Vergessen beißt sich mit Leidenschaft an Kurt Ehrhardt fest und riskiert damit nicht nur seinen Kopf und Kragen. Bezeichnend, wie Geld und Moral gegeneinander abgewogen werden und die Frage "Gnade vor Recht" mit jener nach Schuld oder Mitwisserschaft konkurriert. Starke Leistungen von Schröder, Schmiedel und Weisgerber ergänzen die wunderbare Zeitstudie über die Macht der Presse und ihre Schwachstellen. 4 von 5 Punkten

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