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Dieses Thema hat 96 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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Giacco Offline



Beiträge: 1.560

14.02.2018 14:34
#91 RE: Vor 50 Jahren - Die deutsche Film- und Kinoszene Zitat · antworten

Internationale Filmfestspiele Berlin 1968 (21.6. - 2.7.)

Allgemeine Tendenz: Im Wettbewerb werden immer weniger Filme gezeigt, die für "normale" Kinos spielbar sind. Das gilt auch für die beiden deutschen Beiträge:

Lebenszeichen
Produktion, Drehbuch & Regie: Werner Herzog - Prädikat: Besonders wertvoll - Verleih: Alpha
Darsteller: Peter Brogle, Henry van Lyck, Wolfgang Reichmann, Florian Fricke
3 Soldaten bewachen auf einer griechischen Insel eine Festung samt Munitionsdepot. Eintönigkeit und Langeweile führen dazu, dass einer von ihnen plötzlich ausflippt.



Die Chronik der Anna Magdalena Bach
Produzent: Franz Seitz - Regie: Jean-Marie Straub - Prädikat: Besonders wertvoll - Verleih: Neue Filmkunst
Darsteller: Gustav Leonhardt, Christiane Lang, Paolo Carlini
Ein Film über das Leben und die Musik von Johann Sebastian Bach ohne eine eigentliche Handlung.

"Lebenszeichen" wurde mit einem "Silbernen Bären" als Erstlingswerk ausgezeichnet. Er wurde gleich im Anschluss an die Filmfestspiele am 5.7. vom Alpha-Verleih gestartet, lief aber nur in Arthouse-Kinos. Der zweite deutsche Beitrag fand zunächst keinen Verleih und erlebte seinen Leinwandstart hierzulande erst 1969.

Zu den weiteren Wettbewerbsbeiträgen, die den Weg in die deutschen Kinos fanden, gehören:
"Das Mädchen Nanami" (Japan) - Verleih: C.S. - Note: 3,0 (22)
"Die Banditen von Mailand" (Italien) - V: Paramount - Note: 4,3 (13)
"Zwei Freundinnen" (Frankreich) - V: Gloria
"Die Stunde der Wahrheit" (Frankreich) - V: Columbia
"Charly" (USA) - V: Rank

Giacco Offline



Beiträge: 1.560

10.03.2018 18:18
#92 RE: Vor 50 Jahren - Die deutsche Film- und Kinoszene Zitat · antworten

Notizen aus der deutschen Film- und Kinoszene: März/April 1968

Im März 1968 beginnen in Bangkok die Dreharbeiten zum aktuellen Kommissar X - Film "Drei goldene Schlangen". Rotraut de Néve gibt darin ihr Leinwand-Debüt. Die Rolle erhielt sie, weil sie als Siegerin aus dem großen LUX-Nachwuchswettbewerb hervorging. Zur Jury gehörte u.a. Lil Dagover. Rotraut de Néve wirkte noch in einem weiteren Kinofilm ("Apokal") und in einigen TV-Produktionen mit. Später machte sie sich einen Namen als Theaterschauspielerin und Regisseurin.


Regisseur Rolf von Sydow und Schauspielerin Sabine Eggerth, die sich im Januar 1962 das Ja-Wort gaben, haben sich scheiden lassen. Die 5-jährige Tochter bleibt beim Vater in München. Sabine Eggerth, die als Kinderstar in "Pünktchen und Anton" bekannt wurde, spielte u.a. die weibliche Hauptrolle in der 1963er TV-Inszenierung "Der Hexer" und in dem zweiteiligen Kriminalspiel "Der dritte Handschuh".



Die amerikanische Filmgesellschaft "Universal" startete den hochkarätig besetzten Polizei-Thriller "Nur noch 72 Stunden" ("Madigan") bereits vor dem US-Einsatz in den europäischen Kinos. Aus diesem Anlass begab sich Hollywood-Star Richard Widmark auf eine Goodwill-Reise durch Europa. Dabei machte er auch in Köln und Frankfurt Station. Pressetermine und TV-Aufritte nutzte er, um die Werbetrommel zu rühren. Am 15. März ging der Film (Regie: Don Siegel)in 30 deutschen Großstädten an den Start. Die Kinos meldeten allerdings durchwachsene Ergebnisse und die Film-Echo-Noten bewegten sich eher im Mittelfeld. Am Ende stand eine 4,4 bei 28 Meldungen. Während in Frankreich 508.313 Besucher gezählt wurden, waren es in Spanien 1,3 Mio. In Italien landete der Film auf Plart 84 in der Liste der 100 besucherstärksten Filme der Saison.


Constantin-Film meldet: Mehr als 3000 Bewerber für die Rolle des kleinen "Gaylord" in "Morgens um 7 ist die Welt noch in Ordnung" begutachtete Regisseur Kurt Hoffmann. in dem 6-jährigen Archibald Eser aus der Umgebung von München hat er nun seinen Hauptdarsteller gefunden. Natürlich spielte Archibald den Gaylord auch in der Fortsetzung "Wenn süß das Mondlicht auf den Hügeln schläft". Heute ist er als Unternehmensberater tätig.


Als österreichisch-deutsche Coproduktion wird im Wiener Schönbrunn-Atelier der Thriller "Das dreckige Gewerbe" hergestellt. Herbert Heidmann, Produzent des Reißers, hat mit seinem ersten Film auf dieser Linie "Geißel des Fleisches" gute Auslandsgeschäfte gemacht. Zu seinem neuen Werk sagt er:"Es geht um Selbsjustiz in Unterweltkreisen. Eine Gangsterbande klärt aus ganz bestimmten Gründen einen Mord auf, den die Polizei nicht klären konnte. Um die Realistik des Sex-Thrillers zu unterstreichen, habe ich echte Angehörige der Wiener Unterwelt als Statisten engagiert." Unter der Regie von Eddy Saller spielen 2 Newcomer die Hauptrollen: Der Kölner Udo Kier und Marina Paal, Tänzerin und Schauspielerin aus München.
Am 3.10. kam der Film mit dem Titel "Schamlos" in die deutschen Kinos und war einer der letzten größeren Erfolge des Austria-Verleihs. Film-Echo-Note: 3,1 (20 Meldungen), wobei eine Erstnote von 2,6 verzeichnet werden konnte. Der bevorstehende Konkurs der Firma konnte dadurch jedoch nicht mehr abgewendet werden.


In der Schweiz wurde der deutsche Aufklärungsfilm "Oswalt Kolle: Das Wunder der Liebe" von der Zuricher Zensurkommision abgelehnt.

Giacco Offline



Beiträge: 1.560

19.03.2018 16:24
#93 RE: Vor 50 Jahren - Die deutsche Film- und Kinoszene Zitat · antworten

1968: Filme aus heimischer Produktion, die keiner sehen wollte.

Heimlichkeiten - Prod. & Regie: Wolfgang Staudte - Verleih: Rank
Darsteller: Karl Michael Vogler, Ewa Strömberg, Reinhild Solf, Kathrin Schaake
Am bulgarischen Schwarzmeerstrand wir eine Leiche gefunden und es stellt sich heraus, dass auch in einem Ferienparadies viele Urlauber ihre "Heimlichkeiten" haben.
Staudte hatte für diesen "Politkrimi" eine eigene Produktionsfirma gegründet ("Cineforum GmbH") und einen bulgarischen Partner ins Boot geholt. Was ihm am Ende blieb waren Schulden.

Der Partyphotograph - Pr: Top-Film, München - R: H.D. Bove - V: Eckelkamp
D: Rolf Zacher, Barbara Valentin, Brigitte Mira, Werner Finck
"Handfester Sex und geschmacklose Anzüglichkeiten. Was Regisseur Bove unter Humor versteht, erschöpft sich in Grobschlächtigkeiten. Durch die hinkende Inszenierung wird das umso deutlicher" (Film-Echo)
Das Original-Drehbuch schrieb Wolfgang Menge in Anlehnung an eine wahre Begebenheit, denn ursprünglich wollte Jürgen Roland den Stoff verfilmen. Bove bearbeitete es dann nach seinen Vorstellungen.

Professor Columbus - Pr: Rob Houwer - R: Rainer Erler - V: Eckelkamp
D: Rudolf Platte, Louise Martini, Herbert Mensching
Eine Aussteigerkomödie mit dem Untertitel "Lasst uns lieber Liebe machen".
Der Film wurde ernige Tage nach der Uraufführung von Produktion und Verleih zurückgezogen, um ihn in geänderte Fassung neu herauszubringen.

Tamara - Pr: modern art - R; Hansjürgen Pohland - V: Eckelkamp
D: Petrus Schloemp, Wolfgang Preiss, Barbara Rütting, Hans-Peter Hallwachs, Hansi Linder
Der Film entstand nach dem Roman "Kein Schnaps für Tamara" und wurde unter den Hansjörg-Martin-Verfilmungen hier im Forum bereits besprochen.

Zucker für den Mörder (I/F/D) - R: Federico Chentrens - Pr: Eichberg-Film - V: Columbia-Bavaria
D: Kerwin Mathews, Bruno Cremer, Lukas Ammann, Werner Peters, Sieghardt Rupp, Ann Smyrner
Agenten-Krimi, in dem der Held ein geplantes Attentat auf einen asiatischen Staatsmann verhindern soll.

Hinzu kommen 3 Erstlingsfilme:

Layout - Pr. & R.: Hans A. Piper - V: C.S.
D: Hans Brenner, Heidi Schaffrath, Claus Theo Gärtner
Verleihwerbung: Alle reden von neuer Welle - wir reden von "Layout"
"Ein interessantes Thema wird durch eine dilettantische Regie und banale Dialoge um seine filmischen Möglichkeiten gebracht." (Lex. des intern. Films)

Make Love - not War - Pr. & R.: Werner Klett - V: Eckelkamp
D: Claudia Bremer, Gibson Kemp
Ein in Berlin stationierte US-Soldat soll nach Vietnam beordert werden. Er versteckt sich bei einer jungen Frau.

Wegen Reichtum geschlossen - Pr: Wolf Citron - R: Hans Hutter - V: NWDF Unitas
D: Arnim Dahl, Ingrid Buck-Setter, Ulrich Haupt
Erzählt wird die Geschichte des ersten deutschen Lotto-Großgewinners Walter Knoblauch. Nur in den ostfriesischen Regionen, wo sich die Story in den späten 50er Jahren abspielte, fand der Film eine gewisse Aufmerksamkeit.

Giacco Offline



Beiträge: 1.560

06.04.2018 13:30
#94 RE: Vor 50 Jahren - Die deutsche Film- und Kinoszene Zitat · antworten

Bundesfilmpreise 1968

Tätowierung - Pr: Rob Houwer - R: Johannes Schaaf
Filmband in Gold - Prämie: 400.000 DM

Lebenszeichen - Pr. & R: Werner Herzog
Filmband in Silber - Prämie: 350.000 DM

Für die besten Einzelleistungen wurde das Filmband in Gold verliehen an:

Johannes Schaaf: Regie ("Tätowierung")
Gustav Ehmck: Nachwuchsregisseur ("Spur eines Mädchens")
May Spils & Werner Enke: Dialoge ("Zur Sache Schätzchen")
Alexander May: Hauptdarsteller ("Tätowierung")
(Thekla) Carola Wied: Hauptdarstellerin ("Spur eines Mädchens")
Ilona Grübel: Weibliche Nebenrolle ("Paarungen")
Gila von Weitershausen: Nachwuchsdarstellerin ("Engelchen oder Die Jungfrau von Bamberg")
Werner Enke: Nachwuchsdarsteller ("Zur Sache Schätzchen")
Wolfgang Treu: Kamera ("Das Schloss")
Herta & Otto Pischinger: Filmarchitektur ("Das Schloss")

Die Verleihung fand am 23. Juni 1968 in der Deutschen Oper Berlin statt.

Giacco Offline



Beiträge: 1.560

04.06.2018 14:39
#95 RE: Vor 50 Jahren - Die deutsche Film- und Kinoszene Zitat · antworten

Franz Seitz Produktion: Finanzielle Misere

1968 geriet Produzent Franz Seitz in finanzielle Schwierigkeiten. Der Grund waren Verbindlichkeiten von mehreren Millionen DM und gegenwärtig nicht durch Aktiva gedeckte Schulden von rund 1 Million DM.
Die Tatsache, dass Seitz in den vergangenen Jahren erfolgreiche Filme wie "Lausbubengeschichten", "Tante Frieda", "Grieche sucht Griechin" oder "Onkel Filser" herstellte, ließ diese Produktionsmisere selbst für Fachleute aus der Branche unklar erscheinen. Das "Film-Echo" fragte: "Wie kann es zu Produzentenverlusten kommen, auch in Fällen, in denen die Publikumsreaktion und die Filmtheater-Kassen positiv waren?"
Franz Seitz stellte daraufhin Zahlenmaterial von 17 Filmen der Jahre 1963-1967 zur Verfügung, von denen nur drei Gewinne machten:
"Kennwort: Reiher" - Gewinn: 12.000 DM (aber nur wegen 350.000 DM Filmpreis)
"Der junge Törless" - Gewinn: 120.000 DM (aber nur wegen 350.000 DM Filmpreis)
"Die schwedische Jungfrau" - Gewinn: 150.000 DM (aber nicht an der Kinokasse, denn die NORA-Verleih GmbH beziffert ihren Verlust bei diesem Film bei einer Verleihgarantie von 720.000 DM - und von Seitz angegebenen Herstellungskosten von 625.852 DM - mit ca. 676.000 DM.

Zu den Verlusten:
Rolf Thieles "Tonio Kröger" brachte einen extrem hohen Verlust von 984.000 DM, der aber vor allem durch die Pleite des Schorcht-Verleihs verursacht wurde, weil damals alle Verleihwechsel platzten.

Der Verlust durch den Rainer-Erler-Film "Die Abenteuer des braven Kommandanten Küppes" belief sich "nur" auf 230.000 DM, weil dieser Leinwandflop eine Drehbuchprämie von 200.000 DM erhalten hatte.

Keine wirkliche Erklärung gibt es dafür, dass selbst die immer als erfolgreich angesehene Ludwig-Thoma-Serie rund um den Lausbuben Hansi Kraus über alle Folgen hin (bei Herstellungskosten zwischen 1,1 und 1,5 Mio. DM) ein Verlustgeschäft gewesen sein soll.



Selbst der Heinz-Rühmann-Film "Grieche sucht Griechin", der 2,3 Mio. DM Umsatz machte, konnte damit nicht einmal die Herstellungskosten abdecken, die sich auf knapp 2,4 Mio. DM beliefen.

Als Erklärung für den wirtschaftlichen Abstieg der Firma werden Mißgeschick und Fehlverhalten des engagierten Produzenten genannt. Er habe seit 1964 in vielleicht gutgläubiger, aber zweifellos falscher Einschätzung der Gegebenheiten, in der Mehrzahl der Fälle zu teuer produziert. So seien Kosten entstanden, die auf dem deutschen Markt nicht eingespielt werden könnten.
Erfolgreiche Seitz-Produktionen wie "Liebesnächte in der Taiga" oder "Die Lümmel von der ersten Bank", die sich derzeit in der Kinoauswertung befanden, sorgten glücklicherweise dafür, dass sich die roten Zahlen nicht weiter erhöhten.

Im August 1968 wurde dann gemeldet, dass das Amtsgericht München beschlossen hatte, das Vergleichsverfahren zu eröffnen. Der Vergleichsvorschlag lautete auf 40 Prozent und wurde beim Termin im September von den Gläubigern angenommen.
Mit der Fortsetzung der "Lümmel-Serie" und Filmen wie "Der Kapitän" ging es für Franz Seitz langsam wieder bergauf. Selbst Flops wie "Als Mutter streikte" oder "Abelard - Die Entmannung" konntet verkraftet werden. Seinen größten Erfolg feierte er später mit "Die Blechtrommel", die mit der "Goldenen Palme" von Cannes und mit einem "Oscar" ausgezeichnet wurde.

Georg Online




Beiträge: 2.893

04.06.2018 15:40
#96 RE: Vor 50 Jahren - Die deutsche Film- und Kinoszene Zitat · antworten

Danke! Sehr interessant, Giacco, viele bisher unbekannte Fakten.

Siegfried Lowitz Online




Beiträge: 27

04.06.2018 20:24
#97 RE: Vor 50 Jahren - Die deutsche Film- und Kinoszene Zitat · antworten

Das die Filmreihe „Lausbubengeschichten„ einen verlust eingebracht hat, hätte ich niemals für möglich gehalten. Vor allem da die Filmreihe in Bayern so beliebt war.

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