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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 1.008 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
Percy Lister Offline



Beiträge: 3.589

02.06.2014 13:40
Spielbank-Affäre / Parkplatz zur großen Sehnsucht (1957) Zitat · Antworten

BEWERTET: "Spielbankaffäre" ('Parkplatz zur großen Sehnsucht') Deutschland 1957
mit: Gertrud Kückelmann, Jan Hendriks, Peter Pasetti, Rudolf Forster, Willy A. Kleinau, Sven Lindberg, Hubert Suschka, Barbro Hiort Af Ornäss, Horst Schönemann u.a. - Drehbuch: Arthur Pohl nach einem Bericht von Hans von Oettingen | Regie: Arthur Pohl



Sybille Schilling besucht eine Schauspielschule und lernt dort den Reporter Gerhard Fischer kennen. Die beiden jungen Leute sind sich sofort sympathisch, verfolgen aber unterschiedliche Interessen. Gerhard beobachtet Unregelmäßigkeiten im Spielcasino des einflussreichen Gallinger, Sybille bessert ihre Finanzen damit auf, indem sie für den Rechtsanwalt Dr. Busch ein ausgeknobeltes System an den Spieltischen testet. Was sie nicht weiß: Dr. Busch bringt durch sie gefälschte Jetons in Umlauf, um Gallinger zu ruinieren.....

Zitat von DER SPIEGEL Nr. 44/1957 vom 30. Oktober 1957
Der erste farbige Cinemascope-Film der DEFA, mit einem Kostenaufwand von rund drei Millionen Ostmark und bekannten Schauspielern aus der Bundesrepublik hergestellt, war sinnentstellend geschnitten und schließlich - ein Unikum in der Geschichte des Films - als Schwarz-Weiß-Film im Normalformat uraufgeführt worden. Das Unterfangen der DEFA, einen "ersten Versuch in dem für uns neuen Bereich des Breitbandformates" zu wagen, war auf geradezu groteske Weise gescheitert.


Das Berliner Zeughauskino zeigte an drei Abenden im März 2014 sowohl die Farb- als auch die Schwarzweiß-Fassung und ermöglichte es, diesen Film, dessen Produktionsumstände noch abenteuerlicher anmuten als die Handlung selbst, auf der großen Leinwand zu sehen. Nicht nur die Einsprüche des DDR-Kulturministerium sorgten für Unstimmigkeiten, sondern auch unvorhergesehene Terminverzögerungen durch Autounfälle des Darstellers Pasetti und des Regisseurs Pohl ließen die Uraufführung des Films zeitlich nach hinten rutschen. Das Ergebnis ist ein farbenfrohes, konsumbejahendes Wirtschaftswunderporträt, das die Intention der Macher ad absurdum führt. Der erhobene Zeigefinger, den die Kommunisten bemühen wollten, ging in der Geschichte um die Selbstbehauptung einer Schauspielelevin unter.

Der heutige Betrachter sieht vor allem die leichtfüßige Stimmung um die fröhliche, aber dennoch ernsthaft-realistische Sybille Schilling, deren Nebenberuf als Mannequin sie an jene Orte führt, die das bundesdeutsche Publikum der Fünfziger Jahre als Sehnsuchtsorte empfand. Elegante Settings, erlesene Kleider, Cocktails, Tanzmusik und große Gefühle - all jene Zutaten, die im durchschnittlichen Alltag der Zuschauer vermisst werden, servieren ein charmanter Jan Hendriks, eine bezaubernde Gertud Kückelmann und ein raffinierter Peter Pasetti auf dem Silbertablett. Das Trio variiert seine Charaktere und verhindert somit eine Eindimensionalität der Figuren. Journalist Fischer verhandelt knallhart, wenn es um die Herausgabe von Informationen geht, zeigt sich jedoch auch empfänglich für häusliches Glück. Der Jurist Dr. Busch verfolgt ehrgeizige Pläne, sich Geld und Macht anzueignen, lässt seine Helferin allerdings nicht hängen, wenn seine Gegner ihr die Schuld zuschieben wollen. Und schließlich Sybille Schilling. Ihr Ziel ist die Absolvierung der Schauspielschule, wofür sie regelmäßige Einkünfte braucht. Sie trifft sich fast allabendlich mit Dr. Busch im Roulettespielsaal, ohne sich jedoch die daraus resultierende Verbissenheit oder den Übermut der Sieger anzueignen. Finstere Gestalten ohne Gewissen bevölkern die gedämpfte Atmosphäre der gehobenen Amüsierlokale ebenso wie kleine Chargen ohne Format. Hier sei der großmäulige Hubert Suschka genannt, der sich gern aufspielt und in jeder Rolle unsympathisch wirkt. Der listige Rudolf Forster fällt neben dem 'Bild von einem Mann' Pasetti optisch natürlich ab, glänzt aber durch Heimtücke und Voraussicht - sein bauernschlauer Kopf arbeitet unentwegt, auch wenn er von seinen Gegnern unterschätzt wird.

Zwischen der Version, die auf der großen Leinwand gezeigt wurde und jener, die ich dank eines freundlichen Forumsmitglieds ein paar Tage später per Post bekam, bestehen erhebliche Unterschiede. Es gibt verschiedene Kürzungen, die dem ins Auge fallen, der das Glück hatte, den Film gleich zweimal zu sehen: einmal im Lichtspielhaus und dann im Heimkino. Ich werde in einem zweiten Bericht auf die Details eingehen, in denen sich die beiden Fassungen unterscheiden.

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

03.06.2014 15:10
#2 RE: Spielbank-Affäre / Parkplatz zur großen Sehnsucht (1957) Zitat · Antworten



Spielbank-Affäre (Parkplatz zur großen Sehnsucht)

Kriminaldrama, DDR / SE 1956/57. Regie und Drehbuch: Arthur Pohl (Buchvorlage: Hans von Oettingen). Mit: Gertrud Kückelmann (Sybille), Jan Hendriks (Gerhard), Rudolf Forster (Gallinger), Willy A. Kleinau (Martinez), Peter Pasetti (Dr. Busch), Sven Lindberg (Sörmann), Barbro Hiort af Ornäss (Schulleiterin), Horst Schönemann (Bertram), Siegfried Weiß (Balduin), Erich Franz (Böckler) u.a. Uraufführung (DDR): 13. September 1957, Rostock.

Zitat von Spielbank-Affäre
Als Mannequin und Schauspielschülerin atmet Sybille häufig die Luft des Reichtums: Ob auf der Modenschau am Mittelmeer oder im Spielcasino des durchtriebenen Herrn Gallinger – stets ist sie von Luxus umgeben, den sie selbst nicht genießen kann. Bis ihr ein gewisser Dr. Busch ein Angebot unterbreitet, von dem Sybille selbst nicht weiß, ob es ein unmoralisches ist: Mit von ihm finanzierten Spielchips soll sie ein System am Roulettetisch erproben und kann die Gewinne für sich behalten. Das alles läuft hervorragend, bis die junge Frau den investigativen Journalisten Gerhard kennenlernt und erfährt, dass die Jetons gefälscht sind ...


Die aufregende und nicht immer treffsichere Entstehungsgeschichte der „Spielbank-Affäre“ zeichnet ein interessantes zeithistorisches Bild vom gegenseitigen Verständnis der beiden deutschen Staaten: Während die Mischung aus Krimi und Propagandafilm in der DDR als zu westverherrlichend bemängelt wurde, sah die BRD bei Aufführung des Streifens die eigentlich intendierte antiwestliche Grundhaltung als Dominante. Eigentlich sollte „Spielbank-Affäre“ die Gefahren der Krake Spielsucht und der skrupellosen Machenschaften, die hinter den Kulissen eines Casinos in einer Stadt wie Baden-Baden vor sich gehen, anprangern. Regisseur Arthur Pohl schien jedoch wenig versessen darauf zu sein, mit seinem Film ein sozialistisches Lehrstück zu schaffen: Er verbarg die negativen Seiten hinter strahlenden Farben, abwechselnd mediterraner und gutbürgerlicher Gelassenheit sowie neidloser Protzerei. Allein schon die Farbensprache, die eingesetzten Materialien und die aufwändigen Ausstattungen machen „Spielbank-Affäre“, die als Spannungsreißer im herkömmlichen Sinne denkbar ungeeignet ist, mehr als sehenswert.

Nicht nur versprüht der Film das Flair der weiten Welt durch Zuhilfenahme geradezu ausufernder Sets und schmucker Schauplätze (gedreht wurde in der Schweiz und in Italien, aber zu großen Teilen auch in Potsdam, u.a. im berühmten Park Sanssouci). Auch handelt es sich formell um eine Produktion, die sich auf internationalem Parkett bewegt: In Auftrag gegeben vom DEFA-Studio für Spielfilme, entstand „Spielbank-Affäre“ als Koproduktion mit Schweden und band, um die Werbewirksamkeit der ursprünglich beabsichtigten dunkelroten Bedenkenträgerei auch über die Landesgrenzen hinaus zu garantieren, bewusst westdeutsche und österreichische Schauspieler mit ein: So steht – ebenfalls lohnenswert aus nostalgischer Perspektive – mit Gertrud Kückelmann, Jan Hendriks, Rudolf Forster und Peter Pasetti ein starkes und vertrautes Vierergespann an der Spitze der Besetzung.

Überraschenderweise stellte der Film Gertrud Kückelmanns letzten Auftritt in einem Kinofilm dar. Die gebürtige Münchnerin machte in späteren Jahren vor allem durch Fernsehauftritte sowie Theaterrollen auf sich aufmerksam, bevor sie 1979 für anderweitige, traurige Schlagzeilen sorgte:

Zitat von Heinz Fiedler: Sprung in die Tiefe (Zelluloid-Erinnerungen), Sächsische Zeitung, 28. Februar 2014
So krass kann im täglichen Leben ein Szenenwechsel sein. Noch an ihrem 50. Geburtstag scheint die Welt für die Schauspielerin Gertrud Kückelmann in Ordnung zu sein. Offenbar mit sich zufrieden, nimmt sie Huldigungen und Glückwünsche entgegen. Doch schon bald erweist sich ihr Festtagsauftritt als trügerisch. Gerade mal zwei Wochen später macht sie für immer Schluss mit allem. Das Schreckliche geschieht am 17. Januar 1979. Gertrud Kückelmann stürzt sich aus dem vierten Stock eines Münchner Wohnhauses 15 Meter in die Tiefe. Die alarmierte ärztliche Bereitschaft ist chancenlos.

Das selbst gewählte Ende der beliebten Künstlerin schockiert die Öffentlichkeit. Man ist ratlos. Kückie, wie sie in Kollegenkreisen genannt wird, hat keinen Abschiedsbrief hinterlassen. Von Bekannten hört man, sie habe in letzter Zeit über das Altern und über ihre private Einsamkeit geklagt. Eine vorgenommene Obduktion kommt der Wahrheit vermutlich näher: Die Schauspielerin litt an Darmkrebs im fortgeschrittenen Stadium.


Der junge Jan Hendriks meistert seine Hauptrolle mit Kraft und Selbstbewusstsein. Nicht immer erscheint dem Zuschauer die kritische Beobachtertype sympathisch, aber Hendriks verkörpert nichtsdestoweniger notwendige moralisch-intelligente Verpflichtungen, ohne als belehrender Apostel durch den Film zu marschieren. Eine kleine Nebenrolle hat Hubert Suschka, der als Barmann mit Oberlippenbart direkt manierlich aussieht und so gar nichts vom ekligen Schnodder ausstrahlt, den er in seinen späteren Auftritten vor allem in den Siebzigerjahren verströmte.

Musikalisch wird „Spielbank-Affäre“ von Martin Böttcher unterstützt, der in zeitgenössischen und melodischen Tönen seinen typischen Kompositionsstil schon im Vorspann unverkennbar durchsickern lässt. Im späteren Verlauf wird sogar noch ein Gesangsauftritt dargeboten, der symptomatisch für das angebliche Malheur der Produktion steht: Anstatt durch die Blume Position zum Inhalt des Films zu nehmen, suhlt sich „Cha-Cha Bim-Bam-Bum“ in der Glückseligkeit der bunten Aufschwungszeit.

Als Kriminalfilm bietet „Spielbank-Affäre“ wenig Aufregendes: Die Geschichte der gefälschten Jetons mutet eher wie ein Anlass zu größeren Schandtaten an, die aber nicht konsequent und erst spät im Film thematisiert werden. Als ausgezeichnet muss man hingegen die Bildgestaltung und darstellerischen Leistungen bewerten, wobei „Spielbank-Affäre“ in erster Linie aufgrund seiner wechselvollen Entstehung Pflichtprogramm für den Kenner der deutschen Filmgeschichte sein sollte. 4 von 5 Punkten.

michro Offline



Beiträge: 62

05.06.2016 18:45
#3 RE: Spielbank-Affäre / Parkplatz zur großen Sehnsucht (1957) Zitat · Antworten

Demnächst (im August) kommt "Spielbank-Affäre" auf DVD in gleich drei Fassungen. Die Defa-Stiftung hat den Film restaurieren lassen. Die DVD war ja vor etwa 2 Jahren schon mal angekündigt. Auf Amazon gibt es zwar noch kein Cover, aber schon einige Ausschnitte unter "Trailer".

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