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Dieses Thema hat 4 Antworten
und wurde 657 mal aufgerufen
 Giallo Forum
Georg Offline




Beiträge: 2.769

18.04.2014 11:17
Buchtipp: Giallo & Thrilling all'italiana (von Antonio Bruschini & Stefano Piselli) Zitat · antworten

Liebe Giallo-Freunde,

diese Woche habe ich von einem italienischen Freund ein Buch erhalten, an dem er selbst als Berater mitgewirkt hat: es heißt

GIALLO & THRILLING ALL’ITALIANA (1931-1983)
und wurde von Antonio Bruschini & Stefano Piselli verfasst.

Es ist deshalb auch für alle Giallo-Freunde interessant, weil es zweisprachig ist: italienisch und englisch!

Das Buch beinhaltet neben vielen Standfotos und Kinoplakaten in verschiedenen Sprachen einen Abriss über den Giallo. Unter diesem Begriff versteht man im Italienischen und daher auch im Buch – wie mehrfach von mir schon in anderen Threads erwähnt – alles, was mit dem Kriminalgenre zu tun hat. Hauptsächlich geht das Buch jedoch auf das ein, was wir als 'Giallo' bezeichnen.

Die Einleitung startet beim ersten ital. Krimi von 1931 und skizziert nach, wie es zum Giallo-Genre kam. Interessant ist auch zu erfahren, wie deutsche Krimis in das Giallo-Genre gedrückt wurden, indem man ihnen typische Titel gab: so wurde aus Vohrers Perrak in Italien Il cigno dagli artigli di fuoco (wörtlich: Der Storch mit den Feuerkrallen) (analog dazu wurden ja ital. Krimis in die Wallace-Serie gedrückt!).

Im Hauptteil werden alle Filme, die als Krimis bezeichnet werden können, chronologisch von 1931 bis 1983 besprochen. Wie bereits oben erwähnt finden hier neben Gialli auch "normale" Kriminalfilme Erwähnung, die in italienischer oder italienisch-ausländischer Koproduktion entstanden sind (z.B. Mit teuflischen Grüßen mit Senta Berger ebenso wie die Eurospy-Krimis oder Ein Unbekannter rechnet ab). Jeder Film wird dabei mit Titel und ausländischen Titeln genannt, mit Regisseur, Produktionsfirma, Musik, Kamera, Drehbuch, Besetzung gelistet. Danach folgt eine (je nach Film kurze oder ausführlichere) Inhaltsangabe mit (einigen) Hintergrundinfos und auch eine kurze Punktebewertung.

Als "Bonus" gibt es schließlich im Anschluss ein Interview mit Dario Argento auf Italienisch und Englisch, wobei in der englischen Übersetzung kurze Teile fehlen, so zum Beispiel jener, in der Argento auf den Bezug seiner beiden Tier-Filme zur Wallace-Serie angesprochen wird.

Daher möchte ich diesen für dieses Forum relevanten Absatz kurz hier übersetzen und wiedergeben:

Oft hast du erklärt, Autoren [sic!] wie Lang, Browning, Hitchcock, Welles, Tourneur, Fellini, Buñuel, Corman, Freda, Bava zu lieben. Kennst du auch die deutsche Krimireihe, die in den 60er-Jahren auf Basis der Edgar-Wallace-Romane herauskam? Denkst du, dass es hier Ähnlichkeiten zu deinen ersten Gialli gibt?

Dario Argento: Ja, ich erinnere mich daran, aber ich denke nicht, dass sie eine große Rolle dabei spielen, sie waren etwas ironisch, grotesk und waren ein wenig anders. Es ist wahr, meine ersten zwei Gialli wurden in Deutschland als Edgar-Wallace-Krimis [sic!] veröffentlicht, aber das war ein Fehler, sie hatten damit nichts zu tun!

Interessant auch Argentos Schlusssatz: Le mani dell'assassino sono sempre le mie ... perché così sono sicuro che i delitti risultano più efficaci (die Hände des Mörders [im Film] sind immer meine eigenen: so kann ich sicher sein, dass die Morde effektvoller aussehen!).

Schließlich muss ich sagen, dass ich beim Durchblättern des Buchs über einige deutsch-italienische Krimis gestoßen bin, von denen ich noch nie gehört habe – vielleicht kennt die ja jemand hier:

Das Geschlecht der Engel (Il sesso degli angeli)
I/ BRD 1968
Buch und Regie: Ugo Liberatore, Produktion: Franz Seitz
Mit Doris Kunstmann, Laura Troschel, Rosemarie Dexter, Bernard de Vries, Giovanni Betrucci

Mord im schwarzen Cadillac (Le insaziabili)
I/ BRD 1969
Buch: Vincenzo Flamini, Alberto de Martino, Regie: Alberto de Martino
Mit Robert Hoffmann, Frank Wolff, Roger Fritz, Romina Power, Ini Assmann, Rainer Basedow

Blonde Köder für den Mörder (La morte bussa due volte)
I/ BRD 1969
Buch: Max Pierre Schaeffer, Sergio Garrone, Regie: Harald Philipp
Mit Dean Reed, Fabio Testi, Ini Assmann, Leon Askin, Werner Peters, Nadja Tiller, Adolfo Celi, Anita Ekberg

Revenge (Piacere e massacro)
I/ BRD 1969
Buch: Walter Alberti, Ivo Giolo, Regie: Pino Tosini
Mit Thomas Hunter, Ini Assmann, Gisella Hahn

La stagione dei sensi (kein deutscher Titel, weil wohl nie in der BRD aufgeführt)
I/ BRD 1969
Buch: Dario Argento (!!), Peter Kintzel, Franco Ferrari, Barbara Alberti, Regie: Massimo Franciosa, Produktion: Wolf C. Hartwig/ Rapid Film, Musik: Ennio Morricone
Mit Udo Kier, Eva Thulin, Edda di Benedetto

Der Würger kommt auf leisen Socken (Lo strangolatore di Vienna)
I/ BRD 1971
Buch: Enzo Gicca, Karl Ross, Guido Zurli, Regie: Guido Zurli
Mit Victor Buono, Brad Harris, Karin Field, Hansi Linder

Das Auge des Bösen (Casa d'appuntamento)
I/ BRD 1972
Buch: Paolo Daniele, Regie: Ferdinando Merighi
Mit Roberto Sacchi, Rosalba Neri, Anita Ekberg, Rolf Eden

Der Zeuge hinter der Wand (La tua presenza nuda)
I/ BRD/ Sp 1972
Buch: Eric Krohnke, Regie: Andrea Bianchi
Mit Mark Lester, Hardy Krüger, Lilli Palmer

Besonders interessant:

Venus im Pelz (I/ BRD 1969-1975)
Regie: Massimo Dallamano, Produktion: Luggi Waldleitner
Mit Laura Antonelli, Werner Pochath, Mady Rahl, Wolf Ackva, Venantino Venantini

Dieser Film wird den wenigsten als Krimi oder Giallo bekannt sein. Im Buch ist jedoch nachzulesen, dass der Film in Italien 1969 von der Zensur wegen der erotischen Szenen verboten wurde. Folge: neue Szenen mit neuen Darstellern wie Paul Muller und Venantino Venantini wurden nachgedreht und die fatalen Erotikszenen durch eine Krimihandlung (bzw. Giallohandlung) ersetzt.

Fazit: Ich denke, dass dieses Buch für jeden Genrefan eine Bereicherung ist, es macht Spaß, darin zu blättern, Neues zu entdecken, vor allem mal "unsere" Filme nicht durch die übliche Wallace-Brille zu betrachten. Über kleinere inhaltliche und vor allem orthographische Fehler (aus Alfred Vohrer wird *Alfred Vöhrer) vor allem bei ausländischen Namen und Titeln, sei hinweg gesehen. Als Nachschlagewerk sehr gut geeignet!

Links zu einigen Bildern von "Giallo & Thrilling all'italiana":

Titelcover des Buches
Seitenbeispiel
Seitenbeispiel
Seitenbeispiel

Gubanov Offline




Beiträge: 14.747

18.04.2014 21:20
#2 RE: Buchtipp: Giallo & Thrilling all'italiana (von Antonio Bruschini & Stefano Piselli) Zitat · antworten

Hallo Georg,
danke für den Tipp. Das Buch hört sich spannend an. Ich hätte es noch besser gefunden, wenn es sich auf die tatsächlichen Gialli im engeren Sinne konzentriert und diese dann in besonderer Ausführlichkeit behandelt hätte. Ein wirkliches Standardwerk scheint es in dieser Hinsicht nämlich noch nicht zu geben. Aber immerhin scheint dieses Buch einen Anfang zu bieten.
Zu den von dir genannten unbekannten Titeln kann ich leider recht wenig beisteuern:

Zitat von Georg im Beitrag #1
Blonde Köder für den Mörder (La morte bussa due volte)
I/ BRD 1969
Buch: Max Pierre Schaeffer, Sergio Garrone, Regie: Harald Philipp
Mit Dean Reed, Fabio Testi, Ini Assmann, Leon Askin, Werner Peters, Nadja Tiller, Adolfo Celi, Anita Ekberg

Der Film wird doch sogar als Epigone bei Kramp erwähnt, oder irre ich mich da? Der Titel kommt mir auf jeden Fall vertraut vor. Ist auch anderen Forumsmitgliedern bekannt - kam vor Kurzem im Spiel "Wer weiß mehr?" vor.
Zitat von Georg im Beitrag #1
Das Auge des Bösen (Casa d'appuntamento)
I/ BRD 1972
Buch: Paolo Daniele, Regie: Ferdinando Merighi
Mit Roberto Sacchi, Rosalba Neri, Anita Ekberg, Rolf Eden

War im Giallo-Grandprix dabei und existiert auch als ausführlicher Besprechungsthread im Forum:
Das Auge des Bösen / Der Ripper kommt auf leisen Sohlen (1972)
Ist bei FilmArt in einer sehr guten DVD-Auswertung erschienen: Link.

Georg Offline




Beiträge: 2.769

19.04.2014 12:18
#3 RE: Buchtipp: Giallo & Thrilling all'italiana (von Antonio Bruschini & Stefano Piselli) Zitat · antworten

Lieber Gubanov,

das Buch konzentriert sich ja auch im eigentlichen Sinne auf das, was wir im Deutschen unter 'Giallo' verstehen. Die Filme von 1933-1962 werden auch auf fünf Seiten abgehandelt, ehe mit La ragazza che sapeva troppo (I 1963) die Besprechung der genrerelevanten Filme beginnt, die etwa 80% des Buches einnimmt.

Da bei manchen Filmen die Grenzen recht flüssig verlaufen, sind eben auch solche Filme erwähnt. Übrigens wird das im Buch auch markiert, neben der Bewertung der Filme mit Sternen (zwischen 1 und 5 *****), gibt es eine Bewertung mit Kreisen (°), ebenfalls von 1-5, die andeutet, dass dieser Film in irgendeiner Form mehr oder weniger stark vom klassischen 'Giallo'-Schema abweicht (so etwa Ein Unbekannter rechnet ab oder auch Das Haus der lachenden Fenster). La casa dalle finestre che ridono/ Das Haus der lachenden Fenster erhält somit z. B. folgende Bewertung: ***** (5 Sterne für die Qualität), °°° (3 Kreise für "Abweichungen").

Auf der zweisprachigen Seite (Ital./ Engl.) des Verlags kann man das Buch übrigens direkt bestellen, es wird nach Überweisung des Geldes versandt: http://www.glitteringimages.it/ordinare1-in.htm

Danke für den Tipp mit dem "Ripper", der dt. Alternativtitel war mir zumindest bekannt, aber ich habe ihn spontan nicht zuordnen können. Die DVD wird bestellt!

Gubanov Offline




Beiträge: 14.747

19.04.2014 19:59
#4 RE: Buchtipp: Giallo & Thrilling all'italiana (von Antonio Bruschini & Stefano Piselli) Zitat · antworten

Ah, okay, da hatte ich die Information über die im Buch abgehandelte Zeitspanne wohl etwas falsch interpretiert. Schön, dass der Fokus auf den Gialli liegt. Ich bin erstaunt, zu erfahren, dass das Buch nicht frisch ist, sondern schon seit ungefähr vier Jahren auf dem Markt. Einen weiteren Review zum Buch habe ich im Horror Digital Forum gefunden. Dort wird das Buch erfreulicherweise als "the most extensive reference book in English you will ever find" beschrieben. Allerdings gibt es offenbar durchaus auch Kritikpunkte:
http://www.horrordvds.com/vb3forum/showp...696&postcount=4

Georg Offline




Beiträge: 2.769

20.04.2014 16:07
#5 RE: Buchtipp: Giallo & Thrilling all'italiana (von Antonio Bruschini & Stefano Piselli) Zitat · antworten

Einige Kritikpunkte in der von Dir verlinkten Besprechung sind verständlich und nachvollziehbar. In der Tat gibt es sehr viele erotische Abbildungen (daher auch auf der Buchrückseite der Hinweis: "Per Adulti - For Adults Only - Pour Adultes". Auch die Bilder und Plakate sind nicht immer auf der Seite, auf der die Filme besprochen werden. Als chronologisches Überblickswerk über die Filme finde ich das Buch allerdings sehr gut geeignet. Außerdem beinhaltet es eine umfangreiche Bibliographie (ich schätze mal so an die 60 Titel) und "Discographie", eine Auflistung aller auf Tonträgern erschienenen Soundtracks im Anhang.

Beim Durchblättern bin ich übrigens noch über einen Film gestoßen, der in deutsch-italienischer Koproduktion hergestellt wurde, aber offensichtlich nicht in der BRD veröffentlicht wurde:

L'occhio nel labirinto (wörtlich: Das Auge im Labyrinth)
Italien/ BRD 1972
Regie: Mario Caiano
Produktion: TV 13 Horst Hächler in Koproduktion mit Transeuropa Film
Buch: Mario Caiano, Antonio Saguera, Horst Hächler
Darsteller: Rosemarie Dexter, Adolfo Celi, Horst Frank, Sybill Daning, Michael Maien

Der ist zumindest in Italien mal erschienen, werde mir ihn mal besorgen.

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