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Dieses Thema hat 20 Antworten
und wurde 3.506 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
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Percy Lister Offline



Beiträge: 3.509

31.10.2014 15:34
#16 RE: Radiokrimis: Die Fälle des Lord Peter Wimsey Zitat · antworten

Bewertet: "Lord Peter Wimsey - Glocken in der Neujahrsnacht"

4-teiliges Kriminalhörspiel des Bayerischen Rundfunks aus dem Jahr 1966 mit Erik Schumann, Kurt Schmidtchen, Karl Maria Schley, Grete Binter, Wolfgang Büttner, Maria Landrock, Hans Cossy, Günther Ungeheuer, Robert Michal, Erwin Faber, Paul Dättel, Leo Bardischewski u.a. | nach dem Roman "The Nine Tailors" von Dorothy L. Sayers | Hörspielbearbeitung: Giles Cooper, deutsche Übersetzung: Ruth Hammelmann | Musik: Konrad Elfers | Regie: Otto Kurth | PIDAX 2014

Das Permutationsläuten ist eine alte Tradition in englischen Kirchen. Es wird vor allem samstags und sonntags abgehalten, aber auch an wichtigen Feiertagen. Dabei kommen drei bis zwölf Glocken zum Einsatz, am beliebtesten ist jedoch die Variante mit acht Glocken, die auch hier in Fenchurch St. Peter, einem kleinen Dorf im Fenland der Grafschaft Cambridgeshire, zur Anwendung gelangt. Der Geistliche der Gemeinde, Pfarrer Theodore Venables, ist hocherfreut, als in einer schneeverwehten Silvesternacht Lord Peter Wimsey seine Gastfreundschaft in Anspruch nehmen muss. Er kann ihn überreden, für einen erkrankten Mann einzuspringen und beim Wechselläuten mitzumachen. Dabei macht er Bekanntschaft mit den Bewohnern des Dorfes und hört die Geschichte von einem Smaragddiebstahl, der vor Jahren großes Aufsehen erregte. Bald darauf wird ein Toter in einem fremden Grab gefunden....

Erster Teil (Länge: ca. 40 Minuten)

Das Pfeifen eines eisigen Windes deutet die Ankunft Lord Peter Wimseys und seines Dieners an, die sich auf dem Weg zu einer Silvesterfeier befinden und mit ihrem Wagen im Graben landen. Sie werden vom freundlichen Pfarrer einer nahe gelegenen Gemeinde mitgenommen und verbringen die Nacht im Pfarrhaus. Bei einer warmen Stärkung erzählt man dem Aristokraten vom Brauch des Glockenläutens, das unmittelbar bevorsteht und wegen des fehlenden achten Mannes in Gefahr ist. Nur zu gern sagt Lord Peter zu und genießt die ungewohnte körperliche Betätigung, die bis zur Frühstückszeit am nächsten Morgen andauert. Zwischendurch erfährt er von den Sorgen der Dorfgemeinschaft, die von jahreszeitbedingten Erkältungen bis zum nahenden Tod des verarmten Adelsherrn reichen. Im Gutshaus gab es in der Vergangenheit einen Diebstahl, für den der Hausherr Sir Henry haften musste und der ihn um 50.000 Pfund ärmer machte. Einer seiner Gäste wurde bestohlen und man hatte seinen Butler in Verdacht. Erik Schumann als Lord Peter Wimsey gibt sich freundlich und aufgeschlossen und hat ein offenes Ohr für die Absonderlichkeiten abgeschieden lebender Dorfbewohner, deren Alltag sich um Kirche und Gasthaus dreht. Nach dem sanften und feierlichen Glockengeläut wartet die Arbeit des Totengräbers mit einem Paukenschlag und dem ersten Cliffhanger auf: ein fremder Mann liegt in einem Grab, das für eine Beerdigung ausgehoben wird. Sein Gesicht ist entstellt und seine Hände wurden ihm abgehackt....

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.509

01.11.2014 13:33
#17 RE: Radiokrimis: Die Fälle des Lord Peter Wimsey Zitat · antworten

Zweiter Teil (Länge: ca. 45 Minuten)

Eine amtliche Leichenschau findet statt, um die Identität des unbekannten Toten zu klären. Der Mann lag vier bis fünf Monate unter der Erde, wurde also kurz nach Neujahr getötet. Lord Peter Wimsey meldet sich als Zeuge und sagt vor Gericht aus, dass er glaubt, es handele sich um jenen Fremden, der ihn bei seiner Abreise aus dem Dorf nach dem Weg gefragt hat. Es könnte Nobby Cranton sein, der damals zusammen mit dem Butler Deacon das Schmuckstück aus dem Gutshaus entwendet hat. Dessen Witwe Mary, die mittlerweile mit dem Gastwirt Will Thoday verheiratet ist, könnte das Versteck der Smaragde kennen. Lord Peter und sein Diener Bunter nehmen die Inschriften auf den Glocken unter die Lupe, da sie einen Hinweis vermuten. Selbst ein Fischzug im Friedhofsbrunnen kann jedoch vorläufig kein Ergebnis zu Tage fördern. Doch dann trifft ein postlagernder Brief aus Frankreich ein - für Paul Schneider. Dabei handelt es sich um niemand geringeren als eine der acht Glocken....

Der zweite Cliffhanger beendet einen Teil, der konfuser daherkommt als der erste. Aber wer kann sich schon zurechtfinden zwischen knorrigen Männern mit Namen wie Ezra Wilderspin oder Hezekiah Lavender? Die Hammerschläge in der Dorfschmiede und die Krähen, die während der Beerdigung auf den Bäumen sitzen, verleihen der Episode eine ländliche Note. Es gibt einige Vermutungen und wenig Bestätigungen. Lord Peter Wimsey ermittelt parallel zur offiziellen Polizei, doch trotz des Todesfalles scheint es keine Dringlichkeit zu geben. Mal sehen, welche Rolle Hilary Thorpe im weiteren Verlauf noch spielen wird.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.509

03.11.2014 14:17
#18 RE: Radiokrimis: Die Fälle des Lord Peter Wimsey Zitat · antworten

Dritter Teil (Länge: ca. 48 Minuten)

Lord Peter Wimsey und sein Diener Bunter bringen den Brief zu Inspektor Blundell aufs Polizeirevier. Er stammt von einer Französin, die sich um ihren Mann sorgt, der anscheinend vor Monaten nach Fenchurch St. Peter gefahren ist und sich nie gemeldet hat. Da die Polizei nicht die Mittel und die Intention hat, diese Spur weiter zu verfolgen, fährt Wimsey auf eigene Kosten nach Frankreich und sucht die Bäuerin auf. Sie erzählt, dass ihr Mann nach England reisen wollte, um etwas zu holen, das ihm gehört und, dass er im Krieg desertiert ist. Nun wird der Fall noch komplizierter, denn die Identität des Mannes lässt mehrere Möglichkeiten offen: Handelt es sich bei dem Toten im Familiengrab der Thorpes um Geoffrey Deacon? Um Nobby Cranton? Oder um einen englischen Soldaten, der sein Gedächtnis verloren hat?

Lord Peter geht jedem Hinweis nach und kann durch Sprachkenntnisse und finanzielle Reserven weit mehr tun als die Dorfpolizei einer kleinen Gemeinde. Er hat Zeit und Muße, sich des Rätsels anzunehmen und den Vorteil, dass er frei entscheiden kann. Nach den Überlegungen, wer denn nun die unbekannte Leiche sei, konzentriert sich der dritte Teil wieder mehr auf das Versteck der Juwelen, wobei der Geheimcode größeren Raum einnimmt und zu einem Spalt im Kirchengebälk führt. Wieder einmal streicht Dorothy L. Sayers die architektonische Schönheit alter Dorfkirchen heraus und beschreibt sehr anschaulich, wie geheimnisvoll und gar unheimlich so ein Glockenturm sein kann. Nach den ergebnislosen Gesprächen im zweiten Teil nehmen die Verhöre nun wieder Fahrt auf und lassen auf einen Paukenschlag im vierten und letzten Teil hoffen.

Vierter Teil (Länge: ca. 49 Minuten)

Der Zuhörer erfährt nun, dass der Juwelendieb und Ex-Butler Geoffrey Deacon nicht - wie vermutet - bei seiner Flucht aus dem Zuchthaus tödlich verunglückt ist, sondern sich unter falschem Namen jahrelang in Frankreich verborgen hat. Nun ist er an den Ort des Diebstahls zurückgekehrt, um sich seine Beute zu holen. Endlich legt Will Thoday ein Geständnis ab, das alle Fäden entwirrt. Nur die eine Frage bleibt offen: Wie starb Deacon?

Nachdem sich Hans Cossy als reumütiger Gauner Cranton bereits mehrfach dem Hörer mitteilen konnte, wartet man auf einen anderen prominenten Sprecher, der bisher nicht zum Einsatz kam: Günther Ungeheuer. Nun im Finale erfährt man, dass er für die Entsorgung und Verstümmelung der Leiche verantwortlich ist, den Mord aber nicht begangen hat. Buchstäblich bis zum Schluss wird verzögert, abgelenkt und aufgeschoben, was seit dem ersten Teil im Raum steht: Die Frage nach den Ursachen für den Tod des Mannes. Weit weg von einer kalten Winternacht, scheint sich alles zum Besten zu fügen. Im Juli findet eine Segelregatta statt und in der Nähe von Fenchurch St. Peter weiht man den neuen Kanal ein. Hilary Thorpe erhält die Aussicht auf ihr Erbe und die Unabhängigkeit von ihrem Onkel. Mit der dramatischen Wende hat kaum ein Hörer noch gerechnet, als die Geschichte dort endet, wo sie begonnnen hat. Schock und Panik führen zwar nicht zum Herzschlag, scheuchen das Publikum aber noch einmal gehörig auf, bevor es erfährt, wer hier hängen sollte, wenn er es nicht bereits täte....

Erik Schumann ist ein angenehmer Lord Peter Wimsey. Freundlich, bescheiden und ohne Standesdünkel bewegt er sich zwischen Schmieden und Schleusenbetreibern ebenso ungezwungen wie in der Gesellschaft des Pfarrers oder Vertretern des Adels. Der loyale Kurt Schmidtchen hat genug Humor und Disziplin, um seinem Herrn dienlich zu sein, ohne sich eine eigene Meinung zu versagen. Das Gespann sieht die Dorfgemeinschaft unvoreingenommen und mit aufrichtigem Interesse, was eine ehrliche Aufklärung des Falles garantiert, ohne den Personen dabei die Sympathie zu entziehen. Mit viel Verständnis geht Lord Peter an das Geheimnis heran und bringt es zu einem verblüffenden Abschluss, der ihn selbst fast das Leben gekostet hätte. 4 von 5 Punkten.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.362

21.12.2017 17:45
#19 RE: Radiokrimis: Die Fälle des Lord Peter Wimsey Zitat · antworten



Lord Peter Wimsey: Der unerwünschte Gast

6-teiliges Kriminalhörspiel, BRD 1968. Regie: Erik Ode. Romanvorlage („Whose Body?“, 1923): Dorothy L. Sayers. Übersetzung: Marianne de Barde. Mit: Hansjörg Felmy (Lord Peter Wimsey), Herbert Weißbach (Bunter), Rolf Schult (Inspektor Sugg), Friedrich W. Bauschulte (Erzähler) sowie Gerda Maurus, Lotti Krekel, Wolfgang Wahl, Frank Barufski, Marianne Rogée, Paul Hoffmann u.a. Eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks.

Zitat von Lord Peter Wimsey: Der unerwünschte Gast
Ausgerechnet die Badewanne des rechtschaffenen Architekten Thibbs ist der Fundort einer Leiche – einer männlichen, wie sein Hausmädchen sofort feststellt, denn der Tote hat keine Kleider an. Handelt es sich um einen Scherz, den sich die Medizinstudenten des nahen Krankenhauses erlaubt haben? Oder steckt kaltblütiger Mord dahinter? Lord Peter Wimsey, der aristokratische Privatschnüffler, macht sich auf die Pirsch ... und stößt auf das zeitgleiche Verschwinden eines bekannten Bankiers, der dem Toten ähnlich sieht. Aber es handelt sich nachweislich um zwei verschiedene Personen!


Dorothy L. Sayers’ Krimis gelten als die anspruchsvolleren ihres Genres, was sich nicht selten mit einer gewissen Ausschweifigkeit verbindet, die dieses sechsteilige Hörspiel gut widerspiegelt. Kein Krimireißer vom Stil eines Paul Temple mit dauernden Wendungen und actionreichen Momenten, sondern ein sich langsam entfaltender Fall mit grotesken Zügen steht im Mittelpunkt des Hörspiels. Einige Teile enden zwar mit einer Art Cliffhanger, aber diese sind keineswegs so ausgeprägt wie bei Durbridge. Insgesamt gleicht der Fall vom „Toten in der Badewanne“ (so der herkömmliche deutsche Romantitel, der auch deutlich treffender ist) aufgrund seiner kuriosen Ausgangslage eher einer Sherlock-Holmes-Geschichte, wobei die Ermittlungen langsam und gründlich vonstatten gehen. Lord Peter lässt sich aber durchaus mit Doyles Holmes vergleichen: Beide Detektive sehen die Ermittlungen als denksportliche Herausforderungen und bleiben distanziert gegenüber den involvierten Personen. Beide Detektive verfügen über eine typische Assistentenfigur und beide kollaborieren einmal mehr und einmal weniger erfolgreich mit dem Yard. In „Der unerwünschte Gast“ kommen zwei Inspektoren vor: Wimseys Langzeitfreund Inspektor Parker, der in einer späteren Erzählung zu seinem Schwager aufsteigt, und sein Lieblingsfeind Inspektor Sugg, der frappierend an den übereifrigen Nichtsmerker Lestrade erinnert.

Bei „Der Tote in der Badewanne“ handelt es sich um Sayers’ ersten Kriminalroman und auch seiner Umsetzung merkt man einige Ecken und Kanten an. Die Geschichte ist zwar verblüffend, aber sie hat ganz klare Längen – ein Drei- oder Vierteiler hätte es auch getan und wäre wohl deutlich straffer ausgefallen. Auch die eher überschaubare Zahl von Verdächtigen ist nicht gerade dazu angetan, aus dem Fall einen herausfordernden Whodunit zu machen; interessanter sind das „Wie?“ und „Warum?“ der Tatausführung – Fragen, die in einem schönen Showdown im sechsten Teil geklärt werden.

Hansjörg Felmy überzeugt als Lord Peter Wimsey. Seine Stimme erkennt man sofort wieder und seine Kinokarriere war ja gerade in den Fünfzigerjahren durchaus auf unkonventionelle Söhne abonniert. Insofern nimmt man ihm den Lord Peter, der über seine Mutter in den Fall verwickelt wird, ohne Weiteres ab. Felmy spielt Lord Peter nicht übermäßig blasiert, aber elegant genug, um dieses Alleinstellungsmerkmal des Dandy-Detektivs zu bewahren. Eine besondere Freude sind seine Gespräche mit seinem Diener Bunter (herausragend: Herbert Weißbach), in denen die beiden oft standesgemäß zu den unpassendsten Gelegenheiten über die Kleiderordnung eines Lords diskutieren. Feiner Humor – einmal nicht von der Holzhammersorte, das gefällt auch heute noch. Auch die weiteren Rollen sind überzeugend und gut abgrenzbar besetzt, wobei es leider keine Castliste gibt, die die Parts den einzelnen Sprechern zuordnet. Die Stimme des Mediziners Sir Julian Freke erinnerte mich an Richard Häußler, doch der starb ja bereits im September 1964.

Krimiklassiker für geduldige Hörer. Es mag zwar keine echte Spannung aufkommen, aber eine Faszination kann man dem Fall mit seinen ergiebigen Dialogen und abseitigen Figuren durchaus nicht absprechen. 3,5 von 5 Punkten.

schwarzseher Offline



Beiträge: 380

22.12.2017 19:22
#20 RE: Radiokrimis: Die Fälle des Lord Peter Wimsey Zitat · antworten

Für mich die beste Version des Lords .Danach habe ich mir die Audibuch Hörspiele mit Peter Fricke ua. angehört und diese haben mich nicht so begeistert.( ok...Storys sind auch teilweise nicht soooo toll ( der Pfirsichdieb usw .)
Jedenfalls habe ich mich danach dabei ertappt das ich nach HJ Felmy als Sprecher vermehrt ausschau gehalten habe.ZB. Das zweite Motiv und die schwarze Kerze (Pidax)

Gubanov Offline




Beiträge: 15.362

23.12.2017 21:00
#21 RE: Radiokrimis: Die Fälle des Lord Peter Wimsey Zitat · antworten

Hansjörg Felmy ist als Lord Peter wirklich gut und auf jeden Fall besser als Erik Schumann, wie ich jetzt festgestellt habe:



Lord Peter Wimsey: Glocken in der Neujahrsnacht

4-teiliges Kriminalhörspiel, BRD 1966. Regie: Otto Kurth. Romanvorlage („The Nine Tailors“, 1934): Dorothy L. Sayers. Übersetzung: Ruth von Marcard. Bearbeitung: Giles Cooper. Mit: Erik Schumann (Lord Peter Wimsey) sowie Marianne Mosa, Kurt Schmidtchen, Karl Maria Schley, Grete Binter, Robert Michal, Erwin Faber, Paul Dättel, Leo Bardischewski, Werner Lieven u.a. Eine Produktion des Bayerischen Rundfunks.

Zitat von Lord Peter Wimsey: Glocken in der Neujahrsnacht
Am Abend des 31. Dezember stranden Lord Peter und sein Diener Bunter wegen einer Autopanne in dem Dörfchen Fenchurch St. Peter, wo sich der Lord am dörflichen Ritual des Wechselläutens der Kirchenglocken beteiligt. Zu Ostern findet man in Fenchurch St. Peter dann eine verstümmelte Leiche, die ungefähr zu der Zeit ums Leben gekommen sein muss, als der Detektiv vor Ort war. Nicht nur die Identität des Toten ist unklar, auch ergibt sich bald die Frage, ob der Ermordete etwas mit einem Jahre zurückliegenden Juwelendiebstahl zu tun hatte. Die Spuren führen bis nach Frankreich ...


Diese Inszenierung des Bayerischen Rundfunk erinnert nicht zuletzt aufgrund der Sprecherwahl stark an die Sherlock-Holmes-Hörspiele mit Peter Pasetti. Sein Watson Erik Schumann wurde hier zum Hauptermittler befördert. Obwohl Schumann keinen greifbaren Fehler in seiner Verkörperung des Lord Peter Wimsey begeht, sind seine bodenständig-kumpelhafte Art und seine freundschaftliche, aber nicht gerade sonore Stimme nicht unbedingt dazu angetan, eine überzeugende Leistung als hochwohlgeborener, leicht snobistischer Lord Peter zu erzielen. Der handfeste Dr. Watson – ein verlässlicher Partner in der zweiten Reihe – lag ihm deutlich besser, während den „Glocken in der Neujahrsnacht“ eine zugkräftige Hauptsprecherstimme fehlt, die das Publikum durch alle vier Teile aufmerksam hindurchträgt.

Es ist nämlich sehr leicht, in Anbetracht der verschachtelten, von Seitenästen, verschiedenen Dorfbewohnern und großzügigen Zeitsprüngen geprägten Erzählung den Überblick zu verlieren. Auch in diesem Fall hätte eine weniger schwatzhaft-ausführliche Inszenierung geradliniger und besser verfolgbar ausfallen können. Auch verschwimmen die übrigen Sprecher manchmal ein wenig ineinander, sodass es trotz der pointierten Dialoge, die das Hörspiel Sayers’ eloquentem Schreibstil verdankt, nicht immer leicht ist, sich in Fenchurch St. Peter zu orientieren. Kenner der Romanvorlage oder der BBC-Verfilmung mit Ian Carmichael sind eindeutig im Vorteil.

Obwohl Konrad Elfers als Musikverantwortlicher Erwähnung in den Produktionsunterlagen findet, erklingen zu Beginn und Ende der vier Teile keine Melodien, sondern die Kirchenglocken, die im Mittelpunkt des Falles stehen (bzw. hängen). Das ist eine sehr schöne Idee, die eine passende Stimmung schafft und aufgrund derer sich das Hörspiel auch ausgezeichnet für die Feiertage eignet. Außerdem spürt man gerade in Teil 1 den winterlich-abgelegenen Schauplatz regelrecht durch die Lautsprecherboxen hindurch. Leider verläuft sich die Atmosphäre in späteren Teilen immer weiter zugunsten einer stark wortlastigen Ausrichtung, aus der Hilary Thorpes Erzählerinnen-Monologe wohltuend hervorstechen. Die Faszination des Ian-Carmichael-Mehrteilers wird insgesamt vom BR-Hörspiel nicht erreicht. Die BBC-Version lebte vor allem auch von den schönen Bildern sowie auch dem Code-Rätsel bezüglich der Glocken, das fast ein wenig an Doyles tanzende Männchen erinnert.

Als Einblick in alte englische Dorftraditionen ist „Glocken in der Neujahrsnacht“ Gold wert und auch die von Sayers erdachte Geschichte kann als lohnenswertes vertracktes Rätsel bezeichnet werden. Bei der Umsetzung und nicht zuletzt bei der Besetzung der Ermittlerrolle sind hingegen Abstriche zu machen. 3 von 5 Punkten.



Nach dem Hören der beiden Romanadaptionen in Hörspielform würde ich den kurzen Folgen mit Peter Fricke noch immer den Vorzug geben. Sie sind alltagstauglicher und straffer, wenngleich es sich bei den Romanen natürlich um deutlich lohnenswertere geistige Herausforderungen handelt.

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