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Dieses Thema hat 38 Antworten
und wurde 6.925 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
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Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

13.07.2014 14:02
#31 RE: Turfnotizen: Rivalen der Rennbahn (1989) Zitat · Antworten

██ Folge 9: "Das Zukunftsrennen"
mit: Thomas Fritsch, Thekla Carola Wied, Jutta Speidel, Manfred Zapatka, Maja Maranow, Horst Frank, Winfried Glatzeder, Ilse Werner, Hellmut Lange, Radost Bokel, Zacharias Preen, Tilly Lauenstein, Ferdy Mayne, Margot Hielscher, Margret Homeyer, Hans Clarin, Pierre Franckh, Joachim Wolff, Santiago Ziesmer u.a. | Drehbuch: Anita Mally | Regie: Stefan Bartmann

Monika Adler wird von Herrn Ziehlmann zum großen Rennen nach Baden-Baden eingeladen, weil er ihr gerne Samurai abkaufen möchte. Sie nutzt die Gelegenheit, um Christian eifersüchtig zu machen, indem sie zum Schein mit Ziehlmann flirtet. Währenddessen sorgt sich Ella um ihren Bruder Wolf. Stur wie er nun einmal ist, hört er nicht auf die Ratschläge seiner Schwester und begibt sich damit in ernste gesundheitliche Gefahren. Thea Waasings Freundschaft mit dem Trainer ihres Hengstes Morinello wird intensiver, doch sie hat - zum Leidwesen des Charmeurs - nicht die Absicht, die Pferde zu wechseln ...




██ Nachdem die Grubers sich vorläufig ein wenig zurückhalten, rückt Thea Waasing immer mehr in den Mittelpunkt. Ihr natürlicher Charme, ihre Ungezwungenheit und ihr glamouröses Auftreten lassen jeden Raum erstrahlen. So ist es kein Wunder, dass Christian Adler sich wünscht, den Kontakt zu seiner besten Kundin enger zu gestalten. Erfreulicherweise hat Frau Waasing die Lebensart ihres Geschäftspartners durchschaut und lässt sich deshalb nur so weit auf sein Spiel ein, wie sie selbst zu gehen bereit ist. Das Erstaunen und die Enttäuschung über die Erkenntnis, dass eine Frau ihm nicht völlig verfällt, sorgt für einen heiteren Unterton der Folge, die sich ansonsten auf gefährliches Terrain begibt. Die immer noch bestehende Erpressung des Stallmeisters, die angeschlagene Gesundheit des Cheftrainers und die zu tilgende Kreditschuld wegen Samurai lassen in den kommenden beiden Episoden auf einen turbulenten Endspurt hoffen. Die eleganten Szenen in den Parkanlagen und beim Tanz geben den Protagonisten die Möglichkeit, in voller Pracht zu erscheinen und regen auch vernachlässigte Charaktere wie die von Rödermarks zu dem einen oder anderen Bonmot an. Der böse Geist von Bruno Adler scheint nun gebannt und verpufft im nächtlichen Nebel. Zwischen Margit und Klaus bahnt sich eine Romanze an, obwohl der nüchterne junge Mann bereits andeutet, dass Beziehungen im Allgemeinen nicht von langer Dauer sind.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.332

13.07.2014 14:10
#32 RE: Turfnotizen: Rivalen der Rennbahn (1989) Zitat · Antworten

██ Rivalen der Rennbahn: Das Zukunftsrennen

Episode 9 des TV-Dramas, BRD 1989. Regie: Stefan Bartmann. Drehbuch: Anita Mally. Mit: Thomas Fritsch, Jutta Speidel, Margot Hielscher, Hellmut Lange, Maja Maranow, Manfred Zapatka, Ilse Werner, Tilly Lauenstein, Ferdy Mayne, Margret Homeyer, Radost Bokel, Hans Clarin, Thekla Carola Wied, Horst Frank, Zacharias Preen, Pierre Franckh, Winfried Glatzeder, Joachim Wolff, Santiago Ziesmer u.a. Erstsendung (ZDF): 20. Mai 1989.

Zitat von Rivalen der Rennbahn: Das Zukunftsrennen
Auf einen gemeinsamen Erfolg hoffend, reisen Christian Adler und Thea Waasing zum Zukunftsrennen nach Baden-Baden. Der Hengst Morinello gilt als einer der Favoriten auf den Sieg des prestigeträchtigen Tourniers. Auf der After-Show-Party erwachen in Christian dann ganz andere Emotionen: Er sieht Monika mit Herrn Ziehlmann flirten und fühlt sich in seinem eitlen Mannesstolz gekränkt ...


Immer eifriger schaufeln sich einige der Protagonisten ihr eigenes Grab, während andere unaufhörlich die Gunst des Publikums für sich zu gewinnen wissen. Christian Adler, als Hoffnungsträger der Zuschauer gestartet, entwickelt sich mehr und mehr zu einem kopflosen Protzer, der seine Wünsche nicht seinen Möglichkeiten anpasst und so weiter und weiter in Bedrängnis gerät. Auch wenn Sylvia Gruber nur noch die Bühne betritt, um Christian an die schuldige Geldsumme für Samuraj zu erinnern, so verfehlt sie damit ihre Wirkung, den Ex-Jockey in die Enge zu treiben, nicht. Die kleine Krise, die sich bei den Waasings zu entwickeln droht, verharrt in einem überschaubaren Stadium und verleitet Emanuel von Rödermark zu der von sehnsüchtigem Neid geprägten Aussage, es gäbe eben auch tolerante Ehepartner. Der Blick, den er von Filmgattin Tilly Lauenstein daraufhin zugeworfen bekommt, könnte selbst das stärkste Pferd zu Fall bringen.

Schön, dass nach seinem kurzen Auftritt in der Pilotfolge Horst Frank nochmal ins Seriengeschehen zurückkehrt. Ob es glaubwürdig ist, dass ein Mann in seinem Alter ernsthaft mit Monika anbändelt (oder eher umgekehrt), sei dahingestellt, da die beiden dieses Vorhaben ohnehin nur als Vorspiegelung benutzen, um die Eitelkeit des Herrn Adler zu provozieren, – Franks überlegene Präsenz und die markante Stimme sorgen im Alleingang für einen nostalgischen Hauch, der hervorragend in den Baden-Badener Ballsaal passt und der wieder einmal einen großen Unterschied zum proletenhaften, unüberlegten Verhalten Hans-Otto Grubers aufzeigt.

Die Episode endet mit einem äußerst ungewissen und unvorbereiteten Cliffhanger, der den Zuseher die eigene Position zu Hellmut Langes Rolle noch einmal überdenken lässt. Gerade auch die Art und Weise, in der Stefan Bartmann die Szene filmte, mutet als gefährliche Angelegenheit für den Schauspieler an, der hier blind auf die Disziplin des unmittelbar vor ihm befindlichen Pferds vertrauen musste. Wir werden sehen, ob und wie es sich mit Wolf Kremer weiterentwickelt oder ob Christian auf diese Weise zum Alleineigentümer des Hofes aufsteigen wird ...

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

20.07.2014 15:11
#33 RE: Turfnotizen: Rivalen der Rennbahn (1989) Zitat · Antworten

██ Folge 10: "Am seidenen Faden"
mit: Thomas Fritsch, Jutta Speidel, Manfred Zapatka, Maja Maranow, Hellmut Lange, Ilse Werner, Hans Clarin, Radost Bokel, Margot Hielscher, Thekla Carola Wied, Pierre Franckh, Zacharias Preen, Tilly Lauenstein, Ferdy Mayne, Horst Frank, Horst Naumann, Wolf-Dietrich Berg u.a. | Buch: Anita Mally | Regie: Stefan Bartmann

Bruno Adler findet den bewusstlosen Wolf Kremer vor der Box von Samurai und verständigt den Notarzt. Christian und Monika haben sich wieder versöhnt, was Hans-Otto Gruber aber nicht daran hindert, einen Detektiv zu beauftragen, seine Frau Sylvia zu beschatten. Der Rennstall soll verkauft werden und Christian weiß, dass nur eine halbe Million DM verhindern kann, dass er und die Pferde auf der Straße sitzen. Während Tante Ella überlegt, wie man an Geld kommen könnte, wird Rolf Lesch erneut von den Erpressern bedrängt. Der Großauftrag eines Scheichs macht Christian wieder ein wenig Hoffnung, doch als er zu dem vereinbarten Treffen im Hotel Continental kommt, erlebt er eine böse Überraschung ...




██ Alles zurück auf Anfang! So lautet das Motto von Anita Mally, die sehr dezent die Weichen für das große Finale in Folge 11 stellt. Die Intermezzi mit Thea Waasing und Bernhard Schadenstedt enden je nach Temperament der Betreffenden in warmer Freundschaft oder kühler Gekränktheit. Zuverlässige Stützen wie die Gräfin oder Tante Ella zeigen erneut ihre Stärke und den Mut, aufs Ganze zu gehen. Verbitterte alte Männer erhalten durch ihren Einsatz neue Zuversicht. Es fehlt in dieser Episode nicht am Willen oder am Zusammenhalt, aber an Geld, was zusätzliche Spannung einstreut, da der Zeitdruck zunehmend wächst. Erneut wird betont, dass jene, die keine Geldsorgen haben, sich anderweitig quälen oder ganz einfach tödlich langweilen, so z.B. das Ehepaar Gruber oder die von Rödermarks. Bereits abgeschriebene Szenarios werden wieder zum Leben erweckt und verblüffen durch kaum zu fassende Plattheit. Sylvia Gruber ist mit Sicherheit jene Figur, die nach einem furiosen Start am schnellsten dramaturgisch ins Abseits befördert wurde und nun wie ein unruhiger Geist durch die Serie spukt. Einmal mehr zeigt sich die Berechenbarkeit der Neureichen, die im Gegensatz zum Adel oder dem Bürgertum nur sich selbst im Visier haben und ständig gegen die gleichen Hindernisse anrennen. Monika und Christian nehmen erneut an Fahrt auf: offene Fragen stellen sich in Hinblick auf die Finanzierung des Projekts vom eigenen Grund und Boden, menschlich sind die Weichen für ein Happyend schon gestellt. Als einzige Folge bisher kommt "Am seidenen Faden" ohne ein Pferderennen aus, aber da man noch den Sieg vom letzten Mal feiert, braucht der Zuseher nicht auf den gewohnten Glamour zu verzichten.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.332

20.07.2014 20:20
#34 RE: Turfnotizen: Rivalen der Rennbahn (1989) Zitat · Antworten

██ Rivalen der Rennbahn: Am seidenen Faden

Episode 10 des TV-Dramas, BRD 1989. Regie: Stefan Bartmann. Drehbuch: Anita Mally. Mit: Thomas Fritsch, Jutta Speidel, Margot Hielscher, Hellmut Lange, Maja Maranow, Manfred Zapatka, Ilse Werner, Tilly Lauenstein, Ferdy Mayne, Margret Homeyer, Radost Bokel, Hans Clarin, Thekla Carola Wied, Horst Frank, Zacharias Preen, Pierre Franckh, Wolf-Dietrich Berg, Horst Naumann, Santiago Ziesmer u.a. Erstsendung (ZDF): 27. Mai 1989.

Zitat von Rivalen der Rennbahn: Am seidenen Faden
Am seidenen Faden hängt nicht nur die Gesundheit Wolf Kremers. Auch sein Hof ist von Unheil bedroht: Gelände und Stallungen sind nur gepachtet. Der Besitzer bietet Kremer und Adler an, sie ihm für eine halbe Million D-Mark abzukaufen, andernfalls würde er sie an einen anderen Interessenten abstoßen. Doch niemand kann das Geld auftreiben. Kommt den Trainern nun Tante Ellas Wettleidenschaft zugute?


Dass es um Wolf Kremer einigermaßen schlecht steht, verhilft den etwas vernachlässigten Alte-Damen-Rollen von Margot Hielscher und Ilse Werner wieder zu etwas mehr Aufmerksamkeit. In den Tränen der Gräfin zeigt sich deren große Zuneigung zu ihrem alten Freund Kremer – denn so leicht wirft die überlegte und optimistische Pferdenärrin nichts aus der Bahn. Tante Ella zeigt eine weniger stille Reaktion, packt aber auch schnell wieder tatkräftig – eigentlich tatkräftiger denn je – im Stall mit an. Sie läuft in einem ernsten Beratungsgespräch mit Christian zu Hochformen auf und gibt den Ton an, als sie für Rolf Lesch die Kastanien aus dem Feuer holen muss.

Mich wundert, dass ausgerechnet der von sich und seinen Traditionen so überzeugte Wolf Kremer nun angeblich keinen rechten Lebensmut mehr an den Tag legen soll. Gerade die lebenslange Verpflichtung seinem Hof gegenüber lässt sein apathisches Kürzertreten uncharakteristisch erscheinen. Aber die Tatsache, dass als Doktor wieder einmal Horst Naumann auf der Bildfläche erscheint, der bereits Christian in Folge 2 verarztete und damit den Fortbestand der Serie sicherte, lässt auch für Kremer Gutes vorausahnen.

Die Vorbereitungen auf das Serienfinale sind unübersehbar, denn verschiedene Stränge werden bereits für beendet erklärt. Dies beinhaltet das endgültige Abservieren der beiden Geliebten: Jutta Speidel erklärt die unrealistischen Hoffnungen des Buchhändlers für vergebens, während Thomas Fritsch mit Maja Maranow reinen Tisch macht. Die falsche Identität und Verkleidung ihrer Sylvia Gruber erscheinen wie eine Maskerade für ihre immer gleichen, langweilig gewordenen Sticheleien, für die sie nun – auch von ihrem Mann – endlich die Rechnung serviert bekommt. Ihren Vamp einmal ein wenig leiden zu sehen, tut der Rolle besser als die ewige Wiederholungsschleife, durch die sie Paice und Mally bisher jagten. Dass die letzte Folge für die Grubers noch einen weiteren Schlag bereithalten wird, kündigt sich bereits deutlich an und wird auch von dem Verlangen der Zuschauer nach ausgleichender Gerechtigkeit erzwungen. Auch wenn es nicht unbedingt glaubwürdig ist, dass Monika und Christian nach ihren Problemen und Problemchen auf einmal wieder Friede-Freude-Eierkuchen feiern, so wünscht man ihnen doch noch einen deutlichen Triumph über ihre bösartigen Konkurrenten ...

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

03.08.2014 20:33
#35 RE: Turfnotizen: Rivalen der Rennbahn (1989) Zitat · Antworten

██ Folge 11: "Die Zerreißprobe"
mit: Thomas Fritsch, Jutta Speidel, Hellmut Lange, Margot Hielscher, Maja Maranow, Manfred Zapatka, Horst Frank, Ilse Werner, Radost Bokel, Zacharias Preen, Pierre Franckh, Margret Homeyer, Jürgen Draeger, Santiago Ziesmer, Tilly Lauenstein, Ferdy Mayne u.a. | Buch: Anita Mally | Regie: Stefan Bartmann

Die Gräfin schenkt Wolf im Krankenhaus reinen Wein ein und berichtet von den Schwierigkeiten, in denen der Rennstall und Christian stecken. Bruno belauscht Hans-Otto Gruber und den ehemaligen Stalljungen Thomas bei einem Gespräch über einen geplanten Anschlag. Als Gruber sein Feuerzeug liegen lässt, nimmt Bruno es als Beweisstück mit. Unterdessen bereiten sich Kremer und Adler auf das nächste große Rennen vor, in dem Samurai unbedingt siegen muss. Herr Zielmann hat Christian die halbe Million für den Kauf des Stalls nur unter der Voraussetzung geliehen, Samurai an ihn zu verpfänden. Monika holt die Gräfin als Teilhaberin in ihre Boutique herein und kann Christian somit das Geld für Sylvia Gruber geben. Als sich Klaus und Margit auf den Weg zur Rennbahn machen, werden sie von einem Laster in den Straßengraben gedrängt ...




██ Um eine Zerreißprobe im wahrsten Sinn des Wortes handelt es sich bei den Begebenheiten im großen Finale der Pferdesportserie. So werden Freundschaften auf die Probe gestellt, die Belastbarkeit von Beziehungen getestet und Machtspiele ausgefochten, bei denen es um viel Geld, Existenzen und in letzter Konsequenz um Leben und Tod geht. Anita Mally gelingt es, einen eleganten Bogen zur ersten Folge zu spannen, indem sie Ereignisse so beeinflusst, dass diese sich in überraschender Konsequenz Spannung und Befriedigung ausdrücken. Wogen werden mit professioneller Hand geglättet, lange gehegte Erwartungen eingelöst und selbst Romantiker kommen nicht zu kurz. Das finale Rennen sorgt einmal mehr für Glanz und Nervenkitzel, entscheidet sich doch nun die Zukunft jener, mit denen man über Monate mitgefiebert hat. Blender werden entlarvt, finstere Taten aufgedeckt und Ehrgeiz und Fleiß belohnt. Die Leichtigkeit, mit der sich das Ende in einem Schaulauf der Sieger präsentiert, lässt offen, ob weitere Episoden geplant waren bzw. man sich vorbehielt, hier später ansetzen zu können. Möglichkeiten für weitere Geschichten hätte es durchaus gegeben. Horst Frank, der in den letzten Folgen stark aufspielte, hat noch einiges in der Hinterhand; Maja Maranow ist ohne ihr Ehegespons unberechenbarer als je zuvor und könnte eine ganz andere Richtung einschlagen und nicht zu vergessen der Nachwuchs: Radost Bokel und Zacharias Preen als Jockeys mit vielversprechender Zukunft. Wie prickelnder Schaumwein an einem goldenen Herbsttag präsentieren sich noch einmal alle Personen in Hochform und unterstreichen das, was sie ausmacht und verbindet. Schön war’s!

Gubanov Offline




Beiträge: 16.332

03.08.2014 20:41
#36 RE: Turfnotizen: Rivalen der Rennbahn (1989) Zitat · Antworten

██ Rivalen der Rennbahn: Die Zerreißprobe

Episode 11 des TV-Dramas, BRD 1989. Regie: Stefan Bartmann. Drehbuch: Anita Mally. Mit: Thomas Fritsch, Jutta Speidel, Margot Hielscher, Hellmut Lange, Maja Maranow, Manfred Zapatka, Ilse Werner, Tilly Lauenstein, Ferdy Mayne, Margret Homeyer, Radost Bokel, Hans Clarin, Horst Frank, Pierre Franckh, Zacharias Preen, Joachim Wolff, Santiago Ziesmer, Jürgen Draeger u.a. Erstsendung (ZDF): 3. Juni 1989.

Zitat von Rivalen der Rennbahn: Die Zerreißprobe
Die finanziellen Probleme, die den Kremer-Hof belasten, spitzen sich zu und führen dazu, dass Christian Adler alle Hoffnungen in das nächste Rennen setzen muss. Samuraj geht an den Start und Klaus soll ihn reiten. Ein Anschlag durch einen von Grubers Helfershelfern führt dazu, dass der Jungjockey am Morgen des Rennens im Krankenhaus landet – und nun die Fantasie der Beteiligten gefragt ist. Christian kommt auf die Idee: Er wird Samuraj selbst reiten, obwohl ein Sturz für ihn lebensgefährlich wäre ...


Über der gesamten Finalfolge liegt eine Aura des Wohlbekannten und Vertrauten. Nicht nur sind dem Zuschauer über elf Episoden „Rivalen der Rennbahn“ die Charaktere und ihre Macken in Fleisch und Blut übergegangen, auch besinnt sich „Die Zerreißprobe“ auf alte Tugenden und erinnert – gerade mit ihrer Wendung, die Christian Adler wieder auf den Rücken eines Pferds befördert – an alte Tage und damit an den spannenden Pilotfilm. Der Abschluss der Serie glückte Anita Mally nicht weniger aufregend, wobei sich allerdings bei der Vielzahl an Fäden, die es noch aufzurollen gibt, die kurze Laufzeit von 42 Minuten als weniger optimal erweist. Vielleicht hätte zum Abschluss der Serie das ZDF noch einmal eine Spielfilmlänge ordern sollen, denn dass noch auf der Rennbahn Schluss ist mit Christian, Monika & Co., wirkt letztlich doch ein wenig überstürzt.

Verschiedene Figuren erscheinen in „Die Zerreißprobe“ noch einmal in einem anderen Licht. Klaus und Margit nehmen wichtigere Rollen ein als bisher und auch die schnippische Hausdame Theresa bekommt noch einmal eine kleine Rebellion gegen die Gräfin in den Mund gelegt. Als besonders hilfreich stellt sich letztlich jedoch Bruno Adler heraus, der den Status des „schwarzen Schafes“ bereits durch seine Hilfe für Wolf Kremer in der vergangenen Episode hinter sich lassen konnte, sich nun aber wirklich grundlegend rehabilitiert. Auch für Christian bleibt dank seiner Adrenalinspritze, Samuraj reiten zu werden / müssen / dürfen, weniger Raum für Flausen – seiner On-Off-Affäre mit Sylvia Gruber scheint zudem endgültig der Saft abgedreht worden zu sein. Immerhin sein übertriebener Mannesstolz macht sich noch an einigen Stellen bemerkbar, Christian aber nicht unbedingt unsympathisch.

Die geschickte Weise, auf die Mally die losen Enden zu einem kompakten Bündel verknüpft, lässt vermuten, dass es von vornherein die Intention war, mit den „Rivalen der Rennbahn“ nicht mehr als elf Episoden zu bestreiten. Dem Zuschauer wird ein weitgehend rundes Ende serviert und eine hypothetische zweite Staffel hätte mit gänzlich neuen Problemen – und tlw. auch neuen Protagonisten – auftrumpfen müssen. Ob es schade ist, dass eine Fortsetzung nicht entstand, lässt sich schlecht beurteilen. Aber auf jeden Fall spricht für die „Rivalen“, dass die Serie sich nicht bis in die Irrelevanz schleppte, sondern aufhörte, als es am schönsten war ...

Gubanov Offline




Beiträge: 16.332

03.08.2014 20:51
#37 RE: Turfnotizen: Rivalen der Rennbahn (1989) Zitat · Antworten



██ „Rivalen der Rennbahn“

... haben die Erwartungen, dass sich hinter dem „Schwarzwaldklinik“-Nachfolger mehr versteckt als eine herzrührige Soap-Opera, in vollem Umfang bestätigt. Die Serie im Rennsportmilieu überzeugt durch ausgebuffte Charaktere, die zwar auch hin und wieder dem Schmonzettencharme eines solchen Wochenenddramas erliegen, zwischen denen es jedoch auch darüber hinaus ordentlichen Sprengstoff zu zünden gibt. Jede Folge der „Rivalen“ jagte ein Feuerwerk an Wendungen und Überraschungen in die Luft, wobei mir die Folgen von Ted Willis und Anita Mally am besten gefallen haben und ich die Eric-Paice-Phase (Episoden 4 bis 6) eher als überlange Verschnaufpause betrachte. Geldgeschäfte, Betrügereien, Wettschwindel, Erpressung, Mordversuch und Brandstiftung sorgen zumeist für die nötige Würze, die die „Rivalen“ auch jeden foreninternen Eignungstest bestehen lassen.

Am wichtigsten für das Gelingen der elf Episoden waren jedoch die Schauspieler und ihre mehr oder minder vielschichtig angelegten Rollen. Bei vielen von ihnen war von Anfang an klar, ob man für sie oder gegen sie eingestellt sein soll. Doch verschiedene Figuren, u.a. die des sonst als Strahlemann gefeierten Thomas Fritsch, untergingen auch unerwartete unvorteilhafte Wandlungen. Trotzdem mag man seinem Christian Adler irgendwie nicht böse sein – wenn man sich der geschickten Beeinflussung durch die Schreiber der Serie ergibt und in einer manchmal arg schwarzweißen, aber immer unterhaltsamen Welt der Rivalitäten und Pferderennen verliert ... Unterm Strich verteile ich 4,5 von 5 Hufeisen.





██ Die beliebtesten Charaktere liefern sich ein Hauen und Stechen mit ihren unleidlicheren Rivalen. Nachdem Percy Lister und ich so sehr mitgefiebert haben, möchten wir einen Überblick darüber geben, welche Personen uns am besten gefallen, gegen wen wir innerlich geflucht haben bzw. wer uns völlig kaltgelassen hat.

Platz 01: Thea Waasing (Thekla-Carola Wied)
██ Elegante Dame, die sich nicht auf platte Avancen einlässt und wohlbegründet hinter dem steht, was sie tut.
Platz 02: Monika Adler (Jutta Speidel)
██ Das Herz der Serie – zwar manchmal aufbrausend oder genervt, aber nur durch Christian dazu getrieben.
Platz 03: Christian Adler (Thomas Fritsch)
██ Trotz allen unsteten Hin und Hers ist „Rivalen der Rennbahn“ ohne Christian Adler undenkbar. Ein leading man.
Platz 04: Gräfin Louise von Hayn-Hohenstein (Margot Hielscher)
██ Feinsinnig analysiert die Gräfin die Geschehnisse und weiß immer einen passenden Rat. Sie steht über den Dingen.
Platz 05: Bruno Adler (Pierre Franckh)
██ Liebenswerter Gauner – und häufig trotzdem hilfreich für seinen Bruder.
Platz 06: Rosalinde von Rödermark (Tilly Lauenstein)
██ Mit scharfer Zunge und pinker Boa ein Original des Rennplatzes.
Platz 07: Emanuel von Rödermark (Ferdy Mayne)
██ Nicht weniger eloquent manövriert Emanuel von Rödermark so manchen Gesprächspartner ins Abseits.
Platz 08: Georg Waasing (Winfried Glatzeder)
██ Zweifelt manchmal an seiner Frau, hat dafür aber keinen Grund. Die Waasings sind ein erfrischend ruhiges Paar.
Platz 09: Hans-Otto Gruber (Manfred Zapatka)
██ Bellende Hunde beißen nicht. Oder doch? Bei entschlossenerem Handeln hätte Gruber noch mehr Schaden anrichten können.
Platz 10: Tante Ella (Ilse Werner)
██ Nette, etwas aufdringliche Seele des Rennstalls. Ihre Wettleidenschaft wirkt etwas aufgesetzt.
Platz 11: Margit Franke (Radost Bokel)
██ Eine der verzichtbarsten Rollen nur fürs Teenie-Publikum, aber sympathisch umgesetzt.
Platz 12: Wolf Kremer (Hellmut Lange)
██ Unleidlicher Sturkopf, der sich nicht belehren lässt und so manchmal zum Kopfschütteln veranlasste.
Platz 13: Sylvia Gruber (Maja Maranow)
██ Sylvias Rolle begann vielversprechend, doch nach wenigen Folgen wussten die Autoren nichts mehr mit ihr anzufangen.
Platz 14: Dieter Homburg (Jürgen Draeger)
██ Ebenfalls viel verschenktes Potenzial. Hätte als Christians Rivale stärker betont und variiert werden müssen.
Platz 15: Rolf Lesch (Hans Clarin)
██ Lesch zerfließt in Selbstmitleid und Schnaps und zählt zu den undankbareren Typen im Script.
Platz 16: Max Maier (Joachim Wolff)
██ Der Wirt taucht immer dann auf, wenn es woanders spannend wird, und erscheint damit als reiner Störfaktor.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

03.08.2014 21:16
#38 RE: Turfnotizen: Rivalen der Rennbahn (1989) Zitat · Antworten



Im Laufe der Monate (Sichtung der ersten Folge im März 2014, jene der letzten im Juli 2014) sind mir die Charaktere der Serie ans Herz gewachsen und es fällt schwer, ein Ranking zu erstellen, da jede und jeder eine wichtige Funktion erfüllt und zum Gelingen der Reihe beiträgt. Nichtsdestoweniger möchte ich mich an eine Liste heranwagen, die einen Überblick über Favoriten und weniger geliebte Figuren geben soll.

Platz 01: Gräfin Louise von Hayn-Hohenstein (Margot Hielscher)
██ Margot Hielscher in ihrer Rolle als souveräne Gräfin stand während der gesamten Zeit der Sichtung auf Platz 1. Sie ist die unangefochtene Autorität, ohne herrisch oder herablassend zu sein und besticht durch ihr kluges Urteil, Stil und Entscheidungsfreudigkeit.
Platz 02: Christian Adler (Thomas Fritsch)
██ Thomas Fritsch lief zwischendurch Gefahr, sich seine Vorschusssympathien zu verspielen, wenn er unüberlegt von einem Fettnäpfchen ins andere trat. Dennoch steht und fällt die Serie mit seiner Anwesenheit und der Fähigkeit, sich tausendmal hochzurappeln und Menschen von seinen Visionen zu überzeugen.
Platz 03: Wolf Kremer (Hellmut Lange)
██ Der bewährte Hellmut Lange ist der Brummbär mit Herz, der aus altem Holz geschnitzt zum Rennstall dazugehört wie kein anderer.
Platz 04: Thea Waasing (Thekla Carola Wied)
██ Die charismatische Thekla Carola Wied ist nach Margot Hielscher die Grande Dame der Serie und hat sich trotz ihres relativ späten Einsatzes ganz nach oben gespielt.
Platz 05: Monika Adler (Jutta Speidel)
██ Jutta Speidel ist das Herz der Serie und die moralische Siegerin. Sie besitzt genügend Unabhängigkeit, um ihren eigenen Weg zu gehen. Sie entscheidet frei heraus und ohne Verpflichtung.
Platz 06: Tante Ella (Ilse Werner)
██ Die zupackende Ilse Werner ist fürwahr eine Frau, mit der man Pferde stehlen kann und verkörpert das Beste, das Hamburg zu bieten hat: Tatkraft, Loyalität und Durchsetzungsvermögen.
Platz 07: Dieter Homburg (Jürgen Draeger)
██ Der silbergrau melierte Jürgen Draeger hat an Klasse dazugewonnen und zeigt neben seinem Temperament auch Verlässlichkeit. Sein spitzbübisches Lächeln hat er sich ebenso bewahrt wie seine geheimnisvolle Aura.
Platz 08: Sylvia Gruber (Maja Maranow)
██ Maja Maranow ist eine Frau, bei deren Auftritt ein Raunen durch die Menge geht. Nicht allein ihre Schönheit, sondern vor allem ihre Gefährlichkeit in puncto Unberechenbarkeit ist dabei entscheidend. Leider hat sie die meisten Trümpfe bereits in den ersten Folgen ausgespielt und konnte am Ende nicht viel Neues bieten.
Platz 09: Margit Franke (Radost Bokel)
██ Die junge Pferdefreundin bereichert die Serie um den familiären Aspekt, zeigt aber gleichzeitig eine wichtige Komponente auf: ein Mädchen auf dem Weg nach oben – und dies in einer Männerdomäne, dem Jockey-Beruf.
Platz 10: Georg Waasing (Winfried Glatzeder)
██ Wohltuend unaufgeregt, gelassen und zurückhaltend tritt Winfried Glatzeder neben der strahlenden Frau Wied auf. Er zeigt, dass eine Ehe kein Machtkampf sein muss (wie bei Grubers), sondern jeder durchaus eigene Interessen verfolgen kann, ohne die Gemeinsamkeiten zu vernachlässigen.
Platz 11: Hans-Otto Gruber (Manfred Zapatka)
██ Manfred Zapatka ist der klassische Bösewicht der Serie, muss aber aufpassen, dass er ihn nicht wie eine Karikatur daherkommen lässt. Feindosiert eingesetzt bereichert er das Szenario ungemein und ist immer für eine durchtriebene Überraschung gut.
Platz 12: Emanuel von Rödermark (Ferdy Mayne)
██ Er ist das einundzwanzigste Pferd im Stall seiner Gattin: durch jahrelange Contenance gezähmt und selbst in den Farben seiner Halsbinde mit Rosalinde konform. Nach außen ein Snob, verbirgt sich hinter der Fassade ein gutes Urteil über die Menschen seiner Umgebung.
Platz 13: Bruno Adler (Pierre Franckh)
██ Das Auftreten von Pierre Franckh bringt das hässliche Gesicht des Rennsports und vor allem des Schnorrertums in die Serie. Aufdringlich wie eine Wanze hält er den mittleren Teil in Schach, mausert sich jedoch am Ende zu einem brauchbaren Verbündeten.
Platz 14: Rosalinde von Rödermark (Tilly Lauenstein)
██ Die humoristische Komponente liegt eindeutig bei dem flatterhaften Wesen in Rosa. Ihr Hochmut und ihre Unbelehrbarkeit gehen mit Tradition einher, was eine Weiterentwicklung der Figur verhindert.
Platz 15: Rolf Lesch (Hans Clarin)
██ Die Trostlosigkeit seiner Rolle ändert sich bis zum Schluss nicht, woran auch die Nebengeschichte mit der Erpressung wenig ändert.
Platz 16: Max Maier (Joachim Wolff)
██ Der geschwätzige Wirt trägt die rote Laterne. Seine Auftritte verheißen Übersättigung, Ärger und in Kombination mit Bruno Adler unsäglichen Dilettantismus.

Ohne die ersten drei Schauspieler ist die Serie für mich undenkbar. Aus Kindheitserinnerungen blieben sie mir als Markenzeichen und als Aushängeschild in Erinnerung und empfahlen die "Rivalen der Rennbahn" nun zum Wiedersehen.

Mr. Krimi Offline




Beiträge: 297

04.08.2014 23:08
#39 RE: Turfnotizen: Rivalen der Rennbahn (1989) Zitat · Antworten

Danke für diese schönen (Fernseh-)Erinnerungen.

"Rivalen der Rennbahn" gehört für mich zu den 1980er Jahren wie "Dallas" und "Denver-Clan" oder auch wie Rubik's Zauberwürfel und Schulterpolster...

Ich war 10, als ich diese ZDF-"Prime-Time-Serie" zum ersten Mal sah - bei der Erstausstrahlung im März 1989.

Schon damals, war ich fasziniert von dieser so ganz anderen Welt, die ich bis dato ja auch schon 2 Jahre zuvor bei der ZDF-Serie;"Das Erbe der Guldenburgs" sah...beides sollten Antworten auf die amerikanischen Ewings und Carringtons sein.

Wenn auch dieser Vergleich hingt, heute nach gut 25 Jahren mehr als damals im besagten Frühjahr '89, so entfachten diese Serien dem deutschen Fernsehkonsumenten eine doch ganz neue Welt.

Korruption, Intrigen, Feindschaften und diese immer gleichen Abhängigkeiten von den immer gleichen Amtsträgern waren und sind auch für die damalige und jetzige Bundesrepublik übertragbar.

Statt eines Öl-Imperiums, hier wird ja sowohl bei "Dallas" als auch beim "Denver-Clan" alles, aber auch wirklich für das "Schwarze Gold" getan, bediente man sich hierzulande dem Pferde-(Wett)Sport oder einer Brauerei.

Endeten bei uns die jeweiligen Episoden (fast) nie blutig oder gar tödlich, so mußten überm großen Teich schon so einige ins Gras beißen.

Ja, und überhaupt, war in diesen amerikanischen Fernsehserien immer alles ein bis zwei Spuren hinterhältiger, glamouröser, dekadenter und affektierter, so konnte man doch auch bei unseren "Hochglanz-Soaps", wenn man sich denn darauf einließ, damals wie heute, schöne, interessante aber auch spannende Fernsehminuten erleben.

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