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Dieses Thema hat 38 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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athurmilton Offline



Beiträge: 1.083

05.05.2014 10:19
#16 RE: Turfnotizen: Rivalen der Rennbahn (1989) Zitat · Antworten

Ich habe die Serie damals geliebt. Wenn ich mich recht erinnere, u.a. besonders wegen des Titelsongs, war der nicht von Dieter Bohlen, interpretiert von Nino De Angelo? Wie sich Geschmack doch ändern kann!

Gubanov Offline




Beiträge: 16.332

05.05.2014 11:24
#17 RE: Turfnotizen: Rivalen der Rennbahn (1989) Zitat · Antworten

Tatsächlich komponierte Bohlen den gesamten Soundtrack zur Serie. Die Titelmelodie hat keinen Gesang, wohl aber das bekannteste Lied der Reihe, "Samuraj", das von Nino de Angelo gesungen wurde. Hardliner können die Musik sogar gesammelt auf CD erwerben.

Der Grund, warum der Soundtrack so gut ankommt, ist der sich ändernde Zeitgeschmack. Während sich Bohlen heute als ein musikalisch hoffnungslos veralteter Prolet gebärdet, war er in den Achtzigern viel näher am Puls der Zeit und komponierte einfallsreich und einprägsam. Während sich aber die Standards für gute Film- und Popmusik weiterentwickelt haben, entwickelte sich Bohlen nicht entsprechend mit. Gleiches Prinzip wie bei Ralph Siegel seit den Siebzigern.

Wobei damit nicht gesagt ist, dass sowohl Serie als auch Musikbegleitung nicht durchaus einen gewissen Guilty-Pleasure-Faktor haben.

Marmstorfer Offline




Beiträge: 7.455

05.05.2014 13:41
#18 RE: Turfnotizen: Rivalen der Rennbahn (1989) Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #17
Während sich Bohlen heute als ein musikalisch hoffnungslos veralteter Prolet gebärdet, war er in den Achtzigern viel näher am Puls der Zeit und komponierte einfallsreich und einprägsam. Während sich aber die Standards für gute Film- und Popmusik weiterentwickelt haben, entwickelte sich Bohlen nicht entsprechend mit.


Eine zutreffende Beschreibung des Bohlenschen Schaffens. Ich muss gestehen, dass ich ein riesiger Fan des klassischen Bohlen-Sounds der 80er und 90er Jahre bin, alle Alben von Modern Talking und Blue System besitze - und diese bis heute immer mal wieder mit Freude anhöre (Stichwort: Guilty-Pleasure ). Dieses Bekenntnis kommt in gewisser Weise einem Outing gleich - ist es doch fast schon Volkssport, Bohlens Musik als minderwertig und primitiv abzutun und deren Hörer von oben herab zu belächeln. "Wer hört, bzw, wer kauft diese Scheiße?" - die selbsternannte Geschmackspolizei ging mit Bohlen-Fans hart ins Gericht und rieb sich ob der exorbitant hohen Plattenverkäufe die Augen.

Modern Talking und Blue System standen für süffigen, tanzbaren, hervorragend und ausgefeilt arrangierten Pop - perfekt und sorgfältig produziert. Dafür war nicht allein Bohlen verantwortlich, sondern auch sein jahrelanger Co-Produzent Luis Rodriguez, dessen künstlerischer Einfluss gar nicht hoch genug einzuschätzen ist. 2001 verließ Rodriguez die Tötensensche Musikschmiede und ging zurück in seine spanische Heimat. Während Diedää für die letzten beiden Modern-Talking-Alben "Victory" (2002) und "Universe" (2003) noch verschiedene Co-Producer engagierte, wodurch beiden Werke eine für Bohlen-Verhältnisse erstaunlich heterogene Klangfarbe aufweisen, produziert er seit zehn Jahren ausschließlich mit der Unterstützung des unter dem Künstlernamen "Jeo" bekannten Besitzers eines Tonstudios in Handeloh im Landkreis Harburg. Bohlens und Jeos gemeinsamer Sound wird von Jahr zu Jahr einfallsloser und hinkt ausschließlich aktuellen Trends hinterher - zudem komponiert Bohlen immer schludriger und langweiliger, was bei seinen ausschweifenden Jury-Engagements für DSDS und Supertalent kaum überrascht. Das Comeback des Eurodance hat Bohlen völlig verschlafen, stattdessen schneidert er jetzt Semino Rossi Schnulzen auf den Leib, die er früher nicht einmal den Wildecker Herzbuben und Roy Black angedreht hätte.

Tarzan Offline



Beiträge: 952

05.05.2014 22:53
#19 RE: Turfnotizen: Rivalen der Rennbahn (1989) Zitat · Antworten

Dem ist nicht zu widersprechen! Sehr schön festgestellt!

Luis Rodriguez war damals sehr wichtig, auch weil er Musik im Blut hat.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

18.05.2014 14:20
#20 RE: Turfnotizen: Rivalen der Rennbahn (1989) Zitat · Antworten

██ Folge 4: "Verdacht"
mit: Thomas Fritsch, Jutta Speidel, Maja Maranow, Manfred Zapatka, Hellmut Lange, Margot Hielscher, Ilse Werner, Radost Bokel, Hans Clarin, Pierre Franckh, Santiago Ziesmer, Ferdy Mayne, Tilly Lauenstein, Jürgen Draeger, Wolf-Dietrich Berg, Margret Homeyer, Joachim Wolff, Joe Sumner u.a. | Buch: Eric Paice, Bearbeitung: Anita Mally | Regie: Stefan Hartmann

Nach dem Vorfall in Deauville reicht Monika Adler die Scheidung ein, sie hat genug von Christians Eskapaden mit Frau Gruber. Währenddessen taucht ein dubioser Mann auf dem Gestüt auf, der sich nach den Gewinnchancen der Pferde erkundigt. Wie sich herausstellt, handelt es sich dabei um Bruno Adler, den jüngeren Bruder von Kremers Partner. Hans-Otto Gruber ist sehr daran gelegen, dass sein Neuerwerb aus England, der Hengst Black Lace, gewinnt. Doch dieser ist angeschlagen und liegt im Training weit hinter dem Favoriten Thunderman der Gräfin Hayn-Hohenstein zurück. Beim Rennen geschieht jedoch das Unerwartete und Black Lace läuft als Erster durchs Ziel. Bei einer Routinekontrolle stellt sich heraus, dass das Pferd unter dem Einfluss eines Aufputschmittels stand. Wurde das Tier gedopt?




██ Christian Adler kann es nicht lassen: Die verbotenen Früchte erscheinen ihm zu süß und zu verlockend, als dass er ihrer entsagen könnte. Diesmal macht Monika Ernst und lässt sich von einem Anwalt beraten. Als Scheidungsgrund soll Sylvia Gruber genannt werden, was einen mittleren Skandal bedeuten würde. Und gerade jetzt steckt das Trainer-Team Kremer/Adler wieder in der Bredouille. Hans-Otto Gruber will unter allen Umständen, dass Black Lace gewinnt und schlägt die Warnungen von Wolf Kremer in den Wind. Mit Pierre Franckh betritt ein weiterer Tunichtgut die Bühne: Symptomatisch auch sein Rollenname, der aus dem Reinecker-Universum stammen könnte: Bruno. Nach der typischen Spät-Achtziger-Yuppie-Mode gestylt, schleimt er sich durch die Stallungen und direkt auf die geöffnete Brieftasche von Christian zu, der nun durch einen Schuldschein für den zurückzuzahlenden Kredit für Samurai von Frau Gruber abhängig ist. Diese drängt sich immer weiter in Christians Leben, während sie ihren Mann immer mehr verachtet. Um Monika bemüht sich unterdessen ein neuen Verehrer, der Buchhändler vom Laden gegenüber dem ihren.

Der neue Drehbuchautor Eric Paice arbeitet deutlich mehr Schwächen der handelnden Personen heraus und zeigt, dass ihr eigenes Fehlverhalten für die Katastrophen in ihrem Leben verantwortlich ist. Statt zu argumentieren, wird angeklagt oder beschämt geschwiegen; was man der Jugend verzeiht, lastet man den Wiederholungstätern umso schwerer an. Menschliche Größe bewahrt wieder einmal die ältere Generation, wobei sich besonders das Geschwisterpaar Kremer und die Gräfin angenehm hervorheben. Die Bedrohung durch Eindringlinge von außen erweist sich diesmal als heiße Luft und legt die internen Fehlerquellen offen, die ebenso gefährlich sind. Leichtsinn, so das eigentliche Motto dieser Episode, ist hausgemacht und bringt nicht nur den Übermütigen zu Fall, sondern schadet auch dem Umfeld.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.332

18.05.2014 14:30
#21 RE: Turfnotizen: Rivalen der Rennbahn (1989) Zitat · Antworten

██ Rivalen der Rennbahn: Verdacht

Episode 4 des TV-Dramas, BRD 1989. Regie: Stefan Bartmann. Drehbuch: Eric Paice (Adaption: Anita Mally). Mit: Thomas Fritsch, Jutta Speidel, Margot Hielscher, Hellmut Lange, Maja Maranow, Manfred Zapatka, Ilse Werner, Tilly Lauenstein, Ferdy Mayne, Margret Homeyer, Radost Bokel, Hans Clarin, Zacharias Preen, Pierre Franckh, Wolf-Dietrich Berg, Jürgen Draeger, Joachim Wolff, Santiago Ziesmer, Joe Sumner u.a. Erstsendung (ZDF): 15. April 1989.

Zitat von Rivalen der Rennbahn: Verdacht
Monika Adler ist des ewigen Hin und Hers überdrüssig, nachdem sie Christian und Sylvia Gruber in mehreren eindeutigen Situationen erleben musste. Sie will nun endgültig die Scheidung einreichen. Zeitgleich kommt es zu einem schicksalhaften Rennen, bei dem ein Pferd gewinnt, das als Außenseiter an den Start gegangen war. Wie sich herausstellt, ging nicht alles mit rechten Dingen zu. Was hat Christians undurchschaubarer Bruder Bruno damit zu tun?


Nach einem Drehbuchautorenwechsel fahren die „Rivalen der Rennbahn“ zwar mit ihren üblichen Sticheleien und Betrügereien fort, doch ein gewisser Bruch ist bei der soap-artigen Ausrichtung der Serie, die sich zu 100 Prozent über das Gefühlsleben ihrer Charaktere definiert, einfach nicht zu vermeiden. Vielleicht betrifft es die persönliche Art eines jeden Autors, Figuren im Geschehen hin- und herzubewegen – auf jeden Fall braucht es ein wenig, um wieder festen Boden unter die Füße zu bekommen. Das betrifft auch die Beziehung von Christian und Monika, die auf eine schwere Prüfung gestellt und beinah zur Scheidung gebracht wird. Man fragt sich, warum Christian seine alten Fehler nicht einsieht, sondern sie sogar wiederholt, wenn ihm auch nur das Geringste an seiner Frau gelegen ist. Fatalerweise begibt er sich noch weiter in eine Abhängigkeit zu Sylvia Gruber, als er sie seine Schulden begleichen lässt und sich ihr mit einem Schuldschein verpflichtet.

Lang erwartet wurde Pierre Franckhs Auftritt in der Reihe. Von Anfang an durch den Vorspann angekündigt, ließ das enfant terrible vieler Reinecker-Krimis lange auf sich warten. In „Verdacht“ war es nun endlich soweit: Als Bruno Adler, Filmbruder von Thomas Fritsch, betritt er Fernsehschirm und Pferdestall. Einmal nicht als Werkzeug von Reineckers moraltheoretischen Betrachtungen eingesetzt zu werden, tut dem Charakterkopf ausgesprochen gut, auch wenn er sich sein Ganovenimage behält und es durch dunkle Sonnenbrille sowie noch dunklere „Geschäftsbeziehungen“ hegt und pflegt. Franckh verkörpert mit Inbrunst das schwarze Schaf der Familie – er tritt mit unbehaglicher Coolness auf und setzt sich mit seinen gewagten Verhaltensweisen kräftig in die Nesseln.

Eric Paice gelang als Wiedergutmachung für den Tempowechsel der Serie ein erstklassiger Cliffhanger, der für die kommende Folge hohe Erwartungen weckt. Das Rennen um den Preis von Düsseldorf wird dieses Mal besonders geschickt in den Spannungsbogen eingebunden und fungiert als Höhepunkt und Zusammenführung der einzelnen Handlungsstränge. Der Überraschungssieg des Pferdes Black Lace führt dazu, dass Bruno Adler die Gefährlichkeit seiner Kumpanen erkennt und am Rande der Geschehnisse ein weiteres Rennen – diesmal um die heile Haut eines Kleinganoven – entbrennt ...

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

18.05.2014 14:44
#22 RE: Turfnotizen: Rivalen der Rennbahn (1989) Zitat · Antworten

██ Folge 5: "Die Untersuchung"
mit: Thomas Fritsch, Jutta Speidel, Maja Maranow, Manfred Zapatka, Hellmut Lange, Margot Hielscher, Ilse Werner, Tilly Lauenstein, Ferdy Mayne, Margret Homeyer, Radost Bokel, Zacharias Preen, Santiago Ziesmer, Hans Clarin u.v.a. | Buch: Eric Paice, Bearbeitung: Anita Mally | Regie: Stefan Bartmann

Nach dem positiven Dopingbescheid steht nicht nur der Ruf von Hans-Otto Gruber auf dem Spiel, sondern auch die Trainer-Lizenz und somit die Existenz von Wolf Kremer und Christian Adler. Bald stellt sich heraus, dass der Hengst Black Lace die Pralinen gefressen hat, die Margit in der Eile unter dem Strohballen in seiner Box versteckt hat. Währenddessen nähern sich Christian und Monika wieder einander an, allerdings lässt Sylvia Gruber keine Gelegenheit aus, um Christian zu becircen. Hans-Otto droht ihr, er werde ihre Affäre mit dem Ex-Jockey nicht länger dulden, doch Sylvia bleibt unbeeindruckt: Sie weiß zuviel von seinen zwielichten Machenschaften. Margit hat ihre Probezeit beendet und bangt nun, ob sie als Jockey-Lehrling weitermachen darf ...




██ Die Kameraführung schafft Intimität, was in dieser Folge besonders betont wird. Der Zuseher dringt in den persönlichen Radius der Personen ein und wird damit in Freud und Leid der Betreffenden miteinbezogen. Nahaufnahmen der Paare sorgen für eine Anteilnahme durch den Zuschauer und lassen ihn an Gesprächen und Gefühlen partizipieren, die ihn betroffen machen und je nach Sympathie für den jeweiligen Charakter eines gewissen Fremdschämfaktors nicht entbehren. So lassen die begründeten Vorwürfe von Monika Gruber kaum jemanden kalt und sorgen dafür, dass Christian auf der privaten Ebene immer tiefer abrutscht. Hätte ihn nicht ein charismatischer Schauspieler wie Thomas Fritsch verkörpert, wäre Adler schon längst in der Gunst des Publikums gesunken. Doch seine Qualitäten machen sich im Gestüt und in der Bewältigung der dort auftretenden Schwierigkeiten bezahlt: Er sorgt für Besonnenheit und den Ausgleich zwischen den Parteien.

Wie wichtig Loyalität in der immer härter werdenden Geschäftswelt ist, beweisen Wolf Kremer und die Gräfin, die ihren alten Freund mehr als einmal vor den von Rödermarks in Schutz nimmt, deren Standesdünkel ihre Nasen recht hoch in den Wind recken lässt. Schade, dass man keine Gastrolle für Peter Pasetti in das Drehbuch einbaute, wie wohl hätte er sich im Kreis dieser gelangweilten Snobs gefühlt! Er hätte zum Beispiel der Gräfin den Hof machen und zu einem gefährlichen Rivalen für den treuen Wolf aufsteigen können. Vorerst bleibt die Harmonie jedoch ungestört, was sich in Folge 5 in einer Erweiterung des musikalischen Spektrums niederschlägt. Bohlen darf mehrmals selbst ans Mikrophon und haucht "Love Suite" während Grubers und Adlers in der Diskothek in seltener Eintracht feiern. Das Finale der Episode freilich weckt Erinnerungen an die Nacht in Deauville und legt den Grundstein für anhaltendes Misstrauen und Gefahr.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.332

19.05.2014 09:00
#23 RE: Turfnotizen: Rivalen der Rennbahn (1989) Zitat · Antworten

██ Rivalen der Rennbahn: Die Untersuchung

Episode 5 des TV-Dramas, BRD 1989. Regie: Stefan Bartmann. Drehbuch: Eric Paice (Adaption: Anita Mally). Mit: Thomas Fritsch, Jutta Speidel, Margot Hielscher, Hellmut Lange, Maja Maranow, Manfred Zapatka, Ilse Werner, Tilly Lauenstein, Ferdy Mayne, Margret Homeyer, Radost Bokel, Hans Clarin, Zacharias Preen, Pierre Franckh, Wolf-Dietrich Berg, Elert Bode, Werner Brehm, Santiago Ziesmer, Joe Sumner u.a. Erstsendung (ZDF): 22. April 1989.

Zitat von Rivalen der Rennbahn: Die Untersuchung
Nachdem sich herausgestellt hat, dass das Pferd Black Lace beim Preis von Düsseldorf gedopt an den Start gegangen ist, stehen für Christian Adler, Wolf Kremer und Hans-Otto Gruber Ruf und Lizenzen auf dem Spiel. Wird das gemeinsame Schicksal den Graben zwischen Adler und Gruber überbrücken? Und wie entscheidet die Dopingkommission? Monika ist drauf und dran, Christian in der schweren Zeit zu unterstützen. Aber nicht unter allen Umständen ...


Dass man in einer (Pferde-)Sportserie früher oder später das Thema Doping anpacken würde, war abzusehen. Das ständig diskutierte und von den Medien ausgeschlachtete unfaire medizinische Nachhelfen konnte und kann Sportlern ihre mühevoll aufgebaute Karriere verbauen und – gerade wenn Tiere gedopt werden – leicht mit ähnlichen Konsequenzen auf Jockey, Trainer und Besitzer zurückfallen. Überraschenderweise geht es aber gar nicht so hoch her in „Die Untersuchung“: Die betroffenen Herren bewahren einen einigermaßen kühlen Kopf (sogar Wolf Kremer und das will schon etwas heißen!), das Worst-Case-Szenario entpuppt sich als eine geradezu harmoniesteigernde Mogelpackung, unter deren äußerlich unangenehmer Verpackung sich Adler und Gruber endlich einmal nicht bekriegen, sondern kleinlaut im selben Boot sitzen.

Vielleicht liegt die eher harmlose Aufarbeitung des Themas in dessen Brisanz, ob derer sich die Autoren von „Rivalen der Rennbahn“ es keinem Charakter endgültig mit den Sympathien des Publikums verscherzen wollten. Dennoch erscheint es bei allen Hinterlistigkeiten und Rachefeldzügen einerseits erstaunlich, dass niemand so wirklich Schuld am Vorfall trägt, und andererseits, dass der Druck auf das verantwortliche Dreiergespann nicht größer ausfällt. Presserummel vor den Tagungsräumen der Anti-Doping-Kommission ist reichlich vorhanden, aber es lässt sich tatsächlich kein einziger Reporter auf dem Kremer’schen Gestüt blicken. Hatten Journalisten in den 1980er Jahren etwa noch Anstandsgefühl?

Alles in allem strahlt „Die Untersuchung“ eine gewisse Ruhe und Vertrautheit aus, die auch durch das Wiederholen von Verhaltensweisen (die Folge kulminiert im gleichen offenen Ende wie Episode 3) sowie durch das Hinterfragen verschiedener Positionen gekennzeichnet ist, die der Zuschauer längst durchschaut hat: So kommt Hans-Otto Gruber endlich einmal auf die Idee, seine Ehe mit Hausdrachen Sylvia zu bereuen, die daraufhin sogleich große Drohungen auspackt, um ihren Status und ihre egomanischen Vorrechte zu verteidigen. Hans-Otto Gruber mag schleimig wie ein Aal sein, aber wer solch eine Frau im Hause hat, braucht eigentlich keine anderen Feinde mehr ...

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

25.05.2014 14:15
#24 RE: Turfnotizen: Rivalen der Rennbahn (1989) Zitat · Antworten

██ Folge 6: "Gewitterwolken"
mit: Thomas Fritsch, Jutta Speidel, Maja Maranow, Manfred Zapatka, Hellmut Lange, Margot Hielscher, Ilse Werner, Hans Clarin, Zacharias Preen, Radost Bokel, Tilly Lauenstein, Ferdy Mayne, Jürgen Draeger, Wolf-Dietrich Berg, Eddi Constantine, Yale Arikan, Margret Homeyer, Santiago Ziesmer, Joe Sumner, Ursula Karven u.a. | Buch: Eric Paice, Bearbeitung: Anita Mally | Regie: Stefan Bartmann

Christian begleitet Herrn und Frau Gruber nach Südfrankreich, wo eine Pferdeversteigerung stattfindet. Hans-Otto erwirbt gleich mehrere Rösser, darunter einen temperamentvollen Jährling für über eine Million. Wolf bringt unterdessen seine Bedenken vor, was aus dem Gestüt werden soll, wenn Gruber seine Pferde eines Tages abzieht. Sylvia hofft vergebens auf eine Aussöhnung mit Christian und muss einen weiteren Rückschlag hinnehmen: Hans-Otto betrügt sie seit Monaten mit einer Blondine. Währenddessen bereitet sich Klaus auf sein erstes Rennen mit Samurai vor und die Gräfin lädt zu einer Buchpräsentation ins Schloss. Gegen Abend ziehen Gewitterwolken auf, die sich in Blitz und Donner entladen. Nun zeigt sich das Risiko des neuen Pferdes, vor dem Christian im Vorfeld gewarnt hatte ...




██ Eric Paice läuft in dieser Folge zur Höchstform auf. Nachdem er sich in den letzten Episoden mit den Charakteren vertraut gemacht hat, überrascht er das Publikum mit dramatischen und vor allem unerwarteten Wendungen im und um den Trainungsstall von Kremer und Adler. Schlafende Hunde werden geweckt und zeigen ihr wahres Gesicht, wobei eiskaltes Kalkül, kombiniert mit Wagemut, zu Konsequenzen führt, die herbe Verluste nach sich ziehen. Hier profiliert sich Manfred Zapatka in der Rolle des berechnenden Unternehmers, der es allen zeigen will und dabei Risiken eingeht, die er gar nicht überblicken kann. Um seine Großmannssucht zu kultivieren, setzt er nicht nur sein Vermögen, sondern auch seine Ehe und die Partnerschaft mit seinen Trainern aufs Spiel. Wieder einmal ist es Wolf Kremer, der die Entwicklungen voraussieht und in der Stunde des Tiefschlags Verantwortung übernehmen muss. Die Episode hat gleich mehrere Höhepunkte und deutet früh die kommende Katastrophe an, auch, wenn sich Paice Mühe gibt, mit Gaststar Eddi Constantine und seiner charmanten Tochter, die von Yale Arikan gespielt wird, mondänes Flair als Ablenkung zu bieten. Man darf gespannt sein, wie Sylvia Grubers Rache an ihrem untreuen Mann aussehen wird. Die Empörung steht nicht nur in ihrem Gesicht geschrieben, sondern regt sich auch im Zuseher, der Froschmaul Hans-Otto in seiner Kartei bereits unter 'Eunuch' abgelegt hatte. Die zarte Freundschaft zwischen Monika und dem Buchhändler geht ihrem Ende zu, wobei Monika in dieser Episode besonders lieblich aussieht - geradeso, als erwache ein neuer Frühling zwischen ihr und ihrem Mann Christian. Die von Rödermarks dürfen endlich wieder Zähne zeigen; leider sind sie mittlerweile zu Randfiguren verkommen, was bei dem dichten Drehbuch verständlich ist.

"Gewitterwolken" zeigt schonungslos die Gefahren der Verantwortung auf und birgt Niederlagen für mehrere, bisher erfolgsverwöhnte Personen in sich. Der Weg der Perfektion und der Siegesgarantie wird nach und nach aufgeweicht und macht Stolperfallen sichtbar, die impulsives, leichtfertiges und selbstüberschätzendes Handeln bestraft. Wie man die Beteiligten kennt, werden Gegenangriffe nicht lange auf sich warten lassen und in den Reaktionen wird sich zeigen, wer souveräner und zukunftsorientierter ist. Der Drehbuchautor hebt und senkt den Adrenalinspiegel des Publikums wie ein Puppenspieler an den Fäden seiner Marionetten zieht. Nach der Halbzeit lässt sich auf jeden Fall vermelden, dass die Luft noch lange nicht raus ist und weitere Überraschungen zu erwarten sind.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.332

25.05.2014 14:25
#25 RE: Turfnotizen: Rivalen der Rennbahn (1989) Zitat · Antworten

Dieses Mal fallen unsere Urteile doch sehr konträr aus:

██ Rivalen der Rennbahn: Gewitterwolken

Episode 6 des TV-Dramas, BRD 1989. Regie: Stefan Bartmann. Drehbuch: Eric Paice (Adaption: Anita Mally). Mit: Thomas Fritsch, Jutta Speidel, Margot Hielscher, Hellmut Lange, Maja Maranow, Manfred Zapatka, Ilse Werner, Tilly Lauenstein, Ferdy Mayne, Margret Homeyer, Radost Bokel, Hans Clarin, Zacharias Preen, Wolf-Dietrich Berg, Jürgen Draeger, Santiago Ziesmer, Joe Sumner, Eddie Constantine, Yale Arikan, Ursula Karven u.a. Erstsendung (ZDF): 29. April 1989.

Zitat von Rivalen der Rennbahn: Gewitterwolken
Erneut reist Christian mit den Grubers nach Deauville. Dort begleitet er den erfolgreichen Geschäftsmann zu einer Pferdeauktion, bei der dieser ein Vermögen für den Hengst Gunpowder Boy ausgibt. Unmittelbar darauf führt Gruber ein dringlicher geschäftlicher Termin nach Deutschland zurück. Weil sie sich mit Christian nicht einig werden kann, folgt Sylvia Gruber ihrem Ehemann nach nur wenigen Stunden. Zu Hause angekommen, macht sie eine überraschende Entdeckung ...


Mehr und mehr beschleicht mich das Gefühl, als gäbe es zwischen den Akteuren dieser Serie doch nicht so viel Zündstoff wie zunächst angenommen. Spätestens seit der dritten oder vierten Folge wiederholen sich die Strickmuster in verlässlichem Abstand und die Fallen, die die Rivalen füreinander aufstellen, sehen ihren früheren nur allzu ähnlich. Wenn Sylvia Gruber Christian Adler wieder umschmeichelt: „Warum kann es zwischen uns nicht wieder so sein wie früher?“, dann erinnert man sich, die gleiche Frage schon in mehreren Episoden gehört zu haben. Auch Monikas Trotzkopf-Verhalten, Christians Unzuverlässigkeit und Hans-Otto Grubers Zorn ziehen die immer gleichen Konsequenzen nach sich. Zur selben Zeit werden andere Charaktere wie die von Rödermarks oder der Trainer Homburg stiefmütterlich vernachlässigt. Es ist diese Fehlnutzung der charakterlichen Potenziale, die den „Rivalen der Rennbahn“ sichtlich die Luft ausgehen lässt.

Glücklicherweise bieten die „Gewitterwolken“ Anlass für eins, zwei neue Impulse im ewigen Intrigendschungel. Die leider allzu kurz angedeutete, sich anbahnende Fehde zwischen den Rödermarks und der Gräfin Hayn-Hohenstein könnte bei weiterem Ausbau das Potenzial haben, einige Schwerpunkte zu verschieben und den überfliegenden, immer korrekten Status der Gräfin ein wenig in Frage zu stellen. Auch die Entdeckung, dass Hans-Otto Gruber sich nun ebenfalls eine Liebschaft leistet, zählt zu den interessanteren Neuigkeiten zwischen Rennstall und Schickerialeben. Dass er der unerträglichen Sylvia Gleiches mit Gleichem heimzahlt, sei ihm zunächst vollauf gegönnt ...

Der Freiluftempfang der Gräfin anlässlich ihrer neuen Buchveröffentlichung bietet die Gelegenheit, vom stattlichen Drehort, dem Wasserschloss Anholt, zu profitieren. In genüsslichen Schwenks und Fernaufnahmen wird das Areal wie auf einem standesgemäß polierten Silbertablett präsentiert. Der Komplex im äußersten Westen Nordrhein-Westfalens nahe der Grenze zu den Niederlanden geht auf einen Wehrbau aus dem 12. Jahrhundert zurück und zählt heute zu den größten Wasserschlössern des Landes. Es beherbergt ein Museum sowie ein Hotel und steht für Besichtigungen offen. Doch selbst die grandioseste Kulisse bewahrt nicht vor dem Einbruch eines Unwetters, das hier symbolisch für das (Wieder-)Aufkochen blauen und bösen Blutes steht ...

Mr. Krimi Offline




Beiträge: 297

28.05.2014 22:32
#26 RE: Turfnotizen: Rivalen der Rennbahn (1989) Zitat · Antworten

Eine der schönsten Familienserien der 1980er Jahre. Ich erinnere mich noch an die Erstausstrahlung im März 1989 im ZDF.
Wie Die Schwarzwaldklinik und Das Erbe der Guldenburgs, so wurde auch die berühmteste "Pferde-Opera" im deutschen Fernsehen von meiner ganzen Familie und mir, jeden Samstagabend ab 19.30 Uhr verfolgt...

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

02.06.2014 20:26
#27 RE: Turfnotizen: Rivalen der Rennbahn (1989) Zitat · Antworten

██ Folge 7: "Die Doppelgängerin"
mit: Thomas Fritsch, Maja Maranow, Manfred Zapatka, Jutta Speidel, Thekla Carola Wied, Winfried Glatzeder, Hellmut Lange, Ilse Werner, Hans Clarin, Pierre Franckh, Margot Hielscher, Radost Bokel, Joachim Wolff, Jürgen Draeger, Ursula Karven u.a. | Buch: Anita Mally | Regie: Stefan Bartmann

Hans-Otto Gruber macht seine Drohung wahr und holt seine Pferde bei Kremer und Adler ab. Just in diesem Moment gibt es neue Hoffnung: Die Geschäftsfrau Thea Waasing gibt Christian und Wolf zehn ihrer Pferde zum Training. Sie hat noch eine alte Rechnung mit Gruber zu begleichen, der sie vor Jahren um sehr viel Geld gebracht hat. Zwischen ihr und Christian funkt es, obwohl Thea mit einem Juwelier verheiratet ist und Christian sich immer noch um Monika bemüht. Sylvia Gruber und ihr Mann versöhnen sich und Gruber meldet erneut sein Interesse an Samurai an. Bruno Adler heckt unterdessen zusammen mit dem Wirt Max einen Wettbetrug aus. Die Stute Akazienblüte soll gegen ein schnelles Rennpferd aus Ungarn vertauscht werden, um so einen Außenseitersieg einzufahren. Doch wie immer, wenn der Windhund Bruno seine Hände im Spiel hat, gibt es Schwierigkeiten ...




██ In der siebten Folge übertrug man die Verantwortung für das Drehbuch Anita Mally, die bisher "nur" die Bücher ihrer Kollegen Willis und Paice bearbeitete. Die Unterschiede sind merklich und leiten die Handlung in neues Fahrwasser. Wohlbekannte Charaktere wie Sylvia Gruber werden weniger berechenbar und der Auftritt des Ehepaars Thea und Georg Waasing sorgt für frischen Wind und neue Spannung. Mit der populären Thekla Carola Wied gewinnt man eine aparte und kluge Frau für die Serie, die Thomas Fritsch in Charisma und Sinn für Humor perfekt ergänzt und deren Auftreten weitaus unabhängiger ist als jenes ihrer Vorgängerinnen. Winfried Glatzeder bildet eine angenehme Ergänzung für sie, tritt er doch weniger als eifersüchtig über sie wachender Ehemann, sondern wie ein Bruder auf, der ihre Motive durchschaut, sie aber gewähren lässt. Die Rückkehr von Pierre Franckh bringt erneut krumme Geschäfte mit sich, wieder einmal erweist er sich als skrupellos und erfindungsreich. Auch auf der Rennbahn kehrt der neue Besen Anita Mally gut: Die Pferde werden aus einer anderen Perspektive gefilmt und die Musikuntermalung fällt in dieser Folge weitaus dezenter aus. Der Schwerpunkt liegt beim neuen strahlenden Mittelpunkt Thea Waasing, in deren Gegenwart selbst Hans-Otto Gruber verlegen wird. Wohl deshalb greift er auf Bewährtes zurück und schließt Frieden mit seiner Frau. Neues Unglück deutet sich beim durch den Tod des Millionenpferdes verunsicherten Hans Clarin an, der prompt in seine alten Gewohnheiten zurückfällt und zur Flasche greift. Unter Alkoholeinfluss verursacht er einen Unfall, der aufgrund einer Einigung ohne Hinzuziehen der Exekutive noch weitere Stolperfallen mit sich bringen wird.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.332

02.06.2014 20:30
#28 RE: Turfnotizen: Rivalen der Rennbahn (1989) Zitat · Antworten

██ Rivalen der Rennbahn: Die Doppelgängerin

Episode 7 des TV-Dramas, BRD 1989. Regie: Stefan Bartmann. Drehbuch: Anita Mally. Mit: Thomas Fritsch, Jutta Speidel, Margot Hielscher, Hellmut Lange, Maja Maranow, Manfred Zapatka, Ilse Werner, Margret Homeyer, Radost Bokel, Hans Clarin, Thekla Carola Wied, Zacharias Preen, Pierre Franckh, Winfried Glatzeder, Jürgen Draeger, Joachim Wolff, Santiago Ziesmer, Joe Sumner, Ursula Karven, Lajos Kovacs u.a. Erstsendung (ZDF): 6. Mai 1989.

Zitat von Rivalen der Rennbahn: Die Doppelgängerin
Hans-Otto Gruber macht seine Drohung wahr und zieht alle seine Pferde aus dem Gestüt von Adler und Kremer ab, nachdem ein vielversprechender Hengst in einer Gewitternacht zu Tode gekommen war. Urplötzlich meldet sich eine neue Besitzerin, die die schmerzliche Lücke mit zehn anderen Tieren füllt: Frau Waasing befindet sich auf einem persönlichen Rachefeldzug gegen Gruber und will ihm mit dieser Aktion eins auswischen. Doch währt der Friede lange im Kremer’schen Rennstall?


Mit dem Verschwinden des Namens Eric Paice aus dem Vorspann der „Rennbahn-Rivalen“ macht sich wieder ein größerer Einfallsreichtum als in den vorangegangenen Episoden bemerkbar: Indem „Die Doppelgängerin“ verschiedene bekannte Charaktere wieder aufgreift und neue in den Fokus rückt, gelingt der Folge, für die Anita Mally erstmals nicht nur als Bearbeiterin, sondern als tatsächliche Drehbuchautorin fungierte, ein ordentlicher Neuanfang inmitten der Serie. Bruno Adler tanzt ebenso wieder auf rutschigem Parkett wie Kneipenbesitzer Max, aus dessen Fantastereien mehr (oder weniger?) geworden ist, als man zunächst angenommen hätte. Die Krisensituation um das Pferd mit dem schon allzu zimperlich klingenden Namen Akazienblüte führt erneut zu kriminellen Machenschaften, was den „Rivalen der Rennbahn“ deutlich zugute kommt.

Gleichsam konzentriert sich Mally auf Rolf Leschs wiedererwachte Selbstzweifel. Geschickt wird auf die Parallelität zwischen dem indirekt von Lesch verschuldeten Tod seiner Frau und der ähnlichen Situation des nächtlichen Pferdeunfalls abgehoben, die den geläuterten Stallmeister wieder auf die schiefe Bahn abrutschen lässt. Weit davon entfernt befindet sich die über den Dingen stehende Frau Waasing. Mit Thekla Carola Wied hält so eine zweite Frau neben der Gräfin in der Handlung Einzug, die das Potenzial für eine nüchterne Beurteilung der Dinge hat, auch wenn ganz klar auf ihre Motivation abgehoben wird. Gemeinsam mit Filmehemann Winfried Glatzeder gibt sie trotz ihrer Rachegelüste ein nobles Paar ab, das auseinanderzubringen sich Christian Adler hüten sollte!

„Die Doppelgängerin“ beinhaltet eine kurze Reise nach Ungarn, wobei hier zu Mauerspätzeiten noch ungeniert auf Ostblockklischees herumgeritten wird und sowohl Grenzkontrolleur als auch Pferdebesitzer über den Status schräger Karikaturen nicht hinauskommen. Es versteht sich von allein, dass der Zuschauer an dieser Stelle auch keine Originalaufnahmen zu sehen bekommt, sondern ihm etwas vorgegaukelt wird. Was das Vorgaukeln angeht, endet bei dem unglücklichen Trio Christian / Monika / Sylvia eine Phase des versteckten Hick-Hacks. Sie weicht einem offenen, eher gleichgültigen Umgang mit Christians Marotten, der sich mit seinen Eskapaden immer weiter ins Abseits befördert ...

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

15.06.2014 14:31
#29 RE: Turfnotizen: Rivalen der Rennbahn (1989) Zitat · Antworten

██ Folge 8: "Gefährliches Spiel"
mit: Thomas Fritsch, Jutta Speidel, Manfred Zapatka, Maja Maranow, Thekla Carola Wied, Hellmut Lange, Ilse Werner, Winfried Glatzeder, Pierre Franckh, Wolf-Dietrich Berg, Joachim Wolff, Tilly Lauenstein, Ferdy Mayne, Margot Hielscher, Jürgen Draeger, Radost Bokel, Hans Clarin u.a. | Buch: Anita Mally | Regie: Stefan Bartmann

Thea Waasing und ihr Pferd Morinello konzentrieren sich auf das Amazonenrennen der Pferdebesitzerinnen in München. Derweil reist auch Monika in den Alpenraum: Sie urlaubt in Salzburg mit dem Buchhändler ihres Vertrauens. Der kriminelle Bruno Adler plant seinen nächsten Coup und bereitet Christian neue Schwierigkeiten. Nicht nur dieser, sondern auch sein Stallmeister Lesch sieht sich mit unangenehmen Geldforderungen konfrontiert. Währenddessen wittert Hans-Otto Gruber eine neue Chance, das Pferd Samurai zu bekommen und seine Frau Sylvia ärgert sich über die neue Rivalin Thea Waasing, die nicht nur bei Christian die Nase vorn hat, sondern auch im Reitsport eine ernstzunehmende Konkurrenz darstellt.




██ Anita Mally setzt die Frischzellenkur für die Serie fort und zaubert einige logische Konsequenzen aus dem Zylinder, die eine Weiterentwicklung der Figuren begünstigt und dennoch bewährte Strickmuster nicht vollkommen verdammt. Das Duell zwischen Thea und Sylvia erfährt durch die Defensive, in die die charmante Frau Waasing die Frau ihres ehemaligen Geschäftspartners drängt, neue Brisanz und lässt die nächsten Schachzüge von Frau Gruber mit Spannung erwarten. Christian Adler spielt in diesem Kampf zwar eine wichtige Rolle, ist aber nicht der entscheidende Grund für die Rivalität der Damen. Hier geht es um die Vorherrschaft auf dem Parkett der Reit-High Society, auf dem sich Thea so mühelos bewegt, ohne allzuviel Wert darauf zu legen, dazuzugehören. Ihr geht es primär um die Liebe zu den Pferden, eine Leidenschaft, die sie mit Christian teilt und die das entscheidende Bindeglied ihrer Freundschaft ist. In ihr sieht der Trainer all das, was er an einer Frau bewundert: heitere Gelassenheit, Ehrgeiz und Unkompliziertheit. Die Ehe mit Georg Waasing, ihrem zweiten Mann, baut auf Vertrauen und gegenseitigen Respekt und ist frei von hitziger Eifersucht oder Missgunst, wie sie z.B. bei den neureichen Grubers vorherrscht. Monikas Kulturtage in Salzburg enden nicht in einem erotischen Vehikel, sondern bestätigen ihre liebevolle Freundschaft mit dem gleichgesinnten Bernhard Schadenstedt. Auch in dieser Szene zeigt sich das Feingefühl von Anita Mally, die weniger plakativ vorgeht als ihre beiden Vorgänger und nicht das Offensichtliche geschehen lässt, sondern verschiedene Spielarten von Freundschaft, Liebe und Verbundenheit aufzeigt. Pierre Franckh als lästige Laus im Pelz lässt sich nicht so einfach abschütteln, wie es Christian Adler und das Publikum gern hätten. Seine Machenschaften bringen permanenten Ärger, während man sich Jürgen Draeger weniger wage und abseits stehend wünscht.

Die Ortswechsel nach München und Salzburg sowie das satte Grün von Wald und Wiesen versehen selbst finstere Erpressungspläne mit einem romantischen Anstrich, der an das idyllische Ambiente einer "Schattenhand" erinnert und Raum für Spekulationen lässt. Welche Rolle spielt Rolf Lesch, der wieder einmal in der Bredouille steckt? Oder der listige Gruber mit seinen Helfershelfern? Geschickt spielt Mally ihre Trümpfe nicht sofort aus, sondern behält einiges Pulver in der Hinterhand, um die Suppe am Köcheln zu halten. Allerdings bleiben nun - man mag es kaum glauben - nur mehr drei Folgen Zeit, um allen Charakteren gerecht zu werden und die Serie zu einem zufriedenstellenden Abschluss zu bringen. Man darf also gespannt sein, was in Düsseldorf und Umgebung noch passiert.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.332

15.06.2014 20:05
#30 RE: Turfnotizen: Rivalen der Rennbahn (1989) Zitat · Antworten

██ Rivalen der Rennbahn: Gefährliches Spiel

Episode 8 des TV-Dramas, BRD 1989. Regie: Stefan Bartmann. Drehbuch: Anita Mally. Mit: Thomas Fritsch, Jutta Speidel, Margot Hielscher, Hellmut Lange, Maja Maranow, Manfred Zapatka, Ilse Werner, Tilly Lauenstein, Ferdy Mayne, Margret Homeyer, Radost Bokel, Hans Clarin, Thekla Carola Wied, Zacharias Preen, Pierre Franckh, Wolf-Dietrich Berg, Winfried Glatzeder, Joachim Wolff, Jürgen Draeger, Santiago Ziesmer u.a. Erstsendung (ZDF): 13. Mai 1989.

Zitat von Rivalen der Rennbahn: Gefährliches Spiel
Die kriminellen Machenschaften Bruno Adlers haben ein pikantes Nachspiel: Weil jemand davon Wind bekommen hat, dass das falsche Pferd für Akazienblüte ins Rennen geschickt wurde, wird nun Trainer Christian um 30'000 Mark erpresst. Wer steckt hinter dem Plan? Gruber, der Christian zwingen will, Samuraj zu verkaufen, oder Rolf Lesch, der durch einen Unfall in finanziellen Schwierigkeiten steckt? Von solchen Zweifeln unberührt feiert Thea Waasing währenddessen den Sieg des Amazonenrennens in München ...


Mit den Scripts der Autorin Anita Mally zieht eine weibliche Sichtweise in die „Rivalen der Rennbahn“ ein. Infolgedessen konzentrieren sich die Probleme der Protagonisten bei den Herren der Schöpfung sowie auf die skeptisch beäugte Femme fatale Sylvia Gruber, während Monika und Thea siegreich und umworben vom Platz gehen. Insbesondere Sylvia erleidet mit dem Auftauchen Thea Waasings einen massiven Bedeutungsverlust. Es ist, als könnte die Figur bemerken, dass der Zuschauer an ihren Ränkespielen das Interesse verloren und seine Aufmerksamkeit stattdessen den zivilisierteren Frauen in Person von Jutta Speidel und Thekla Carola Wied zugewandt hat. Dass auch Christian diesen Weg beschreitet, erscheint dabei eher nebensächlich. Es ist eher der schleichende Prestigeverlust der Grubers, der am übergroßen Ego beider „Zweck-Ehe-Leute“ knabbert. Da man merkt, dass hinter den Drohungen und Sticheleien nicht viel und schon gar kein intelligenter Nachdruck steht, verliert sich das Interesse an den beiden Streithähnen immer mehr.

„Gefährliches Spiel“ zeichnet sich in erster Linie durch eine präsente Krimikomponente aus. Auf der einen Seite steht die Erpressung, der Christian zum Opfer fällt, auf der anderen die Betrugsversuche Brunos sowie die dubiosen Forderungen, mit denen sich Rolf Lesch konfrontiert sieht. Diese Vorgänge machen aus der achten Folge ebenso wie die aufwändigen Aufnahmen in München und Salzburg eine besonders unterhaltsame Angelegenheit. Um die Repräsentativität zu unterstreichen, legt sich Dieter Bohlens Soundtrack außerdem besonders ins Zeug. Als Ohrwurm bleibt die von Ann Turner gesungene Single „I’m Your Lady“ in Erinnerung. Sie wird zur Erkennungsmelodie für Thea Waasing, obwohl der Text, der die lady of the night glorifiziert, eigentlich nicht zu der praktisch veranlagten, Christian durchschauenden und entsprechend zurückhaltenden Thea passt. Er illustriert vielmehr, was der sich selbst überschätzende Christian meint, auch bei Thea ausrichten zu können. Die selbstbewusste Pferdenärrin wird er aber nicht ins Bett bekommen – ebensowenig, wie die Annäherungsversuche zwischen Monika Adler und dem Buchhändler Schadenstedt Früchte tragen werden ...

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