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Dieses Thema hat 62 Antworten
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Markus Offline



Beiträge: 598

03.03.2016 16:36
#46 RE: Agatha-Christie-Projekte zum 125. Geburtstag 2015 Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #43
Ich habe nicht den Eindruck gewonnen, dass die Produktion auch nur den geringsten Zweifel an Lombards Schuld aufkommen lassen möchte. Er gesteht als einziger, was von den anderen Anwesenden und auch vom Zuschauer sofort als Wahrheit akzeptiert wird, zumal er sofort Anschuldigungen bezüglich der Scheinheiligkeit seiner Schicksalsgenossen erhebt. Auch zeigt ihn die Rückblende blutverschmiert, insofern gibt es da wenig Interpretationsspielraum.


Naja, im Whodunit ist nicht alles, wie es scheint, und ein späteres Ereignis der Handlung lässt auch keinen Zweifel, obwohl er angebracht wäre.
Mit der Tätersuche war ich beim Sehen aus naheliegenden Gründen nicht beschäftigt. Aber ich habe mir ein paarmal überlegt, wie ein Zuschauer das sehen muss, der den Stoff neu erlebt. Ich glaube, dass die Verfilmung auch auf dieser Ebene funktioniert. Aber zugegeben: Es ist keine eindeutige falsche Fährte. Womöglich ist die Ambivalenz, die ich sehe, ein Zufallsprodukt.

Gruß
Markus

Count Villain Offline



Beiträge: 3.781

03.03.2016 17:24
#47 RE: Agatha-Christie-Projekte zum 125. Geburtstag 2015 Zitat · antworten

Wo bekommt man den Dreiteiler eigentlich her?

patrick Offline




Beiträge: 2.689

03.03.2016 19:39
#48 RE: Agatha-Christie-Projekte zum 125. Geburtstag 2015 Zitat · antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #47
Wo bekommt man den Dreiteiler eigentlich her?


Auf deutsch gibt's ihn meines Wissens (noch) nicht. Ich habe die DVD bei Amazon.co.uk bestellt. Man kriegt sie glaube ich auch auf Amazon.de als UK-Import.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.472

03.03.2016 20:25
#49 RE: Agatha-Christie-Projekte zum 125. Geburtstag 2015 Zitat · antworten

Zitat von Markus im Beitrag #46
Naja, im Whodunit ist nicht alles, wie es scheint ...

"No shit, Sherlock" ... um gleich 'mal beim Jargon der Produktion zu bleiben. Man sollte allerdings unterscheiden zwischen dem inhaltlichen "Jeder kann der Täter sein" und gewissen inszenatorischen Grundprinzipien. Und die geben in meinen Augen keinerlei Zweifel an Lombards damaliger Schuld - und damit paradoxerweise an seiner jetzigen Unschuld - her. Im Gegensatz zu Vera wird zu Lombards anfänglicher Schilderung auch nie etwas hinzugefügt. Bei Vera kommen immer neue Versatzstücke ans Licht, die zügig darauf hinweisen, dass sie anfangs nicht die (volle) Wahrheit sagte. Bei Lombard ist dagegen alles mit einem Mal ausgesprochen. Das sollte auch einem geübten Krimizuschauer auffallen, der den Stoff und damit den Täter nicht kennt (falls es so eine Kombination überhaupt gibt).

Dass der wahre Täter mir diesmal verdächtiger vorkam als in anderen Adaptionen, liegt daran, dass dieses Script ihn seiner "Existenzgrundlage" beraubt, indem es Szenen in der Gruppe maßgeblich einkürzt bzw. seine analytische Besprechung der wesentlichen Anhaltspunkte fast vollständig verwirft. Zum gleichen Zeitraum ist er der einzige, der sich nicht von der allgemeinen Beunruhigung anstecken lässt, und zudem erhält man Rückblicke auf sein angebliches Verbrechen erst sehr spät im Verlauf der Handlung, wobei hier nicht einmal der Versuch gemacht wird, ihm irgendeinen Mord anzudichten. Drei Anhaltspunkte, bei denen man 1 plus 1 plus 1 auch als Nichtkenner eigentlich zusammenzählen könnte.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.472

03.03.2016 20:45
#50 RE: Agatha-Christie-Projekte zum 125. Geburtstag 2015 Zitat · antworten

Man merkt sicher schon an meinen bisherigen Schilderungen, dass mich nach einem vielversprechenden Start jeder Teil ein kleines bisschen mehr enttäuscht hat. Ich wollte diesen Mehrteiler lieben, aber am Ende finde ich ihn doch nur passabel.



And Then There Were None (Teil 3)

Episode 3 des TV-Dreiteilers, GB 2015. Regie: Craig Viveiros. Drehbuch: Sarah Phelps (Buchvorlage „Ten Little Niggers“, 1939: Agatha Christie). Mit: Aidan Turner (Philip Lombard), Maeve Dermody (Vera Claythorne), Charles Dance (Richter Lawrence Wargrave), Burn Gorman (Detective Sergeant William Blore), Toby Stephens (Dr. Edward Armstrong), Harley Gallacher (Cyril Ogilvie Hamilton), Rob Heaps (Hugo), Catherine Bailey (Olivia Ogilvie Hamilton), Joseph Prowen (Edward Seton), Tom Clegg (James Stephen Landor) u.a. Erstsendung (GB): 28. Dezember 2015. Eine Produktion der Mammoth Screen für die British Broadcasting Corporation.

Zitat von And Then There Were None (Teil 3)
Nur noch fünf Negerlein sind übrig, doch ihre zunehmende Verunsicherung führt zu planlosen und impulsiven Reaktionen, mit denen sie gegen den kaltblütigen Mr. Owen wohl keine Chance haben werden. So fallen nach und nach auch der Richter, der Arzt und der Detektiv dem Wahnsinnigen zum Opfer, sodass nur noch Philip Lombard und Vera Claythorne auf der Insel verbleiben. Wer von beiden ist Mr. Owen? Es entbrennt ein taktischer Kampf um Lombards Pistole, doch dies ist keineswegs das letzte Gefecht ...


Die Neuverfilmung muss in zwei Punkten als absolut exzellent bezeichnet werden: Einerseits wird glaubhaft eine Stimmung von Verzweiflung und Lagerkoller unter den dezimierten Inselbewohnern geschaffen, die so gerade in den älteren Verfilmungen des Stoffes fehlt und typisch für die düster-psychologische Ausrichtung neuerer (nicht nur britischer) TV-Krimis ist. Hier zeigt sich, wie geeignet „Zehn kleine Negerlein“ als Vorlage für das Jubiläumsprojekt der BBC war und wie wirkungsvoll die Adaption als Gesamtpaket funktioniert. Andererseits kann nicht oft genug betont werden, wie sehr die Besetzung der Schauspieler die Glaubwürdigkeit der Adaption unterstützt. Gerade die fünf zuletzt übrig gebliebenen Negerlein erfahren in diesem Teil beeindruckende Umsetzungen, die einerseits von der Schuldlast ihrer Verbrechen gezeichnet sind, aber andererseits auch solide Interaktionen untereinander aufweisen. Die typische Zweckbeziehung zwischen Philip Lombard und Vera Claythorne wirkt hier ebenso nachvollziehbar wie die Sticheleien, die zwischen Lombard und Blore auftreten, oder die Allianz, die Armstrong mit Wargrave bildet.

Jedoch muss sich diese Produktion an einer Vorlage messen lassen, die die Übermutter aller Krimithriller und als solche schon absolut herausragend ist. Änderungen fallen hier deshalb gerade wegen der Verfahrensweise der BBC, sich der Vorlage auf respektvolle Weise anzunehmen, besonders gravierend ins Auge. Und wenn das Echo darin besteht, diese Verfilmung trage das Prädikat „sehr getreu“, so muss bei genauerem Hinsehen – vor allem in Teilen 2 und 3 – leider vermeldet werden, dass dies nicht der Fall ist. Zugegeben: Die Grobstruktur der Handlung und ein Großteil der Ereignisse auf der Insel stimmen, doch in mehreren anderen Punkten leistet sich Phelps’ Drehbuch Freiheiten, die in diesem Fall der Geschichte keine interessanten Facetten hinzufügen, sondern sie ihrer Direktheit und Simplizität berauben. Einige Momente, darunter die Partyszene und die Konfrontation zwischen Vera und dem Mörder, fallen total aus dem Raster und können nur als deplatziert und geschmacklos bezeichnet werden.

Auch wenn oben bereits angesprochen wurde, dass die Hintergrunddetails des Mordfalls Brady verändert worden sind, so ist dieser Fall nur eine Kleinigkeit gegenüber den Abweichungen, die dem Zuschauer in Bezug auf Lombards, Blores und MacArthurs Taten beigebracht werden sollen. Teilweise versucht das Drehbuch, den in unserer Zeit aufgeweichten Gerechtigkeitsvorstellungen einer Unterhaltungssendung zu begegnen, teilweise begründen sich die Abwandlungen aber auch aus einem Sinn für bloße Effekte heraus. Wie auch sonst in vielen Dramatisationen klassischer Stoffe erwarten den Zuschauer hier z.B. mindestens drei Figuren mit homosexuellen Tendenzen (darunter zwei Negerlein) – ebenso eine zeitgeistige Unnötigkeit wie das zuvor erwähnte andauernde Fluchen. Besonders ärgerlich fällt aber die Auflösung aus, die man gerade nach der etwas in die Länge gezogenen Sequenz mit Vera und Lombard sowie Veras unzähligen Rückblenden sehnsüchtig erwartet. Statt einer geradlinigen Präsentation des Romanendes erwartet den Zuschauer eine unausgegorene und melodramatische Kombination von Buch- und Theaterfassung, in der am Ende zwar alle tot sind, die aber bei Weitem nicht so befriedigend ist wie in Christies Vorlage.

Diese Kritik mag harsch und auf negative Elemente zentriert erscheinen, belegt aber, wie mutwillig die Gelegenheit, hier die beste Verfilmung der „Zehn kleinen Negerlein“ zu schaffen, in den Sand der Soldateninsel gesetzt wurde. Gerade in Hinblick auf die schauspielerischen Leistungen hätte diese Version das Potenzial gehabt, zum Spitzenreiter unter allen Adaptionen zu werden; unter den vorliegenden Umständen ist sie zwar ein beachtliches Psychodrama, aber am Ende leider ganz gewiss nicht die optimale Umsetzung des Buches – dieser Titel bleibt dem sowjetischen Film von 1987 erhalten.

Qualitativ hochwertige, hervorragend gespielte, aber leider zu effektgestopfte Hochglanzversion des Thriller-Klassikers. Die Stimmung auf der Insel ist bedrückend und wird regelmäßig von den nicht weniger belastenden Rückblenden zur Vergangenheit der Gefangenen durchbrochen. Leider sind diese Rückblenden ebenso wenig akkurat wie das gewählte Ende, das Unglaubwürdigkeit und Sadismus an die Stelle überhöhter Gerechtigkeit setzt. Auch die Motivation des Killers wird nur unzureichend geschildert. Aufgrund der hohen Schauwerte und des offenkundigen Produktionsaufwands reicht es zu 4 von 5 Punkten, inhaltlich wäre es eher etwas weniger.

patrick Offline




Beiträge: 2.689

03.03.2016 20:47
#51 RE: Agatha-Christie-Projekte zum 125. Geburtstag 2015 Zitat · antworten

And Then There Were None, Episode 3 (2015)



Five little soldier boys going in for law; One got in Chancery and then there were four.

Four little soldier boys going out to sea; A red herring swallowed one and then there were three.

Three little soldier boys going to the zoo; A big bear hugged one and then there were two.

Two little soldier boys sitting in the sun; One got frizzled up and then there was one.

One little soldier boy left all alone ; He went and hanged himself and then there were none.


Handlung:

Als nächstes Opfer wird Richter Wargrave mit einer Kugel im Kopf vorgefunden. Vera Claythorne, Philip Lombard, William Blore und Dr.Armstrong bekämpfen ihre Todesangst, indem sie eine spontane Feier veranstalten und dabei Alkohol und Kokain zu sich nehmen. Danach kommt es zu einer sexuellen Begegnung zwischen Vera Claythorne und Philip Lombard, während Armstrong das Haus verlässt und verschwunden bleibt. Blore unterbricht das Schäferstündchen, indem er an die Tür klopft und sich anschließend erfolglos mit Lombard auf die Suche nach Armstrong macht. Später taucht plötzlich Lombards Revolver wieder auf. Er liegt einfach auf dessen Bett. Als Lombard und Vera das Haus verlassen, wird der zurückbleibende Blore dort das nächste Opfer. Draußen findet das Pärchen den toten Armstrong am Strand liegend und es kommt anschließend zum mörderischen Finale…

...und dann war's keines mehr...

Anmerkungen:

Zugegebenermaßen ist der Stoff schon unzählige Male verfilmt worden und die Auflösung wohl jedem Genre-Fan bestens bekannt. Allerdings bietet diese Mini-Serie insofern ein besonderes „Schmankerl“, dass sie endlich den Mut aufbringt, sich im Grunde an die Romanvorlage zu halten und damit kein Happy-End zu präsentieren. Dies war bisher nur bei der wenig bekannten russischen Version der Fall, an die sie sehr erinnert. Auch diese letzte Folge hat wieder eine tolle, düstere Gruselatmosphäre mit gelungen schaurigen Gewitternächten. Eine sehr schöne Gothic-Szene zeigt eine schwarze Gestalt durch den Korridor laufen, nachdem Vera sich zweimal umdreht, wobei nicht ausgemacht werden kann, um wen es sich dabei handelt. Ist es der tote Junge, den Vera immer wieder vor ihrem geistigen Auge sieht, wenn sie ihr schlechtes Gewissen plagt? Wahrscheinlich ist davon auszugehen, wobei auffällt, dass sie ihm ja, im Gegensatz zu anderen ähnlichen Szenen, den Rücken zuwendet. Der Täter kann es ja eher nicht sein, aus Gründen, die ich hier nicht nennen möchte, um nicht allzu sehr zu spoilern.

Wie schon erwähnt, sind in dieser Version weder Vera Claythorne noch Philip Lombard untadelige Charaktere, sondern tragen die Last einer schweren Schuld auf ihren Schultern, die zumindest bei Vera starke Gefühle der Reue hervorruft. Die mit Sicherheit nicht Roman-konforme Kokain-Party lässt vor Allem Armstrong und Blore ungewohnt ausgelassen in Erscheinung treten. Die obgenannte russische Version wird durch die vorliegende Serie eindeutig getoppt, da sie aufgrund ihrer Länge sorgfältiger inszeniert und vor allem atmosphärischer und gruseliger gestaltet ist. Auch die Besetzung erscheint mir interessanter. Zwar gibt es kleinere Veränderungen und vor Allem Ergänzungen gegenüber der Vorlage, welche sie Sache für mich aber eher ein bisschen schmackhafter machen, nachdem ich hier kein Purist bin und ohnehin jede Fassung ein bisschen anders gestaltet ist.

Fazit:


Darsteller: hervorragend , Atmosphäre: sehr gut , Inszenierung und Drehbuch: sehr gut
Die wohl beste Umsetzung des Stoffes und ein Muss für jeden Genre-Fan. Endlich eine, der Vorlage einigermassen entsprechende, unbeschönigte Version des Klassikers in gekonnt britischer Machart mit dem Mut zum „un-happy ending“. 5 von 5.

patrick Offline




Beiträge: 2.689

03.03.2016 21:58
#52 RE: Agatha-Christie-Projekte zum 125. Geburtstag 2015 Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #49
Zitat von Markus im Beitrag #46
Naja, im Whodunit ist nicht alles, wie es scheint ...

"No shit, Sherlock" ... um gleich 'mal beim Jargon der Produktion zu bleiben. Man sollte allerdings unterscheiden zwischen dem inhaltlichen "Jeder kann der Täter sein" und gewissen inszenatorischen Grundprinzipien. Und die geben in meinen Augen keinerlei Zweifel an Lombards damaliger Schuld - und damit paradoxerweise an seiner jetzigen Unschuld - her. Im Gegensatz zu Vera wird zu Lombards anfänglicher Schilderung auch nie etwas hinzugefügt. Bei Vera kommen immer neue Versatzstücke ans Licht, die zügig darauf hinweisen, dass sie anfangs nicht die (volle) Wahrheit sagte. Bei Lombard ist dagegen alles mit einem Mal ausgesprochen. Das sollte auch einem geübten Krimizuschauer auffallen, der den Stoff und damit den Täter nicht kennt (falls es so eine Kombination überhaupt gibt).

Dass der wahre Täter mir diesmal verdächtiger vorkam als in anderen Adaptionen, liegt daran, dass dieses Script ihn seiner "Existenzgrundlage" beraubt, indem es Szenen in der Gruppe maßgeblich einkürzt bzw. seine analytische Besprechung der wesentlichen Anhaltspunkte fast vollständig verwirft. Zum gleichen Zeitraum ist er der einzige, der sich nicht von der allgemeinen Beunruhigung anstecken lässt, und zudem erhält man Rückblicke auf sein angebliches Verbrechen erst sehr spät im Verlauf der Handlung, wobei hier nicht einmal der Versuch gemacht wird, ihm irgendeinen Mord anzudichten. Drei Anhaltspunkte, bei denen man 1 plus 1 plus 1 auch als Nichtkenner eigentlich zusammenzählen könnte.


Auch für mich gibt's kein Quäntchen Zweifel an Lombards Schuld. Die Verdachtsmomente gegen den Täter werden für jene, die die Geschichte nicht kennen, immerhin dadurch entkräftet, dass er ja auch "ermordet" wird. Ich denke gerade unter den jüngeren Zusehern der gegenwärtigen Generation gibt es genug, für welche die Auflösung neu ist. Hier im Forum werden es naturgemäß nur wenige sein.

Count Villain Offline



Beiträge: 3.781

07.03.2016 19:34
#53 RE: Agatha-Christie-Projekte zum 125. Geburtstag 2015 Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #50
Man merkt sicher schon an meinen bisherigen Schilderungen, dass mich nach einem vielversprechenden Start jeder Teil ein kleines bisschen mehr enttäuscht hat. Ich wollte diesen Mehrteiler lieben, aber am Ende finde ich ihn doch nur passabel.


Exakt so ging es mir auch!

Von daher muss ich hier jetzt auch nicht viele Worte machen. Trotz toller Schauspieler und eleganter Produktion bleibt für mich die russische Verfilmung das Nonplusultra. Zum einen sorgt gerade die gewollte größere Nähe zur Romanvorlage dazu, dass einem die sich dennoch genommenen Freiheiten viel stärker negativ ins Gesicht fallen als bei früheren englischen Produktionen, und zum anderen wirkt Wargrave eigentlich im kompletten Filmverlauf so völlig über alles erhaben, dass die Auflösung die wenigen Personen, die den Stoff noch nicht kennen, auch nicht groß überraschen wird.

Im Endeffekt wurden exzellente Schauspieler verheizt und die Möglichkeit verpasst, einen modernen Klassiker der Literaturverfilumg zu schaffen. Da man ziemlich nah dran war, ist es besonders schade.

patrick Offline




Beiträge: 2.689

07.03.2016 20:51
#54 RE: Agatha-Christie-Projekte zum 125. Geburtstag 2015 Zitat · antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #53
Zitat von Gubanov im Beitrag #50
Man merkt sicher schon an meinen bisherigen Schilderungen, dass mich nach einem vielversprechenden Start jeder Teil ein kleines bisschen mehr enttäuscht hat. Ich wollte diesen Mehrteiler lieben, aber am Ende finde ich ihn doch nur passabel.


Exakt so ging es mir auch!

Von daher muss ich hier jetzt auch nicht viele Worte machen. Trotz toller Schauspieler und eleganter Produktion bleibt für mich die russische Verfilmung das Nonplusultra. Zum einen sorgt gerade die gewollte größere Nähe zur Romanvorlage dazu, dass einem die sich dennoch genommenen Freiheiten viel stärker negativ ins Gesicht fallen als bei früheren englischen Produktionen, und zum anderen wirkt Wargrave eigentlich im kompletten Filmverlauf so völlig über alles erhaben, dass die Auflösung die wenigen Personen, die den Stoff noch nicht kennen, auch nicht groß überraschen wird.

Im Endeffekt wurden exzellente Schauspieler verheizt und die Möglichkeit verpasst, einen modernen Klassiker der Literaturverfilumg zu schaffen. Da man ziemlich nah dran war, ist es besonders schade.


Diese Kritik mag angebracht sein, wenn man den Roman kennt, was vermutlich beim grösseren Teil des heutigen Publikums- mich selber eingeschlossen- eher nicht mehr der Fall ist. Als Thriller funktioniert diese Mini-Serie nämlich ganz hervorragend und übertrifft die erwähnte russische Verfilmung in Punkto Darsteller und Atmosphäre um Längen. Mir gefällt besonders auch das, sich an der Vorlage orientierende, unhappy-ending. An gewissen Freiheiten, wie z.B. der Abänderung diverser Hintergründe, der Kokainparty, usw. werden sich nicht-Roman-Kenner mit Sicherheit kaum stoßen. Im Gegenteil fand ich dies sogar recht unterhalsam inszeniert. Präsentiert wird hier ein sehr britischer, sehr spannender, sehr düsterer Krimi mit tollen Schauspielern und nicht minder toller Atmosphäre und genau darauf kommt es zumindest mir an. Manchmal ist es vielleicht in Vorteil, wenn man nicht zuviel weis, sprich: den Roman gar nicht kennt und einfach nur den Film bewertet.

Count Villain Offline



Beiträge: 3.781

07.03.2016 21:19
#55 RE: Agatha-Christie-Projekte zum 125. Geburtstag 2015 Zitat · antworten

Was mich ergänzend zu meiner Kurzkritik - ich unterschreibe übrigens Gubanovs Rezension der dritten Folge nahezu komplett! - am meisten an den Änderungen gegenüber der Vorlage gestört hat, war der Kopfkissenmord. Ein zentrales Element des Romans war, dass die Opfer nach der Schwere der Schuld sterben mussten, da der Richter den "weniger schuldigen" Delinquenten den ganzen Psychoterror ersparen wollte. Demnach hätte Miss Brent mit dem nicht verhinderten Selbstmord früher sterben müssen als die aktiven Täter Rogers und MacArthur. Damit nimmt man dem Stoff einen nicht geringen Teil von Agatha Christies Intention der vom Richter ausgeführten absoluten Gerechtigkeit.

Zitat von patrick im Beitrag #54
Manchmal ist es vielleicht in Vorteil, wenn man nicht zuviel weis, sprich: den Roman gar nicht kennt und einfach nur den Film bewertet.


Tut mir leid, dass ich ebenso wie Gubanov da eher der Purist bin.

Ich würde den Film sicher besser bewerten, wenn er 1. sich nicht selbst die große Werktreue auf die Fahnen geschrieben und 2. er in seine Freiheiten noch konsequenter gewesen wäre, wenn er sich schon welche nimmt. So wirkt es im Endeffekt etwas halbgar, auch wenn es ein guter Psycho-Thriller ist.

Zitat von Gubanov im Beitrag #50
Wie auch sonst in vielen Dramatisationen klassischer Stoffe erwarten den Zuschauer hier z.B. mindestens drei Figuren mit homosexuellen Tendenzen (darunter zwei Negerlein) – ebenso eine zeitgeistige Unnötigkeit wie das zuvor erwähnte andauernde Fluchen.



Welche drei Figuren meinst du und in welchen Szenen wird darauf eingegangen? Bei einem Negerlein habe ich etwas bemerkt, aber das zweite Negerlein ist mir ein Rätsel. Ich muss mir den Dreiteiler sowieso noch einmal mit Untertiteln zu Gemüte führen.

Abgesehen davon halte ich so etwas nur für eine zeitgeistige Unnötigkeit, wenn man wirklich eine getreue Literaturverfilmung anstrebt. Bei etwas freieren Adaptionen eröffnet das meines Erachtens einige interessante Variationen, die allerdings leider - insofern muss ich da dann doch wieder zustimmen - in den meisten Fällen leider nichts Interessantes bieten und nur für den Effekt eingearbeitet wurden.

patrick Offline




Beiträge: 2.689

07.03.2016 21:54
#56 RE: Agatha-Christie-Projekte zum 125. Geburtstag 2015 Zitat · antworten

Ja, den Kopfkissenmord habe ich mit Gubanov auch schon diskutiert. Natürlich wird das Ehepaar dadurch wesentlich negativer dargestellt, was wohl am Zeitgeist liegt, der hassenswerteren Tätern den Vorzug gibt. Dass die "Negerlein" der Schwere ihrer Vergehen entsprechend abgestraft wurden ist eigentlich bei keiner der Verfilmungen so wirklich hervorgehoben worden, oder zumindest mir nicht aufgefallen. So gesehen ist deine Kritik angebracht.

Es macht die Sache schmackhaft wenn Puristen und Nicht-Puristen ihre Sichtweise schildern, da jetzt wohl potentiellen Interessenten ein runderes Bild vermittelt wird. Ich kann von der Verfilmung ja nur weiterschwärmen.

Auch ich konnte die dritte homosexuelle Tendenz nicht ausmachen und musste von Gubanov aufgeklärt werden. Eindeutig war für mich Miss Brent (Finger-Lutsch-Szene). Der zweite ist Blore, wobei das strittig ist und mich auch nicht wirklich zu 100 % überzeugt. Es gibt dazu diesen Link im Net: http://www.smartredirect.de/redir/clickG...%3Fid%3D3259513 Diesbezüglich muss ich mir wohl auch ein paar Szenen nochmal ansehen.

Count Villain Offline



Beiträge: 3.781

07.03.2016 22:23
#57 RE: Agatha-Christie-Projekte zum 125. Geburtstag 2015 Zitat · antworten

Zitat von patrick im Beitrag #56
Dass die "Negerlein" der Schwere ihrer Vergehen entsprechend abgestraft wurden ist eigentlich bei keiner der Verfilmungen so wirklich hervorgehoben worden, oder zumindest mir nicht aufgefallen. So gesehen ist deine Kritik angebracht.


Siehste. Gerade das wäre also mal ein frischer Anknüpfungspunkt für Werktreue gewesen. Schade drum.

Zitat von patrick im Beitrag #56
Auch ich konnte die dritte homosexuelle Tendenz nicht ausmachen und musste von Gubanov aufgeklärt werden. Eindeutig war für mich Miss Brent (Finger-Lutsch-Szene).


Für mich auch. Zumal diese Miss Brent mich optisch auch frappierend an die offen lesbische Entsprechung aus "Tod auf Safari" erinnerte. Könnte also noch als kleine Hommage an diese Vorgänger-Adaption durchgehen.

Danke für den Link! Vielleicht antwortet Gubanov ja auch noch.

schwarzseher Offline



Beiträge: 320

08.03.2016 18:03
#58 RE: Agatha-Christie-Projekte zum 125. Geburtstag 2015 Zitat · antworten

Ich finde es hochinteressant wie ihr euch in das Thema "reinkniet".Ich kann mich leider für keine weiter Aufwärmung der Story begeistern.Alles doch wirklich schon so oft gesehen ( ok...eben mit anderen Schauspielern ) das man fast meint die Dialoge mitsprechen zu können.Modernisiert? homosexuelle Tendenzen /Fingerlutsch-Szene usw . sogar mal ein anderes Ende ?evtl. dem Zeitgeist angepasst ?ok ..wer es mag .....aber das Hauptproblem bleibt,der Stoff ist so ausgelutscht ( Quasi zu tode geritten )das er vielleicht eine nächste Generation ( die weder alte Filme noch Bücher kennt )ohne ein gewisses Gefühl der Langweile als Zielgruppe trifft.
Natürlich lese ich gerne bei eurer Lust zu analysieren mit aber den Weg in mein DVD Regal finden die Filme nicht ( mehr )

Gubanov Offline




Beiträge: 14.472

09.03.2016 13:54
#59 RE: Agatha-Christie-Projekte zum 125. Geburtstag 2015 Zitat · antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #57
Vielleicht antwortet Gubanov ja auch noch.

Ja, viel zu ergänzen gibt es da eigentlich nicht mehr. Mich wundert ein bisschen, dass so viele Leute die Hinweise nicht sehen. Ich fand es z.B. sehr aufschlussreich, dass Blore von einem versöhnlichen Ausgang der Sache mit Landor träumt. Hier schien mir die Grenze zu bloßer Reue hin zu persönlicher Anziehungskraft überschritten worden zu sein. Auch so mancher flapsige Kommentar, den Lombard Blore entgegenwirft, lässt sich in Richtung Homophobie deuten. Aber vielleicht bin ich diesbezüglich auch einfach schon ein bisschen paranoid nach all den Jahren in der ESC-Fan-Bubble.

Count Villain Offline



Beiträge: 3.781

09.03.2016 15:00
#60 RE: Agatha-Christie-Projekte zum 125. Geburtstag 2015 Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #59
Aber vielleicht bin ich diesbezüglich auch einfach schon ein bisschen paranoid nach all den Jahren in der ESC-Fan-Bubble.


Glaube ich nicht. Liegt bestimmt eher an mir als an dir.

Ich habe den Dreiteiler wie gesagt erst einmal gesehen und es war mein erster englischsprachiger Film seit längerer Zeit. Da ist mir mit Sicherheit so einiges entgangen. Werde mir das wie gesagt auch irgendwann noch einmal mit Untertiteln anschauen.

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