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Dieses Thema hat 3 Antworten
und wurde 556 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker international
Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

16.02.2014 13:40
Footsteps in the Fog (1955) Zitat · Antworten



BEWERTET: "Footsteps in the Fog" (Großbritannien 1955)
mit: Stewart Granger, Jean Simmons, Bill Travers, Belinda Lee, Ronald Squire, Finlay Currie, William Hartnell, Barry Keegan, Frederick Leister, Percy Marmont, Marjorie Rhodes, Peter Bull u.a. | Drehbuch: Lenore J. Coffee und Dorothy Davenport basierend auf der Kurzgeschichte 'The Interruption' von W.W. Jacobs | Regie: Arthur Lubin

Inhaltsangabe: London, Anfang des 20. Jahrhunderts. Stephen Lowry hat gerade seine vermögende Ehefrau zu Grabe getragen. Nach außen gibt er den gramgebeugten Witwer, doch das Hausmädchen Lily Watkins entdeckt aufgrund ihrer Beobachtungen, dass ihre Herrin nicht an einer Gastritis starb, sondern von ihrem Ehemann vergiftet wurde. Lily nutzt dieses Wissen, um ihren Arbeitgeber zu erpressen und sich an die Spitze des Haushalts zu setzen. Um sich der lästigen Zeugin zu entledigen, plant Stephen Lowry einen zweiten Mord. Einen heimtückischen Mord im Schutze des Nebels ...



Die symphonischen Klänge des Komponisten Benjamin Frankel sind kaum verklungen, als sich eine düstere Szenerie auf dem Friedhof öffnet. Im strömenden Regen steht eine kleine Gruppe am Grab einer Frau und mit den abgeklärten Worten "Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub" wird das Publikum in die Welt von Stephen Lowry entlassen, einem Mann um die Vierzig, also in einem Alter, in dem er noch eine vielversprechende Zukunft vor sich hat, wenn er klug ist und seinen Vorteil zu nutzen weiß. Bald schon erkennt man, dass es sich bei der Verstorbenen um eine ältere Frau handelte, die sich von den Avancen eines jungen, attraktiven Mannes blenden ließ, ihn heiratete und ihn reich machte. Ihr Ableben war keineswegs natürlich, sondern basierte auf einem Mord. Hier setzt der Aufstieg des Hausmädchens Lily ein, einer aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Frau, die sich in stiller Komplizenschaft mit ihrem Arbeitgeber verbündet und sich unentbehrlich macht. Die Gefährlichkeit der gegenseitigen Abhängigkeit, die Mischung aus Misstrauen und Vorsicht, die Verachtung und Anhänglichkeit und die Überlegungen, diese Spannung zu lösen, sorgen für knisternde Aufmerksamkeit beim Zuseher, der sich einerseits um Lily sorgt, andererseits aber auch die Beweggründe des Mannes nachvollziehen kann. Die Charaktere der beiden Hauptfiguren scheinen auf den ersten Blick völlig verschieden, doch je weiter die Handlung voranschreitet, desto klarer werden die Gemeinsamkeiten zwischen ihnen. Stephen, dessen Ehrgeiz sich auf Geld und Unabhängigkeit konzentriert, biederte sich bei einer Frau an, die er nicht liebte, deren Besitz er jedoch für sich gewinnen wollte. Lily, die jederzeit in Gefahr ist, bei Verlust ihrer Stellung in die Armut zurückzufallen, sehnt sich nach einer Position, die sie unersetzbar macht. Sie strebt zunächst die Führung des Personals an, dann die des Hauses und letzlich möchte sie an der Seite Stephens leben. In subtiler Weise drücken Gestik und Mimik auf beiden Seiten Angst und Wachsamkeit aus. Ihre Sicherheit fußt auf tönernen Beinen und kann durch den jeweils anderen zu Fall gebracht werden. Die Frau muss um ihr Leben fürchten, der Mann die Entdeckung seines Verbrechens und somit in letzter Konsequenz einen ehrlosen Tod.

Visuell wird die Seelenverwandtschaft der Hauptfiguren durch die Rottöne in der Kleidung angedeutet. In der 'Offenbarungsszene', als sich die beiden ihr Herz ausschütten, trägt Stephen eine rote Brokatüberjacke und Lily ein rotes Samtkleid. Elizabeth Travers hingegen kleidet sich in duftige, helle Kleider mit weißer Spitze. Sie symbolisiert die sorglose Jugend, den Sonnenstrahl ohne Altlasten. Ihre Lebendigkeit ist frei von jenen Bürden, die auf den Leben der Bewohner des Hauses Lowry lasten.



Das englische Ehepaar Stewart Granger und Jean Simmons (verheiratet von 1950 bis 1960) spielte in drei Filmen zusammen, wobei "Footsteps in the Fog" nach "Adam und Evelyne" (1949) und "Die Thronfolgerin" (1953) ihr letzter gemeinsamer Film war. Die brillanten wortlosen Momente, in denen Blicke und Emotionen die Luft elektrisch aufladen, sprechen für ein eingespieltes Team. Schuldgefühle, Scham und Betroffenheit äußern sich in zahlreichen stummen Szenen, die dafür sorgen, die Kriminalgeschichte psychologisch anspruchsvoll zu gestalten. Die Übertragung der Verantwortung für das Leben anderer; die Reue nach einer sinnlosen Tat und die Erkenntnis, dass "nichts wahr gewesen ist", wie Lily verbittert bemerkt, machen aus dem 'gothic mystery' mehr als einen konventionellen Mordfall. Bill Travers, der zunächst als 'good fellow' an der Seite der reizenden Elizabeth steht, steigert sich zum Verteidiger wider Willen und Wahrheitsfinder gegen alle Zweifel. Er ist das Abbild des Durchschnittszuschauers, der sich eine Aufklärung wünscht und Unheil abwenden will. Eine Rolle, die anfangs unauffällig wirkt, im Laufe der Handlung jedoch zu einer starken Persönlichkeit anwächst. Belinda Lee zeichnet das Porträt einer frühlingsfrischen Frau, deren schwärmerische Zuneigung zu einem eleganten, von einem Geheimnis umgebenen älteren Mann für Aufregung in ihrem Leben sorgt. Sie erliegt dem Reiz des Verbotenen, indem sie einem Mann nahe sein will, der nach den Regeln der Gesellschaft seine Trauerzeit einhalten muss. Der beständige Rechtsanwalt David ist ein Freund seit Kindesbeinen und kann deshalb ihre romantischen Erwartungen nicht erfüllen. Vier Jahre vor "Die Wahrheit über Rosemarie" tritt uns Belinda Lee in einer Rolle entgegen, die ganz anders angelegt ist, die sie jedoch mit dem selben Charisma ausfüllt. Man spürt, dass hier eine Schauspielerin heranreift, der man schwierige Figuren zutrauen kann und deren Ausstrahlung die Leinwand erhellt. Im Gegenzug wird Stewart Granger als charmant wie der Teufel gezeichnet, ein Mann, dessen Aura an den Grafen Dracula erinnert, weshalb auf dem Filmplakat mit den vielsagenden Worten "Never forget ... when a man is close enough to kiss you ... he is close enough to kill you!" geworben wird.



Ein Juwel, das an 'Gaslicht' erinnert und sich eines ausgezeichneten Schauspielerensembles bedient. Die Grenzen zwischen Schuld und Unschuld verschwimmen im Strudel einer Begierde, die sich wie ein Feuer ins Gehirn frisst und alles vernichtet, was ihm im Weg steht. 5 von 5 Punkten

Giacco Offline



Beiträge: 1.825

16.02.2014 15:03
#2 RE: Footsteps in the Fog (1955) Zitat · Antworten

Klingt sehr vielversprechend. Die deutsche Kinoauswertung dieses mir völlig unbekannten Films erfolgte unter dem Titel "Zwischen Hass und Liebe". Start: 20.1.1956

Gubanov Offline




Beiträge: 16.101

16.02.2014 21:12
#3 RE: Footsteps in the Fog (1955) Zitat · Antworten

Der Film steht schon seit Längerem auf meiner Wunschliste und ich war sehr überrascht, als Percy Lister diese Besprechung postete. Manchmal ist die Welt des Films wirklich klein ...

Die englische DVD aus der Reihe "Columbia Classics" (links) ist qualitativ offenbar durchaus zu empfehlen, auch wenn sie außer dem Trailer leider kein Bonusmaterial enthält, was bei prominent besetzten Kinofilmen der Majorlabels im englischen Sprachraum durchaus erwartet werden dürfte. Eine deutsche Auswertung gibt es bislang nicht, mir ist nur noch eine Veröffentlichung aus Spanien und eine aus den USA (rechts) bekannt, wobei letztere im Rahmen der "Made on Demand"-Strategie von Sony Pictures erschien und somit lediglich auf einen DVD-R-Rohling gebrannt ist.



Von der deutschen Synchronisation lese ich heute ebenfalls zum ersten Mal. Bei britischen Filmen ist eine deutsche Auswertung - noch dazu zeitnah im Kino - nicht unbedingt selbstverständlich. Die 1955 bei der Ultra-Synchron in Berlin entstandene Tonfassung zeichnet sich dabei durch eine nennenswerte Prominenz aus: Auf Stewart Granger sprach die Mabuse-Stimme Curt Ackermann, weiterhin sind Horst Niendorf, Hans Hessling, Gert Günther Hoffmann, Tilly Lauenstein, Berta Drews, Marion Degler u.a. zu hören.

Ich werde mich über kurz oder lang wohl auch einmal nach dem Film umschauen.


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Prisma Offline




Beiträge: 7.549

17.02.2014 16:30
#4 RE: Footsteps in the Fog (1955) Zitat · Antworten



FOOTSTEPS IN THE FOG (1955)

mit Stewart Granger und Jean Simmons
Bill Travers, Ronald Squire, Finlay Currie, William Hartnell und Belinda Lee
eine Produktion der Frankovich Productions | im Verleih der Columbia
ein Film von Arthur Lubin





»He looks so lost!«


Im Hause von Stephen Lowry (Stewart Granger) hat sich ein Todesfall ereignet. Seine wesentlich ältere Ehefrau starb plötzlich an einer Erkrankung. Inmitten der allgemeinen Anteilnahme wendet sich das Blatt allerdings für den Witwer, denn sein Hausmädchen Lily Watkins (Jean Simmons) hat alles andere im Sinn, als zu kondolieren. Die unscheinbar wirkende, aber ebenso achtsame junge Frau konfrontiert den Herrn des Hauses plötzlich mit einem Ultimatum, da sie herausgefunden hat, dass er seine Frau ermordet hat, und zwar mit Gift. Lily verlangt ab sofort eine exponiertere Stellung im Haus und besteht darauf, dass es neben ihr keine anderen Angestellten mehr geben sollte. Lowry geht zunächst auf die Forderungen ein, doch Lily setzt ihn immer mehr unter Druck und geht schließlich zu weit. So plant Stephen Lowry, sich der unbequemen Erpresserin zu entledigen, und eine dichte Nebelnacht kommt dabei wie gerufen...

Arthur Lubins "Footsteps in the Fog" brachte bei mir zunächst eine gewisse Skepsis mit sich, da es sich - mal wieder - lediglich um eine Anschaffung wegen Belinda Lee handelte, und der Film im Moment offen gesagt überaus konträr zu meinem momentanen Sehverhalten steht. Aber in meiner Sammlung gibt es definitiv ein neues Credo, denn bei einem Film mit Beteiligung der umwerfenden Amerikanerin ist auch ein guter Film, denn es gab bislang noch nie eine Enttäuschung. Es soll allerdings erst gar nicht der Eindruck entstehen, dass Belinda Lee für das Funktionieren dieses bemerkenswerten Films, der voller Atmosphäre ist, verantwortlich ist, denn hier stehen definitiv die Hauptpersonen Stewart Granger und Jean Simmons an erster Stelle, aber es dokumentiert eben eindeutig, warum ich gerade zu diesem Experiment gekommen bin. Dieser Film präsentiert sich schließlich von A-Z genau so, wie man es von Columbia-Produktionen dieser Zeit gewöhnt ist. Ein aufwendiger Studio-Film, der mit satter Ausstattung und buchstäblicher Manie zum Detail glänzen kann. Durch den Einstieg, der die Beerdigung in strömendem Regen zeigt, übermittelt sich auch sogleich das Konzept des Films, der dem Publikum den Mörder unmittelbar darauf folgend präsentiert, und man kann es als erste gelungene Überraschung nennen, dass sich die Geschichte in eine erfrischend alternative Richtung bewegt. Die Aufmerksamkeit wird sofort durch das eigentümliche Verhalten des Hausmädchen Lily geweckt, und man ist sich nicht direkt im Klaren darüber, mit wem man es eigentlich zu tun hat.

Jean Simmons, die ich ehrlich gesagt als eher nichtssagend in Erinnerung hatte, liefert hier eine anzuerkennende Glanzvorstellung ab. Fünfzehn Jahre später hätte man beim Film aus einer derartig angelegten Rolle sicherlich eine deftige, psychische Störung kreiert, doch hier sieht man eine Frau, die mit unscheinbar-kindlicher und unschuldiger Naivität die Träume von unzähligen Frauen anspricht, nämlich dass ihr die Chance ihres Lebens ergibt. Es geht um Anerkennung, einen Platz in der Gesellschaft, Fürsorge und Bestätigung. Dabei zeigt Jean Simmons allerdings keine Frau mit gestochen scharfem Verstand und eiskaltem Kalkül, denn sie agiert nur indirekt rücksichtslos, und letztlich ziemlich unbeholfen. Es kommt ihr einfach nicht in den Sinn, dass es aussichtslos erscheint, dass das Kaninchen die Schlange verspeisen könnte, auch kann sie es nicht begreifen, in welcher Gefahr sie sich eigentlich befindet. Die Verkörperung dieser latenten Bedrohung wird eindrucksvoll von Stewart Granger dargestellt. Alles schien bis ins kleinste Detail durchdacht gewesen zu sein, und Gegner gab es augenscheinlich keine. Es entstehen daher beachtliche Momente, wenn Stephen Lowry plötzlich seinem grauen Hausmädchen gegenübersteht, und seine versteinerte Mimik dokumentiert, dass er fassungslos ist. Lily fällt nicht mit der Tür ins Haus, als sie ganz subtil ihre vorsichtigen Forderungen stellt, beinahe empfindet man es so, als entschuldige sie sich im selben Atemzug dafür. Lowry wirkt wie ein Mann der gefährliche Gegner kennt, der mit ihnen vertraut ist und im Zweifelsfall nicht gerade zimperlich mit ihnen umgeht. Sein Gesichtsausdruck wirkt jedoch plötzlich wie ein offenes Buch. Er sieht sich mit einer Gegnerin konfrontiert, die er niemals als solche eingeschätzt hätte. Als Zuschauer fragt man sich ebenfalls, ob er sie jemals überhaupt registriert hat, und ob es überhaupt schon mal ein Gespräch gegeben hat, das über: »Sie können dann abräumen!« hinausgegangen ist. Immer massiver spitzt sich das ungleiche Tauziehen also zu, und der potentielle Verlierer dieses Spiels hat auch noch die besten Trümpfe in der Hand.

Bei den Darstellern werden wenige Sympathiepunkte verteilt, was der Geschichte einen erstaunlich greifbaren Charakter gibt. Stewart Granger beäugt man mit tiefer Abscheu, da er sich alles was er nun besitzt, mit den widerwärtigsten Mitteln erschlichen hat, und Jean Simmons provoziert einen peinlich-mitleidigen Blick des Zuschauers, da sie, gefangen in ihren gefährlich-träumerischen Tendenzen, das Sprichwort neu definiert, dass derjenige, der sich in Gefahr begibt, definitiv darin umkommen wird. Der Rest der Crew ist blendend besetzt worden, und jeder Beteiligte liefert eine hohe Authentizität und Glaubwürdigkeit. Die spektakulärste Nebenrolle bekleidet die schöne Belinda Lee, die so herzlich und erfrischend, aber in wichtigen Momenten auch resolut in diesem düsteren Szenario wirkt, allerdings schlägt es immer mehr in eine ungesunde Gutgläubigkeit um. Ihre Spiellaune ist mitreißend und ihre Erscheinung einfach nur atemberaubend! Interessant für mich war es, sie einmal mit ihrer Originalstimme hören zu können, die erstens vollkommen unterschiedlich zu ihren deutschen Synchronstimmen wirkt, und ihr zweitens ein komplett anderes Wesen verleiht. Auch wenn sie der Grund für das Anschauen von "Footsteps in the Fog" war, und sie mich abermals restlos begeistern konnte, die wichtigen Stärken dieser Produktion sind zahlreich und schließlich woanders zu finden. Die Inszenierung verfügt insgesamt über eine latente Grundspannung, weil der Zuschauer von Anfang an zum Komplizen von Stewart Granger und Jean Simmons gemacht wird, außerdem folgen etliche Momente, die das Potential der Spannung optimal nutzen, und die Nerven des Zuschauers aufzureiben. Musikalisch mit einem kleineren Brillantschliff versehen, kommen über die gesamte Spieldauer keinerlei Längen auf, die kontrastreichen Ortswechsel geben dem Szenario einen variablen Charakter, so dass Arthur Lubins Film eine bemerkenswerte Eigendynamik entwickelt. Das Finale kommt einem Paukenschlag gleich und liefert Überraschungen, Ernüchterung und eventuell auch eine gewisse Genugtuung. Letztlich arbeiten die beiden Protagonisten mit Hochtouren daran, eine mögliche Vorhersehbarkeit überhaupt nicht aufkommen zu lassen, sie wirken trotz transparenter Vorgehensweisen unergründlich und vor allem unberechenbar. Ein klassischer Volltreffer!

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