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Dieses Thema hat 3 Antworten
und wurde 1.211 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
Giacco Offline



Beiträge: 1.631

10.01.2014 14:32
Schwarzer Kies (1961) Zitat · antworten

Schwarzer Kies - Regie: Helmut Käutner, Produktion: Walter Ulbrich/Ufa - Verleih: Ufa Filmhansa - Erstaufführung: 13.4.1961 FSK:18 Darsteller: Helmut Wildt, Ingmar Zeisberg, Wolfgang Büttner, Anita Höfer, Hans Cossy, Peter Nestler, Edeltraut Elsner

Der Bau eines neuen Militärflugplatzes durch US-Truppen bringt Profitgier und Vergnügungssucht in das kleine Dorf Sohnen im Hunsrück. Käufliche Liebe und Schwarzmarktgeschäfte haben Hochkonjunktur. Lastwagenbesitzer Robert Neidhardt verscherbelt Kiesladungen, die für den Ausbau der Pisten bestimmt sind, unter der Hand an einheimische Baufirmen. Zufällig trifft er seine Jugendliebe Inge wieder, die als Frau des neuen US-Kommandanten in die Heimat zurückgekehrt ist. Er versucht mit allen Tricks, sie wieder für sich zu gewinnen. Doch sie will ihre Ehe, die ihr Ordnung und Sicherheit bietet, nicht gefährden. Als dann aber die Polizei hinter die Kiesschiebereien kommt, warnt sie ihn. Bei dem Versuch, seine Kiesladung nachts in einem abgelegenen Waldstück loszuwerden, verursacht er einen Unfall, bei dem ein junges Liebespaar ums Leben kommt. Um die Sache zu vertuschen, lässt er die Leichen unter dem Kies der Landebahn verschwinden.



Helmut Käutner, der mit "Schwarzer Kies" (gedreht im Herbst 1960) ein ungeschminktes Zeitbild der bundesdeutschen Nachkriegsgesellschaft zeigen wollte, stieß bei der Kritik größtenteils auf Ablehnung. Hinzu kam, dass ein Protest des Zentralrats der Juden wegen antisemitischer Inhalte dem Film negative Schlagzeilen brachte. Die Staatsanwaltschaft sah allerdings keinen Grund, zu ermitteln und es wurden weder Szenen geschnitten noch Dialoge geändert oder getilgt. Nur die dunkle und bedrückende Schlußsequenz wurde von Käutner nach der Uraufführung gekürzt und abgemildert.

Leider fand "Schwarzer Kies", der nicht einmal ein Prädikat der Filmbewertungsstelle erhielt, damals nicht die Aufmerksamkeit, die er verdient hätte. So geriet er schnell in Vergessenheit, gilt heute jedoch als "eine der schonungslosesten Alltagsbeschreibungen des Adenauer-Kinos". Auch die teils hervorragenden Leistungen der Darsteller fanden seinerzeit kaum Anerkennung. Hervorheben sollte man vor allem Helmut Wildt, der hier als kaltschnäuzig-egoistischer Lastwagenfahrer sein Leinwand-Debüt gibt. (Hier im Forum dürften ihn die meisten aus dem Durbridge-Film "Piccadilly null Uhr zwölf" kennen.) Er war damals ein völlig neuer Typ Mann im Deutschen Film und seine kraftvoll-männliche Ausstrahlung und Präsenz kommen hier wirkungsvoll zur Geltung.

Die Musik des Films kommt fast ausschließlich aus der Musicbox eines Nachtlokals, bei dem es sich um eine Scheune handelt, die zu einem Amüsierbetrieb umfunktioniert wurde. Hier spielt sich ein Großteil der Handlung ab. Im Obergeschoss des Etablissements hat Neidhardt ein Zimmer, während sich nebenan leichte Mädchen mit amerikanischen Soldaten vergnügen. Aus dem Musikautomat dudeln fast unablässig Schlager jener Zeit. Einer davon heißt "Fräulein Schmidt" und wurde eigens für den Streifen komponiert. Käutner selbst schrieb den Text dazu. Das Lied wurde 1961 als Single veröffentlicht und das Plattencover zeigt eine Szene aus dem Film.



Die ungeschnittene Premierenfassung von "Schwarzer Kies" wurde vor ein paar Jahren wiederentdeckt und wird gelegentlich in Filmclubs oder speziellen Programmkinos gezeigt.

Mabuse Offline




Beiträge: 381

27.02.2017 23:29
#2 RE: Schwarzer Kies (1961) Zitat · antworten

Am 29.03.2017 ist "Schwarzer Kies" im Wiesbadener Murnau-Filmtheater in neuer digitalisierter Fassung auf großer Leinwand zu sehen:

http://murnau-filmtheater.de/filmtheater.../schwarzer-kies

Gubanov Offline




Beiträge: 15.538

01.10.2017 15:20
#3 RE: Schwarzer Kies (1961) Zitat · antworten

"Schwarzer Kies" erscheint am 16. November 2017 auf DVD und Blu-ray. Bei der Auswertung handelt es sich um eine Kooperation von Concorde Home Entertainment mit der Murnau-Stiftung - so wie auch schon bei den Veröffentlichungen von "Immensee", "Opfergang" und "Helden". Die DVD-Fassung ist als 2-Disc-Ausgabe angekündigt mit einer Filmlaufzeit von 110 und einer Bonuslaufzeit von 108 Minuten. Ich gehe also davon aus, dass zwei Schnittfassungen enthalten sein werden.



Ankündigung auf der Label-Website von Concorde

Ray Offline



Beiträge: 1.089

22.11.2017 22:12
#4 RE: Schwarzer Kies (1961) Zitat · antworten

Schwarzer Kies (BRD 1961)

Regie: Helmut Käutner

Darsteller: Helmut Wildt, Ingmar Zeisberg, Hans Cossy, Wolfgang Büttner, Anita Höfer u.a.



In einem kleinen Dorf in der Pfalz wird eine Militärflugbasis für amerikanische Soldaten gebaut. Robert, der sein Geld mit Kieshandel verdient, nutzt die ein oder andere Chance, die sich abseits der Pfade des Rechts bietet, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten bzw. zu verbessern. Eines Tages trifft er seine alte Liebe Inge wieder, die mit einem amerikanischen Major verheiratet ist und den Kontakt zu Robert zunächst scheut. Robert aber bleibt unnachgiebig und die beiden kommen sich wieder näher. Als sich Inge dazu durchringt, Robert über eine anstehende Polizeikontrolle zu informieren, geschieht ein folgenschweres Unglück...

Dieser mit Noir-Anleihen ausgestattete Kriminalfilm Helmut Käutners ist just auf DVD und Blu-Ray erschienen, die jeweils die Original-Kinofassung und die "bislang unzugängliche" Premierenfassung enthalten.

Ohne zu viel vorwegzunehmen: die Unterschiede der beiden Fassungen bestehen darin, dass in der Kinofassung einige vom Zentralrat der Juden für antisemtisch befundene Szenen entfernt wurden und zusätzlich ein neues Ende eingefügt wurde. Meine Kritik bezieht sich auf die Kinofassung.

"Schwarzer Kies" setzt ein gesteigertes Interesse an zeitgenössischen gesellschaftlichen Begebenheiten bzw. eine Affinität zu Kriminaldramen voraus, reine "Krimi-Freunde" wird der knapp zwei Stunden lange Film Helmut Käutners nur bedingt befriedigen, dafür kommt der Krimi-Aspekt in der Story zu schleppend in die Gänge. Der Film zeigt ein - wie vielerorts zu lesen ist - authentisches und ungeschminktes Bild dieser wechselhaften Zeitperiode. Viele Deutsche haben sich mit der Besatzungssituation in der Weise arrangiert, dass sie daraus ihren Profit zu schlagen wissen. Innerlich stehen sie den "Amis" dennoch ablehnend gegenüber. Dies zeigt sich nicht zuletzt an Hauptfigur Robert, der für die Ehe seiner Ex-Geliebten Inge mit einem US-Major nur wenig bis gar kein Verständnis aufbringen kann.

Was den Film über manche Länge gerade in der ersten Hälfte hinweghilft, ist das Duo Wildt/Zeisberg. Wildt, mir persönlich zuvor lediglich aus "Piccadilly null Uhr zwölf" bekannt, verkörpert den raubeinigen, gleichwohl prinzipiengesteuerten Robert höchst glaubhaft. Zeisberg umgibt eine bemerkenswerte Aura, wenn sie, oftmals in Pelz gehüllt, ins Leere starrt und etwa bekennt, dass sie "keine Sicherheit" mehr wolle. Das Ende, wie es sich in der Kinofassung darstellt, ist darüber hinaus keineswegs so unbefriedigend wie es die Veröffentlichungsgeschichte befürchten lässt.

Die Blu-Ray von Concorde kann man uneingeschränkt empfehlen. Das Bild ist von sehr guter Schärfe, zudem gibt es eine Hörfilmfassung. Überdies enthält die Veröffentlichung ein äußerst informatives Booklet und ist von einem Hochglanz-Schuber umschlossen. Last but not least hat der Zuseher wie oben erwähnt die Wahl zwischen zwei Filmfassungen.


Empfehlenswertes Kriminaldrama mit sehenswerten schauspielerischen Leistungen. Wegen Längen in der ersten Hälfte vorerst 4 von 5 Punkten.

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