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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 340 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
Prisma Offline




Beiträge: 7.539

01.11.2013 14:20
Der Satan lockt mit Liebe (1960) Zitat · antworten



Belinda Lee in

DER SATAN LOCKT MIT LIEBE (1960)

mit Joachim Hansen, Heinz Engelmann, Peter Capell, Osman Ragheb, Dorothee Parker, Panos Papadopulos und Ivan Desny
eine Wolfgang Hartwig Produktion der Rapid Film im Union Filmverleih
ein Film von Rudolf Jugert





»Jetzt verzehrt die Schlange das Kaninchen!«


Nach seiner Flucht aus dem Gefängnis trifft der Verbrecher Carlos (Ivan Desny) auf den sehr reichen Robert (Joachim Hansen), den er um ein Haar seines Vermögens beraubt hätte. Erst später stellt sich heraus, dass er es besser getan hätte, denn er braucht den Betrag von $ 20000, um außer Landes zu kommen. Mit seiner Lebensgefährtin, der Sängerin Evelyn (Belinda Lee), hat er vor Australien zu fliehen. Dabei soll der zwielichtige Kapitän (Heinz Engelmann) helfen, der Carlos noch einen freundschaftlichen Dienst schuldig ist, und außerdem Gefallen an Evelyn findet. Doch die Schiffscrew macht unerwartete Schwierigkeiten. Während der geflohene Verbrecher, der mittlerweile mehr und mehr von der Polizei in die Enge getrieben wird, immer skrupelloser wird, soll seine Freundin ihm das Geld von Robert beschaffen. So weit scheint alles glatt zu laufen, doch es kommt zu ungeahnten Komplikationen...

Erneut hat bekommt man es mit einem Film zu tun, dessen Titel ein wenig in die Irre leitet. Zwar wird hier ausgiebig mit Liebe gelockt, aber der Satan erscheint dabei ein bisschen zu katholisch zu sein. Man könnte also eine Produktion erwarten, die in Richtung Erotik-Abhandlung geht, was nicht der Fall ist. Eher kann man Rudolf Jugerts Beitrag als Kriminal-Drama bezeichnen. Jugert, der bereits zuvor mit Belinda Lee, dem großen Star europäischer Produktionen, in "Die Wahrheit über Rosemarie" zusammenarbeitete, inszeniert sie auch hier unglaublich packend. So scheint die Regie genau gewusst zu haben, dass der zu verfilmende Stoff eigentlich wenig originell ist, und daher setzte man beinahe ausschließlich auf das unbändige Zugpferd der Produktion. Und es ist wahr, was die Handlung angeht, bleibt der Film eigenartig spartanisch und auch einige Charaktere, beziehungsweise Darsteller, gehen neben der übermächtigen Belinda Lee schlicht und einfach gnadenlos unter. Trotz des wenig ergiebigen Stoffes wirkt das Gesamtbild unter Rudolf Jugerts Leitung alles andere als uninteressant. Oft fühlt man sich so, als sei man aufgrund der Schauplätze, der Thematik und der Gestaltung in einem frühen Edgar-Wallace-Film, und hier kommen recht beachtliche Bilder zum Vorschein. Klassisches Nostalgie-Kino dieser Zeit eben.

Es ist wieder einmal äußerst erstaunlich, wie es Belinda Lee verstand, eine derartige Leinwand-Dominanz aufzubauen. Somit gibt es angesichts des Films vermutlich nur ein Geständnis, nämlich dass er ohne sie nicht annähernd so ordentlich funktioniert hätte, und mich persönlich wohl maßlos gelangweilt hätte. Belinda Lee, die mir noch gar nicht so lange ein Begriff ist, war für mich die spektakuläre Entdeckung des Jahres, was sich über fünfzig Jahre nach ihrem frühen Tod schon etwas eigenartig anhört. Die britische Schauspielerin war zu jener Zeit bereits der große Star ihrer Produktionen. In ihren deutschen Filmen wurde sie stets groß angekündigt und schaffte es mit Leichtigkeit, der oftmals angestaubten und konservativen Herangehensweise in zeitgenössischen Produktionen ein internationales Flair zu vermitteln. In ihr sieht man dem Empfinden nach viele Darstellerinnen oder unterschiedliche Frauen, was sie so wandlungsfähig erscheinen lässt. Auch ohne exponierte Einstellungen im Film, vereinnahmt sie die Fantasie und die Vorstellung des Zuschauers; sie ist wohl eine der erotischsten Schauspielerinnen die man zur damaligen Zeit finden konnte. Dabei gibt ihre Rolle nicht annähernd so viel her, wie sie im Endeffekt herausschlagen konnte. Evelyn fasziniert, obwohl oder gerade weil sie ein Ganovenliebchen ist. Ihr Kalkül und ihre Kehrtwendungen erscheinen glaubhaft, wenn sie auch für die etwas spröde Geschichte letztlich keinen großen Nutzen bringen. Auch sie wird es sein, der das große Finale in einem kleineren Film gehören wird.

Neben Belinda Lee sieht man einige bekannte Darsteller des deutschen Kino und erneut gestaltet sich um die Britin herum eine beachtliche Umkehrreaktion. Neben ihr wirken plötzlich die Herren der Schöpfung wie schmückendes Beiwerk. Das beste Beispiel taucht in Form von Joachim Hansen auf. Es ist kein Geheimnis, dass ich ihn als langweiligen und uninteressanten Schauspieler ansehe, wobei er in "Der Satan lockt mit Liebe" deutlich überzeugender als andernorts wirkt. Heinz Engelmann sieht man genau wie in "Das Gasthaus an der Themse" als zweifelhaften Kapitän eines noch zweifelhafteren Kutters, dem man gerne zusieht bei dem was er abzuspulen hat. Von Ivan Desny geht die eigentliche Bedrohung aus, was gleich zu Beginn deutlich wird als er am Bahnhof ein kleines Kind als Geisel nimmt, da das Polizeiaufgebot ihn in die Enge getrieben hat. Allerdings flacht die Geschichte um den entflohenen Sträfling bald schon deutlich ab, da es im Endeffekt nur darum geht, wie er es schaffen will außer Landes zu kommen. Jeder dieser genannten Herren fällt Evelyn in die Hände, jeder verfällt dieser Frau, die nur wenig dazu tun muss. Das vorhandene Potential des Spannungsaufbaus wird in diesem Zusammenhang allerdings nicht heraus gearbeitet, und man muss sich schon sehr lange gedulden, bis man den ersten kleineren Paukenschlag miterleben darf.

Die interessante Frage des Films bleibt die der Wurzel allen Übels. Ist es die verführerische Frau, der alle willenlos verfallen, oder ist es das kriminelle Potential, welches jeden mit in den Dreck zieht? Die Geschichte lässt einige Fragen offen, nicht nur diese. So kann man die Inszenierung im handwerklichen Bereich als sehr ansprechend und sogar überdurchschnittlich bezeichnen, alles Weitere wirkt allerdings angenehm-eigenartig Lee-kopflastig, wahrscheinlich um dem Titel des Films, und dem Zuschauer gerecht zu werden. Die Atmosphäre wird durch die aussagekräftigen Schauplätze begünstigt. Bevor der Vorspann einsetzt befindet man sich auf einem Zug, der auf einen Tunnel zusteuert, und als es darin dunkel wird setzt der Vorspann ein. Überhaupt findet man sich in längeren Sequenzen am Bahnhof wieder, die Hafenstadt mit all ihren Gassen und Winkeln bekommt ein geheimnisvolles Flair durch harte Schwarz/Weiß-Kontraste, Licht, Schatten und Nebel. Auch der Hafen, das Schiff und die halbseidene Bar, in der Belinda Lee einen deutschen Schlager zum Besten gibt (allerdings synchronisiert), tragen einen bedeutenden Teil zu der gelungenen Atmosphäre bei. Besonders gut hat mir die Rolle der Polizei gefallen, die ausnahmsweise mal nicht rat- und ziellos umherstolpert, sondern mit zynischen Zeitgenossen in Lauerstellung verweilt. Musikalisch bekommt man ebenfalls noch das Optimum geboten. Insgesamt wurde die eigentlich unspektakuläre Geschichte schließlich geschickt mit einer handwerklich ansprechenden Arbeit von Rudolf Jugert glatt gebügelt. Sehenswert im Ganzen, vor allem aber wegen Belinda Lee. Wenn man sie als Schauspielerin nur hervorragend nennen will, muss man sie als Frau tatsächlich überragend nennen.

Giacco Offline



Beiträge: 1.607

02.11.2013 14:25
#2 RE: Der Satan lockt mit Liebe (1960) Zitat · antworten

Den Satan, der mit Liebe lockt, muss ich mir unbedingt auch noch besorgen. Bei dem momentanen Angebot an interessanten Filmen kommt man gar nicht mehr nach. Wenn das so weitergeht, sehe ich demnächst Finanzierungsprobleme auf mich zukommen.

Ray Offline



Beiträge: 1.029

17.03.2018 11:46
#3 RE: Der Satan lockt mit Liebe (1960) Zitat · antworten

Der Satan lockt mit Liebe (BRD 1960)

Regie: Rudolf Jungert

Darsteller: Belinda Lee, Joachim Hansen, Heinz Engelmann, Ivan Desny, Peter Capell, Dorothee Parker u.a.



Carlos flieht aus dem Gefängnis und will mit seiner Geliebten Evelyn auf dem Schiff eines alten Freundes nach Australien fliehen. Die Besatzung bekommt Wind von dem Vorgang und fordert 20.000 "Schweigegeld". Dieses soll Evelyn von Robert klauen, dem Carlos bei der Flucht begegnet ist und von dem er weiß, dass er genau diese Summe in bar in seinem Portmonee herumträgt. Carlos hatte Robert vorsorglich schon mal in die Bar bestellt, in der Evelyn als Sängerin auftritt. Evelyn akzeptiert dies, ohne zu wissen, dass es sich bei Robert um den jungen Mann handelt, mit dem sie am selben Tag gemeinsam im Taxi saß. Robert hatte sich offenbar Hals über Kopf in sie verliebt...

Dadurch, dass diese Wolf C. Hartwig-Produktion ihren Fokus nicht auf die Polizei und ihre Ermittler, sondern auf das Schicksal von Evelyn, Carlos und Robert legt, hebt sie sich von ihrer Herangehensweise vom Gros der deutschen Kriminalfilmen der 1960er-Jahre ab und erscheint dadurch zunächst einmal interessant. Leider handelt es sich bei dem vorliegenden Film um ein ziemlich triviales und wenig glaubwürdiges Kriminaldrama. Evelyn, gespielt von Belinda Lee, wartet lange auf den aus dem Gefängnis entflohenen Carlos (Ivan Desny), hat an der von Joachim Hansen verkörperten Figur des Robert überhaupt kein Interesse, verführt ihn, um an das Geld zu kommen und von einem Moment auf den anderen verliebt sich sich plötzlich unsterblich in Robert und muss nun den zu allem entschlossenen Carlos fürchten. Das geht alles viel zu schnell, um einigermaßen glaubwürdig herüberzukommen. Das Ganze gipfelt in einem theatralischen Showdown, der seine Wirkung nahezu vollends verfehlt und eher unfreiwillig komisch erscheint. Immerhin kann man Belinda Lee durch ihre Ausstrahlung eine gewisse Präsenz nicht absprechen, Desny und Engelmann agieren solide, Hansen kann hingegen nicht wirklich überzeugen. Dorothee Parker soll für humoristische Auflockerung sorgen, was leider einigermaßen misslingt. Durchaus gelungen ist die Kameraarbeit von Georg Krause. Die Inszenierung von Rudolf Jungert geht ebenfalls in Ordnung, Langeweile kommt zumindest nicht auf. Fragen hinterlässt allerdings der Titel, der Belinda Lee offenbar als "Femme fatale" präsentieren möchte, obwohl sich dies im Film nicht niederschlägt. Vermutlich wollte man ein paar mehr Leute in die Lichtspielhäuser locken.

Die Bildqualität der von Filmjuwelen veröffentlichten DVd ist gut. Dazu gibt es das obligate Booklet.


Leider triviales und wenig glaubwürdiges Kriminaldrama mit solider Besetzung und guter Kameraarbeit. Noch 3 von 5 Punkten.

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