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Dieses Thema hat 51 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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Mark Paxton Offline




Beiträge: 347

25.09.2013 17:53
Kommissariat 9 (70er-Krimiserie) auf DVD! Zitat · antworten

Pidax bringt diese Serie Anfang 2014 auf DVD. Klingt interessant.





Text von der Pidax-Homepage:

Es ist unglaublich, mit welchen raffinierten Mitteln Ganoven versuchen, anderen Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen! Egal ob mit gefälschten Aktien, nicht existierenden Briefkastenfirmen, dubiosen Kaffeefahrten, einem perfiden Pyramidenspiel, zweifelhaften Finanzierungsbüros, illegalen Wohnungsverkäufen oder gar mit vergiftetem Fleisch! Das Kommissariat 9 der Berliner Kriminalpolizei kämpft erfolgreich gegen diese Art von Verbrechen, wird aktiv, wenn es um Betrug und Steuerhinterziehung oder gar Veruntreuung geht und hilft so dem kleinen Mann immer wieder aus der Patsche. Kriminalrat Roth (Herbert Steinmetz) leitet das für Wirtschaftskriminalität zuständige Dezernat, in dem ihn seine Mitarbeiter Dingelein (Edgar Ott) und Tuncik (Walter Riss) erfolgreich unterstützen. Das geniale Trio bereitet jedem Betrüger schlaflose Nächte ...

Mit „Kommissariat 9“ präsentiert Pidax film nun 12 erste Folgen der erfolgreichsten ARD-Vorabendkrimiserien der 1970er-Jahre endlich auf DVD! Die Krimiserie der anderen Art, in der es mal nicht um Mord und Totschlag, sondern um spannende, aus dem Leben gegriffene Betrugsfälle geht, fesselt ob ihrer Realitätsnähe und geschickten Dramaturgie noch heute und erfreut mit einer tollen Besetzung der Haupt- und Gastrollen. Hier sind neben den beliebten TV-Ermittlern Heinz Engelmann („Stahlnetz“) und Konrad Georg („Kommissar Freytag“) unter anderem auch Friedrich Schoenfelder, Anton Diffring, Rotraut Schindler, Fritz Tillmann, Paul Edwin Roth, Peter Eschberg, Peter Schiff, Ruth Hausmeister, Ethel Reschke, Martin Hirthe oder Paul Esser zu sehen. Mit Wolfgang Staudte („Der Kommissar“, „Der Seewolf“) saß einer der besten und wichtigsten deutschen Film-, TV- und Krimiregisseure im Regiestuhl.

Kennt jemand die Serie? Scheint gut besetzt zu sein. Wolfgang Staudte als Regisseur mochte ich schon beim Kommissar.

Havi17 Offline




Beiträge: 3.044

25.09.2013 19:07
#2 RE: Kommissariat 9 (70-er-Krimiserie) auf DVD! Zitat · antworten

Wann präsentiert denn Pidax endlich die erfolgreichste Polizeiserie der ARD
und den dritten Programmen "Task Force Police" ?
Hier ist sicher mehr zu tun um den Fans gerecht zu werden.

Gruss
Havi17

Mark Paxton Offline




Beiträge: 347

25.09.2013 19:25
#3 RE: Kommissariat 9 (70-er-Krimiserie) auf DVD! Zitat · antworten

Das ist ja hier nicht das Thema. Ich denke, Kommissariat 9 ist sicher auch interessant. Nochmal: kann sich hier jemand daran erinnern?

P.S.: Irgendwo habe ich mal gelesen, dass es von dieser Task-Force-Serie (Direktion City war ein dt. Remake) keine deutschen Bänder mir gibt. Daran wird es wohl scheitern. Würde ich aber auch gerne mal sehen.

brutus Online




Beiträge: 12.919

25.09.2013 19:36
#4 RE: Kommissariat 9 (70-er-Krimiserie) auf DVD! Zitat · antworten

Habe ich leider nie gesehen, kann ich aber jetzt ja nachholen.

Müssten es nicht 13 Folgen der ersten Staffel sein ?

Jack_the_Ripper Offline




Beiträge: 381

16.02.2014 11:15
#5 RE: Kommissariat 9 (70-er-Krimiserie) auf DVD! Zitat · antworten


Staffel 1

Wirtschaftskriminalität, ein Verbrechenszweig, der in den 1970er-Jahren immer mehr an Bedeutung gewann, immer weitere Kreise zog, immer ausgefeiltere Formen annahm, bildet das Thema dieser leicht dokumentarisch angehauchten Vorabendserie, deren erste Staffel nun auf DVD vorliegt. Eine neugegründete Sonderkommission der Berliner Kriminalpolizei soll versuchen, den in vielen Bereichen agierenden Gaunern das Handwerk zu legen, vorzubeugen, aufzuklären. Dabei werden sowohl der Schauplatz Berlin als auch die ermittelnden Beamten bewusst neutral präsentiert, soll damit wohl gezeigt werden, dass Wirtschaftsverbrechen immer und überall möglich sind, dass die Ermittler oft erst eingreifen können, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Auch wird offensichtlich, dass die Erfolgschancen der Polizei bei solchen Delikten begrenzt sind, nicht zufällig enden die Folgen offen, wird einem bewusst, dass Bestrafung und noch mehr Entschädigung in den wenigsten Fällen gesichert scheinen. Herbert Steinmetz als Kriminalrat, Edgar Ott als Hauptkommissar und Walter Riss als Oberkommissar verleihen ihren Rollen einen angenehm seriös-engagierten Touch, ohne farblos und papieren zu wirken, wie es die von ihnen bearbeiten Fälle und ihr hässliches Kommissariat vermuten lassen könnten, bleiben bewusst und beabsichtigt im Hintergrund. Wolfgang Staudtes erfahrene Regie schafft ein lebendiges, nachvollziehbares, alltägliches, aus vielen Schauplätzen und Handlungsorten geformtes Umfeld, u.a. zeugen Auslandsdrehs von einem wohl recht hohen Produktionsstandard. Ein Universitätsprofessor aus Freiburg spricht vor jeder Folge ein paar erläuternde Worte und als Laie stellt man erstaunt fest, wie oft man solche Warnungen, Schilderungen, Phrasen heute noch zu hören bekommt, wie aktuell und allgegenwärtig manche der geschilderten Verbrechen, Tricks und Gaunereien immer noch sind.

Im Zentrum der Folgen stehen die Opfer, einfache Leute, Arbeiter, Studenten, Normalverdiener, die bei ihrer Suche nach einem besseren Dasein, einem höheren Lebensstandard, nach Bildung, manchmal auch aus Überheblichkeit und Naivität in die Hände redegewandter, raffinierter und skrupelloser Betrüger, die in eleganten Anzügen auftreten und in weitläufigen Büros residieren, fallen, dabei oft um ihren letzten Pfennig gebracht werden. In der "Tamaro-Bau Gmbh & Co.KG“ sind es Peter Schiff und seine Familie, die ihre Ersparnisse verlieren, als sie auf der Suche nach einer neuen, komfortableren Wohnung einem Baubetrüger aufsitzen, der nur die Fassaden seiner Altbauhäuser renoviert – gute Gelegenheit für Wolfgang Staudte, ein paar seiner gern verwendeten trostlosen Hinterhof-Bilder in die Folge einfließen zu lassen, „Streben Sie vorwärts“ denkt sich der junge Achim Grubel, auch auf den Rat seines Arbeitskollegen Detlev Eckstein hin, doch der kostspielige Computerkurs erweist sich als unnütz, Henning Schlüter und nicht der im Abspann aufgeführte Kurd Pieritz tritt in der Rolle des Betrügers auf, in „Spekulationen“ geht es um junge Ehepaare, die auch aus einem kleinkarierten innerfamiliären Wettkampf heraus Aktienbetrügern auf den Leim gehen, „Guten Appetit“ beschäftigt sich mit den komplexen, weitverzweigten und fast nicht nachverfolgbaren Wegen, die Lebensmittel manchmal gehen, bis sie auf dem Teller des Verbrauchers landen, hier am Beispiel von verdorbenem Fleisch aufgezeigt, eine sehr abwechslungsreiche Folge, auch was die Schauplätze anbelangt, man freut sich über ein Wiedersehen mit den Berliner Tatortkommissaren der frühen Jahre, Paul Esser und Martin Hirthe.
Kleines Fazit nach den ersten vier Folgen: keine Serie für jeden Tag, aber wenn man sich auf das Thema einlässt, wird man mit abwechslungsreicher, atmosphärischer und gut gespielter Vorabendfernsehkost belohnt.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.538

16.02.2014 13:28
#6 RE: Kommissariat 9 (70-er-Krimiserie) auf DVD! Zitat · antworten

Ich finde, die Serie hört sich sehr gut an, vor allem der Schauplatz Berlin. Bei Gelegenheit werde ich mich auch einmal nach den DVDs umschauen. Gern weitere Beschreibungen, Jack!

Gubanov Offline




Beiträge: 15.538

16.02.2014 14:25
#7 RE: Kommissariat 9 (70-er-Krimiserie) auf DVD! Zitat · antworten

Hier noch eine Übersicht über die von Pidax geplanten Veröffentlichungen, denn die Serie ist bereits vollständig auf DVD angekündigt. Die gesamte Reihe wird auf drei Boxen à 2 DVDs aufgeteilt (also wieder einmal ein Fall, wo eine 6er-Box nicht genug Gewinn fürs Label bringt ), wobei alle drei Sets bis Juni erschienen sein sollen:



Eine schonmal weiter oben gestellte Frage möchte ich nochmal aufwerfen, weil sie ja für die Kaufentscheidung nicht unwesentlich ist: Angeblich soll das erste Set nur 12 Folgen enthalten, obwohl jede der drei "Kommissariat 9"-Staffeln laut Georgs Episodenguide aus 13 Episoden bestand. Fehlt da also eine Folge (vielleicht wegen rechtlicher Probleme ähnlich wie beim "Kommissar"), gibt es eine Doppelepisode oder wurden die Angaben auf dem Cover noch nachträglich korrigiert?

Georg Offline




Beiträge: 2.969

16.02.2014 15:26
#8 RE: Kommissariat 9 (70-er-Krimiserie) auf DVD! Zitat · antworten

Die Episode "Die Pyramide" ist leider verschollen und konnte trotz intensivster Bemühungen nicht mehr aufgetrieben werden (auch nicht in Sammlerkreisen). Der RBB scheint die Serie nicht gerade mit Samthandschuhen angefasst und gelagert zu haben, wenn man sich das Ausgangsmaterial anschaut. Unglaublich, wie das Bild restauriert wurde und in welch guter Qualität es jetzt erscheint. Zwischen dem gelieferten "Rohmaterial" (das ich vor einem halben Jahr sichten konnte) und der restaurierten Fassung liegen Welten!

Ansonsten kann ich Jacks Analysen mit einem Wort beschreiben: treffend! Die Serie bietet mal eine ganz gute Abwechslung zu Mord und Totschlag und wurde mit erstaunlich viel Aufwand im Ausland produziert: Außenaufnahmen z. T. in Frankreich, Holland und in Spanien. Recht prominente (Berliner) Gastbesetzung inklusive. Besonders "aktuell" und interessant fand ich die Folgen über den Fleischskandal (z. T. in Frankreich gedreht), die Kaffeefahrten, den Fernostimport (mit Konrad Georg!) und den fingierten Grundstücksverkauf an der Costa Brava (mit Peter Eschberg, z. T. in Spanien gedreht).

Gubanov Offline




Beiträge: 15.538

16.02.2014 15:33
#9 RE: Kommissariat 9 (70-er-Krimiserie) auf DVD! Zitat · antworten

Danke für die Information.

Jack_the_Ripper Offline




Beiträge: 381

29.03.2014 14:01
#10 RE: Kommissariat 9 (70-er-Krimiserie) auf DVD! Zitat · antworten

KOMMISSARIAT 9
Folgen 5, 7, 8

Betrug auf Kaffeefahrten – ein Delikt, das einem schnell ein herablassendes Lächeln, eine überhebliche selber Schuld-Reaktion entlocken könnte, diese fünfte Episode „Herzlich eingeladen“ zeigt auf eindringliche, dem sorgfältigen Produktionsstandard der Reihe entsprechenden Weise, wie sehr gerade derartige Täter mit den Empfindungen ihrer Opfer spielen, sich ihre Einsamkeit und ihre Sehnsüchte zunutze machen. Und sie zeigt auf ebenso deprimierende Art, wie schwer die Beamten solchen Betrügern und ihren halblegalen Aktivitäten das Handwerk legen können. Das Versprechen auf ein paar unbeschwerte, gesellige Stunden abseits des gleichförmigen Einerleis des Alltags treibt die Menschen redegewandten Verkäufern in die Arme, die ihnen im Prinzip unnötige, auf jeden Fall überteuerte Ware aufschwatzen. Die Folge lebt von einer Reihe lebendiger Typen, Hans W. Hamacher hat sich seit seiner Zeit als Ermittler im Kriminalmuseum äußerlich wenig verändert, ist nur seiner Rolle als zwielichtiger Veranstalter entsprechend etwas schmieriger geworden, Jochen Schröder spielt mit viel Engagement und Stimmgewalt einen in die Jahre gekommenen Schnulzensänger, für die Betrüger idealer Lockvogel, denn seine Anziehungskraft auf unausgelastete Hausfrauen und vernachlässigte Rentner ist immer noch erheblich.
Auf internationalem Terrain bewegt sich „Potemkin lässt grüßen“, der Großteil der Episode wurde im sonnig-heißen Spanien gedreht, wo ein gewiefter Anlagenbetrüger (Peter Eschberg mit graumelierter, seriöser Überzeugungskraft) finanzstarken Interessenten noch nicht gebaute Ferienhäuser schmackhaft machen möchte. Der ganze auf Täuschung ausgelegte Betrug ist äußerst aufwändig organisiert, scheitert letztendlich an der Skepsis von Paul Edwin Roth und dem engagierten Undercover-Einsatz von Kommissariats-Chef Herbert Steinmetz. Die Folge zeigt durch die realistisch-lebendig gestalteten Spanienaufnahmen einmal mehr den für eine Vorabendserie erstaunlich hohen Produktionsaufwand, der zusammen mit den Schauspielerleistungen für viel Authentizität sorgt, lässt dadurch die Innenszenen aus Büro und Arztpraxis muffiger erscheinen als sie in Wirklichkeit sind.
‚… Für die Bundesrepublik schätzte bereits vor einigen Jahren die Deutsche Gesellschaft für Betriebswirtschaft einen jährlichen Steuerausfall durch kriminelle Steuerhinterziehung in Höhe von mehr als drei Milliarden D-Mark. Dabei besteht eine Schizophrenie … des deutschen Steuerwesens und der deutschen Steuerstrafrechtspflege darin, dass durch die Möglichkeit der strafbefreienden Selbstanzeige dem Steuerhinterzieher die Möglichkeit gegeben wird, durch Rückzahlung und Nachzahlung der Steuern Straffreiheit zu erlangen.’ Wenn sich die Methoden inzwischen in vielen Bereichen geändert haben dürften, so klingen die einleitenden Worte des Freiburger Professors zu „Import aus Fernost“ fast wie einer aktuellen Tageszeitung entnommen. Das Verbrechen, das die Beamten untersuchen, nennt sich Akkreditiv-Betrug, die Akteure des Dramas sind eine Geschäftsfrau, von Ruth Hausmeister mit Eleganz, Attraktivität und Charme verkörpert, und ihr betrügerischer neuer Prokurist Konrad Georg, dem es gelingt, eine gewisse geschäftliche Unerfahrenheit der Dame auszunutzen, die mehr aus Verantwortungsgefühl denn aus Berufung die Firma ihres verstorbenen Mannes übernommen hat. Eine zufällige Beobachtung Dingeleins bringt den Fall ins Rollen, doch die Skepsis der Frau kommt zu spät – der Schaden für Firma und Selbstbewusstsein lässt sich nicht mehr abwenden. Realistische Bilder aus Geschäftsbüros, Verkaufsräumen voller 70er-Jahre-Stücke und Lagerhalle runden die Geschichte ab, wobei der Versuch, das trockene Steuerbetrugsthema durch leicht angedeutete amouröse Abenteuer Konrad Georgs aufzufrischen, halbherzig und eher abträglich wirkt.

Bezüglich des Handlungsortes der Reihe muss ich mich übrigens berichtigen, man hat sich wohl entschlossen, das „Kommissariat 9“ als eine Art mobiles Einsatzkommando an diversen und nicht immer klar genannten westdeutschen Schauplätzen einzusetzen, um der vielfältigen wirtschaftskriminellen Bedrohung Herr zu werden. Während in „Herzlich eingeladen“ Busse mit der Aufschrift Bodensee-Reisen die Kaffeefahrten durchführen, wird im Spanien-Fall das Büro nach Hamburg verlegt, während im Steuerbetrugsfall Dingelein nach Hamburg fährt, um letzte Ermittlungen abzuschließen. Diese halbherzige Herangehensweise tut der Intention der Macher, Glaubwürdigkeit und Realitätsnahe zu transportieren, keinen wirklich guten Dienst. Folge 6 der Reihe „Die Pyramide“, in der Anton Diffring eine Art Tupperware-Betrug aufzieht, ist – wie von Georg schon ausgeführt – leider verschollen.

Jack_the_Ripper Offline




Beiträge: 381

06.04.2014 11:55
#11 RE: Kommissariat 9 (70-er-Krimiserie) auf DVD! Zitat · antworten

KOMMISSARIAT 9
Folgen 9, 10

Auch die nächsten beiden Episoden beschäftigen sich mit komplexen Fällen von Wirtschaftskriminalität, nämlich Stoß- bzw. Anlagebetrug, Themen, für die sich das enge Korsett einer 25-Minuten-Serie nur bedingt eignet. Zuviel bleibt verkürzt und am Ende offen, zu oft müssen Dialoge und einleitenden Worte erklären, werden manche der verschlungenen, z.T. internationalen Wege und Abläufe für den interessierten Laien nicht transparent. Um außerdem die Ermittler, die ja meist erst eingreifen, wenn das Malheur schon passiert oder zumindest im Laufen ist, glaubwürdig einbinden zu können, hat man sich zu einer Erzählweise mit Rückblenden und Zwischenschnitten entschlossen, die die Verständlichkeit ebenfalls einengen. Die Angeschmierten in „Zum halben Preis“ bzw. „Kavaliersdelikte“ sind nur indirekt die „kleinen Leute“, geschädigt werden hier Firmen, Kommunen und ausländische Regierungen, was die Taten der versierten und in großem Stil auftretenden Betrüger nicht weniger verwerflich macht. Ihre Methoden reichen von redegewandter Anbiederung über schmackhaft gemachte Versprechungen nach schnell und einfach verdientem Geld bis hin zu subtil eingesetzter weiblicher Unterstützung. Wenn einem auch so manches wie spanische Dörfer erscheinen mag, bleibt doch der Spaß an einem Stück sorgfältig erstellter, gut besetzter und gespielter Fernsehproduktion, die zudem durch viele phantasiereich fotografierte und eingebrachte Szenen und Drehorte zu überzeugen mag. Man freut sich über ein Wiedersehen mit Darstellern wie Heinz Engelmann, Friedrich Schoenfelder, Alexander May, Herbert Stass, Tilo von Berlepsch oder Siegmar Schneider, in „Kavaliersdelikte“ macht der abwesende Dingelein zudem Platz für die charmante Edeltraut Elsner, die den Ermittlern beratend zur Seite springt. Der Schauplatz des Geschehens verlagert sich in diesen beiden Ausgaben in den Südwesten der Republik, Autokennzeichen – und manche landschaftliche Merkmale – lassen auf die Gegend Kaiserslautern bzw. Baden Württemberg schließen.

Jack_the_Ripper Offline




Beiträge: 381

20.04.2014 11:42
#12 RE: Kommissariat 9 (70-er-Krimiserie) auf DVD! Zitat · antworten

KOMMISSARIAT 9
Folgen 11, 12

Anstoß für den nächsten Fall liefert ein Prokurist und Buchhalter von altem Schrot und Korn, den eine Mischung aus Berufsehre, Rechtsempfinden und Drang nach Rache antreibt, das Gefühl der Enttäuschung darüber, dass ihm ein jüngerer, aalglatter Vertreter seiner Berufssparte vor die Nase gesetzt wurde und Ärger, dass seine Aufopferung für die Firma, die ihm letztendlich die Gesundheit gekostet hat, in der kalten, erfolgsorientierten und von wirtschaftlichen Krisen gebeutelten Berufswelt der 70er-Jahre keine Rolle mehr spielt. Relativ einfach durchgeführte Steuerhinterziehung dient als Delikt, als Aufhänger für die durch deutliche Worte des Freiburger Universitätsprofessors eingeleitete Kritik dieser Episode an der Straffreiheit für selbstanzeigende Steuersünder – ein Umstand, an dem sich auch vierzig Jahre später noch nicht viel geändert zu haben scheint. Fritz Tillmann spielt einen eloquenten Fabrikbesitzer und honorigen Unternehmer, auch durch subventionierte Ansiedlung in einem Zonenrandgebiet zu Erfolg und Wohlstand gekommen. Er verkörpert einen „ehrenwerten Mann“, der sich seiner Bedeutung als wichtiger Arbeitgeber der Region bewusst ist, diesen Vorteil gegenüber Kommunal- und Landespolitikern klug und kaltblütig ausspielt, dadurch eine – auch vom Gesetz begünstigte – Unantastbarkeit erhält. Das Bemühen seines alten Weggefährten, von Robert Wolfgang Schnell mit einer fast fiebrigen Getriebenheit gespielt, bleibt letztendlich vergebene Liebesmüh.

„Ich bin ein Europäer“ lautet der durchaus sarkastisch gemeinte Titel der 12. Folge, einer Episode, die sich die vielfach möglichen und oft leicht ermöglichten Betrugschancen im Agrar-Subventionsdschungel der Europäischen Gemeinschaft zum Thema macht. Die Geschichte durchweht ein hanseatisch-maritimer Touch, geht es doch um eine vornehme, alteingesessene Hamburger Firma, die ihre raffinierten und immer wieder der aktuellen Gesetzeslage angepassten Betrügereien mit verschiffter EG-Butter durchführt. Dabei gelang eine ausgewogene Schilderung der betrügerischen Aktivitäten einerseits, vom gestandenen Firmenchef Gustav Burmester mit Hilfe einer kompetenten Sekretärin und eines mit allen Wassern gewaschenen Anwaltes organisiert, und der Maßnahmen der Kommissariat 9-Beamten andererseits, die diesmal Unterstützung von mehreren involvierten Dienststellen erhalten – u. a. von Staatsanwalt Rolf Schimpf mit hässlicher Brille. Dazwischen eingestreut bleibt Platz für einen Blick auf das persönliche Unternehmerleben, in dem sich am sonntäglichen Kaffeetisch das Gespräch letztendlich auch wieder (fast nur) ums Geschäft dreht. Dass die Gattin des Chefs – ein Wiedersehen mit einer sympathischen Bekannten aus schwarzweißen Durbridge-Tagen, Ruth Scheerbarth – amouröse Beziehungen zum großlebigen Firmenanwalt unterhält, scheint den Unternehmer weit weniger zu belasten, als die gesetzlichen Behinderungen, die seinen einträglichen Geschäften im Wege stehen. Auch diese Folge vereint eine für eine 25-Minuten-Serie fast unglaubliche Anzahl an Szenen- und Schauplatzwechseln.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.538

07.09.2014 14:20
#13 RE: Kommissariat 9 (70er-Krimiserie) auf DVD! Zitat · antworten

Üblicherweise denkt man beim Stichwort „Krimi“ in erster Linie an Mord. Das ist über Jahrzehnte nicht nur im Fernsehen dem geneigten Konsumenten so antrainiert worden. Die Vorabendserien stolperten dabei über das Problem, dass Mord für die 25-Minüter meist nicht nur vom Umfang, sondern auch vom Konzept und der angestrebten Zuschauergruppe her übers Ziel hinaus schoss und sie sich deshalb mit „einfacheren“ Delikten befassen mussten. Galant lösten die Macher von „Kommissariat 9“ diese Zwickmühle, indem sie sich auf ein unterrepräsentiertes Feld der Kriminalistik stürzten: die Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität. Das hat den Vorteil, dass trotz fehlender Leichen den beschriebenen Verbrechen wahrhaft schweres Gewicht bescheinigt werden kann. Kurz und knackig geschilderte Vergehen, aber dennoch ernst im Tenor und mit teilweise erschütternden Auswirkungen – das ist das Rezept von „Kommissariat 9“.



Kommissariat 9: Tamaro-Bau GmbH & Co. KG

Episode 1 der TV-Kriminalserie, BRD 1975. Regie: Wolfgang Staudte. Drehbuch: Rolf Schulz. In den Hauptrollen: Herbert Steinmetz (Kriminalrat Roth), Edgar Ott (Hauptkommissar Dingelein), Walter Riss (Oberkommissar Tuncik). Gastdarsteller: Peter Schiff, Tosca Dohnke, Michael Nowka, Dietrich Frauboes, Ina Lane u.a. Eine Produktion der Fritz-Wagner-Film Berlin für den Berliner Werbefunk.

Gleich zum Auftakt widmet sich „Kommissariat 9“ einer im wahrsten Sinne des Wortes ausnehmend perfiden Betrügermasche. Der Schwindel mit Wohneigentum zieht besonders bösartige Kreise – einerseits aufgrund des menschlichen Grundbedürfnisses nach einer Unterkunft, andererseits wegen der großen Summen, die für den Erwerb einer Wohnung nötig sind. In die Fänge der titelgebenden Firma gerät die Berliner Familie Grimm. Kein Märchen ist das, was ihr zustößt: Mithilfe einer fantastisch ausgestatteten Musterwohnung zieht das unlautere Unternehmen die Grimms über den Tisch und verleitet sie zu einer Unterschrift unter einem Vertrag, bevor sie eine gründliche Rücksprache mit ihren Bankberatern halten oder sich über die Seriosität des Unternehmens informieren können.

Dass solcher Leichtsinn bestraft wird, braucht nicht erst dezent angedeutet zu werden. Die Struktur der „K9“-Folgen ist deshalb ungewöhnlich, aber treffend: Zuerst sieht der Zuschauer jene Szene aus der späteren Handlung, in der sich die aufgebrachten Betrogenen an die Ermittler der Sonderkommission Wirtschaftskriminalität wenden. Dann informiert Prof. Dr. Klaus Tiedemann von der Universität Freiburg in einer Art dokumentarischer Zwischenblende über die rechtlichen Hintergründe des kommenden Falles. Und erst dann wird die ganze Betrügerei von vorn aufgewickelt. Auf diese Weise bekommt das andernfalls vielleicht etwas trockene Thema durch die alte Hitchcock’sche Devise Leben eingehaucht, das Publikum fiebere viel mehr mit, wenn es die Bombe bereits kennt und damit einen Wissensvorsprung vor den Protagonisten erhält. So mag man den Grimms Warnrufe zukommen lassen, die jedoch unentwegt am Fernsehschirm abprallen.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.538

07.09.2014 14:35
#14 RE: Kommissariat 9 (70er-Krimiserie) auf DVD! Zitat · antworten



Kommissariat 9: Streben Sie vorwärts

Episode 2 der TV-Kriminalserie, BRD 1975. Regie: Wolfgang Staudte. Drehbuch: Rolf Schulz. In den Hauptrollen: Herbert Steinmetz (Kriminalrat Roth), Edgar Ott (Hauptkommissar Dingelein), Walter Riss (Oberkommissar Tuncik). Gastdarsteller: Achim Grubel, Monika Hielscher, Detlef Eckstein, Henning Schlüter, Werner Berndt u.a. Eine Produktion der Fritz-Wagner-Film Berlin für den Berliner Werbefunk.

Was sollte schädlich daran sein, sich beruflich weiterzubilden? Leider wird selbst die tüchtigste Idee manchmal durch skrupellose Geschäftemacher ausgenutzt und erzielt genau das Gegenteil der eigentlichen Absicht: Hatten die Teilnehmer an Fernbildungs- und Schulungsseminaren gehofft, durch bessere Kenntnisse beruflich aufzusteigen und mehr Gehalt auf dem Konto zu sehen, so drehen teure Kurse ohne viel Gegenleistung die Rechnung schnell ins Negative. Das muss auch Wolfgang Wächter bemerken, der sich in einem Abendkursus zum Computerfachmann ausbilden lassen möchte, dabei aber an das zweifelhafte Institut des Herrn Beckkamp gerät. Als Betrüger Beckkamp ist Henning Schlüter zu sehen, der die Rolle wohl kurzfristig übernahm. Im Abspann steht statt seines Namens noch der von Kurd Pieritz zu lesen. In jedem Fall ist damit die erste prominente Gastbesetzung der Reihe zu vermerken.

Arbeitete Regisseur Wolfgang Staudte in der Auftaktfolge „Tamaro-Bau“ noch mit stummen Signalen, die das Absahnen der falschen Fünfziger illustrierten (teure Hotels, Anzüge, modische Kleider), so kommen die Absichten des Kriminellen in dieser Episode ganz unverhohlen zum Ausdruck: Geld scheffeln, schnell und mit einfachen Mitteln. Dabei das Institut in die Insolvenz wirtschaften und bald irgendwo anders ein neues eröffnen. Klar, dass hier wieder Kriminalrat Roth und sein Team eingreifen müssen: Diesmal agieren sie jenseits der Vorschriften, indem sie Oberkommissar Tuncik inkognito als Lernenden in das gleiche Seminar einschleusen wie Wolfgang Wächter. Dass dieser für seinen Wissenshunger aber eine saftige Rechnung serviert bekommt, kann nicht einmal der Einsatz der Polizei verhindern.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.538

08.09.2014 00:00
#15 RE: Kommissariat 9 (70er-Krimiserie) auf DVD! Zitat · antworten



Kommissariat 9: Spekulationen

Episode 3 der TV-Kriminalserie, BRD 1975. Regie: Wolfgang Staudte. Drehbuch: Rolf Schulz. In den Hauptrollen: Herbert Steinmetz (Kriminalrat Roth), Edgar Ott (Hauptkommissar Dingelein), Walter Riss (Oberkommissar Tuncik). Gastdarsteller: Helmut Hildebrand, Franz Gary, Uwe Gauditz, Linde Fulda, Lutz Riedel u.a. Eine Produktion der Fritz-Wagner-Film Berlin für den Berliner Werbefunk.

Dass das Aktiengeschäft nur wenige besonders gut informierte Anleger durchschauen können, machen sich Gangster zunutze, die bare Münze mit einer geschickten Masche einnehmen: In Panama gründen sie eine AG, deren Name fast identisch mit einer gut beleumundeten kanadischen Gesellschaft ist. Die Aktien der Scheinfirma sind natürlich nicht mehr wert als das Papier, auf dem sie gedruckt sind. Und für solch ein Mogelpaket geht die Auszahlung des Bausparvertrags des jungen Ehepaars Schirrmacher drauf! Hier entfaltet „Kommissariat 9“ ganz eindeutig warnende Tendenzen, die zu überlegtem Umgang mit dem Geld und zu möglichst risikoarmen Anlageformen raten. Der Spießer hatte eigentlich Recht, ließ sich aber letztlich doch vom Spekulanten überreden.

Zum ersten Mal wird die Opferseite auch während der Ermittlungen der Polizei aktiv. Weil die Schirrmachers mit Hauptkommissar Dingelein befreundet sind, fällt der ganze Schwindel überhaupt erst auf. Im weiteren Verlauf sieht man, dass Verbrechen wie das hier geschilderte nicht nur zu finanziellen Einbußen führen, sondern dass mit solchen dann auch häufig Streits und gegenseitiges Misstrauen aufflammen, was zu unüberlegten Vorwürfen und damit zu tiefen Brüchen in Beziehungen führen kann. Damit erhält die Folge „Spekulationen“ neben der rein informativen auch eine emotionale Schlagseite, die das Geschehen auflockert und auch den Ermittlern eine menschliche Note verpasst. Hinter den Türen des Kommissariats hocken schließlich keine Prinzipienreiter, sondern engagierte Personen, die trotz aller verbrecherischer und bürokratischer Hürden am Schicksal der Opfer interessiert sind.

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