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Dieses Thema hat 51 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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Gubanov ( gelöscht )
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08.09.2014 11:20
#16 RE: Kommissariat 9 (70er-Krimiserie) auf DVD! Zitat · Antworten



Kommissariat 9: Guten Appetit

Episode 4 der TV-Kriminalserie, BRD 1975. Regie: Wolfgang Staudte. Drehbuch: Rolf Schulz. In den Hauptrollen: Herbert Steinmetz (Kriminalrat Roth), Edgar Ott (Hauptkommissar Dingelein), Walter Riss (Oberkommissar Tuncik). Gastdarsteller: Paul Esser, Martin Hirthe, Karl-Friedrich Liebau, Inge Sievers, Herbert Schwoika u.a. Eine Produktion der Fritz-Wagner-Film Berlin für den Berliner Werbefunk.

Rolf Schulz tischt mit der ironisch „Guten Appetit“ betitelten Folge einen unverhohlenen Blick auf die Odyssee so manchen Lebensmittels auf. Dabei stehen zwar die Auswirkungen von verdorbenem Rindfleisch im Mittelpunkt des Interesses, sie sollen jedoch zur Illustration für Zollhinterziehung, also Schmuggel, dienen. „K9“ warnt also nicht generell vor den in den 1970er Jahren auf dem europäischen Markt erblühenden und häufig eher zweifelhaften Nebenprodukten einer globalisierten und vernetzten Wirtschaft, sondern davor, dass diese häufig von Halunken missbraucht wird, um Lieferwege zu verschleiern und auf nationaler Ebene geltende Bestimmungen zu umschiffen.

Passend zum Thema wagt sich die Serie dieses Mal auf internationales Parkett und streut selbstbewusst Aufnahmen an Originalschauplätzen in Straßburg und Rotterdam ein. Das mag insofern erstaunen, als man den ersten Folgen von „Kommissariat 9“ einen so hohen Produktionsaufwand noch gar nicht anmerkte – in den meisten Fällen orientiert sich die Reihe eher am pragmatischen Prinzip „Form folgt Funktionalität“. Und eine weitere Neuerung: Zum ersten Mal ist der Hauptgeschädigte kein Privatmann, sondern ein Spediteur, der durch die falsche Wahl seiner Lieferanten einen kräftigen Denkzettel serviert bekommt. Hinzu kommen die gesundheitlichen Gefahren, die durch den Genuss von verdorbenem Fleisch entstehen und bis zum Tod führen können. – Für Berlin-Nostalgiker erweckt „Guten Appetit“ mit den Auftritten von Paul Esser und Martin Hirthe Erinnerungen an alte „Tatort“-Fälle des SFB.

Gubanov ( gelöscht )
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08.09.2014 12:45
#17 RE: Kommissariat 9 (70er-Krimiserie) auf DVD! Zitat · Antworten



Kommissariat 9: Herzlich eingeladen

Episode 5 der TV-Kriminalserie, BRD 1975. Regie: Wolfgang Staudte. Drehbuch: Rolf Schulz. In den Hauptrollen: Herbert Steinmetz (Kriminalrat Roth), Edgar Ott (Hauptkommissar Dingelein), Walter Riss (Oberkommissar Tuncik). Gastdarsteller: Jochen Schröder, Hans W. Hamacher, Peter Thom, Eva Maria Werth, Christine Diersch u.a. Eine Produktion der Fritz-Wagner-Film Berlin für den Berliner Werbefunk.

Heute lässt allein schon ihr Name alle Alarmglocken schrillen, doch in den 1970ern scheinen Kaffeefahrten noch keine obligatorische Assoziation mit Verkaufsorgien, die ahnungslose Mitreisende über den Tisch ziehen, ausgelöst zu haben. Deshalb versteht sich Folge 5 als eindrücklicher Hinweis, solche Fahrten mit gebührender Skepsis anzugehen und sich weder durch Honig um den Mund schmierende Verkaufstaktiken noch durch penetrantes Drängen für überteuerte Produkte Geld aus der Tasche ziehen zu lassen. Fraglos hat man es hier zwar mit einer schädigenden Praxis zu tun, die sich jedoch mit wachsamer Haltung oder grundlegender Ablehnung verhältnismäßig leicht umgehen lässt. Folglich konzentriert sich „Herzlich eingeladen“ nicht allein auf die Machenschaften des Reiseunternehmens, sondern bietet zur Auflockerung der Handlung ebenso wie die Euro-International-Veranstaltungs-GmbH ein „volles Unterhaltungsprogramm“.

Dieses besteht in erster Linie in der Verpflichtung des altgedienten Schlagersängers Pit Wehling als Lockvogel und Stimmungsanheizer für die Kaffeefahrt. Jochen Schröder zeigt in dieser Rolle wider Erwarten einen echten Sympathikus, der erst vor Ort bemerkt, auf welche krummen Touren er sich eingelassen hat und folglich versucht, von seinem Vertrag für weitere Kollaborationen mit den windigen Organisatoren zurückzutreten. Auch fungiert Wehling als Verbindungsglied zwischen den Tätern und den Ermittlern, wobei das „K9“ schon vor Bekanntwerden der unlauteren Verkaufspraktiken einen anonymen Hinweis auf die Fahrten erhält. Hier wäre es interessant gewesen, hätte Autor Schulz den Informanten offengelegt. Wer kooperierte auf diese Weise mit der angeblich ja eher unbekannten Abteilung für Wirtschaftsdelikte?

Gubanov ( gelöscht )
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08.09.2014 13:30
#18 RE: Kommissariat 9 (70er-Krimiserie) auf DVD! Zitat · Antworten



Kommissariat 9: Potemkin lässt grüßen

Episode 7 der TV-Kriminalserie, BRD 1975. Regie: Wolfgang Staudte. Drehbuch: Rolf Schulz. In den Hauptrollen: Herbert Steinmetz (Kriminalrat Roth), Edgar Ott (Hauptkommissar Dingelein). Gastdarsteller: Paul Edwin Roth, Peter Eschberg, Ralph Lothar, Hans-Werner Bussinger, Wolfgang Ziffer u.a. Eine Produktion der Fritz-Wagner-Film Berlin für den Berliner Werbefunk.

Leider gilt Episode 6 der Serie, die unter dem Titel „Die Pyramide“ gesendet wurde, als verschollen und konnte deshalb nicht mehr für die DVD-Auswertung aufgetrieben werden. Ihr Nachfolger nimmt Bezug auf das Sprichwort von „Potemkin’schen Dörfern“, also auf Dinge, deren äußeres Erscheinungsbild mehr vorgaukelt, als hinter der Fassade steckt. Ein solches Potemkin’sches Dorf – tatsächlich in Form eines angeblich geplanten Feriendorfes – leistet sich die Hamburger Neutra GmbH an einem Strand an der spanischen Südküste. Die verblüffend echt wirkende Strategie: Verkauf von Ferienhäusern mit Teilanzahlung, bevor diese gebaut werden – einschließlich einer Spanienreise mit Vorortbesichtigung, bei der die Bauarbeiten schon begonnen haben sollen.

Die Folge nutzt die Kraft der Bilder in mehrfacher Hinsicht: Im Gegensatz zu „Guten Appetit“, wo die ausländischen Aufnahmen ein wenig selbstzweckhaft eingestreut wurden, verfehlen die hier gezeigten echten Drehs in Spanien ihre Wirkung auch in inhaltlicher Hinsicht nicht: Beeindruckt von der für noch nicht ganz so welterfahrene Bundesbürger hochexotischen Kulisse, lassen sich die potenziellen Käufer leichter zu Zusagen hinreißen. Dem Zuschauer wird derweil neben aufwändigen Außenaufnahmen auch eine überdurchschnittlich bekannte Darstellerriege geboten: Peter Eschberg gibt den Kopf der Schein-Baufirma mit der für seine Gangsterrollen typischen Wendigkeit, die auch auf seinen Angestellten Hans-Werner Bussinger abfärbt. Paul Edwin Roth dagegen tritt als Opfer in spe auf, das schließlich die Männer vom „K9“ informiert. Deren Ermittlungen münden schließlich in einer aktiven Teilnahme des Kriminalrats Roth an der Lösung des Falles, der sich bisher eher als Verwalter und Anleiter präsentiert hatte.

Gubanov ( gelöscht )
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08.09.2014 18:10
#19 RE: Kommissariat 9 (70er-Krimiserie) auf DVD! Zitat · Antworten



Kommissariat 9: Import aus Fernost

Episode 8 der TV-Kriminalserie, BRD 1975. Regie: Wolfgang Staudte. Drehbuch: Rolf Schulz. In den Hauptrollen: Herbert Steinmetz (Kriminalrat Roth), Edgar Ott (Hauptkommissar Dingelein), Walter Riss (Oberkommissar Tuncik). Gastdarsteller: Ruth Hausmeister, Konrad Georg, Hans E. Schons, Liane Rudolph, Gerhard Wollner u.a. Eine Produktion der Fritz-Wagner-Film Berlin für den Berliner Werbefunk.

Fast jede der „Kommissariat 9“-Folgen hat einen noch immer aktuellen Hintergrund. Doch als Professor Tiedemann den Fall der Episode „Import aus Fernost“ ankündigt, merkt man besonders deutlich, wie ähnlich sich die Probleme 1975 und 2014 sind: „Mit der Steuermoral ist es in den meisten Ländern nicht zum Besten bestellt. [...] Dabei besteht eine Schizophrenie des deutschen Steuerwesens [in der] Möglichkeit der strafbefreienden Selbstanzeige“. Eine besonders komplexe Form der Steuerhinterziehung versucht „Import aus Fernost“ am Beispiel einer falsch deklarierten Lieferung aus Hongkong zu schildern. Damit zieht wieder ein Hauch der weiten Welt in die Serie ein, denn auch wenn es keine Aufnahmen aus Asien zu sehen gibt, so lohnt das Geschäft doch immerhin einen Besuch im Hamburger Hafen.

Während die Verwirrung durch Banken- und Geschäftskauderwelsch ein wenig überhand nimmt, lenken Ruth Hausmeister und Konrad Georg nach besten Fähigkeiten von der theoretischen Seite des Unterfangens ab. Georg, der sich anfangs als wissender Berater tarnt, legt schnell seine Maske ab und gibt sich als Judas zu erkennen, der die Leiterin des Geschenkartikelvertriebs Inge Koslow hinterhältig aufs Kreuz legt. Wie für die Opferrolle üblich, bringt Ruth Hausmeister die menschlichen Töne in den Fall, der darauf ausgelegt ist, ihre Gutgläubigkeit auszunutzen und Gewinn auf ihre Kosten zu machen. Dabei, so die warnende Feststellung, muss der Geschädigte nicht einmal ein hinterwäldlerischer Narr sein, sondern kann so wie Hausmeisters Frau Koslow mit beiden Beinen fest im Leben stehen. Die Folge schließt mit der bereits bekannten Erkenntnis, dass auch das Eingreifen des neunten Kommissariats nicht für finanziellen Ausgleich bei den Benachteiligten sorgen kann.

Gubanov ( gelöscht )
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08.09.2014 20:55
#20 RE: Kommissariat 9 (70er-Krimiserie) auf DVD! Zitat · Antworten



Kommissariat 9: Zum halben Preis

Episode 9 der TV-Kriminalserie, BRD 1975. Regie: Wolfgang Staudte. Drehbuch: Rolf Schulz. In den Hauptrollen: Herbert Steinmetz (Kriminalrat Roth), Edgar Ott (Hauptkommissar Dingelein), Walter Riss (Oberkommissar Tuncik). Gastdarsteller: Alexander May, Siegmar Schneider, Claus Jurichs, Hans-Peder Hermannsen, Benno Hattesen u.a. Eine Produktion der Fritz-Wagner-Film Berlin für den Berliner Werbefunk.

Die Freude, ein Schnäppchen ergattern zu können, macht manchmal blind für die möglichen Folgen des Geschäfts, für Bezugsquellen der Handelspartner oder für zukünftige Transaktionen. Es zeichnet sich langsam ein wiederkehrendes Strickmuster bei „Kommissariat 9“ ab, demnach jede nur erdenkliche Möglichkeit inszeniert wird, Endverbrauchern oder Zwischenhändlern ohne oder mit geringwertiger Gegenleistung möglichst viel Geld abzutricksen. „Zum halben Preis“ kündigt diese Vorgehensweise sogar schon im Titel an und weitet den Dunstkreis deutscher Verbrecher auf einen internationalen Kundenkreis aus: Dänen am einen und Afrikaner am anderen Ende der Handelskette fallen auf die windigen Geschäfte von Dr. Lentz und Herrn von der Heyde hinein.

Um die sich recht ähnlichen Handlungen voneinander abzugrenzen, arbeitete die Produktion der Fritz-Wagner-Film nicht nur mit unterschiedlichen Schauplätzen, sondern auch mit verschiedenen Arten, das Team um Kriminalrat Roth auf die dunklen Machenschaften der jeweiligen Ganoven aufmerksam zu machen. In „Zum halben Preis“ spielt das Ermittlertrio einen verhältnismäßig großen Part, der die Aktionen von Dr. Lentz und Co. stets mit Blicken auf das Gegensteuern der Beamten in Form von Befragungen und Recherchen kontrastiert. So gelingt es Regisseur Staudte, wie in einer Art Werbung für die Polizei zu verdeutlichen, dass – wenn auch mit begrenztem Erfolg – immerhin etwas gegen den gezeigten Wucher getan wird. Besetzungstechnisch ist diese Folge dagegen eher unauffällig unterwegs; ein Wiedersehen mit bekannten Gesichtern muss auf ein andermal vertagt werden.

Gubanov ( gelöscht )
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10.09.2014 09:00
#21 RE: Kommissariat 9 (70er-Krimiserie) auf DVD! Zitat · Antworten



Kommissariat 9: Kavaliersdelikte

Episode 10 der TV-Kriminalserie, BRD 1975. Regie: Wolfgang Staudte. Drehbuch: Rolf Schulz. In den Hauptrollen: Herbert Steinmetz (Kriminalrat Roth), Walter Riss (Oberkommissar Tuncik). Gastdarsteller: Heinz Engelmann, Friedrich Schoenfelder, Edeltraud Elsner, Herbert Stass, Alfred Cogho u.a. Eine Produktion der Fritz-Wagner-Film Berlin für den Berliner Werbefunk.

Was die Herren der Medico Bau und Boden treiben, ist keinesfalls nur ein Kavaliersdelikt, auch wenn sie den Aufsichtsrat ihres künstlich aufgepumpten Bauprojekts mit allerlei nam- und ehrenhaften Persönlichkeiten besetzen. Diese fielen auf die fingierten Pläne zum Bau einer Kuranlage ebenso hinein wie Stadtrat und Bürgermeister einer kleinen süddeutschen Gemeinde. Und nun haben sie eine Bauruine in bester Lage vor der Haustür und zusammen 30 Millionen D-Mark weniger auf ihren Konten! Darüber ärgern sich zum Beispiel Friedrich Schoenfelder als Repräsentant Dr. Freiherr von Arning, Heinz Engelmann als Stadtoberer und Tilo von Berlepsch als Anleger. Ausgetrickst wurden sie von Herbert Stass, der seine Rolle als halbseidener Geschäftsmann hier überzeugend und ohne unnötige Übertreibungen ausfüllt.

Um Kriminalrat Roth in Kenntnis über den Fall zu setzen und gleichzeitig dem Zuschauer innerhalb von 25 Minuten dieselbe Geschichte nicht doppelt auftischen zu müssen, lernt man den Bauschwindel über erzählte Rückblenden kennen. Hinzu kommen unkommentierte Blicke auf das Vorgehen der Betrüger. Das so eröffnete Spiel mit den Zeitebenen wird von Staudte routiniert in Szene gesetzt – solche Praktiken konnte er bei seinen „Kommissar“-Einsätzen schließlich bereits üben. Das Zeitkolorit der Siebzigerjahre zeigt in diesem Fall eines seiner hässlichen Gesichter in dem geplanten Kur-, Bade- und Sportkomplex, der in seiner typischen uneinfühlsamen Betonarchitektur eher den Eindruck eines Fabrikgebäudes oder Großkrankenhauses hinterlässt. Auch wenn der Bau fertiggestellt worden wäre: Spätestens heute müsste man ihn aus optischen Gründen schnellstens wieder abreißen ...

Gubanov ( gelöscht )
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11.09.2014 13:50
#22 RE: Kommissariat 9 (70er-Krimiserie) auf DVD! Zitat · Antworten



Kommissariat 9: Ein ehrenwerter Mann

Episode 11 der TV-Kriminalserie, BRD 1975. Regie: Wolfgang Staudte. Drehbuch: Rolf Schulz. In den Hauptrollen: Herbert Steinmetz (Kriminalrat Roth), Edgar Ott (Hauptkommissar Dingelein), Walter Riss (Oberkommissar Tuncik). Gastdarsteller: Fritz Tillmann, Robert Wolfgang Schnell, Toni Herbert, Gerd Duwner, Erik von Loewis u.a. Eine Produktion der Fritz-Wagner-Film Berlin für den Berliner Werbefunk.

Auch wenn Wolfgang Staudte in der Einleitung zur Folge „Ein ehrenwerter Mann“ die mahnenden Worte Professor Tiedemanns aus „Import aus Fernost“ wiederverwendete, so folgt darauf doch ein ganz anders gelagerter und noch deutlich interessanterer Fall von einem viele Jahre zurückliegenden Steuerbetrug, der durch den gehörnten Buchhalter einer Firma für optische Erzeugnisse nun ans Licht gebracht wird. Dieser Herr Mairich – mit glänzender Bestimmtheit von Robert Wolfgang Schnell verkörpert – sieht sich einerseits um Anerkennung für langjährige Dienste betrogen, gibt aber andererseits auch und in erster Linie seinem Gerechtigkeitsempfinden nach, das mit den Aktionen seines Chefs Oehme nicht zu vereinbaren ist. Fritz Tillmann stellt den auf ständigen Wachstumskurs programmierten und dabei „über Leichen gehenden“ Wirtschaftsboss dar und zeigt vor allem, wie diese Spezies ihr Fähnchen in den Wind hängt, um überall das beste Stück vom Kuchen abzubekommen.

Neben Steuerhinterziehung wird auch das geschickte und selbstverständliche Abgreifen von Subventionen und Bezuschussungen – hier am Beispiel der geförderten Ansiedlung von Unternehmen in strukturschwachen Grenzregionen – angerissen, das die kommende Folge noch genauer thematisieren wird. Mit ihrem Wechsel zwischen Berlin und dem fiktiven Grenzort Oberalmbach wird zusätzliches Leben in die spannende Handlung gebracht. Auch bekommt man einen Blick auf das Äußere des Polizeipräsidiums zu sehen, bei dem es sich um den sich nördlich an den Flughafen Tempelhof anschließenden Bauteil an Platz der Luftbrücke und Columbiadamm handelt, in dem heute u.a. noch Hauptzollamt und Zollfahndungsamt Berlin untergebracht sind.

Gubanov ( gelöscht )
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11.09.2014 14:05
#23 RE: Kommissariat 9 (70er-Krimiserie) auf DVD! Zitat · Antworten



Kommissariat 9: Ich bin ein Europäer

Episode 12 der TV-Kriminalserie, BRD 1975. Regie: Wolfgang Staudte. Drehbuch: Rolf Schulz. In den Hauptrollen: Herbert Steinmetz (Kriminalrat Roth), Edgar Ott (Hauptkommissar Dingelein). Gastdarsteller: Ursula Herwig, Gustav Burmester, Ruth Scheerbarth, Carlos Werner, Rolf Schimpf u.a. Eine Produktion der Fritz-Wagner-Film Berlin für den Berliner Werbefunk.

Anreize für das Zusammenwachsen der Wirtschaft in Europa bieten Subventionen, z.B. im Agrarsektor. Die Firma von Hans Bauer nutzt die eigentlich zum Ausgleich unfairer Wettbewerbsverhältnisse gedachten Zahlungen auf illegale Weise, indem sie falsche Bestimmungsorte für ihre Butter-Lieferungen angibt. Die Schiffe, die eigentlich gen Süden fahren sollen, liefern die Ware in Wirklichkeit an die DDR und betrügen damit den Staat um Millionenbeträge. In den Fall, der zunächst nach einer Sache fürs Zollamt aussieht, schalten sich auch die Männer vom neunten Kommissariat ein. Nach einer anonymen Anzeige ermitteln sie in Kollaboration mit ihren Kollegen von Zoll und Staatsanwaltschaft, bis sie bei einer Hausdurchsuchung schließlich unumstößliche Beweise für die Machenschaften Bauers finden.

Vor allem das Ineinandergreifen der Zahnräder der einzelnen Amtsstellen wird in „Ich bin ein Europäer“ sehr überzeugend dargestellt. Als weniger glaubhaft muss man indes den Umstand bezeichnen, dass das Berliner Kommissariat einen Fall angeht, für den eigentlich die Hamburger Kollegen zuständig gewesen wären. Oder soll tatsächlich vermittelt werden, dass das „K9“ immer wieder einmal in einer anderen Stadt sitzt, obwohl das Büro und die Mitarbeiter immer dieselben sind? Von diesen Überlegungen lenken Szenen auf den von Bauer auf Irrwege über europäische Meere geschickten Schiffen sowie kleine Anspielungen ab, die die Doppelmoral der Wirtschaftskriminellen verdeutlichen: Während sie sich unrechtmäßig Unsummen in die Taschen wirtschaften, wollen sie eine Putzfrau anzeigen, weil diese ein paar Kugelschreiber und Kalender mitgehen ließ. Was hier wohl schwerer wiegt ...

Gubanov ( gelöscht )
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11.09.2014 15:25
#24 RE: Kommissariat 9 (70er-Krimiserie) auf DVD! Zitat · Antworten



Kommissariat 9: Schulden haben kurze Beine

Episode 13 der TV-Kriminalserie, BRD 1975. Regie: Wolfgang Staudte. Drehbuch: Rolf Schulz. In den Hauptrollen: Herbert Steinmetz (Kriminalrat Roth), Edgar Ott (Hauptkommissar Dingelein). Gastdarsteller: Helga Krauss, Hans Putz, Susanne Wisten, Henning Gissel, Monika Bohnet u.a. Eine Produktion der Fritz-Wagner-Film Berlin für den Berliner Werbefunk.

In der zunehmend bunten und reizvollen Konsumwelt der Siebzigerjahre übernimmt sich so mancher beim Kauf neuer Wertgegenstände. Dass das meiste per Ratenzahlung oder Kredit finanziert werden kann, macht es noch leichter, Schulden anzuhäufen und über diese früher oder später den Überblick zu verlieren. Davor und vor dem dubiosen Geschäft der Umschuldungsfirmen warnt die letzte Folge der ersten „Kommissariat 9“-Staffel. Eine Firma, die die Raten im Auftrag des Endkunden an verschiedene Gläubiger zu bezahlen behauptet, steckt sich das dafür mühsam abgestotterte Geld der Vertragspartner selbst in die Tasche und verschlimmert damit noch die Situation der Schuldner.

Die Stelle von Oberkomissar Tuncik nimmt diesmal die neugierige und hochmotivierte Sekretärin Frau Kern ein. Als hätten Dingelein und Roth noch nicht genügend Fälle zu bearbeiten, lenkt sie deren Aufmerksamkeit auf undurchschaubare Geschäftemacher, die ihre Dienste per Zeitungsannonce anbieten. Wie in den anderen Fällen des „K9“ endet auch diesmal die Episode recht abrupt und entlässt den Zuschauer damit in Ungewissheit über die Konsequenzen für die Verbrecher und ihre Straftaten. Klar ist in der Serie immer, wer der Gelackmeierte ist. Doch ob derjenige, der ihn in die prekäre Situation gebracht hat, seine gerechte Strafe erhält, steht in den allermeisten Fällen offen oder gar anzuzweifeln. Hier macht sich die realistische und pragmatische Sichtweise der Drehbücher von Rolf Schulz bemerkbar, die sich über das altmodische Prinzip, dem TV-Publikum leicht zu verdauende „Alles wird gut“-Kost zu servieren, hinwegsetzt.

„Kommissariat 9“ entpuppt sich als ungewöhnlicher Brillant unter den nostalgischen Vorabendserien. Pessimistischer, aber auch realitätsgetreuer als ihre meisten Kollegen schildert die Reihe ausschließlich Wirtschaftsstraftaten abseits der üblichen privaten Mord- und Erbschaftsgeschichten. Diese Kost, die weit weniger trocken als vielleicht zu erwarten ausfällt, wird neben den interessant gestalteten Scripts und der nüchternen Regie von einem starken Ermittlerteam, von schönen und teils aufwändigen Außenaufnahmen und von einigen prominenten Gastdarstellern abgerundet. 4 von 5 Punkten.

Anspieltipps: „Tamaro-Bau GmbH & Co. KG“, „Herzlich eingeladen“, „Potemkin lässt grüßen“, „Ein ehrenwerter Mann“ und „Schulden haben kurze Beine“

Gubanov ( gelöscht )
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11.03.2015 21:30
#25 RE: Kommissariat 9 (70er-Krimiserie) auf DVD! Zitat · Antworten

Nach der überzeugenden ersten Staffel war ich auf weitere Wirtschaftsstraftaten neugierig:



Kommissariat 9: Die Edlen der Heilkunst

Episode 14 der TV-Kriminalserie, BRD 1978. Regie: Wolfgang Schleif. Drehbuch: Rolf Schulz. In den Hauptrollen: Herbert Steinmetz (Kriminalrat Roth), Edgar Ott (Hauptkommissar Dingelein). Gastdarsteller: Friedrich Georg Beckhaus, Almut Eggert, Jürgen Thormann, Horst Naumann, Günter Glaser u.a. Eine Produktion der Fritz-Wagner-Film Berlin für den Berliner Werbefunk.

Wer beim Titel „Die Edlen der Heilkunst“ an Pfuschmedikamente oder einen Placebo-Schwindel denkt, unterschätzt den Erfindungsreichtum des Serienvaters Rolf Schulz. Das Pharmamilieu bildet lediglich die Kulisse für einen Fall von Wettbewerbsverzerrung, der hier anhand von Absprachen über Medikamentenrohstoffe thematisiert wird. Großkonzerne treffen illegale Abmachungen untereinander und treiben damit ein Familienunternehmen in den Konkurs. Der zunehmend panische Geschäftsmann Kehl wird von Friedrich Georg Beckhaus gespielt, während Almut Eggert als seine Frau zu sehen ist. Von den wirtschaftlichen Aspekten der Arbeit ihres Mannes hat sie nur vage Vorstellungen; die Rolle der Frau ist primär für die Darstellung der privaten Misere der Kehls, die die Absprachen zu ihren Lasten mit sich bringen, verantwortlich.

Neben dem eigentlich thematisierten Delikt wird nonchalant ein möglicher Mordfall eingebunden. Über die Gründe für den Tod des Dr. Heylmann, der für Kehl der einzige Mittelsmann für die Beschaffung des Wirkstoffs war, schweigt sich „Die Edlen der Heilkunst“ aus. Unfall, Mord aus Habgier, Beseitigung eines leidigen Konkurrenten – als Zuschauer kann man sich eine Version nach Belieben aussuchen. Vielleicht hätte man das wie üblich recht abrupte Ende etwas ausbauen können, wenn man am Anfang etwas rascher inszeniert und auf Genfer Seeaufnahmen und einen Gesangsauftritt verzichtet hätte. Dann wäre eventuell auch mehr Platz für Jürgen Thormann gewesen, der als aufbrausender Nachfolger Heylmanns einmal nicht nur zu hören, sondern auch leibhaftig zu sehen ist.

Gubanov ( gelöscht )
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11.03.2015 22:45
#26 RE: Kommissariat 9 (70er-Krimiserie) auf DVD! Zitat · Antworten



Kommissariat 9: Der Preisbrecher

Episode 15 der TV-Kriminalserie, BRD 1978. Regie: Wolfgang Schleif. Drehbuch: Rolf Schulz. In den Hauptrollen: Herbert Steinmetz (Kriminalrat Roth), Walter Riss (Oberkommissar Tuncik). Gastdarsteller: Ulrich Beiger, Astrid Fournell, Dagmar Altrichter, Helga Schlack, Lutz Moik u.a. Eine Produktion der Fritz-Wagner-Film Berlin für den Berliner Werbefunk.

In den Zeiten von H&M und Primark erschüttert weniger der Umstand, dass sich eine „Kommissariat 9“-Episode dem Preisdumping in der Textilbranche annimmt, als vielmehr die Tatsache, dass ein Kleid für 79,80 Mark als aufsehenerregender Preisbrecher angeprangert wird. Da soll nochmal einer behaupten, die Preise seien in der Zwischenzeit in allen Bereichen über Gebühr gestiegen! Parallelen bestehen zu der Episode „Import aus Fernost“ insofern, als auch dieses Mal wieder falsch deklarierte Waren aus Hongkong eingeführt werden. Die dort produzierten Kleidungsstücke finden ihren Weg am peniblen deutschen Zoll vorbei über einen Umweg via Italien. Hier schwingen sowohl die Angst vor dem wohlstandsgefährdenden Preisgefälle in Asien als auch die Vorbehalte der „ordentlichen Deutschen“ gegenüber den nachlässigen Südländern mit – Lebenserfahrung aus den Siebzigern, dabei politisch völlig inkorrekt.

Beeindruckend gestalten sich die Location-Drehs. Für jeweils nur wenige Minuten Filmmaterial wurden Aufnahmen an Originalschauplätzen in Hongkong und Neapel gedreht – jeweils mit den Hauptdarstellern Ulrich Beiger und Astrid Fournell. In dieser Hinsicht fiel auch bereits die Vorgängerepisode mit ihren Genf-Aufnahmen auf – in jenem Fall bequemte sich sogar Universitätsprofessor Dr. Tiedemann aus seiner Gelehrtenstube an die Seepromenade. In „Der Preisbrecher“ überzeugt Ulrich Beiger als gieriger Modeboss, der seinem Umfeld und seinen Angestellten von Konjunkturschwäche und geschäftlichen Problemen vorjammert, in Wahrheit aber mit seinen neuen Tricks nur zufällig entdeckte Einnahmequellen ausschöpfen will. In einer Nebenrolle als Italiener ist Paul Muller zu sehen, der im Abspann als Robert Muller aufgeführt wird.

Gubanov ( gelöscht )
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12.03.2015 13:45
#27 RE: Kommissariat 9 (70er-Krimiserie) auf DVD! Zitat · Antworten



Kommissariat 9: Die Großen und die Kleinen

Episode 16 der TV-Kriminalserie, BRD 1978. Regie: Wolfgang Schleif. Drehbuch: Rolf Schulz. In den Hauptrollen: Edgar Ott (Hauptkommissar Dingelein). Gastdarsteller: Wolfgang Lukschy, Dinah Hinz, Leopold Gmeinwieser, Paula Braend, Hans-Georg Panczak u.a. Eine Produktion der Fritz-Wagner-Film Berlin für den Berliner Werbefunk.

Während eine alte Dame wegen Zigarettenschmuggels über die Grenze zwischen Deutschland und Schweiz zu einer Steuernachzahlung von 20’000 Mark verurteilt wird, findet ihr Arbeitgeber, ein windiger Geschäftsmann mit Firmensitz in Konstanz und Haus in der Schweiz, immer wieder neue Steuertricks, um sein Vermögen auf „unkonventionelle“ Weise zu vergrößern. Seine Transaktionen wickelt er am liebsten über Zürich, Vaduz oder die Bahamas ab, um jedwede Nachverfolgung seines Fiskalbetrugs zu verhindern. „Die Kleinen hängt man und die großen lässt man laufen“, beschwert sich daraufhin Hans-Georg Panczak bei Hauptkommissar Dingelein vom „Kommissariat 9“. Die Episode konzentriert sich ganz auf diesen angeblichen Skalenunterschied und übertritt dabei stellenweise die Grenze eines Krimis mit Ratgebergehalt zu einer wilden Robin-Hood-(Un-)Gerechtigkeitsfantasie – auch wenn sich Edgar Ott auf einsamem Posten um Seriosität bemüht.

Dies tritt umso offensichtlicher in den Vordergrund, als die Geschichte mit Paula Braend sich den Verhältnissen anderer Vorabendserien angleicht und etwas arg bieder daherkommt. Aber klar: Zigarettenschmuggel war in den Siebzigern wohl ein Kavaliersdelikt – kaum ein Raucher, der gegen die gezeigte Praxis Widerspruch einlegen würde. Wolfgang Lukschy steht für die andere Seite der Medaille und verleiht seinem eingefleischten Geschäftsmann Gabner stellenweise geradezu humoristische Züge. Im Gegensatz zu der von Paula Braend an den Tag gelegten platten bayerischen Volksschauspieler-Mentalität gestalten sich Lukschys Pointen feinsinniger. Am Ende wird diesmal ein versöhnlicher Ausgang gewählt, indem die geschädigte „Kleine“ vom „großen“ Haifisch Unterstützung zugesprochen bekommt – Beziehungen muss man eben haben ...

Gubanov ( gelöscht )
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12.03.2015 15:05
#28 RE: Kommissariat 9 (70er-Krimiserie) auf DVD! Zitat · Antworten



Kommissariat 9: Edle Sorten

Episode 17 der TV-Kriminalserie, BRD 1978. Regie: Wolfgang Schleif. Drehbuch: Rolf Schulz. In den Hauptrollen: Herbert Steinmetz (Kriminalrat Roth), Edgar Ott (Hauptkommissar Dingelein), Walter Riss (Oberkommissar Tuncik). Gastdarsteller: Hans Söhnker, Manfred Seipold, Michael Nowka, Christian Dolny, Mechthild Liesebrecht u.a. Eine Produktion der Fritz-Wagner-Film Berlin für den Berliner Werbefunk.

Im Prinzip zeigt „Edle Sorten“ noch einmal die gleiche Handlung wie „Der Preisbrecher“, nur dass statt an Seidenkleidern diesmal an namhaftem „Wein aus deutschen Landen“ über den Spielraum der EG-Bestimmungen hinaus herumexperimentiert wird. Wem andere „Kommissariats“-Folgen zu trocken sind, bekommt hier ganz ordentlich aufgetischt: Vor allem Hans Söhnker ist mit sichtlicher Spiellaune am Werk und wirkt als Winzer alter Schule so jovial, als habe er sich selbst von seiner „Freikammerer Herrengarten“ vor jeder Szene einen guten Schluck gegönnt.

Das gewohnte Team Steinmetz / Ott / Riss ist in „Edle Sorten“ zum ersten Mal zu dritt in einer Folge der zweiten Staffel zu sehen. Die Szenen in den Büros des Sonderdezernats für Wirtschaftsstraftaten nehmen im Vergleich mit der ersten Staffel ebenso ab wie die Screentime für die Hauptdarsteller, die je nach Fall von verschiedenen Fachexperten unterstützt werden, um die Authentizität zu steigern. Dies räumt umso größeren Platz für die einzelnen Spielhandlungen mit ihren Vorgeschichten ein, die von Wolfgang Schleif zumeist mit ausgewogenem Gespür für Dramaturgie und Tempo erzählt werden. So nehmen er und Rolf Schulz auch im vorliegenden Fall die Gründe für die kriminellen Handlungen ebenso unter die Lupe wie deren Auswirkungen. Im Vergleich zu anderen Episoden zeigt sich dabei, dass auch für einen Gesetzesverstoß wie den hier beschriebenen keine bösartige Absicht oder kriminelle Energie vorhanden sein muss, sondern dass falsches Management und unbedachte Rettungsanker zu ungeahnten Konsequenzen führen können. Die Schuldfrage bleibt damit zumindest moralisch unbeantwortet.

Gubanov ( gelöscht )
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12.03.2015 16:00
#29 RE: Kommissariat 9 (70er-Krimiserie) auf DVD! Zitat · Antworten



Kommissariat 9: Big Business

Episode 18 der TV-Kriminalserie, BRD 1978. Regie: Wolfgang Schleif. Drehbuch: Rolf Schulz. In den Hauptrollen: Herbert Steinmetz (Kriminalrat Roth), Edgar Ott (Hauptkommissar Dingelein). Gastdarsteller: Herbert Tiede, Harry Wüstenhagen, Manfred Lehmann, Robert Owens, Tom Felleghy u.a. Eine Produktion der Fritz-Wagner-Film Berlin für den Berliner Werbefunk.

Ich unke selbst gern über die Harmlosigkeit von Vorabendserien. Wer ähnliche Vorbehalte hat, sollte sich „Big Business“ ansehen: Nicht nur wird hier die politische Bedeutsamkeit der auf den ersten Blick wirtschaftshinderlichen Embargo-Bestimmungen zur Beschränkung von Waffen- und Militärtechnik-Exporten in Krisengebiete an einem anschaulichen Beispiel erläutert. Auch ließ Rolf Schulz seinen Protagonisten für die Verhältnisse eines 25-Minüters geradezu erschreckend tiefgründige Charakterzüge angedeihen und stattete sie mit absoluter Kaltschnäuzigkeit oder bemitleidenswerter Hilflosigkeit aus. In starken Szenen, die auch Wolfgang Schleifs Gespür für eine unheilvolle Stimmung verdeutlichen, stehen sich Harry Wüstenhagen als kompromissloser Mittelsmann Frenzel und Herbert Tiede als in Schwierigkeiten geratener Unternehmer gegenüber, der sich ins Verderben stürzt, weil er sich privat wie geschäftlich in die Hände Frenzels treiben lässt.

Was über weite Strecken im afrikanischen Fantasieland Gabundi spielt (exotische Außenaufnahmen verstehen sich in dieser Reihe ja geradezu von selbst und überzeugen hier wieder mit unaufdringlichem Dokumentarwert), steigert sich im Finale zu einer Geschichte über interne Betriebsspionage und kulminiert in einem dramatischen Finale, in dem Tiede noch einmal alle Register zieht. Der Schluss gerät etwas kryptisch und soll wahrscheinlich die pessimistische Ausrichtung dieser Episode betonen, nach der der zuvor aufrichtige Mitarbeiter Wilcek am Ende in die undurchsichtigen Fußstapfen seines Vorgängers tritt. Gerade in der zweiten Staffel der Reihe wird damit offensichtlich, dass das Themenfeld Wirtschaftskriminalität nicht nur über viele verschiedene inhaltliche Anwendungsbereiche verfügt, sondern dass auch die immer unterschiedliche Positionierung zu den jeweiligen Themen für Abwechslung sorgt.

Gubanov ( gelöscht )
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13.03.2015 11:40
#30 RE: Kommissariat 9 (70er-Krimiserie) auf DVD! Zitat · Antworten



Kommissariat 9: Fett macht Fett

Episode 19 der TV-Kriminalserie, BRD 1978. Regie: Wolfgang Schleif. Drehbuch: Rolf Schulz. In den Hauptrollen: Herbert Steinmetz (Kriminalrat Roth), Walter Riss (Oberkommissar Tuncik), Eva Manhardt (Inge Scholz). Gastdarsteller: Franz Gary, Christian Rode, Henriette Gonnermann, Sigfried Unruh, Dagmar Altrichter u.a. Eine Produktion der Fritz-Wagner-Film Berlin für den Berliner Werbefunk.

Die gute Butter steht auch auf dem Frühstückstisch der Roths. In den Siebzigerjahren sorgte das beliebte Lebensmittel allerdings für Schlagzeilen, nachdem die Subventionspolitik für Agrarbetriebe zu einer ständigen Überproduktion führte – der sogenannte Butterberg türmte sich auf. Um dennoch gute Geschäfte mit der fettigen Ware zu machen und sich gleichzeitig staatliche Unterstützungen für den Warenexport zu sichern, verfällt in dieser Episode des „Kommissariats 9“ ein Betrieb auf die Geschäftsidee, Butter über die Schweiz nach Bulgarien zu exportieren, so dort in ein Würzmittel zu mischen, wieder einzuführen und, angekommen in Deutschland, das Butterfett aus der Mixtur zu extrahieren. Schließlich wird der zurückgewonnene Rohstoff als Industriebutter erneut verkauft.

Sowohl Kriminalrat Roth als auch Professor Tiedemann weisen auf den undurchdringlichen Dschungel an Subventionsmöglichkeiten hin, die Schwindler und Verbrecher geradezu anlocken. Um in diesem Dickicht nicht die Übersicht zu verlieren, holt sich das K9 eine Expertin für EG-Bestimmungen ins Haus – Darstellerin Eva Manhardt wird im weiteren Verlauf der zweiten und in der dritten Staffel zum Stammpersonal zählen. Neben den Erschleichungen von Export-Zuschüssen hält „Fett macht Fett“ der zunehmenden Chemisierung der Lebensmittelindustrie den Spiegel vor und setzt gekonnte Spitzen gegen teilweise wissentlich falsche Werbung („Margarine ist gesünder als Butter“ / „Butter ist gesünder als Margarine“). Der Blick in das Privatleben des Ermittlers sorgt wie in „Der Preisbrecher“ für Kurzweil.

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